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Die wilde Wanda und andere gefährliche Frauen: Verbrecherinnen über die Jahrhunderte

Die wilde Wanda und andere gefährliche Frauen: Verbrecherinnen über die Jahrhunderte

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Die wilde Wanda und andere gefährliche Frauen: Verbrecherinnen über die Jahrhunderte

Länge:
239 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Jan 30, 2020
ISBN:
9783800079995
Format:
Buch

Beschreibung

Frauen sind zu keiner brutalen Tat fähig? Irrtum! Damen machen sich nicht gerne die Finger schmutzig, sie töten daher so leise und unblutig wie möglich? Falsch! Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts sind beim Lügen und Betrügen zwar raffiniert, aber nicht durchtrieben?
Stimmt nicht! In diesem Buch werden Verbrecherinnen aus Österreich vom 18. bis ins 20. Jahrhundert porträtiert. Einige ihrer Opfer wurden raffiniert ausgetrickst, andere gemein hintergangen und bestohlen und wieder andere haben ihre Bekanntschaft mit den verbrecherischen Damen sogar mit dem Leben bezahlt. Bei der Reise in die Abgründe der weiblichen Kriminellen begegnen uns nicht nur clevere Hochstaplerinnen und raffinierte Betrügerinnen, sondern auch sadistische Peinigerinnen und brutale Mörderinnen.
Freigegeben:
Jan 30, 2020
ISBN:
9783800079995
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die wilde Wanda und andere gefährliche Frauen - Gabriele Hasmann

Wolfgang

RACHE & HASS

EVA FASCHAUNERIN:

die Mörderin wider Willen

Eva Faschaunerin, die bildschöne Tochter eines Bergbauern aus dem Kärntner Maltatal, wollte eigentlich keinen Mann und ließ jeden Freier abblitzen. Dennoch wurde sie im Jahr 1770 im Alter von 33 Jahren von Verwandten überredet, den Landwirt Jakob Kary zu heiraten. Der verstarb allerdings bereits einen Monat nach der Hochzeit unter rätselhaften Umständen, woraufhin das Landgericht Gmünd seine Witwe verhaften ließ und Ermittlungen einleitete.

Mehrere Zeugen belasteten Eva Faschaunerin schwer. Es hieß, sie habe ihren Mann mit Arsenik vergiftet; sogar von einem Pakt mit dem Teufel und Hexerei war die Rede. Der Prozess erstreckte sich über einen Zeitraum von drei Jahren, an dessen Ende das Geständnis der Bergbauerntochter stand – als Ergebnis wochenlanger schwerer Folter. Ihr Gnadengesuch, mit dem sie der Hinrichtung zu entkommen versuchte, stieß beim übergeordneten Gericht in Wien auf taube Ohren.

Zur Ehe überredet

Eva wurde im Dezember 1737 auf dem höchstgelegenen Hof am Maltaberg geboren. Sie hatte noch eine zehn Jahre ältere Schwester namens Maria, die als Witwe wieder bei der Familie lebte.

Nachdem die Mutter 1749 verstorben war, heiratete ihr Vater Christian die 22-jährige Katharina Gigler und bekam mit ihr noch zwei Kinder – ebenfalls Töchter. Da kein männlicher Nachkomme existierte, beschloss der alte Bergbauer, den Hof nach seinem Tod Eva zu vererben. Er machte allerdings zur Bedingung, dass sich die Tochter schleunigst einen geeigneten Landwirt suchen sollte, der sie zur Frau nahm. Obwohl die 33-Jährige untätig blieb, klopfte schon bald darauf ein kräftiges Mannsbild an ihre Tür. Der stattliche Kerl entpuppte sich jedoch nicht als potenzieller Ehemann, sondern als Brautwerber für Jakob Kary aus Untermalta. Dieser wollte die Chance, einen solide geführten Bergbauernhof zu übernehmen, ergreifen und nahm dafür die Ehe mit der Tochter des Hauses billigend in Kauf.

Bereits am darauffolgenden Tag trafen Eva und ihr Vater bei Kary ein, um dessen Hof in Augenschein zu nehmen. Sie stellten erschüttert fest, dass dieser mehr als heruntergewirtschaftet war, und traten enttäuscht den Rückzug an. Der Bauer, der zu jenem Zeitpunkt auch hohe Schulden hatte, wollte die Faschaunerin aber unbedingt heiraten, um über sie an Geld zu kommen, und warb weiter um sie.

In der Folge bekam die 33-Jährige von Verwandten zu hören, dass sie „übrig bleiben" und ihrer Familie damit Schande bereiten würde. Sie solle rasch zugreifen, solange sich ein halbwegs ansehnlicher Mann für sie interessierte, der im selben Alter war wie sie und auch Besitz hatte. So bat Eva ihren Vater, Karys Schulden zu bezahlen sowie für die Hochzeit aufzukommen. Dieser willigte ein, wurde aber vom zukünftigen Ehemann seiner Tochter bei den Vorbereitungen der Trauungszeremonie beleidigt, was die Stimmung stark beeinträchtigte. Ein böses Omen? Es sollte nicht das einzige bleiben: Noch während der Feier nach der Vermählung tauchte Markus Pechöler auf, dessen Tochter angeblich von Jakob geschwängert und verlassen worden war. Das Mädchen hatte sich daraufhin umgebracht. Der vor Trauer halb wahnsinnige Mann stieß einen Fluch über das Brautpaar aus.

Eva wohnte nun mit ihrem Gemahl in dessen heruntergekommenem Hof. Sie soll in der Folgezeit immer ernster geworden sein, war häufig in sich gekehrt und weinte, wenn sie ihren Vater besuchte. Das sagten später sowohl die Magd Liesl als auch der Knecht David vom Faschaunerhof aus. Darauf angesprochen, antwortete sie laut der Zeitschrift Freie Stimmen vom 17. April 1932: „Mir ist so hart, dass es mir das Herz abdrucken möcht!"

Ziemlich genau einen Monat nach der Hochzeit bereitete die Ehefrau ihrem Gatten die Reste des Mittagessens zur Jause zu und bot auch der Stiefmutter von Jakob Kary etwas davon an. Sie selbst aß nichts. Später wurde den beiden übel, sie erbrachen und hatten schlimme Magenschmerzen. Der Zustand des Ehemanns besserte sich nicht und er verstarb zwei Tage später. Er fand am Ortsfriedhof seine letzte Ruhe. Seine Stiefmutter erholte sich wieder von der Erkrankung.

Gerüchte, Gerede, Gefängnis

Während der Totenwache für den verstorbenen Ehemann wurde eine bläuliche Verfärbung im Gesicht und insbesondere um den Mund des Leichnams bemerkt. Schon bald machte das Gerücht die Runde, Kary wäre mit „Hittrach" (Hüttenrauch = Arsenik) vergiftet worden. Als Mörderin wurde seine Witwe Eva verdächtigt, die nach Jakobs Ableben keine übermäßige Trauer gezeigt hatte. Die unnahbar wirkende Bäuerin, die nur wenig mit den Dorfbewohnern sprach und sich auf keinen Tratsch einließ, galt als hochmütig und kaltherzig. Es hieß, mit ihrer stillen, aber zielstrebigen Art setze sie ihre Wünsche durch, ohne sich dabei um ihre Mitmenschen zu kümmern. Einige behaupteten auch, sie wäre eine Hexe.

Das Getuschel hinter Evas Rücken und die Vermutung, Kary könnte von seiner Gemahlin ermordet worden sein, kam auch dem Landgerichtsdiener Matthias Horn zu Ohren. Er erstattete daraufhin eine mündliche Anzeige beim Landgericht in Gmünd. Die Witwe musste dort kurze Zeit später eine Aussage machen und gab an, das Gift weder zu kennen noch zu besitzen. Aufgrund weiterer Verdachtsmomente erfolgte auch eine schriftliche Anzeige, weshalb sich schon bald eine Gerichtskommission auf den Weg nach Malta machte. Dieses Gremium, bestehend aus dem Dorfrichter von Malta, einem Landrichter, einem Chirurgen, einem Bader, einem Sattlermeister und einem Schreiber, hatte die Aufgabe, vor Ort Verhöre durchzuführen.

Die angereisten Experten quartierten sich im Gasthaus ein und führten dort die Befragungen durch – beginnend mit der Mutter des Verstorbenen, Katharina Kary, dem Knecht Balthasar und der Magd Elise. Damit sich die Hofbewohner vor ihren Aussagen nicht absprechen konnten, wurden sie von Matthias Horn überwacht. Zugleich erfolgte unter Anwesenheit des Dorfrichters die Exhumierung des Leichnams von Jakob Kary, den anschließend der Kommissionsarzt obduzierte. Dieser stellte Entzündungen im Magen- und Darmtrakt fest und fand eine flüssige Absonderung, die nach Knoblauch roch. Beides deutete auf eine Vergiftung durch Verabreichung einer ätzenden Flüssigkeit oder von Arsenik hin.

Beim Verhör der Hofbewohner stellte sich heraus, dass in einem kleinen Kästchen in der Stube des Hauses Arsenik aufbewahrt wurde, von dem der Bauer hin und wieder kleine Mengen bei Viehkrankheiten oder beim Abkalben verwendete. Manchmal wurde es damals von den Bauersleuten auch ihren Dienstboten ins Essen gemischt, damit diese nicht so schnell müde wurden. Für die Dosis galt das Motto: „Weizenkorngroß macht Wangen rot – erbsengroß bringt sichren Tod."

Eva musste mit nach Gmünd fahren, um dort verhört zu werden, was sie mit großer Bestürzung zur Kenntnis nahm. Man ging davon aus, der mutmaßlichen Mörderin bald ein Geständnis entlocken und ihr den Prozess machen zu können. Die Verdächtigte verteidigte sich dann aber so geschickt, widersprach sich in ihren Aussagen nie und hatte für alles eine Erklärung, sodass es zu keiner Anklage kam und sie zwei Jahre lang im Kerker des Landgerichts Gmünd saß.

Indes wurden weiter belastende Indizien gesammelt und zuletzt wie folgt protokolliert:

•Laut Zeugenaussagen der Stiefmutter von Jakob Kary und einer Magd befand sich Eva bei der Zubereitung der Jause, nach deren Verzehr der Bauer erkrankte und letztlich verstarb, allein in der Küche. Die Witwe des verstorbenen Bauern behauptete jedoch, dass die beiden Frauen anwesend gewesen seien, und versuchte, diese zur Änderung ihrer Angaben zu überreden.

•Die Verdächtige soll sich nicht besonders um ihren leidenden Ehemann bemüht oder gesorgt und sich sogar eher gleichgültig verhalten haben.

•Das Opfer forderte seine Frau bei der Jause zweimal zum Mitessen auf. Eva lehnte jedoch ab und gab an, dass ihr übel wäre.

•Die Witwe wollte zuerst nichts von der Existenz des Gifts im Haushalt gewusst haben, gab später jedoch an, es hätte sich im unteren Fach des Kästchens befunden. Alle anderen auf dem Hof lebenden Personen sagten aus, es wäre im oberen Fach gelegen.

•Von dem Arsenik fehlte eine größere Menge, was sich keine der am Hof lebenden Personen erklären konnte.

Da trotz dieser verdächtigen Tatsachen kein Geständnis der inhaftierten Ehefrau erfolgte, musste das Landgericht Gmünd 1772 den Fall abgeben. Er wurde dem Blutrichter Benedict Alphons von Emperger zugeordnet, der von Kaiserin Maria Theresia wegen seiner Verdienste 1766 in den Adelsstand erhoben worden war. Der landesfürstliche Advokat, der in seiner Funktion die Todesstrafe verhängen durfte, begann kurz darauf vor Ort mit seinen Ermittlungen.

Bei einem neuerlichen Verhör sagte Eva aus, dass sich in besagter Jause wohl eine verbotene Substanz befunden haben musste, sie aber nicht wisse, wie diese in das Essen gelangt sei. Benedict Alphons von Emperger informierte daraufhin die Landeshauptmannschaft Klagenfurt und stellte laut der Zeitschrift Freie Stimmen vom 17. April 1932 zur Wahl, „die Inquisitin ob hac instantia zu entlassen oder aber zu torquieren (= foltern)".

Die Genehmigung für die „peinliche Befragung" wurde im September 1772 erteilt. Der Blutrichter erhielt allerdings die Auflage, zuerst durch eine abschreckende Vorführung des Henkers und der Folterinstrumente zu versuchen, ein Geständnis zu erreichen.

Folter, Verurteilung und Hinrichtung

Im Oktober 1772 wurde die mutmaßliche Mörderin in die Folterkammer geführt, wo ihr der aus St. Veit angereiste Freimann vorgestellt wurde. Eva fürchtete sich fast zu Tode vor der imposanten Erscheinung im roten Mantel und mit schwarzer Augenmaske, die sich breitbeinig mit verschränkten Armen vor ihr aufgebaut hatte. Es brach innerhalb weniger Sekunden aus ihr heraus, dass Arsenik im Schmalz zum Anrösten der Nudeln für das Mittagessen und die spätere Jause gewesen wäre. Am Nachmittag wurde sie neuerlich vernommen, doch die Verdächtige schwieg nun wieder eisern. Aus diesem Grund suchte der Blutrichter neuerlich um Genehmigung der Folter an, die im Jänner 1773 erteilt wurde.

So gestand Eva schließlich, das Gift zerrieben und in das Schmalz getan zu haben, um von ihrem verhassten Gatten loszukommen. Eigentlich wäre sie gegen ihren Willen zur Mörderin geworden, da sie als ehrbare Frau eine so große Sünde nie hatte begehen wollen. Eva behauptete zudem, die Stiefmutter des Bauern absichtlich am Leben gelassen zu haben, da sie wusste, dass so kleine Mengen Arsenik in den Essensresten niemandem ernsthaft schaden würden. Die getätigten Aussagen wurden in einem Abschlussverhör von der Inhaftierten bestätigt.

Das Geständnis besaß offiziell Gültigkeit, denn die „gesittete Obrigkeit vertrat zu jener Zeit die Ansicht, dass ein Unschuldiger die Folter durchstehen könne, ohne zu gestehen. Benedict Alphons von Emperger erstattete deshalb Bericht an die Landeshauptmannschaft und bat um Erlass des Todesurteils für das „Laster der Giftmischerei und des Eheleutemords, das am 20. März 1773 um neun Uhr morgens gesprochen wurde: Die Gattenmörderin sollte „durch den landesfürstl. Freymann an der gewöhnlichen Richtstatt durch das Schwerd von Leben zum Todt hingerichtet, die rechte Hand abgeschlagen, Kopf und Hand an das Rad aufgesteket, und der Cörper in loco suplicii begraben werden, und dies zu ihrer wohlverdienten Straf, andern aber zu einen Beyspiel".

Einen Tag später legte die Verurteilte beim Erzpriester von Gmünd eine Beichte ab. Anschließend ließ sie den Blutrichter holen, dem sie mitteilte, dass sie Kaiserin Maria Theresia um Errettung ihres Lebens anflehen wolle. Aus diesem Grund musste mit dem Vollzug des Todesurteils gewartet werden. Nachdem ein übergeordnetes Gericht in Wien das Gnadengesuch ein paar Monate später abgelehnt hatte, setzte das Landgericht das Datum der Hinrichtung auf 9. November 1773 fest.

Eva wurde an jenem Tag schon frühmorgens auf die Gmündner Richtstätte, die etwa zwei Kilometer außerhalb der Stadt lag, geführt. Dort trennte ihr der Freimann Martin Jakob mit dem Richtschwert zuerst die rechte Hand, mit der sie ihrem Ehemann das Gift ins Essen gestreut haben sollte, und danach den Kopf ab. Es heißt, er habe beim ersten Hieb das Hinterhaupt bis zum Mund durchgeschnitten und konnte erst beim zweiten Mal den Schädel vom Rumpf lösen.

Der Körper wurde anschließend auf dem Galgenbichl vergraben, Kopf und Hand ebendort zur Abschreckung mehrere Tage lang zur Schau gestellt.

Nachwirkung

Das Schicksal von Eva Faschaunerin bewegt bis heute die Gemüter der Menschen – vermutlich, weil es sich um einen der verheerendsten Justizirrtümer des Landes Kärnten handeln könnte. Schließlich hatte die mutmaßliche Mörderin die Tat nur unter den Schmerzen der Folter gestanden.

So entstanden über die unglückliche Bäuerin ein Roman, einige Theaterstücke, musikalische Aufführungen und ein Film. Im einstigen Gefängnis in Gmünd, bekannt als „Im Loch", gab es bis 2013 eine Ausstellung zu diesem Verbrechen.

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, wer Jakob Kary tatsächlich getötet hat. Man suchte einen Schuldigen für das Verbrechen, die Dorfbewohner verlangten nach Gerechtigkeit. Und wer anderer hätte es gewesen sein können als die Faschaunerin, die zur Hochzeit mit einem verschuldeten Landwirt überredet worden und in der Ehe unglücklich war? Handelte es bei der stolzen Bäuerin um eine kaltblütige Giftmörderin oder ein Opfer der Inquisition? Fragen, die nicht mehr beantwortet werden können.

Nicht zur Ehe überredet, ihres verhassten Gatten aber dennoch überdrüssig war Theresia Kandl, die als schönste Mörderin Wiens in die Geschichte einging.

THERESIA KANDL:

die schönste Mörderin Wiens

Theresia Kandl, geboren im Jahr 1785, war eine attraktive junge Dame. Ihr Leben wäre vielleicht besser verlaufen, hätte sie nicht eine unglückliche Entscheidung bei der Wahl ihres Partners getroffen. Sie vermählte sich nämlich mit dem weit älteren Matthias Kandl, einem wohlhabenden Lebensmittelhändler. Mit dieser Heirat wollte sie sich von der Schande reinwaschen, ein uneheliches Kind zur Welt gebracht zu haben, das kurz nach der Geburt starb. Theresia und ihr Gatte wohnten in Matzleinsdorf am Hungelgrund Nr. 9, auch „Zum Salzkrüffel" (heute Wiedner Hauptstraße 91–93) genannt.

Ihr Eheleben war alles andere als glücklich, denn der ungehobelte Greißler scheute nicht davor zurück, seine Gattin im Alkoholrausch zu schlagen und zu vergewaltigen. Die Personen im Umfeld des Paars wunderten sich darüber, wie es diese begehrenswerte Frau mit so einem brutalen Mannsbild aushalten konnte. Und irgendwann rächte sie sich für all die Demütigungen – auf ihre Weise. Obwohl Theresia es geschafft hatte, mit ihrem anmutigen Wesen kurzfristig sogar hartgesottene Gerichtskommissäre in die Irre zu führen, wurde sie letzten Endes des Mordes überführt und in Wien als erste Frau vor den Augen der Öffentlichkeit am Galgen gehenkt.

Die verzweifelte Witwe

Als Matthias Kandl einmal mehr seine Hasstiraden auf Theresia losließ und ihr mit Schlägen drohte, stand für sie fest, ihrem Leiden ein Ende setzen und ihr mittlerweile schon lange andauerndes Ehemartyrium beenden zu wollen. In einer eiskalten Dezembernacht im Jahr 1808 holte die Greißlersgattin eine Axt aus dem Keller und zerhieb den Kopf ihres schlafenden Manns mit zehn kräftigen Schlägen. Nun lag die blutüberströmte Leiche ihres Gemahls im gemeinsamen Schlafzimmer. Bis dahin hatte sich Theresia wohl keine Gedanken darüber gemacht, was sie nach der Tat mit dem Corpus Delicti anstellen würde. Sie geriet in Panik, denn sie musste den leblosen Körper so schnell wie möglich loswerden. Doch wie um alles in der Welt sollte es die zarte Frau anstellen, das Schwergewicht allein aus dem Haus zu schaffen? Ihr gelang das Unmögliche und sie vermochte den Toten an einer entfernten Stelle abzulegen.

Zunächst vermutete man nach dem Fund des Toten aufgrund der Brutalität einen Raubmord, da Matthias Kandl an jenem Tag 150 Gulden in Bankozetteln bei sich hatte, außerdem eine teure Uhr und hochwertige Kleidung trug. Und all das schien gestohlen worden zu sein. Gerade zu jener Zeit waren Überfälle in der Stadt nichts Ungewöhnliches, da der Polizei durch die vielen Kriege Personal fehlte und die meisten Strafdelikte daher unentdeckt blieben.

Nach dem Leichenfund begannen die beiden Kommissäre Seißer und Albrecht am Tatort zu ermitteln, während die Greißlersgattin im Wachlokal auf dem Hohen Markt verhört wurde. Die anwesenden Justizbeamten nahmen Theresia, die bei der Befragung dicke Krokodiltränen weinte, die Rolle der trauernden Witwe zu hundert Prozent ab. Sie zweifelten keine Sekunde an ihrem großen Schmerz über den Verlust des Ehemanns. Und so sollte es vorerst auch bleiben.

Es war Josef Werner, ein Bäckermeister aus Heiligenstadt, der einige Tage später zum ersten Mal aussprach, dass die Ehefrau des Verstorbenen hinter der brutalen Aktion stecken könnte. Er machte Geschäfte mit Kandl und wusste zu berichten, dass Theresia seit einiger Zeit

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