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Kirche in Not: Kärnten vor dem Vatikanischen Konzil

Kirche in Not: Kärnten vor dem Vatikanischen Konzil

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Kirche in Not: Kärnten vor dem Vatikanischen Konzil

Länge:
158 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 30, 2020
ISBN:
9783751940283
Format:
Buch

Beschreibung

In Waisach bei Greifenburg im Oberdrautal soll ein aufgelassenes Hieronymitaner-Kloster aus dem Jahre 1746 wiederbelebt werden. Auf der Suche nach historischen Dokumenten entdeckt der Projektentwickler Wilfried Seywald ein Büchlein des Tiroler Priesters und Publizisten Ignaz Schöpf, in dem die desaströsen kirchlichen und sozialen Verhältnisse in der Donau-Monarchie angeprangert werden.

Ignaz Schöpf war von November 1866 bis Februar 1868 als Provisor in Waisach tätig, davor schon in Straßburg und in St. Stefan am Krappfeld. Er schildert in seinem Buch die pastoralen Aufgaben der katholischen Kirche und stellt diesen seine Erlebnisse im Land an der Drau gegenüber – mit Folgen für sich und den ganzen Priesterstand. Eine Einführung zu Beginn zeigt die Zerrissenheit von Kirche und Staat.
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 30, 2020
ISBN:
9783751940283
Format:
Buch

Über den Autor

Dr. Wilfried Seywald, 1961 in Berg im Drautal (Kärnten) geboren, hat in Wien und New York Publizistik und Politologie studiert. Nach Studienabschluss und Ausscheiden aus dem elterlichen Hotelbetreib arbeitet er als außenpolitischer Redakteur. 1991 gründet er die PR-Agentur Temmel, Seywald & Partner in Wien, 1997 die pressetext Nachrichtenagentur mit Büros in Wien, Berlin und Zürich. Er lebt und arbeitet als Journalist, PR-Berater und Medienmacher in Wien.


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Buchvorschau

Kirche in Not - Wilfried Seywald

Dieses Buch ist allen jenen Leserinnen und Lesern

gewidmet, die einen Beitrag zur Neugründung des

Hieronymitaner-Klosters Waisach leisten.

Die kirchlichen Zustände in Österreich

und das allgemeine Konzil in Rom

Von Ignaz Schöpf

Innsbruck.

Verlag der Wagner’schen Universitäts-Buchhandlung

1869

Inhalt

Einführung

*Vorwort oder Entschuldigung.

Die Schule. (März 1866)

Die Schule. (Februar 1867)

Katechetischer Unterricht.

Die Vergiftung der Schuljugend in moralischer und religiöser Beziehung.

Die Pflicht zu predigen.

Der Umgang dieser Pflicht.

Wie wird der Pflicht zu predigen in der Diözese Gurk entsprochen?

Das Bußsakrament.

Wo soll das Bußsakrament gespendet werden?

Wie wird das Sakrament der Buße in der Gurker Diözese gespendet?

Wo wird in der Gurker Diözese fast durchgängig das Sakrament der Buße gespendet?

Letzte Oelung und Kranken-Seelsorge.

Mit welcher Sorgfalt nehmen sich in der Diözese Gurk die Seelsorger der Kranken an?

Das Sakrament der Ehe.

Wie steht es in dieser Beziehung in der Diözese Gurk?

Hat der Klerus in der Diözese Gurk auch eine Schuld an dieser Entheiligung des Sakramentes der Ehe?

Die Eucharistie.

Wie entsprechen die Pfarrgeistlichen in der Diözese Gurk dieser heiligen Aufgabe?

Meine letzten Tage in Kärnten.

Kurze Charakteristik des Klerus in der Diözese Gurk.

Die düstern Zustände in Kärnten.

Bestehen diese unglücklichen kirchlichen Zustände in ganz Oesterreich?

Wer kann da helfen? *

Personenregister

Danksagung

Der Autor

Der Herausgeber

Namens- und Ortsverzeichnis

* Schöpf: Die kirchlichen Zustände, Innsbruck 1869

Inhaltsverzeichnis im Originaltext

Einführung

Man kann das Büchlein über die „kirchlichen Zustände" in Kärnten am Vorabend des Vatikanischen Konzils (1869) als Erlebnisbericht eines unbeugsamen Idealisten lesen. Man kann es auch als Sittenbild eines Landes studieren, das zu den ärmsten der Donaumonarchie zählte. Es kann aber auch als einfache Skizze erläutern, warum sich die römische Kurie und der Papst – mit dem Dogma der Unfehlbarkeit – das Durchgriffsrecht bis in die Landeskirchen hinunter sichern wollte.

Die geschilderten Zustände der Kirche in Kärnten waren nicht wirklich erfreulich, und Ignaz Schöpf kein einfacher Gottesmann. Für seine Oberen in seiner Heimat Tirol ebenso wie in Kärnten war er wohl ein Querulant, Besserwisser und ewiger Kritiker, einer der sich mit den schwierigen pastoralen Gegebenheiten nicht abfinden wollte und hierzu viele Beispiele fand, mit denen er seine Anklage untermauerte. Das brachte ihn fortwährend in Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen mit Kirchenbesuchern und Wirtsleuten ebenso wie mit Priesterkollegen und Kirchenleitungen.

Als mir das Büchlein bei den Recherchen zur Geschichte des Hieronymitanerklosters und Hospiz Waisach bei Greifenburg im Oberdrautal in die Hände fiel, bemerkte ich, dass er ein ziemlich scharfes Auge für die sozialen Verhältnisse der Zeit hatte und so ein schönes Dokument für die Nachwelt hinterließ. Denn bei aller Kritik an den kirchlichen Verhältnissen zeigt das Büchlein auf, wie sehr das Land unter den sozialen Problemen litt, und wie weit verbreitet Armut und Verwahrlosung waren.

Zu Ignaz Schöpfs Kärntner Zeit war Valentin Wiery (1858-1880) Bischof von Gurk, danach folgte Peter Funder (1880-1886), der bereits ab 1865 als Ordinariatskanzler im bischöflichen Palais wirkte. Derselbe Funder wurde 1820 in Waisach geboren und war wohl auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass Schöpfs Hilferufe an das Bischöfliche Ordinariat wirkungslos verhallten – obwohl gerade Schöpf den Priestermangel in Funders Heimatpfarre beheben sollte.

Der anhaltende Priestermangel führte Ignaz Schöpf am 1. Oktober 1865 nach Kärnten. Er trat zunächst eine Konsistorialstelle in Straßburg an, wo er sich ziemlich rasch mit dem Stadtpfarrer überwarf, dem das dogmatische Engagement seines Priesterkollegen aus Tirol missfiel.

Im April 1866 wurde Schöpf als Pfarrprovisor nach St. Stefan im Krappfeld versetzt, das er aufgrund der liederlichen Zustände und moralischen Missstände aber schon im August wieder verließ. Im November 1866 trat er seine dritte und letzte Stelle in Kärnten als Pfarrprovisor von Waisach bei Greifenburg an. Hier residierte er im ehemaligen Hieronymitanerkloster und betreute die Pfarre ebenso wie die Schule, fand Freunde wie Anhänger, die sein Wirken unterstützten.

Doch eine Intrige des örtlichen Gastwirts von Waisach im Verein mit einem missliebigen Förster in der Nachbarschaft, der den ganzen Gemeinderat hinter sich wusste, brachte auch diese Stelle rasch zum Ende. Nach nur 15 Monaten, im Februar 1868, wurde ihm vom bischöflichen Ordinariat (Funder) die Messlizenz entzogen, er selbst der Diözese und des Landes Kärnten verwiesen.

Das Büchlein über „Die kirchlichen Zustände in Österreich und das allgemeine Konzil in Rom" erschien bereits ein Jahr später in Innsbruck und wurde zum Skandal, Schöpf in den Tages- und Wochenzeitungen des Landes zum Vorkämpfer der reinen Kirchenlehre hochstilisiert. Doch diese Berühmtheit sollte später dazu führen, dass Schöpf auch in seiner neuen Stelle in Telfes im Stubaital schwer verunglimpft wurde und zuletzt – als Gegner des päpstlichen Dogmas und wegen seiner Abkehr von der katholischen Kirche (als Altkatholik) – exkommuniziert wurde.

Kärnten nach der Reformation

Kärnten war schon nach der Reformation ein blinder Fleck für die katholische Kirche und die herrschenden Habsburger. Noch im 18. Jahrhundert installierte Kaiserin Maria Theresia mehrere Missionsstationen (u. a. Waisach, Baldramsdorf und Innerteuchen), um die abgefallenen „Akatholiken" zurückzuholen. Viele davon waren protestanisch, aber noch mehr hatten gar keinen Bezug zum Glauben, da die kirchliche Seelsorge in den dünn besiedelten Seitentälern sehr vernachlässigt wurde. Die herbeigerufenen Ordensbrüder erhielten so die Aufgabe, die ihnen anvertrauten Schäfchen auf den rechten Weg zu führen, was allerdings oft nur zum Bespitzeln und Diffamieren von einzelnen Familien führte und damit das Misstrauen der ganzen Bevölkerung schürte.

Die josephinischen Reformen brachten den Protestanten in Kärnten die Religionsfreiheit, vielen katholischen Klöstern und Hospizen aber die Schließung, was dazu führte, dass sich der schon zuvor beklagte Priestermangel und der in bürgerlichen Teilen der Bevölkerung vorhandene Antiklerikalismus noch einmal verschärfte. Nach den napoleonischen Kriegen lag das Land auch wirtschaftlich darnieder, Wetterkapriolen, Missernten und ökonomische Fehlentscheidungen des Adels brachten Hunger und Armut und trieben zahlreiche Bauernhöfe in den Ruin.

Kärnten nach der Revolution

Die Revolution von 1848 verlief in Kärnten zwar friedlich, doch die soziale Frage blieb. In manchen Orten wurden bis zu 90 Prozent der Kinder unehelich geboren. Das Jahr brachte den Bauern die Entlastung von allen Abgaben an die Grundherrschaft und weitgehend gleichberechtigte Bürgerrechte, doch frei von Frondienst waren die Bauern auch schon vorher. Ihre Abgaben mussten sie nunmehr den Steuerbehörden bei den neu gegründeten Bezirksgerichten entrichten.

Ignaz Schöpf schreibt, dass im Jahre 1866 allein der kleine Gerichtsbezirk Krappfeld – in bester, fruchtbarster Lage – an die 84.000 Gulden an Steuerrückständen beklagte und gerichtliche Exekutionen an der Tagesordnung waren. Große Bauernhöfe wurden zum Spottpreis verschleudert, Trunksucht, Gewalt, Polygamie, Syphilis, Betrug und Felddiebstahl in breiten Kreisen als „normal" hingenommen.

Auch den Arbeitern ging es nicht besser. Etwa ein Viertel der Kärntner Bevölkerung lebte von der Eisenverarbeitung, von Glashütten, Bergbau und Holzkohleherstellung, harte und entbehrungreiche Tätigkeiten, die kaum zum Leben reichten, vielmehr die Lebenserwartung senkten. Diese industrielle Produktion und der aufkommende Tourismus erlebten mit dem Siegeszug der Eisenbahn ab 1867 aber enorme Nachfrage, was dann auch später – sehr langsam – zu mehr Wohlstand führte.

Die katholischen Kirche, vom Josephinischen Staat hart beschnitten, erlebte ebenfalls einen neuen Aufschwung, auch wenn sich damit die Konflikte mit den politischen Gegnern verschärften. Das Konkordat von 1855 entzog den Klerus der staatlichen Macht und sicherte ihm maßgeblichen Einfluss auf Priesterausbildung, Eherecht und Schulwesen sowie die Restitution der zuvor eingezogenen Kirchengüter (Religionsfonds).

Die militärischen Niederlagen Österreichs von 1866/67 brachten allerdings wieder Oberwasser für die Gegner des Konkordats, das am 25. Mai 1868 durch die „Maigesetze" in wichtigen Punkten – betreffend kirchliche Ehegerichtsbarkeit, Aufsichtsrecht des Staates über die Schulen und die interkonfessionellen Verhältnisse – modifiziert wurde.

1870, nach der Dogmatisierung des Primats und der Unfehlbarkeitserklärung des Papstes (Beschlussfassung ohne die österreichischen Bischöfe) wurde das Konkordat von Österreich-Ungarn schließlich für unwirksam erklärt, durch staatliche Regelungen ersetzt und 1874 formell ganz aufgehoben. Ab dieser Zeit ging es auch klimatisch und wirtschaftlich wieder bergauf, es folgte eine Blüte für Landwirtschaft, Handel und Industrie.

Vor dem Vatikanischen Konzil

Im Oktober 1862 begann der Eisenbahnbau von Klagenfurt nach Villach, 1863 wurde der Bahnhof zu Klagenfurt am 31. Mai eingeweiht und danach für die Strecke nach Marburg freigegeben. Der Bau der Eisenbahn brachte viele Fremdarbeiter ins Land, allein in Krumpendorf über 500 Personen. Anfang 1864 fuhr die erste Eisenpferd-Dampfmaschine von Klagenfurt nach Villach, am 30. Mai wurde die Eisenbahnstrecke dem öffentlichen Verkehr übergeben.

Das Jahr 1866 war ein unglückliches Jahr. Schon zu Anfang war der Krieg gegen die vereinten Preußen und Italiener absehbar. Tag für Tag gingen vier bis fünf große Eisenbahnzüge mit Militär, Pferden, Kanonen, Fuhrwagen nach Verona ab. Bei Villach-Warmbad standen 4000 ungarische Ochsen als Vorrat, berichtet der Krumpendorfer Pfarrer. Obwohl militärisch bei Custozza erfolgreich, verlor Österreich durch seine Niederlagen gegen die Preußen alle italienischen Gebiete.

Das hinderte die Stadtbevölkerung von Villach nicht daran, den Fasching bunt zu feiern. Der erste bekannte „Villacher Fasching fand 1867 mit einer „gelungenen Corsofahrt seinen Abschluss. Im Juni 1867 wurde Kaiser Max von Mexiko, Bruder von Kaiser Franz Josef, erschossen.

Nach der militärischen Niederlage von Königgrätz und dem Ausgleich mit Ungarn war der Kaiser zu weiteren politischen Zugeständnissen im Reichsrat gezwungen. Die Dezemberverfassung 1867 führte u. a. zur Aufhebung der gesetzlichen Heiratsbeschränkungen und in den Folgejahren zu einer Heiratswelle, mit der die Quote der unehelichen Kinder in den Alpenländern der Monarchie von 27 auf 22 Prozent gesenkt werden konnte, wie die Statistiken zeigen.

Am 18. Juni 1868 – also nur wenige Monate nach dem Landesverweis für Ignaz Schöpf – besuchte Fürstbischof Valentin Wiery in Begleitung seines Ordinariatskanzlers Peter Funder die kleine Pfarrgemeinde Waisach, wohl um die Wogen nach dem erzwungenen Abgang von Schöpf zu glätten.

Der Bischof kam aus dem Gitschtal über den Kreuzberg und traf um 5 Uhr beim Pumhart’schen Hause ein, wo er unter dem eigens errichteten Triumphbogen von der „zahlreich versammelten Geistlichkeit und einer „massenhaften Volksmenge festlich empfangen wurde, wie die Chronik berichtet. „Dann folgte der feierliche Einzug in die Kirche, wo er eine ergreifende Ansprache hielt und sodann der Kirchenkatechese beiwohnte. Schließlich wurden noch die anderen bei der Visitation üblichen Funktionen verrichtet, die Klosterkapelle besucht, und endlich erfolgte der Einzug in Greifenburg. Am nächsten Tage war dort die hl. Firmung, bei welcher Gelegenheit über 100, mitunter recht Erwachsene, das hl. Sakrament empfingen."

Im selben Jahr 1868, nur einige Monate später, gewann der junge Besitzer der Thaler-Realität bei der 91. Ziehung der österreichischen Staats-Lotterie den Haupttreffer mit rund 200.000 Gulden, ein Vermögen nach heutiger Kaufkraftparität von etwa 2,73 Mio. Euro. Thaler spendete einen kleinen Teil davon für die Renovierung der Pfarrkirche Waisach und die einklassige Schule des Ortes und vergrößerte mit dem übrigen Geld seinen Haus- und Hofbesitz um

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