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10 Strand Krimis: Morde, die du nicht vergisst:: Alfred Bekker's Krimi Stunde

10 Strand Krimis: Morde, die du nicht vergisst:: Alfred Bekker's Krimi Stunde

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10 Strand Krimis: Morde, die du nicht vergisst:: Alfred Bekker's Krimi Stunde

Länge:
878 Seiten
10 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 18, 2020
ISBN:
9781393112204
Format:
Buch

Beschreibung

10 Strand Krimis: Morde, die du nicht vergisst:

Krimis von Alfred Bekker, Horst Bieber, Manfred Weinland, Horst Friedrichs und Pete Hackett

Der Umfang dieses Buchs entspricht 720 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Horst Friedrichs: Trevellian stellt den Satan an die Wand

Manfred Weinland: Mörder ohne Gedächtnis

Alfred Bekker: Abendessen mit Konversation

Alfred Bekker: Eis in den Bergen

Horst Bieber: Mord beginnt im Herzen

Pete Hackett: Der Tod führt Regie

Alfred Bekker: Bluternte 1929

Pete Hackett: Wer mit dem Tod handelt...

Alfred Bekker: Im Visier der Killerin

Pete Hackett: Der Moloch von der Eastside

Ein Serienmörder aus San Antonia verlegt sein Jagdgebiet nach New York. Grund genug, die FBI Agents Trevellian und Tucker zu beauftragen. Gemeinsam mit einem Kollegen aus San Antonio versuchen, die Killer das Handwerk zu legen. Doch je weiter sie sich in den Fall hineinknien, umso weniger passen die Spuren zusammen. Was geschah wirklich in San Antonio. Ein Besuch bei den Kollegen dort bringt seltsame Erkenntnisse.

Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 18, 2020
ISBN:
9781393112204
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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10 Strand Krimis - Alfred Bekker

10 Strand Krimis: Morde, die du nicht vergisst:

Krimis von Alfred Bekker, Horst Bieber, Manfred Weinland, Horst Friedrichs und Pete Hackett

Der Umfang dieses Buchs entspricht  720 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Horst Friedrichs: Trevellian stellt den Satan an die Wand

Manfred Weinland: Mörder ohne Gedächtnis

Alfred Bekker: Abendessen mit Konversation

Alfred Bekker: Eis in den Bergen

Horst Bieber: Mord beginnt im Herzen

Pete Hackett: Der Tod führt Regie

Alfred Bekker: Bluternte 1929

Pete Hackett: Wer mit dem Tod handelt...

Alfred Bekker: Im Visier der Killerin

Pete Hackett: Der Moloch von der Eastside

Ein Serienmörder aus San Antonia verlegt sein Jagdgebiet nach New York. Grund genug, die FBI Agents Trevellian und Tucker zu beauftragen. Gemeinsam mit einem Kollegen aus San Antonio versuchen, die Killer das Handwerk zu legen. Doch je weiter sie sich in den Fall hineinknien, umso weniger passen die Spuren zusammen. Was geschah wirklich in San Antonio. Ein Besuch bei den Kollegen dort bringt seltsame Erkenntnisse.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch

© by Authors

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Trevellian stellt den Satan an die Wand

von Horst Friedrichs

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Alles rund um Belletristik!

*

Ryan Burke unterbrach seinen mühevollen Weg und lehnte sich an den Maschendrahtzaun. Halb umgewandt, sah er die spärlichen Lichter der Stadt.

Was die Amerikaner Bier nannten, war ein fades Wasser mit Geschmack. Aber seine Wirkung hatte es auch. Immerhin. Burke wischte sich den Schweiß von der Stirn. An das Klima konnte er sich nicht gewöhnen. Die Nacht brachte kaum Abkühlung.

Der schwergewichtige Mann gab sich einen Ruck und ging weiter. Als er den düsteren Schatten der Fabrikgebäude näher war, bekamen seine Schritte einen Nachhall.

Daß es fremde Schritte waren, die sich in seine eigenen mischten, begriff er nicht mehr.

Wie aus dem Nichts schnellten die Silhouetten auf ihn zu. Raubtierhaft und fast lautlos.

Der erste Schlag traf Burke an den Kopf. Vor seinen Augen explodierte greller Schmerz. Er wollte schreien, aber nun brach ein Trommelfeuer von Hieben über ihn herein.

Er hörte den keuchenden Atem der Männer, und er spürte die unabänderliche Absicht in ihren Schlägen. Sein Versuch, sich zur Wehr zu setzen, war kläglich.

Dann stürzte er auf den lehmigen Pfad, der die Barackensiedlung mit der Stadt verband. Auf diesen Pfad, den er so oft benutzt hatte, und auf dem er in seinen Gefühlen alles durchlebt hatte — von himmelhoch jauchzender Hoffnung bis zu tiefster Niedergeschlagenheit.

Noch immer prasselten grausame Hiebe auf ihn ein, doch er spürte die Schmerzen kaum noch. Seine Sinne begännen zu schwinden. Die Mörder konnte er nicht hassen. Jetzt nicht mehr.

Der letzte Rest von Empfindungen, die ihm blieben, galt Maureen und den Kindern, die nun in einem fremden Land ohne ihn zurechtkommen mußten.

***

Um mich herum klapperten Tabletts auf dem Selbstbedienungstresen, der an der Vorderseite aussah wie ein Schienenstrang für kleine Speisewaggons. Teller aus Pappe und Messer und Gabeln aus Plastik verursachten weniger Lärm. An den Geruch des siedenden Fritierfetts hatte ich mich gewöhnt. Später würde ich diesen Geruch mit meiner Kleidung ins Büro tragen. Dann konnte auch Milo, mein Freund und Kollege, sich noch lange an diesen netten Abend erinnern. Daß die Nacht für uns erst am frühen Morgen zu Ende war, stand für mich schon jetzt fest.

Die Kassiererin am Ende des Schienenstrangtresens sah mich mit einem halb vorwurfsvollen und halb belustigten Blick an. Innerhalb von . zwei Stunden war es die dritte Limonade und die dritte Portion French Fries, die ich ihr entgegenschob. Zugegeben, ich sehe nicht aus wie einer, der jeden Tag pfundweise Fritiertes verschlingt. Die Kassiererin im Sloop John B. kannte ihre Kunden und durchschaute mich folglich bis auf die Knochen.

Nur das Warum? brannte ihr auf der Zunge. Ich sah es ihr an, als ich zum dritten Mal mein Kleingeld auf den Zahlteller klimpern ließ. Beim vierten Mal würde sie sich nicht mehr zurückhalten können und mich fragen, was ich hier zu suchen hatte.

Während ich mein Tablett in einem Pulk jugendlicher Luncheonette-Besucher an den noch freien Ecktisch balancierte, betete ich, daß es kein viertes Mal geben würde. French Fries, so heißen bei uns Pommes frites, konnte ich nicht einmal mehr riechen.

Ich ließ die dampfenden Dinger vor mir stehen,' rauchte eine Zigarette, nippte an der Limonade und beneidete Milo und die Cops, die die Zeit auf bequemen Autositzen totschlagen konnten.

Im Grunde war das Ganze ein Job, den uns mancher Cop nicht zugetraut hätte. Jene Sorte von City-Police-Kollegen, die von FBI-Agenten eine ziemlich schlechte Meinung haben und glauben, wir würden immer nur ihnen die Dreckarbeit überlassen.

Natürlich verbringt unsereins seine Zeit normalerweise nicht damit, sich in Selbstbedienungsrestaurants den Fettgeruch um die Nase wehen zu lassen. Im Fall dieses Ladens namens Sloop John B. an der Fourth Avenue in Bay Ridge, Brooklyn, lag die Sache anders.

Ich drückte meine Zigarette aus, nahm die Plastikgabel und versuchte, meinen Widerwillen zu bezwingen. Noch bevor ich das erste goldbraune Stäbchen in mich hineinstopfen mußte, sah ich, daß' es keine vierte Runde French Fries geben würde.

Unsere Freunde kamen durch die Vordertür und sahen ganz so aus, als hätten sie das Recht darauf gepachtet. Sie dachten nicht daran, den rücksichtsvolleren Weg durch den Lieferanteneingang zu nehmen.

Sie waren zu viert und von einer erstaunlichen Zielstrebigkeit beseelt. Auf ihrem eiligen Marsch zum Tresen warfen sie nur flüchtige Blicke nach links und rechts. Wenn man es einem ansehen kann, daß er sich als Herr der Lage fühlt, dann waren diese vier Gents ein besonders gutes Beispiel dafür. Und wie typische Luncheonette-Stammgäste sahen sie auch nicht aus.

Sie trugen einfache Anzüge, nicht ganz knitterfrei, und krawattenlose Hemden. Mich hielten sie nicht für beachtenswert, denn es gab keinen Blick, der länger auf mir verweilte.

Der Form halber überwand ich mich und verzehrte nun doch noch zwei, drei Kartoffelstäbchen. Dann hatten die vier Männer die Stirnseite des Tresens erreicht und steuerten daran vorbei auf einen offenen Nebenraum zu, in dem es schepperte und klingelte. Wer sich den Bauch vollgeschlagen hatte, konnte dort an Spielautomaten seinen spärlichen Bewegungsdrang ausleben.

Ich wartete, bis die vier in dem offenen Durchgang verschwunden waren. Erleichtert ließ ich die Plastikgabel sinken und zog das Walkie-talkie aus der Jackentasche. Als ich die Antenne herausschnellen ließ und die Sendetaste drückte, begegnete mir der Blick der Kassiererin.

Sie war blaß geworden. Sie schien die einzige zu sein, die überhaupt begriffen hatte, was jetzt bevorstand. Die Jugendlichen palaverten weiter, und das Tresenpersonal hatte alle Hände voll mit den öligen Drahtkörben zu tun.

»Milo«, sagte ich, »sie sind drin. Macht den Laden dicht!«

»Verstanden«, antwortete die kratzende Stimme meines Freundes aus der Membrane.

Ich ließ die Taste los, schob die Antenne ein und verstaute das Funkgerät wieder in der Jacke. Als ich quer durch die Tischreihen lossprintete, sah ich ein Aufleuchten des Verstehens in den Augen der Kassiererin.

In diesen Sekunden wurde der Absperrungsring um das Lokal geschlossen. Insgesamt zwölf Cops in Zivil arbeiteten mit uns zusammen. Sie stammten von der zuständigen Kriminalabteilung der City Police, die ein großes Interesse daran hatte, diesen Fall möglichst bald abzuschließen. Denn in New York City gab es allein sechs Lokale der Firma Johnson, Hayward & Sons, Incorporated. Außerdem weitere zwej Dutzend im Bundesstaat New York und den Nachbarstaaten New Jersey und Connecticut. Deshalb die FBI-Zuständigkeit. Jemand hatte es auf die Johnson-Hayward-Imbißkette abgesehen.

Ich erreichte den Durchgang und hastete am Klingeln und Rasseln der Spielautomaten vorbei. Ich sah gerade noch, daß die Tür zu den hinteren Räumen zuklappte. Sie hatten nur wenige Schritte Vorsprung. Aus den Augenwinkeln heraus erhaschte ich noch eine Bewegung beim Vordereingang. Jemand stürmte herein. Milo Tucker! Ich verschwendete keine Sekunde.

Vier Schritte brauchte ich, um den langen Korridor zu erreichen, an dem die Büro- und Lagerräume lagen. Neonröhren spendeten kalte Helligkeit. Ich hörte barsche Stimmen. Dann einen klatschenden Laut. Jemand stieß einen Schmerzensschrei aus.

Ich legte Tempo zu. Die Tür zum Office des Geschäftsführers war die dritte auf cjer linken Seite. Das wußte ich. Sie stand noch halb offen. Die Kerle gaben sich keine Mühe, ihren Auftritt zu verheimlichen.

Aus dem Sprint heraus zog ich den 38er. Unter meinem Fußtritt flog die Tür auf, und mit einem Satz war ich im Büro. Ich kannte es. Ich hatte mir jedes einzelne Möbelstück vorher genau eingeprägt. Mit einem federnden Sprung ging ich neben dem Türrahmen breitbeinig in Stellung und achtete darauf, daß die Wandnische in meinem Rücken war.

»FBI!« brüllte ich. »Keiner rührt sich!« Mein 38er lag im Beidhandanschlag. Ich brauchte nur einen halben Atemzug, um die Lage zu erfassen.

Jim Barrigan, der Geschäftsführer, lag quer über der Schreibtischplatte. Er stöhnte und blutete aus einer Platzwunde an der Stirn. Der Schläger war herumgewirbelt. Ebenso die drei anderen.

Eine Schrecksekunde lang standen sie wie erstarrt. Dazu trug wohl die gähnende Mündung meines Dienstrevolvers bei. Ich wollte sie an die Wand scheuchen. Milo würde einen Moment später zur Stelle sein. Der Rest, entwaffnen und durchsuchen, war dann reine Routine.

Den Mund bekam ich noch auf. Aber ich brachte keinen Befehl mehr hervor.

Hastige Schritte waren plötzlich zu hören, begleitet von erregtem Gebrüll. Der Teufel mochte wissen, wer diesen Lärm veranstaltete.

Bei unseren vier Freunden führte es zu einer Kurzschlußreaktion. Die beiden, die dem Schreibtisch am nächsten waren, warfen sich plötzlich herum, auf das Fenster zu. Barrigan hatte es nur angelehnt, für den Fall, daß die Cops von der Absperrung näher heranmußten.

Auch das war abgesprochen. Jetzt kehrte es sich zum Nachteil um. Ich stieß einen Fluch aus.

Die beiden anderen stürmten auf mich los, völlig unbeeindruckt von meinem Revolver. Ich feuerte einen Warnschuß ab. Das Krachen des Revolvers vervielfältigte sich in dem engen Raum und traf schmerzhaft auf die Trommelfelle.

Die vier Eindringlinge zuckten zwar zusammen, aber ihre Panikstimmung ließ nicht nach. Die beiden beim Fenster waren schon halb draußen. Der erste, der auf die Tür zuhastete, hatte rostrote Haare. Ich stieß mich von der Wand ab, ließ den 38er fallen, erwischte den Mann am Jackenaufschlag und riß ihn herum.

Der andere huschte an mir vorbei. Ich konnte mich nicht um ihn kümmern. Ich sah nur, daß er mit Milo zusammenprallte.

Immer noch dieses Gebrüll, von dem ich nicht wußte, woher es kam!

Der Rothaarige versuchte, mich mit seinem Körpergewicht zurückzurammen. Ich punktete ihm meine Linke auf den Brustkasten und trieb ihn von mir weg. Einen Atemzug lang bekam ich Luft.

Milo rief etwas. Seine Stimme hallte schneidend durch den Korridor. Barrigan hatte sich hinter den Schreibtisch fallen lassen. Durch das Fenster wehte nur noch frische Luft. Seltsamerweise hatte das Gebrüll jetzt aufgehört.

Ich setzte nach und packte meinen Rothaarigen von neuem.

Im selben Moment bellten Schüsse. Ein markerschütternder Schrei ertönte. Nur kurz jedoch. Dann war Stille.

Mein Gegenüber war in Verwirrung geraten. Ich erkannte es an seinem flackernden Blick und an seinem Gesichtsausdruck. Blitzschnell packte ich seinen linken Arm, wirbelte ihn herum und hatte ihn im Griff, ehe er richtig wußte, wie ihm geschah. Mit der freien Hand klinkte ich die stählerne Acht vom Hosenbund und ließ sie um seine Handgelenke schnappen.

»Vornüber an die Wand!« kommandierte ich. Erbegriff nicht sofort, also half ich nach. Viel Erfahrung schien er nicht zu besitzen. Ein Anfänger in diesem harten Geschäft? Seltsam. Ich durchsuchte ihn mit geübten Griffen und brachte eine Beretta, Kaliber 9 Millimeter, zum Vorschein, die ich unter meinen Gürtel schob. Dann wandte ich mich ab und klaubte meinen Smith & Wesson vom Fußboden auf.

Der Rothaarige machte keine Anstalten, sich umzudrehen. Plötzlicher Respekt mußte ihm bis ins Mark gedrungen sein.

Milo schob sich herein. Seine Miene und sein Kopfschütteln sagten alles. Es mußte eine Menge schiefgelaufen sein, eigentlich fast alles.

»Zwei von den Kerlen sind entwischt«, sagte mein Freund und Kollege mit einer Kopfbewegung zum Fenster hin. »Bei dem dritten, der durch den Korridor weggerannt ist, haben die Cops nervös reagiert. Du hast die Schüsse gehört, denke ich. Der Mann hat mich fast umgerannt. Ich konnte nicht schnell genug zupacken, sonst wäre er vielleicht noch am Leben.« Ich hielt ein waches Auge auf unseren rothaarigen Gefangenen. »Was war los da draußen?« erkundigte ich mich.

»Wir werden es gleich erfahren. Irgendwas ist den Kollegen in die Quere gekommen.« Milo zupfte eine Schachtel aus seiner Jacken tasche und bot auch mir eine Zigarette an.

»Hören Sie auf, die Wand anzustarren!« empfahl ich dem Rothaarigen. »Wir fressen Sie nicht auf.«

Zögernd drehte er sich um. In der Tat sah er aus, als stünde er blutrünstigen Raubtieren gegenüber, die sich jeden Moment auf ihn stürzen konnten.

Schritte nahten durch den Korridor heran.

»G-men?« erscholl eine markige Stimme, noch bevor der Mann zu sehen war. Lieutenant Leigh von der Kriminalabteilung, der für den Einsatz seiner Beamten verantwortlich war.

»Hier«, antwortete ich.

Lieutenant Leigh, ein breitschultriger und untersetzter Mann, blieb im Türrahmen stehen. Sein Gesichtsausdruck, sonst eher gutmütig, spiegelte unverhohlenen Ärger.

»Wenigstens etwas«, knurrte er mit einer Kopfbewegung zu unserem Gefangenen hin. »Meine Leute haben ihren Anpfiff schon weg. Lassen sich von einer lächerlichen Straßenbande durcheinanderbringen!« Leigh schilderte uns mit knappen Worten, was passiert war.

Eine zehn Mann starke Truppe der Bay Lions, einer Streetgang von lederbejackten Jünglingen, hatte sich ausgerechnet den Hinterhof des Selbstbedienungsrestaurants als Versammlungsort ausgesucht. Heimlich, still und leise waren sie vom Nachbargrundstück aus herangeschlichen. Deshalb hatte niemand sie bemerkt, weder die Cops, noch Geschäftsführer Barrigan.

Als dann die Beamten auf meinen Einsatzbefehl hin den Ring zugezogen hatten, waren sie im Hinterhof auf die Bay Lions gestoßen, die geglaubt hatten, der Vormarsch gelte ihnen. Die beiden Fensterspringer hatten das Durcheinander genutzt, um sich Hals über Kopf abzusetzen. Das einzige, was wir über sie wußten, war eine einigermaßen brauchbare Personenbeschreibung.

Durch die allgemeine Verwirrung war es schließlich dazu gekommen, daß ein Cop einen gezielten Schuß auf den Flüchtenden aus dem Korridor abgegeben hatte. Allerdings hatte der Gangster eine Waffe in der Hand gehabt und versucht, sich den Weg freizuschießen. Wie es aussah, würde der Beamte von der City Police den Notwehrparagraphen für sich geltend machen können.

Wir baten Lieutenant Leigh, den Festgenommenen ins FBI-Gebäude bringen zu lassen. Für den Geschäftsführer riefen wir einen Ambulanzwagen. Seine Verletzung sah nicht allzu schlimm aus. Aber auf jeden Fall mußte er im Hospital untersucht werden. Leigh versprach, uns Kopien der Protokolle zu schicken, die seine Beamten zu tippen hatten.

***

Es blieb bei der erwarteten langen Nacht.

Nach unserer Ankunft im FBI-Gebäude an der Federal Plaza stürzten wir uns als erstes auf den Kaffeeautomaten. Draußen war es mittlerweile dunkel geworden. Manhattan hatte seinen Lichterglanz angeknipst. Und für uns stand es ziemlich fest, daß wir die vertrauten dienstlichen Mauern nicht vor Mitternacht verlassen würden.

Wir besuchten unseren Festgenommenen im Keller, eine halbe Stunde, nachdem er im vergitterten Transporter angeliefert worden war. Im grellen Lampenlicht des Vernehmungszimmers sah er grau und müde aus.

Ich zog mir einen Stuhl heran, drehte die Lehne nach vorn und setzte mich ihm gegenüber. Milo blieb in der Ecke neben der Tür stehen.

»Fangen wir langsam an!« sagte ich. »Wir haben viel Zeit.«

»Ich auch«, brummte er, und es klang, als rollte er dabei eine Kartoffel im Mund. In seinen blaßblauen Augen war nichts als Trotz.

»Okay«, nickte ich. »Erst mal erzähle ich Ihnen, was wir haben. Viel ist es nicht. Aber wenn wir uns verständigen, könnte mehr draus werden. Punkt eins sind Ihre Fingerabdrücke, Mister... Die werden gerade ausgewertet. Wie wär’s, wenn Sie uns Ihren Namen verraten?« Ich klopfte eine Zigarette aus der Packung und setzte den Tabak in Brand. Der Blick meines Gegenübers nahm einen Hauch von Gier an.

Aber er schüttelte den Kopf.

»Also gut.« Ich lehnte mich zurück. »Punkt zwei sind die Dinge, die wir Ihnen beweisen können. Über Ihre Rechte sind Sie aufgeklärt worden. Sie können einen Anwalt nehmen, und Sie wissen, daß alles, was Sie von jetzt an sagen, gegen Sie verwendet werden kann.«

Er stieß einen Knurrlaut aus. Mehr nicht.

Milo verließ seinen Eckplatz ohne Ankündigung und ging hinaus. Beim Zuklappen der Tür zuckte der Rothaarige zusammen. Er runzelte die Stirn und rätselte offenbar über den Grund für Milos Verschwinden. Ich holte ihn zum Kern der Geschichte zurück.

»Sie waren an einem Überfall beteiligt«, erklärte ich. »Opfer war Geschäftsführer Jim Barrigan, Angestellter bei Johnson, Hayward & Sons. Zumindest haben wir Sie wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Mister.«

»Aber...« Er fuhr hoch und schien protestieren zu wollen. Dann schüttelte er den Kopf und sank wieder zurück.

»Was wir Ihnen nachweisen werden, ist mehr als die Körperverletzung«, fuhr ich fort. »Seit Monaten haben wir es mit solchen Überfällen auf die Johnson-Hayward-Lokale zu tun. Die illegale Organisation, für die Sie arbeiten, verlangt Schutzgelder von der Firma. Zahlt der betreffende Geschäftsführer nicht, wird ihm klargemacht, wie schutzbedürftig er doch ist. Für jeden Polizeibeamten in den Vereinigten Staaten ist das ein ganz alter Hut. Wir befassen uns in diesem Fall damit, weil Ihr Boß Sie in verschiedenen Bundesstaaten prügeln läßt, Amigo. Daher die FBI-Zuständigkeit. Wir werden Ihnen also nachweisen, daß Sie an einem organisierten Verbrechen beteiligt waren.«

Er beugte sich ruckartig vor und hieb mit der flachen Hand auf den Vernehmungstisch. Gemessen an der Lage, in der er sich befand, war er wieder reichlich angriffslustig geworden.

»Niemals!« Seine Augen blitzten mich an. »Das können Sie mir nicht nachweisen, weil es nicht stimmt.«

Er sprach mit komischem Akzent. Rollend und fast kehlig. Ich hielt seinem Blick stand.

»Vielleicht sollten Sie jetzt einen Anwalt rufen«, sagte ich ruhig. »Ich hole ein Telefon und lasse Sie fünf Minuten allein.«

»Verdammt noch mal!« schrie er. »Tun Sie nicht so, als ob meine Lage ernst wäre..., als ob ich jemand umgebracht hätte! Außerdem kenne ich keinen Anwalt in New York. Wenn, dann müßte ich mir von Ihnen einen empfehlen lassen. Ausgerechnet von einem Bullen!«

Er hatte genug geredet. Genug für mich, um ihn einstufen zu können.

»Sie sind nicht in den USA geboren, Shamus«, stellte ich fest. »Wie lange sind Sie hier?« Shamus ist eine Verballhornung des irischen Vornamens Seamus, ein keineswegs böse gemeintes Wort für die Einwohner von der kleinen grünen Insel in Europa.

»Ich heiße nicht Seamus«, giftete er.

»Sondern?«

»Das sage ich erst, wenn ich einen Anwalt habe. Ich will jetzt telefonieren?«

»In Ordnung.« Ich stand auf und drückte meine Zigarette im Aschenbecher aus.

Im selben Moment kehrte Milo zurück, mit einem Schnellhefter unter dem .Arm. Er legte die Mappe auf den Tisch.

»Unser Mann ist Ire. Staatsbürger der Republik Irland, genauer gesagt. Das Zentralarchiv hat seine Daten von der Einwanderungsbehörde.«

Ich zog die Augenbrauen hoch. »Also kein Illegaler?« , Milo schüttelte den Kopf.

Der Rothaarige verfolgte unseren Wortwechsel, indem er abwechselnd meinen Freund und dann mich anstarrte. Aus den Augenwinkeln heraus sah ich, daß er seine Hände verkrampft über den Knien hielt. Seine Fingerknöchel traten weiß hervor.

Ich klappte den Schnellhefter auf. Die Blätter, die sich darin befanden, waren Fernschreiben vom FBI-Hauptquartier Washington. Unser Zentralarchiv ist in der Lage, gewünschte Informationen in Sekundenschnelle auszuspucken. Der Computer befragt dabei nicht nur das eigene Archiv, sondern auch das Verbundnetz der angeschlossenen Datensammelstellen. In unserem Fall war der zentrale Großrechner in Washington bei der besagten Einwanderungsbehörde fündig geworden. Als Eingabe hatte dabei der Fingerabdruck-Code unseres Festgenommenen genügt.

»Patrick O’Sullivan«, las ich vor. »Männlich, 34 Jahre alt, unverheiratet, weiß, Bürger der Republik Irland, eingewandert in die Vereinigten Staaten am 26. Juli letzten Jahres, kein Vorstrafenregister im Heimatland. Letzter Beruf vor der Einwanderung: Farmer. Bei der Einwanderung angegebene Wohnadresse in den USA: Nummer 40, Bluegrass Road, Gibson, Pennsylvania.«

Ich hob den Kopf und sah ihn an. Sein Gesichtsausdruck war die pure Fassungslosigkeit.

»Woher... woher wissen Sie das alles?« stammelte er.

»Sind Sie wirklich so ahnungslos, Patrick?« Ich lächelte mild. »Erinnern Sie sich nicht, daß man Ihnen bei der Einwanderung Fingerabdrücke abgenommen hat?«

»Doch, ja, sicher. Aber...«

»Ein ahnungsloser Engel«, brummte Milo kopfschüttelnd. »Ist das nun gespielt oder echt?«

»Wir werden sehen«, sagte ich und wandte mich wieder O’Sullivan zu. »Woher haben Sie diese Adresse in Gibson? Was für ein Ort ist das?«

»Das... das war nur... nur eine Adresse, der Form halber. Ich wohne schon lange nicht mehr da. Bin in New York seit...« Er unterbrach sich. »Ich sage nichts mehr. Ich will erst meinen Apwalt, bevor ich noch einen Ton von mir gebe.«

Ich nickte. In meinen Gedanken notierte ich den Ortsnamen Gibson, Pennsylvania. Ich blätterte in dem Schnellhefter weiter.

»Wir haben noch mehr, Patrick. Damit Sie nicht im dunkeln tappen, wenn Sie mit Ihrem Rechtsbeistand reden: Der Mann, der von den Gops erschossen wurde, konnte identifiziert w.erden. Burt Miles, 28 Jahre alt, und in unserem Archiv bekannt wie ein bunter Hund. Das Papier aus seinen Gerichtsakten reicht aus, um damit diesen Raum zu tapezieren.«

»Was geht mich das an?« knurrte O’Sullivan. »Ich hatte mit dem Burschen doch nichts zu tun.«

»Außer, daß Sie sein Komplize waren. Gemeinsam mit ihm und den beiden anderen kreuzten Sie heute abend im Sloop John B. auf, um die fälligen Schutzgebühren von Barrigan zu kassieren. Barrigan hatte vorher eine letzte Warnung erhalten. Zum Glück war er nicht eingeschüchtert und hat uns informiert. Wir brauchten also nur abzuwarten, um Sie und die anderen einzukassieren, Patrick.«

»Das ist euch wohl nicht ganz gelungen«, entgegnete er bissig.

»Richtig«, nickte ich und klappte den Schnellhefter zu. »Aber Sie hängen drin, Patrick. Sie kriegen jetzt ein Telefon und eine Liste von New Yorker Anwälten. Anschließend sehen wir weiter.«

Wir ließen ihn allein und baten den aufsichtsführenden Beamten im Zellentrakt, das Notwendige zu veranlassen. Milo sagte mir, daß die Fahndung nach den beiden entflohenen Gangstern bislang noch keinen Erfolg gebracht hatte. Das war zu erwarten gewesen, denn nur mit einer Personenbeschreibung war es mühsame Kleinarbeit.

Als wir nach einer halben Stunde im Zellentrakt anriefen, erfuhren wir, daß O’Sullivan keinen Anwalt gefunden hatte, der bereit war, sich vor dem nächsten Morgen mit ihm zu befassen.

Wir konnten nach Hause fahren. Es war halb eins, als wir auf dem Hof der Fahrbereitschaft in meinen Jaguar stiegen.

***

Michael Shanahan schaltete die Zündung ein und trat dreimal kurz hintereinander auf das Bremspedal, als er im Innenspiegel Scheinwerfer erkannte, deren Lichtkegel auf den Parkplatz einschwenkten.

»Er kommt«, sagte er, halb nach hinten gewandt. »Wir können aussteigen.«

Brendan O’Brien und Seamus Faughart schwangen sich ins Freie und drückten die Tür an der Beifahrerseite des Dodge Ramcharger behutsam ins Schloß. Shanahan folgte ihrem Beispiel. Noch einmal sah er sich nach allen Seiten um und horchte angestrengt. Sie hatten sich sorgfältig vergewissert, daß keine Menschenseele in der Nähe war. Auch jetzt war außer dem mit nachlassender Drehzahl herannahenden Motorgeräusch nichts zu hören.

Der Parkplatz befand sich an einer der Zubringerstraßen zum Interstate Highway 81. Eine hüfthohe Mauer grenzte die asphaltierte Fläche zum Abhang hin ab. Von hier aus konnte man die gesamte Stadt überblicken. In der Dunkelheit funkelten die Lichter wie kleine Perlen. Jenseits des Zentrums und der umliegenden Wohngebiete strahlten die Fabrikanlagen in fast festlichem Glanz.

Das Scheinwerferpaar erlosch, und der Wagen rollte mit ersterbendem Motor aus. Ein silbergrauer Mercedes, Typ 450, frisch importiert aus Germany. Shanahan und die beiden anderen hatten den Superschlitten schon bei Tageslicht bestaunen können. Von so etwas konnten sie nicht einmal träumen. Daß Boyer ihnen den Ramcharger für ihre Jobs zur Verfügung stellte, war bereits ein unerhörter Luxus.

Michael Shanahan trat seine Zigarette neben dem Führerhaus des schweren Off-Road-Wagens aus. O’Brien, Faughart und er fuhren den Dodge abwechselnd. Sie hatten fast kindliche Freude daran. Wenn sie mit dem Dodge durch die Gegend kurvten, verloren sie etwas von ihrem Außenseitergefühl. Dann konnten sie wenigstens so tun, als ob sie ihren Anteil am Lebensstandard in Gottes eigenem Land hatten.

Henry J. Boyer stieg aus seinem Mercedes. Die Innenbeleuchtung hatte er ausgeschaltet. Aber die Augen der drei Männer hatten sich bereits an die Dunkelheit gewöhnt.

Boyer war ein Riese von Kerl. Früher, in seinen besten Jahren, mochte er Baseballspieler an der High School gewesen sein. Jetzt spielte er vermutlich Tennis und Golf, um sich fit zu halten. Möglich auch, daß er eine Segeljacht irgendwo an der Atlantikküste liegen hatte.

Trotz allem war er ein Mann, dessen Knochen und Muskeln sich mit dem eleganten Anzug nicht recht abfinden wollten. Man konnte ihn sich besser als Herrscher über eine texanische Ranch vorstellen, in hochhackigen Stiefeln, mit Blue-Denim-Hosen, Lederweste und Stetsonhut. Einer, der den Horizont sehen konnte, ohne dabei die Grenze seines eigenen Reiches zu erblicken.

Ohne einen Gruß ging Boyer mit schweren Schritten bis zur Begrenzungsmauer. Dort blieb er stehen und zündete sich ein Zigarillo hinter der hohlen Hand an. Shanahan, O’Brien und Faughart folgten ihm zögernd. Sie lehnten sich an die mächtige Chromschnauze der Dodge-Motorhaube.

»Die Zeitep werden härter«, sagte Boyer ohne Einleitung. Er hatte eine dröhnende Baßstimme. »Es hat Zwischenfälle gegeben, die mir verdammt nicht passen.«

»Ryan Burke«, sagte Michael Shanahan trocken. Er konnte es einfach nicht hinunterschlucken. »Ist es das?«

Henry J. Boyer lachte gehässig. »Freunde, ihr müßt noch eine Menge lernen. Burke hat mir zwar Schwierigkeiten gemacht, aber das ist jetzt vorbei. Er ist an der eigenen Galle erstickt, die er versprüht hat.«

»Er wurde ermordet«, korrigierte Shanahan. »Erschlagen wie ein Hund.«

»Hör endlich auf, Michael!« zischte Seamus Faughart. »Wir können doch nichts mehr daran ändern.«

»Richtig«, brummte Boyer. »Leute wie Burke passen nicht in unser Land. Die angenehmen Seiten wollen sie genießen, aber sich durch die schwierigen Zeiten durchzubeißen... dazu haben sie keine Lust. Dann schreien sie Protest und verlangen, daß ihnen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Na ja, zum Glück haben wir genug aufrechte Burschen, denen so was sauer aufstößt. Die langen dann eben mal hart zu. Mit Recht. Es ist gut, wenn ihr euch das merkt.«

»Trotzdem verstehe ich das nicht«, entgegnete Michael Shanahan beharrlich. »Ich denke, in diesem Land soll alles so verdammt gerecht sein. Da kann doch nicht einer den anderen ungestraft umbringen.«

»Schluß jetzt!« Boyer wischte mit der Hand durch die Luft, daß die Glut seines Zigarillos Funken sprühte. »Schluß mit dem Palaver! Deshalb bin ich nicht hergekommen. Klar?«

»Klar«, antwortete Brendan O’Brien. »Hören Sie nicht auf Michael, Sir! Er braucht immer mächtig lange, bis er eine Sache verdaut hat.«

Shanahan warf ihm einen zornigen Blick zu, schwieg aber. O’Brien und Faughart begriffen sowieso nichts.

»Allright.« Henry J. Boyer klemmte den Zigarillo zwischen seine Zähne und bewegte ihn von einem Mundwinkel zum anderen. »Weshalb ich euch herbestellt habe, Freunde: Ihr habt bisher gut für mich gearbeitet, und daran soll sich von mir aus nichts ändern. Es könnte aber sein...« Er ließ den Zigarillo zu Boden fallen und zermalte ihn mit der Schuhsohle. »... daß irgendwelche Leute auftauchen und lästige Fragen stellen.«

»Warum?« entgegnete Faughart. »Was für Fragen?«

»Also gut.« Boyer schob die Hände in die Hosentaschen. »Ihr kriegt Klartext von mir. Wahrscheinlich erinnert ihr euch an diesen Patrick O’Sullivan. Das ist der, den ich vor drei Monaten an meine Geschäftsfreunde in New York City abkommandiert habe. Jetzt hat der Knilch sich irgendein krummes Ding geleistet und ist bei der Polizei aufgelaufen. Es könnte sein, daß man uns hier in Gibson mit Nachforschungen belästigt, wie gesagt.«

»Wir haben doch mit Pat nichts mehr zu tun«, sagte O’Brien. »Was könnte man uns also fragen?«

»Eine Menge«, knurrte Boyer. »Damit es klar ist: Wir kennen uns nicht. Die paar Aufträge, die ihr hin und wieder mal für mich erledigt, sind Kurierfahrten zu meinen Außenbüros. Damit ihr ein bißchen weniger über eure bedauerliche Arbeitslosigkeit weinen müßt. Sonst nichts. Begriffen?«

Die drei Männer brummten zustimmend.

»Ich sage so was nicht gern zweimal«, fuhr Boyer fort. »Also vergeßt meine Worte nicht! Sonst könnte es euch so ergehen wie Ryan Burke.«

Ohne eine Antwort abzuwarten, stieß Henry J. Boyer sich von der Begrenz zungsmauer ab und stapfte zurück zu seinem Mercedes. Die schwere Limousine rollte ein Stück rückwärts, beschrieb einen Bogen und glitt fast lautlos davon. Erst auf der Straße flammte das Scheinwerferlicht auf.

Eine Weile verharrten die drei Männer schweigend vor der Motorhaube des Dodge Ramcharger.

»Wer fährt?« fragte Michael Shanahan unvermittelt. »Ihr könnt mich an der Willis Street absetzen.«

Seamus Faughart lachte glucksend.

»Brauchst du Trost? Die Sache ist dir wohl an die Nieren gegangen, was?« Im nächsten Moment zuckte er zusammen, als Shanahan ihn blitzschnell am Kragen packte und zu sich heranzog.

»Wenn wir nicht befreundet wären, Seamus, würdest du jetzt alle Viere von dir strecken.« Shanahans Stimme war ein Fauchen. »Verkneif dir gefälligst solche dämlichen Anspielungen!«

Faughart, ein schlanker Mann mit schmalem Gesicht und dunklem Haar, versuchte vergeblich, sich aus Shanahans Griff zu befreien.

»Schon gut, schon gut, vergiß es«, murmelte er beleidigt. »Weiß der Teufel, welche Laus dir heute über die Leber gekrochen ist.«

»Hört endlich auf!« mischte sich Brendan O’Brien ein. Er war einen halben Kopf kleiner als Faughart, mittelblond und von bulliger Statur.

Shanahan löste seinen Griff, als O’Brien ihm seine Hand auf den Arm legte.

»Okay«, knurrte er. »Also wer fährt jetzt?«

»Ich«, sagte O’Brien. »Menschenskind, reg dich bloß nicht auf! Das mit Ryan Burke ist uns allen an die Nieren gegangen. Der arme Kerl tut Seamus und mir genauso leid wie dir. Aber er hat ja auch den Mund verdammt voll genommen. Boyer hat schon recht, wenn er meint, daß unsereins erst mal ganz kleine Brötchen backen muß.«

Michael Shanahan antwortete nicht darauf.

»Möchte wissen, was Pat in New York angestellt hat«, sagte Seamus Faughart, der seinen Jackenkragen zurechtzupfte.

»Was es auch ist«, entgegnete O’Brien. »Wir haben mit der Sache nichts zu tun. Ist ja wohl klar, oder? Die können uns schließlich jederzeit aus den Staaten ausweisen, wenn sie uns was am Zeug flicken. Und was haben wir dann? Dann können wir zu Hause in Irland höflich anfragen, ob uns die Wohlfahrt unterstützt.«

»Los jetzt!« Shanahan ging auf die Beifahrerseite des Dodge zu. »Ich hab keine Lust mehr, hier herumzustehen.«

O’Brien und Faughart wechselten einen Blick, sagten aber nichts mehr. O’Brien übernahm den Platz hinter dem Lenkrad. Eine Vierstelstunde später setzten sie Shanahan an der Willis Street ab, die von der Hauptgeschäftsstraße abzweigte.

***

Jede zweite Straßenlampe war bereits ausgeschaltet. Es gab nur noch wenige Schaufenster, in denen Licht brannte.

Brenda Coughlin wohnte in einem Vierfamilienhaus. Ein schmuckloses Brownstone-Gebäude aus den 60er Jahren, als mit dem Bau von Mietwohnungen noch Geschäfte gemacht werden konnten. Das Haus gehörte Henry J. Boyer. Niemand wußte genau, wie viele Liegenschaften in Gibson sein Eigentum waren. Manche munkelten, daß im Grundbuch die halbe Stadt auf seinen Namen eingetragen war.

Michael Shanahan atmete auf, als er sah, daß Brendas Wohnungsfenster noch erhellt waren. Manchmal wurde sie unverhofft zum Bereitschaftsdienst ins Hospital gerufen. Ihr Job als Krankenschwester war hart. Vielleicht war sie deswegen mit ihren 26 Jahren noch nicht verheiratet.

Zu meinem Glück, dachte Michael, aber Heiterkeit wollte in seinen Gedanken trotzdem nicht aufkommen. Er öffnete die Pforte, überquerte den Plattenweg und betätigte den Klingelknopf. Gleich darauf summte der Türöffner. Es war, als habe Brenda auf ihn gewartet. Es war gut, dieses Gefühl zu haben. Daheim, in der irischen Einsamkeit, hatte er so etwas nicht kennengelernt. Die finanziellen Hoffnungen, mit denen er nach Amerika gekommen war, hatten sich nicht erfüllt. Dafür hatte er einen Menschen gefunden, der auf ihn wartete.

Brenda stand in der offenen Wohnungstür, als er den Korridor im 2. Stock betrat. Ihre dunklen Augen leuchteten, als sie ihn erblickte. Irgendwo in ihrer Vorfahrenreihe hatte es indianisches Blut gegeben. Ihr Haar war schwarz. Ihre Haut hatte einen sanften Braunton. Sie trug Jeans und eine leichte dunkelrote Bluse.

»Michael! Ich hatte schon gedacht, heute abend würde ich dich überhaupt nicht mehr sehen!« Sie lief ihm entgegen und ließ sich von ihm in die Arme nehmen.

Er schwieg und strich ihr nur behutsam über den schlanken Rücken. Unvermittelt löste sie sich von ihm und musterte forschend sein Gesicht.

»He, was ist los mit dir, Michael? Ich sehe es dir an der Nasenspitze an, daß etwas nicht stimmt. Komm, heraus damit! Schluck nicht immer alles runter!«

Er nickte geistesabwesend. Arm in Arm gingen sie in die Wohnung. Behagliche zweieinhalb Zimmer, die für ihn zu einem zweiten Zuhause geworden waren. Hier hatte er die Erbärmlichkeit der Behelfsheime am anderen Ende der Stadt vergessen. Aber das lag vor allem auch an Brendas Nähe. Sie setzten sich auf die Couch, und Brenda zündete sich eine Zigarette an.

Michael hatte die Arme auf die Knie gestützt und starrte sinnierend vor sich hin.

»Ist es immer noch wegen Ryan Burke?« fragte Brenda leise.

»Ja, hauptsächlich.« Er preßte die Lippen aufeinander und zögerte. »Aber es hängen andere Probleme dran. Dinge, über die sich keiner von uns im klaren war. Ryan mußte erst sterben, damit wir die Augen aufkriegten. Das heißt...« Er unterbrach sich und lachte bitter. »... begriffen haben es noch längst nicht alle. Vielleicht bin ich auch verrückt, daß ich an der Sache etwas sehe, was andere nicht sehen. Aber dann... dann muß Ryan auch verrückt gewesen sein.«

»Du sprichst in Rätseln, Michael. Ich verstehe nicht ganz, Was du meinst. Was ich weiß, ist soviel: Ryan Burke wurde vor drei Tagen umgebracht. Es gibt Leute, die behaupten, er habe eine Schlägerei gehabt, weil er zuviel getrunken hatte. Andere sagen, er sei ermordet worden. Ist denn inzwischen überhaupt nichts aufgeklärt worden? Wozu haben wir einen County Sheriff?«

»Wozu wir den haben?« Michael Shanahan lachte abermals. Er sah Brenda an. »Mir scheint, ich habe in der kurzen Zeit in den Staaten mehr gelernt als du. Diesen Sheriff kannst du vergessen. Der tanzt nach Boyers Pfeife. Wie einige andere auch. Und solange offiziell keine Anklage wegen Mord erhoben wird, verläuft die ganze Geschichte im Sand. Darauf kannst du Gift nehmen.«

»Ich begreife trotzdem nicht, weshalb jemand einen Grund gehabt haben sollte, Ryan Burke umzubringen. Nur weil er sich für euch stark gemacht hat, für seine Landsleute? Er hat doch nichts weiter getan, als gegen die Ungerechtigkeit zu protestieren, daß ihr hier alle arbeitslos herumsitzt.«

»Eben. Und das war schon zuviel. Weil damit nämlich klar wird, daß man uns hereingelegt hat.« Michael Shanahan wandte sich Brenda zu und ergriff ihren Arm. »Begreif doch! Diese windigen Geschäftemacher haben uns in Irland unser bißchen Land abgeluchst und uns in den Staaten den Himmel auf Erden versprochen. Einen guten Job, hohes Einkommen und so weiter. Und was finden wir hier? Eine Fabrik, die gar nicht daran denkt, neue Leute einzustellen. Einen halb abgewrackten Laden, der froh sein muß, wenn er sich noch über Wasser halten kann. Genau genommen ist es Betrug, was man mit uns gemacht hat, Brenda. Kannst du dir nicht vorstellen, daß Boyer Himmel und Hölle in Bewegung setzt, bevor das an die große Glocke gehängt wird?«

Brenda schwieg minutenlang.

»Ich war bei Maureen Burke und den Kindern«, sagte sie unvermittelt. »Heute nachmittag. Es ist furchtbar. Maureen ist nicht imstande, einen Finger zu rühren. Aber selbst wenn sie ihre Trauer überwindet... welche Hoffnung hat sie denn? Einen Job wird sie sowieso nirgends finden. Ich habe mit Kolleginnen im Hospital gesprochen. Wir denken daran, einen Hilfsfonds oder etwas ähnliches zu gründen.«

Michael nickte. »Es tut gut, zu wissen, daß es auch noch solche Menschen gibt. Aber damit ist das Problem nicht gelöst. Für mich schon gar nicht. Verdammt, es sitzt viel, viel tiefer.« Er ballte die Hände zur Faust, daß seine Knöchel weiß wurden.

Brenda sah ihn erstaunt an. Mit einer ruckartigen Bewegung drückte sie die Zigarette im Aschenbecher aus. »Da ist etwas, was ich nicht weiß, Michael. Wenn du es mir sagen kannst, dann tu es! Bitte! Wenn es dir ein bißchen hilft...«

Er atmete tief durch und stutzte den Kopf in die Hände. »Das Ganze ist eine verdammte verfahrene Geschichte. Weißt du, wenn ich könnte, würde ich da weitermachen, wo Ryan aufgehört hat. Es wäre gar nicht mal so schlimm, weil ich keine Familie habe, die ich ernähren muß.«

Brenda legte ihr Gesicht an seine Schulter. »Vergiß mich nicht ganz! Es würde mir weiß Gott nicht gefallen, wenn dir etwas zustößt.«

Er küßte sie auf die Wange. »Entschuldige! Ich habe das nicht so gemeint. Wenn du an Maureen und die Kinder denkst, weißt du, wo der Unterschied liegt.«

»Natürlich, Michael. Aberweiter: Welchen anderen Grund gibt es, daß du Ryans Arbeit nicht fortsetzen kannst?« Er blickte sie an. »Es könnte sein, daß du mich verachtest, wenn ich es dir sage.«

»Das klingt geheimnisvoll. Aber kennst du mich so schlecht? Michael, du weißt, daß ich dir vertraue. Ich kann mir nicht vorstellen, daß du etwas Unrechtes tust.«

»Doch.« Er blies die Luft durch die Nase. »Genau das ist es, Brenda. Was würdest du davon halten, wenn ich für Boyer arbeite und von ihm Geld kriege?«

»Für Boyer?« Sie runzelte die Stirn. »Hast du das etwa vor? Ich meine, hat er dir ein Angebot gemacht? Du müßtest schon einen plausiblen Grund haben, wenn du darauf eingehst.«

»Siehst du«, nickte er. »Haargenau das ist der Punkt. Ich will dir reinen Wein einschenken. Es ist so, daß ich bislang einfach nicht darüber reden konnte. Ich habe es nicht fertiggebracht, weil ich wußte, daß du mich für einen krummen Hund halten würdest. Aber jetzt, nach Ryan Burkes Tod, liegen die Dinge anders. Hast du eine Zigarette für mich?«

»Natürlich.« Sie hielt ihm die Schachtel hin und gab ihm das Feuerzeug. Er rauchte sonst nie. Sie spürte, daß ihm eine Zentnerlast bedrückte. Aber sie sagte nichts. Sie wußte, daß sie ihn jetzt nicht drängen durfte.

Michael inhalierte den ersten Zug und begann zu husten. Dann gab er sich einen Ruck. »Es ist so: Ich bin bereits darauf eingegangen.«

»Worauf?«

»Auf Boyers Angebot.«

»Nein!«

»Doch! Ich arbeite seit zwei Monaten für ihn.«

Brenda blinzelte ungläubig. Dann lehnte sie sich zurück. »Himmel«, sagte sie tonlos. »Das muß ich erst verdauen.«

»Ich habe dich gewarnt«, nickte er. »Und ich würde es verstehen, wenn du mich jetzt hinauswirfst und nichts mehr mit mir zu tun haben willst.«

»Sei nicht albern! Mach dich nicht schlechter, als du bist! Was bedeutet das, du ›arbeitest‹ für Boyer? Ich habe nichts davon gemerkt. Jedenfalls sitzt du nicht acht Stunden am Tag in seinem Office, oder?«

»Nein. Es sind Gelegenheitsjobs. Meistens irgendwelche Botenfahrten. Brendan und Seamus sind immer dabei. Wir benutzen Boyers Dodge und kurven durch die Gegend. Hier einen Briefumschlag hinbringen, da ein Päckchen abholen... solche Sachen. Zweimal waren wir auch schon in New York.«

»Und du hast keine Ahnung, was ihr da transportiert?«

»Illegales Geld vielleicht. Oder einfach Bargeld, das er nicht versteuern will.«

»Würde er das nicht eher selber erledigen?«

»Dazu hat er keine Zeit.«

»Und wenn es Rauschgift ist?«

»Ausgeschlossen. Nein, nein, ich bin sicher, es dreht sich darum, daß Boyer Leute bezahlt, die vor dem Finanzamt et-, was zu verheimlichen haben. Und umgekehrt kassiert er Geld, das er auch nicht durch seine Bücher laufen lassen will.«

»Gut. Nehmen wir mal an, es ist so. Wafum tust du es, wenn du genau weißt, daß es nicht ganz einwandfrei ist?«

»Brenda, vor zwei Monaten hatte ich keinen Grund, darüber nachzudenken. Es war eine Gelegenheit, nicht den ganzen Tag herumhängen zu müssen und gleichzeitig ein paar Dollars zu verdienen. Wie gesagt, ich habe keine Familie. Aber es ist kein gutes Gefühl, von der Wohlfahrt zu leben und außerdem noch dir auf der Tasche zu liegen.’«

»Hör auf! Den letzten Punkt hättest du dir sparen können. Du weißt genau, daß ich dich nicht durchfüttere. Ich fühle mich jedenfalls nicht ausgenützt. Im übrigen verstehe ich nicht, was an der Sache so schwierig ist. Warum hörst du nicht einfach auf, wenn es dir gegen den Strich geht?«

»Das hätte ich längst getan. Aber erstens würden Seamus und Brendan nicht mitspielen. Die beiden interessiert es einen Dreck, was mit Ryan Burke passiert ist. Die sehen nur ihren eigenen Vorteil und würden mich bei Boyer sofort in die Pfanne hauen, wenn sie dafür ein paar Dollars extra kriegen.«

»Und zweitens?«

»Boyer hat uns gewarnt. Gerade vor einer Stunde. Es dreht sich um Paddy O’Sullivan. Das ist einer von uns, der schon länger für ihn den Handlanger spielt. Boyer hat ihn nach New York geschickt, damit er da für irgendwelche Geschäftsfreunde arbeitet. Tja, und nun ist der gute Patrick wegen einer krummen Sache von der Polizei festgenommen worden. Boyer hat angeordnet, daß wir keine Fragen beantworten sollen, falls jemand aufkreuzt. Sonst würde es uns so ergehen wie Ryan Burke. Das ist die ganze Geschichte.« Michael Shanahan atmete schwer, nachdem er geendet hatte.

Brenda Coughlin sah ihn lange an, bevor sie ein Wort herausbrachte. »Beantworte mir eine Frage, bitte!«

»Alles, was du willst.«

»Wenn es eine Möglichkeit gäbe..., würdest du dann das tun, was Ryan von dir erwarten würde?«

»Auf keinen Fall. Aber...«

»Kein aber, Michael. Reden wir jetzt nicht mehr davon. Ich muß darüber nachdenken. Es darf doch nicht sein, daß Boyer seine schmutzigen Machenschaften ungehindert fortsetzt, indem er einfach die Leute umbringen läßt, die ihm nicht passen.«

»Das ist nicht bewiesen.«

»Nein. Aber es liegt auf der Hand.«

»Brenda, bitte, halte dich aus der Sache heraus! Es ist zu gefährlich.«

»Keine Sorge. Ich verspreche dir, daß ich nichts tue, ohne es dir zu sagen. Aber du darfst nicht vergessen, daß ich diese Stadt ein bißchen besser kenne als du.«

***

Es war ein regnerischer Tag in New York City, und wahrscheinlich schlug dieses Grau in Grau manchen Leuten gleich am frühen Morgen auf die Stimmung.

Der Anwalt, der gemeinsam mit O’Sullivan unser Vernehmungszimmer betrat, stand nicht auf der Liste, die wir dem Iren am Abend vorher in die Hand gedrückt hatten. Sein Name war Edward Bums, und sein Gesichtsausdruck war so sauer wie eine Zitrone. Hager, spitze Nase, Halbglatze, kalte Augen. Sein grauer Anzug war elegant. Ich sah Burns zum ersten Mal. Er gehörte nicht zu den Anwälten, die kleine Ganoven vertreten.

Ich deutete auf die beiden Stühle auf der anderen Seite des Tisches. Burns erlaubte seinem Mandanten mit einer Kopfbewegung, sich zu setzen, ehe er selber Platz nahm. Er klappte einen messingbeschlagenen Aktenkoffer aus feinstem Leder auf und reichte mir ein vorgedrucktes Papier, das mit O’Sullivans krakeliger Unterschrift versehen war.

»Meine Vollmacht.« Bruns sagte es, als sei es eine Gnade, daß ich den Schrieb lesen durfte.

»Danke, Mr. Burns.« Ich gab ihm das Papier zurück. »Mein Name ist Trevellian, Special Agent. Ich führe die Ermittlungen gegen Mr. O’Sullivan. Mir geht es vor allem darum, ein paar Einzelheiten über seine Zeit nach der Einwanderung in die Staaten zu erfahren.«

»Sie werden sich gedulden müssen, Mr. Trevellian.« Burns zog gekonnt die linke Augenbraue hoch und lächelte überheblich. »Bevor mein Mandant eine weitere Stellungnahme abgibt, möchte ich gern wissen, was ihm vorgeworfen wird.«

»Meine Aufgabe ist es nicht, dem Federal Attorney und dem Haftrich'ter vorzugreifen. Was ich sage, muß nicht endgültig sein.«

»Darüber bin ich mir im klaren.« Wieder dieses blasierte Lächeln. »Also, wenn ich bitten darf...«

Ich mußte mich überwinden. Aber ich wollte weiterkommen. Also schluckte ich meinen aufkeimenden Ärger hinunter. Mit knappen Worten schilderte ich den Vorfall im Sloop John B.

»Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung dürften das mindeste sein«, schloß ich.

»Über die juristische Wertung brauchen Sie mich nicht aufzuklären, Mr. Trevellian. Vielen Dank. Also, welche Fragen haben Sie an meinen Mandanten?«

O’Sullivan sah Burns mit offenem Mund von der Seite an, als spreche er Chinesisch.

»Was hat ihn veranlaßt, nach seiner Einwanderung in einen Ort namens Gibson in Pennsylvania zu ziehen?« Ich mußte den herablassenden Ton dieses Anwalts einfach überhören. Ich hatte keine Zeit, mich mit ihm herumzuärgern.

»Bitte, Mr. O’Sullivan«, sagte Burns spitz.

Der Ire rückte auf dem Stuhl hin und her.

»Das... das war so... also, ich habe diese Adresse schon in Irland gekriegt. Von den Leuten, die meine Farm aufgekauft haben. In Gibson sollte ich einen Job kriegen, bei so einer Klebestofffabrik. Die Überfahrt haben sie uns ja auch bezahlt, und von dem Geld für die Farm konnte man ’ne Weile leben. Dann hat’s aber mit dem Job nicht geklappt, weil die Firma wohl eher Leute entläßt, als daß sie neue einstellt.«

»Wer ist ,uns‘?« fragte ich.

»Muß ich das beantworten, Sir?« O’Sullivan sah seinen Anwalt von der Seite an wie ein Dreikäsehoch seinen Schulmeister.

Burns nickte gnädig.

»Das hat mit der Lage in Irland zu tun«, erklärte O’Sullivan, wieder mir zugewandt. »Ich weiß nicht, ob Sie sich das vorstellen können, Sir. Aber alle kleinen Farmer da drüben sind so gut wie kaputt. Diese Regierung macht die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer, verstehen Sie?«

»Und was hat das mit Ihnen zu tun?«

»Ich war einer von denen, die ihre paar Morgen Land verkauft haben, als diese Leute von der amerikanischen Grundstücksgesellschaft aufkreuzten. Die haben das halbe County Kerry aufgekauft. Alles Land von kleinen Farmern, die kaum noch was zu beißen hatten. Ja, und dazu kam dieses Angebot mit der freien Überfahrt und dem Job in den USA. Es gab kaum einen, der nicht zugelangt hat.«

»Für welche Zwecke wurde das Land aufgekauft?«

Rechtsanwalt Burns mahnte mich mit erhobenem Zeigefinger. »Was hat die Frage mit dem Sachverhalt zu tun, Mr. Trevellian?«

»Ich stelle die Frage, um den Sachverhalt zu klären«, konterte ich.

»Also gut«, nickte Burns. »Halten wir uns nicht mit Plänkeleien auf! Können Sie die Frage beantworten, Mr. O’Sullivan?«

»Ich weiß nicht, Sir. Die Amerikaner sagten uns, es solle irgendein Industriebetrieb drüben in Kerry gebaut werden. Dann, als wir schon längst in den Staaten waren, haben wir aus Briefen von Verwandten und Bekannten gehört, daß das Land an einen Gutsbesitzer verkauft worden sein soll. An einen englischen Lord. Ich sag’s ja, diese gottverdammte irische Regierung macht die...«

Ich winkte ab. »Sind Sie verheiratet, Mr. O’Sullivan?«

»Nein. Die meisten anderen auch nicht. Suchen Sie mal ’ne Frau, die in einer öden Bruchbude ohne Heizung hausen und dann noch Schweine füttern und Ställe ausmisten soll!«

»Das brauchten Sie dann in Gibson jedenfalls auch nicht mehr. Was für einen Job hatten Ihnen die Grundstücksmakler versprochen?«

»In der Fabrik. Irgendwas.«

»Wie heißt die Maklerfirma?«

»Welche?«

»An die Sie Ihr Land verkauft haben.«

»Kann ich nicht sagen. Weiß ich nicht mehr. Da war nur ein Agent, der den Vertrag aufgesetzt hat. Der hieß Sheldon Carver oder so ähnlich.«

»Kann ich den Vertrag sehen?«

»Geht nicht. Mein Bruder im County Cork bewahrt den Wisch auf.«

»Sie haben also keine Ahnung, wo die amerikanische Maklerfirma ihren Sitz hat?«

»Nein.«

»Wer hat Sie denn in Gibson in Empfang genommen?«

»Einer von der Fabrik. Der hat uns Behelfsquartiere zugewiesen und gesagt, daß man im Moment nicht mehr für uns tun könnte. Ja, und weil ich ein freier Mann bin, hab ich mich dann nach ’ner Weile auf die Socken gemacht und bin nach New York gegangen. Hab gedacht, in so ’ner Stadt, da kann man schon eher etwas anfangen.«

»Bitte, Mr. O’Sullivan, das reicht jetzt«, mischte sich Burns ein. Er sah mich an. »Haben Sie noch irgendwelche Fragen zum eigentlichen Sachverhalt, Mr. Trevellian? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was diese Vorgeschichte mit dem Mr. O’Sullivan zur Last gelegten Vorfall zu tun hat.«

»Vielleicht nichts.« Ich lächelte. »Aber in manchen Fällen geht es darum, die Wurzel des Übels zu erfassen und nicht nur die dünnen Blätter an der Oberfläche auszureißen.«

Rechtsanwalt Edward Burns sagte nichts mehr. Ich bedankte mich mit der gebotenen Höflichkeit und ließ ihn mit seinem Mandanten allein. Dem aufsichtsführenden Beamten im Vernehmungstrakt meldete ich, daß das Verhör beendet war. Dann nahm ich den Fahrstuhl.

***

Milo hatte den Telefonhörer auf die Schulter geklemmt, als ich unser gemeinsames Büro betrat. Er machte sich hastig Notizen, sah dabei nicht einmal auf.

Ich ließ mich auf meinen Drehstuhl fallen. In dem Papiergewühl auf der Schreibtischplatte lag ein Zettel obenauf, der mit dem Locher beschwert war. Ich nahm den Locher weg.

Lieutenant Collins, Headquarters City Police anrufen! — Milos Handschrift.

»Wie war das?« brüllte mein Freund und Kollege nebenan in die Sprechmuschel. »Wie?... ah, verstehe.«

Ich nahm meinen eigenen Telefonhörer von der Gabel und wählte die City-Police-Nummer, die ich auswendig kannte. Lieutenant Collins leitete die Datensammelstelle. Wir hatten schon häufig mit ihm zusammengearbeitet.

»Einen Moment, Sir«, sagte die Telefonistin im Polizeihauptquartier an der Police Plaza. »Lieutenant Collins ist nicht in seinem Büro. Ich muß ihn suchen.«

Ich wartete. Milo tippte auf die Gabel und nickte mir mit einem flüchtigen Seitenblick zu. Dann kurbelte er mit dem Kugelschreiber eine neue Nummer herunter.

»Hallo! Wer ist dran? Jerome? Okay, Tucker hier. Kannst du mir sagen, wo Elwood steckt? — Nein, das glaube ich nicht. — Nein, ich bin sicher, daß du mir nicht helfen kannst. Ich brauche Elwood und keinen anderen. Also...«

»Collins am Apparat«, tönte es in mein linkes Ohr. »Mr. Trevellian?« Ich hielt mir das rechte Ohr mit der flachen Hand zu. »Ja. Was haben Sie für mich, Jim?«

»Es dreht sich um einen gewissen Patrick O’Sullivan. Der ist doch bei euch zu Gast, oder?«

»Richtig.«

»Gut. Da war ein Anruf wegen O’Sullivan. Ich habe die Einzelheiten in meinem Office. Einverstanden, daß ich in zwei Minuten zurückrufe?«

»Okay, ich warte.« Ich legte auf. Sofort war Milos Lautstärke wieder da. Er schien es heute mit Schwerhörigen zu tun zu haben.

»... interessiert mich überhaupt nicht. Du hast einen halben Tag Zeit. Bis dahin brauche ich die Information. Wie?- — Menschenskind, tu nicht so, als ob du das zum ersten Mal machst! Sagen wir... bis um vier Uhr nachmittags. Okay? — Ja, zum Teufel, was ist denn jetzt noch?« Milo wurde stumm, denn er hörte zu.

Ich zündete mir eine Zigarette an. »Darauf brauchst du keine Rücksicht zu nehmen!« brüllte mein Freund unvermittelt. »Wenn ich ihn habe, spielt das keine Rolle mehr. Zum Teufel, hast du heute irgendeine Bremse im Schädel, oder was...«

Mein Telefon schrillte. Ich angelte den Hörer von der Gabel, legte die Zigarette auf den Aschenbecherrand und hielt mir das freie Ohr zu. Jim Collins meldete sich wie versprochen.

»Folgendes, Jesse. Der Anruf kam heute morgen um kurz vor acht. Unsere Telefonaufnahme hat die Einzelheiten festgehalten und an mich weitergegeben. Ich habe eine Eil-Rundfrage an alle Reviere losgelassen und erfahren, daß O’Sullivan ein FBI-Fall ist. Soweit in Ordnung?«

»Hundertprozentig«, antwortete ich. »Und weiter?«

»Die Anruferin war eine junge Frau aus Gibson in Pennsylvania. Muß ein kleiner Ort sein. Sie hat verlangt, den Sachbearbeiter für O’Sullivan zu sprechen. Wir haben ihre Telefonnummer notiert und versprochen, daß sie angerufen wird.«

Ich war unwillkürlich aufgesprungen. Gibson in Pennsylvania! Himmel noch mal! Ich setfcte mich wieder und schrieb die Nummer auf, die Lieutenant Collins mir durchgab. Als ich das Gespräch beendete, schmetterte Milo seinen Hörer auf die Gabel und stieß einen langgezogenen Seufzer aus.

»Freu dich, daß du dich nicht mit lauter begriffsstutzigen V-Leuten herumschlagen mußt.«

»Du siehst nicht aus, als ob du nur schlechte Nachrichten hättest«, entgegnete ich grinsend.

»Das nicht. Wir haben die Personenbeschreibungen in der Großrechenanlage auswerten lassen. Alles paßt wie die Faust aufs Auge. Die beiden, die uns im Sloop John B. entwischt sind...«

Milo hob ein Blatt Papier von seinem Schreibtisch auf. »...sind mit 99prozentiger Sicherheit Joe Montfort und Chester Gore.«

»Nie gehört«, sagte ich.

»Ich erwarte nicht, daß du ein wandelndes Archiv bist, Alter. Montfort und Gore gehören zur unteren Mittelklasse. Vorstrafen wegen Erpressungen und Betrugsdelikten. Gore ist außerdem einmal beim Rauschgifthandel erwischt worden. Was wollte übrigens Collins?«

»Mir mitteilen, daß unser Freund O’Sullivan ein interessanter Bursche ist. Die Girls telefonieren schon hinter ihm her.«

»Aus Irland?«

»So weit nicht. Gibson in Pennsylvania.«

Milo stieß einen Pfiff aus. »Also hat er doch noch Verbindungen dorthin.«

»Wir werden sehen.«

»Okay, was versprichst du dir davon?«

»Vielleicht seine Auftraggeber, übereinen kleinen Umweg.«

Milo zog

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