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5 Super Western März 2020: Western Sammelband 5005

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5 Super Western März 2020: Western Sammelband 5005

Länge:
695 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
3. März 2020
ISBN:
9781393276821
Format:
Buch

Beschreibung

5 Super Western März 2020: Western Sammelband 5005

Von Alfred Bekker, Thomas West, Heinz Squarra, Larry Lash, Glenn P. Webster

Dieses Buch enthält die folgenden Western:

ThomasWest: Die Indianerin

Alfred Bekker/Thomas West: Grainger und die Squaw

Heinz Squarra: Todfeindschaft der Rancher

Larry Lash: Mann ohne Freunde

Glenn P. Webster: Kampf bis aufs Blut

Ungefähr hundert Mann reiten unter dem Kommando eines bisher unbekannten Anführers. Sie haben es inzwischen geschafft, den gesamten Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Devil's Slide und Salt Lake City unsicher zu machen. Die Überfälle werden mit fast militärischer Präzision durchgeführt. Die Bande schlägt mit großer Übermacht zu und geht dabei äußerst rücksichtslos vor. Wer sich ihr in den Weg stellt, wird kaltblütig erschossen. Grainger wird sich ihnen in den Weg stellen...

Herausgeber:
Freigegeben:
3. März 2020
ISBN:
9781393276821
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

5 Super Western März 2020 - Alfred Bekker

5 Super Western März 2020: Western Sammelband 5005

Von Alfred Bekker, Thomas West, Heinz Squarra, Larry Lash, Glenn P. Webster

Dieses Buch enthält die folgenden Western:

ThomasWest: Die Indianerin

Alfred Bekker/Thomas West: Grainger und die Squaw

Heinz Squarra: Todfeindschaft der Rancher

Larry Lash: Mann ohne Freunde

Glenn P. Webster: Kampf bis aufs Blut

UNGEFÄHR HUNDERT MANN reiten unter dem Kommando eines bisher unbekannten Anführers. Sie haben es inzwischen geschafft, den gesamten Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Devil’s Slide und Salt Lake City unsicher zu machen. Die Überfälle werden mit fast militärischer Präzision durchgeführt. Die Bande schlägt mit großer Übermacht zu und geht dabei äußerst rücksichtslos vor. Wer sich ihr in den Weg stellt, wird kaltblütig erschossen. Grainger wird sich ihnen in den Weg stellen...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Indianerin

von Thomas West

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© 2012 der Digitalausgabe 2012 by AlfredBekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

Es war ruhiger im Lager als sonst. Kein Gesang, kein Gelächter, kein lautes Palaver. Die Frauen tuschelten nur leise, statt zu schnattern und zu kichern wie an anderen Tagen. Die Krieger riefen sich nicht wie sonst Grüße und Scherze zu. Selbst das Spiel der Kinder hatte nichts Ausgelassenes an diesem Tag. Nur wenige balgten sich zwischen den Tipis. Und selbst sie wirkten seltsam gehemmt.

Die meisten der Kinder standen oder hockten in den Schatten der Tipis um den fast kreisrunden Platz in der Mitte des Lagers. Von dort aus beobachteten sie den Mann beim Totempfahl. Zorniger Bison, der Schamane. Ein weitausladendes Büffelgehörn auf dem Kopf und ein Büffelfell über den Schultern, schritt er um den Totempfahl herum. Schon seit Stunden.

Manchmal drehte er sich abrupt herum, riss die Arme hoch und stieß einen klagenden Ruf himmelwärts, wo die sengende Mittagssonne zwischen spärlichen Wolken flimmerte.

Dann ging ein Rucken durch die Kinderschar, als würden sie erschrecken, die Squaws sahen von ihrer Arbeit auf und lauschten, und die Männer erhoben sich und sahen gespannt hinüber zu dem alten Medizinmann.

Meistens aber umkreiste Zorniger Büffel einfach nur den Totempfahl. Dabei bewegten sich die schmalen Lippen in seinem dunklen, lederartigen Gesicht. Hin und wieder konnten die Kinder ein brummendes Gemurmel hören. Und von Zeit zu Zeit warf sich der Schamane flach auf den Boden, bedeckte sich vollständig mit dem zotteligen Büffelfell und rührte sich minutenlang nicht mehr.

Er spricht mit den Geistern der Erde, raunte Blauer Vogel ihrer Mutter zu. Die Frauen hockten im Schatten des Häuptlings-Tipis und schnitten Büffelfleisch in kleine Streifen.

Das Tipi des Häuptlings stand am Rand des Versammlungsplatzes im Zentrum des Lagers. Keine zwanzig Schritte gegenüber des Totempfahls und des Bisonfelltipis, in dem der Schamane hauste.

Gespannt blickte Blauer Vogel hinüber zu dem reglosen Fellbündel im niedergetretenen Gras. Endlich erhob sich Zorniger Büffel, warf eine Handvoll Erde und Gras in die Luft und blieb mit ausgestreckten Armen stehen. Die Augen unter dem Büffelschädel waren geschlossen, die Lippen bewegten sich lautlos.

Seit dem Sonnenaufgang dauerte die Beschwörungszeremonie nun schon an. Seit fast acht Stunden. Blauer Vogel konnte sich an Tage erinnern, da Zorniger Büffel die Sonne zweimal unter- und dreimal aufgehen ließ über seinem Gespräch mit den Geistern der Erde und der Sonne. Damals, vor sieben Wintern, als die Weißen immer zahlreicher in die Jagdgründe der Cheyenne einfielen. Blauer Vogel war noch ein kleines Mädchen gewesen in diesen Tagen.

Und auch heute suchte Zorniger Büffel den Rat der Geister wegen der Weißen. Seit dem Zwischenfall gestern trugen die Ältesten des Stammes tiefe Sorgenfalten auf ihren sonnenverbrannten Gesichtern.

Zorniger Büffel stieß einen langzogenen Ruf aus. Wie ein hungriger Kojote nachts zwischen den Grashügeln der Prärie. Blauer Vogel erschauderte.

Neben ihr klatschte Zeltstoff auf Zeltstoff. Sie blickte auf: Ihr Vater hatte den Eingang seines Tipis aufgeschlagen. Schweigend stand er in der Öffnung des Häuptlingstipis und beobachtete den Schamanen.

Die gedrungene, aber kräftige Gestalt des Häuptlings war in einen verblichenen Offiziersmantel der US-Kavallerie gehüllt. Das Geschenk eines Majors, mit dem Kleiner Bär vor Jahren einen Friedensvertrag ausgehandelt hatte. Heute nur noch ein wertloser Fetzen Papier.

Eine Kette aus Bärenkrallen zierte seine nackte Brust. Nur mit einem Jagdmesser bewaffnet, hatte der Häuptling sich ihrem ehemaligen Besitzer gestellt. Dessen Fell diente ihm seitdem als Schlafdecke.

Kleiner Bär trug keinen Kopfschmuck heute. Dichtes, zu zwei Zöpfen geflochtenes Grauhaar umrahmte sein zerfurchtes Gesicht. Wie der Schnabel eines Adlers sprang die große Nase über die zusammengepressten Lippen des breiten Mundes. Eine steile Falte stand zwischen seinen Brauen.

Auch Häuptling kleiner Bär quälte die Sorge um die Zukunft seines Stammes. Einige seiner jüngeren Krieger hatten gestern Nacht einen Weißen getötet. Es war schon aus nichtigeren Anlässen zum Krieg mit den Blauröcken gekommen.

Die Jungkrieger hatten sich im Schutz der Dunkelheit an die Wagenburg des großen Siedlertrecks herangepirscht. Sie wollten ein paar Pferde stehlen. Die weißen Landräuber sollten wenigstens bezahlen, wenn ihr Treck schon die Büffeljagd störte. Und freiwillig taten sie das nicht.

Die jungen Cheyenne waren von Wachposten überrascht worden. Es kam zum Schusswechsel, ein Weißer starb.

Als Zorniger Büffel fortfuhr, den Totempfahl zu umkreisen, zog der Häuptling sich wieder ins Innere seines Tipis zurück.

Kleiner Bär hatte sich seit dem Morgengrauen kaum vor seinem Zelt blicken lassen. Nur die seltenen Beschwörungsrufe des Schamanen hatten ihn von Zeit zu Zeit ins Freie gelockt.

Blauer Vogel wusste, dass ihr Vater weder aß noch trank an solchen Tagen. Erst wenn der große Geist der Sonne dem Schamanen geantwortet hatte, durften Blauer Vogel und ihre Mutter Fleisch, Maisfladen und Wasser ins Häuptlingstipi bringen.

Das Ritual dauerte bis zum Abend an. Irgendwann verschwand Zorniger Büffel einfach in seinem Zelt. Nach und nach fanden sich die Ältesten beim Häuptling ein. Gemeinsam warteten sie auf den Schamanen.

Der tauchte erst bei Sonnenuntergang zwischen den Bisonfellen seines Zelteingangs auf. Mit hängenden Schultern schlurfte er über den Platz. Als hätte er den ganzen Tag schwer gearbeitet.

Er schlüpfte in das Häuptlingstipi.

Blauer Vogel und ihre Mutter blieben vor dem Eingang sitzen. Nach und nach gesellten sich immer mehr Krieger und Squaws zu ihnen. Bald drängte sich der halbe Stamm um den Totempfahl und zwischen den Tipis in der Mitte des Lagers. Alle lauschten gespannt.

Der große Geist zeigte mir einen Schwarm Krähen. Die knarzige Stimme des alten Schamanen drang aus dem Häuptlingszelt. Sie fielen über unsere Jagdgründe her. Ich sah unserer Krieger aufstehen und sie verscheuchen. Aber die Krähen kehrten zurück. Eine von ihnen verwandelte sich in einen Adler. Und die Geister der Erde ließen mich den Hufschlag vieler Pferde hören. Große, schwere Pferde, wie die Blauröcke sie benutzen.

Lange Augenblicke sprach niemand ein Wort im Inneren des Tipis. Schwer lastete das Schweigen auf den um das Häuptlingszelt versammelten Zuhörern.

Dann noch einmal die Stimme des Schamanen: Kleiner Bär möge sich und den Stamm sorgfältig vorbereiten. Es wird Krieg geben...

DIE TÜR ZUR KOMMANDANTUR wurde aufgestoßen. Captain Dave Cunningham und Lieutenant Sherman nahmen Haltung an und legten die Fingerspitzen an die Hutkrempen. Die beiden Reiteroffiziere, ein Captain und ein Major, grüßten flüchtig. Als hätten sie es brandeilig, nahmen sie alle drei Stufen der Vortreppe auf einmal und hasteten über den kleinen Innenhof des Forts auf die Stallungen zu. Sie waren Abgesandte des Regimentskommandeurs aus Fort Dodge. Eine geschlagene Stunde hatten sie beim Colonel verbracht.

Cunningham schätzte, dass die ruhigen Wochen in Fort Laramie vorbei waren. Der alte General Forrest hatte seine Offiziere und ihren Tross nicht zum Spaß auf den tagelangen Ritt durch die Prärie geschickt.

Er wandte sich an Tom Sherman. In ein paar Tagen geht's Richtung Süden gegen die Paiute, wetten?

Sherman schüttelte den Kopf. Es geht morgen schon los, Dave. Unser Colonel hat Feuer unterm Arsch. Je früher er sich mit den Rothäuten prügeln kann, um so besser.

Nach Süden, behaupte ich. Dave Cunningham holte einen Silberdollar aus seiner fransenbesetzten Hirschlederjacke. Anders als Sherman trug er die abgewetzte Kluft eines Waldläufers. Er hielt den Silberdollar zwischen sich und den Lieutenant.

Tom Sherman kraulte nachdenklich seinen dunklen Vollbart. Dann wieder ein Kopfschütteln. Ich tippe auf Nordwesten. Gegen die Sioux oder die Cheyenne.

Sie schlugen ein.

Die dunkelblaue Uniformjacke mit dem gelbem Besatz der US-Kavallerie hing wie ein Sack an Shermans hochgewachsenem, schlaksigen Körper. Sie war falsch geknöpft; der rechte Kragensaum stand zwei Finger breit über dem linken.

Dave musste grinsen. Solche Nachlässigkeiten waren typisch für seinen alten Freund. Der große Bursche aus Texas hatte bis vor ein paar Jahren die Viehtrecks seines Vaters nach Saint Louis getrieben. Er hatte sich freiwillig bei der Kavallerie gemeldet und war ein verdammt guter Soldat. Aber die schlecht geschnittene Uniform trug er noch immer wie ein ungeliebtes Korsett.

Wieder ging die Tür auf. Colonel Roosters kleingewachsene Gestalt erschien im Türrahmen, mit seinem harten, bis auf den gepflegten Schnurrbart glattrasierten Gesicht und dem langen, hinter die Ohren gekämmten Haar. Sein braunes Haar wies einen deutlichen Rotstich auf. Das und sein rüder Führungsstil hatte ihm seinen Spitznamen eingetragen: Reddog - roter Hund.

Er wirkte beunruhigend zufrieden. Viel zufriedener als vor einer Stunde noch, als Cunningham und Sherman die beiden Gesandten des Regimentskommandeurs in sein Büro geführt hatten. Seine grauen Augen lächelten, was nicht oft vorkam. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass General Forrest ihn mit einem Auftrag beglückt hatte.

Wir haben einen Marschbefehl, Gentlemen. Es geht gegen die Cheyenne. Sorgen Sie dafür, dass alle drei Schwadronen antreten. In einer Stunde will ich zu den Männern sprechen. Das war's schon. Er drehte sich um und schlug die Tür hinter sich zu.

Sie hatten kaum die Stufen der Vortreppe betreten, da wurde die Tür hinter ihnen wieder aufgerissen.

Verdammt, Sherman!, bellte Rooster. Wie oft soll ich Ihnen noch sagen, dass Sie sich vorschriftsmäßig zu kleiden haben?

Verzeihung, Sir. Sherman fummelte an den Knöpfen seiner Uniform herum. Die Tür fiel zum zweiten Mal ins Schloss.

Du hast gewonnen. Dave Cunningham kramte den Silberdollar heraus und drückte ihn in die ausgestreckte Hand des Lieutenants. In verschiedene Richtungen liefen sie zu den Mannschaftsquartieren.

Cunningham fühlte sich plötzlich sehr unwohl in seiner Haut. Nicht dass er die Strapazen des langen Rittes scheute, der vor ihnen lag. Oder den Kampf mit den Indianern. Nein - es gab nicht allzuviel auf Gottes wildem Erdboden, vor dem ein Dave Cunningham zurückgescheut wäre. Abgesehen von schlechtem Whisky oder warmem Bier.

Cheyenne - dieses Wort hatte sich wie ein Pfeil in seine Eingeweide gebohrt.

Cunningham zog seinen braunen Trapperhut vom Kopf und strich sich sein langes Blondhaar aus dem Gesicht. Er betrachtete die beiden gekreuzten Pfeile auf der Vorderseite des Hutes. Ein wehmütiger Zug legte sich auf sein kantiges, von Wind und Sonne gegerbtes Gesicht.

Cheyenne - das klang für Cunningham wie für andere Kentucky, Missouri oder Maine. Je nachdem, wo einer zu Hause war. Zu Hause - so klang dieses Wort in den Ohren Dave Cunninghams. Sein halbes Leben hatte er bei den Cheyenne verbracht. Über fünfzehn Jahre.

Er setzte den Hut mit den Silberpfeilen und der rotweiß geflochtenen Baumwollkordel wieder auf. Nur die Späher der US-Armee trugen solche Hütte.

Cunningham bog um die Ecke der Stallungen. Ein großer Hof öffnete sich vor ihm. Gegenüber der Ställe befanden sich die Baracken mit den Mannschaftsräumen. Einige Dutzend Soldaten hockten davor, Angehörige der dritten Schwadron. Sie putzten Gewehre und Colts oder flickten Sattelzeug. Einige sahen auf, als sie Cunningham kommen sahen.

Hey, Captain - es geht gegen die Rothäute, stimmt's? Solche und ähnliche Fragen schwirrten ihm entgegen.

Natürlich hatte sich die Ankunft der Delegation aus Fort Dodge längst herumgesprochen. Und bis zum untersten Dienstgrad hatten sich die Männer ausgerechnet, was das zu bedeuten hatte.

Endlich gibt's was zu tun!, rief Lesley McAuley, Cunninghams Partner. Der alte Waldläufer hasste nichts mehr, als untätig herumzusitzen. Man verrottet ja in diesem gottverdammten Fort! Genau wie Cunningham war er Späher im Range eines Captains.

Ein relativ kleiner, aber drahtiger Mann erhob sich von einer Munitionskiste und kam Cunningham entgegen. Er hatte blauschwarzes Haar, das zum Mittelscheitel gekämmt und im Rundschnitt kurz über den Ohrläppchen gestutzt war. Seine Haut war auffallend dunkel, und ein misstrauischer Zug lag um Mund und Augen. Sergeant Shakopee. Ein Halbblut. Seine Mutter war eine Sioux.

Fragend runzelte er die Stirn.

Lass die Jungs antreten, Shakopee, sagte Cunningham. In einer Stunde will der Colonel zu ihnen sprechen.

Wohin geht es, Dave?

Gegen die Cheyenne. Das Wort wollte ihm kaum aus dem Hals.

CHEYENNE AUS LITTLE Bears Stamm haben einen Siedlertreck überfallen! Colonel William Rooster stützte sich auf das Holzgeländer der Veranda vor seinem Büro. Sie haben einen Mann getötet! Seine Stimme überschlug sich fast, so laut schrie er. Bei jedem Wort tänzelte er hin und her.

Nicht weit neben ihm stand seine Frau, Helena Rooster. Blond und schlank, in einem hochgeschlossenen grauen Kleid. Sie war nicht wesentlich kleiner als ihr Mann. Aber gut fünfzehn Jahre jünger als der über vierzigjährige Offizier.

In Reih und Glied waren fast zweihundert Kavalleristen im Innenhof des Forts aufmarschiert. Die erste, zweite und dritte Schwadron des Fünften US-Kavallerieregiments. Das Regiment des alten Reitergenerals Aaron Forrests bestand insgesamt aus zwölf Schwadronen. Drei standen in Fort Kearney, sechs in Fort Dodge unter dem direkten Kommando des Generals. Und die ersten drei unter Rooster eben hier in Fort Laramie, im äußersten Westen.

Die Rothäute in der Großen Ebene sind seit langem aufsässig und feindselig!, rief der Colonel seinen Leuten zu. General Forrest hat mir heute den Befehl gegeben, sie in ihre Schranken zu weisen!

Cunningham spürte die Augen der Frau auf sich, noch bevor sich seine und ihre Blicke trafen. Wie meistens war ihm das unangenehm. Und wie meistens erregte es ihn.

Helena Rooster war eine schöne Frau. Aber sie war die Frau seines Vorgesetzten.

Wir werden ihnen eine Lektion erteilen, die sie so schnell nicht vergessen! Rooster beugte sich weit über das Geländer. Es geht in den Kampf, Soldaten! In den Kampf gegen die Wilden! Morgen, gleich nach Sonnenaufgang, brechen wir auf!

Jeder wusste, dass Rooster nichts Besseres hatte passieren können, als von Forrest mit dieser Strafexpedition beauftragt zu werden. Und zumindest die Offiziere wussten auch warum: Rooster war der Meinung, lange genug Colonel gewesen zu sein. In spätestens zwei Jahren würde der General in den Ruhestand gehen. Man erzählte sich jetzt schon, dass er auf einer Koppel kaum noch ein Pferd von einer Kuh unterscheiden konnte.

In spätestens zwei Jahren wollte Rooster sein Kommando übernehmen. Er brannte darauf, bis dahin so viele Lorbeeren wie möglich anzuhäufen.

Cunningham konnte nichts anfangen mit solchen ruhmsüchtigen Kriegshelden. Schon gar nicht, wenn sie dazu neigten, ihre Karriere mit dem Blut ihrer Soldaten zu düngen.

Verstohlen schielte er zu der Frau hinüber. Noch immer ruhten ihre Augen auf ihm. Unter seinem Zwerchfell schien ein großer Vogel mit den Flügeln zu schlagen. Er riss seine Augen von runden Wölbungen ihres Körpers los und versuchte sich auf seinen Kommandeur zu konzentrieren.

Die erste Schwadron wird hier im Fort bleiben!, ordnete der Colonel an. Enttäuschtes Geraune ging durch die Reihen der betroffenen Männer. Shermans Schwadron. Cunningham hätte gern mit ihm getauscht. Lieutenant Sherman wird das Kommando hier übernehmen!

Jetzt war auch Cunningham enttäuscht. Sie hatten sich im gleichen Jahr zur Kavallerie gemeldet. Noch nie war er ohne seinen Freund Tom Sherman geritten.

Für die zweite und dritte Schwadron gilt heute Abend Alkoholverbot!, fuhr der Colonel fort. Ich will ausgeruhte Soldaten sehen morgen früh!

Rooster ließ abtreten und zog sich in sein Büro zurück. Eine halbe Stunde später sah ihn Cunningham an der Spitze einer kleinen Abteilung aus dem Fort reiten. Sherman und Shakopee begleiteten ihn. Vermutlich würden sie zu den umliegenden Farmern reiten, um Proviant zu ordern. Zwei Schwadronen wollten verköstigt sein.

Cunningham ging in die Stallung. Angeblich, um nach den Pferden zu sehen. In Wirklichkeit wollte er allein sein. Der bevorstehende Auftrag verursachte ihm Magenschmerzen.

Seit vier Jahren war er als Kundschafter bei der Kavallerie, seit einem Jahr im Rang eines Captains. Bisher hatte er Glück gehabt: Fünfmal war er unter Rooster gegen die Indianer gezogen. Gegen Sioux, gegen Comanchen, gegen Paiutes. Aber nie gegen Cheyenne. Jetzt war es soweit. Und alles in Cunningham sträubte sich dagegen. Ob er Rooster bitten sollte, ihn hierzulassen?

Ein Schatten bewegte sich zwischen den Pferden. Eine Frauengestalt tauchte vor Cunningham auf. Klein und drall, mit schwarzer Hautfarbe. Norma, Helena Roosters Hausmädchen.

Meine Herrin will Sie sprechen, flüsterte sie. Jetzt gleich. Mrs. Rooster erwartet Sie in meiner Kammer.

Lautlos verschwand sie wieder in den Tiefen des Stalls. Und ließ einen verblüfften Cunningham zurück. Was wollte die Frau des Colonels von ihm? Wieder war da das Flattern unter seinem Zwerchfell.

Er verließ den Stall. An der Rückseite der Mannschaftsbaracken entlang ging er zu dem Gebäudekomplex an der Südseite der Palisaden. Durchreisende und Händler waren hier untergebracht. Und das Gesinde - Pferdeknechte, Wagenlenker, ein paar Köchinnen und Hausmädchen.

Oft genug hatte Cunningham Norma in ihrem Zimmer verschwinden sehen. Er wusste, welche Tür er benutzen musste. Von außen sah er, dass der Vorhang vor dem einzigen Fenster gezogen war.

Sein Mund fühlte sich trocken an, als er die Klinke herunterdrückte und den winzigen Raum betrat. Eine Pritsche, eine Kommode, ein kleiner Tisch und ein Stuhl, das war die ganze Einrichtung. Auf letzterem saß Helena Rooster. Schwerer Parfümduft hing im Raum.

Sie stand auf, während er die Tür hinter sich schloss.

Madame? Fragend sah er sie an. Sie huschte an ihm vorbei und schloss die Tür ab. Sie trug das graue Kleid. Ein Saum aus weißen Rüschen spielte um die Knöchel ihrer schwarzen Schnürstiefel. Rüschen prangten auch der Knopfleiste entlang von ihrem Bauch aufwärts bis zum Stehkragen unter ihrer Kehle.

Cunningham registrierte, wie ihre eng zusammengeschnürten Brüste unter dem Kleid sich hoben und senkten. Als würde ihr Atem fliegen. Schweigend betrachtete sie ihn. Seine in abgewetztem Wildleder steckenden Beine, seinen Oberkörper, sein Gesicht.

Mach, dass du wegkommst, sagte sein Kopf. Nimm sie dir, sein Bauch.

Sie wollten mich sprechen, Madam?

Ist es wahr, was man über Sie erzählt, Captain - Sie sind bei Indianern aufgewachsen? Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür. Ihre Stimme klang heiserer, als Cunningham sie in Erinnerung hatte.

Das ist wahr. Bei den Cheyenne. Wollte sie tatsächlich weiter nichts als einen Menschen näher kennenlernen, gegen dessen Familie ihr Mann in den Krieg ziehen wollte?

Wie kam das?

Meine Eltern wollten nach Oregon. Mit einem dieser endlosen Siedlertrecks. Ich konnte gerade bis zehn zählen damals. Bei einem Überfall von Kintpuashs Modoc-Horde kamen meine Eltern ums Leben. Mich haben die Modocs an die Cheyenne verkauft.

Ich hörte, Sie hätten zwanzig Jahre ihres Lebens bei den Wilden verbracht! Sie stieß sich von der Tür ab und kam auf ihn zu. Das muss ja schrecklich gewesen sein!

Fünfzehn Jahre, Madam - und es war eine gute Zeit. Vielleicht die schönste meines Lebens. Außerdem wäre ich vorsichtig mit Wort 'Wilde'. Ich bin guten Männern begegnet unter den Indianern. Mehr guten Männern als in meinen fünfzehn Jahren unter Weißen.

Ganz nah stand sie jetzt vor ihm. Er meinte die Hitze ihres Körpers spüren zu können. Ihr Duft drang süß in seine Nase. Ihre Lippen glänzten feucht. Cunningham schluckte. Nein, diese Frau wollte nicht wissen, wie es war, unter Indianern zu leben. Sie wollte etwas anderes. Und das Geflatter unter seinem Zwerchfell wollte genau dasselbe wie sie.

Mehr guten Männern als in ihrer Zeit unter den Weißen..., wiederholte sie leise. Wenn ich mich umsehe unter den groben Kerlen in diesem Fort, wenn ich meinen Mann anschaue und ihm zuhöre, dann glaube ich Ihnen aufs Wort, Captain Cunningham, dann glaube ich Ihnen aufs Wort...

Ohne Vorwarnung begann sie ihr Kleid aufzuknöpfen, Knopf für Knopf. Der rüschenbesetzte Stehkragen klappte auseinander, die Schlüsselbeine unter dem Ansatz ihres Halses wurden sichtbar, die Kerbe zwischen ihren zusammengepressten Brüsten öffnete sich.

Madame... Cunningham mußte sich räuspern, um seine Stimme einigermaßen auf Trab zu bringen. Verstehen Sie mich nicht falsch - ich habe selten eine schönere Frau gesehen, als Sie es sind. Aber vergessen Sie nicht, dass Sie verheiratet sind...

Zorn blitzte in ihren Augen auf; Bitterkeit zog ihre Mundwinkel herunter.

Wie könnte ich das vergessen?, zischte sie. Muss ich doch jeden Tag in die kalten Augen dieser Bestie blicken! Muss ich doch jeden Tag seine groben Hände auf meinem Körper spüren...

Sie unterbrach sich; eine Träne zog eine feuchte Spur über ihre Wange. Cunningham stand wie vom Donner gerührt. Sie löste den nächsten Knopf. Ihre Brüste quollen aus ihrem Kleid - zwei große weiße Pfirsiche mit blassen, leicht nach oben gekrümmten Stielen.

Cunninghams Hände zuckten hoch. Mit dem letzten Funken Verstand unter seiner Schädeldecke zwang er sie zurück an seine Hosennähte. Das Flattern unter seinem Zwerchfell kroch durch seinen Brustkorb nach oben und hämmerte wild in seiner Kehle. Der Anblick ihrer herrlichen Brüste drohte ihm die Sinne zu rauben.

Verschwinde..., wisperte eine schwache Stimme in seinem Kopf. Es ist eh zu spät, widersprach sein Körper. Nimm sie dir. Nimm sie dir jetzt.

Sie griff nach seinen Händen. Ihre Finger glühten. Oder ist es gar nicht, weil ich verheiratet bin? Ein provozierender Unterton mischte sich in ihre vor Erregung heisere Stimme. Ist es, weil ich mit ihrem Vorgesetzten verheiratet bin? Haben Sie Angst, Captain? Sie führte seine Hände an ihre Brüste, presste sie an die prallen weißen Früchte und hielt sie darauf fest.

Cunningham spürte seinen Schwanz anschwellen und zwischen Haut und Leder seinen Oberschenkel hinaufwachsen.

Sollte ein Mann wie Sie wirklich Angst vor Colonel Rooster haben?, flüsterte sie. Ein Mann, von dem man sich erzählt, dass er keinem Kampf ausweicht? Ein Mann, der bei Indianern groß geworden ist?

Wie von selbst begannen seine Hände zu kreisen. Zaghaft zuerst und zärtlich, dann immer heftiger und fordernder, bis er die heißen Brüste durchknetete und schließlich sein stoppelbärtiges Gesicht zwischen ihnen vergrub.

Sie stand da, schloss die Augen und bog ihren Körper zu ihm hin, von ihm weg, zu ihm hin - immer wieder, immer schneller, als würde sie zum Rhythmus einer geheimnisvollen Musik tanzen.

Er hob ihre schweren Brüste, saugte sich an ihnen fest, ließ seine Zunge um die harten Warzen kreisen. Sie lachte und stöhnte zugleich. Seine Hände glitten über ihre Schlüsselbeine zu ihren Schultern hinauf, streifen ihr das Kleid über die schlanken Oberarme und tastete gierig nach ihren Schulterblättern.

Helena fasste nach seinem Gürtel und öffnete ihn. Dann drückte sie ihn von sich weg. Sekundenlang musterte sie sein Gesicht. Ihre Unterlippe bebte.

Fick mich, Dave..., hauchte sie. Hörst du, was ich sage? Fick mich...

Es war, als hätte sie mit brennenden Händen in seinen Schritt gegriffen. Niemals hätte er solche Worte aus ihrem Mund erwartet. Er hatte sie immer für eine der feinen Ladies gehalten, die schon rot wurden, wenn sie den nackten Oberkörper eines Mannes von ferne sahen. Aber sie war weiter nichts als eine Frau, eine hungrige Frau. Eine Glutwelle schoss durch seine Adern. Es gab kein Halten mehr.

Er riss sie an sich und presste seine Lippen auf ihre. Ihre Zungen zuckten umeinander herum, als wollten sie sich gegenseitig verschlingen.

Cunningham ließ sich auf die Knie fallen, hob ihr Kleid, bückte sich und bedeckte ihre Unterschenkel mit Küssen. Sie trug keine Strümpfe unter dem Kleid. Küssend und leckend arbeitete er sich über ihre Kniekehlen und Oberschenkel hinauf. Weich wie feuchter Samt fühlte sich die Innenseite ihrer Oberschenkel an.

O ja, Dave, seufzte sie, o ja, o ja...

Sie raffte das Kleid hoch und vergrub ihre Hände in seinem Haar. Feuchter, süßlicher Duft umfing ihn, ihr Schamhaar kitzelte seine Lippen - kein Höschen trennte seinen Mund von ihrer Scham. Diese Entdeckung peitschte seine Lust bis zur Ekstase. Sie hatte von Anfang an nichts anderes gewollt als das!

Helena Rooster presste sein Gesicht gegen ihre Scham und stöhnte laut. Seine Zunge spielte mit ihr. Seine Hände tasteten nach ihrem Gesäß, griffen in ihr kühles Fleisch und zog sie näher zu sich heran.

Stöhnend sog sie die Luft ein, hielt den Atem an und schlug ihre Hand vor den Mund. Ihr Becken stieß sich ihm entgegen, ihr linkes Bein schwang sich über seine Schulter, als wollte sie ihn in sich hineindrücken. Fick mich, Captain, fick mich jetzt...

Cunningham richtete sich auf. Halb saß sie auf seiner Schulter, halb hing sie in seinen Armen. Er trug sie zu dem kleinen Tisch, fegte Tuch, Messer und einen Zinnteller mit zwei Äpfeln herunter und setzte sie behutsam auf die Tischplatte.

Wie hab' ich mich danach gesehnt, Dave... Mit gespreizten Schenkeln saß sie da und half ihm, seine Hose zu öffnen. Wie hab' ich mich nach dieser Zärtlichkeit gesehnt...

Etwas in ihm registrierte erleichtert, dass sie nicht ihn meinte, sondern den Sex, den er geben konnte. Er streifte das Kleid von ihren Armen und raffte es über ihren Hüften zusammen. Soviel wie möglich wollte er von ihrem Körper sehen. Dann drückte er ihren Oberkörper vorsichtig auf die Tischplatte.

Sei ganz zärtlich, Dave, flüsterte sie, komm zuerst ganz zart, hörst du? Sie nahm sein Glied in beide Hände und führte es zwischen ihre Schenkel. Stöhnend drang er in sie. Sie stieß einen Schrei aus, presste ihre Rechte gegen den Mund, um nicht noch lauter zu werden.

Wohlige, prickelnde Hitze perlte aus ihrem Schoß, griff über auf seinen Körper, und unbändige Lust füllte seinen Schädel bis in die letzte Hirnwindung.

Er umfasste ihre Brüste und knetete sie, genoss ihr Stöhnen unter den rhythmischen Bewegungen seines Beckens und drängte sich tiefer in sie hinein. Erst glitt er langsam und zärtlich hin und her, als wollte er sie streicheln, dann, als sie sich ihm immer fordernder entgegenstemmte, stieß er sie schneller und härter.

Schließlich gaben seine Hände ihre Brüste frei, rutschten über ihren schweißnassen Körper nach unten, gruben sich in ihre Gesäßbacken und hoben ihr Becken an. Im Rhythmus seiner Stöße riss er ihre Hüften an seine Lenden - immer wieder, immer drängender.

Der Tisch knallte hart gegen die Holzwand unter dem Fenster, der alte Holzdielenboden knarrte und quietschte, und Helenas Finger umklammerten die Tischkante, um sich Cunninghams Stößen entgegenstemmen zu können.

Sie bäumte sich auf, als sie kam, und presste beide Hände auf den Mund, um ihren Schrei zu dämpfen. Seufzend kam er, hielt sie sekundenlang fest, dann sank er über sie. Seine Lippen suchten ihren Mund...

DIE DÄMMERUNG WAR DER Nacht gewichen. Die Posten am großen Haupttor der Forts kletterten von den Wachtürmen und zogen die beiden Flügel des Tores auf.

Ein Dutzend Kavalleristen trabte durch den Torbogen, Colonel Rooster flankiert von Lieutenant Sherman und Sergeant Shakopee an der Spitze.

Norma, das schwarze Hausmädchen der Roosters, sprang erschrocken auf. Seit zwei Stunden hockte sie auf den Stufen der Vortreppe vor den Privaträumen des Kommandanten. Seit zwei Stunden spähte sie über den Innenhof des Forts zu den Stallungen hin. Immer in Erwartung, endlich die schlanke Gestalt ihrer Herrin zu entdecken. Doch sie und der Captain schienen ein besonders intensives Gespräch zu führen.

Norma wartete, bis die Abteilung aus den Sätteln sprang und die Pferde in die Stallung führte. Dann lief sie zu den flachen Gebäuden an der südlichen Palisade des Forts. Der Vorhang des Fensters war zugezogen. Kein Licht brannte dahinter.

Sie klopfte an die Tür ihrer Kammer.

Madam, Ihr Mann ist zurück, flüsterte sie.

Augenblicke später öffnete sich die Tür. Helena Rooster strich ihr Kleid glatt und huschte aus der Tür.

Captain Cunningham stand mitten im Raum, als Norma die Tür hinter sich zudrückte. Sie zündete eine Kerze an. Er lächelte verlegen und drehte seinen Späherhut zwischen den großen Händen. Wenn du erlaubst, warte ich noch ein paar Minuten. Es könnte problematisch werden, wenn jemand Mrs. Rooster und mich zusammen aus deinem Zimmer kommen sieht.

Natürlich, Captain, Sie haben vollkommen recht. Norma sah, dass ihr Tisch verrückt war. Messer und Teller waren nicht an der gleichen Stelle, an der sie heute Morgen noch gelegen hatten. Außerdem befand sich nur noch ein Apfel auf dem Teller.

Sie wandte sich zum Fenster und zog den Vorhang zurück. Ihr Fuß stieß gegen den zweiten Apfel. Cunningham bückte sich rasch nach ihm. Er murmelte eine Entschuldigung und legte ihn auf den Teller zu dem anderen.

Norma spähte zum Fenster heraus. Die Gestalt ihrer Herrin verschwand eben zwischen Palisade und der Rückseite der Offiziersquartiere. Auf der anderen Seite, bei den Mannschaftsbaracken, meinte sie die Bewegung eines Schattens zu sehen.

Warten Sie ruhig noch ein paar Minuten, Captain. Sie drehte sich nach Cunningham um. Auf mich können Sie sich verlassen.

Das hat Mrs. Rooster mir auch gesagt. Cunningham tastete nervös unter seiner Jacke herum. Schließlich zog er eine Zigarette aus seiner Hemdtasche. Er zündete sie an der Kerze an.

Es klopfte. Norma zuckte zusammen. Cunningham sah sich hastig um. Nirgends auch nur die Spur eines Verstecks. Noch einmal klopfte es, diesmal energischer.

Wer ist da?, rief Norma.

Sergeant Shakopee. Ich suche Captain Cunningham. Könnte es sein, dass er bei dir ist?

Norma machte ein erschrockenes Gesicht. Ihre Lippen bewegten sich. Aber keine Antwort kam aus ihrem Mund. Ihr hilfloser Blick flog zwischen Cunningham und der Tür hin und her.

Cunningham ging zur Tür und öffnete sie.

Hallo, Dave - ich such' dich schon überall, grinste Shakopee.

Gemeinsam schlenderten sie über den Hof in Richtung Stallungen. Shakopee erzählte von Rindern, die sie als Proviant gekauft hatten, von Maultieren und Wagenlenkern.

Cunningham fragte sich, ob er irgend etwas beobachtet hatte. Doch der undurchdringlichen Miene des Halbblutes war nichts anzumerken. Auch seine dunkle Stimme klang so monoton wie immer.

Wir müssen morgen vor Sonnenaufgang los, um die Rinder hierher zu treiben, sagte er. Auch eine Wagenladung Kartoffeln und Bohnen müssen abgeholt werden.

Woher wusstest du, dass ich bei Norma bin? Cunningham musterte ihn lauernd.

Ich fand dich nirgends. Shakopee hob gleichgültig die Achseln. Nicht wenige der Offiziere gehen bei Norma ein und aus. Jetzt flog ein Grinsen über das Gesicht des Sergeants. Warum nicht auch du?

Gehen bei Norma ein und aus...? Cunningham begriff nicht. Oder wollte nicht begreifen.

Sag bloß, du wusstest das nicht...

NUR VIER STUNDEN SCHLAF hatte Cunningham in der folgenden Nacht. Viel zu lange lag er grübelnd auf seiner schmalen Pritsche und starrte in die Dunkelheit. Die bevorstehende Expedition gegen die Cheyenne machte ihm zu schaffen. Aber nicht nur sie.

Manche der Offiziere gehen bei Norma ein und aus - der Satz des Halbbluts spukte in seinem Schädel herum.

Was zum Teufel hatte Shakopee damit sagen wollen? Mehr als ein Grinsen war dem Sergeant nicht zu entlocken gewesen. Ein vielsagendes Grinsen.

Cunningham konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgend jemand freiwillig die dralle Schwarze vögeln würde. Jedenfalls niemand aus dem Offizierskorps. Immerhin hatte sie schon an die fünfzig Lenze auf dem Buckel. Also konnte Shakopees Bemerkung doch nur eines bedeuten...

Ganz langsam nur dämmerte ihm die Wahrheit: Norma räumte ihr Zimmer, damit Helena Rooster sich dort mit den Offizieren ihres Mannes treffen und ihren Heißhunger stillen konnte.

Prächtig, prächtig - wahrscheinlich war er der Einzige, der davon noch nichts mitbekommen hatte.

Es war noch stockdunkel, als Shakopee ihn weckte. Mit zwanzig Mann ritten sie in die Nacht hinaus zu den Farmern, die ihnen Vieh, Getreide und Kartoffeln verkauft hatten. Als sie zurückkehrten, verblasste bereits die Nacht über dem Fort, und auf den fernen Waldhängen der Rockys breitete sich der rötliche Schimmer der aufgehenden Sonne aus.

Reges Treiben herrschte innerhalb der Palisaden. Wagen wurden beladen, die Pferde aus den Stallungen geführt, Befehle flogen hin und her, die Reiter der beiden Schwadronen hasteten über den Hof.

Cunningham sah Licht in Rooster Büro. Er stieg vom Pferd und band seinen Wallach fest. Entschlossen drängte er sich durch das Getümmel und stieg die Vortreppe zur Kommandantur hinauf.

Er klopfte, und der Colonel hieß ihn eintreten. Tief über Landkarten gebeugt saß Rooster an seinem Schreibtisch. Er sah kurz auf, erkannte Cunningham und erhob sich langsam. Aus feindseligen Augen taxierte er seinen Späher. Sie?

Cunningham hatte keine herzliche Begrüßung erwartet. So was hatte Reddog einfach nicht drauf. Aber die Feindseligkeit in seinem Blick überraschte ihn doch. Ihm schwante Übles.

Ja, Sir - ich. Grüßend legte er die Hand an die Hutkrempe. Es gibt da ein Problem, Sir.

Rooster musterte ihn stumm. Cunningham verstand das als Aufforderung, sein Problem zu nennen. Sie wissen, dass die Cheyenne mich großgezogen haben, Sir. Die Expedition bringt mich in eine ziemliche Klemme. Ich bitte Sie hiermit...

Reden Sie keinen Quatsch, Captain! Rooster unterbrach ihn barsch. Genau deswegen brauch' ich Sie. Weil Sie mit den Gewohnheiten der Cheyenne vertraut sind, weil Sie die Flußtäler kennen, in denen sie lagern, und die Stellen, an denen sie jagen. Er stemmte die Fäuste in die Hüften. Und weil Sie fast alle Algonkin-Dialekte verstehen und einige sprechen. Er lachte böse. Ich will zwar nicht plaudern mit den Cheyenne, sondern ihnen eine Lektion erteilen - aber ein Mann, der ihre Sprache spricht, ist für mich unverzichtbar.

Mit auf dem Rücken verschränkten Armen kam er hinter seinem Schreibtisch vor. Ganz nah vor Cunningham blieb er stehen. Er sah zu seinem Captain auf. Der Hass in seinen Augen machte Cunningham frösteln. Und wenn ich Sie nicht brauchen würde, Cunningham, wären Sie in spätestens einer Stunde ein toter Mann. Leise und eindringlich klang Roosters plötzlich. Cunningham verstand sofort. Aber weil ich Sie brauche, verschieben wir das Duell.

Er wandte sich ab und ging zu seinem Schreibtisch zurück. Auf die Stuhllehne gestützt und die rechte Hand zwischen zwei geöffneten Knöpfen in der Herzgegend unter die Uniformjacke geschoben, stand er da. Wie Napoleon Bonaparte, wenn er vor seinem Hofmaler posierte.

Sie waren an meiner Frau dran, Cunningham. Ich weiß es aus sicherer Quelle. Und ich weiß auch, dass Sie sich schon länger mit ihr treffen. Im Zimmer dieser verdammten Niggerin.

Cunningham blieb die Luft weg. Er war einfach zu perplex, um sich verteidigen zu können.

Sobald wir mit den Cheyenne fertig sind, will ich mich mit Ihnen schießen, schnarrte Rooster. Und nun verschwinden Sie!

Auf weichen Knien stelzte Cunningham aus dem Büro. Ein Karussell schien in seinem Kopf zu rotieren, während er sich durch die Menge der hin- und hereilenden Kavalleristen drängte.

Es geht los, Dave! Lesley McAuley winkte von weitem. Famos, oder? Der fast zwanzig Jahre Ältere kam auf Cunningham zu und klopfte ihm überschwänglich auf die Schulter. Sag schon - wie fühlst du dich, mein Sohn?

Bestens, sagte Cunningham heiser und entwand sich der Umarmung seines Partners. Wirklich bestens...

Eine Stunde später löste sich die Morgensonne vom östlichen Horizont. Colonel William Rooster gab dem Befehl zum Abmarsch. Tom Sherman tauchte neben Cunninghams Pferd auf. Schade, Dave. Er schlug seinem alten Freund auf die Schulter.

Cunningham nickte. Ja, schade.

Die Flügel des Tores wurden geöffnet. Die beiden Schwadronen ritten aus Fort Laramie. Einhundertzweiundvierzig Kavalleristen. Gefolgt von einem halben Dutzend Planwagen mit Proviant und Material und einer kleinen Rinderherde.

Cunningham ahnte, dass ihm ein schwerer Ritt bevorstand. Aber er ahnte nicht, dass es der härteste Ritt seines Lebens werden würde...

DER SOMMER LEGTE SICH glühend auf die Prärie. Kleiner Bär hatte das Lager abbrechen lassen und war mit seinem Stamm weit in den nördlichen Westen gezogen. Bis an den Oberlauf des Missouri.

Im Tal eines Nebenflusses ließ er das neue Lager errichten. Seit dem Tag, an dem Zorniger Büffel mit den Geistern der Erde und der Sonne gesprochen hatte, waren mehr als zwei Monde vergangen.

Die neue Umgebung war ungewohnt. Berghänge umgaben das Lager, überall waren Buschwerk und Laubbäume. Morgens und nachts wehte ein kühler Wind aus den Bergen. Statt Bisons jagten die Krieger Rehe, Hirsche und Bären. Einige versuchten sogar Fische aus dem Fluss zu fangen.

Blauer Vogel vermisste die Weite der Großen Ebene. Das vertraute Grasland, die nächtlichen Rufe der Eulen und der Kojoten, das Stampfen der Büffel - all das war ihr von Kindesbeinen an vertraut. Die nahen Berge machten ihr das Herz schwer. Wie eingezwängt fühlte sie sich. Hinter jedem Busch, hinter den Bäumen am anderen Flussufer, zwischen den Felsblöcken der Berghänge - überall schienen ihr unwägbare Gefahren zu lauern. Nur langsam gewöhnte sie sich an die neue Umgebung.

Jede Squaw und jeder Krieger des Stammes wusste, warum Kleiner Bär diesen Ort als Lagerplatz gewählt hatte. Er und zorniger Büffel erwarteten einen Rachefeldzug der Blauröcke. Und hier, fern ihrer gewohnten Jagdgründe, zwischen dichtem Laubwald und von Berghängen umgeben, war das Lager gut versteckt vor den weißen Feinden.

Doch Kleiner Bär gehörte nicht zu den Männern, die sich schon sicher fühlten, wenn sie ein gutes Versteck gefunden hatten. Sich verkriechen und abwarten - das war nicht seine Art.

Er wies seine Krieger an, Schießübungen zu machen, ließ genaue Zeichnungen der Umgebung anfertigen und probte ein paar taktische Operationen in der ungewohnten Landschaft.

Doch damit nicht genug: Er schickte Abgesandte über die Rocky Mountains nach Kalifornien hinein, um neue Gewehre und vor allem Munition zu kaufen. Und er schickte Boten zu benachbarten Stämmen, um Bündnisse zu schließen und Informationen zu sammeln.

Vor allem bei den Sioux stieß er auf offene Ohren. Sie hassten die weißen Landräuber leidenschaftlich. Ihre Jäger kamen weit herum, wenn sie auf ihren langen Jagdzügen die Bisonherden verfolgten - bis tief in den Südosten der Prärie stießen sie vor. Wenn jemand Truppenbewegungen der Blauröcke beobachtete, dann sie.

Eines Morgens sah die Häuptlingstochter drei Reiter die Flußböschung hinauftraben. Sie schienen aus der Großen Ebene zu kommen.

Zwei der Reiter kannte sie - Boten, die ihr Vater zu den Sioux gesandt hatte: Singendes Messer und Blizzard. Zwei junge Krieger, denen der Häuptling rückhaltlos vertraute.

Der dritte Reiter schien ein Weißer zu sein. Einer dieser rätselhaften Männer, die in den menschenleeren Gebirgsregionen hausten und von der Jagd lebten.

Jedenfalls war er so gekleidet: Biberfellmütze, die ihm kapuzenartig über die Schultern fiel, Lederhemd, an den Ärmeln und Seitennähten mit langen Fransen besetzt, grün gefärbte Wildlederhosen, ebenfalls fransenbesetzt, und Mokassins, wie sie die Sioux zu tragen pflegen.

Auch die Stickerei seiner bunten Satteldecke und die Verzierung seiner Waffengurte erinnerte die Häuptlingstochter an die Art, in der Sioux-Squaws nähen und sticken.

Hin und wieder hatte Blauer Vogel schon einen dieser Mountainmen zu Gesicht bekommen. In ihrer Kindheit waren sie in den Lagern aufgetaucht, um mit ihrem Stamm Tauschgeschäfte zu machen.

In den letzten Jahren waren diese Besuche immer seltener geworden und schließlich ganz ausgeblieben. Ihre Mutter glaubte, dass es kaum noch Bergmänner gab, weil die Weißen keine Biberfellhüte mehr tragen wollten.

Aber dieser Mann, der hier zwischen Singendem Messer und Blizzard ins Lager ritt, war ein Mountainman. Er winkte ihr freundlich zu, als die Reiter an ihr vorbeitrabten, und Blauer Vogel sah die hellwachen Augen in seinem zerfurchten, bärtigen Gesicht. Sein struppiges weißes Haar hing ihm zu zwei Zöpfen geflochten fast bis zum Revolvergurt herab. Der Mann schien sehr alt zu sein.

Kleiner Bär begrüßte ihn wie einen alten Bekannten. Die Männer ließen sich vor dem Häuptlingstipi nieder. Zorniger Büffel rief die Ältesten zusammen; feierlich wurde eine Pfeife entzündet. Während sie kreiste, erteilte der Häuptling dem Mountainman das Wort. Der sprach leise und murmelnd.

Blauer Vogel saß hinter dem Häuptlingstipi. Sie bekam nicht viel mit von dem, was der alte Trapper berichtete und was die Männer anschließend miteinander besprachen.

Sie erfuhr immerhin soviel, dass der Alte eine Sioux zur Frau hatte und geheime Kontakte zur US-Armee pflegte. Ihr Vater nannte ihn Bergfuchs, und ein weiterer Name fiel einige Male: Roter Hund.

Blauer Vogel hatte nie von einem Krieger mit diesem Namen gehört. Die Männer sprachen von ihm wie von einem mächtigen Kriegshäuptling.

Bis zum Mittag dauerte die Ratsversammlung vor dem Häuptlingstipi. Danach wählte Kleiner Bär zwölf Krieger aus. Kundschafter. Sie ritten aus dem Lager in die Große Ebene hinab, an ihrer Spitze der Mountainman.

An der Seite ihres Vaters sah Blauer Vogel die Reiter zwischen den Eichen verschwinden.

Hat der alte Mann schlechte Nachrichten gebracht? wollte sie wissen.

Ja, sagte der Häuptling. Schlechte, aber keine überraschenden Nachrichten. Bergfuchs hat erfahren, dass hundertfünfzig Blauröcke nach uns suchen. Und er hat erfahren, dass sie von einem Mann angeführt werden, der den Frieden hasst...

NACH ZWEI WOCHEN ERREICHTEN sie die Stelle, an der es zu dem Schusswechsel zwischen dem Siedlertreck und den Cheyenne gekommen war.

Das Büffelgras wucherte, als hätten hier nie Hunderte von Menschen mit ihren Wagen, Ochsen und Pferden gelagert. Cunningham und Lesley McAuley mussten schon genau hinsehen, um die Spuren der Wagenräder zu erkennen.

Sie stießen auf das Grab des erschossenen Siedlers - ein zusammengesunkener Erdhügel, ein Holzkreuz aus zwei notdürftig bearbeiteten Latten, und ein darauf eingekerbter Name: Jan VanHaaren.

Rooster und einige Offiziere betrachteten das Grab. Auch Cunningham, McAuley und Shakopee standen bei der Gruppe. Schon komisch, wie so ein Grab zwei Schwadronen Kavallerie auf die Beine bringt. McAuley kratzte sich seinen grauen Lockenkopf.

Wie ein Strudel, so ein Grab, murmelte Cunningham nachdenklich. Dutzende Indianer werden diesem Holländer in die Erde folgen...

Sparen Sie sich Ihre weibischen Weltbetrachtungen, Captain Cunningham! Der Colonel blitzte ihn an. Er griff in die Tasche seiner Uniformjacke und zog eine zusammengefaltete Landkarte heraus. Beschäftigen Sie sich lieber mit der Karte! Durch die Hände einiger Offiziere wanderte das Papier zu Cunningham. In einer halben Stunde will ich von Ihnen wissen, wo die Cheyenne lagern!

Der Karte nach gab es in der Umgebung nur drei Stellen, an denen nach Cunninghams Erfahrung Cheyenne ihre Tipis aufschlagen würden. Er führte einen Spähtrupp auf Anhieb an die richtige.

Allerdings fanden sie nur noch dürftige Spuren eines ehemaligen Lagerplatzes: eine niedergetretene Bachböschung, verfaulte Essenabfälle, Einstichstellen von Tipistangen im Grasboden und vertrockneter Pferdekot.

Wie alt?, fragte McAuley.

Cunningham untersuchte Essenreste und Pferdekot. Einen Monat, schätze ich.

Sie ritten zurück zum Hauptlager und erstatteten Bericht. Rooster schickte sechs Spähtrupps zu je vier Männern aus, um auszukundschaften, in welche Richtung Little Bears Indianer gezogen war.

Zwei Tage später stießen sie auf die Spur des Stammes. Sie führte in nordwestliche Richtung auf den Oberlauf des Missouri zu. Eine Woche lang folgten sie der Fährte. Die nordöstlichen Ausläufer der Rockys rückten näher und näher. Cunningham war sich ziemlich sicher, dass der Stamm sich aus der Großen Ebene in gebirgigere Regionen zurückgezogen hatte.

Nach acht Tagen traf ein Spähertrupp unter McAuley auf ein Indianerlager. Sioux.

Wir haben nur wenige Krieger gesehen, berichtete der alte Schotte. Fast ausschließlich Frauen und Kinder.

Ohne lange zu überlegen, ließ Rooster die dritte Schwadron aufsitzen. Die zweite Schwadron teilte er in fünf Abteilungen auf. Sie sollten die Flanken des Angriffs vor Überraschungen schützen. Cunningham und Shakopee führten je eine dieser Abteilungen.

Rooster setzte sich an die Spitze der dritten Schwadron und zog seinen Säbel.

Wir überrennen das Lager, vertreiben die Rothäute in alle Himmelsrichtungen!, rief er. Sein Gesicht glühte vor Erregung. Jedes einzelne Zelt wird niedergebrannt. In wenigen Tagen wird sich die Nachricht bis zu Little Bear herumsprechen! Er soll erfahren, dass wir hart durchgreifen! Er soll zittern vor Angst!

Verzeihen Sie, Sir! Cunningham erhob seine Stimme. Aber Captain McAuley berichtete, dass sich fast ausschließlich Frauen und Kinder im Lager aufhalten! Einige Männer nickten zustimmend. Wenn es Tote unter ihnen geben sollte, werden uns die Sioux in den Rücken fallen! Ein Raunen ging durch die Reihen der dritten Schwadron.

Rooster hieb seinem Wallach die Sporen in die Flanken und galoppierte zu Cunningham.

Ich warne Sie, Captain, zischte er leise. Ich lass' mir von Ihnen nicht die Moral meiner Leute zerreden. Noch eine derartige Bemerkung, und ich schieße Sie auf der Stelle nieder...

Er lenkte sein Pferd zurück an die Spitze der Schwadron neben den Fähnrich mit dem Regimentswipfel und gab das Zeichen zum Angriff. Im Schutz eines bewaldeten Flussufers trabten die schweren Armeepferde auf das Indianerlager zu.

Cunningham und Shakopee wechselten einen stummen Blick. Der undurchdringlichen Miene des Halbbluts war nicht abzulesen, was hinter seiner Stirn vor sich ging.

Cunningham winkte seine Abteilung hinter sich her und führte sie auf eine Anhöhe, von der aus das Grasland sich weit nach Osten und Südosten hin ausdehnte. Keine Spur von Indianern.

Wenige Minuten später hörte er den donnernden Hufschlag der angreifenden Kavalleristen. Und kurz darauf ein vielstimmiges Hurra! Schüsse fielen, Frauen schrien.

Nach zwei Stunden war alles vorbei. Die Tipis der Sioux brannten lichterloh, ihre Pferde wurden ins Grasland hinausgejagt.

Die meisten der Frauen und Kinder und einige ältere Männer flohen panisch über den Fluss, in den nahen Wald oder ins Grasland hinaus. Fast ein Dutzend starb im Kugelhagel der Soldaten oder in den brennenden Zelten.

Cunninghams Gesicht wirkte noch

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