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Einhorn-Kapitalismus: Wie die mächtigsten Start-ups der Welt unsere Zukunft bestimmen

Einhorn-Kapitalismus: Wie die mächtigsten Start-ups der Welt unsere Zukunft bestimmen

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Einhorn-Kapitalismus: Wie die mächtigsten Start-ups der Welt unsere Zukunft bestimmen

Länge:
141 Seiten
1 Stunde
Freigegeben:
Nov 5, 2019
ISBN:
9783964765239
Format:
Buch

Beschreibung

Wer die Zukunft verstehen will, muss den Einhörnern folgen. Es sind Start-ups, deren Wert bereits vor dem Börsengang mit über einer Milliarde US-Dollar beziffert wird. Bekannte Namen wie Airbnb, N26 oder das Weltraumprojekt SpaceX gehören dazu, aber auch viele Unbekannte aus China. Einhorn-Unternehmen zeigen uns, an welche Zukunft, Technologien und gesellschaftliche Umbrüche eine kleine Gruppe einflussreicher Investoren glaubt. Und je mehr Geld investiert wird, desto mächtiger werden diese Ideen. Joël Luc Cachelin beschreibt, wie der Einhorn-Kapitalismus funktioniert und welche Kräfte er freisetzt. Denn die Einhörner schalten nicht nur unsere Kreativität gleich, ebenso führen sie zu Entsolidarisierung und Spekulationsblasen. Eine Entwicklung, der wir aber nicht hilflos ausgeliefert sind. Wir können mit den Einhörnern umgehen und ihre Leidenschaft für unsere Ziele nutzen.
Freigegeben:
Nov 5, 2019
ISBN:
9783964765239
Format:
Buch

Über den Autor


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Einhorn-Kapitalismus - Joël Luc Cachelin

aufwerfen

Kapitel 1

Symbolik der Einhörner

Warum es sich lohnt, den Kult der Einhörner zu studieren

Einhörner als Träger des Einhornkapitalismus

Follow the Money

Wir alle wissen, es gibt keine Einhörner. Doch wenn wir ganz fest an das Unwahrscheinliche glauben, erfüllen sich unsere kühnsten Träume. In Amerika sichtet man seit einigen Jahren zahlreiche von ihnen, die meisten im Silicon Valley. 2013 führten die Cowboy Ventures den Begriff für Start-ups ein, die Financiers noch vor dem Börsengang mit mindestens einer Milliarde bewerten.¹ Seit damals ist viel passiert. Das Time Magazine führt die Gründerin der Cowboys, Aileen Lee, unter den 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2019. Aus den 38 Tieren wuchs gemäß dem Finanzinformationsdienstleister CB Insights eine globale Herde mit 391 Tieren an.² Man jubelt sie hoch, lässt sie wieder fallen. Es sind keine Unbekannten. Airbnb gehört ebenso zum Club wie der Datenverarbeiter Palantir oder der Co-Working-Anbieter WeWork. Facebook, Uber, Slack und Spotify sind ehemalige Clubmitglieder, die beim Galopp an die Börse ihren Regenbogenschweif abgeben mussten.

Gemeinsam schicken sich die Einhörner an, die Welt zu erobern. Wie wir bezahlen, wohnen und arbeiten, den Urlaub organisieren, Krankheiten behandeln – alles soll neu gedacht und nach deren Geschmack umgeformt werden. Nur professionelle Investoren, Venture-Kapitalisten, vermögen mit ihren Futtervorräten die Einhörner großzuziehen. CB Insights bewertet die gegenwärtige Formation mit über einer Billion US-Dollar: tausend Milliarden, einer Million Millionen Dollar. Ausgestattet mit diesen ungeheuren Beträgen, sind die Fabeltiere gleichermaßen Propheten wie goldene Kälber, um die man erregt tanzt. Nicht nur spiegeln sie die Renditen, Technologien und Geschäftsmodelle der Zukunft in die Gegenwart. Wer die Pläne der wertvollsten Start-ups dieser Welt studiert, erahnt künftige Machtverhältnisse und gesellschaftliche Herausforderungen.

Reichlich spät hatte ich als studierter Betriebswirt die Einsicht, dass, wer über die Zukunft des Kapitalismus berichten will, Geldflüsse observieren muss. Follow the Money. Reihen sich die Nullen aneinander, steigt die ökonomische Bedeutung. Wenn wir ein teureres Restaurant wählen, ist uns das Gourmeterlebnis etwas wert. Im Urlaub erhöht zusätzliches Datenvolumen die digitale Bewegungsfreiheit. Ein hoher Lohn weist einer Arbeit einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert zu. Ähnlich urteilt das Kapital auf höheren Ebenen – bei Budgets oder der Gewichtung von Investitionen. Je höher der Wert eines Einhorns geschätzt wird, desto größer sein Versprechen für die Zukunft, desto stärker beeinflusst es die Gegenwart. Venture-Kapitalisten sind in die Bewertung besonders involviert. Sie betreiben die Einhornzucht nicht als Hobby, vielmehr wollen sie von möglichst hohen Weiterverkaufspreisen profitieren.

Als Weichensteller der Geldflüsse priorisieren sie – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – unsere Wege in die Zukunft. Im Kapitalismus gedeiht sie dort am besten, wo es am meisten Geld gibt. So betrachtet, gleichen die Einhörner den Fruchtkörpern von Pilzen, die an wenigen Stellen ein unterirdisches Rhizom sichtbar machen. Als Extremitäten bringen sie den Einhornkapitalismus hervor. In ihm stauen sich die globalen Finanz-, Daten- und Humankapitalströme bei einigen Hundert Start-ups. Es ist eine Zeit, in der die Suche nach Innovation besonders ausgeprägt ist – und unsere Kreativität zur entscheidenden wirtschaftlichen Ressource aufsteigt. Die Maschinen sind kompetent, die Margen eng, die Konkurrenz flink und global. In dieser Sehnsucht nach Innovation betreten die Einhörner die Bühne. Stolz reißen sie die Ströme an sich und bestimmen gleichzeitig, was mit unserer Kreativität passiert.

Zwischen Schwarmintelligenz und -dummheit

Der Kapitalismus ist ein gigantisches Informationssystem, welches das Verhalten des wirtschaftlichen Schwarms steuert. Es speist sich aus den Transaktionen, die wir täglich tätigen. Jeder Klick, jeder ausgegebene Euro fließt in die Gesamtrechnung ein. Ob ich bei Aldi oder Lidl einkaufe, Äpfel aus dem Thurgau oder Birnen aus Südafrika in den Einkaufskorb lege, mit dem Zug oder dem Flugzeug nach Berlin reise, in Aktien der Deutschen oder einer alternativen Bank investiere – alles macht einen kleinen Unterschied. Je mehr Geld fließt, desto deutlicher das Votum für einen bestimmten Pfad in die Zukunft. Wenn wir mit Gleichgesinnten kooperieren, stärken wir unseren Einfluss. Zusammen kontrollieren wir größere Geldmengen als alleine. Bisher tun wir dies mehrheitlich in Unternehmen, wo wir unsere Ressourcen, Fähigkeiten und Kaufkraft zusammenlegen. Die Kollegen bei der Arbeit setzen sich für die gleichen Visionen ein, das auf Banken zusammengetragene Kapital finanziert Bau- und Gründungsprojekte.

Digitale Communitys erweitern unser Kooperations-spektrum. Wir kennen sie von Ideensammlungen (Crowd Innovation), Finanzierungen (Crowd Sourcing), gegenseitigem Leihen (Crowd Lending), Co-Working-Büros, Anwendungen der Sharing Economy oder der Rudelbildung in den sozialen Medien. Auch der Staat ist ein Zusammenschluss von ökonomischen Akteuren. Er konsumiert, investiert und erlässt Gesetze, welche die Geldflüsse tangieren. Je demokratischer sich ein Staat aufstellt, desto mehr kann sich jeder Einzelne als Weichensteller beteiligen. Autoritäre Staaten vertrauen dagegen auf starke Führungsfiguren, Technokratien auf Algorithmen. Groß ist die Versuchung der digitalaffinen Staatskapitalisten, eine gigantische Datenmaschinerie zu bauen, mit der sich die ganze Welt simulieren, steuern und optimieren lässt. Doch der Traum vom Technostaat ist ebenso alt wie gefährlich.³

Die eben gelobte Schwarmwirtschaft ist keine egalitäre. Nicht allen stehen dieselben entscheidungsrelevanten Informationen zur Verfügung, die meinungsbildende Kapitalgewalt ist ungleich verteilt. Eine Venture-Kapitalistin hat mehr Einfluss auf den Schwarm als der einfache Arbeiter. Stellvertretend für diese Konzentrationsbewegung stehen die Einhörner und deren Jockeys, die mit ihren Milliarden die Zukunft bestimmen. Die japanische Softbank-Gruppe hat 389 Milliarden US-Dollar in 38 Einhörner investiert. Es folgen das Tiger Global Management (269 Milliarden, 42 Einhörner) und Fidelity Management (231 Milliarden, 28 Einhörner).⁴ In den Top Ten sind keine europäischen Einhornzüchter vertreten. Einige Jockeys sind nur am Geld interessiert, das sich mit unseren Ideen machen lässt. Andere beabsichtigen, uns in ein neues Zeitalter zu überführen. Jeff Bezos, ein routinierter Einhornjäger, träumt von einer Zivilisation im All.⁵

Man könnte geld- von wertorientierten Einhörnern unterscheiden, die in der Sprache von Internet-Guru Tim O’Reilly einen Wow-Effekt, ein What-The-Fuck-Gefühl auslösen.⁶ Werden zu viele Einhörner zum Geldanhäufen missbraucht, wenn Einkommen, Vermögen und dadurch die finanzielle Stimmgewalt zu ungleich verteilt sind, profitiert der Schwarm nicht mehr von der Weisheit der vielen. Wie die Legehenne wird das Einhorn zum bemitleidenswerten Zuchttier. Es degeneriert vom Botschafter der Zukunft zum Renditeobjekt. Die kapitalistische Intelligenz kippt in Dummheit, fehlt es im Entscheidungssystem an Diversität und Kontrollmechanismen. Sollten wir den Weichenstellern des Kapitals nicht bedingungslos vertrauen, müssen wir die Kontrolle über die Geldströme zurückerobern und unsere Kreativität schützen. Tun wir dies nicht, werden unsere Ideen – und letztlich wir selbst – ihre Spielzeuge und Machtinstrumente sein. Statt mitzubestimmen, sind wir die Tiere in ihrem Zoo.

Risiken und Nebenwirkungen in Pink

Der hier porträtierte Einhornkapitalismus wäre ohne die Verdichtung der Geld- und Datenströme infolge der Digitalisierung undenkbar. Seine Kräfte wurden extrem, als wir alle unsere Smartphones erhalten hatten. Informationen gehen viral, Abertausende nutzen dieselben Apps, wir häufen gigantische Datenberge auf. Neun Produkte von Alphabet haben über eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer, darunter Gmail, Maps, YouTube, Chrome, Photos und Play.⁷ Die Konzentration von ökonomischem und letztlich politischem Einfluss gehört ebenso zu den Nebenwirkungen des Einhornkapitalismus wie die beschleunigte Diffusionsgeschwindigkeit von technologischen Neuerungen. Über Nacht können Plattformen durch ein Update die Verhältnisse verändern, neue Fähigkeiten einfordern, Geräte und Software für nicht mehr kompatibel erklären. Nicht allen wird es gelingen, sich rasch genug anzupassen, nicht alle gehören zu den Siegerinnen der entstehenden Superstar-Ökonomie.⁸

Verlierer mit stagnierenden Löhnen und schlechten Perspektiven stehen optimistischen, gut ausgebildeten Fans der Zukunft gegenüber. Ob jemand zu den Privilegierten gehört, entscheidet sich über Wissen, Technologiekompetenz und die Fähigkeit zu lernen. Abgesehen von den ein Prozent Ultrareichen, die in einer anderen Sphäre unterwegs sind, kann sich kein Akteur der Logik der Wissensgesellschaft entziehen – kein Staat, kein Unternehmen, kein Individuum. Es gibt nur wenig Spielraum, den Imperativ des Lernens zu umgehen. Staaten und Unternehmen können neues Wissen kaufen – zum Beispiel indem sie ein Einhorn

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