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Tagebuch einer Seele: Zwischen Himmel und Hölle

Tagebuch einer Seele: Zwischen Himmel und Hölle

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Tagebuch einer Seele: Zwischen Himmel und Hölle

Länge:
311 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 28, 2020
ISBN:
9783750439849
Format:
Buch

Beschreibung

Was sind das für seltsame Wahrnehmungen, die aus anderen Welten zu kommen scheinen. Spiegeln diese eine für unsere Sinne zwar unsichtbare, dennoch reale Welt wider oder sind es nur Produkte unseres Gehirns? Gibt es den Himmel und die Hölle wirklich oder sind es nur Fantasien?

Mit diesen und anderen (weltanschaulichen, philosophischen, psychologischen) Fragen muss sich die Autorin des Tagebuchs aufgrund ihrer Erlebnisse auseinandersetzen, um im Leben bestehen zu können.

Das Tagebuch führt den Leser in das Erleben einer hochsensiblen Jugendlichen, die mit intuitiven Fähigkeiten begabt ist. Sie muss sich nicht nur mit einem sozialen Umfeld (in der damaligen DDR) auseinandersetzen, in dem Anderssein nicht akzeptiert wurde, sondern auch mit einem intensiven Innenleben, unsichtbaren Welten bzw. außergewöhnlichen Wahrnehmungen.

Das Tagebuch offenbart, wie schwierig es ist, mit sehr viel mehr und subtileren Wahrnehmungen umgehen zu müssen, als normal ist, zu erkennen, was real ist und was nicht, vor allem wenn man seine Erfahrungen verschweigen muss, um nicht als verrückt erklärt zu werden.

Damals konnte die Jugendliche sich nicht offenbaren. Vielleicht findet sie heute Menschen, die sie vorbehaltlos verstehen wollen. Das hätte sie sehr gefreut. Das weiß ich.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 28, 2020
ISBN:
9783750439849
Format:
Buch

Über den Autor

Nora Seelig wurde 1961 in der damaligen DDR geboren. Sie machte 1981 das Abitur und studierte danach zunächst in Moskau. 1982 wurde ihr erster Sohn geboren. Von 1983 bis 89 absolvierte Nora an der Humboldt Universität in Berlin ein Mathe- Physik- Lehrer- Studium und begann anschließend als Lehrerin zu arbeiten. 1987 wurde ihr zweiter Sohn geboren. 1994 gründete Nora eine Heilpädagogische Großpflegestelle und nahm bis zu sechs Pflegekinder in ihre Familie auf. Nebenbei beschäftigte sie sich mit Naturwissenschaften, Kosmologie, Philosophie, Psychologie, Religionen, Esoterik und sonstigen Themen. Nach der Jahrtausendwende begann sie Artikel und Bücher zu schreiben.


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Buchvorschau

Tagebuch einer Seele - Nora Seelig

Das Leben ist eine große Suche:

Die Suche nach sich selbst und

den Sinn des Lebens.

INHALT

VORWORT(von A. C. Friedrich)

EINLEITUNG

ARTISTENSCHULE

Ein Freund

Training und Internat

Trägheit

Zigeunerleben

Eigene Wege

ZU HAUSE

Gestrandet

Im Hotel

Vampire und Dämonen

Ein neuer Morgen

In der Gärtnerei

Mensch und Natur

Der Eid

BERUFSAUSBILDUNG (Teil I)

Neue Eindrücke

Klassenwechsel

Theorie und Praxis

Die Funktion

Die Musikprüfung

Weihnachtsferien

Schlafmangel

Gute Nachrichten

BERUFSAUSBILDUNG (Teil II)

Ungarn und Ostsee

Zwänge

Träume

Abschied vom LWH

Glücksgefühle

Krank

Weckruf

Wieder im LWH

Mauern und Freiheit

Mona

Absturz

Die letzte Hürde

Nachtwache und Prüfung

Noch eine Hürde

Eine himmlische Erfahrung

ABF HALLE

Die Tagung

Eliteleben

Eine fremde Welt

Geborgenheit

Geistige Enge

Zweifel

Wandlung

Leidensgefährten

Halbzeit

Fehler

Frühlingserwachen

Ostern

Die innere Stimme

Die Entscheidung

Abschied

Rückblick

Das Leben

VORWORT

Ich möchte in die Welt hinaus wandern und das Leben suchen

in den Seelen anderer Menschen.

Es gab zu allen Zeiten Menschen, welche die Fähigkeit besaßen mehr wahrzunehmen als „normal" ist. Es waren (Männer und Frauen), die als Schamanen, Heiler, Seher, spirituelle Lehrer ... anerkannt wurden. Oder sie wurden als Ketzer und Hexen verschrien, verfolgt, gefoltert und oftmals getötet.

Zwar werden in der heutigen Zeit Menschen, die anders sind, nicht mehr aufgrund ihrer Fähigkeiten verfolgt und getötet. Aber es gibt nach wie vor Vorurteile, die dazu führen, dass Menschen, die ungewöhnliche Fähigkeiten besitzen (zum Beispiel über eine subtilere Wahrnehmung verfügen), ausgegrenzt, gemobbt oder sogar als krank bezeichnet werden. Sie werden nicht mehr als Hexen oder Ketzer bezeichnet, aber nicht selten als Spinner oder Verrückte, sogar als wahnsinnig usw.

Eine Grundlage dieser Urteile sind (neben Unkenntnis und sonstigen Vorurteilen) philosophische Postulate der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, zum Beispiel, dass nur das existiert bzw. real ist, was der Mensch mit seinen Sinnen wahrnehmen kann. Aber ist das wirklich so? Was weiß die Wissenschaft über das (vielschichtige) Universum und den Menschen, um das mit Sicherheit behaupten zu können?

Die Naturwissenschaft ist in der Erforschung der Materie und deren Energien sehr weit vorangeschritten. Sie kann in unfassbare Weiten des Kosmos schauen und ebenso in die Tiefen des Mikrokosmos. Aber was weiß sie über die immateriellen (dunklen) Substanzen und Energien? Was weiß sie wirklich über den Ursprung des Lebens, über seine Eigenschaften, Erscheinungs- und Wirkungsweisen im Kosmos, in der Natur und im Menschen?

In der Kosmologie wurde entdeckt, dass der materielle Kosmos nur einen (sehr geringen) Teil des Universums ausmacht (etwa 4%). Es existiert also sehr viel mehr als die materielle Welt, die wir (und das auch nur teilweise) mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen können.

Zu dieser Schlussfolgerung gelangt man auch, wenn die Erkenntnisse in der Quantenphysik, vor allem aber in der Biologie und Psychologie unvoreingenommen (ohne ihr einengendes materialistisches, positivistisches Weltbild) betrachtet werden.

Es gibt demnach keine naturwissenschaftlichen Beweise für die Behauptung, dass nur die materielle Welt real ist und der Mensch nur fähig ist mit seinen Sinnesorganen die Realität wahrzunehmen. Es ist lediglich ein Weltbild, das derartige Behauptungen aufstellt. Es bezeichnet sich als naturwissenschaftlich, lässt jedoch nur Erkenntnisse zu, die diesem Weltbild (das sich im 19./ 20. Jahrhundert entwickelte) entsprechen bzw. interpretiert sie in seinem Sinne und ignoriert das, was nicht in das Weltbild passt. Das hat mit echter Wissenschaft nichts zu tun.

Es sind unsere Weltbilder, die bestimmen, was wir als „wahr" annehmen und wie wir urteilen. Dies gilt es zu bedenken, denn es hat einen entscheidenden Einfluss auf unser persönliches Leben (ob wir leiden oder unser Leid überwinden können) und auf die kollektive Entwicklung der Menschheit (unter anderem auf die selbstgesteckten Grenzen in der Wissenschaft und darauf, ob wir Kriege führen und sogar unseren Planeten zerstören oder ob wir es verhindern wollen und können).

Nur durch vorbehaltlose Erkenntnis können Vorurteile überwunden werden. Es geht dabei auch um Fragen wie: Was von dem, was ich glaube, ist wirklich wahr und was sind weltanschauliche, kulturelle Postulate? Was von dem, was ich wahrnehme, ist wirklich real und was sind Illusionen, Täuschungen oder sogar Wahnvorstellungen? Insbesondere die letzte Frage, die Frage danach, was von dem Wahrgenommenen real existiert und was Illusionen bzw. nur Einbildungen sind, spielt im „Tagebuch einer Seele" eine wesentliche Rolle.

In diesem „Tagebuch schreibt eine Jugendliche, die mit intuitiven Fähigkeiten begabt ist, über ihre inneren und äußeren Erlebnisse. So erfährt der Leser einiges über ihr einengendes soziales Umfeld (in der damaligen DDR), in dem „Anderssein nicht akzeptiert wurde. Man musste sich anpassen oder ging unter.

Zu den Herausforderungen im alltäglichen Leben, die oftmals durch Unverständnis in ihrem Umfeld und durch geistige Unterforderung erzeugt wurden, kam noch ein intensives Innenleben dazu. So erfahren wir in diesem Tagebuch auch einiges über unsichtbare Welten, die mit der normalen Realität nichts zu tun haben oder etwa doch?

Das „Tagebuch einer Seele" offenbart, wie schwierig es ist mit außersinnlichen Wahrnehmungen umzugehen, zu erkennen, was wirklich existiert und was nicht, vor allem wenn man niemanden hat, mit dem man darüber reden kann, wenn man seine Wahrnehmungen verschweigen muss, um nicht als verrückt erklärt zu werden.

Auch wenn die politisch- ideologische Situation in der damaligen DDR das Leben von Menschen, die „anders" sind, offenbar zusätzlich erschwert hat, hat sich meines Erachtens nicht allzu viel geändert. Es gibt nach wie vor Vorurteile, die das Leben von Menschen, die nicht in die Norm passen, erschweren oder sogar extrem belasten.

So wird bereits Kindern Nichtnormalität bescheinigt, wie zum Beispiel ADHS, weil sie zu lebhaft, unkonzentriert oder allgemein unangepasst sind.

Dabei sind sie nur anders, mitunter zu intelligent, um in der Schule dem normalen Unterricht konzentriert folgen zu können.

Kinder, die zu still sind und zu viel träumen, erhalten den Stempel ADS und wenn sie zu viel fantasieren und mehr wahrnehmen, als es „normal" ist, wird ihnen sogar eine psychische Erkrankung bescheinigt.

Durch das oftmals nach wie vor fehlende Verständnis, was ungewöhnliche Veranlagungen betrifft (selbst bzw. gerade in der Pädagogik, Psychologie und Psychiatrie), können betroffene Menschen psychisch extrem belastet werden. Das kann dann zu psychischen Einbrüchen und/ oder psychosomatischen Erkrankungen führen. Nicht die Veranlagung eines Menschen ist Ursache für psychische Probleme, sondern der Umgang damit.

Es gibt inzwischen mehr Toleranz, was das „Anderssein" betrifft, und vor allem Literatur, die aufklärt (z.B. über Hochsensibilität). Es hilft betroffenen Menschen zu sich zu stehen und sich gegen Ausgrenzungen zu wehren.

Es wäre jedoch besser, wenn Anderssein allgemein als etwas Normales anerkannt werden würde, anstatt es wegtherapieren zu wollen.

A. C. Friedrich

EINLEITUNG

Ach, warum lasset ihr mir nicht mein verrücktes Leben?

Ich kann nicht anders! Also wundert euch, aber lasset

mich! Ich bin nun mal etwas anders als das, was ihr

normal nennt. Bin ich deswegen schlechter? Nur

ein wenig naiver. Aber was macht das schon?

Schon als Kind hatte ich unendlich viele Fragen. Mein Kopf war voller Gedanken und Fantasien, die weit über das Alltägliche hinausgingen. Da sich in meinem Umfeld niemand dafür interessierte, war ich gern allein, um mich mit dem, was auf mich einströmte, auseinandersetzen zu können.

Am liebsten war ich in der Natur. Dort fühlte ich mich angenommen und geborgen. Der Natur konnte ich alles anvertrauen und bekam Antworten, die vieles erklärten.

Nach der 10. Klasse begann ich eine Ausbildung an der Artistenschule in Berlin. Das Training machte Spaß und ich kam auch mit den anderen in der Trainingsgruppe gut aus. Aber mir fehlten meine Freiheit und die Natur. Mir fehlten meine geliebten Pferde. Vor allem fehlte mir geistige Nahrung, was ich erst viel zu spät bemerkte.

Da ich nun fast den ganzen Tag mit anderen zusammen war und mich ihrer (Gedanken-) Welt anpassen musste, fehlte mir die Zeit für meine eigene Gedankenwelt. Das erzeugte zum ersten Mal in meinem Leben eine innere Leere. Dazu kamen innere Spannungen und Konflikte, weil ich mich ständig selbst unterdrücken musste. Ich wollte nicht, dass jemand merkt, dass ich anders bin. Das kostete sehr viel Kraft. Dennoch merkten die Trainer und vor allem der Leiter der Schule, dass ich nicht so war, wie sie sich eine Zirkusartistin vorstellten.

Nach sieben Monaten musste ich die Ausbildung an der Artistenschule beenden.

Zu Hause angekommen, wuchs in mir eine dunkle Leere. Ich hasste mich, weil ich nicht normal war, nicht so sein konnte wie andere. Zudem fühlte ich mich als Versager, weil ich die Ausbildung nicht geschafft hatte, aber auch, weil ich diese inneren Konflikte hatte, diese Leere spürte und nichts dagegen tun konnte.

Nach einiger Zeit fiel ich in ein tiefes psychisches Loch. Ich machte Bekanntschaft mit Vampiren und Dämonen und es begann ein Kampf gegen Wahnsinn und Tod.

Zum Glück verschloss sich der Abgrund wieder und die dämonischen Kräfte verloren ihre bedrohliche Macht. Es war dennoch nichts mehr wie es früher war.

Noch jahrelang litt ich unter psychischen Belastungen, durchlebte mitunter heftige Krisen, musste gegen innere Leere, Lethargie und Depressionen kämpfen. Ich gab mir immer selbst die Schuld, dachte, dass ich einfach nur zu schwach bin, um ein normales Leben zu führen.

Heute ist mir bewusst, dass es nicht darum ging, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte, sondern dass die äußeren Lebensumstände ungünstig für mich waren. Ich musste meine Fähigkeiten unterdrücken, mich selbst verleugnen und nach den Erwartungen anderer funktionieren, mich ihren Vorstellungen anpassen und das erzeugt nun mal psychische Belastungen oder sogar Krisen.

Wirkliche Hilfe kann es nur geben, wenn die Ursachen verstanden werden. Es bedeutet, den Menschen in seiner Veranlagung ernst zu nehmen, ihn in seiner Entwicklung zu unterstützen, anstatt ihn in vorgegebene Normen bzw. Vorstellungen hineinpressen zu wollen.

Zum Glück begann ich an der Artistenschule mit dem Tagebuchschreiben. Zum ersten Mal konnte ich meine Gedanken äußern und mich somit auf einer neuen Ebene damit auseinandersetzen. Das Schreiben verband mich mit mir selbst. Es half mir, mich selbst und mein Umfeld besser zu erkennen und zu verstehen. Es holte mich aus sozialen Abhängigkeiten und Verwicklungen heraus.

Es half mir durch schwierige Zeiten und begleitete mich bei wunderbaren Erlebnissen.

Das Tagebuchschreiben war eine Möglichkeit, sich nach außen zu öffnen, ohne mit verständnislosen, destruktiven Reaktionen anderer konfrontiert zu werden, die aufgrund von Unverständnis und auch Vorurteilen unvermeidlich waren.

Das Tagebuch wurde zu meinem besten Freund, dem ich alles anvertrauen konnte.

Inzwischen sind einige Jahrzehnte vergangen und es ist viel passiert. Die geistige Enge in den Mauern der DDR ist vorbei. Endlich wurde es möglich sich vorbehaltloser zu äußern und sich vielfältiger zu informieren.

Erst nach dem Mauerfall wurde mir bewusst, wie sehr wir in der DDR geistig unterdrückt wurden. Mich störte damals nicht, dass wir nicht in den Westen reisen durften oder nicht den Konsum hatten. Mich störte diese geistige Enge, in der nur bestimmte Ansichten und Informationen zugelassen wurden und es geradezu verboten war, anders zu sein als erwünscht war bzw. sogar anders zu denken als vorgegeben wurde. Das ist zum Glück Geschichte.

Dennoch, trotz der Vielfalt an Informationen (geistiger Nahrung) und (Entwicklungs-) Möglichkeiten, die in der „westlichen Welt" gegeben sind, gibt es auch weiterhin Vorbehalte gegenüber Menschen, die anders sind. Es ist nach wie vor schwierig wirklich ehrlich zu sein, weil es noch immer an Verständnis fehlt.

Das (und weiteres) hat mich bewogen, das „Tagebuch" zu veröffentlichen und die darin eingefangene Seele zu befreien.

Damals, in der DDR, konnte sie sich nicht offenbaren. Vielleicht findet sie heute Menschen, denen es ähnlich geht und sie kann ihnen Mut machen.

Vielleicht findet sie Menschen, die über das Alltägliche hinausdenken und Menschen, die anders sind, verstehen wollen, auch wenn sie nicht „betroffen" sind. Vielleicht inspiriert sie den ein oder anderen, regt zum Nachdenken an. Das hätte sie sehr glücklich gemacht. Das weiß ich.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Nora Seelig

ARTISTENSCHULE

(Januar – März 1978)

Der wahre Reichtum eines Menschen liegt in ihm

selbst verborgen, in seinen Fähigkeiten und seiner

Schöpferkraft. Wird der innere Reichtum eines

Menschen unterdrückt, ist das äußere Leben

trostlos und unerfüllt, unabhängig davon,

wie gut es einem ansonsten geht.

EIN FREUND

Gestern beim Spaziergang durch die Schönhauser Allee sah ich dieses Tagebuch im Schaufenster. Es zog meinen Blick magisch an und ich musste es kauften. Nun sehen mich die noch leeren Seiten erwartungsvoll an und ich überlege schon eine Weile, was ich schreiben könnte.

Es sind so viele Gedanken in meinem Kopf. Sie suchen schon lange nach einem Ausweg, wollen befreit werden. Ich kann mit niemandem darüber reden, was ich denke. Sie würden mich alle nur verständnislos ansehen, als ob ich aus einer fremden Welt komme oder nicht ganz dicht bin. Also schweige ich. Aber irgendwie will ich das, was ich denke und fühle, auch herauslassen.

Schon als ich diese wenigen Worte schrieb, habe ich ein seltsames Gefühl bekommen. Es ist, als ob ich durch das Schreiben irgendwie mit mir selbst verbunden bin. Ich fühle den Augenblick des Jetzt- Seins. Jetzt bin ich hier. Jetzt lebe ich in dieser Welt. Ich kann sie erfahren, mir Gedanken über sie machen. Ich will alles verstehen und das Schreiben hilft mir dabei.

Ich spüre, dass das Tagebuchschreiben wichtig ist, denn wie schnell vertreibt die Eintönigkeit im Alltag Wünsche und wahre Bedürfnisse. Außerdem ist es gut, wenigstens einige Erlebnisse und Gedanken festzuhalten, damit die Zeit mir nicht alles stehlen kann und ich später nachlesen kann, womit ich mich beschäftigt habe.

Die Erinnerung an schon vergessene Wünsche, Träume und Erlebnisse kann mir vielleicht helfen, leblose Zeiten zu ertragen und wieder Sinn im Leben zu finden.

Außerdem tut es so gut, die Gedanken herausfließen zu lassen. Es ist, als ob ich nun einen Freund habe, dem ich alles anvertrauen kann und der mich versteht. Was für ein wunderbares Gefühl!

TRAINING UND INTERNAT

Gestern vor dem Einschlafen hatte ich noch unendlich viele Ideen, die ich aufschreiben wollte. Deshalb war ich noch lange wach, während die anderen längst schliefen. Heute früh weckte mich (wie üblich) das Geschnatter meiner Mitbewohnerinnen. Erst beim Training wurde ich langsam wach. (Man sollte in „Tempo" wirklich wach sein, wenn man beim Flickflack und Salto springen nicht stürzen will.)

Auf dem Weg ins Internat * verschwand das, was ich im Training erlebte, aus meinem Sinn und ich tauchte in meine eigene Gedankenwelt ein. Das passiert von selbst, sobald ich allein bin und entspannen kann. Aber als ich im Internat ankam, war das, worüber ich auf dem Weg nachdachte, vergessen. Es ist so, wie man einen Traum vergisst, sobald man aufwacht und an die Pflichten des Tages denkt. Dabei wollte ich es mir unbedingt merken, wiederholte sogar einige Themen immer wieder, um sie nicht zu vergessen. Aber jetzt, wo ich sie aufschreiben könnte, ist alles weg und mein Kopf ziemlich leer.

Worüber also soll ich schreiben? Der Alltag ist ziemlich eintönig. Es passiert hier nicht besonders viel, schon gar nichts, worüber es sich wirklich lohnt zu schreiben. Das macht mich ziemlich fertig. Ich würde so gern jeden Tag etwas Neues erleben, wenigstens mit noch mehr Dingen beschäftigt sein. Aber außer den zwei mal zwei Stunden Training am Tag passiert hier nichts.

Das Training macht schon Spaß. Wir haben Unterricht in Äquilibristik, Ballett, Tempo, Jonglieren, Drahtseil und Trapez.

* Zwischen 10:00 und 12:00Uhr sowie nach 14:00 Uhr habe ich frei, da ich nicht zum Schulunterricht muss.

In Tempo müssen wir die ganze Zeit der Reihe nach auf einem dünnen Filzteppich Überschläge, Flickflack, Salto usw. springen, dann zurückgehen und wieder springen. Das ist anstrengend. Nach Tempo ist man total erschöpft, mehr als nach jedem anderen Training.

Am erholsamsten ist das Üben auf dem Drahtseil, zum einen, weil man (leider) warten muss, wenn die anderen dran sind, zum anderen braucht man da weder „Tempo" noch Kraft. In der letzten Woche haben wir einen Stuhl und eine Leiter als Requisiten bekommen. Der Stuhl hat unten zwei Querstreben, womit jeweils zwei Stuhlbeine (die vorderen und die hinteren) miteinander verbunden sind. In der Mitte der Querstreben ist eine Delle. Dort wird der Stuhl auf das Drahtseil gestellt. Während wir auf dem Drahtseil balancieren, müssen wir den Stuhl an der Lehne festhalten, uns vorsichtig umdrehen, auf den Stuhl setzten und die Beine ausstrecken. Wenn wir erst einmal auf dem Stuhl sitzen, ist das Balancieren einfach. Kompliziert ist es, den Stuhl festzuhalten und sich dabei hinzusetzen. Aber langsam habe ich den Dreh raus.

Die Leiter wird seitlich auf das Seil gestellt (auch sie hat unten Dellen, um nicht wegzurutschen). Dann hält man sich an einer der oberen Quersprossen mit einer Hand fest, steigt unten auf die Sprossen, während man sich mit dem Fächer in der anderen Hand ausbalanciert. Das ist wirklich nicht einfach, aber macht Spaß.

*

Heute ist Freitag. Nachher ist nur noch Krafttraining und danach dürfen wir erschöpft ins Wochenend- Nichtstun fallen.

Einerseits freue ich mich auf das Wochenende, auf das Ausruhen, weil das Training schon ziemlich hart ist und die Muskeln sich spätestens nach dem Krafttraining nach Erholung sehnen. Andererseits freue ich mich nicht, weil es am Wochenende ziemlich langweilig ist.

Wenn man irgendwo hingehen oder etwas Sinnvolles tun könnte, wäre es weniger langweilig. Es wäre auch schon gut, wenn man seine Ruhe hätte. Aber es ist jedes Mal nur zwanghaftes Nichtstun und gleichzeitig zwanghaftes Tun, weil man nicht allein ist und wirklich entspannen kann, sondern sich auf die anderen einstellen muss. Das ist sehr anstrengend. Am liebsten würde ich irgendwohin gehen, wo ich meine Ruhe haben kann, oder dorthin, wo man mal etwas Neues erlebt.

Bestimmt gibt es in Berlin viel zu entdecken. Aber wie soll ich es finden? Ich habe mir schon so viele Gegenden angeschaut, bin oft auf dem „Alex gewesen oder „Unter den Linden entlang gelaufen (soweit, bis böse blickende Soldaten einem zum Umkehren bewegen).

Berlin ist schon interessant. Es gibt hier wirklich schöne Gebäude, die eine besondere Geschichte haben. Aber nur tote Steine anschauen, selbst wenn sie zu imposanten Gebäuden zusammengefügt und mit bewundernswerten Figuren verziert sind, ist irgendwann langweilig. Zudem ist es sehr kalt draußen.

Mir fehlt jemand, mit dem ich über alles reden kann. Ich fühle mich einsam, auch wenn ich selten allein bin. Mit den anderen verstehe ich mich gut. Aber sie sind jünger, weil sie schon nach der achten Klasse hierhergekommen sind, und sie haben andere Interessen. Wir albern herum und lachen viel. Das tut schon gut. Aber ich will nicht immer nur albern sein.

*

Endlich Montag. Endlich wieder Training. Es tut so gut, durch den Sportraum zu wirbeln und die überschüssigen Energien rauszulassen, die sich durch das Nichtstun am Wochenende angestaut hatten.

Das Wochenende war, wie erwartet, viel zu langweilig. Wir waren von Freitagnachmittag bis heute Morgen nur im Zimmer. (Draußen ist es eisig kalt.)

Vier aufgedrehte Energiebündel wirbelten die ganze Zeit laut schnatternd im Zimmer herum. Es gab kaum einen Moment Ruhe. Jeder wollte seine Ansichten loswerden. Es ging wie üblich meist um bestimmte Jungen, wer auf wen wie reagierte und wie das alles zu deuten ist.

Am liebsten wollte ich nur auf dem Bett liegen, Löcher in die Luft starren und in Ruhe über alles nachdenken. Aber das geht natürlich nicht, weil es aussieht, als wäre man träge. Deshalb saß ich die meiste Zeit auf meinem Bett und strickte am Pullover weiter. Dann tue ich so, als ob ich etwas tue und kann meinen Gedanken ein wenig freien Lauf lassen, weil ich mich ja auf die Handarbeit konzentrieren muss. (Das sage ich den anderen, damit sie mich nicht immer ansprechen und aus meinen Gedanken reißen.) Aber sie lassen mich trotzdem nicht in Ruhe. Es scheint, als ob sie sich verpflichtet fühlen, mich zu unterhalten, damit ich nicht einsam bin. Sie verstehen nicht, dass mich die „süßen" Jungen, die außerdem viel zu jung für mich sind, nicht interessieren.

Ich kann ihnen nicht sagen, dass sie mich in Ruhe lassen sollen. Sie würden sich zurückgewiesen fühlen und das würde nur noch mehr Probleme geben. Also höre ich den anderen zu, albere mit ihnen herum und tue, als ob alles in bester Ordnung ist. Wenigstens habe ich von meinem Platz aus (oben im Doppelstockbett) ein wenig Abstand zu dem pausenlosen Geschnatter im Zimmer.

Von hier oben kann man alles gut beobachten, ohne zu sehr beteiligt zu sein. Aber wirklich Ruhe gibt es nicht.

Das Training ist das Einzige, das mir Spaß macht. Beim Sport habe ich das Gefühl aufzuwachen und lebendig zu sein. Am meisten gefallen mir Drahtseil und Trapez. Da bin ich auch ganz gut. Tempo geht so. Es macht schon Spaß, wenn man immer mehr Sprünge beherrscht. Es ist jedoch ziemlich anstrengend und man ist danach völlig fertig.

Nur Ballett und Jonglieren gefallen mir nicht. Ballett ist anstrengend und mitunter schmerzhaft, vor allem für die Beine. Und Jonglieren ist langweilig, weil man die ganze Zeit nur Bälle, Ringe oder Keulen in die Luft werfen und wieder auffangen muss. Dann muss man sich auch noch ständig bücken und Bällen hinterherrennen, die durch den ganzen Ballettsaal kullern. Mit Keulen jonglieren macht schon eher Spaß, weil man erst den richtigen Dreh herausfinden muss, um sie wieder am Griff aufzufangen. Aber nach über einer Stunde nur auf der Stelle stehen und Dinge in die Luft werfen, hat man wirklich genug davon, jedenfalls ich. Es gibt natürlich einige, denen das total Spaß macht, eigentlich nur einen, Carlo.

Äquilibristik macht eigentlich auch Spaß, wenn nicht die Vorschrift wäre, dass man in den Handstand kommen muss, ohne Schwung nehmen zu dürfen. Der Handstand an sich ist kein Problem. Ich kann im Handstand durch den Ballettsaal laufen und auch die Treppe runter. (Sie ist an einem Tisch befestigt.) Problematisch ist für mich nach wie vor in den Handstand zu kommen und das auf verschiedenen Requisiten in verschiedenen Höhen. Man darf nämlich nur mit geschlossenen abspringen und muss

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