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Die Gründung der Theobaldskirche

Die Gründung der Theobaldskirche

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Die Gründung der Theobaldskirche

Länge:
114 Seiten
1 Stunde
Freigegeben:
Feb 4, 2020
ISBN:
9783948371630
Format:
Buch

Beschreibung

Ottmar F[riedrich] H[einrich] Schönhuth (* 1806 Sindelfingen, † 6. Februar 1864 Edelfingen, heute Bad Mergentheim) war evangelischer Pfarrer, Schriftsteller und Heimatforscher. Nach Vikariat und einer Pfarrstelle in Hohentwiel wurde er 1837 Pfarrer in Dörzbach, wechselte 1842 ins benachbarte Wachbach und 1854 nach Edelfingen. Sein Grab befindet sich in Wachbach. Bis zu seinem Tod veröffentlichte Schönhuth (Pseudonyme: Ottmar Heimlieb oder F. H. Ottmar) über 200 damals vielgelesene Bücher und Schriften, die sich vielfach mit der südwestdeutschen Geschichte (Württemberg, Baden, Bodenseeraum) mit Schwerpunkt hohenlohische Region beschäftigen.

1847 war Schönhuth Mitgründer des Historischen Vereins für Württembergisch Franken, dem er ab 1851 vorstand. Zu seinem Bekanntenkreis zählten Ludwig Uhland, Justinus Kerner, Gustav Schwab und Joseph von Laßberg, engere Freundschaft pflegte er seit 1837 mit Eduard Mörike. In seinen Erzählungen, so auch in der vorliegenden, mischt er historische Fakten mit Sagenhaftem. »Die Gründung der Theobaldskirche« erschien zusammen mit drei weiteren historischen Erzählungen 1857 und wird für die vorliegende Ausgabe ungekürzt, aber sprachlich modernisiert, neu herausgegeben.
Freigegeben:
Feb 4, 2020
ISBN:
9783948371630
Format:
Buch

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Die Gründung der Theobaldskirche - Ottmar Schönhuth

Ottmar Schönhuth

Die Gründung der Theobaldskirche

I. Wie Gottfried von Hohenlohe die Heineburg verläßt und in das heilige Land zieht

So malerisch und romantisch auch der Taubergrund sein mag – er ermangelt eines Reizes, an dem andere Täler des Frankentales so reich sind; nur wenige Burgen schmücken die mit Reben bekränzten Höhen zu beiden Seiten des Flusses – und wo diese fehlen, da mangelt es auch an Sagen, die sich wie der wuchernde Efeu an die Mauern der Denkmale einer kräftigen Vorzeit ranken. Doch ein Fleck des schönen Grundes ermangelt auch dieses Reizes nicht: das ist der mittlere Taubergrund von Weikersheim an, wo die Wiege des erlauchtesten, jetzt fürstlichen Geschlechts derer von Hohenlohe zu suchen ist – über die Stadt Mergentheim hin, die drei Jahrhunderte in der Geschichte des ritterlichen Deutschen Ordens eine so wichtige Rolle spielt – von da den Höhberg hinauf, wo jäh auf weichem Kalkfelsen ein niedliches Häuschen erbaut ist, das in heißen Sommertagen in seinem Grund eine Quelle des labenden Gerstensaftes birgt und von seinen Fenstern aus die wohl schönste Aussicht im ganzen Taubergrund darbietet, denn von hier aus überblickt man in lieblichster Gruppierung die Dörfer und Städtchen des Grundes bis hinunter nach Bischofsheim und zu den Höhen, hinter welchen sich die Stadt Wertheim zwischen Tauber und Main lagert.

Im nächsten Umkreis dieses freundlichen Bellevues standen in alter Zeit mehrere Burgen: von der südlichen Höhe des Kötterbergs ragte die stattliche Kätterburg (Catharine-Burg), von welcher kein Stein mehr übrig ist; ihr gegenüber prangte die stattliche Burg Neuenhaus, die einem Geschlechtszweig von Hohenlohe den Namen gab; aus dem Wachbacher Tal, das im Süden der Stadt Mergentheim sich öffnet, schaute die Ganerbenburg Wachbach hervor, deren frühere Stätte nun von zwölf Eichen überwachsen ist, welche einen lieblichen Hain bilden.

Aus der Nachbarschaft, vom linken Ufer der Tauber, wo die Ruinen der alten Theobaldskirche stehen, winkte eine vierte stattliche Burg, genannt Heineburg oder Heuneberg, deren Ursprung verschieden gedeutet wird. Die einen sagen, sie sei auf den Grundmauern einer uralten heidnischen Burg, einer Hünenburg, erbaut gewesen, andere leiten ihren Namen von dem ihres Erbauers, Heine oder Heinrich, ab, und sie hätte so viel wie Heinrichsburg geheißen.

Dieser Heinrich war der Edelherr von Weikersheim, genannt von Hohenlohe, der erste dieses erlauchten Geschlechts, welcher in der Mitte des XII. Jahrhunderts hier oben, im Angesicht des Dorfes Öttelfingen, wo er Leute und Güter besaß, sich eine Burg baute, von der herab man den Taubergrund so weit hinabsieht wie auf dem Höhberg.

Um 200 Jahre später saß auf dieser Burg ein Urenkel Heinrichs, Herr Gottfried von Hohenlohe, mit seinem Eheweib, Frau Cunegund, einer geborenen Gräfin von Wertheim. Die beiden Eheleute hatten alles, was zu einem frohen und glücklichen Leben gehört, Land und Leute, Gülten und Zinse, und standen bei jedermann im Tal, bei Hoch und Nieder, in großem Ansehen, – nur eins fehlte ihnen, ein männlicher Erbe, dem Herr Gottfried von Hohenlohe nach seinem Ableben all sein Gut hätte hinterlassen können. Beide Ehegatten fühlten sich umso mehr unglücklich bei all ihrem Reichtum und ihrer Herrlichkeit, als sie bereits das hohe Glück genossen hatten, ein liebes Söhnlein zu besitzen, welches ihres Lebens höchste Freude und Hoffnung gewesen war. Das hatte Theobald geheißen und hatte diesen Namen von Herrn Theobald, Abt zu Bronnbach, erhalten, der seiner Mutter Cunegunde Pate gewesen war und auch den Knaben getauft und über die Taufe gehoben hatte.

Bis zum sechsten Jahr blühte der Knabe Theobald lieblich und wundersam heran, da befiel ihn eine böse Krankheit, von welcher er nicht mehr genesen ist, obgleich alle Bader tauberaufwärts und -abwärts ihre Kunst an ihm versuchten. Er welkte sichtbar dahin, und nach kurzer Zeit war das blühendste Bild des Lebens in das Bild des Todes verwandelt. Vater und Mutter sanken trostlos am Sarg des geliebten Kindes nieder und wichen nicht mehr von demselben, bis man seine irdischen Reste in der kleinen Kapelle der Burg in die Tiefe senkte.

Seitdem sah man Herrn Gottfried von Hohenlohe nicht mehr fröhlich. Er, der einer der freudigsten und geselligsten Ritter im ganzen Taubergrund gewesen war, führte seit dem Tod seines Söhnleins ein einsames und verschlossenes Leben mit seiner ebenso tieftrauernden Hausfrau, die seitdem nicht mehr das Trauergewand ablegte. Weder bei einer Jagd noch bei einem Zechgelage fand sich der Edelherr mehr ein, der in sonstigen Zeiten nie gefehlt hatte. Sonst hatte er einen Tag über den anderen seine Vettern auf dem nahen Neuenhaus heimgesucht; jetzt trug ihn sein Roß nicht mehr den Berg hinab und hing im Stall traurig den Kopf, den es früher bei so manchem Ritter talauf- oder -abwärts so stolz getragen hatte. Früher war auf der Heineburg ein Ab- und Zureiten von Gästen, die kamen oder gingen, und nie war der Rittersaal leer von Rittern und Edlen, die den gastfreundlichen geselligen Edelherrn von Hohenlohe heimsuchten. Bald kamen die edlen Vettern von Neuenhaus, bald von der benachbarten Burg Wachbach die edlen Riche von Mergentheim oder stellte sich der Deutschordenskomtur mit etlichen Brüdern ein, ja selbst der Deutschmeister verschmähte es nicht, seinen edlen Nachbarn auf Heineburg heimzusuchen, wenn er ein Stündchen frei von Ordensgeschäften und in heiterer Geselligkeit zubringen wollte. Aber seit dem traurigen Verlust, den der Edelherr erlitten hatte, blieben alle Gäste aus, denn sie sahen bald, daß sie im Haus der Trauer nicht mehr gern gesehen waren; auch war es kein großer Gewinn mehr, um den Edelherrn von Hohenlohe auf Heineburg zu sein, denn er blickte ja nur düster und griesgrämig, der zuvor mit seiner heiteren Laune Ritter und Herren, geistliche wie weltliche, bestens unterhalten hatte. Bald war die Heineburg nicht nur eine verschlossene, sondern auch von jedermann gemiedene Burg, und die Ritter und Herren im Tal, wenn sie von Herrn Gottfried von Hohenlohe redeten, nannten ihn nur den Klausner oder Betbruder auf Heineburg.

War das eine nicht falsch, so war auch das andere wahr. Seit dem Tod seines lieben Söhnleins hatte sich Herr Gottfried nicht nur von dem Getümmel und der Lust dieser Welt zurückgezogen, sondern sich auch vom Irdischen Gott zugewendet. Wie gleichgültig war er in früheren Tagen gegen Kirche und Gotteswort gewesen – seit sein Herz so voll Leids war, suchte er Trost da, wo er ihn sonst nie gesucht hatte, im Gebet und in der Andacht, und man sah ihn tagtäglich neben seiner frommen Gemahlin in der Burgkapelle in Andacht knien; aber er tröstete und stärkte sich nicht nur mit ihr im Gebet, sondern sie sprachen auch im Gebet und heißem Flehen einen Wunsch aus, der ihr beider Herz erfüllte: es möge der liebe Gott ihnen wieder seine Gnade zuwenden und ihren schweren Verlust wieder ersetzen, indem er ihnen einen neuen Erben schenke. Aber Herrn Gottfrieds wie seiner Ehefrau inniger Wunsch und ihr heißes Flehen wurden nicht erhört, denn Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken und seine Wege sind nicht unsere Wege. Es verging ein Jahr über das andere, und ihre Sehnsucht wurde nicht erfüllt.

Da dachte Herr Gottfried bei sich, er müßte es vor Gott verschuldet haben, einmal, daß ihm dieser sein hoffnungsvolles Söhnlein in seiner schönsten Jugendblüte entrissen hatte, und dann, daß er sein und seiner Ehefrau heißes Gebet nicht erhörte und ihnen keinen Erben mehr schenke, der sie für ihren herben Verlusts entschädige und ihnen wieder des Lebens Trost und Hoffnung würde. Darum dachte er, den lieben Gott, welchen er durch seine Sünde beleidigt hatte, durch ein gutes Werk zu versöhnen und sich wieder seine Gnade und Huld zu verdienen.

So wurde der Gedanke in ihm rege, eine Fahrt ins heilige Land zu machen und am Grab des Heilandes um Verzeihung seiner Schuld und Wiedererlangung der sittlichen Gnade und Barmherzigkeit zu bitten. Der Gedanke wurde im Herzen des Edelherrn bald zum Gelübde, dessen Erfüllung er nicht lange hinausschieben wollte.

Eines Morgens, nachdem er die Nacht hindurch in schweren und trübseligen Gedanken zugebracht hatte, trat er vor seine Ehefrau und sprach wie einst der edle Moringer: »Mich verlangt es, nach dem heiligen Land zu ziehen, mein liebes Eheweib, denn nur auf solche Weise mag ich den zu versöhnen, der seine Gnade von uns gewendet hat und unseres Herzens Wunsch unerhört läßt; wohl mag er mir wieder ein gnädiger Gott sein, wenn ich meine Sünde büße auf dieser Fahrt, die ich längst gelobt habe; ich will mich aufmachen, denn Tag und Nacht mahnt mich mein Gelübde und läßt mir keinen Frieden, bis ich ihm Genüge getan habe.«

Mit trauriger Miene vernahm Frau Cunegunde, was ihr Gemahl sprach, doch sie widersprach nicht, so schmerzlich auch der Gedanke

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