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Wein und Lavendel

Wein und Lavendel

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Wein und Lavendel

Länge:
137 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Dez. 2019
ISBN:
9783750447165
Format:
Buch

Beschreibung

Wie alle anderen Winzer ist auch Tom Frangen alles andere als begeistert, als eines Tages eine junge Französin im kleinen Weinbauort Wachtburg auftaucht, um ihr Erbe anzutreten - und ausgerechnet auf der besten Lage beginnt, Lavendel anzupflanzen. Doch mit viel Charme und Lavendelduft erobert Marianne die Herzen der Weinbauern und schließlich auch das des Jungwinzers. Wäre da nicht die ehrgeizige wie schöne Gutsbesitzerin Luisa Reuter, die einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommet und ihre Chance sieht, die Rivalin um Toms Liebe für immer zu vertreiben ...
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Dez. 2019
ISBN:
9783750447165
Format:
Buch

Über den Autor

Cecilia Brand wurde 1981 geboren und begann bereits in ihrer Kindheit zu schreiben. Sie arbeitete während des Studiums und anschließend zunächst als Assistentin im Kulturbereich, ehe sie sich entschloss, als freie Autorin ihren Kindheitstraum wahr werden zu lassen. Für die Liebe ihres Lebens zog Cecilia von Bayern nach Schleswig-Holstein, wo sie neben dem Schreiben am liebsten musiziert und lange Strandspaziergänge unternimmt.


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Buchvorschau

Wein und Lavendel - Cecilia Brand

17

Kapitel 1

Der schrille Pfiff aus der Trillerpfeife des Schaffners gellte durch die Dämmerung. Marianne Lenz sah auf. Hinter ihr fielen die Türen der Regionalbahn, aus der sie eben gestiegen war, krachend zu und der Zug setzte sich mit Getöse in Bewegung. Sie packte ihren großen Koffer mit der zum Bersten gefüllten Reisetasche obenauf am Griff und zerrte ihn etwas von der Bahnsteigkante weg, während der Zug langsam aus dem Bahnhof rollte, beschleunigte und schließlich im Halbdunkel hinter einer Biegung verschwand.

Marianne sah sich um. Die feuchte Märzluft hängte sich bereits mit hunderten kleiner Tropfen in die unter der Strickmütze hervorlugenden, feinen hellbraunen Haare rund um ihre weiße Stirn und in die dichten, schweren Wimpern, während ihre in der Dämmerung dunklen Augen den verlassenen Bahnsteig musterten: das Bahnhofsgebäude, die schmale Reihe kahler Schrebergärten, die den kleinen Bahnhof von den ersten Wohnhäusern des Ortes trennten. Dahinter ließen sich die älteren Fachwerkgebäude eines historischen Ortskern vermuten und wiederum hinter ihnen ragte, grauschwarz gegen den düsteren Himmel, der Turm einer verfallenen Burg auf und überblickte das gesamte Tal. Marianne sah nach dem Bahnhofsschild, wo sich in der Dämmerung leuchtenden weißen Buchstaben auf dunklem Grund zeigten: Bilsenstein an der Weinstraße. Sie nickte. Hier war sie richtig.

Den schweren Koffer, der zusammen mit der Tasche beinahe so groß schien wie sie selbst, hinter sich herzerrend verließ Marianne Lenz den Bahnhof und machte sich auf den Weg durch Bilsenstein. Kein Mensch war an diesem späten und ungemütlich kühlen Sonntagabend auf der Straße. Hinter einigen Fenstern flackerte blaues Fernseherlicht als einziges Lebenszeichen. Marianne hielt sich gar nicht erst mit der Suche nach einer Hinweistafel auf, sondern folgte der erstbesten größeren Straße, die aussah, als würde sie sie zur Burg bringen, deren hohen Turm sie fest im Blick behielt. Niemand begegnete ihr auf ihrem Weg. Der Koffer schien bei jedem Schritt schwerer zu werden.

Als Marianne die Wohnsiedlung durchquerte und am Stadttor des Ortskerns ankam, wo der Koffer auf dem Kopfsteinpflaster laut zu poltern begann, brannten ihre Arme bereits wie Feuer, aber immerhin war die Burg jetzt deutlich näher gekommen. Sie schritt unter dem Torbogen mit seinem kleinen, erkerbewehrten Wachturm hindurch und überquerte den weitläufigen Marktplatz. Sie wusste, wo sie sich befand und wo sie hinmusste, denn mit dem Durchschreiten des Stadttores erkannte sie den Ort wieder, den ihr ihr Großonkel bei ihren Besuchen im Pflegeheim und zuletzt im Krankenhaus in den lebhaftesten Farben geschildert hatte – erkannte den Springbrunnen in der Mitte, in den er einmal nach einer Wette mit seinen Freunden für zwei Mark hineingesprungen war, direkt nach der Rebenernte, erkannte das Rathaus, die Georgskirche halb hinter der Weinstube ›Goldene Rebe‹ und einem Gebäude, in dem früher eine der Metzgereien war, das aber jetzt einen Hofladen beherbergte. Sie wusste, dass die Toreinfahrt und breite Hausfront auf der rechten Seite zum ältesten Weingut der Gegend gehörte, in das sich vor einigen Jahrzehnten eine Familie Reuters eingekauft hatte. Sie musste auch gar nicht auf das Hinweisschild sehen, um zu wissen, dass der breite, ebenfalls kopfsteingepflasterte Weg, der zwischen diesem Gut und dem Hofladen sanft anstieg, direkt zur Burg Bilsenstein führte, die zusammen mit dem mächtigen Fels dahinter der kleinen, malerisch in den Hügeln der Pfalz gelegenen Stadt ihren Namen gegeben hatte. Sie folgte weiter der Straße vor sich, zog den immer widerspenstiger werdenden Koffer an der Kirche vorbei und fröstelte, als der hier in den Gassen pfeifende Wind über ihr schon nasses Haar strich.

»Lieber Onkel Daniel, ich hoffe, dein Häuschen verfügt noch über eine Heizung und warmes Wasser«, dachte sie und beeilte sich, die dunklen und engen Gassen hinter sich zu lassen.

Während sie weiterging und hoffe, dass die Räder des Koffers das letzte Stück des Weges durchhalten würden, kam hinter dem Turm der Burganlage zu ihrer Rechten ein Felsmassiv zum Vorschein, das wie herausgewaschen aus dem sich zur Burg hin absenkenden Hügelkamm ragte. Die Straße, die Marianne entlangging, führte in einer weitläufigen Kurve zu diesem Hügelkamm hin und folgte ihm weiter in die dahinterliegenden Waldhügel, die die letzten Ausläufer der französischen Vogesen bildeten.

Die Häuser standen mittlerweile nicht mehr ganz so eng beisammen, zwischen manchen Hofgebäuden konnte man ins westliche Hinterland sehen, wo sich Hügel an Hügel die Weingärten reihten und vom dunklen Streifen des Pfälzerwaldes abgeschlossen wurden. Marianne wurde erst bewusst, dass sie den Rand des Dorfes erreicht hatte, als ihr eine nun freier, nicht so scharf wehende Windböe den Geruch von Wiesen und Erde zutrug, und wieder blieb sie stehen. Zu ihrer Linken lag das letzte Grundstück des Ortes, ein Gutshof, nicht so prachtvoll wie der der Reuters am Marktplatz, aber immer noch von bescheidener Ansehnlichkeit: ein in altehrwürdigem Stil errichtetes Wohnhaus, etwas von der Straße zurückgesetzt am Ende einer kurzen, gekiesten Auffahrtsallee. Zwei mächtige und sicher uralte Linden hüteten die Einfahrt wie zwei riesige, aber sanftmütige Wächter. In einem der Fenster im ersten Stock des Haupthauses brannte Licht.

Marianne seufzte und riss sich vom heimeligen Anblick des Hauses los. Wie gern hätte sie sich jetzt gesagt, dass sie nun angekommen sei, die klammen Sachen ausziehen und ein heißes Bad nehmen könne, aber dieser Gutshof war, obwohl am Rand von Bilsenstein gelegen, noch nicht ihr Ziel. Sie wandte sich wieder der Straße zu und zog ihr Gepäck, das ihr mittlerweile so vorkam, als würde es Ziegelsteine enthalten und nicht einfach nur einen Großteil ihres Lebens, weiter in die Dämmerung. Als sie bereits ein gutes Stück entfernt war, begann in einer der Linden eine Amsel zu singen.

Auf der einsamen Wirtschaftsstraße, an der sich links und rechts nur die Weingärten erstreckten, wurde es der jungen Frau im letzten Dämmerlicht unheimlich zumute. Während sie weiterging, klammerte sie sich mit dem Blick an den hoch aufragenden Felsen hinter der Burg und achtete darauf, ob irgendein Weg von der Straße in die Lagen zu ihrer Rechten abzweigten.

»Vielleicht hätte ich doch den ersten Seitenpfad zur Burg gleich am Ortsrand einschlagen sollen?« überlegte sie zaghaft und wollte schon stehenbleiben und umkehren, als sich rechts endlich ein Feldweg öffnete: Er führte von der Straße weg einen Hang hinauf, der erst sanft, dann zunehmend steiler anstieg. An seinem Ende, direkt unterhalb der Felswand, stand ein einfaches Haus – ein Weinberghäuschen mit spitzem Giebel. Marianne sah voller Zufriedenheit, dass eine einsame Stromleitung vom Steilhang her zu dem Häuschen lief. Jetzt war es fast geschafft – sie musste nur noch den Hang erklimmen, dann wäre sie endlich am Ziel. Ein Rad des Koffers schnarrte bereits bedrohlich, aber diesen letzten Rest würde er hoffentlich noch schaffen. Marianne schüttelte die übermüdeten Arme aus, streckte den Rücken durch, packte den Griff des Koffers und stapfte los.

Der untere, sanft ansteigende Teil des Hangs war mit Weinreben besetzt, die erst kürzlich ordentlich hochgebunden und beschnitten waren – an einigen Stellen sah man selbst im Dunkeln noch die frischen, hellen Schnittspuren im schwärzlichen Holz. Auf diesem Abschnitt des Weges kam Marianne noch halbwegs gut voran, auch wenn der Koffer mehr über den bloßen Erdboden schleifte als rollte, aber als der Steilhang begann, musste sie alle paar Meter stehen bleiben. Nicht nur ihre Arme, auch ihre Beine fühlten sich nun taub und wie entzündet an.

»Merde«, fluchte sie leise. »Das werde ich noch nächste Woche spüren.« Als sie sich endlich den ganzen Weg hinauf gequält hatte, durch die Pforte eines niedrigen Mäuerchens trat und aus ihrer Umhängetasche einen großen, altertümlichen Schlüsselbund kramte, war es beinahe vollständig Nacht geworden.

Der Schlüssel ließ sich zum Glück ohne größere Probleme im Schloß herumdrehen, aber die Tür musste sie mit der Schulter aufstoßen. Aus dem Inneren des Hauses schlug ihre kalte, muffige Luft entgegen. Sie erstarrte und horchte ins Dunkel hinein. Nichts rührte sich. Zitternd, halb von der Anstrengung und halb vor Angst, zog Marianne ein Smartphone aus der Tasche und aktivierte die Taschenlampenfunktion. Im kalten Licht des Geräts erschienen ein paar einfache Möbel, ein langgestreckter Holztisch mit mehreren Stühlen, eine Truhenbank und immerhin – ein schmaler Kanonenofen, neben dem sich sogar sauber aufgeschichtet ein paar Kienspäne und Holzscheite befanden. Am anderen Ende des Raumes war eine kleine Küchenzeile mit einem Waschbecken und einigen Regalborden eingebaut worden, alles sehr einfach und schlicht. Marianne wagte sich weiter hinein. Zum Glück sprangen keine Mäuse oder gar Ratten in dem Raum umher, sonst hätte sie gleich wieder kehrt gemacht und solange an jede Tür im Ort gehämmert, bis man ihr ein Zimmer gegeben hätte. Aber nirgends zeigte sich ein rundes Öhrchen oder eine zuckende kleine Nase, und die Tischfläche, der Dielenboden, der alte Buffetschrank bei der Küchenecke und auch sonst alle Flächen waren zwar nicht übermäßig sauber, aber auch nicht so dreckig wie es Marianne bei einem seit Jahrzehnten verlassenen Haus gedacht hätte.

»Vielleicht hat einer der Winzer im Ort auch einen Schlüssel und benutzt das Haus im Sommer«, dachte sie und beschloss, den Koffer hineinzuschaffen. »Der wird sich dieses Jahr wohl etwas anderes suchen müssen.«

Als der Koffer endlich über die zwei Steinstufen ins Innere des Hauses gewuchtet war – dass an den Rädern größere feuchte Erdklumpen mit hineinkamen, darum würde sie sich morgen kümmern – ging Marianne noch einmal nach draußen und um das Haus herum

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