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Chimica Mala: Die Rache des Chemikers

Chimica Mala: Die Rache des Chemikers

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Chimica Mala: Die Rache des Chemikers

Bewertungen:
5/5 (1 Bewertung)
Länge:
173 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Sept. 2016
ISBN:
9783739669915
Format:
Buch

Beschreibung

Ein geächteter Manager verbrennt sich auf dem Hof des Konzerns, eine Vorgesetzte erstickt in ihrer Wohnung, eine weitere erhängt sich, ein anderer endet bei einem Unfall in einem Schwefelsäurebad.
Manuel ist neu in der Chemiefirma. Durch Zufall findet er die Spur, die zum Täter führt. Schließlich gerät auch er in Gefahr.
Ein Ausflug in die Welt der chemischen Industrie, in der die Menschen immer noch die größere Gefahr darstellen als die Chemie selbst.
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Sept. 2016
ISBN:
9783739669915
Format:
Buch

Über den Autor


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Chimica Mala - Martin D. Mohr

Chimica Mala

die Rache des Chemikers 

Die Nebenreaktion I

Vor einigen Wochen:

Es war ein gelungener Schlag. Der Golfball flog im hohen Bogen über die Bunker hinweg und landete auf flachem Grün fast direkt neben Loch 8.

„Bravo! applaudierte ein älterer, fülliger Herr in modischer Golfsportbekleidung, „Das war ein hervorragender Schlag, Karl!

Karl von Münchenstein, ein schlanker Mann mittleren Alters lächelte bescheiden. Er fuhr sich mit der Linken durch die schon grauen Haare und nickte dem älteren Herrn dankbar zu.

„Ich habe Dich nur beobachtet und imitiert, David."

Der Golfplatz war doppelt so groß geworden, seit man den Stadtpark in die Vorstadt verlegt hatte. Nur ausgesuchte Mitglieder hatten Befugnis hier im Grünen auszuspannen. Wer Mitglied werden wollte, musste einen Mentor vorweisen, der für ihn um Aufnahme warb. Nicht jedem war es vergönnt vom Kreis der Ausgesuchten akzeptiert zu werden. Vor einigen Jahren hatte es der ehemalige Konzernleiter von Chem&Nova versucht. Aber er hatte niemanden gefunden, der ihn vorgestellt hätte – also keine Chance. Sein Nachfolger war wesentlich erfolgreicher gewesen. Er hatte schnell einen Fürsprecher finden können, sein Netz genutzt und wie David gerade erkennen musste sein Golfspiel wesentlich verbessert.

Chem&Nova war als altes Traditionsunternehmen - würdig genug, um beim Golfclub vertreten zu sein. Die Mitglieder, die dieser Konzern einbrachte, leisteten wertvolle Arbeit für die verschworene Gemeinschaft.

„Ein Hoch auf unser Netzwerk", dachte David.

Während beide Männer dem Loch 8 entgegenschlenderten, bemerkte David quasi im Nebenbei: „Karl, bei Euch will ein gewisser Manuel Sopher in der Analytik beginnen. Balz – äh – Balthasar Anders hat bei mir nachgefragt. Ich habe nichts negatives über diesen Bewerber in Erfahrung bringen können. Er scheint in Ordnung zu sein."

Von Münchenstein hob die Augenbrauen.

„Um solche Dinge kümmern wir uns eigentlich nicht. Wo kommen wir hin, wenn wir uns um jeden Mitarbeiter von Chem&Nova kümmern würden. David, ich bin Konzernleiter! Aber wenn Balz so viel Wert darauf legt, richte ich es ihm aus."

Sie näherten sich Loch 8 und von Münchenstein suchte sich einen Putter aus. Er visierte an – es war kein Problem den Ball jetzt noch ins Loch zu bekommen. Nur wenige Zentimeter trennten ihn vom Ziel. Er holte ganz sachte aus...

„Wie geht es eigentlich der entzückenden Frekja?" fragte David und registrierte mit einem tückischem Lächeln, dass der Ball das Loch verfehlte.

Von Münchenstein blickte ärgerlich auf. Er sollte es langsam wissen, dass David mit allen Mitteln Golf zu spielen pflegte.

„Sie ist fix und fertig, antwortete er dumpf, „Seit dieser Hans Zimmermann sie begrapscht hat, kann sie sich nicht mehr beruhigen.

„Was habt ihr mit diesem Zimmermann vor? Nein, mach nur den nächsten Schlag – ich bin sowieso fertig."

„Er bekam eine Fristlose – natürlich."

„Und wer hat nun seine Stelle als Marketingleiter?"

„Noch nicht besetzt."

Von Münchenstein versuchte sich auf den Schlag zu konzentrieren. Diesmal trennte ihn ein ganzer Meter vom Loch.

„Gib Frekja die Position."

Von Münchenstein blickte auf: „Warum? Zum Trost?"

„Sie hat es verdient", antwortete David mit einem Zwinkern, das der Konzernleiter von Chem&Nova nicht richtig deuten konnte.

„Im Gegenzug zu meinem weisen Rat könntest Du Jakob Jiper, deinen Finanzchef, etwas unter die Arme greifen. Er wäre eine gute Partie in der Konzernleitung. Nicht wahr, Karl?"

„Ich weiss nicht, er war damals in den peinlichen Fall mit der Explosion verwickelt. Wir hatten zwei Tote. Dumme Sache."

„Aber die Staatsanwaltschaft hat ihn von jeder Schuld freigesprochen, Karl. Du weisst doch, dass dieser Chemiker – wie hiess er noch - Jens - egal. Dieser Chemiker war einfach zu ungeduldig und hatte die Produktion unnötig beschleunigt. Es ist ganz richtig, dass er ins Gefängnis ging. Schliesslich sind zwei Mitarbeiter tot."

David schwang seinen Golfschläger, um einen fiktiven Ball abzufeuern.

„Ach ja, der Herr Staatsanwalt lässt Dich grüssen", fügte David hinzu.

„Wie geht es Kai?"

„Er kommt erst nächste Woche wieder her. Muss sich noch um seinen Fuss kümmern. A propos ‚kümmern‘: kümmere Du Dich um Köbi."

„Wen mache ich dann zum Finanzleiter?" fragte von Münchenstein.

„Da wird sich schon jemand finden, grinste David, „Ach ja, wann wolltest Du meinen Hubschrauber mieten?

„Nicht den Hubschrauber, den Jet."

David tat überrascht. „Ach so ja, dann den Jet. Zum üblichen Preis?"

„Kein Problem, jetzt bitte Ruhe ich muss mich konzentrieren."

David verstummte immer noch mit einem boshaften Lächeln auf den Lippen.

Von Münchenstein schlug ab und der Ball landete endlich im Loch.

„Meinen Glückwunsch, Karl! rief David aus, „Ach ja und dieser Hans Zimmermann. Dem geben wir eine Lektion. Ich habe schon etwas in die Wege geleitet. Besser, dass Du nichts davon weißt. Ich kümmere mich um ihn.

Von Münchenstein nahm seinen Ball zu sich und nickte dem älteren Herrn dankend zu.

„Heute wirst Du wieder gewinnen, David."

„Ist doch klar, ich habe auch etwas mehr Übung als Du. Schliesslich bin ich schon seit 20 Jahren Konzernleiter meiner SalutemArtis."

Gemütlich schlenderten die beiden Herren weiter. David war zwar nicht mehr zu schlagen, aber Karl von Münchenstein wusste aus Erfahrung wie wichtig diese Treffen mit ihm und den anderen Herren des Clubs waren. Netzwerken war alles!

Mit einem Ende beginnt alles

(Phosphor, Natrium, Magnesium, Petroleum)

Schwarze Wolken hüllten das Gelände des Chemieunternehmens ein. Schornsteine und Destillationstürme ragten bedrohlich in die Höhe, als könnten ihnen die Rauchschwaden nichts anhaben. Der giftige Rauch zog an dicken Rohren vorbei zum marmorweißen Gebäude der Konzernleitung und färbte die blank polierte Fassade grau. Es war von einem renommierten Architekten gebaut worden und die Kosten kamen dem Turm von Babylon gleich. Der beste Carrara Marmor war verwendet worden und sollte an die Anfangsjahre des stolzen Konzerns erinnern, indem kunstvolle Steinmetzarbeiten angebracht waren, so wie es in der Gründerzeit üblich gewesen war.

Auf dem Marmor ragten Glasaufbauten in Form eines riesigen Dodekaeders empor und symbolisierten die moderne Zeit. An den geschlossenen Fenstern standen Menschen, die entsetzt auf die Szene im Hof starrten. Auch aus den anderen Gebäuden blickten erschütterte Gestalten hinaus. Im Vergleich zu diesem Tempel der Macht wirkten die anderen Gebäude eher schäbig oder besser gesagt sie waren für einen Chemiekonzern zweckmäßiger erbaut worden. Alte Backsteinbauten mit Büros, ältere und neuere Laborgebäude, deren Fassaden reich an Blech und Glas waren, und die Produktionsgebäude, bei denen die Erbauer die Außenwände vergessen zu haben schienen. Tatsächlich waren bei modernen Produktionsgebäuden keine Außenwände nötig, weshalb sie irgendwie nackt aussahen. Die Eingeweide standen offen für jedermann sichtbar: Rohre, Kessel, Ventile, Förderpumpen, Steuereinheiten, et cetera, et cetera. Aber an diesem Tag interessierte sich niemand für das Gedärm eines Chemieprotzes. Die Augen aller waren auf den Hof gerichtet. Die Zeit schien still zu stehen. Selbst an den drei Fahnenmasten hing das Firmenlogo nur in Form von traurigen Stofffetzen schlapp herunter.

Die firmeneigene Feuerwehr war schnell vor Ort gewesen und kämpfte die Flammen nieder. Das düstere Schwarz mischte sich mit dem Feuerschein und den lustig tanzenden blauen Lichtern der roten Laster. Die Männer verstanden nicht sofort, warum das Feuer immer wieder aufflammte, obwohl es gerade gelöscht worden war. Es mussten Chemikalien im Spiel sein, die sich immer wieder von selbst entzündeten. Sie vermuteten weißen Phosphor und elementares Natrium – Substanzen, mit denen man besser nicht herumspielte. Ersteres war hochgiftig und es bestand die Gefahr, dass es sich in den Ritzen und Nischen des Hofes festsetzte, um dort weiterzuglühen. Der zweite Stoff war hochreaktiv und hatte die Fähigkeit mit dem Löschwasser heftig zu reagieren.

Dem Menschen, der in der Mitte des Infernos lag, konnten sie nicht mehr helfen. Er war nur noch ein Stück Kohle inmitten des feurigen Spektakels. Es war das Ende eines Mannes, der betrogen worden war. Hatte er der Firma jahrelang treu gedient, so war er plötzlich ausgestoßen worden – ein Aussätziger im eigenen Leben. Kollegen, Freunde, ja gar seine Frau hatten ihn geächtet. Dabei hatte er sich nichts zu Schulden kommen lassen. Vielleicht nur eines: Er war einer Kollegin im Weg gestanden und ohne es zu wollen ihre steile Karriere behindert. Sie hatte ihn verleumdet, belastet und wie Müll zur Seite geräumt. Ihre Anschuldigung war so ungeheuer gewesen, dass sich seine Frau scheiden ließ und sich selbst seine Kinder von ihm abwandten. Durch die Scheidung hatte er Haus und Vermögen verloren. Aber nicht die materiellen Dinge hatten ihn zerstört. Es hatte ihn geschmerzt zusehen zu müssen, wie Frau und Kinder gegen ihn aufgehetzt worden waren. Wie sie Opfer von Manipulation und Intrigen geworden waren, ohne dass jemand etwas hätte dagegen tun können. Es quälte ihn auch die Verachtung, die Respektlosigkeit, die Hilflosigkeit und schliesslich die Einsamkeit – selbst sein Hund war vergiftet worden. Kaum noch jemand wagte es sich mit ihm zu zeigen – nur wenige Freunde waren geblieben und davon traute sich nur ein Einziger mit ihm in der Öffentlichkeit aufzutreten. Fast alle blickten verschämt zur Seite, wenn er auftauchte. Der Raum wurde von einer unerträglich lauten Stille erfüllt, so dass er sich gezwungen sah, zu gehen. Dabei wusste er, dass viele Kollegen die ungeheure Anklage bezweifelten, und doch blieb ein Schandfleck an ihm haften, so dass man Abstand zu ihm hielt. Nun waren sein Leid, seine Schmerzen und sein Leben in Rauch aufgegangen.

Vom Flammenmeer führte eine Feuerspur den Platz entlang. Der Noteinsatz glaubte, dass das Brandmittel quer über den Platz verschüttet wurde. Sie konnten sich aber keinen Reim darauf machen.

Schließlich deckten sie den Ort mit Sand zu, bis auch der letzte Funke erloschen war. Bedrückt machten sich einige an die Arbeit, den Platz wieder zu säubern. Der Sand musste entsorgt werden, vermuteten sie doch jede Menge Phosphor darin. Andere fluchten leise ob dieser Sauerei.

Der Aufsichtsrat hatte seine Sitzung in dem riesigen Dodekaeder unterbrochen und stand wie alle anderen Mitarbeiter an den Fenstern. Schweigend blickten sie auf das Inferno und mit Grauen erkannten sie eine Nachricht, die die Feuerspur neben dem Flammenmeer hinterließ. Auf dem Platz brannte die Spur in Form von Buchstaben, die sich zu einem Wort zusammensetzten – ein Wort, das Jeden erschaudern ließ und das besonders gut vom Hauptgebäude der Firma zu lesen war: Dort unten loderte die Nachricht „Mörder".

Jeder, der fünfzehn Personen im Raum, war sich im klaren, dass schnell gehandelt werden musste. Es musste sofort eine Pressemeldung heraus, deren wichtigster Inhalt die Unschuld der Firma sein musste. Der Unfall war ein persönlicher tragischer Unfall eines verzweifelten Privatmannes. Es musste klargestellt werden, dass dieser arme Mensch diesen Ort nur deshalb gewählt hatte, um an die Chemikalien heranzukommen. Dass er ein Mitarbeiter des Unternehmens war, sollte eher eine nebensächliche Rolle spielen. Die Firma war das Opfer! Das Wort Täter durfte erst gar nicht erscheinen.

Mein Name ist Manuel Sopher (38) und ich bin erst seit wenigen Wochen bei Chem&Nova tätig. Von Beruf bin ich Chemiker – eigentlich Analytiker, eine Art chemischer Detektiv. Schon als Kind fühlte ich mich zu dieser Tätigkeit berufen. Alle Dinge wurden untersucht, auseinandergenommen – wenn auch meist irreversibel – aber dafür gründlich. Ziel war es herauszufinden, wie etwas funktionierte. Egal, ob es ein Wecker, ein Playmobilmännchen oder später ein Mineral war. Natürlich stand bei Steinen nicht die Funktionalität im Vordergrund, sondern hier war die Frage: Was hab ich mir da nach Hause mitgenommen? Konnte ich das Fundstück gefahrlos in meinem Kinderzimmer aufbewahren, oder musste ich einen radioaktiven Strahler in Nachbars Garten entsorgen? Im Schwarzwald konnte man sich nie sicher sein, ob man gerade ein Uranmineral nach Hause geschleppt hatte, wie zum Beispiel die Pechblende oder ein Uranophan mit seinen wunderschönen gelben Kristallen.

Waren im Kinderzimmer die Möglichkeiten noch auf Härte, Bruch, Strichfarbe und Dichte beschränkt – letzteres hatte ich versucht mit einer alten Goldschmiedewaage zu

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