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Farbe bekennen: Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

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Farbe bekennen: Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Länge:
394 Seiten
4 Stunden
Freigegeben:
Feb 13, 2020
ISBN:
9783944666730
Format:
Buch

Beschreibung

"Obwohl wir in der Vereinzelung leben und unsere Hautfarbe in Deutschland als Ausnahme angesehen wird, gibt es sehr viele von uns. Wir sind in irgendeiner deutschen Stadt aufgewachsen, wir arbeiten und leben mit weißen Deutschen zusammen – und doch gelten wir in genau diesem Deutschland als das >immer andere< … " (Katharina Oguntoye)

"Vereinzelung bedeutet, unsichtbar zu sein, leicht übersehen zu werden, alleine kämpfen zu müssen. Es hat lange gebraucht, das zu erkennen, aber wir haben uns entschlossen, FARBE ZU BEKENNEN." (May Ayim)

Ein Dokument des Aufbruchs afro-deutscher Frauen in die Geschichte und zu sich selbst.
"Farbe bekennen war ein Anfang und ist nach wie vor ein aktuelles Handbuch zum Verständnis afrodeutscher Lebensrealitäten sowie ein nützliches Werkzeug zur Vernetzung und Aufklärung." (Katharina Oguntoye)
Freigegeben:
Feb 13, 2020
ISBN:
9783944666730
Format:
Buch

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Farbe bekennen - Orlanda Verlag GmbH

1508.

Rassismus, Sexismus und vorkoloniales Afrikabild in Deutschland

VORKOLONIALES AFRIKABILD, KOLONIALISMUS, FASCHISMUS

Die ersten Afrikaner/innen in Deutschland

Es gibt keine genauen Anhaltspunkte, wann die ersten Afrikaner/-innen nach Deutschland kamen und wann die ersten Afro-Deutschen geboren wurden. In der Literatur tritt das erste »Mischlingskind« bei Parzival in Erscheinung.¹ Aus der Zeit ab dem 12. Jahrhundert sind einige Gemälde erhalten geblieben, auf denen in Deutschland lebende Afrikaner/innen abgebildet sind. Bis weit in das 19. Jahrhundert beschränkten sich die deutschen Kontakte zu Afrika auf finanzielle Handelsbeteiligungen. Besonders die großen Handelshäuser Fugger, Welser und Imhoff finanzierten einige der ersten Flotten, die seit dem Mittelalter unter portugiesischer und spanischer Flagge Handel betrieben.² Über diese Handelsbeziehungen kamen zunächst vor allem Gold, Elfenbein, Gewürze und andere Rohstoffe nach Europa; später wurden zunehmend auch Menschen als »Mitbringsel« nach Europa verschifft, die erhandelt oder als Pfand für die Einhaltung von Vertragsbestimmungen verschleppt wurden. Nach Historiker J. Ki-Zerbo wurden die Menschen damals vor allem deshalb entführt, um zu beweisen, dass man wirklich in Afrika gewesen war und um die Neugier der Landsleute zu befriedigen, die schwarze Menschen zu Gesicht bekommen wollten.³

Ich konnte nirgends Zahlen finden, wie viele Schwarze zur Zeit des Mittelalters in Deutschland lebten. In der Hauptstadt Portugals waren Mitte des 16. Jahrhunderts ein Zehntel der Bevölkerung schwarze Sklaven, und wie in Frankreich und England gehörte es wohl auch in Deutschland – wenn auch weniger verbreitet – zum »guten Ton«, »in seiner Equipage, in seiner Karosse, in seinem Salon und in seinem Pferdestall solch eine exotische Figur zu haben«.

Aus dem 18. Jahrhundert ist der für seine Zeit ungewöhnliche Lebensweg des A.W. Amo überliefert, der 1703 als ein Präsent an den Herzog Anton Ulrich von Wolfenbüttel nach Deutschland gelangte.⁵ Der Ghanaer war ein Geschenk der holländisch-westindischen Gesellschaft, einem der größten Sklavenhandelsunternehmen jener Zeit.⁶ Der Herzog und sein Sohn übernahmen die Patenschaft für Amo und sandten ihn zur Ausbildung auf die damals führende Universität Halle, wo bedeutende Aufklärer lehrten. Für die damalige Zeit war es äußerst ungewöhnlich, dass der Herzog und sein Sohn »den Jungen nicht in eine Dienerlivree steckten und als Prunkspielzeug verwandten«.⁷

Amo wurde einer der bedeutendsten Vertreter der Wolffschen Philosophie, und als Anhänger John Lockes und Descartes’ mechanistischer Philosophie vertrat er den Kampf gegen die alt-lutherischen und pietistischen Klerikalen. Seine erste wissenschaftliche Arbeit befasste sich mit dem »Recht der Mohren« in Europa und wurde 1729 unter dem lateinischen Titel »de jure mauro in Europa« veröffentlicht. Die Arbeit ging später aus ungeklärten Gründen verloren.

Später lehrte er als Dozent an den Universitäten in Halle, Wittenberg und Jena. M. Paeffgen erwähnt, dass Amo von Friedrich Wilhelm I. zum Staatsrat der preußischen Krone am Hof zu Berlin ernannt wurde.

Zur gleichen Zeit gab es einen zweiten Afrikaner, der als »Mohr Peters des Großen« unter dem Namen Ibrahim Petrowitsch Hannibal in Rußland »Karriere« machte, sowie ein Jahrhundert später (1847/48) einen Königssohn, Aquasi Boachi, Prinz von Aschantiland, der als Pfand für ein Vertragsabkommen nach Deutschland gebracht wurde und als erster Afrikaner an der Bergbauakademie Freiberg studierte.

Amo kehrte 1743 nach Ghana zurück, als sich die Rassenideologen immer stärker durchsetzten und er den Angriffen nicht mehr standhalten konnte. In Ghana, der damaligen »Goldküste«, geriet er jedoch bald wieder in die Hände von Sklavenhändlern. Er »war sicher einer der wenigen Afrikaner in Westafrika, die vom schweren Geschick der Sklaven wussten und persönlich betroffen waren. Deshalb veranlasste man ihn, das Fort San Sebastian¹⁰ zu beziehen, in dem er unter Kontrolle der Sklavenjäger war. Er ist bald darauf gestorben und liegt vor dem Fort begraben«.¹¹

Im Mittelalter: »Mohren« und weiße Christen

Die sprachlichen Veränderungen im Gebrauch der Bezeichnungen »Mohr« und »Neger« spiegeln den Wandel der deutschen bzw. europäischen Beziehungen zu Afrika.

»Mohr« ist die älteste deutsche Bezeichnung für Menschen anderer Hautfarbe und diente im Hochmittelalter zur Unterscheidung der schwarzen und weißen Heiden. Mor, aus dem lateinischen Mauri, erhielt seine Prägung durch die Auseinandersetzung zwischen Christen und Moslems in Nordafrika. Physische Andersartigkeit und fremde Glaubensvorstellungen charakterisieren somit diesen Begriff.¹²

Poliakov et. al. machen darauf aufmerksam, dass auf mittelalterlichen Bildern einer der drei heiligen Könige als Schwarzer abgebildet ist und schließen daraus, dass Vorurteile gegen andere zu dieser Zeit noch nicht mit Hautfarbe verbunden waren.¹³ Als weiteren Beleg verweisen sie auf die Vorliebe der Menschen im Mittelalter für phantastische Erzählungen, die im Orient spielten.¹⁴ Es fällt mir schwer zu beurteilen, welche Bedeutung dem beigemessen werden muss, zumal etwa H. Pleticha die Darstellung von Schwarzen in diesen Erzählungen als Fabelwesen zwischen Mensch und Tier kritisiert:

»Sie rangieren auf der Stufe von exotischen Pflanzen und Tieren. Entscheidend dabei, dass ihnen der Hauch des Wilden, Unheimlichen anhaftet«.¹⁵

Eindeutige Hinweise für eine Abwertung der Menschen schwarzer Hautfarbe finden sich im Kirchenvokabular der damaligen Zeit, wo der Begriff Ägypter teilweise als Synonym für Teufel gebraucht wurde.¹⁶ Des weiteren lassen sich in der Literatur einige Quellen finden, wo Menschen mit eigentlich weißer Hautfarbe mit der Schwärze der Mohren belegt wurden, weil sie von den gewünschten Normvorstellungen abwichen. Ein Beispiel hierfür ist die Version der »Iweinlegende«, wie sie Hartmann von Aue um 1200 schrieb (»Was weit ir daz der tore tuo?«). Der »Tor« wird an seinem ganzen Leibe schwarz wie ein »Mor« und verbreitet Schrecken, wo immer er erscheint.¹⁷

In allen Hexenbeschreibungen wurde Schwarz zur Kennzeichnung des Bösen verwandt, aber auch in anderen Zusammenhängen wurde die Andersartigkeit des Weibes/der Frau aus männlicher Sicht oftmals »angeschwärzt«. So wird in Wirnt von Grafenbergs »Wigalois«¹⁸ der Held mit einem weiblichen Monster konfrontiert: Schwarz, hässlich und ohne gute Manieren, ein »ungehuire«.¹⁹ Das gleiche gilt für das folgende anonyme Gedicht aus der Mitte des 13. Jahrhunderts: »Die Sage von Wolfdietrich«

»Ain ungefuge fraw geporn von wilder art,

Ging uff für alle paume: kain grösser wip nie wart Da dacht in sinem synne der edel rytter gut:

»O werder Christ von himel, hab mich in diner hut!«

Zwu ungefuge bruste an irem üb si trug.

»Wem du nu wurst zu taile«, so sprach der rytter klug

»Der hat des tufels muter, das darff ich sprechen wol«.

Ir lip der waz geschaffen noch schwarczer dann ein kol,

Ir nas ging für daz kine, lanck, schwarcz so waz ir har.«²⁰

Die wilde Frau, die aus den Wäldern (»für alle paume«) auf den edlen Ritter zugeht, bedroht diesen durch ihre unermessliche Größe, die durch ihre überdimensionalen (»ungefuge«) Brüste hervorgehoben wird. Der Ritter bittet in seiner Not Gott um Schutz, denn er glaubt an den Lippen, die noch schwärzer sind als Kohle, der Nase, die weit über das Kinn hängt, und den langen schwarzen Haaren die eindeutigen Merkmale der Mutter des Teufels (des »tufels muter«) zu erkennen.

In der christlichen Farbensymbolik verkörpert »schwarz« den Inbegriff des Unerwünschten, somit Hässlichen und Verwerflichen. Religiös motivierte Vorurteile konnten daher schnell dazu führen, im schwarzen Menschen, der/die den eigenen christlich-patriarchalischen Vorstellungen entgegentrat, den Prototyp des »Bösewichts« zu sehen, was sich in der Projektion von schwarzer Hautfarbe auf Weiße (s.o.) ja bereits andeutet. Bis zum 18. Jahrhundert waren Vorurteile gegen Schwarze weitgehend frei von Vorstellungen über die Existenz unterschiedlicher Rassen. Erst im Zeitalter der Aufklärung vollzog sich ein deutlicher Wandel, der mit der raschen Kolonialisierung der afrikanischen Länder südlich der Sahara einherging.

Von »Mohren« zu »Negern«

Im 18. Jahrhundert wurde »Neger« zu einem deutschen Begriff. In Ergänzung und Ablösung der Bezeichnung »Mohr« wurde er zur Beschreibung der Menschen südlich der Sahara verwandt und diente »darüber hinaus zur Bezeichnung der schwarzen Rasse schlechthin.«²¹ Während mit »Mohr« keine Unterscheidung in hellere und dunklere Afrikaner vorgenommen wurde, implizierte die neue Bezeichnung die ideologische Trennung Afrikas in einen weißen und einen schwarzen Erdteil²² mit der zunehmenden Kolonialisierung des Kontinentes. Fanon charakterisiert die Teilung wie folgt:

»Man teilt Afrika in einen weißen und einen schwarzen Teil. Die Ersatzbezeichnungen: Afrika südlich oder nördlich der Sahara, können diesen latenten Rassismus²³ nicht verschleiern. Auf der einen Seite versichert man, dass das Weiße Afrika die Tradition einer tausendjährigen Kultur habe, dass es mediterran sei und Europa fortsetze, dass es an der abendländischen Kultur teilhabe. Das Schwarze Afrika bezeichnet man als eine träge, brutale, unzivilisierte – eine wilde Gegend.«²⁴

»Neger« (aus dem lat. niger=schwarz) wurde im Laufe kolonialer Ausbeutung, Versklavung und Fremdbestimmung zu einem ausgesprochen negativen Etikett. Die Denkweise, die diesem Etikett zugrunde liegt, versuchte körperliche und geistig-kulturelle Eigenschaften miteinander zu verbinden.

Während Carl von Linné, der erste Anthropologe, der die Stellung des Menschen zum Tierreich veranschaulichte, in seinem »Systema naturae« (1837) jahrzehntelang nur somatische Kriterien zur Unterscheidung anführte, wurden in der 10. Auflage seiner Veröffentlichung (1858) erstmals Verbindungen zur Psyche hergestellt:

»In der nun primates genannten Ordnung ist der homo sapiens durch varians cultura, loco gekennzeichnet. Die Schilderung seiner Varietäten bezieht sich jetzt sowohl auf Hautfarbe, Haare, Augen, Nase, wie Körperhaltung, Charakter, Temperament und Geist, als auch auf die Kriterien tegitur und regitur, Kleidung und Sitte.²⁵ Gleichzeitig erhält sie dadurch eine deutliche Wertung, ob es das galligte, cholerische Temperament des Amerikaners, der zu Erfindungen geschickte,… durch Gesetz regierte Europäer, der melancholische …, Pracht, Hoffart und Geld liebende Asier, oder der Afrikaner mit boshafter, fauler und lässiger Gemütsart ist, der durch Willkür regiert wird.«²⁶

Winckelmanns ästhetische Anthropologie orientierte sich in der Typenlehre an den klassischen Schönheitsidealen der Griechen. Er behauptete, Griechenland sei der Ort, wo das gemäßigte Klima den Idealtyp des Menschen hervorgebracht hätte. »Missbildungen« nähmen dementsprechend mit der Entfernung zum klimatisch günstigen Mittelpunkt zu.

»Die gepietschte Nase der Kalmücken, der Chinesen und anderer entlegener Völker ist (…) eine Abweichung: denn sie unterbricht die Einheit der Formen (…). Der aufgeworfene schwülstige Mund, welchen die Mohren mit den Affen in ihrem Lande gemeinsam haben, ist ein überflüssiges Gewächs (…), welches die Hitze ihres Klimas verursacht.«²⁷

Mit dem Niedergang des mittelalterlichen Weltbildes, in dem Gott als der unmittelbare Schöpfer alles Seienden angenommen worden war, mehrten sich Diskussionen um Entstehung und Bestimmung des Menschengeschlechts. Zentral wurde die Frage nach einem gemeinsamen oder verschiedenen Ursprung aller Menschen. Waren die Unterschiede zwischen Menschen auf genetische Verschiedenheit oder auf veränderbare Umwelteinflüsse zurückzuführen? George Louis Leclerc, Comte de Buffon, entwarf als erster, ausgehend von anatomischen Kenntnissen, eine vollständige Evolutionstheorie. Er ging von der Einheit des Menschengeschlechts aus und brachte die unterschiedlichen Rassen mit Klimazonen in Verbindung. Bei seinen Überlegungen

»erwog Buffon sehr ernsthaft, ob man Schwarze nicht nach Dänemark verpflanzen und sie von der übrigen Bevölkerung isolieren könne, um festzustellen, wieviele Generationen sie dazu brauchten, bis sie wieder weiß würden, um daraus schließen zu können, wie lange es gedauert habe, bis sie schwarz wurden.«²⁸

Dass er nicht auf den Gedanken kam, Europäer nach Afrika zu senden, um zu sehen, ob sie auf Dauer schwarz würden, mag damit zusammenhängen, dass auch er die »weiße, europäische Rasse als die schönste und beste vor den Rassen der schwarzen, roten und gelben Menschen in Afrika, Amerika und Asien hervorhob.«²⁹

Die sich im Europa des 19. Jahrhunderts durchsetzende Idealvorstellung eines schönen Menschen, der emotionslos, rational und leistungsorientiert sein sollte, orientierte sich an den Bedürfnissen des aufkommenden Industriekapitalismus. Andere Lebensweisen, Kulturformen und Produktionstechniken erfuhren zu dieser Zeit eine ebensolche Abwertung, wie körperliche Ausdrucks- und Erscheinungsformen, die nicht den nüchternen Schönheitsidealen des Klassizismus entsprachen.

»Mit der Gleichsetzung von Zivilisation und Arbeit (die in ihrer eingeschränkten oder modernen Bedeutung als differenzierte Warenproduktion für den individuellen Profit begriffen wird) identifiziert die evolutionistische Anthropologie des ausgehenden 19. Jahrhunderts die Zivilisation mit dem industriellen Abendland und erstellt eine Typologie der Gesellschaft auf der Grundlage ihres jeweiligen technischen Niveaus«³⁰

Das äußere Erscheinungsbild der Afrikaner/innen (insbesondere ihre Hautfarbe) und ihr Leben in Subsistenzwirtschaft³¹ machten sie zum idealtypischen Gegenpart des »schönen«, »modernen« Menschen. Im allgemeinen wurde im 18. Jahrhundert in afrikanischen Menschen die niederste Menschenart gesehen, die noch mit der höchsten Tierart, den Affen, verwandt sein sollte.³² »Die Europäer schienen … im Gegensatz zu den Primitiven, die in einem Zustand rückständiger Unvernunft verharrten, an der Spitze der kulturellen und technologischen Evolution der Menschheit zu stehen.«³³

Aus dieser Haltung heraus wurde im 19. Jahrhundert die Ethnologie als Gegenpol zur Geschichtswissenschaft konzipiert: als Wissenschaft, die sich die »geschichtslosen Völker« zum Gegenstand machte.³⁴

Wenn ethnologisch Reisende Kontakt zu anderen Völkern suchten, standen dabei weniger persönliche Beziehungen im Vordergrund, als das Interesse an abstrakter Beobachtung, Klassifizierung der Menschengruppen und die Sammlung bzw. Aneignung von Kunstgegenständen. Dazu ein Auszug aus den Aufzeichnungen des ethnologisch Reisenden Adolf Bastian:

»Man spricht vielfach vom Aussterben der Naturvölker.

Nicht das physische Aussterben, soweit es vorkommt, fällt ins Gewicht, weil ohnedem von dem allmächtigen Geschichtsgang abhängig, der weder zu hemmen noch abzuwenden ist.

Aber das psychische Aussterben, der Verlust der ethnischen Originalitäten, ehe sie in Literatur und Museen für das Studium gesichert sind –, solcher Verlust bedroht unsere künftigen Induktionsrechnungen mit allerlei Fälschungen und könnte die Möglichkeit selbst einer Menschenwissenschaft in Frage stellen.«³⁵

Andere Menschen waren nur im Hinblick auf die Interessen der eigenen Gruppe von Bedeutung und wurden über diese definiert, bewertet und für »primitiv«

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