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Länge:
829 Seiten
8 Stunden
Freigegeben:
Nov 11, 2019
ISBN:
9783765575372
Format:
Buch

Beschreibung

Wort für heute - der traditionsreiche Buch-Kalender mit biblischen Betrachtungen für alle Tage des Jahres, herausgegeben von den drei großen Freikirchen in Deutschland: Bund evangelisch-freikirchlichre Gemeinden (EFG; Baptisten), Evangelisch Methodistische Kirche (EMK) und Freie evangelische Gemeinden (FeG). Dieser Andachts- und Bibellesekalender bietet für jeden Tag des Jahres eine Andacht zu einem ausgewählten Vers nach dem Bibelleseplan der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen. Kurze Geschichten oder vertiefende Betrachtungen helfen Inhalt und Sinn der Verse besser zu verstehen und in den eigenen Alltag zu übertragen. Daran arbeiteten ein Jahr lang zwei Redakteure und über 100 Autorinnen und Autoren. Die Andachten werden durch passende Zitate, Liedstrophen, Gebete und die zwölf Monatssprüche ergänzt.
Freigegeben:
Nov 11, 2019
ISBN:
9783765575372
Format:
Buch


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Buchvorschau

Wort für heute 2020 - Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.

Preisrätsel.

1

Mittwoch

JANUAR

Neujahr

Bibellese: Psalm 121

Der Herr lässt nicht zu, dass du zu Fall kommst.

Er gibt immer auf dich acht.

(Vers 3)

Das Jahr 2020 mit seinen 366 Tagen liegt vor uns. Es gleicht einer Wanderung, bei der wir nicht wissen, wie der Weg verlaufen wird. Wir meinen zwar, das Gelände zu kennen, schließlich ändert sich ja zunächst einmal nur eine Jahreszahl. Dennoch halten wir zu Beginn eines neuen Jahres inne. Wir machen uns bewusst, dass die Zukunft immer ungewiss ist. Werden wir gesund bleiben oder gesund werden? Wie wird sich die politische Situation entwickeln? Welche guten oder schlechten Überraschungen werden sich ereignen?

Zu Beginn dieses Jahres lesen wir ein Gebet der Pilger, die vor mehr als zweitausend Jahren die Reise zum Tempel in Jerusalem auf sich nahmen. Sie waren zwar nur wenige Tage unterwegs, doch die Reise war beschwerlich und gefährlich. Die Worte, die die Pilger sagten, klingen fast wie das berühmte Pfeifen im Walde: „Der Herr lässt nicht zu, dass du zu Fall kommst!" Ist das mehr als ein frommer Wunsch? Damals erreichte nicht jeder Pilger unfallfrei sein Ziel. Und auf unserem Weg durchs Jahr 2020 werden wir manchmal fallen. Können wir die Bibellese denn ernst nehmen? Gewiss, denn wer Gott vertraut, kann hoffnungsvoll ins Unbekannte gehen. Es wird uns vieles widerfahren, was wir uns nicht gewünscht haben. Doch Gott wird an unserer Seite bleiben.

Nach der Lutherübersetzung heißt der zweite Teil des Bibelverses: „Der Hüter schläft nicht!" Gott wacht über uns, auch in tiefster Nacht. Gott bleibt sogar im Dunkel des Todes an unserer Seite. Wir werden nicht vor allem Schweren bewahrt, aber wir werden in allem, was geschieht, in Gottes Hand geborgen bleiben. Diese Zusage sollten wir wirklich nie vergessen. Es lohnt sich, sie immer abrufbereit in Herz und Sinn zu tragen. Hören wir also genau hin zu Beginn des neuen Jahres: Wir kennen die Wege nicht, die vor uns liegen. Aber wir können uns darauf verlassen, dass Gott sie mit uns geht. Gott schläft nicht. Tag und Nacht gibt er auf uns acht.

Rosemarie Wenner

Markus ist das kürzeste und vermutlich älteste der neutestamentlichen Evangelien. Wenn die altkirchlichen Überlieferungen zutreffen, so hat er Petrus begleitet und etwa Mitte bis Ende der 60er Jahre des ersten Jahrhunderts seine Aufzeichnungen herausgegeben. Kurz, knapp und bündig, so zeichnet sich sein Schreibstil aus. Auf Berichte aus der Kindheit Jesu verzichtet er ebenso wie auf Begegnungen mit dem Auferstandenen. Er konzentriert sich auf das Wesentliche.

Dabei bewegt ihn vor allem eine Frage: Wer ist Jesus? Diese wird in der Mitte seines Evangeliums durch Jesus selbst gestellt: „Für wen halten mich eigentlich die Leute?" (8,27-30). Markus lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Menschen an Jesus reiben. Zu sehr fühlen sie sich durch seine Worte und seine Taten herausgefordert und provoziert. So wird schon zu Beginn der Wirksamkeit Jesu aus dem Mund der religiös Verantwortlichen der Ruf laut: Dieser Mann stört. Er muss beseitigt werden (3,6). Dabei stieß Jesus anfangs bei der breiten Masse der Bevölkerung auf Zustimmung. Er machte Menschen gesund, trieb unreine Geister aus und predigte das Evangelium. Von überall her strömten die Leute, um ihn zu hören, selbst jenseits der Grenzen wurde man auf ihn aufmerksam (3,7.8). Doch bei aller Begeisterung blieben viele bei einer vordergründigen Einschätzung Jesu stehen. Er sei ein Prophet oder der wiedergekommene Elija (8,28).

Die Jünger sehen tiefer. Sie erkennen in Jesus mehr: Er ist der versprochene Retter, der Messias, der Christus (8,29). Doch auch sie verstehen nicht wirklich. Auf die Ankündigung ihres Herrn, er müsse in die Hände seiner Feinde überantwortet werden, ja, er werde leiden und sterben (8,31-33; 9,30-32; 10,32-34), reagieren sie fassungs- und verständnislos. Petrus will seinen Herrn daran hindern (8,32), und die Jünger streiten, wer der Größte von ihnen sei (9,33ff) und wer die scheinbar besten Plätze im Reich Gottes besetzen darf (10,35ff). So ist der zweite große Abschnitt des Evangeliums (8,27-10,52) der Jüngerbelehrung gewidmet. Sie sollen mehr und mehr verstehen, dass Jesus sein Leben als Lösegeld für die Menschen gibt (10,45). Wenn nach dem Einzug in Jerusalem (11,1-12,44) und der Endzeitrede (13,1-37) ausgerechnet ein heidnischer römischer Hauptmann unter dem Kreuz erkennt, dass Jesus Gottes Sohn ist (15,39), so kommt das Evangelium des Markus zu seinem Ziel, wie es bereits im ersten Vers (1,1) anklang: Jesus – der Sohn Gottes!

Michael Schröder

2

Donnerstag

JANUAR

Bibellese: Markus 1,1-8

Aus dem ganzen Gebiet von Judäa und aus Jerusalem strömten die Leute in Scharen zu Johannes hinaus, bekannten öffentlich ihre Sünden und ließen sich von ihm im Jordan taufen.

(Vers 5)

Kürzlich begleitete ich meinen Mann zu einem Fußballspiel seines Lieblingsvereins. Auf dem Weg zum Stadion schien es nur ein Ziel zu geben. Familien, einige mit sehr kleinen Kindern, hatten es eilig, um zum Anpfiff da zu sein. Vor uns liefen zwei Frauen, die durch ihre Kleidung schon von weitem als Fans zu erkennen waren. Fußballfans gehen wegen der Freude am Sport ins Stadion. Sie sind ihrem Verein treu und möchten neunzig spannende Minuten erleben.

Wovon wurden die Menschen angezogen, die sich damals in Scharen zu Johannes dem Täufer auf den Weg machten? Was suchten sie am Jordan? Johannes war ein Außenseiter, der radikal anders war als alle anderen. Gekleidet war er mit einem Kamelfell und er lebte in der Wüste von dem wenigen, was er an Essbarem fand. Johannes nahm Gott ernst und er sprach ernsthaft von Gott. Die vielen Menschen, die zu ihm gepilgert waren, hörten keine gefällige Rede. Mit harschen Worten wies Johannes sie darauf hin, dass ihr Leben in Gottes Augen nicht in Ordnung war. Die Leute sollten aufhören, auf Kosten ihrer Mitmenschen zu leben. Sie sollten umkehren und Gottes Weisungen beherzigen. Taten waren gefragt, nicht Lippenbekenntnisse.

Viele Menschen waren wohl aus Neugierde oder mit einer wagen Sehnsucht auf Veränderung zu Johannes gekommen. Jetzt hörten sie, dass Gott wirklich etwas Neues mit der Welt vorhatte. Doch das Neue sollte in den Menschen selbst beginnen. Jeder Einzelne war gefragt, ob er fortan anders leben wolle. Viele fassten diesen Entschluss. Als Zeichen der Reue und Umkehr ließen sie sich von Johannes taufen. Sie hatten verstanden: Bei Gott kommen wir nicht als Zuschauer, die entweder applaudieren oder „Buh" rufen. Wir werden direkt angesprochen, ob wir in Gottes Mannschaft unseren Platz einnehmen wollen. Wer dazu bereit ist, wird von Gottes Liebe verändert und lernt, fortan das Rechte zu tun.

Rosemarie Wenner

Heute vor 150 Jahren, am 2. Januar 1870, wurde der Bildhauer Ernst Barlach in Wedel/Holstein geboren. Neben Bronze- und Holzskulpturen schuf er Holzschnitte, Druckgrafiken und Theaterstücke. Er starb am 24. Oktober 1938 nach längerer Krankheit in Rostock. Seine Kunstwerke wurden von den Nationalsozialisten als entartet abgelehnt und einige zerstört. Barlachs Figuren spiegeln das menschliche Leid nach dem Ersten Weltkrieg. Aber sie strahlen auch Hoffnung aus. Sie wirken wie personifizierte Gefühle, zum Beispiel Trauer oder Erwartung. Besonders sichtbar im „Fries der Lauschenden (1935). In seinen Kunstwerken und Dramen verarbeitet er immer wieder biblische Inhalte. Durch seine Familie war er christlich geprägt. Sein Großvater war Pastor in Bargteheide. In seinem ersten Drama „Der tote Tag heißt der letzte Satz: „Sonderbar ist nur, dass der Mensch nicht lernen will, dass sein Vater Gott ist. Ein Drama aus dem Jahr 1924 rund um die alttestamentliche Noachgeschichte trägt den Titel „Die Sündflut. Zu seinen Theaterstücken gab er Mappen mit Lithografien heraus, die die Szenen illustrierten. 1907/08 entstand seine erste große Holzplastik „Schäfer im Sturm". Nach dem Ersten Weltkrieg beschäftigte er sich mit dem Holzschnitt.

Den alttestamentlichen Mose schnitzte er lebensgroß aus einem eichenen Mühlrad. Er schrieb zu der Szene von Mose am Sinai: „Es steckt im Menschen viel mehr, als er weiß. Am Ende kommt es auf das Tun des Herzens an, nicht auf sein Lassen. Sieben Holzschnitte beschäftigten sich mit den „Wandlungen Gottes, der Schöpfungsgeschichte.

Er schuf als Auftragsarbeit mehrere Ehrenmale für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Für den Güstrower Dom die Bronzeskulptur „Der Schwebende, genannt Güstrower Engel. Und für Magdeburg eine Gruppe Soldaten mit verkniffenen Mündern, gebeugt, die Hände klammernd, ein Kreuz haltend. Ein Mahnmal für Malchin wurde abgelehnt. Es regte sich Kritik, da er Mahnmale gegen den Krieg modellierte, anstatt die Soldaten zu verherrlichen. Er schrieb dazu: „Ihr wisst nichts von dem Ewigkeitswort, dessen Raunen aus der Stille vernehmbar wird. Eins seiner „liebsten Hölzer war die Nussbaumskulptur „Das Wiedersehen aus dem Jahr 1926: die Begegnung von Thomas und Jesus nach der Auferstehung. 1933 erhielt er den preußischen Orden „Pour le mérite" für Wissenschaft und Künste. 1937 folgte das Ausstellungsverbot durch die Nationalsozialisten. Heute sind seine Werke wieder in den Museen zu sehen und seine Theaterstücke werden aufgeführt.

Nicola Bourdon

3

Freitag

JANUAR

Bibellese: Markus 1,9-13

Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan auf die Probe gestellt. Er lebte mit den wilden Tieren zusammen, und die Engel Gottes versorgten ihn.

(Vers 13)

Schenk Dir einen Wüstentag", so lautet der Titel eines Buches, das zum achtsamen Umgang mit sich selbst einlädt. Viele vergleichen Einkehrzeiten, in denen man den Alltag unterbricht und die Stille sucht, mit einem Gang in die Wüste. Jesus erlebte vierzig Wüstentage. Dies geschah in einer Zeit des Übergangs. Bisher war Jesus in seine leibliche Familie eingebunden gewesen und arbeitete als Zimmermann. Bald würde er wie ein Bettler durch das Land ziehen und mit Worten und Taten bezeugen, dass Gottes Reich in ihm anbrach. Dazwischen lebte Jesus vierzig Tage lang einsam in einer unwirtlichen und gefährlichen Umgebung.

Das Volk Israel, dem Jesus angehörte, hatte vierzig Jahre Wüstenzeit erlebt, bevor es in das von Gott versprochene Land einziehen konnte. Die biblischen Zeugnisse von besonderen Gottesbegegnungen in der Wüste waren Jesus vertraut. Da ging es um mehr als um Ruhe und Sammlung. Es ging um eine Entscheidung für oder gegen den Auftrag, Gottes Reich zu bezeugen, für oder gegen ein Leben der Hingabe. Dass Jesus auf die Probe gestellt wurde, zeigt, dass ihm wirklich nichts Menschliches fremd war. Jesus entschied sich für Gottes Weg und ging ihn bis zu seinem Tod am Kreuz zum Heil der Welt.

Unser Lebensweg schließt auch Wüstenzeiten ein. Nicht alle sind selbst gewählt, weil wir uns auf Wesentliches besinnen wollen. Manchmal kommen wir in Krisen, wo wir uns zwischen Verzweiflung und Hoffnung, ja sogar zwischen Leben oder Tod erleben. Doch wenn wir uns auf Jesus verlassen, wird die Hoffnung das letzte Wort haben und das Leben wird siegen.

Rosemarie Wenner

4

Samstag

JANUAR

Bibellese: Markus 1,14-20

Jesus sagte zu den beiden Fischern Simon und Andreas: „Kommt, folgt mir! Ich mache euch zu Menschenfischern." Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

(Vers 17.18)

Unzuverlässige Mitarbeiter! Das würden die sagen, die Andreas und Simon mit den Augen eines Unternehmers betrachten. „Wankelmütig und ohne Durchhaltekraft, würden die Stetigen sagen, die gerne treu und beständig bei ihrer Arbeit bleiben. „Ziellos, ungeplant, kopflos!, würden die Strategen rufen. „Übertrieben, viel zu spektakulär und aufreißerisch", käme aus dem Mund der Skeptiker. Wenn Menschen sich auf den konkreten Weg mit Jesus machen, ist es für Außenstehende oft nur schwer nachzuvollziehen, warum gerade jetzt, warum in dieser Form, warum überhaupt, warum nicht früher, warum nicht konsequenter oder warum so konsequent. Interessanterweise sind es nicht nur die Ungläubigen, die hinterfragen, sondern genauso die Gläubigen. Mit welchem Recht hinterfragen sie Entscheidungen von Menschen für Jesus? Dabei geht es nicht nur um die Erstentscheidung für Jesus, sondern auch Wegentscheidungen wie für eine hauptamtliche Tätigkeit im Reich Gottes, für eine Ausbildung an einer Bibelschule, einen Missionseinsatz, ein Kurzseminar, Missionseinsätzen auf der Straße oder, oder, oder. Christen haben immer wieder eine sehr bewertende und kritische Grundhaltung. Als ob sie wüssten, was Gottes Weg mit diesem Menschen ist.

Als ich diese Andacht schreibe, ist die Entscheidung gefallen, dass ich mit meiner Frau nach elf Jahren die Gemeinde wechsle und einen neuen Gemeindedienst übernehme. Was wir da alles zu hören bekamen. Am seltensten kam: „Ich bete für euch und euren Weg, damit ihr genau dort seid, wo Jesus euch haben möchte." Warum fällt es so schwer, Menschen in ihren Entscheidungen zu segnen? Warum fällt es so schwer, Menschen gehen zu lassen und im Gebet mit ihnen verbunden zu bleiben? Warum traut man Gott so wenig Macht zu, die Menschen gut und weise zu leiten? Ist das ein Ausdruck von Zweifeln? Ich bin Gott sehr, sehr dankbar, dass Andreas und Simon Jesus folgten und sich auf diesen unbekannten, schwierigen, herausfordernden, lehrreichen Segensweg mit Jesus machten.

Henrik Diekmann

5

Sonntag

JANUAR

2. Sonntag nach Weihnachten

Bibellese: Psalm 138

Gewaltig ist die Macht des Herrn!

Er thront dort in höchster Höhe,

und trotzdem sieht er die Niedrigen

und kümmert sich um sie.

(Vers 5.6)

Der Psalmbeter staunt über seinen Gott und formt es in Worte. Er besingt seine intensiven Erfahrungen mit dem handelnden, tröstenden und befreienden Gott. Er schreibt sich sein Bedürfnis von der Seele, Gott zu ehren; ihm die Anbetung zu geben, die Gott absolut zusteht.

Wie verehre ich eigentlich Gott? Wie bringe ich meinen Dank für das Handeln Gottes zum Ausdruck? Wie gebe ich Gott den Lobpreis und die Anbetung, die ihm zustehen? Ich merke, dass ich in meinen Gebeten beim Loben und Danken immer wieder in gleiche Vokabeln falle, die zwar Richtigkeiten über Gott aussagen, aber mein Herz immer wieder außen vor lassen. Ja, ich möchte Gott ehren und ihm gegenüber ausdrücken, wie wichtig er für mich ist, aber verliere mich dabei immer wieder in Allgemein-Beschreibungen. Dabei wäre es viel hilfreicher zu erzählen, wie ich Gott erlebte und was ich von und mit ihm erfuhr: „Herr, ich bin froh darüber, dass ich zu jeder Zeit mit dir reden darf. Es ist unglaublich, dass ich diesen Tag, dieses schwere Problem bewältigen konnte. Es ist großartig, wie viel Ruhe, Überblick, Gelassenheit, Ideen du mir dabei gegeben hast. Wenn ich mir meine Kinder ansehe, staune ich über das Vorrecht, dass du mir gibst, für diese Kinder Vater sein zu dürfen. Ich preise dich für meine Familie …"

Der Psalmbeter schreibt sich solche Erlebnisse von der Seele. Er betet nicht nur allgemein, sondern betet sehr konkret. Seine Erlebnisse und Erfahrungen tragen die Handschrift seines Gottes und das bringt er zum Ausdruck. Die Psalmen, ein Buch zum Betenlernen.

Henrik Diekmann

6

Montag

JANUAR

Epiphanias

Bibellese: Markus 1,21-28

Drohend sagte Jesus zu dem bösen Geist: „Schweig und fahr aus von diesem Menschen!" Da zerrte der Geist den Mann hin und her und fuhr aus mit lautem Geschrei.

(Vers 25.26)

Wow! Was für eine Vollmacht, die Jesus hier beweist. Jesus spricht, und es geschieht. Die Evangelisten schreiben recht selbstverständlich von dieser Vollmacht, die trotz all der Wunder von den Pharisäern und Schriftgelehrten in Frage gestellt wird. Wobei, die Wunder werden weniger in Frage gestellt, sondern vielmehr, in welcher Vollmacht Jesus diese Wunder vollbringt.

Wenn man genauer hinschaut: Dies ist der Beginn seines Wirkens. Jesus geht in die Synagoge und predigt dort. In dieser Predigt merken einige Zuhörer, dass Jesus nicht nur sein Wissen predigt, sondern mit Vollmacht spricht. Die Menschen werden berührt von seinem Reden. Sie spüren, wie Gott zu ihnen spricht. Das allein ist ja schon ein besonderes Ereignis. Aber nicht nur einige Zuhörer, sondern auch ein böser Geist, der Besitz von einem der Anwesenden hat, erkennt die Vollmacht. Er bekennt Jesus als Gesandten Gottes und fordert ihn zugleich heraus. Wow, das hört sich unheimlich an. Das ist nicht normal. Böse Geister darf es nicht geben, okkulte Mächte gehören in den Bereich der Mythen. Menschen, die von Jesus fasziniert sind, und Geister, die Jesus als Gottes Gesandten bestätigen, das ist zu viel. So ein Durcheinander darf in einer Gemeinde nicht sein, weder in einer Synagogengemeinde noch in einer guten freikirchlichen Gemeinde. Es setzt ein regelrechter Abwehr-Reflex ein, besonders bei den Verantwortlichen, bei den Religiösen: Neu und unbekannt, das darf nicht sein. Vollmacht durch jemanden, der es nicht studierte, darf nicht sein. Wie wird dann gerne zitiert: „Der Geist Gottes ist ein Geist der Ordnung."

Ich kenne solche Reflexe bei mir als Pastor und auch in unserer Leitung. Dabei wäre gerade in solchen Fällen das genauere Hinhören wichtig. Hört zu, fragt nach, lest in der Bibel und diskutiert, betet und ringt gemeinsam um Erkenntnis. „Prüft aber alles und nehmt nur an, was gut ist", schreibt Paulus in 1. Thessalonicher 5,21. Wie oft wurde schon Reden Gottes überhört, weil Menschen nicht hören und lernen wollten?

Henrik Diekmann

7

Dienstag

JANUAR

Bibellese: Markus 1,29-39

Die Schwiegermutter Simons lag mit Fieber im Bett. Jesus ging zu ihr, nahm sie bei der Hand und richtete sie auf. Das Fieber verließ sie, und sie bereitete für alle das Essen.

(Vers 30.31)

Während ich die Andacht schreibe, liege ich im Krankenhaus. Krank sein ist nicht angenehm. Krankheit raubt Kräfte. Krankheit macht hilflos. Krankheit macht abhängig von anderen oder von Medikamenten. Die Wenigsten sind gerne krank.

Als Jesus den Petrus nach seiner Berufung zu Hause besucht, ist die Schwiegermutter krank. Es scheint keine schlimme Krankheit zu sein. Nur Fieber. Mit Fieber kann man doch arbeiten, Gäste bewirten. Ist die Frau etwa wehleidig, weil das Fieber extra in der Bibel erwähnt wird? Jesus ist die Situation der Frau nicht egal. Er geht zu ihr, hat keine Angst, sich vielleicht anzustecken. Er wendet sich ihr zu. Er sieht sie an. Er nimmt sich Zeit für sie. Wie tut es in der Krankheit gut, wenn Menschen sich für den Kranken Zeit nehmen: beten, eine Grußkarte schicken, einen kurzen Besuch machen, Essen vor die Tür stellen, Einkäufe erledigen, die Kinder oder den Hund versorgen.

Persönliche Zuwendung kann innere Wunder beim Kranken bewirken: Ich darf auch mal schwach sein. Ich darf schlafen, weil andere meine Arbeit machen. Ich darf spüren, dass ich wichtig bin, auch wenn ich gerade nicht funktioniere. Selbst kleine Dinge können manchmal soooo gut tun. Aber Jesus tut noch mehr: Er schenkt der Frau Gesundheit zurück, durch ihn wird die Frau frei vom Fieber. Bringe ich Jesus zu den Kranken? Bete ich für sie? Mit ihnen? Traue ich mich, um Heilung zu beten? Habe ich den Mut, den Kranken zu segnen, ihn zu salben, ihm oder ihr die Hand aufzulegen und Gottes Heilung zu erwarten? Ich weiß, dass sich sehr schnell Widerspruch regt, wenn ich mehr tun soll, als um Heilung zu bitten. Aber Jesus gab mir Vollmacht, in seinem Namen zu beten, andere im Namen Jesus zu segnen und Heilung durch Gott zu erwarten. Ob Jesus tatsächlich heilt, ist seine Sache, nicht eine Sache des eigenen Glaubens oder dem des Kranken. Ich bin dankbar für jeden, der für mich betet, mit mir betet, mir Gottes Heilung im Namen von Jesus zuspricht. Wenn ich so mit meiner Erkrankung in seinen Händen bin, bin ich bestens aufgehoben.

Henrik Diekmann

8

Mittwoch

JANUAR

Bibellese: Markus 1,40-45

Jesus befahl dem Geheilten streng: „Geh zum Priester, lass dir deine Heilung bestätigen und bring die Opfer, die Mose vorgeschrieben hat. Die Verantwortlichen sollen wissen, dass ich das Gesetz ernst nehme."

(Vers 43.44)

Regelmäßig an Ostern bringt das deutsche Wochenmagazin „Der Spiegel einen Artikel über Jesus Christus. Meistens geht der Spiegel von einem sanften oder nichtssagenden Jesus aus. Ganz anders die Bibellese. „Jesus befahl dem Geheilten streng … Kann er das? Ja, er kann. Vor allem, weil es darum geht, dem religiösen Publikum im Tempel zu beweisen, dass er es ernst nimmt mit den Gesetzen aus dem Alten Testament. Aber er befiehlt an anderer Stelle auch dem Wetter, den Jüngern, den bösen Geistern und sogar seinem eigenen Geist. Könnte es sein, dass wir ein zu sanftes Bild von Jesus haben? Ich stelle fest, dass ich gerne vom König Jesus Christus rede oder im Gottesdienst davon singe. Freimütig bekenne ich mit anderen Gottesdienstbesuchern „König Jesus, ich stehe vor deinem Thron. Doch was ist die Hauptaufgabe eines Königs? Zu regieren und zu befehlen! Das blende ich lieber aus. Da ist mir doch ein „sanftgeglätteter Jesus lieber. Erst recht als demokratieverliebter Schweizer, der jede Monarchie aus tiefstem Herzen ablehnt.

Doch ich will mich dieser Herausforderung stellen und mein Bild von Jesus korrigieren lassen. Denn er ist ein anderer König. Er zeichnet sich aus durch Gerechtigkeit, durch Tatkraft, durch Unabhängigkeit von menschlichen Bindungen und – natürlich auch durch Sanftmut. Von einem solchen König nehme ich jeden Befehl an. Auch den Befehl, meinen Feinden zu vergeben.

Kürzlich bekam ich einen solchen Befehl von Jesus Christus. Ich hatte mich in einer Konfliktsituation falsch verhalten. Der Konfliktpartner auch. Ich ging zu ihm hin und bat um Vergebung. Das war schwierig. Auch gerade, weil der andere nicht um Vergebung für seine Fehler bat und er in der Hierarchie weit unter mir stand. Ich hatte den Befehl zur Vergebung bekommen. Also wollte ich Jesus gehorsam sein. Interessanterweise zog in meinem Herzen Frieden ein. Obwohl die Fehler des anderen unausgesprochen blieben. Es lohnt sich wirklich, dem König Jesus Christus zu gehorchen.

Peter Schneeberger

9

Donnerstag

JANUAR

Bibellese: Markus 2,1-12

Jesus sagte zu dem Gelähmten: „Mein Kind, deine Schuld ist vergeben! Da saßen aber einige Gesetzeslehrer, die dachten bei sich: „Was nimmt der sich heraus! Das ist eine Gotteslästerung! Nur Gott kann den Menschen ihre Schuld vergeben!

(Vers 5-7)

Das ist ja nicht gerade die übliche Medizin, einem Gelähmten zu sagen, dass seine Sünden vergeben sind. Doch was ist bei Jesus schon üblich? Am Teich Betesda heilt er unter den vielen Kranken nur einen (Johannes 5,1-16). An anderer Stelle heilte er alle Kranken (Matthäus 4,23). Mal heilt er nur durch eine Berührung seiner Kleider (Matthäus 14,36), das andere Mal erklärt er die Heilung ausführlich.

Jesus hat zwei Sachen hauptsächlich verfolgt. Es ging ihm immer darum, seinen Vater im Himmel zu ehren und die Menschen in seine Nachfolge zu rufen. Eine Krankheit kann uns nicht abhalten, Gott zu ehren. Nicht mehr gehen zu können, kann uns nicht hindern, Jesus nachzufolgen. Ein sündiges Herz jedoch schon! Darum geht Jesus immer radikal an die Wurzel des Problems. Eine Krankheit ist nicht die Wurzel unserer menschlichen Probleme. Auch wenn wir das manchmal denken: „Wenn ich gesund wäre, wären alle meine Probleme gelöst! Die Mutter aller Probleme ist unser sündiges Herz. Denn es ist darauf gepolt, alles für sich zu nutzen. Wir sind darauf gepolt, uns selbst und unsere Gesundheit anzubeten. Hier setzt Jesus mit seiner Heilung an. Jesus sagt uns: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und niemand sonst (Lukas 4,8). Jesus ist der von Gott eingesetzte Retter (Matthäus 16,16). Er kann wirklich Sünden vergeben.

Was nehme ich mit? Zuerst einmal geht es um die Erkenntnis, dass es Jesus vor allem um meinen „Schuldenzustand" geht. Er will die Trennung, die zwischen Gott und mir besteht, beseitigen. In einem einfachen Gebet kann ich Jesus meine Trennung von Gott bekennen und bekomme eine ganz neue Beziehung zu ihm und Gott, dem Vater im Himmel.

Was ist dann mit meinem Gesundheitszustand? Da halte ich es so, wie es Jakobus schreibt. Ich bitte andere, für mich zu beten (Jakobus 5,14). Manchmal erhört Jesus und heilt, mal richtet er mich in der Krankheit auf und das andere Mal gibt er mir die Kraft, die Krankheit zu tragen. Nie jedoch verweigert er mir den Zuspruch: „Mein Kind!"

Peter Schneeberger

10

Freitag

JANUAR

Bibellese: Markus 2,13-17

Die Gesetzeslehrer von der Partei der Pharisäer sahen, wie Jesus mit diesen Leuten zusammen aß. Sie fragten seine Jünger: „Wie kann er sich mit den Zolleinnehmern und ähnlichem Volk an einen Tisch setzen?"

(Vers 16)

Gefühlt liefen wir stundenlang hinter der christlichen Sozialarbeiterin her durch ein riesiges Rotlichtviertel. Schon den ganzen Tag hatten wir damit verbracht, Schulklassen für Straßenkinder und Mikrofinanz-Unternehmen in dieser indischen Großstadt zu besuchen. Wir waren müde. Und dann kam dieses Stadtviertel. Die Prostituierten standen zu Hunderten am Straßenrand und boten ihre Dienste an. Es war elend.

Mitten in diesem Viertel ein Refugium für Straßenkinder und ihre sich prostituierenden Mütter. In diesem Haus bekamen die Kinder Lernhilfe, Essen, Zuneigung und den Glauben, dass es mit ihrem Leben besser werden kann. Nie vergesse ich den Gesichtsausdruck der Leiterin dieses Refugiums, als sie uns westliche Kirchenleiter durch das Haus führte. Sie war so stolz. Es waren ihre Kinder. Viele auf der Straße kannten sie. Sie war so „jesusmäßig, dass mir heute noch die Tränen in den Augen stehen, wenn ich an sie denke. Diese Sozialarbeiterin saß täglich, „mit den Zolleinnehmern und ähnlichem Volk an einem Tisch. Und sie fühlte sich so geehrt, Jesus damit dienen zu können. Einige dieser ehemaligen Straßenkinder können heute studieren. Prostituierte konnten freigekauft werden und führen heute ein selbstbestimmtes Leben. Viele hörten von der Botschaft des guten Hirten Jesus. Denn viele dieser Kinder hatten nur den Stock der Zuhälter kennengelernt und noch nie etwas davon gehört, dass sie wertvoll sind.

Diese Sozialarbeiterin hatte sich Jesus verschrieben und war bereit, in den Slums Indiens zu dienen. Sie lebt den Bibeltext und ist so im Dienst von Jesus. Einige der freigekauften Prostituierten betreiben nun ein Unternehmen, das für das Abendmahl spezielles Brot herstellt. In der Kirche, die wir besuchten, verteilten die Frauen, ganz in Weiß gekleidet, uns das Abendmahl mit ihrem gebackenen Brot. So geschieht Wiederherstellung durch Jesus Christus. Er stellt die Würde des Menschen wieder her und ordnet neu ein.

Peter Schneeberger

11

Samstag

JANUAR

Bibellese: Markus 2,18-22

Da kamen Leute zu Jesus und fragten ihn: „Wie kommt es, dass die Jünger des Täufers und die Jünger der Pharisäer regelmäßig fasten, aber deine Jünger fasten nicht?"

(Vers 18)

Hinter uns leuchteten die Berner Alpen. Vor uns glänzte der See. Und wir mitten drin auf dem Schlosshügel in der Spiezerbucht am Thuner See im Berner Oberland. Geladen hatte das Brautpaar. Doch es gab nichts zu essen, obwohl das Fest von langer Hand geplant wurde. – Es war natürlich nicht so. Es wäre unvorstellbar! Es gab so viel zu essen, dass sich die Tische unter der Last bogen. Nie hätte das Brautpaar zugelassen, dass es zu wenig Essen gibt. Es ist etwas Besonderes, als Gast an einer Hochzeitstafel zu sitzen. Es dreht sich alles um das Brautpaar und trotzdem wird man als Gast überhäuft mit Essen und der Aufmerksamkeit der Kellner.

So ähnlich muss es den ersten Jüngern von Jesus ergangen sein. Es drehte sich alles um den Bräutigam Jesus. Mehrmals erwähnt er, dass Gott zu einem Hochzeitsmahl lädt. Jesus stand im Mittelpunkt. Trotzdem habe ich nicht den Eindruck, dass es ihm zu Kopf gestiegen ist. Eher das Gegenteil. Er musste sich Zeit für sich allein erkämpfen. Die Jünger fühlten sich in seiner Gemeinschaft in einer nie mehr endenden Festschlaufe. Man kann es ihnen nicht verübeln. Die Leute taten es trotzdem. Sie mäkelten herum, dass die Jünger nicht fasteten. Doch es war nicht die Zeit zum Fasten. Es war die Zeit des „Festens".

Ich glaube, dass zum Christsein beides gehört. Die Freude am Fest mit Jesus und der Rückzug aus der Gesellschaft, um Zeit zum Fasten zu haben. Mir liegt das Fasten näher. Vielleicht ist es wieder neu dran, dass wir das „Festen" entdecken. Zum Beispiel ein Fest zur Erinnerung an die Taufe. Oder ein Apéro nach dem Gottesdienst. Einfach als Ausdruck meines Glücks, dass ich zu Gott gehören darf. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Unsere zwölfjährige Tochter ist mir darin ein Vorbild. Sie backt für ihr Leben gerne. Warum das für sich behalten! So backt sie am Samstag Plätzchen, um sie am Sonntag in die Gemeinde mitzunehmen, damit die Gottesdienstbesucher nicht nur Kaffee trinken müssen. Die Gemeinschaft mit Jesus und den Heiligen ist ein Fest.

Peter Schneeberger

12

Sonntag

JANUAR

1. Sonntag nach Epiphanias

Bibellese: Psalm 89,1-19

Gott, dein Thron ist gegründet auf Recht und

Gerechtigkeit,

Güte und Treue gehen vor dir her.

(Vers 15)

Ihr Ruf eilt ihnen voraus, so sagt der Volksmund über Politiker, Künstler und andere prägende Gestalten. Über sie weiß man Bescheid, noch bevor sie auftauchen. Noch heute wissen die meisten, wer gemeint ist, wenn man zum Beispiel von der „eisernen Lady spricht. Margaret Thatcher, die ehemalige britische Premierministerin, hatte den Ruf, besonders unnachgiebig zu sein.

Früher eilte der Ruf eines Königs via Boten und Briefe ein paar Tage voraus. Heute geschieht dies über die sozialen Medien fast in Echtzeit. Und so müssen einige aufpassen, dass sie ihrem Ruf nicht nur noch hinterhereilen. Denn es kommt auf die Interpretation der Menschen an, die jemanden beobachten und beurteilen, welchen Ruf diese Person in ein paar Minuten weltweit haben wird. Wenig entscheidet über einen sogenannten „Shitstorm oder ein paar Millionen „Likes.

In der Bibellese ist der Beter überzeugt: Auch Gott eilt ein Ruf voraus. So kräftig, dass er fast als stramm vorwärtsschreitende Person vorgestellt werden muss: Güte und Treue gehen vor Gott her. Sie sind Inbegriff seines Rechts und seiner Gerechtigkeit. An diesem Ruf hält er fest, bis er sich durchsetzt.

Oft erlebe ich, wie gesagt wird: Gott ist gut und treu, aber er ist auch gerecht. Das bedeutet dann, dass jeder und jedem seine entsprechende Strafe oder Belohnung zukommen wird, wenn Gott vor ihm oder ihr steht. Doch in Jesus Christus hat sich Gottes Ruf am deutlichsten gezeigt: Ein Gott, der die Armen seligpreist. Der mit Ausgegrenzten isst. Der in seiner Menschentreue sucht, was verloren ist, und es wieder zurecht, das heißt, in Beziehung bringt.

Güte, Treue, Recht und Gerechtigkeit Gottes sind keine Schlagzeilen in sozialen Medien, die man gut oder schlecht finden kann. Gottes Ruf will nicht bewertet, er will gehört, bedacht und gelebt werden.

Philipp Kohli

13

Montag

JANUAR

Bibellese: Markus 2,23-28

Jesus sagte: „Gott hat den Sabbat für den Menschen geschaffen, nicht den Menschen für den Sabbat. Also ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat."

(Vers 27.28)

Gebote sind mit einem Treppengeländer vergleichbar. Ich kann die Treppe hinaufsteigen ohne seine Hilfe, aber es bewahrt mich davor, über die Treppe hinauszustürzen. Es dient dem Wohl von Menschen.

Genau das ist auch Gottes Wille: das Wohl der Menschen. Darum gibt es die Gebote wie das Sabbatgebot. Jesus leitet dazu an, im Sabbatgebot diesen ursprünglichen Willen des Schöpfers zu erkennen. Er setzt sich ein für eine befreite Sabbatpraxis, die dem Menschen dient.

Vielleicht kennen Sie das: Auf dem Sonntagsspaziergang verfüttern wir gerne den Enten am Seeufer das alte Brot der Woche. Es ist für uns ungenießbar geworden und würde uns auf dem Magen liegen.

Das alte Brot der Woche ist für mich ein Bild für die Reste, für das Versäumte, Nichterlebte. Wie anders die Jünger: Sie nehmen kein altes Brot mit. Sie haben keines. Sie essen es von den Halmen weg – unterwegs mit ihrem Herrn, von der Hand in den Mund, spontan, unmittelbar.

Das hebräische Wort „Sabbat ist abgeleitet vom gleichlautenden Verb „sabbat, und das heißt „aufhören". Aufhören! Aufhören, den Ruhetag zu füllen mit dem, was liegen geblieben ist und uns drückt. Das können sein: Hausaufgaben, Geschäftsmails, Haushaltsfinanzen, unaufgeräumte Keller, Verwandtenbesuche, Sport und was man sonst noch alles hätte sollen und müssen … Aufhören, weil das dem Leben nicht dient und keine Freude aufkommen lässt, auch nicht Freude an Gott.

Freude am Leben und Freude an Gott! Dazu schenkt uns Gott den Ruhetag. Dass er da ist „für den Menschen und „für den Herrn (3. Mose/Levitikus 23,3) ist übrigens kein Widerspruch. Damit es auch keiner wird und die Freude nicht verloren geht, ist der Menschensohn, Jesus, Herr des Ruhetages. Wer wie die Jünger mit ihm unterwegs ist, erlebt, dass sein Ruhetag ein Tag der Freude an Gott und am Leben bleibt. Ein Tag, der nährt und stärkt, um am Montag mit neuer Kraft und Motivation anzufangen und Liegengebliebenes anzupacken.

Stefan Zürcher-Allenbach

14

Dienstag

JANUAR

Bibellese: Markus 3,1-6

Jesus fragte: „Was darf man nach dem Gesetz am Sabbat tun? Gutes oder Böses? Einem Menschen das Leben retten oder ihn umkommen lassen?" Er bekam keine Antwort.

(Vers 4)

Was darf man nach dem Gesetz am Sabbat tun? Gutes oder Böses? Ist doch sonnenklar! Gutes, Leben retten natürlich! Macht doch den Mund auf! – „Er bekam keine Antwort. Unverständlich. Was ist nur los mit diesen Leuten! Ich verstehe, dass ihre Hartherzigkeit Jesus im Innersten trifft und erzürnt. Diese Frage lässt keinen Raum für Grautöne. Es gibt nur weiß oder schwarz. Wer nicht Gutes tut, tut Böses. Gesetzliche Korrektheit, die das Gute versäumt, handelt böse, behindert und zerstört Leben. Da gibt es keine Entschuldigung. Gott will etwas anderes.

Jesus stellt demonstrativ den Menschen mit der verkümmerten Hand in die Mitte. Eine tief symbolische Handlung. Ins Zentrum gehört der hilfsbedürftige Mensch. Gottes Wille gebietet: Tut immer und unter allen Umständen Gutes; tut, was dem Leben dient. Erst recht, wenn ein Mensch in Not ist. Auch am Ruhetag. Im Leben von Menschen Raum für Gott schaffen, das will der Ruhetag. Darum soll er den Menschen dienen und der Heilung und Wiederherstellung ihres Lebens. Für Jesus gibt es keinen Widerspruch zwischen dem, was Gott dient und was dem Leben dient.

Gutes tun – wie oft schaffe ich das nicht. Aus Hartherzigkeit und Abgestumpftheit. Wohl nicht wegen gesetzlicher Korrektheit, aber wegen anderer Ausflüchte. Nicht eine verkümmerte Hand, aber verkümmerte Menschlichkeit. „Tritt in die Mitte! Strecke deine Hand aus!", lädt Jesus ein und macht gesund. So dass ich wieder anfange, Gutes zu tun. So dass mein Leben Gott und dem Leben meiner Nächsten dient.

Stefan Zürcher-Allenbach

15

Mittwoch

JANUAR

Bibellese: Markus 3,7-12

Jesus wies seine Jünger an, ein Boot für ihn bereitzuhalten; denn die Menge war so groß, dass sie ihn fast erdrückte.

(Vers 9)

Jesus wurde von den vielen Menschen, die sich zu ihm drängten, fast erdrückt. Ich sehe darin nicht nur Platzmangel, weil so viele seine Hilfe suchten. Jesus spürte sicher auch die erdrückende Last der Leidenden und die Orientierungslosigkeit der Menschen. Er litt mit den entwurzelten Menschen und ihn bedrängte ihre Lebenslast.

Geht es mir mit hilfesuchenden Menschen manchmal auch so? Fühle ich mich erdrückt vom Existenzkampf verschuldeter Bekannter oder von der Hilflosigkeit des zerstrittenen Ehepaars aus der Nachbarschaft? Oder kann ich die Bilder vom Sterben der Flüchtlinge im Mittelmeer kaum ertragen? Ich fühle mich oft ohnmächtig, weil mir die Not unüberwindlich erscheint. Oder ich sehe den weiten Weg zu den Neuanfängen und zögere, den großen Aufwand als Begleiter auf mich zu nehmen. Man kann nicht allen helfen, denke ich, und helfe schließlich niemandem.

Jesus litt nicht an Ohnmacht den Leidenden gegenüber, denn Gott hatte ihm seine Vollmacht zur Verfügung gestellt. Und doch sah er hinter den gesundheitlichen Baustellen der Kranken ein tieferes Problem, das zu lösen war. Wie konnten die Menschen mit ihrem Schöpfer versöhnt werden? Wie konnten sie von destruktiven Treibern befreit werden? Jesus war bereit, den Preis für diese Befreiung stellvertretend zu bezahlen. Mir scheint, dass Jesus sein Kreuz schon in sich trug. Die religiösen Führer hatten seinen Tod bereits beschlossen (Vers 6). Aber wie konnte Jesus die Jünger vorbereiten, die Botschaft der Hoffnung weiterzutragen? Mich fasziniert die fast nebensächliche Bemerkung, dass der Meister sie bat, ein Boot für ihn bereitzustellen. Das war für die Fischer kein wirklicher Kraftakt. Jesus erteilte ihnen machbare Aufträge. Von mir und Ihnen erwartet er auch nur, was wir schaffen können. Nur, sind wir bereit?

Rainer Döllefeld

Johann Ludwig Schneller wurde heute vor 200 Jahren, am 15. Januar 1820, geboren. Die Schneller-Schulen in Jordanien und im Libanon gehen auf sein Wirken zurück. Dort erhalten christliche und muslimische Kinder eine schulische und handwerkliche Ausbildung und lernen die Religion der anderen kennen.

Im seinem Elternhaus auf der Schwäbischen Alb wurde Johann Ludwig Schneller durch den Pietismus geprägt, erhielt seine Schulbildung in der Dorfschule und durch den Pfarrer. Ohne ein Lehrerseminar absolviert zu haben, wurde er als Lehrer in den württembergischen Staatsdienst aufgenommen. 1843 wurde er zum Leiter der Strafanstalt Vaihingen an der Enz berufen. Durch seine missionarischen Aktivitäten kam er in Kontakt mit der Pilgermission St. Chrischona in Basel und ging 1847 als Hausvater und Leiter der Bruderschaft zur Pilgermission. Nachdem er sich 1854 mit Magdalene Böhringer verlobt hatte, musste er die Bruderschaft verlassen. Im Auftrag von St. Chrischona wirkte er fortan in Jerusalem.

1855 begann Schneller selbstständig zu missionieren und wendete sich karitativen Aufgaben zu. Nach dem drusisch-maronitischen Bürgerkrieg in Syrien kam es zu Christenverfolgungen und Schneller begann mit dem Aufbau eines Waisenhauses. Schon im ersten Jahr stieg die Zahl der betreuten Waisen auf 41 Kinder. So wurde er zum Pionier diakonischer Tätigkeiten im Nahen Osten. 1871 waren bereits 55 Kinder im Waisenhaus untergebracht und 1884 mehr als 90. 1882 wurde zusätzlich eine Abteilung zur Ausbildung von Blinden eröffnet. Nach der Grundschule folgte eine vierjährige Berufsausbildung und es gab Werkstätten mit Lehrlingsausbildung nach deutschem Muster, eine Druckerei, eine Ziegelei, eine Töpferei und landwirtschaftliche Betriebe zur Ausbildung von Bauern. Grundlage der strengen Erziehung war der Lehrplan der württembergischen Volksschulen. Neben Arabisch lernten die Schüler Deutsch; Kernfach war der Religionsunterricht.

Schneller konnte bis zu seinem Tod dort wirken und eine weitverzweigte Arbeit aufbauen. Seine Söhne Theodor und Ludwig führten nach seinem Tod die Arbeit fort. Johann Ludwig Schneller wurde 1896 in Jerusalem auf dem Zionsfriedhof von der evangelischen und anglikanischen Gemeinde auf dem Berg Zion begraben. Die Schneller-Schulen im Libanon und in Jordanien gibt es bis heute.

Ute Armbruster-Stephan

16

Donnerstag

JANUAR

Bibellese: Markus 3,13-19

Jesus rief von seinen Jüngern die zu sich, die er für eine besondere Aufgabe vorgesehen hatte. Sie kamen zu ihm, und er setzte sie ein als die Zwölf.

(Vers 13.14)

Jesus investierte sich in Menschen. Das war sein Markenzeichen. Sein Handeln und Reden zielten darauf, dass Gottes Liebe bei seinen geliebten Menschen ankommt und sie verändert. Die überlieferten Begegnungen mit Suchenden, seine Heilungen und Befreiungen bezeugen das. Am Ende wurde Jesus sogar bereit, buchstäblich sein ganzes Leben zu investieren, damit Menschen versöhnt werden mit ihrem Gott, ihren Nächsten und sich selbst.

Aber warum konzentrierte sich Jesus in der Bibellese speziell auf zwölf seiner Schüler? Welche Rolle sollten sie in dem großen Versöhnungswerk spielen? Ausdrücklich wird erzählt, dass Jesus dazu auf einen Berg stieg. Das erinnert an Mose, der oft den Berg als Ort der Gottesoffenbarung aufsuchte, um entscheidende Weisungen zu erhalten. Alles Wichtige beginnt in der Nähe Gottes. Und dort rief Jesus zwölf Männer zu sich, damit sie ständig bei ihm sein sollten (Vers 14). Sie wählte er aus, auf ihn zu hören, sein Beten zu erleben, sein Handeln zu sehen und schließlich nach Kreuzigung und Auferweckung seine besondere Identität als Messias zu erkennen. Damit hatten sie die unvergleichliche Aufgabe, die wahre Bedeutung und Botschaft von Jesus authentisch zu überliefern.

Im Bild gesprochen heißt das: Wie ein Baumeister legte Jesus mit den Zwölf das Fundament für ein erneuertes Gottesvolk. Das klingt atemberaubend, denn die Berufung der zwölf Jünger erscheint menschlich gesehen als ein erhebliches Risiko. Es sind Menschen wie Sie und ich. Mit Zöllnern, Zeloten und Fischern ist von Arm bis Reich alles vorhanden, was die Gesellschaft damals ausmachte. Jesus erwählte nicht die Elite, sondern Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Ihre einzige Qualifikation war das gemeinsame Leben mit Jesus in allen Auseinandersetzungen. Dazu lädt Jesus Christus alle seine Nachfolger auch heute ein.

Rainer Döllefeld

17

Freitag

JANUAR

Bibellese: Markus 3,20-30

Wieder strömte eine so große Menge zusammen, dass Jesus und seine Jünger nicht einmal zum Essen kamen. Als das seine Angehörigen erfuhren, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt wegzuholen, denn sie sagten sich: „Er muss verrückt geworden sein."

(Vers 20.21)

Wie viele Brüder und Schwestern hatte Jesus? Verblüfft antwortete meine katholische Freundin: „Du meinst: Jünger. Der hatte doch keine Geschwister! „Doch, mindestens zwei Schwestern und vier Brüder. Die Brüder sind sogar namentlich genannt. Als ich über Jesus und seine Familie predigte, meinten viele: „Darüber habe ich nie etwas gehört!"

Dabei ist die Ursprungsfamilie für alle am stärksten prägend. Hier zeigt sich, dass Familie zusammenhält. Sie wollen doch nur das Beste für ihren Bruder. Als sie hören, dass er Essen und Schlafen vergisst, weil so viele Leute etwas von ihm erwarten, eilen sie nach

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