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6 Strand Krimis: Sechsmal ermordet, sechsmal ermittelt: 1000 Seiten Strand Thriller Spannung: Alfred Bekker's Krimi Stunde

6 Strand Krimis: Sechsmal ermordet, sechsmal ermittelt: 1000 Seiten Strand Thriller Spannung: Alfred Bekker's Krimi Stunde

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6 Strand Krimis: Sechsmal ermordet, sechsmal ermittelt: 1000 Seiten Strand Thriller Spannung: Alfred Bekker's Krimi Stunde

Länge:
1,262 Seiten
15 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 9, 2020
ISBN:
9781393586685
Format:
Buch

Beschreibung

6 Strand Krimis: Sechsmal ermordet, sechsmal ermittelt: 1000 Seiten Strand Thriller Spannung

von Alfred Bekker, Horst Bieber, Albert Baeumer , Glenn Stirling

Der Umfang dieses Buches entspricht 1000 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Krimis

Glenn Stirling: Archibald Duggans Flug in die Hölle

Alfred Bekker & Albert Baeumer: Kaffee, Kunst und Kaviar

Horst Bieber: Die Kommissarin gibt auf

Alfred Bekker: Killer ohne Namen

Alfred Bekker: Satansjünger

Glenn Stirling: Lasst mir mein Kind!

Ein schrecklicher Irrtum hat den Busfahrer Maxwell Bovery zum potentiellen Massenmörder gemacht. Er glaubt, einen qualvollen Tod vor sich zu sehen und will möglichst viele Menschen mit ins Jenseits nehmen.

Sein Plan: ein Anschlag auf das UN-Gebäude, auf die Vollversammlung und den gerade anwesenden US-Präsidenten. Von einer Linienmaschine der AOA aus soll das Attentat erfolgen.

Auch Archibald Duggan ist in dieser Maschine. Er beschattet einen verräterischen Sicherheitsoffizier. Doch außer ihm sind da noch einige mehr oder minder dunkle Ehrenmänner, die den Finger am Drücker haben. Sie alle werden durch die von Bovery ausgelöste Explosion überrascht. Sie — und die 79 anderen Passagiere, die mit der steuerlosen Boeing nun "in die Hölle" fliegen.

Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 9, 2020
ISBN:
9781393586685
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

6 Strand Krimis - Alfred Bekker

6 Strand Krimis: Sechsmal ermordet, sechsmal ermittelt: 1000 Seiten Strand Thriller Spannung

von Alfred Bekker, Horst Bieber, Albert Baeumer , Glenn Stirling

DER UMFANG DIESES BUCHES entspricht 1000 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende  Krimis

Glenn Stirling: Archibald Duggans Flug in die Hölle

Alfred Bekker & Albert Baeumer: Kaffee, Kunst und Kaviar

Horst Bieber: Die Kommissarin gibt auf

Alfred Bekker: Killer ohne Namen

Alfred Bekker: Satansjünger

Glenn Stirling: Lasst mir mein Kind!

Ein schrecklicher Irrtum hat den Busfahrer Maxwell Bovery zum potentiellen Massenmörder gemacht. Er glaubt, einen qualvollen Tod vor sich zu sehen und will möglichst viele Menschen mit ins Jenseits nehmen.

Sein Plan: ein Anschlag auf das UN-Gebäude, auf die Vollversammlung und den gerade anwesenden US-Präsidenten. Von einer Linienmaschine der AOA aus soll das Attentat erfolgen.

Auch Archibald Duggan ist in dieser Maschine. Er beschattet einen verräterischen Sicherheitsoffizier. Doch außer ihm sind da noch einige mehr oder minder dunkle Ehrenmänner, die den Finger am Drücker haben. Sie alle werden durch die von Bovery ausgelöste Explosion überrascht. Sie — und die 79 anderen Passagiere, die mit der steuerlosen Boeing nun „in die Hölle" fliegen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Archibald Duggans Flug in die Hölle

Krimi von Glenn Stirling

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

Ein schrecklicher Irrtum hat den Busfahrer Maxwell Bovery zum potentiellen Massenmörder gemacht. Er glaubt, einen qualvollen Tod vor sich zu sehen und will möglichst viele Menschen mit ins Jenseits nehmen.

Sein Plan: ein Anschlag auf das UN-Gebäude, auf die Vollversammlung und den gerade anwesenden US-Präsidenten. Von einer Linienmaschine der AOA aus soll das Attentat erfolgen.

Auch Archibald Duggan ist in dieser Maschine. Er beschattet einen verräterischen Sicherheitsoffizier. Doch außer ihm sind da noch einige mehr oder minder dunkle Ehrenmänner, die den Finger am Drücker haben. Sie alle werden durch die von Bovery ausgelöste Explosion überrascht. Sie — und die 79 anderen Passagiere, die mit der steuerlosen Boeing nun „in die Hölle" fliegen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

„Da ist er!"

Colonel Coppy stoppte den Wagen so jäh, dass Archibald Duggan fast durch die Windschutzscheibe flog.

„Mit deiner Fahrerlaubnis stimmt auch einiges nicht", knurrte Archibald Duggan.

Coppy, der Archibald Duggan immer an eine bissige Bulldogge erinnerte, meinte giftig: „Dein Astralleib wird schon keinen Schaden genommen haben. Du siehst besser nach vorn! Er steigt aus."

Archibald Duggan sah den Wagen vor dem Hauptportal des Kennedy Airport. Ein Taxi. Ihm entstieg gerade ein hochgewachsener Mann im grauen Anzug, den Mantel leger über dem Arm, eine Flugtasche in der Rechten schlenkernd.

„Für wie sicher hält der sich eigentlich?", brummte Coppy böse.

„Vielleicht hat er das Zeug gar nicht bei sich. Bist du sicher, Coppy, dass er es in der Tasche trägt?"

„Todsicher. Er hat die Wohnung verlassen, ist danach unentwegt beschattet worden, fuhr in sein Büro, holte das Zeug und ist jetzt direkt zum Airport gefahren. Er hat es bestimmt bei sich."

„Nicht zu fassen! Und so etwas ist bei uns Geheimnisträger erster Klasse. Vielleicht hätten wir ihn schon früher schnappen sollen."

Coppy nickte, ohne den Mann aus den Augen zu lassen, der jetzt vor den Glastüren stehenblieb und sich mit der Hand übers graue Bürstenhaar strich.

„Ich hätte ihn schon lange geschnappt. Bei mir würde er singen wie ein Vogel, da kannst du einen drauf nehmen, meinte Coppy, seines Zeichens Sicherheitsoffizier. „Aber deine überschlauen Burschen von der CIA können es ja nicht weit genug treiben. Er äffte Archibald Duggans Vorgesetzten nach: „Aber, aber, mein lieber Coppy, wir müssen ja nicht nur an den Hasen denken, sondern auch an seine ganze Verwandtschaft. Wir wollen doch wissen, wo er das Zeug hinbringt. Na warten Sie, mein Bester, ich werde Ihnen Mr. Duggan schicken! Er lachte bissig. „Und nun ist dieser Mr. Duggan da, sozusagen der Korkenzieher, mit dem wir die Flasche öffnen können. Als wenn unsereiner dazu zu blöd wäre.

„Ich glaube, wir sollten uns um unseren Commander Suchard kümmern! Er ist gleich drinnen im Bau", mahnte Archibald.

„Von mir aus soll ihn und die ganze Welt der Teufel holen."

Archibald Duggan stieg aus und ging auf das Portal zu. Ein Cop näherte sich und sagte: „Sie wollen doch nicht etwa hier parken?" Es klang so, als fragte er, ob Coppy und Archibald hier statt eines Autos eine scharfe Atombombe abstellen wollten.

Coppy wedelte mit einem Ausweis, der Cop las, was darauf stand, dann grüßte er zackig, und Coppy knurrte: „Mensch, hören Sie damit auf! Sie vermasseln uns noch den Film. Fahren Sie den Schlitten irgendwo auf einen Parkplatz!"

Archibald war schon am Portal und sah den Mann im grauen Anzug am Flugschalter der AOA stehen. Neben dem Mann lehnte ein Bodensteward, den Archibald wiedererkannte. Nein, nur die Uniform war die eines Stewards. Alles andere gehörte dem CIA-Agenten Howard, Spezialist für dezente Ermittlungen. Auch solche Leute sind wichtig ...

Während der Mann im grauen Anzug, der Commander Suchard, seine Flugbillets zusammenraffte und zum Zoll weiterging, trafen Howard und Archibald Duggan zusammen.

„Er nimmt die Maschine nach London. Sie startet in zehn Minuten. Boeing 707. Soll ich am Mann bleiben?" Howard sah Archibald Duggan aus flinken Windhundaugen an.

„Nein, besorgen Sie mir auf meinen Ausweis einen Platz in der Maschine! Alles Übrige mache ich selbst."

Coppy trat zu den beiden. „Aha, diesmal hat es sich beim CIA herumgesprochen, dass Schnelligkeit keine Hexerei ist, was? Wohin geht seine Reise?"

Howard sagte es Coppy, dann ging er zum Schalter, um für Archibald in der Maschine noch einen Platz zu beschaffen.

„Also, es geht ja nichts übers Reisen. Coppy lachte. „Soll ich denen in London die nötigen Tipps geben?

„Ja, bereite das vor! Ich bleibe bei ihm, denn sicher ist sicher. Hat er überhaupt ein Permit, eine Erlaubnis, für diese Auslandsreise?"

Coppy lachte. „Wir sind ja so schlau, dass wir Leuten wie Commander Suchard nur das Beste zutrauen. Er kann nach London fliegen, und niemand wird es verhindern. Es sei denn, wir lassen es mit den Beweisen genug sein, die wir schon haben. Es reicht für ein paar Jahre."

„Mein Befehl lautet anders. Ich muss ihn und den Kontaktmann ausheben. Die CIA glaubt, dass diesmal wieder Palenkow dahintersteckt. Und auf ihn lassen sie mich ja eigentlich los. Suchard ist hier bloß das Karnickel."

„Schönes Karnickel, hoch besoldet und mit dem Vertrauen einer ganzen Nation ausgestattet. Also, ich bin weg. Guten Flug, mein Freund! London soll sehr reizvoll sein, nur die Frauen ..."

„Sage nichts über die Engländerinnen. Sie sind temperamentvoller als man denkt."

„Eben. Ich bin mehr für abgeklärte Ruhe. Temperament habe ich selber. Also, falle nicht vom Himmel, alter Junge!"

„Good dance, Coppy!", erwiderte Archibald, dann trennten sie sich.

Ein paar Minuten später bestieg Archibald Duggan nach Commander Suchard die Maschine nach London.

„Falle nicht vom Himmel", hatte Coppy gesagt. Keiner der neunundsiebzig Menschen an Bord der Boeing 707 ahnte, wie berechtigt dieser Wunsch war. Niemand konnte vorhersehen, was sie alle schon in wenigen Minuten erwartete. Niemand?

Vielleicht wußte es der blässliche, unscheinbare Mann in der vorletzten Sitzreihe, dessen Hände sich so krampfhaft um einen kleinen Lederkoffer krallten. Vielleicht wusste er, was in wenigen Minuten sein würde.

In wenigen Minuten würde sich für diese Maschine eine Hölle auftun. Für sie und die neunundsiebzig Menschen an Bord ...

2

Mit leisem Klirren drehte sich der Schlüssel im Schloss. Der Mann an der Tür wandte sich misstrauisch um und blickte auf die regennasse, im Lichte der Lampen glänzende Straße. Dann zog er sich den Hut tiefer ins bleiche Gesicht, ergriff mit beiden Händen die Türklinke und drückte sie vorsichtig nieder. Die Tür öffnete sich. Mit behutsamen, beherrschten Bewegungen zog der Mann den Schlüssel aus dem Schloß und steckte ihn in die Manteltasche. Dann huschte er durch die Tür, drückte sie leise hinter sich zu und glitt lautlos auf dem Teppich weiter. Seine Taschenlampe blitzte auf und stach mit grellem Strahl den Gang entlang. Weiße Türen rechts und links. Einige mit Schildern: Warteraum , Sekretariat, Praxis, Zutritt verboten, Röntgenzimmer.

Der Lampenstrahl zuckte über diese Schilder. Der Mann ging kaum hörbar weiter. Vor der Tür mit dem Schild „Zutritt verboten!" blieb er stehen und versuchte die Tür zu öffnen, aber sie war verschlossen.

Die Rechte des Mannes glitt in die Tasche. Ein Nachschlüssel blinkte matt im Lichtreflex, dann schepperte er etwas, als er ins Schloss geführt wurde. Bald darauf ließ sich auch diese Tür öffnen. Der Mann trat ins Zimmer. Kurz huschte der Lichtstrahl über Regale; Stahlschränke und eine plastikbezogene Liege, die neben einem KW-Strahler stand. Der Mann trat vor den Stahlschrank mit den Vielen Kästen. Buchstaben standen darauf. Der Kasten mit dem Buchstaben B wurde herausgezogen. Schlanke Finger blätterten in den Karteikarten. Dann zogen sie eine Karte mit dem Namen Bovery, Maxwell heraus. Im scharfen Licht der Lampe überflog der Mann die handgeschriebenen Notizen. Endlich haftete sein Blick auf der letzten Eintragung. Sie war erst einen Tag all, wie das Datum bewies. Vieles davon war lateinisch, aber der Mann begriff es dennoch. Die letzte Eintragung war ein Todesurteil. Die tödliche Feststellung, dass der Patient Maxwell Bovery ein unheilbares Lungenkarzinom hatte. Der Arzt, der diese Zeilen geschrieben hatte, war zu dem Resultat gekommen: Exitus letalis in 3-4 Monaten. In drei bis vier Monaten würde Maxwell Bovery also nicht mehr leben.

Der Schein der Lampe stand wie festgebannt auf diesen Zeilen. Und da die Karte weiß war, reflektierte sie das grelle Licht. Bleich und mit Schweiß auf Stirn und Schläfen las der Mann immer wieder. Vom Reflex wurde das Gesicht erhellt. Es wirkte beängstigend. Ein Mann liest sein Todesurteil.

Sekundenlang geschah nichts. Wie gebannt starrte der Mann auf die Karte, und er schien nicht zu spüren, dass der Angstschweiß von seinem Gesicht tropfte. Er merkte auch nicht, dass die Lampe und die Karte in seiner Hand zitterten. Und er war auch nicht fähig, den gesamten Text der Karte zu lesen. Nur eines sah er: die letzte Eintragung. Von gestern. Und gestern war er ja bei Dr. Brand gewesen. Eine Routineuntersuchung. Sie war Vorschrift für den Busfahrer Bovery. Jedes zweite Jahr.

Bovery hatte sich dabei nichts gedacht. Etwas Husten hatte er seit langem. Aber das war seines Erachtens die Schuld des ewigen Durchzuges in den Bussen. Und Beschwerden spürte er auch nicht. Nur jetzt, als er das las, jetzt meinte er überall Schmerzen zu haben, überall in der Brust. Und plötzlich fiel ihm auch das Atmen schwer.

Er steckte die Karte wieder zurück. Dabei entging ihm, dass sich gleich dahinter, wo er sie herausgezogen hatte, noch eine Katte befand, die ebenfalls den Namen Bovery, Maxwell trug, mit dem in roter Tinte geschriebenen Zusatz: 2.

Ihm entging auch, dass auf dieser zweiten Karte vermerkt war: Kostenträger der Regeluntersuchungen: Stadtverwaltung New York. Erst recht entging ihm der mit dem gestrigen Datum eingetragene Befund: Leichte akute Bronchitis, sonst keinen negativen Befund.

Das alles entging ihm ebenso, wie ihm entgangen war, dass auf der Karte, die jene tödliche Voraussage enthalten hatte, eine Krankengeschichte stand, die nicht die seine war. Denn jener Maxwell Bovery, dessen Karte er in den Händen gehalten, war schon zweimal operiert worden. Er würde seine Karte gar nicht mehr lesen könne, selbst wenn er ins Archiv Dr. Brands hätte einbrechen wollen, Dieser Maxwell Bovery lag im nahen Hospital St. Georg’s, in dem Dr. Brand eine Privatklinik unterhielt. Er war kein Busfahrer, sondern besaß ein Amüsierlokal. Und außerdem war er gut zehn Jahre älter als der nächtliche Einbrecher.

Aber alles das sah der Mahn mit der Taschenlampe nicht. Er sah es nicht, weil er sich nicht denken konnte, dass bei Dr. Brand ausgerechnet zwei Menschen gleichen Namens in Behandlung sein konnten. Nein, das konnte sich Maxwell Bovery, städtischer Busfahrer und einstiger Armeesanitäter, nicht vorstellen.

Maxwell Bovery dachte nur an eines: an seine missratene Ehe, die kinderlos geblieben war. An sein dreißigjähriges kurzes Leben. An den Tod, der ihn in drei Monaten oder gar schon früher holen würde. Und er dachte an seine Schmerzen in der Brust, die er so plötzlich nach der Lektüre empfand. Angst war seine erste Reaktion. Furchtbare Angst.

Dann aber wich sie plötzlich. Er trat ans Fenster, blickte durch die dünnen Gardinen auf die nächtliche Straße, sah die Autos, die Menschen, das Licht der Lampen. Ein Polizist stand vorn an der Kreuzung. Ein Pärchen ging umschlungen den Fußweg entlang. Drei junge Burschen betrachteten die Auslagen des Sportgeschäftes gegenüber. Eine alte Frau humpelte mit Zeitungen unter dem Arm vorbei. Aus einem Taxi stieg ein hübsches junges Mädchen und entschwand in eine Haustür.

Sie leben. Und sie werden vielleicht noch länge leben, dachte Bovery. Und er entsann sich seines eigenen Lebens. Kein schönes Leben, sagte  er sich.   Schon  die Kindheit. Erst in Vaters Drugstore. Dann die Schulzeit und die Prügel, wenn er schlechte Zensuren hatte. Und schließlich der Krieg. Korea. Es war schrecklich. Er selbst, auf dem Hauptverbandsplatz. Sanitäter Bovery. Dann war es vorbei. Sie brauchten den Sanitäter Bovery nicht mehr. Er fuhr Lastzüge, fuhr Getränkeautos, versuchte es als Vertreter und landete bei den städtischen Bussen. Dazwischen das Drama seiner Ehe. Täglich Streit mit Lucy, täglich Erniedrigungen, Beleidigungen, Hass, Wut, Tränen. Lucy konnte so wunderbar auf Kommando weinen. Nein, um Lucy und  diese Ehe mit ihr tat es ihm nicht leid. Er hätte sich längst von ihr scheiden lassen sollen. Damals hatte sie behauptet, von ihm ein Kind zu bekommen. Er wollte der Kavalier sein, der ein Mädchen heiratet, das von ihm ein Kind erwartete. Nun, Lucy bekam das Kind nie, sie würde auch nie eines bekommen. Das hatte der Arzt schon vor Jahren festgestellt. Damals hätte er Lucy verlassen müssen. Aber nein, für solche Entscheidungen war er nie gewesen. So blieb der tägliche Trott, der tägliche Zank, alles blieb beim Alten.

Wie diese Ehe ist mein ganzes Leben gewesen, dachte er. Mittelmäßig, unter dem Durchschnitt. Er musste fast lachen, als er daran dachte, was sein Vater alles mit ihm vorgehabt hatte. Vielleicht sind alle Väter so, dachte er. Damals sollte er Offizier werden. Aber die Armee hielt nichts von Maxwell Boverys soldatischen Qualitäten. Sie bestand vor allem auf einer guten Schulbildung. Die konnte Maxwell Bovery nicht vorweisen. Normalschule, mehr war bei ihm nicht drin. Jetzt spielte dies alles keine Rolle mehr. Gar keine. Er würde — so sagte er sich — in drei oder in vier Monaten tot sein. Tot, begraben, vergessen.

Wer war er denn? Wer würde seinen Namen nach seinem Tode überhaupt noch aussprechen? Die Kollegen? Vielleicht der oder jener. Aber die hatten doch alle eigene Sorgen. Ja, wenn ein Präsident oder ein Filmstar starb, davon redeten die Leute monatelang. Und das Fernsehen, die Zeitungen, alles war voll davon. An Maxwell Bovery würde keine Zeitung mehr als die bezahlte Todesanzeige verschwenden. Würde Lucy überhaupt für eine Anzeige Geld ausgeben? Vermutlich tat sie noch nicht einmal das.

Er verließ leise wieder den Raum, schloss die Tür sorgfältig mit dem Nachschlüssel ab und glitt lautlos aus dem Gang. Als er wieder auf der Straße stand, und die kühle Regenluft sein schweißnasses Gesicht umfächelte, atmete er tief ein, aber auch jetzt meinte er, es stäche wie mit tausend Nadeln in seiner Brust.

Während er langsam auf den Central Park zuging, ließ er sich die gestrige Untersuchung noch einmal durch den Kopf gehen. Eigentlich gar nichts Besonderes. Nur die Röntgenaufnahme und die Blutsenkung. Aber, so hatten seine Kollegen ihm erzählt, das machte man ja jetzt immer. Doch gestern war er schon einmal auf diese Karteikarte gestoßen. Sie hatte auf dem Tisch des Arztes gelegen. Und nach dem Röntgen war Bovery einmal unbeobachtet an den Tisch getreten und hatte auf der Karte nur zwei Wörter gelesen: Exitus letalis. Dann war die Schwester wieder hereingekommen und hatte die Karte weggenommen. Als ehemaliger Sanitäter war ihm klar, dass diese lateinische Bezeichnung nichts anderes als „Tod" bedeutete.

Maxwell Bovery hatte es genau wissen wollen. Und jetzt sah er seine Ahnung bestätigt. Er nahm an, ein Todeskandidat zu sein. Und in der Furcht vor dem Sterben erwuchs in ihm etwas anderes, etwas ganz Furchtbares. Maxwell Bovery, der sich selbst für einen Niemand hielt, der keine Freunde zu haben meinte, nur eine Frau, von der er überzeugt war, dass sie ihn hasste, dieser Maxwell Bovery war plötzlich entschlossen, sich und der Welt zu beweisen, was in ihm steckte. Er entsann sich jenes Griechen Herostratos, der 356 v. Chr. den Artemistempel in Brand steckte, um sich durch diese Tat ins Gedächtnis der Menschheit einzubrennen. Das war eine der Geschichten, die er in der Schule gelernt hatte. Nur eine Geschichte?

Warum, so fragte sich Bovery, soll ich nicht auch etwas tun, was meinen Namen unsterblich macht. Warum soll der Niemand, der Durchschnittsmensch Maxwell Bovery, nicht so etwas tun? Was hat er denn zu befürchten? Was kann ihm mehr passieren als der Tod?

Der Weg zum Central Park war lang, und die Gedanken, die diesem Mann dabei kamen, waren furchtbar und mörderisch. Denn Maxwell Bovery dachte nicht etwa an eine gute Tat, die er vor seinem vermeintlich so nahen Tode begehen könnte. Nein, Maxwell Bovery war enttäuscht von der Welt. Im Grunde, so sagte er sich, hasse ich diese Welt, diese Menschen, diese vielen Ungerechtigkeiten. Immer mehr wuchs seine Erbitterung.

Maxwell Bovery, der kaum bekannte und durchschnittliche Busfahrer aus New York, fasste einen Entschluss, der ihn berühmt machen sollte. Danach würde er sterben. Es war ihm dann ohnehin nichts mehr anzuhaben. Maxwell Bovery hatte sich entschlossen, etwas zu tun, das vor ihm schon viele in vorübergehendem Zorn gesagt haben, wenn ihnen dieses oder jenes nicht gepasst hatte. Maxwell Bovery sagte es nicht mehr. Er war entschlossen, es auszuführen. Er würde den Präsidenten der USA ermorden. Er würde es tun, nicht deshalb, weil er den Präsidenten hasste. Er hätte ebensogut einen anderen weltberühmten Mann getötet. Aber er wählte den Präsidenten aus, weil der für ihn in erreichbarer Nähe war. Und er würde versuchen, es genau dann zu tun, wenn der Präsident in der UN anwesend war. Er hatte da vor ein paar Tagen etwas in der Zeitung gelesen. Und plötzlich fiel es ihm wieder ein.

Übermorgen würde es soweit sein. Übermorgen Vormittag. Der Präsident würde an einer UN-Sitzung teilnehmen, und auch der sowjetische Außenminister Gromyko würde da sein. Auf der Tagesordnung stand das Vietnam-Problem. Doch Bovery ging es darum nicht im Geringsten. Er würde ein Attentat auf den Präsidenten und die UN, auf Gromyko und alle anderen Abgesandten verüben. Er, Maxwell Bovery. Er, der unbedeutende Busfahrer aus New York. Er, den niemand kannte und der in drei oder vier Monaten sterben würde.

Maxwell Bovery mochte als Busfahrer und als Bürger unbedeutend sein, als Attentäter jedoch würde er die riesige Organisation des FBI in Bewegung bringen, würde es schaffen, dass CIA und CIC wie ein aufgeregter Bienenschwarm herumwirbelten.

Aber das alles wusste Bovery noch nicht. Er kannte nur seinen Plan. Und was er zu wissen glaubte, das war dies Eine: dass er sterben musste. Aber was er nicht wusste, war die Tatsache, dass er nichts als eine harmlose Bronchitis hatte. Weil er das nicht wusste, nahm eines der tragischsten und dramatischsten Geschehen in der Geschichte der amerikanischen Abwehr seinen Lauf. Denn zwei Tage nach dem Einbruch bei Dr. Brand bestieg Maxwell Bovery die fahrplanmäßige Maschine New York — London. Auf dem Kennedy Airport stand sie bereit. Umgeben von ahnungslosen Flugzeugwarten, besetzt mit ahnungslosen Frauen, Kindern und Männern. New York — London, Nonstop! Aber Maxwell Bovery ging an Bord mit einem kleinen Lederkoffer. Und im Gepäckraum wusste er noch einen größeren Leichtkoffer ...

Maxwell Bovery sah blasser aus als sonst. Aber er wirkte entschlossen und bereit. Bereit, eine furchtbare Bluttat zu begehen. Bereit, außer sich selbst noch weitere neunundsiebzig Menschen umzubringen, selbst wenn ihm das Attentat gar nicht glücken würde. Denn neunundsiebzig Menschen flogen mit ihm in dieser Maschine.

Maxwell Bovery dachte nicht an das Leben seiner Mitreisenden. Er dachte nur an sich und seinen Namen, an seinen Tod und seine Tat.

Neunundsiebzig Menschen wussten nichts. Neunundsiebzig Menschen würden in wenigen Minuten mit einer explodierten Maschine abstürzen. Ihr Tod war sicher, und Maxwell Boverys Tod war es auch. Aber alles müsste nicht sein, wenn Bovery bei Dr. Brand die richtige, nämlich seine Karteikarte erwischt hätte.

Noch gab es eine Chance für sie alle. Noch hing ihr Leben von einer winzigen Kleinigkeit ab, einem Fehler Maxwell Boverys. Ja, er hatte einen Fehler gemacht. Vielleicht merkte ihn niemand, vielleicht zerstreute sich wirklich das Misstrauen des Kollegen Ryan, der ein Elektro- und Funkbastler war und Bovery ein Zweikanalfunkgerät für Modellflugzeuge besorgt hatte. Von ihm wusste Bovery auch, wie so etwas funktioniert. Nun, er würde keine Modellflugzeuge fliegen lassen. Er würde mit diesem Sender eine Explosion auslösen. Im Fluggepäckraum befand sich sein Koffer. In ihm der Empfänger. Und 15 Pfund hochwertigen Sprengstoffs. Das würde genügen. So dachte Maxwell Bovery.

Als die Maschine gerade zur Startpiste rumpelte, saß Ryan nicht etwa bei der Polizei, um seinen Verdacht zu melden, nein, Ryan hockte in einer Kneipe und spielte mit Freunden Billard. Er dachte nicht mehr an Maxwell Bovery.

Und so schien das Schicksal von mindestens neunundsiebzig Menschen, Bovery eingeschlossen, besiegelt. Es schien sicher, besiegelt, als die Boeing 707 schneller und schneller über die Startpiste raste und sich dann jäh vom Boden löste.

Maxwell Bovery lächelte, als er nach kurzer Zeit das UN-Gebäude schräg unter sich entdeckte.

3

Am Morgen, bevor jene Boeing 707 nach London startete, trat Elmery Hudson seinen Dienst als Magazinverwalter der Fa. Dawson & Read an. Dawson & Read fertigten Feuerwerkskörper, Sprengsätze und Magnesiumfackeln. Die beiden einzigen Auftraggeber der Firma waren die Stadtverwaltung New York und die Hafenmeisterei. Dawson & Read hatten nur elf Beschäftigte, unter ihnen nahm Elmery Hudson eine gehobene Stellung ein.

Der Kriegsinvalide Hudson, er hatte eine Beinprothese und rechts keine Hand mehr, führte das Magazin. Als er an diesem Morgen durch die Reihen der Regale schritt, fiel ihm sofort auf, dass die Zündladung für den Sprengsatz der Hafenmeisterei fehlte. Er blieb stehen und rief nach seinem Gehilfen Jennison.

„Jennison, wo ist die 15 Pfund Ladung hingeraten?", fragte Elmery Hudson, mühsam um Beherrschung ringend. Er regte sich immer furchtbar leicht auf, und Jennisons Phlegma konnte ihn geradezu rasend machen.

„Weiß ich doch nicht", maulte Jennison und lehnte sich an den Regalpfosten, als sei er nicht mehr in der Lage, aufrecht zu stehen.

Jennison machte sich verdächtig. Sein Blick, seine innere Unruhe, er konnte sie nicht verbergen. Aber dennoch sagte er trotzig: „Ich kann Ihnen nicht helfen. Ich weiß nichts. Vielleicht haben Sie es selbst."

„Jennison!", brüllte Hudson. Aber er zwang sich zur Beherrschung. So eine Unterstellung, dachte er, ich selbst soll ... Niemals. Er war sich stets bewusst, was er selbst getan und nicht getan hatte. Nein, dieser Jennison wusste schon, was los war. Wie damals vor einem Jahr, als die Lederriemen fehlten. Sicher war das auch Jennison gewesen.

„Gut, Jennison, sagte Hudson beherrscht, „gut, Sie wollen es so haben. Sie bleiben jetzt hier, und ich werde Mr. Dawson anrufen!

„Sie werden Pech haben. Ich habe nichts damit zu tun", knurrte Jennison aufsässig.

„Schon gut, schon gut", erwiderte Hudson, und es klang, als müsse er sich selbst mit diesen Worten beruhigen. Dann griff er zum Telefon, ohne Jennison aus den Augen zu lassen. Sein Anruf bei dem Mitinhaber Dawson löste eine Kettenreaktion aus. Dawson verstand in solchen Sachen wenig Spaß. Er informierte die Polizei.

Eine halbe Stunde später tauchten zwei Detektive in Zivil bei Elmery Hudson und Jennison auf. Sie hörten sich an, was Hudson und was Jennison zu sagen hatten. Ihr Verdacht auf Jennison war noch größer als der, den bereits Hudson äußerte. Aber Jennison gab nichts zu. Da nahmen sie ihn mit.

Bei der Überprüfung auf dem Revier stellte es sich wieder einmal heraus, dass die New Yorker Polizei mit der Einführung des Ermittlungscomputers einen Volltreffer gegen das Banditentum gelandet hatte. Als nämlich die Lochkarte über Jennisons Personalien zur Zentrale ging, in den Computer gesteckt wurde und man auf die Auswertung wartete, verhalf der Computer den Beamten zu einer Überraschung.

Walt Jennison gehörte einer Anarchistengruppe an, die zwar bisher wenig Unruhe stiften konnte, dafür aber ständig vom FBI im Auge behalten wurde.

Die Stadtpolizei übergab Jennison ans FBI.

Dort begann er zu singen. Und seine Aussage löste beim FBI eine Blitzreaktion aus.

Walt Jennison war also Mitglied dieser bisher recht passiven Anarchistengruppe. Und ein weiteres, ziemlich unbedeutendes Mitglied hieß Maxwell Bovery. Das FBI hatte die insgesamt sieben Mitglieder der Gruppe eigentlich nie recht ernst genommen. Ein FBI-Psychologe bezeichnete sie als verklemmte, gescheiterte Nullen, die sich selbst etwas vormachten, indem sie das Weltgefüge sprengen wollten. Bisher hatten sie immer nur davon geredet.

Doch plötzlich war der harmloseste Mitläufer Maxwell Bovery zum furchtbaren Aktiven geworden. Denn diesem Maxwell Bovery hatte Jennison die 15 Pfund PZ 3 mit Hochbrisanz beschafft. Obwohl man sofort alles unternahm, obgleich die Wohnung von Bovery durchsucht und seine sämtlichen Beziehungen zu anderen Menschen durchleuchtet wurden, kam man nicht dahinter, wo Maxwell Bovery die 15 Pfund Sprengstoff verwenden wollte.

Um 11.35 Uhr, als die Boeing 707 nach London startete, wusste man es noch immer nicht. Und so kam auch diese letzte Chance für die neunundsiebzig Menschen zu spät.

Das furchtbare Verhängnis nahm seinen Lauf.

4

11 .36 Uhr. Die Boeing hatte die Piste verlassen und zog steil gen Himmel. Noch waren alle Passagiere angeschnallt, auch Archibald Duggan. Commander Suchard saß ziemlich weit vorn. Die Stewardess hatte ihm vor dem Start noch ein Telegramm übergeben. Zu gerne hätte Archibald gewusst, was in diesem Telegramm stand. Aber das würde er — so sagte er sich — auch noch herausfinden.

Noch etwas fiel Archibald auf. In der anonymen Menge der Passagiere interessierte ihn ein großer blonder Mann mit Schnurrbart und randloser Brille. Es war Archibald aufgefallen, dass dieser Mann sehr oft zu Commander Suchard hinüberblickte. Suchard saß in der rechten Sitzreihe, jener Blonde etwas weiter hinten auf der linken Seite. Um zu Suchard zu blicken, musste der Blonde schräg zur Seite sehen. Es konnte also, so überlegte Archibald, kein zufälliges Hinsehen sein.

Zwei Reihen hinter Archibald saß jener blässliche, unscheinbare Mensch mit dem Buchhaltergesicht. Archibald hatte ihn nur am Rande wahrgenommen, wie er überhaupt die Vielzahl der Menschen an Bord nur flüchtig registrieren konnte. Sein Hauptinteresse galt nach wie vor Suchard, jetzt allerdings auch ein wenig dem Blonden. Und das hing ja auch wieder mit Suchard zusammen.

Der Mann zwei Reihen hinter Archibald hatte neben sich einen leeren Platz. So hinderte ihn niemand daran, als er seinen kleinen Lederkoffer öffnete und verstohlen die Hand hineinschob, etwas herauszog, das wie eine Autoantenne wirkte, gleichzeitig einen Blick durch das Fenster warf und dann plötzlich jäh mit der anderen Hand auch in den Koffer griff.

Niemand sah es. Niemand hätte sich vermutlich etwas dabei gedacht.

Schräg unten glänzte das Wasser der Bucht, ragte der fensterreiche Gigant des UN-Gebäudes in die Höhe. Die Maschine zog nicht genau darüber hinweg. Aber vielleicht nahm Maxwell Bovery das an. Vielleicht glaubte er, seine primitiven Berechnungen könnten seine Absicht zum Ziel führen.

Denn genau jetzt drückte er die Taste des einfachen Zweikanalsenders durch. Als er es tat, kam gleichzeitig die Angst über ihn, und für Bruchteile einer Sekunde hoffte er, es möge nicht funktionieren. Aber seine Bastelei mochte noch so unvollkommen sein - sie funktionierte!

Während noch die Düsen heulten, während die Maschine noch immer schräg gen Himmel flog und ständig an Höhe gewann, gab es plötzlich einen dumpfen Knall. Die Maschine wurde jäh erschüttert, aber sie flog weiter. Nicht einmal alle Passagiere hatten den Knall vernommen. Wider Erwarten war das alles nicht lauter gewesen als eine entfernte kleine Explosion.

Sekundenlang geschah nichts weiter. Die Maschine flog, sie flog noch immer mit Steigung, die Düsen heulten, und viele der Menschen saßen wie gebannt, weil sie den dumpfen Knall und auch das Erzittern der Maschine gehört und gespürt hatten. Doch niemand sagte etwas, nicht einmal die Stewardess, die noch immer angeschnallt auf ihrem Sitz saß, und auch nicht der Steward, der hinten in der kleinen Bordküche wie gelähmt in den Gurten hing.

Die Maschine flog.

Archibald Duggan saß ebenfalls reglos. Etwas war passiert, etwas musste passiert sein. Aber was?

In diesem Augenblick tauchte der Copilot in der Tür zur Cockpit auf. Bleich, verstört, aber gefasst. Und im gleichen Moment, da er dort auftauchte, schrie eine Frau drei Sitzreihen vor Archibald gellend: „Nein! Nein! Es ist nicht wahr! Es darf nicht wahr sein!"

Dieser Angstschrei eines Menschen, der Kommendes zu ahnen schien, dieses entsetzliche Kreischen einer Frau, das löste die Verkrampfung. Zu gleicher Zeit schrien und brüllten alle möglichen Leute los und bestürmten den Co-Piloten mit Fragen, aber er ging durch die Reihen und sagte monoton nur immer wieder dasselbe: „Nicht abschnallen! Bleiben Sie ruhig! Um Himmels willen, bleiben Sie ruhig!"

Man blieb nicht ruhig. Ein junger Mann schräg vor Archibald löste seinen Gurt und sprang auf. Ein dicker Passagier, der aussah wie ein Londoner Börsenjobber, hatte sich ebenfalls abgeschnallt. Er trat dem Co-Piloten in den Weg, fuchtelte mit den Händen und schrie: „Was ist passiert, zum Teufel, stürzen wir ab?"

Alle brüllten durcheinander. Die Stewardess rief immer wieder etwas, aber es ging im Lärm unter.

Archibald Duggan machte seinen Gurt los. Er konnte da nicht zusehen. Natürlich war etwas passiert, aber sicher wurde es nicht davon besser, wenn alle in Panik gerieten. Er sprang auf, packte den dicken Mann an der Schulter und sagte scharf: „Hinsetzen!" Den jungen Mann stieß er auf seinen Sitz, und als er plötzlich aggressiv wurde, fing er einen Handkantenschlag ein, der ihn vorübergehend aus dem Verkehr zog.

War es die Persönlichkeit Archibalds, war es die plötzliche Ernüchterung? Jedenfalls wurde es mit einem Schlag still.

„Wir sind keine kleinen Kinder!, sagte Archibald zwingend. „Wir werden uns anhören, was passiert ist, und dann benehmen wir uns diszipliniert. Nur so haben wir eine Chance, mit einer bösen Sache fertig zu werden. Also, was ist los?, fragte er den Co-Piloten.

Der sah Archibald an, blickte flüchtig über die Menschen, die ihn angstvoll, gespannt und auch widerspenstig anstarrten.

„Die Navigation von Höhen und Seitenleitwerk ist ausgefallen."

Die Frau, die schon vorhin so schrill gekreischt und die Panik ausgelöst hatte, schrie wieder gellend. Aber Archibald, der neben ihr stand, fuhr sie grob an: „Sind Sie verrückt? Wir sind doch in keiner akuten Gefahr."

Das war gelogen, und er wusste es. Aber was sollte er sonst sagen. Während die Frau ihn noch erschrocken ob seines barschen Tones anstarrte, sagte Archibald zum Co-Piloten: „Ist die Maschine flugtauglich?"

Der Co-Pilot nickte.

„Na, also! Und jetzt werden wir alles tun, was die Besatzung anordnet. Sie sind Co-Pilot Hansen? So stellte Sie doch der Kapitän vorhin über Lautsprecher vor. Richtig?"

Der Co-Pilot nickte. Er war ein hagerer, wettergebräunter Mann von etwa fünfunddreißig Jahren. „Mr. Hansen, die Passagiere werden sich jetzt ruhig verhalten. Melden Sie das Ihrem Kapitän!"

Plötzlich starrte Archibald wie gebannt auf den schmächtigen Mann zwei Sitzreihen hinter dem eigenen Platz. Dort saß Maxwell Bovery, bleich wie eine Kalkwand, die Hände zitternd auf einem kleinen Lederkoffer, aus dem eine Antenne ragte.

Vielleicht war es nichts als eine intuitive Reaktion, vielleicht eine Ahnung, Archibald hätte das selbst nicht zu erklären vermocht. Jedenfalls war er mit zwei Schritten bei Bovery, ergriff den Koffer, sah, wie der Mann ihn festklammerte, und riss ihn dennoch weg. Das Zweikanalgerät polterte aus dem Koffer, der sich dabei öffnete.

Ratlos, verwundert und verständnislos sahen die anderen Passagiere zu, auch der Co-Pilot, doch nun erriet Archibald die Zusammenhänge.

„Eine funkgesteuerte Explosion, sagte Archibald leise, und nur die ihm am nächsten saßen, hörten es. „Wo war die Ladung? Wohin haben Sie die Ladung gesteckt?

Maxwell Bovery wich bis an die Außenwand zurück, sagte aber nichts.

„Hier sind eine Menge Leute an Bord, mein Freund. Sie alle wollen leben. Wo, zum Kuckuck, haben Sie die Ladung gehabt?"

Maxwell Bovery war wie alle anderen von Angst erfasst worden. Sein Leben einer aufsehenerregenden Tat zu opfern, hatte er längst nicht mehr im Sinn. Mit einem Male wollte er lieber die drei Monate — wie er dachte — noch dabei sein. Wollte nicht jetzt schon sterben. Vielleicht hatte er noch eine Chance. Aber alles schien verspielt. Sie würden ihn einsperren, ins Zuchthaus schicken.

„Ich ... ich ... ich weiß nichts", stotterte er.

„Wo?", fragte Archibald Duggan scharf und packte ihn am Hemdkragen.

„Koffer ... im Koffer ... im Gepäck." Nun war es heraus.

Der Co-Pilot hatte endlich auch begriffen. „Die Stränge der Leitungen gehen oberhalb hindurch. War es viel Sprengstoff?"

Maxwell Bovery zittert, als er sagte: „Fünfzehn Pfund ..."

„Ist die Druckkammer des Flugzeugs heil?", fragte Archibald.

„Noch ist Druck da", sagte der CoPilot.

Die Stimmung in der Kabine erhitzte sich gefährlich. Sie richtete sich gegen Bovery. Ein breitschultriger Mann mittleren Alters, der aussah wie ein Ex-Profiboxer, schob sich heran, drückte Hansen zur Seite und sah drohend auf Bovery hinab, der sich ängstlich in seinen Sitz duckte.

Der Mann, der wie ein Boxer aussah, schien tatsächlich einer zu sein. Seine buschigen dunklen Brauen, die zerschlagene Nase und die Art, wie er plötzlich die Arme anwinkelte und die Hände ballte, sagten genug.

„Jungchen, Jungchen, jetzt werde ich Brei aus dir machen!", zischte der Schwarzhaarige.

Archibald Duggan drückte den Boxer halb herum und sagte kalt: „Okay, Bruder, okay, und jetzt pflanzen Sie Ihre vier Buchstaben wieder auf einen Polstersitz, sonst werde ich ungemütlich."

Der Mann sah Archibald verblüfft an, atmete aus wie ein Nashorn und schnaufte wütend: „Verdammt, scheren Sie sich weg. Diesen Hundesohn werde ich jetzt frühstücken. Wenn wir in dieser Kiste schon draufgehen, dann soll er als Erster ..."

Zwei andere Männer, die vorher neben dem Boxer gesessen hatten und so ungefähr dessen Format besaßen, waren ebenfalls aufgestanden und schoben sich drohend näher.

„Wer sind Sie denn, Mann, dass Sie sich hier aufspielen wie ein kleiner Herrgott?", sagte der eine böse.

„Eh, vielleicht gehören die beiden zusammen, was?", meinte der dritte giftig.

Archibald Duggan lächelte hart.

„Ich hätte wenig Sorge, die Unterhaltung mit Ihnen auf andere Art fortzusetzen, wenn wir hier nicht in einer Havariemaschine wären, wo jeder Unfug nur eine Gefahr für alle darstellt. Er griff in die Tasche und zog seinen Ausweis heraus. Er hielt ihn den dreien hin, und die starrten verblüfft darauf. Der Boxer wurde plötzlich ein wenig blass, die beiden anderen schluckten. Dann meinte der Boxer, der sein Selbstvertrauen rasch wiederfand: „Okay Häuptling, okay. Aber wenn wir vor die Hunde gehen, nützt Ihnen die ganze CIA nichts. Kommt, Jungs, er wird diesen Goldjungen beschützen. Lassen wir ihn.

Die drei machten kehrt und gingen wieder auf ihre Plätze. Der Co-Pilot hob mit Hilfe des Stewards den Deckel, durch den man von der Kabine her in den Gepäckraum steigen konnte. Zuerst kletterte der Co-Pilot hinab. Schon bald tauchte er wieder auf.

„Die Außenhaut ist unverletzt. Nur verbeult. Aber die Kabelstränge sind zerrissen. Es würde eine Weile dauern, sie zu flicken. Und selbst dann ..." Er sprach nicht aus, was dann sein würde. Aber seinem bleichen Gesicht nach konnte es keine gute Prognose sein.

„Für wie viele Stunden Treibstoff haben wir?", erkundigte sich Archibald leise.

„Für dreizehn Stunden, wenn wir in zehntausend Fuß Höhe fliegen ..."

„Also haben wir eine Chance. Okay, erwiderte Archibald, wandte sich dann an die Passagiere und sagte laut: „Bitte Ruhe!

Als alle schwiegen und zu ihm hinsahen, sagte er laut: „Ladies and Gentlemen, mein Name ist Duggan. Ich bin Offizier im US-Staatsdienst. Das spielt aber jetzt keine Bolle. Wichtig für uns alle ist, dass wir begreifen, in welcher Lage wir uns befinden. Und dann heißt die Parole für jeden hier: alles zu tun, was unsere Lage verbessert. Panik, Aufregung, Streit, das alles ist sinnlos. Wir haben, soweit ich das sehe, eine echte und gute Chance. Wir werden sie nutzen. Dazu brauche ich Ihre Hilfe, die Hilfe eines jeden von Ihnen. Zuerst aber möchte ich mit unserem Flugkapitän, Mr. Brewster, sprechen. Ich bin sicher, dass wir alle heil zur Erde zurückkommen, wenn wir uns beherrschen. Er wandte sich an den Boxer und dessen beide Begleiter. „Mister ...

„Mein Name ist Herold", sagte der Boxer.

„Mr. Herold, ich glaube, Sie könnten sich um unseren Freund dort kümmern und dafür sorgen, dass er sich nicht von der Stelle rührt." Er deutete auf Bovery.

„Ausgerechnet mir tragen Sie das an?", meinte Herold erstaunt und runzelte die buschigen Brauen.

„Ja, ausgerechnet Ihnen."

Herold stand auf und ging zurück zu Bovery, setzt sich neben ihn und grollte: „Wehe, Jungchen, du machst Zicken. Immer schön tun, was der liebe Onkel Herold sagt!"

Archibald winkte der Stewardess. „Miss Snider, beginnen Sie damit, Cocktails auszuschenken."

Die Stewardess näherte sich gefasst, aber die Blässe in ihrem Gesicht war geblieben.

„Ja, ich werde es tun", hauchte sie matt. Dabei versuchte sie zu lächeln.

„Steward, kümmern Sie sich um die älteren Herrschaften!", befahl Archibald, dann winkte er dem Co-Piloten, und sie gingen nach vorn zur Cockpit.

Vier Mann Besatzung waren vorn, nämlich der Flugkapitän, ein Mann mit kantigem Gesicht und grauen Schläfen, der Navigationsoffizier, der Funker und der Co-Pilot.

Der Funker wandte sich an Archibald, während Hansen seinem Kapitän berichtete.

„Mr. Duggan?, fragte der Funker, als Archibald sich eben vorgestellt hatte. „Ich habe eine Order für Sie. Er hob einen Zettel auf und las vor: „Nehmen Sie in Abänderung des ursprünglichen Einsatzbefehls Suchard schon in der Maschine fest. Er ist in London dem US-Militärattaché auszuliefern. Der Funker machte eine Pause. „Das kommt direkt von der CIA, Washington.

„Wir werden andere Sorgen haben, denke ich", meinte Archibald.

Der Funker nickte. Jetzt wandte sich der Flugkapitän Brewster an Archibald.

„Mr. Duggan, ich danke Ihnen für die Hilfe. Sie sind von der CIA?"

Archibald nickte. Brewster fuhr fort. „Wir sind in einer belämmerten Situation. Die Maschine kann nur unwesentlich gesteuert werden. Ich kann natürlich mit den Motoren und der Steuerungsanlage an den Tragflächen eine Menge tun, aber wir bekommen den Vogel so nicht auf eine Piste. Zudem habe ich festgestellt, dass irgendein Kurzschluss die gesamte Steuerung stört. Genau genommen habe ich überhaupt nur die Motoren als Steuerhilfe, und das ist verflucht wenig. Wir fliegen jetzt genau auf den Pol zu, haben eine Höhe von achttausend Fuß, aber es gelingt mir nicht, die Maschine höher zu bekommen."

„Mr. Brewster, sagte Archibald, „sehen Sie sich selbst an, wie es dort im Gepäckraum aussieht.

Hansen war auf seinen Sitz gestiegen und übernahm das Steuer. Der Flugkapitän stand von seinem Platz auf und sagte: „Ich hatte das jetzt ohnehin vor. Augenblick noch!" Er gab eine Meldung an den Funker, die der sofort an die Bodenstation durchgab.

Einen Augenblick lang wartete der Flugkapitän noch, dann hatte der Funker schon die Antwort der Bodenstation. „Sie schicken eine Militärmaschine der Küstenwache. Die wollen sich von außen ansehen, was mit unserer Kiste los ist. Sie fragen, ob wir notwassern wollen."

„Nein, noch nicht." Der hochgewachsene Flugkapitän ging in die Passagierkabine, und Archibald folgte ihm. Die Passagiere saßen ruhig. Die Stewardess servierte Cocktails, aber viele der Menschen hielten die Gläser in der Hand, ohne nur davon zu nippen.

„Es ist alles halb so wild, sagte der Kapitän. „Wenn Sie, meine Herrschaften, alles tun, was angeordnet wird, werden wir es bestimmt schaffen. Miss Snider, Mr. Home, erklären Sie den Passagieren den Gebrauch der Sauerstoffanschlüsse und der Schwimmwesten. Als fürchte er, dass jemand nun Einwände machen wolle, hob er die Hände und rief: „Herrschaften, es ist eine Sicherheitsmaßnahme, und wir wollen doch jetzt keinen Fehler machen. Er wandte sich an Archibald: „Welcher ist der Bastard, der uns das eingebrockt hat?

Archibald zeigte auf Bovery, und der Kapitän ging mit festem Schritt auf den Busfahrer zu.

„Warum, zum Teufel, haben Sie das getan?", fragte er mit überschnappender Stimme.

Bovery drückte sich in die Sitzecke und schaute hilfesuchend auf Archibald Duggan. Doch der regte sich nicht. Stattdessen erwiderte Herold, der Boxer: „So ein Mensch ist zu bedauern. Er hat mir erzählt, dass er in drei Monaten sterben muss. Krebs. Und er wollte etwas ganz Verrücktes tun. Ein Narr!"

„Ein Narr? Und wir alle sollen mit ihm sterben?, schrie eine Frau. „Ein Mörder ist das, ein richtiger Mörder!

„Ruhe!, rief Archibald Duggan. „Er wird bestraft, das ist sicher, aber nicht hier. Kommen Sie, Mr. Brewster!

Brewster kletterte hinab in den Gepäckraum, leuchtete mit der Taschenlampe und sah sich alles an. Auch Duggan war mit hinabgeklettert. Es war eng hier unten, kaum Platz, um zu kauern. Die Explosion hatte mehrere Koffer und Pakete aufgefetzt. Kabel hingen lose herum, ein Teil der Außenhaut war wie ein eingeprägter Suppentopf nach draußen gedrückt worden. Eine Spante hatte sich verbogen, und aus einer hydraulischen Leitung tropfte rote Flüssigkeit.

Brewster sagte lange nichts, dann drehte er sich zu Archibald hin und meinte mürrisch: „Wir haben zunächst einmal riesiges Schwein gehabt. Dort vorn, diese Ausbuchtung, da haben wir nochmals neunhundert Liter Treibstoff. Wenn das in die Luft geflogen wäre ... Gute Nacht! — Ja, und es sieht auch so nicht gut aus. Wir können noch nicht einmal das Fahrwerk ausfahren. Die hydraulische Flüssigkeit läuft weg. Das kann man nur mit einer Hochdruckleitung flicken. Nein, gut sieht es nicht aus. Und dann die Kabel. Bis wir die zusammen haben, vergehen gut acht Stunden, vorausgesetzt, wir haben Werkzeug dazu, wissen, welche Kabel zusammengehören und ..."

„Wissen Sie es nicht?"

„Ich bin Pilot und kein Flugzeugelektriker."

„Okay, Mr. Brewster. Sorgen Sie dafür, dass die Maschine in der Luft bleibt, tun Sie, was Sie können, um uns Zeit zu schaffen. Ich will versuchen, diese Geschichte zu übernehmen."

„Sie?", wunderte sich Brewster.

Archibald Duggan nickte, lächelte und sagte rau: „Ich bin auch kein Elektriker, aber ungewöhnliche Situationen gehören zu meinem Beruf. Überlassen Sie die Sache also mir! Damit Sie sich keine Vorwürfe zu machen brauchen, lassen Sie sich das von Ihrer Flugleitung bestätigen. — Da, hier ist mein Ausweis. Geben Sie die Kennnummer über Funk durch, dann wissen die, dass ich es auch wirklich bin." Sie kletterten wieder nach oben, und alle Passagiere blickten ihnen gespannt entgegen.

Als der Flugkapitän nach vorn zur Cockpit ging, fragte Archibald Duggan: „Ist ein Elektriker unter den Passagieren?" Zunächst meldete sich niemand. Als Archibald sagte, dass ein Elektriker die Überlebenschancen von ihnen allen sehr erhöhen könnte, meldete sich einer der beiden Begleiter des Boxers Herold. Er war ein nicht sehr großer, dafür breit gebauter Mensch mit spiegelblanker Glatze. Sein Gesicht wirkte nicht gerade wie das eines friedliebenden Bürgers, denn es war mit Narben übersät, und die Nase ähnelte eher einem Rammbock.

„Mein Name ist Lewis, Jack Lewis. Ich bin Elektroingenieur für Computer. Ob ich damit ..."

Wie ein Ingenieur sieht er wirklich nicht aus, dachte Archibald.

„Sehr gut, Mr. Lewis, das ist schon etwas. Weiter, ist unter Ihnen ein Arzt?"

Eine zierliche Frau von etwa vierzig Jahren stand auf. Sie war blond, hatte ein herbes, wenig anziehendes Gesicht, aber in ihren Augen lag die Wärme eines hilfsbereiten Menschen.

„Ich bin Ärztin", sagte sie.

„Miss ...?"

„Mrs. Wight."

„Mrs. Wight, ich bitte Sie, sich mit der Stewardess um alle Passagiere zu kümmern, die Ihre Hilfe brauchen könnten."

Sie nickte nur und nahm ihre kleine Tasche auf. Aber noch schien für sie keine Arbeit da zu sein.

„Haben wir unter uns einen Mann, der Techniker ist? Also zum Beispiel einen Autoschlosser, einen Metallingenieur und so weiter?"

Ein alter Herr stand auf. „Ich bin Inhaber einer Reparaturwerkstatt für Autos. Vielleicht kann ich Ihnen helfen. Ich heiße Douglas, William Douglas ..."

„Gut, Mr. Douglas, Wenn es Ihnen nicht zu viel wird und Sie helfen wollen?"

Der alte Herr lächelte bitter. „Sicher, Mr. Duggan, ich will ja leben. In London wartet die Hochzeit meines Sohnes auf mich. Die wollte ich noch mitmachen."

„Okay, dann kommen Sie!"

Der Co-Pilot tauchte aus der Cockpit auf. Er hielt einen Zettel in der Hand.

„Ich habe Ihnen eine wichtige Mitteilung zu machen, rief er. „Ab sofort untersteht diese Maschine dem Kommando der Flugsicherung der USA. Für die navigatorische Leitung der Maschine wurde unserem Flugkapitän Brewster das Kommando übertragen. Für sämtliche übrige Aufgaben wurde Mr. Duggan das Kommando übertragen, so dass nach den Gesetzen der USA und dem international geltenden Recht an Bord von Schiffen und Flugzeugen jedermann die Befehle des Flugkapitäns und hier auch von Mr. Duggan als Bevollmächtigten zu befolgen hat. Wer es nicht tut, kann in Fesseln gelegt werden. Wer sich weigert, wird sich vor einem ordentlichen Gericht wegen unterlassener Hilfeleistung zu verantworten haben. — Ich danke Ihnen. Und schon war er wieder vorn.

Archibald Duggan nickte und sagte: „Okay, aber wir alle wissen ja selbst, dass es nur mit Vernunft geht. Mr. Lewis und Mr. Douglas, gehen Sie nach unten und sehen Sie sich die Geschichte erst einmal an. Wir haben nicht sehr viel Zeit, aber sicher werden Sie einen Weg finden. — Steward, haben wir achtern so etwas wie einen Ruheraum?"

„Ja, es sind vier Liegen dort und ..."

Archibald Duggan sah auf die beiden Frauen, die Kinder neben sich hatten.

„Madam, wandte er sich an die eine, „gehen Sie nach hinten mit dem Kind! Es wird für Sie besser sein. Das Kind kann dort liegen. — Und Sie auch, Madam, bat er die andere.

Die Frauen gehorchten widerspruchslos. Ihre Kinder, das eine ein vierjähriger Junge, das andere ein Mädchen von etwa neun Jahren, sahen Archibald Duggan ängstlich an.

Indessen waren Lewis und der alte Douglas in den Gepäckraum geklettert. Kurz darauf tauchte Lewis wieder auf.

„Ich muss auch sehen, wo die Verteiler sind — und vor allem die Sicherungskästen. „Augenblick, sagte Archibald, „das machen wir anders. Kommen Sie mit! Sie gingen nach vorn. Eine ältere Frau wollte Archibald am Ärmel festhalten und fragte mit zitternder Stimme: „Werden Sie es schaffen? Werden wir landen können?

„Wir tun, was wir können, Oma, erwiderte Lewis grinsend. „Sie werden ganz sicher bald wieder unten sein, Muttchen.

Die alte Dame nickte erleichtert. „Es ist ja nur wegen meines Mannes. Er ist immer so hilflos. Schon zwei Schlaganfälle ..., und er ist über achtzig."

„Wir geben uns die größte Mühe, Muttchen", sagte Lewis.

Als Archibald ihn so von der Seite ansah, fiel ihm etwas an Lewis auf. Aber er schwieg. Sie gingen in die Cockpit.

Archibald wandte sich an den Funker. „Passen Sie auf! Wir müssen in ständigem Kontakt mit einem Flugzeugingenieur sein. Einer, der diesen Typ von Maschine ganz genau kennt. Mr. Lewis wird selbst mit ihm sprechen und sich anhören, was er tun muss. Stellen Sie bitte die Verbindung her!"

Der Funker ging sofort auf Sendung, aber es dauerte lange, fast zehn Minuten, ehe man unten sagen konnte, dass ein solcher Ingenieur herangeholt werde.

„Wie sieht es mit dem Sprit aus, Mr. Brewster?", fragte Archibald den Kapitän.

Brewster nahm die Kopfhörer ab und wandte sich zu Archibald Duggan um.

„Es ist einmalig, aber man muss alles mal mitmachen. Wir fliegen wie ein Satellit mit festem Kurs. Wenn nichts dazwischenkommt, werden wir ziemlich genau über den Pol fliegen und — falls der Kurs bleibt — irgendwo in der westlichen Sowjetunion notlanden müssen. Denn bis dahin höchstens reicht noch der Sprit."

„Versuchen Sie mit Motorenhilfe zu navigieren?"

„Wir haben nicht zu viele Möglichkeiten. Es herrscht starke Westdrift. Ich muss ohnehin die Backborddüsen etwas gedrosselter halten als die an Steuerbord. Wir könnten höchstens versuchen, die Maschine allmählich zu wenden und ..."

„Und?"

„Kurz nach unserem Start ist ein Tief vor der Ostküste der USA aufgezogen. Es breitet sich zu einem Sturmtief aus. Die Wettermeldungen über den Bereich vor uns sind jedoch sehr gut. Ich weiß nicht, ob wir uns ein Tief leisten können. Wir haben dazu nicht genug Höhe, eigentlich haben wir sogar wieder etwas verloren und fliegen mit achttausend Fuß. Mehr wäre besser. Sämtliche Höhenruder sind nun ausgefallen. Sie halten sich zum Glück noch starr."

„Gibt es eine Handbedienung?"

„Bei diesen Maschinen nicht mehr. Die alte Dakota hatte so etwas noch. Aber hier ... nein. Man würde diese Ruder mit Handkraft auch keinen Zoll weit bewegen können."

Archibald Duggan wollte noch etwas fragen, aber der Funker hatte jetzt den Ingenieur von der Bodenstation auf dem Funkstrahl. Lewis übernahm den zweiten Hörer mit Kehlkopfmikrophon und begann ganz präzise zu schildern, was er gesehen hatte. Dann schwieg er lange und machte sich Notizen. Während er noch schrieb, war sich Archibald Duggan klar darüber, woher er Lewis kannte. Sicher hieß der Mann gar nicht Lewis. Vermutlich besaß er auch falsche Papiere. Aber Archibald Duggan wusste auch, dass Lewis tatsächlich einmal Elektroingenieur bei einer großen Spezialfabrik für Banksafes gewesen war. Danach, und auch dessen entsann sich Archibald, war Lewis mit seinem Spezialwissen zur „Konkurrenz übergewechselt, zu den Safeknackern. Er war Engländer, der ehemalige Safekonstrukteur Lewis, und in England nennt man einen Safeknacker „Peterman. Peterman Lewis befand sich also in dieser Maschine. Seine Begleitung passte zu dem Bild, das sich Archibald von Lewis machen konnte. Vielleicht hatten sie gar einen Coup in den Staaten gelandet und waren auf dem Heimflug. Aber wie es auch sein mochte, jetzt brauchte Archibald diesen Mann, jetzt brauchten neunundsiebzig Menschen das Wissen des begabten, aber leider verkommenen Ingenieurs.

Fast zwanzig Minuten lang war Lewis in ständiger Verbindung mit dem Ingenieur der Bodenstation, schrieb, lief auch einmal nach hinten, kam wieder und setzte die Unterhaltung fort. Dann war er soweit.

„Es gibt wirklich eine Chance, Mr. Duggan, sagt er zu Archibald. Er setzte sich die Kopfhörer ab und reichte sie dem sprachlos dreinblickenden Funker. „Unsere Chance, fuhr Lewis fort, „ist beschränkt auf Höhen und Seitenleitwerk. Kriegen wir dazu die Leitungen und die Hydraulik flott, ist alles soweit okay. Eines aber gelingt uns bestimmt nicht: das Fahrwerk klar zu machen. Man kann nur von außen an den Mechanismus herankommen. Eine Bauchlandung ist also unvermeidlich. Wenn wir es zeitlich schaffen. Der Kollege dort unten spricht von mindestens zehn Stunden. Wenn nichts dazwischenkommt und wir keinen Fehler machen ..."

Brewster wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Ich sehe schwarz, murmelte er. „Wenn nur wenigstens das Höhenruder flott wird.

Lewis nickte. „Es sind die grünweißen Kabel. Und gerade die sind am meisten zerstört. Man kommt auch sehr schlecht heran. Es kann passieren, dass infolge eines Kontaktes eine gegenteilige Reaktion entsteht. Also: wenn wir beim Anschließen der Drahtenden einen Kontakt auslösen, könnte — so sagt der Mann unten — ein Leitwerk plötzlich nach oben oder unten einschlagen. Ich könnte den Strom unterbrechen, aber derselbe Strom ist für die Treibstoffpumpen nötig. An die Stelle, wo allein die Kabel für die Steuerung abgehen, komme ich von hier aus nicht heran."

Brewsters Miene verdüsterte sich zusehends.

„Ich drehe mit Hilfe der Motoren bei. Wenn wir schon notlanden, dann wenigstens nicht auf dem Packeis."

„Wasser ist so hart wie Beton, egal, wo wir landen", meinte der Co-Pilot.

„Ja, aus der Höhe immer, stimmte Brewster zu. „Trotzdem drehen wir bei.

„Aye, Sir", brummte Hansen und setzte sich auf seinen Platz.

Während des vorsichtigen Manövers, bei dem die Backbordmotoren gedrosselt und die von Steuerbord auf volle Drehzahl gebracht wurden, ging Archibald mit Lewis zurück.

In der Passagierkabine erwartete ihn eine Überraschung: Commander Suchard stand mitten im Gang und vertrat Archibald den Weg. Suchard hielt beide Hände in den Jackentaschen, sah Archibald abschätzend an und sagte scharf: „Sie sind meinetwegen hier, nicht wahr? Eigentlich hätte ich es mir denken sollen. Ich ..."

Archibald ging auf Suchard zu, der mindestens einen halben Kopf größer war als er.

„Gehen Sie auf Ihren Platz, über solche Dinge reden wir später!", befahl er ihm.

Der Commander im grauen Anzug schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Nein, Mr. Duggan, mich bekommen Sie nicht jetzt und auch nicht später. Da!"

Archibald sah, wie Suchards rechte Hand sich in der Tasche bewegte. Er schlug mit der flachen Linken blitzschnell danach, packte mit der Rechten Suchard am Kragen und riss ihn nach vorn.

Suchard drückte die Pistole dennoch ab. Aber bei der Navy lernte man offenbar solche Dinge nicht, die Archibald Duggan Hunderte von Malen hatte üben müssen. Der Schuss konnte Archibald nicht mehr treffen. Und da Suchard nach vorn gerissen wurde, schoss er sich selbst durch die Jackentasche hindurch in die Brust. Er schrie auf, röchelte und sah Archibald fassungslos an. Auf seinem Hemd breitete sich ein dunkler, roter Fleck aus. Archibald hielt den Mann noch immer am Kragen, und als er ihn losließ, sank Suchard mit glasigen Augen zusammen.

Die alte Dame, die sich vorhin um ihren gelähmten Mann gesorgt hatte, presste vor Schreck beide Hände auf den Mund. Ein dicker Geschäftsmann im auffällig gemusterten Sakko stöhnte leise und sah wie gebannt auf Suchard, der jetzt vor Duggan lag und sich nicht mehr bewegte.

Archibald nahm Suchard die 6.35er aus der verkrampften rechten Hand. Dann beugte er sich über den Verräter.

Die Ärztin kam und kniete sich neben Archibald. Sie untersuchte Suchard und hielt ihm das Stethoskop an die Brust. Als sie aufsah, schüttelte sie den Kopf.

„Aus", sagte sie leise.

„Ich hätte Ihnen keine Chance mehr gegeben, Mr. Duggan, sagte Lewis, der noch immer wie angenagelt hinter Archibald stand. „Was ist das denn für einer?

Archibald antwortete nicht, sondern blickte nur auf den blonden Mann mit Schnurrbart und dunkler Brille, der scheinbar teilnahmslos ein paar Reihen weiter hinten saß. Dieser Blonde zeigte etwas zu wenig Interesse. Alle anderen Passagiere verrenkten sich die Hälse, aber sie blieben auf die Mahnung des Stewards hin auf ihren Plätzen. Der Blonde sah zum Fenster hinaus.

Archibald lächelte bitter. Dann ging er kurz entschlossen zu jenem Blonden hin, der ihn scheinbar verwundert ansah.

„Ich glaube, jetzt ist auch Ihr Auftrag beendet, Mister, nicht wahr? Ohne die Reaktion des Mannes abzuwarten, richtete sich Archibald auf und sagte: „Mr. Lewis, verlieren Sie keine Zeit! — Steward, wir beide werden den Toten wegschaffen. Wohin am besten?

„Ganz hinten ist noch Platz ..."

Die Boeing 707 war nicht mehr allein. Zwei US-Suchflugzeuge begleiteten sie. Es waren Militärmaschinen vom Typ B 47. Aber was nutzte es. Sie würden höchstens schnellen Alarm geben können, wenn die Boeing irgendwo abstürzte.

5

Indessen arbeiteten Lewis, Douglas und der Co-Pilot wie besessen an dem Schaden. Archibald war wieder vorn in dem Cockpit und gab einen Funkspruch durch, der prompt beantwortet wurde. So erfuhr Archibald über Lewis, Herold und den dritten Mann namens McGhee, dass die drei eine Bank in St. Cloud/Minnesota geknackt hatten. Natürlich eine Bank, die einen Safe aus jener Fabrik besaß, der Lewis vor Jahren einmal angehört hatte. Vielleicht war dieser Safe sogar seine eigene Konstruktion.

Das FBI hatte nur die Beschreibung der Männer, aber die traf haarklein auf Lewis, Herold und McGhee zu. Wie das FBI weiter durchgab, hatten die drei eine Beute von 700 000 Dollar gemacht. Archibald Duggan wurde aufgefordert, die drei sofort festzunehmen.

Die Antwort Archibalds war eindeutig: „Festnahme jetzt unmöglich. Lewis einziger Fachmann, der Maschine und Passagiere retten kann."

Sollen sie ihn nachher schnappen, dachte Duggan. Jetzt durfte Lewis nichts erfahren, sonst war womöglich alles aus.

Jetzt war die Boeing eine weitere gute halbe Stunde in der Luft, seit Lewis mit Douglas angefangen hatte, an den Kabeln zu arbeiten. In der Passagierkabine herrschte zur Zeit Ruhe. Die Stewardess und eine bezaubernde junge Frau, die Archibald jetzt erst auffiel, unterhielten die Fluggäste mit Anekdoten.

Der Blonde mit dem Schnurrbart, der sich vorhin noch so sehr für Commander Suchard interessiert hatte, wandte nun sein ganzes Interesse dem kastanienbraun gelockten Engel zu. Die gewiss nicht hässliche Stewardess wirkte gegen diese Schönheit wie ein Dorftrampel.

Die anderen schienen schon ihren Namen zu kennen. Eben rief der Blonde ihr zu: „Miss Hester, noch eine Geschichte!" Die anderen stimmten zu und klatschten. Wie es schien, hatten sie ihre Angst für ein paar Minuten vergessen. Archibald war den beiden Damen sehr dankbar.

Die Situation war grotesk. Keiner an Bord wusste, ob er je wieder lebend auf die Erde zurückkehren würde. Niemand konnte ermessen, was sich schon in den nächsten Minuten abspielen mochte. Aber sie schienen das im Augenblick alle vergessen zu haben. Wie gebannt sahen sie zu der jungen hübschen Frau mit dem rassigen Gesicht hinüber, lauschten ihrer dunklen Stimme.

Miss Hester heißt sie also, dachte Archibald und warf einen kurzen Blick auf Bovery, der neben Herold saß und aus stark geröteten Augen zu Miss Hester hinsah. Herold, der Boxer, taxierte Miss Hesters Beine mit Kennermiene.

Er heißt tatsächlich Herold, dachte Archibald. Dass er sich mit seinem richtigen Namen in die Staaten gewagt hat! Acht Vorstrafen, dreimal Zuchthaus, immer große Sachen. Damals nach dem Postraub in England hatten sie ihn auch im Verdacht, aber er besaß ein Alibi. Es musste wohl echt gewesen sein, sonst wäre er nicht zu diesem Coup in die Staaten geflogen. Siebenhundert Mille. Ein schöner Batzen Geld, aber wo mochten sie es haben? Bestimmt nicht bei sich. Das würde auffallen. Ich muss auch herausfinden, wo sie das Geld versteckt haben. Später, wenn wir das hier hinter uns haben. Und der Blonde ... Archibald Duggan sah zu dem Blonden hin, der von Miss Hesters Anblick fasziniert zu sein schien.

Dich muss ich auch noch kämmen, mein Junge, dachte Archibald und fixierte den Blonden. Ob er von den Russen kommt?, fragte er sich. Oder vielleicht vom englischen Secret Service? Die fummeln uns ja auch immer dazwischen.

Archibald kletterte nach unten in den Gepäckraum. Lewis und Douglas lagen nebeneinander auf dem Bauch, die Batterielampe strahlte auf ein Gewirr von bunten Kabeln.

„Okay?", fragte Archibald.

„Wir tun, was wir können."

Die Begleitmaschinen waren außer Sicht. Sie konnten sich wegen der Schlechtwetterlage nicht noch näher an der Boeing halten. Und die Boeing verlor ständig an Höhe. Eine der beiden Backborddüsen leistete zu wenig. Um nicht wegen der blockierten Steuerung im Kreise zu fliegen, musste Brewster auch die Steuerborddüsen drosseln. Dadurch verlor die Maschine an Tempo und auch an Höhe. Höhe aber hätte sie jetzt dringend nötig gehabt, um über den Sturm hinwegzufliegen. Als Brewster versuchte, sich kreiselförmig nach oben zu schrauben, setzte die äußere Steuerborddüse aus. Nun rechnete Brewster jeden Augenblick damit, dass die anderen Aggregate ebenfalls ausfielen. Das hätte den Absturz zur Folge gehabt. Diesen schweren Vogel konnte man nicht segeln wie eine Dakota. Der fiel wie ein Stein vom Himmel, wenn der Antrieb wegblieb.

Brewster drosselte die Motoren, damit die Maschine in der Luft gehalten wurde. Doch damit sackte sie noch mehr ab und geriet in wilde Böen, die an dem schweren Koloss rüttelten und schüttelten.

Die Flughöhe lag jetzt bei zweitausend Fuß. Das war verflucht niedrig. Position dicht vor der Küste von Florida, etwa bei West Palm Beach. Brewster versuchte, mit Südkurs aus dem Tief zu kommen. Vielleicht würde der Sprit reichen, vielleicht hatte schon nach ein paar Sekunden alles ein Ende.

Die Nadeln der vier Tankanzeiger blockierten bei halbvoll. Sie zitterten, aber sie zeigten nicht an. Irgendetwas stimmte nicht. Doch es sollte bald noch schlimmer kommen.

„Sie verstehen mich nicht!, sagte der Funker. „Ich kann sie prächtig hören, aber mich verstehen sie nicht mehr!

„Verdammt, und was sagen sie?", fragte Brewster.

„Sie müssen wegen des Sturmes die beiden Militärmaschinen weiter zurückziehen. Und nun haben sie auch Schwierigkeiten mit dem Radar. Der Sturm bringt ihnen alles durcheinander. Aber noch haben sie uns gut im Bild. Diese Spaßvögel! Sie sagen, wir sollen mehr auf Höhe gehen."

„Wir haben nur noch 1500 Fuß. Wenn es so weitergeht, sind wir gleich unten, das ist so sicher wie der morgige Tag", meinte Hansen.

„Sie verlieren uns aus dem Radar, weil wir so tief sind. Verdammt, sie müssen uns schon verloren haben. Und jetzt ... hallo! Key West, bitte melden! Key West ... Jetzt höre ich sie auch nicht mehr. Alles ist tot ... der Apparat hat keinen Strom mehr."

„Teufel! Das Flugzeug reagiert wieder aufs Höhenruder! Es geht mit!, rief Brewster und sah Archibald an. „Duggan, sehen Sie, was die hinten gemacht haben. Jetzt haben wir eine winzig kleine Chance, wenigstens eine Notlandung zu versuchen. Sehen Sie nach, Duggan, damit wir den günstigsten Moment nicht verpassen!

Archibald ging rasch nach hinten und kletterte hinunter zu Lewis und Douglas, die beide im Schein der Lampe emsig arbeiteten. Lewis sah sich um.

„Das Höhenleitwerk müsste jetzt gehen", sagte er.

„Es geht. Und das Seitenleitwerk?"

„Wir schaffen es bald. Zehn Minuten, zwanzig Minuten. Wie sieht es vorn aus?"

„Gut, ich denke, dass alles klappen wird", log Archibald.

Lewis zuckte die Schultern. „Duggan, die Kiste fliegt sehr unruhig. Wir müssen in einem

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