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Foucault in 60 Minuten

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Foucault in 60 Minuten

Bewertungen:
5/5 (1 Bewertung)
Länge:
150 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Dez. 2019
ISBN:
9783750454880
Format:
Buch

Beschreibung

Foucault gilt als einer der ganz großen Poststrukturalisten, lehnte selbst aber jede Zuordnung seines Denkens ab. Tatsächlich künden schon seine spektakulären Buchtitel von einer radikal neuen Sicht auf die Dinge, so etwa: "Wahnsinn und Gesellschaft", "Überwachen und Strafen", "Der Gebrauch der Lüste", "Die Ordnung der Dinge". Foucault gehört zu jenen Philosophen, deren Bedeutung nach ihrem Tod nicht nachlässt, sondern beständig zunimmt. Dieser Umstand ist erfreulich und bedenklich zugleich. Erfreulich, weil Foucaults zentraler Gedanke lebendig geblieben ist und immer relevanter wird, bedenklich, weil eben dieser Kerngedanke etwas Beunruhigendes hat: "der Mensch verschwindet, wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand." Foucault meint mit seiner These vom "Tod des Menschen" nicht, dass wir als Gattung aussterben, etwa durch die Klimaerwärmung. Er will uns zu verstehen geben, dass der Mensch, so wie wir ihn kennen, nämlich als freies, selbstbestimmtes und spontan lustvolles Wesen allmählich verschwindet. Er löst sich in den Diskursen und Strukturen unserer Zwangsgesellschaft auf - und zwar auf dieselbe lautlose Art, wie ein in den Sand gezeichnetes Gesicht von den Wellen verwischt wird. Im 18. Jahrhundert wurde ein neuartiges rundes Gefängnis entwickelt, das dem Wächter vom Mittelpunkt aus, die Beobachtung aller Gefangenen erlaubt. Dieses Gefühl, jederzeit beobachtet zu sein, ist, so Foucault, zum Modell für unsere gesamte Gesellschaft geworden. Letztlich entwickelt er seinen Kerngedanken in 3 Schritten: Als erstes gräbt und forscht er wie ein Archäologe nach alten Überzeugungen, die unsere heutigen Einstellungen hervorgebracht und geprägt haben. In einem zweiten Schritt kritisiert er diese Geisteshaltung, da sie viele Menschen ausgrenzt, und uns alle von unseren Bedürfnissen abschneidet. In einem dritten und letzten Schritt versucht er trotz des Ausgeliefertseins an die Zwangsgesellschaft, ein Konzept für eine moderne Lebenskunst zu entwerfen.
Wie sieht diese Lebenskunst aus? Ist es überhaupt noch möglich, als einzelnes Subjekt aus der Zwangsgesellschaft auszubrechen? Hat Foucault mit seinem berühmten Gefängnis-Paradigma recht und wir alle fühlen uns beobachtet? Gipfelt womöglich unser digitales Zeitalter in totaler Selbstdisziplinierung? Kein Zweifel - Foucaults Gedanken sind von beunruhigender Aktualität. Sein Kerngedanke wird anhand von über hundert seiner besten Zitate dargestellt. Das Buch ist in der beliebten Reihe "Große Denker in 60 Minuten" erschienen.
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Dez. 2019
ISBN:
9783750454880
Format:
Buch

Über den Autor

Dr. Walther Ziegler ist promovierter Philosoph, Journalist und Hochschullehrer. Als Auslandskorrespondent, Reporter und Nachrichtenchef des Fernsehsenders ProSieben produzierte er Filme auf allen Kontinenten. Seine Reportagen wurden mehrfach preisgekrönt. Von 2007-2016 leitet er eine University of Applied Sciences und unterrichtet seine Studentinnen und Studenten in den Fächern TV-Journalismus, Dramaturgie und Philosophie. Er ist Autor zahlreicher philosophischer Bücher. Als langjährigem Journalisten gelingt es ihm, das komplexe Wissen der großen Philosophen spannend und verständlich auf den Punkt zu bringen. Seine Buchreihe "Große Denker in 60 Minuten" wird in sechs Sprachen übersetzt und findet weltweit begeisterte Leserinnen und Leser.


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Buchvorschau

Foucault in 60 Minuten - Walther Ziegler

Dank an Rudolf Aichner für seine unermüdliche und kritische Redigierung,

Silke Ruthenberg für die feine Grafik, Angela Schumitz, Lydia Pointvogl, Eva Amberger,

Christiane Hüttner, Walburga Allgeier, Dr. Martin Engler für das Lektorat

und Dank an Prof. Guntram Knapp, der mich für die Philosophie begeistert hat.

Inhalt

Foucaults große Entdeckung

Foucaults Kerngedanke

Archäologie des Wissens: Wie wir wurden, wer wir sind

Wahnsinn und Gesellschaft – die Ausgrenzung der Unvernunft

Überwachen und Strafen – die Struktur unserer Gesellschaft

Das Dispositiv der Sexualität

Die Ordnung der Dinge und das Verschwinden des Menschen

Was nutzt uns Foucaults Entdeckung heute?

Foucaults Panoptikum-Gefängnis: der Prototyp digitaler Überwachung?

Die unsichtbare Hand hinter allem: das Dispositiv erkennen!

Wenn wir Teil der Diskursstruktur sind, wie sollen wir ausbrechen?

Foucaults Vermächtnis: das eigene Leben zum Kunstwerk machen

Zitatverzeichnis:

Foucaults große Entdeckung

Michel Foucault (1926-1984) ist der wohl schillerndste Philosoph des 20. Jahrhunderts. Er gilt als einer der ganz großen Poststrukturalisten, lehnt selbst aber jede Zuordnung ab. Sein Denken, so Foucault, passe letztlich in keine philosophische Tradition:

Wenn er ein Thema bearbeite, dann habe er im Unterschied zu anderen Philosophen keine Theorie, die er immer wieder anwenden könne:

Foucault war in der Tat ein sehr eigenwilliger Denker, was bereits seine Buchtitel bezeugen: Wahnsinn und Gesellschaft, Überwachen und Strafen, Die Ordnung der Dinge, Der Gebrauch der Lüste oder Die Sorge um sich. Kaum ein anderer Philosoph hat die Diskussion der letzten Jahrzehnte intellektuell so beflügelt wie Foucault. Zwar hat er keine eigene Denkrichtung oder Schule gegründet, dafür aber gehört er zu jenen Philosophen, deren Bedeutung nach ihrem Tod nicht nachgelassen hat. Im Gegenteil – je weiter wir uns zeitlich von ihm entfernen, umso größer wird die Brisanz seiner Philosophie. Dieser Umstand ist erfreulich und bedenklich zugleich. Erfreulich, weil Foucaults zentraler Gedanke ganz offensichtlich bis zum heutigen Tag lebendig geblieben ist, bedenklich, weil eben dieser Kerngedanke etwas Beunruhigendes und Alarmierendes hat:

Der Mensch, so Foucaults dunkle Prognose, wird langsam und unaufhaltsam verschwinden. In den völlig überfüllten Hörsälen am Collège de France, der Elite-Universität von Paris, verkündet er als junger Professor mit gerade mal vierzig Jahren seinen staunenden Studenten Foucault meint damit allerdings nicht, wie man zunächst vermuten könnte, dass die menschliche Gattung ausstirbt, etwa durch einen Atomkrieg oder die Folgen der Klimaerwärmung. Nein – der Tod des Menschen vollzieht sich gemäß Foucault keineswegs mit einem Paukenschlag, sondern lautlos, geradezu unmerklich und von innen heraus. Es ist kein physischer, sondern ein psychischer Tod. Foucault will uns zu verstehen geben, dass der Mensch, so wie wir ihn kennen, nämlich als freies, selbstbestimmtes und spontan lustvolles Wesen langsam verschwinden wird. Er löst sich auf in den Diskursen und Strukturen unserer Zwangsgesellschaft – und zwar auf dieselbe unspektakuläre Art, wie ein in den Sand gezeichnetes Gesicht. Mit jeder Welle verliert es an Kontur.

Damit widerspricht Foucault radikal der üblichen Einschätzung, dass der moderne Mensch im Gefolge der Aufklärung immer mehr zu sich selbst findet und immer größere individuelle Freiheiten genießt. Unsere Welt, so Foucault, würde keineswegs durch den wissenschaftlichen Fortschritt und den Humanismus kontinuierlich besser werden. Das Gegenteil sei der Fall. Zwar sei der Mensch in der Epoche der Aufklärung angetreten, um sich selbst mit Hilfe der Wissenschaft und der Kraft des erkennenden Subjekts von allen Zwängen der Natur und der Religion zu befreien, doch am Ende hätte sein angehäuftes Wissen das genaue Gegenteil bewirkt:

Das entfesselte Wissenwollen des Menschen führt zwar gemäß Foucault seit der Aufklärung zu großen technischen Fortschritten. Auch befreit es uns von den mittelalterlichen Illusionen und vom Aberglauben, gleichzeitig aber erzeugt es anstelle des alten Irrationalismus neue, rationale Strukturen, die gerade, weil sie rational begründet sind, die Freiheit des Menschen unerbittlicher beschränken, als jemals zuvor. Die neuen rationalen Erkenntnisse der Wissenschaft und der damit einhergehende Humanismus bringen nur scheinbar eine Verbesserung, in Wirklichkeit sind sie Macht gewordenes Wissen, ein stählernes Korsett, das die Gesellschaft als Ganzes erfasst und diszipliniert.

Der Mensch steuert also mit der Entfesselung seiner Vernunft, ohne es zu wollen, planmäßig auf seine eigene Selbstauflösung hin. Für Foucault ist das 17. und 18. Jahrhundert das eigentlich verhängnisvolle Zeitalter. Hier beginnt die „Abschaffung des Menschen". Die Wissenschaftler machen nämlich jetzt den Menschen selbst zum Forschungsobjekt. Es entstehen die sogenannten Humanwissenschaften, unter anderem Biologie, Psychologie, Psychiatrie und Kriminologie, die ein ganz neuartiges und systematisches Wissen vom Menschen hervorbringen. Die Wissenschaft liefert erstmals exakte Definitionen

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Rezensionen

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Leser-Rezensionen

  • (5/5)
    Très bon livre mais j'ai besoin de ça en français