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7 Spannungsromane: Mörderische Höllentrips - Thriller Sammelband 5101: Alfred Bekker präsentiert

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7 Spannungsromane: Mörderische Höllentrips - Thriller Sammelband 5101: Alfred Bekker präsentiert

Länge:
953 Seiten
11 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 18, 2020
ISBN:
9781393312390
Format:
Buch

Beschreibung

7 Spannungsromane: Mörderische Höllentrips: Thriller Sammelband 5101

Von Alfred Bekker, Theodor Horschelt, Horst Friedrichs, Franc Helgath, W.K. Giesa

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Dieses Buch enthält folgende Krimis:


 


 


 

Horst Friedrichs: Trevellian und der Vernichter

Theodor Horschelt: Spur in den Abgrund

Alfred Bekker: Ein Ermordeter taucht unter

Franc Helgath: Bount Reiniger und das mörderische Wochenende

W.K.Giesa: Höllentrip nach Acapulco

W.K.Giesa: Eine ganz miese Falle

W.K.Giesa: Mörderischer Asphalt


 

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Herausgeber:
Freigegeben:
May 18, 2020
ISBN:
9781393312390
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Buchvorschau

7 Spannungsromane - Alfred Bekker

Publisher

7 Spannungsromane: Mörderische Höllentrips: Thriller Sammelband 5101

Von Alfred Bekker, Theodor Horschelt, Horst Friedrichs, Franc Helgath, W.K. Giesa

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Dieses Buch enthält folgende Krimis:

HORST FRIEDRICHS: TREVELLIAN und der Vernichter

Theodor Horschelt: Spur in den Abgrund

Alfred Bekker: Ein Ermordeter taucht unter

Franc Helgath: Bount Reiniger und das mörderische Wochenende

W.K.Giesa: Höllentrip nach Acapulco

W.K.Giesa: Eine ganz miese Falle

W.K.Giesa: Mörderischer Asphalt

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Trevellian und der Vernichter

von Horst Friedrichs

Das kristallklare Wasser des Sees plätscherte um seine Zehenspitzen. Alfred Gardner beobachtete, wie der feine Ufersand unter seinen Füßen nachgab.

Langsam ging er tiefer ins Wasser. Eben noch, im Führerhaus des Eintonners, war ihm der Schweiß in Strömen heruntergelaufen.

Gardner drehte sich noch einmal um, bevor er auf den See hinausschwamm. Der Verkehrslärm auf dem Highway war hier unten nur als ein fernes Rauschen zu hören. Über der Leitplanke am Rand des Parkplatzes sah er den hellen Kastenaufbau des Eintonners. Dann schwamm er mit ruhigen Zügen los. Am jenseitigen Ufer glitt ein Kanu unter dem tiefhängenden grünen Vorhang der Trauerweiden hervor. Es hielt genau auf Gardner zu.

Angst krallte sich um sein Herz.

Er runzelte die Stirn. Verdammt, der Kerl mußte ihn doch sehen, mußte doch ausweichen! Er änderte seine Richtung, aber sofort schwenkte auch der Bug des Kanus herum und folgte ihm. Erst jetzt sah Gardner, daß der Mann im Boot vollständig angekleidet war. Unpassend für jemand, der ein Freizeitvergnügen in der Sommerhitze suchte.

Noch einmal wich er aus. Aber es handelte sich nicht um einen Irrtum. Der Kanufahrer hing ihm im Nacken. Er war jetzt nur noch einen Steinwurf weit entfernt. Gehetzt sah Gardner sich um. Kalter Schreck durchzuckte ihn, als er feststellte, wie unerreichbar fern die Ufer waren. Er konnte dem viel schnelleren Kanu niemals entrinnen.

Und die Erkenntnis, daß der Mann ihm aufgelauert haben mußte, nützte jetzt auch nichts mehr. Aber warum, zum Teufel, warum?

Warum?

Das Wort hallte in ihm nach. Es nahm den Rhythmus seines Herzschlags an und hämmerte in seinem Schädel.

Gardner schwamm schneller, versuchte zu kraulen, wie damals als 14jähriger, als er es noch mit den Fischen im Wasser auf genommen hatte.

Abermals wandte er den Kopf. Jetzt keuchte er schon.

Der Kanufahrer hatte seine Paddelschläge beschleunigt. Groß und drohend zerschnitt der Bug das Wasser. Die Gesichtszüge des Mannes waren zu erkennen. Harte Furchen, wie gemeißelt. Die Augen hellblau und eiskalt.

»Ich muß dich töten«, sagte er. »Tut mir leid für dich, aber so lautet nun mal mein Auftrag.«

Der Fahrer des Eintonners riß den Mund auf. Aber er brachte kein Wort hervor. Jäher Schmerz entstand in seinem Brustkasten, als sein Herzschlag zu rasen begann. Verzweifelt rang er nach Atem. Die Panik packte ihn wie ein unbarmherziges Raubtier.

Der Mörder trieb das Boot heran. Seine Paddelschläge sahen spielerisch aus. Und er hatte leichtes Spiel.

Alfred Gardner sah das triefendnasse blattförmige Holz, wie es sich über seinem Kopf erhob. Sein Körper verkrampfte sich. Er riß die Arme hoch und erstarrte in der Bewegung, ohne noch einen Schrei hervorzubringen. Glühender Schmerz stieß von seinem Herzen her bis in die letzte Faser seiner Nerven.

Dann spürte er nichts mehr. Auch nicht den Hieb mit dem Paddel, der ihn über der Stirn traf. Wie ein Stein versank er in den Fluten.

Der Mörder kehrte zu seinem Versteck unter den Trauerweiden zurück. Gründlich spähte er in alle Richtungen, bis er sicher war, daß ihn niemand beobachtet hatte. Der See lag weitab von allen menschlichen Ansiedlungen.

ICH LENKTE MEINEN WAGEN durch das Verkehrsgewühl nach Büroschluß. Immerhin kam ich im Schrittempo voran. Eine flotte Art der Fortbewegung zu dieser Tageszeit. Drüben in Manhattan Midtown, zwischen Fif th und Eighth Avenue, herrschte die übliche Stop-and-go-Tretmühle.

Die York Avenue zählt zu den besseren Gegenden. Sie hat weniger Blech und Chrom auf dem Asphalt und mehr freie Grünflächen zwischen den Häusern. In meiner Nachbarschaft hatte ich nichts geringeres als die Rockefeiler University, und zum Hauptquartier der Vereinten Nationen hätte ich einen Kieselstein werfen können.

Ich ließ den schneeweißen Mercedes 280 SE in die Tiefgarage rollen. Das Gebäude, das darüber mit 30 Stockwerken aus Beton und Glas thronte, ersetzte seit einer Woche meine gewohnte Privatadresse. Auf sehr noble Weise. Wenn ich mein Vier-Zimmer-Apartment im 12. Stock zur gehobenen Luxusklasse rechnete, so war das nicht geprahlt.

Ich bugsierte den Mercedes in die reservierte Parkbucht, nahm mein schweinsledernes Aktenköfferchen, verriegelte den Wagen und betrat den Fahrstuhl. Der Mercedes trug ein kalifornisches Kennzeichen und war auf den Namen von James Cameron in Sacramento zugelassen. Neben seinem Namen und seinem fast nagelneuen deutschen Luxusauto hatte ich von Cameron noch ein paar andere persönliche Dinge übernommen.

Auch sein persönliches Problem.

Im 12. Stock störte mein klirrender Schlüsselbund die Stille der gedämpften Teppichboden-Atmosphäre. Ich setzte mein elegantes Köfferchen ab, schob den Schlüssel ins matte Messingschloß und drehte den Knauf. Als ich den Lederkoffer aufhob und eintreten wollte, hörte ich hastige Schritte. Viel zu hastig für die behagliche Ruhe zwischen Teppichboden und indirekter Deckenbeleuchtung.

Ich ließ den Koffer fallen und wirbelte herum. Zu spät.

Sie hatten in der Nische neben dem Fahrstuhl gelauert. Zwei Männer. Mit der blindwütigen Entschlossenheit gereizter Stiere stürmten sie auf mich zu.

Der erste trieb mich mit einem Rammstoß zurück in den Korridor meiner Wohnung. Der zweite kickte meinen hübschen Aktenkoffer hinterher, bremste ab und knallte die Tür ins Schloß. Unter dem Anprall war ich mit meinem Gegner ge-' meinsam zu Boden gegangen. Beide hatten wir Glück, daß die Wohnzimmertür offenstand, denn sonst hätten wir uns unweigerlich den Schädel eingerannt.

Schon rappelte er sich wieder auf, um seinem Partner Platz zu verschaffen. Offenbar hatten sie vor, mich abwechselnd in die Mangel zu nehmen.

Mit James Cameron, für den sie mich hielten, hätten sie das vielleicht geschafft.

Der mir den Rammstoß versetzt hatte, war ein smarter dunkelhaariger Typ. Puertorikaner oder Mexikaner.

Ich warf mich halb herum, zog die Beine an und stieß mich federnd ab. Bevor er auf den Füßen stand und sein Partner nachsetzenkonnte, hatte ich den Livingroom erreicht. Auf der freien Fläche vor dem Couchtisch rollte ich mich ab, kam hoch und wirbelte herum.

Rechtzeitig, um den zweiten Mann zu empfangen. Ein bulliger Kerl, dunkelblond, mit breitem Schnauzbart. Wieder erinnerte er mich an einen Stier, als er auf mich loswalzte.

Mit einem Sidestep im letzten Sekundenbruchteil ließ ich ihn leerlaufen und gab ihm einen Seitenhieb mit auf den Weg. Er brüllte vor Schmerz, während er das Gleichgewicht verlor, vornüberstürzte und vergeblich mit den Armen ruderte. Einer der teuren Ledersessel fing ihn butterweich auf.

Der Dunkelhaarige hatte das Geschehen mit großen Augen beobachtet. Eine Sekunde zu lange bekämpfte er seine Verwunderung darüber, wie James Cameron aus dem fernen Kalifornien mit seinem Kumpel umsprang.

So war ich schnell genug bei ihm, um seinen Angriffsversuch im Keim zu ersticken. Die Deckung, die er dann aufbauen wollte, zerschlug ich mit einem Trommelfeuer von Hieben. Er wich zurück und geriet ins Wanken. Dann war da die Wand hinter seinem Rücken, die ihm Halt gab.

Ich nagelte ihn fest, wollte ihn endgültig in die Waagerechte befördern. Plötzlich war da ein verräterisches Aufblitzen in seinen Augen. Ich ließ von ihm ab und kreiselte herum.

Keine Sekunde zu spät.

Der Schnauzbärtige hatte sich erholt. Er wollte nicht länger in dem gemütlichen Sessel ausruhen. Er stieß einen Wutschrei aus, als sein lautloses Anschleichen mißglückte. Zwei Schritte war er noch von mir entfernt, als ich ihn bemerkte.

Blitzschnell wich ich aus der Reichweite des Dunkelhaarigen weg. Immerhin hatte er noch an meinen Fausthieben zu kauen, aber ich wußte nicht, wie schnell er sie verdauen würde.

Mit einem federnden Sprung erreichte ich die Nähe der Tür zum Korridor.

Der Schnauzbärtige deutete es falsch. Er nahm an, ich wollte das Weite suchen. Dieser Trugschluß veranlaßte ihn zu einem vorschnellen, unüberlegten Angriff. Wieder versuchte er es in der Manier einer Dampfwalze. Es sah bedrohlich für mich aus.

Breitbeinig, leicht vornübergebeugt, erwartete ich ihn. Und diesmal ließ ich ihn kommen. Zu seiner grenzenlosen Überraschung, denn er glaubte, daß ich meine Sidestep-Taktik noch einmal anwenden würde. Das erkannte ich, als er seinen Vormarsch abstoppte, kurz bevor er mich erreichte.

Aber ich blieb, wo ich war. Statt ihn leerlaufen zu lassen, warf ich mich jäh nach vorn. Mühelos durchbrachen meine Fäuste seine Deckung. Kurz nacheinander versetzte ich ihm zwei bretterharte Gerade vor den Brustkasten, die ihn zurücktrieben. Wankend machte er kleine schnelle Schritte rückwärts, um sein Gleichgewicht einzufangen. Dabei streckte er beide Arme aus, als könne er sich an mir festhalten.

Aber dazu ließ ich es nicht kommen. Aus den Augenwinkeln heraus sah ich, daß der Dunkelhaarige neuen Mut sammelte. Er schüttelte sich, versuchte die Benommenheit endgültig loszuwerden und war im Begriff, sich von der Wand abzustoßen.

Ich mußte kurzen Prozeß machen, wenn ich nicht doch noch ins Hintertreffen geraten wollte.

Aus dem Stand heraus folgte ich dem Schnauzbärtigen mit einem Sprung. Er war noch nicht sicher auf beiden Beinen. Und bevor er das schaf fte, rammte ich ihn zu Boden. Diesmal verfehlte er den Sessel, der ihm eine weiche Landung beschert hätte. Der Länge nach schlug er hin.

Reaktionsschnell rollte ich mich neben ihm ab. Ich brauchte nur einen Sekundenbruchteil, um federnd neben ihm hochzukommen und ihm meine rechte Handkante zu verpassen.

Es reichte. Er streckte sich.

Sofort warf ich mich herum, um meinen dunkelhaarigen Freund in Empfang zu nehmen.

Er hatte seinen Anstrum schon begonnen, als er die Wirkung meines Handkantenhiebes auf seinen Partner erkannte. Er prallte zurück, als werde er von einer unsichtbaren Mauer aufgehalten. Jähe Mutlosigkeit malte sich in seine Züge.

Bevor ich ihn mir greifen konnte, wich er zurück. Diesmal war ich es, der sich eine Sekunde zu lange von der Verblüffung aufhalten ließ. In jäher panischer Hast verschwand der Dunkelhaarige im Korridor.

Als ich ihm folgte, knallte die Wohnungstür zu. Noch einen Moment lang hörte ich die Schritte des Fliehenden. Dann das Summen des Fahrstuhls.

Ich hätte es vielleicht noch geschafft. Aber ich ließ es und besann mich auf meine Rolle als James Cameron. Ich mußte mich um das Naheliegende kümmern. Also verriegelte ich die Wohnungstür von innen und kehrte in den Living-room zurück.

Der Schnauzbärtige schlummerte noch auf dem weichen Teppichboden. Ich ging in die Küche, fand eine Rolle Paketklebestreifen und wickelte die reißfeste Folie erst um seine Handgelenke und dann um die Fußgelenke. Anschließend tat ich das, was jeder gesetzestreue Bürger in meiner Situation tun mußte. Ich ging zum Telefon, kurbelte die Notrufnummer herunter und bat die Cops, einen Streifenwagen zu schicken.

Ich stellte fest, daß mein ruppiger Besucher noch immer im Traumland ausharrte. Zufrieden ging ich in die Küche und setzte die Espressomaschine in Gang. Als ich löffelrührend mit meiner Tasse ins Wohnzimmer zurückkehrte, gab der Schnauzbärtige ein Stöhnen von sich und blinzelte. Ich setzte mich neben ihm in den Sessel, nippte an meinem pechschwarzen Kaffee, stellte die Tasse auf den Tisch und zündete mir eine Zigarette an.

Sein Blick wurde klarer. Eben noch ausdruckslos, nahmen seine Augen ein bösartiges Funkeln an, als er mich sah. Er wollte sich bewegen und begriff erst in diesem Moment, daß ich ihm die Freiheit genommen hatte. Wütend zerrte er an den Klebestreifen, nur mit dem Ergebnis, daß sie tief in seine Handgelenke schnitten. Er gab es auf.

»Schweinehund«, knurrte er.

Ich nickte, nahm noch einen Schluck Kafffee und rauchte ihm etwas vor.

»Sorry, daß ich euch so unfreundlich empfangen habe«, sagte ich. »Ich muß mich an die New Yorker Sitten erst gewöhnen.« Es fiel mir nicht schwer, den breiten kalifornischen Akzent nachzuahmen.

»Mach nur weiter so!« zischte er. »Hier werden sie dir noch die Flötentöne beibringen.«

»Wer?«

»Das möchtest du wissen, was?«

»Ja. Und warum sagst du es mir nicht, Amigo?«

Er lachte nur leise und glucksend. Trotz seiner Niederlage schien er sich noch überlegen zu fühlen. Die Männer, die hinter ihm standen, hatten alle Hebel in der Hand.

»Wie heißt du?« fragte ich.

»Donald Duck«, grinste er.

»Fein, Donald.« Ich leerte meine Kaffeetasse und stellte sie mit einem entschlossenen Ruck weg. »Dann überlassen wir das Fragen denen, die mehr davon verstehen.«

Sirenengeheul näherte sich an- und abschwellend in der Straßenschlucht.

Er starrte mich entgeistert an. »Bist du verrückt, Mann? Hast du etwa...«

Ich brauchte nicht zu antworten, denn das Geheul schwoll noch einen Moment lang an und endete dann mit einem langgezogenen Jaulton ganz in der Nähe.

»Das war ein Fehler«, sagte Donald Duck giftig. »Mann, das war der größte Fehler, den du jemals gemacht hast! Kommst aus Kalifornien hierher und markierst gleich den wilden Mann! Ich sage dir, dafür wirst du dir noch selber in den Hintern treten und...«

»Du redest zuviel, Donald«, unterbrach ich ihn und stand auf, denn die Türglocke ließ einen dezenten Gongton vernehmen. Im Vorbeigehen drückte ich die Zigarette im Aschenbecher aus.

Draußen standen zwei uniformierte Cops mit gezogenen Dienstrevolvern. Ein Sergeant und ein Patrolman. Ihre Uniformhemden waren verschwitzt. Beide waren breitschultrig und rötlichblond, der Sergeant einen halben Kopf größer als sein jüngerer Kollege. Beiden sah man die irische Abstammung an der Nasenspitze an. Unschwer festzustellen, denn mindestens jeder zweite New Yorker Cop hat seine Vorfahren auf der grünen Insel Eire.

Sie vergewisserten sich, daß ich der James Cameron war, der bei ihrem Revier angerufen hatte. Dann folgten sie mir in die Wohnung, überprüften, ob es außer Donald Duck noch weitere Anwesende gab und schoben erst danach ihre Smith & Wessons in die Gürtelhalfter. Ich mußte den Vorfall schildern und erntete dafür Blicke, die anerkennend und forschend zugleich waren.

»Haben Sie irgendwelche Kurse gemacht, Mr. Cameron?« fragte der Sergeant. »Selbstverteidigung oder sowas?« Sein junger Kollege notierte Stichworte auf einem dicken Notizblock, der in einer abgewetzten Lederhülle steckte.

»Ja«, antwortete ich. »Karate und all dieses Zeug. Und ein bißchen Bodybuilding. Eigentlich habe ich überall mal reipgerochen. Wenn man auf die 40 zugeht... und dann bei meinem Schreibtischjob... da braucht man was für den körperlichen Ausgleich.«

Meine Haare waren mit grauen Strähnen durchsetzt, und ich trug einen gepflegten Oberlippenbart in der gleichen Machart. Den letzteren hatte ich mir wachsen lassen. Um die grauen Strähnen echt aussehen zu lassen, hatte Windermeere, unser Maskenbildner beim FBI-Distrikt New York, nur einen Bruchteil seiner Künste aufwenden müssen.

»Erstatten Sie Anzeige?« erkundigte sich der Sergeant. »Was wir haben, wäre mindestens Hausfriedensbruch und vorsätzliche Körperverletzung.«

»Natürlich«, nickte ich. »Sonst hätte ich Sie nicht angerufen. Kerle wie der da...« ich deutete mit einer Kopfbewegung auf den schnauzbärtigen Donald, »... müssen viel öfter eins drauf kriegen, damit sie sich nicht ungestraft auf führen können wie die Wandalen.«

Der Gefesselte stieß einen wütenden Knurrlaut aus. Sonst hatte er noch keinen Ton von sich gegeben. Ich wußte im voraus, daß er diese Taktik auch bei seiner Vernehmung beibehalten würde.

»Gut, Sir«, brummte der Sergeant. »Eine Ahnung, weshalb der Bursche mit seinem Komplizen hier aufkreuzte?«

»Sicher. Es muß mit der Firma zu tun haben, bei der ich eingestiegen bin. Safe-trans, ein Speditionsunternehmen für hochwertige Güter. Spezialtransporte, wenn Sie so wollen. Meine Partner werden schon seit einiger Zeit unter Druck gesetzt. Für mich ist klar, daß die Konkurrenz mit der schmutzigen Weste dahintersteckt.«

Der Sergeant und der Patrolman wechselten einen Blick. Sie begannen zu ahnen, daß sie den Fall an eine höhere Stelle abgeben würden. Sie wußten, was unter solchem »Konkurrenzdruck« zu verstehen war. Sie forderten mich auf, Einzelheiten zu schildern, notierten sich Namen und Adressen der Geschäftspartner, mit denen ich als James Cameron zusammenarbeitete.

Davor, daß meine Personalien überprüft wurden, brauchte ich keine Angst zu haben. Der echte James Cameron war in der Versenkung verschwunden. Er hatte sich klammheimlich nach Argentinien abgesetzt, wo Verwandte von ihm lebten. Nur wir vom FBI kannten seinen Aufenthaltsort, damit wir ihn notfalls schnell zurückholen konnten.

Cameron, 39 Jahre alt und Junggeselle, arbeitete in Sacramento, Kalifornien, als zweiter Mann in einem Steuerberatungsbüro. Er hatte genug Geld auf die hohe Kante gelegt, um als Teilhaber in die junge Firma Safetrans in New York einzusteigen. Was kein Zufall war, denn die beiden Gründer des Unternehmens, Gerald Howe und Brian Ziegler, waren seine Freunde und stammten ebenfalls aus Sacramento.

In New York hatten die beiden eine Marktlücke entdeckt. Seitdem transportierten ihre Fahrzeuge mit wachsendem Erfolg hochwertige Sachen, wie beispielsweise Industriediamanten und Laborgeräte. Güter also, die bisweilen den Wert eines Geldtransports überstiegen. Die einzige Konkurrenz, die es gab, hatte bislang den Markt in diesem Dienstleistungsgeschäft beherrscht, war aber bei weitem nicht in der Lage gewesen, mit der steigenden Zahl der Aufträge Schritt zu halten. Safetrans hatte sich daher durch seine schnelle und zuverlässige Arbeitsweise rasch einen Kundenstamm erworben.

Mit welchen Methoden die Hintermänner der besagten Konkurrenz arbeiteten, hatten Howe und Ziegler sehr bald zu spüren bekommen. Ihre Transporte, obwohl streng bewacht, wurden immer häufiger überfallen. Auch die Angestellten und schließlich Howe und Ziegler selber wurden bedroht — auf ähnliche Art und Weise, wie es mir soeben passiert war. Schließlich hatten sie das einzig Richtige getan und das FBI verständigt. Das Ergebnis war mein Gastspiel als James Cameron.

Ich wartete, bis die beiden Cops mit dem Schnauzbärtigen abmarschierten. Vom Fenster aus beobachtete ich, wie sie ihn in den Streifenwagen verfrachteten.

Dann verließ ich das Apartment und ging zu Fuß die York Avenue hinunter. Erst als ich sicher war, daß mich niemand verfolgte, betrat ich eine Telefonzelle und wählte die Nummer des FBI-Distriktgebäudes an der Federal Plaza. Meine Verbindung bekam ich sofort. Milo Decker hielt sich in dem Büro auf, das wir sonst gemeinsam benutzen.

»Du hast Glück«, sagte er, »ich bin auf dem Sprung.«

»Ich hatte Besuch«, sagte ich und schilderte, was vorgefallen war. Hier in der Telefonzelle war ich sicher, daß mein Gespräch nicht abgehört wurde. Ich wollte vorerst kein Risiko eingehen, das meine Lockvogel-Rolle platzen lassen konnte.

»Okay«, antwortete mein Freund. »Ich lasse den Burschen von unseren Leuten abholen. Selbst kann ich mich nicht darum kümmern. Ich muß nach Livingston in New Jersey. Einer der Safetrans-Fahrer ist in der Gegend verschwunden. Die Highway Patrol hat seinen Lieferwagen auf einem Parkplatz gefunden. Nach dem Mann wird noch gesucht.«

»Wer ist es?« fragte ich gespannt. »Alfred Gardner. Kennst du ihn?«

»Ja. Ein zuverlässiger Mann, 52 Jahre alt. Seit mehr als 30 Jahren Truckfahrer.«

»Okay. Melde dich wieder! Vielleicht kann ich dir bald mehr sagen.«

Ich legte auf. Nachdenklich verließ ich das Telefonhäuschen und begab mich auf den Rückweg zu meinem Apartment. Es nahm kein Ende mit der Auseinandersetzung um die hochbezahlten Spezialtranspörte. Zu welcher Sorte die Hintermänner der Konkurrenz gehörten, war uns längst klar. Nur mußten wir noch herausfinden, mit wem wir es zu tun hatten. Zuständig waren wir vom FBI aus zwei Gründen: Erstens ging es um organisiertes Verbrechen, und zweitens nahm Safetrans Lieferungen in verschiedene Bundesstaaten vor.

Ich hatte das Gefühl, daß wir die Gegenseite allmählich aus der Reserve lockten.

Wenn ich aber an Alfred Gardner dachte, war mir überhaupt nicht wohl dabei.

MIT PFEIFENDEM TURBINENGERÄUSCH sank der Polizeihubschrauber dem Landekreuz entgegen. Sie hatten die Tücher auf einer kleinen Wiese ausgelegt, die von Bäumen umsäumt war. Die Landung wurde für die Piloten zur Maßarbeit. Am Rand der Wiese harrten Männer in Zivil und in Uniform aus. Der Rotorwind preßte ihnen die Hosen gegen die Knochen und verlieh ihnen dürre Spinnenbeine.

Ruckfrei setzte der Pilot die Maschine, einen Bell Jet Ranger im Blau-Weiß des New York City Police Department, auf. Das Rotorgeheul erstarb.

Milo Decker zog seinen Helm vom Kopf und löste den Gurt. Lächelnd klopfte er dem Piloten auf die Schulter. »Vielen Dank. Ich werde sehen, daß es nicht zu lange dauert.«

»Schon gut, Sir.« Der Beamte lächelte zurück. Mit einer Handbewegung deutete er nach draußen. »Ich habe die leise Hoffnung, daß ich hier wenigstens etwas Eßbares kriege. Ich bin seit acht Stunden im Dienst. Mehr als ein Hamburger und zwei Tassen Kaffee waren nicht drin.«

Rings um den See hatte die State Police von New Jersey ein Großaufgebot an Fahrzeugen anrollen lassen. Anzunehmen, daß sie auch an die Verpflegung.der Leute gedacht hatten. Der Einsatz mit mehreren hundert Hilfskräften konnte sich noch über Stunden hinziehen.

Milo Decker schob seine langen Beine aus der Hubschrauberkanzel und schwang sich mit einem Satz ins Freie. Die Männer, die am Rand der Wiese gewartet hatten, kamen dem hochgewachsenen FBI-Beamten entgegen. Sie begrüßten Decker außerhalb des Rotorkreises. Der Ordnung halber klappte er sein Lederetui mit dem matt schimmernden FBI-Adler auf.

»Captain Dopp«, stellte sich der Ranghöchste unter den Beamten vor. Ein hagerer Mann mit scharfgeschnittenen Gesichtszügen und einer hervorstehenden Hakennase. Er leitete das Detective Department der State Police in Newark, die für dieses Gebiet zuständig war.

Die übrigen Beamten stammten von weiteren Dienststellen der State Police, von der Highway Patrol, der örtlichen Feuerwehr und einer Pioniereinheit der Armee, die im nahegelegenen Pleasantdale statoniert war.

»Es ist gut, daß Sie uns so frühzeitig verständigt haben«, sagte Decker.

Captain Dopp lächelte kaum merklich.

»Der Zentral-Computer in Washington hat auf das Stichwort Safetrans reagiert. Im übrigen gehört meine Dienststelle aber nicht zu denen, die das FBI außen vorlassen, wenn es geht.«

Der G-man winkte ab. Dopp spielte auf ein altes Übel an. Es gab immer noch Kollegen bei den örtlichen Polizeibehörden, die das FBI als Konkurrenz betrachteten und sich selbst für das Fußvolk hielten, das die Dreckarbeit zu erledigen hatte. Seit Hoovers Gründerzeiten, als solches Denken tatsächlich begründet gewesen war, hatte sich viel geändert. Aber vielen im Dienst ergrauten Cops steckten die Begegnungen mit jenen arroganten FBI-Agenten, die sich zur Elite zählten, noch heute in den Knochen.

»Haben Sie schon Ergebnisse?« fragte Milo Decker.

»Kleinigkeiten«, antwortete Dopp. »Den Mann selbst haben wir noch nicht gefunden.«

»Dann würde ich mir gern die Stelle ansehen, wo der Lieferwagen gefunden wurde.«

Es waren nur 50 Yard bis zu dem Highway-Parkplatz. Die übrigen Beamten blieben zurück, während Decker und Dopp hinübergingen. Nachdem eine Streife der Highway Patrol auf den verwaisten Eintonner mit dem Kastenaufbau aufmerksam geworden war, hatten sie zunächst eine Blitzanfrage per Funk an NCIC gerichtet. NCIC steht für »National Crime Information Center«, das zentrale Computerarchiv des FBI in Washington D.C., von dem jede Polizeidienstsfslle in den Vereinigten Staaten jederzeit Informationen abrufen kann. Neben der Personenkartei sind dort unter anderem auch Daten, der als gestohlen gemeldeten Fahrzeuge, gespeichert.

Die Anfrage der Highway Patrol hatte zwar nicht den Verdacht erhärtet, daß Kraftfahrzeugdiebe den weißen Kastenwagen zurückgelassen hatten. Aber der , Computer hatte mitgeteilt, daß die Firma Safetrans ein FBI-Fall sei. Über den FBI-Distrikt New Jersey war das New Yorker Field Office verständigt worden.

Die Böschung, die zum Parkplatz hinaufführte, war mit kniehohem Gras und niedrigem Gebüsch bewachsen. Es gab mehrere ausgetretene Pfade, die zum See hinunterführten.

»Die Fahrer, die die Gegend kennen, legen hier gern eine Badepause ein«, erklärte Dopp, während sie über die Leitplanke stiegen. »So muß es auch in Gardners Fall gewesen sein. Er hatte eine Ladung Industriediamanten in Livingston abgeliefert und war auf dem Rückweg nach New York.«

Der Parkplatz war abgesperrt. Rotweißes Trassierband flatterte vor Einfahrt und Ausfahrt im schwachen Wind. Motorrad-Cops hatten ihre schweren Harley-Davidsons aufgebockt und hielten Wache. Ein Kommando von Spurensicherern war noch mit dem weißen Kastenwagen beschäftigt. Rote Streifen zierten das Fahrzeug an seiner Gürtellinie. Eine weitere Kennzeichnung gab es nicht. Safetrans hatte auf einen marktschreierischen Namenszug verzichtet. Wer teure Sachen durch die Gegend kutschierte, mußte nicht noch extra auf-sich aufmerksam machen.

»Wie sieht es aus?« erkundigte sich Captain Dopp bei dem Leiter des Spurensicherungskommandos, einem grauhaarigen Beamten.

»Nichts, Sir. Eins steht fest: Eine Auseinandersetzung hat hier nicht stattgefunden. Wir nehmen uns die Umgebung noch etwas genauer vor, aber ich glaube nicht, daß wir etwas finden.«

Dopp bedankte sich und zeigte dem FBI-Beamten die Stelle, an der Gardners Fußspuren jenseits der Leitplanke gesichert worden waren. Ein Pfad führte von hier aus fast schnurgerade die Böschung hinunter zum See. Der Überblick über das Gelände war hervorragend.

»Ein Baggersee?« erkundigte sich Milo Decker. Auf der stillen Wasserfläche, mit ihren unregelmäßig geformten Ufern, dümpelten mehrere Schlauchboote. Die Taucher, die den Grund absuchten, stammten von den Army-Pionieren.

»Nein, ein natürliches Gewässer«, antwortete Captain Dopp. »Die Landschaftsschützer haben sich damals beim Highway-Bau durchgesetzt. Die Fahrbahntrasse wurde um den See herumgeführt. Wie alt der ist, sehen Sie an den Trauerweiden. Unsere Taucher haben da drüben übrigens ein versenktes Kanu gefunden. Ziemlich neu noch. Der Rumpf ist angebohrt und mit Steinen beschwert gewesen. Ob es mit unserem Fall etwas zu tun hat, können wir noch nicht sagen.«

Milo Decker zog die Augenbrauen hoch und sah den Captain von der Seite an. »Spuren?«

»Nur ein paar Fußabdrücke am Ufer. Landeinwärts gibt es Weiden mit hohem Gras. Falls es weiter entfernt Reifenspuren geben sollte, werden wir sie finden.« Dopp deutete auf das grüne Land rings um den See. Kolonnenweise waren dort die Suchtrupps von Army und Feuerwehr unterwegs. »Solange nicht feststeht, daß Gardner ertrunken ist, müssen wir auch an Land suchen. Wir haben Glück, daß es erst in zwei Stunden dunkel wird.« Milo Decker nickte versonnen. Er stieg über die Leitplanke, und der Captain folgte ihm. Als sie die Stelle erreichten, an der Gardners Kleidungsstücke gefunden worden waren, meldete sich Dopps Walkie-talkie mit schnarrendem Rufzeichen.

Der Captain nahm das brieftaschengroße Funkgerät und schaltete auf Empfang.

»Hier Lieutenant Bums. Wir haben ihn, Captain! Es sieht so aus, als ob wir ihn haben! Over.«

Milo und Dopp spähten auf den See hinaus. Etwa in der Mitte der Wasserfläche vereinten sich die Schlauchboote zu einem Pulk. Was sich abspielte, war nicht genau zu erkennen, da sich die Männer hastig bewegten, sich in den Booten aufrichteten und mit ihren Silhouetten den Blick versperrten.

»Lassen Sie die Suchtrupps an Land zusammenziehen!« sagte der FBI-Beamte kurzentschlossen. »Sie sollen sich auf die Uferseite konzentrieren, an der das Kanu gefunden wurde.«

»In Ordnung«, nickte Dopp. Er gab die entsprechende Anweisung per Funk durch.

Wenig später erreichten Milo Decker und der Captain die kleine Bucht in der Nähe des Hubschrauberlandeplatzes, wo jetzt die Schlauchboote eintrafen. Außenbordmotoren erstarben mit blubbernden Geräuschen. Nacheinander sprangen die Männer ins seichte Uferwasser und zogen die Boote höher an Land. Dort war bereits Gedränge entstanden. Kommandos wurden gebrüllt. Beamte rannten hin und her. Ein Kastenwagen des Erkennungsdienstes rollte im Rückwärtsgang heran. Schwerfällig patschten die Taucher mit ihren Schwimmflossen an Land und begannen, sich ihrer Sauerstofflaschen und der Neoprene-Anzüge zu entledigen.

Eine Gruppe von Army-Soldaten aus den Schlauchbooten trug den Toten an Land. Milo Decker und Captain Dopp beobachteten das Geschehen aus unmittelbarer Nähe. Der leblose Körper des Mannes war nur mit einer Badehose bekleidet. Die Helfer betteten ihn auf eine Folienplane und machten dem Polizeiarzt Platz, der seinen Koffer abstellte und neben der Leiche in die Knie ging.

Einer der Erkennungsdienstbeamten tauchte aus dem Gewühl auf und brachte die Ausweispapiere Alfred Gardners. Milo Decker nahm die ID-Card und trat näher an den Toten heran. Ein Blick auf das Paßfoto genügte, um festzustellen, daß kaum ein Zweifel möglich war. Es handelte sich eindeutig um den vermißten Safetrans-Fahrer. Daran vermochte auch die deformierte Stirnpartie nichts zu ändern, die sich dunkel verfärbt hatte.

Der Arzt hob den Kopf und sah den G-man an.

»Sind Sie der Mann vom FBI?«

»Ja. Können Sie schon etwas sagen?«

»Wenn Sie damit meinen, ob ich den Tod feststellen kann: ja. Wenn Sie sonst noch etwas von mir hören wollen, dann sind es nur Vermutungen. Nageln Sie mich also nicht darauf fest!«

»Keine Sorge. Zu der Sorte gehöre ich nicht.« Decker zeigte auf die Stirn des Toten. »Was hat das zu bedeuten?«

Aus der Ferne war jetzt das Rotorengeräusch eines Hubschraubers zu hören.

»Es kann sich um einen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand handeln«, antwortete der Doc. »Es gibt aber noch eine Menge andere Möglichkeiten. Bei Toten, die wir aus dem Wasser bergen, kann es zum Beispiel sein, daß sie von einem Motorbootfahrer übersehen wurden und...«

»Motorboote sind hier nicht erlaubt«, unterbrach ihn Captain Hope. »Dies ist ein Naturschutzgebiet«.

Das Hubschraubergeräusch schwoll rasch an.

»Ich will nur sagen, daß man sich nicht auf eine bestimmte Möglichkeit festlegen sollte, bevor das Obduktionsergebnis vorliegt«, erwiderte der Polizeiarzt. »Wenn Sie von mir wissen wollen, ob der Mann nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung ertrunken ist, kann ich nur sagen, daß das nicht auszuschließen ist.«

»In Ordnung. Mir genügt das«, sagte Milo Decker und wandte sich ab.

Über den Baumkronen schwebte die Silhouette eines Hubschraubers heran. Die Maschine war gelb-schwarz lackiert, in den Farben der New Yorker Fluggesellschaft Domestic Air Service.

»Das wird jemand von Safetrans sein«, sagte Captain Dopp. »Ein Mr. Gerald Howe wurde uns per Funk angekündigt.« Als sie zum Landeplatz hinübergingen, sah Decker seinen Piloten mit einem Pappteller in der Nähe eines Küchenwagens. Die Army hatte mit dampfendem Eintopf für einen etwaigen stundenlangen Sucheinsatz vorgesorgt.

Der schwarz-gelbe Hubschrauber, gleichfalls ein Bell Jet Ranger, landete haarscharf neben der Polizeimaschine. Gerald Howe sprang ins Freie und lief geduckt, bis er den Rotorkreis verlassen hatte. Das Jackett seines hellblauen Sommeranzugs wehte hoch empor.

Milo Decker kannte den 38jährigen Mitinhaber von Safetrans bereits aus verschiedenen Gesprächen im New Yorker FBI-Gebäude. Howe war gut 1,80 Meter, groß, schlank und dunkelhaarig; er trug keinen Bart. Wegen seiner Körpergröße wirkten seine Bewegungen etwas schlaksig. Decker wußte aber, daß dieser Mann voller Energie steckte.

»Kann ich ihn sehen?« fragte Howe nur, nachdem der FBI-Beamte ihn in kurzen Zügen unterrichtet hatte. Kein Muskel zuckte im Gesicht des Mannes, der aus Kalifornien an die Ostküste gekommen war, um sein Glück als selbständiger Unternehmer zu versuchen.

Milo Decker und Captain Dopp führten ihn zu dem Kastenwagen des Erkennungsdienstes. Die Helfer waren im Begriff, den Toten in einen Aluminiumsarg zu betten. Sie hielten inne. Auch wenn sie Howe nicht kannten, waren sie doch lange genug im Geschäft, um zu spüren, daß er etwas mit dem Toten zu tun gehabt hatte.

Minutenlang stand Gerald Howe regungslos da und starrte auf den Mann, dessen jahrzehntelange Erfahrung als Truckdriver so entscheidend zum Erfolg des jungen Unternehmens Safetrans beigetragen hatte. Howes Gesichtszüge waren wie aus Stein gemeißelt, als er sich ruckartig umwandte und auf den FBI-Beamten zuging. Nur an seinen Fäusten, geballt an scheinbar kraftlos herabhängenden Armen, war zu erkennen, welche Empfindungen innerlich in ihm tobten.

»Ich habe ihn auf dem Gewissen«, sagte er tonlos. »Verdammt, ich habe ihn auf dem Gewissen.«

Milo Decker schüttelte energisch den Kopf. Er legte ihm die Rechte auf die Schulter.

»Hören Sie auf damit, Gerald! So hat es keinen Sinn. Das wissen Sie genau.« Howe sah den G-man eine Weile schweigend an. »Wenn wir aufgegeben hätten«, murmelte er dann, »wäre dies nicht passiert. Später wird man von mir sagen können, daß ich über Leichen gegangen bin, um meinen geschäftlichen Erfolg durchzusetzen.«

»Nicht Sie, Gerald. Die Kräfte, die Ihnen Steine in den Weg werfen wollen, gehen über Leichen.«

»Was ändert das? Himmel, wenn ich gewußt hätte, mit welchen brutalen Methoden in New York gearbeitet wird...« Er ließ den Rest unausgesprochen.

»Sie denken in einer falschen Richtung, Gerald«, sagte Milo Decker beharrlich. »Das organisierte Verbrechen gibt es in Kalifornien genau so wie hier bei uns. Sie können mir glauben, daß ich das beurteilen kann. Nur haben Sie dort unten in Sacramento in einem Unternehmen gearbeitet, das über alle Anfeindungen erhaben war. Hätten Sie Safetrans in Sacramento gegründet, hätte Ihnen dasselbe passieren können wie in New York.« Gerald Howe lachte leise und bitter. »Ich weiß, daß Sie alles versuchen, um mich zu beruhigen, Milo. Aber ich kann die Sache nicht so einfach abschütteln. Alfred Gardner trug viel Verantwortung für seine Familie. Zwei schon erwachsene Kinder, denen er das Studium finanzierte, und eine Mutter, für die er den Aufenthalt im Alterspflegeheim bezahlen mußte. Ich glaube, wenn ich seiner Frau gegenübertrete, wird es das erste Mal in meinem Leben sein, daß ich keine Worte finde.«

»Ich kann Ihnen das abnehmen, Gerald.«

»Nein«, entgegenete er rauh. »Das ist das Mindeste, was ich tun muß.«

DER LÄRM DER HAFENANLAGEN wurde ausgesperrt, als Frank Moore die Eingangstür des Lagerhauses hinter sich schloß. Er sah sich kurz um. Hier im vorderen Teil des riesigen Gebäudes befanden sich die Büros. Zögernd wie jemand, der nicht weiß wohin er sich wenden soll, suchte Moore die Türen ab, die in den langen Korridor mündeten.

Die wenigen Fensterscheiben waren staubig. Neonröhren verstreuten kaltes Licht. Draußen hatte die Dämmerung begonnen. Es roch nach den Warenproben, die sie hier aufbewahrten. Gewürze, Kaffee, Tee, Rohkautschuk und wer weiß noch was. Eine Duftmischung mit dem Hauch ferner Kontinente.

Eine Tür flog auf. Ein junger Angestellter stürmte hemdsärmlig heraus, mit einem Packen Papiere unter dem Arm. Er mußte seinen Schwung abbremsen, um nicht mit Moore zusammenzuprallen.

Der aschblonde Mann im dunkelgrauen Straßenanzug tat verwirrt. »Verzeihung, Sir, ich suche Mr, Crossfield. Es handelt sich um...«

»Erster Stock«, unterbrach ihn der Angestellte und hastete weiter. »Dritte Tür links.«

»Danke, Sir, vielen Dank«, sagte Moore mit einer angedeuteten Verbeugung, aber der junge Clerk war schon am anderen Ende des Korridors. Moore ging die knarrende Treppe hinauf und klopfte an die angegebene Tür.

Die Frau, die ihn einließ, war um die 40, brünett und mollig, ein mütterlicher Vorzimmertyp.

»Mein Name ist Emerson, George Emerson«, sagte Moore. Ein unauffälliger Blick zeigte ihm, daß er das richtige Office erwischt hatte. Durch das Fenster konnte er das gesamte Nachbargrundstück überblicken. »Ich unterrichtete die 8. Klasse an der Bay Ridge Boys School. Ich habe mit dem Leiter Ihres Hauptbüros an der Atlantic Avenue telefoniert. Er sagte mir, ich sollte mich mit Mr. Crossfield in Verbindung setzen. Es handelt sich um...«

»Eine Besichtigung«, nickte die Frau. »Sie möchten mit Ihren Schülern ein wenig den Hafenbetrieb kennenlernen. Anschauungsunterricht, nicht wahr?«

»Oh, Sie haben so etwas öfter?«

»Fast jede Woche, Mr. Emerson. In so einem Lagerhausbetrieb wie bei uns können Sie sich sogar jede Uhrzeit aussuchen, selbst nachts. Wir arbeiten im Schichtdienst rund um die Uhr. Wenn die Schiffe anlegen, müssen sie abgefertigt werden. Jede Stunde Liegezeit kostet eine Menge Geld.«

»Ah, ich verstehe. Das wird die Jungen mächtig interessieren. Nachts im Hafen... nun ja, kann ich Mr. Emerson denn sprechen?«

»Wenn Sie sich einen Moment gedulden. Er ist drüben im Lager, Muster stechen, wird aber jeden Augenblick wieder hier sein.« Die Sekretärin führte Moore in einen Nebenraum, der offenbar als Besprechungszimmer diente.

Einen Atemzug lang fürchtete er um die gute Aussicht. Dann aber, als die Frau ihn alleingelassen hatte, nickte er zufrieden. Auch vom Fenster dieses Raumes aus war das Nachbargrundstück einzusehen. Die Safetrans-Gebäude waren alt, verwittert und mit einer dicken Staubschicht überzogen wie alles in dieser Gegend an der Reed Street in South Brooklyn. Die hektische Betriebsamkeit des Hafens hinterließ ihre Spuren jahrzehntelang. Auf Sauberkeit und Ordnung legte hier niemand Wert. Moore verzog das Gesicht. Die Gegend stank nach Gewinnsucht. All das, was kein Geld einbrachte, wurde vernachlässigt.

Das Grundstück der Firma Safetrans war provisorisch auf den neuen Unternehmenszweck umgestellt worden. Eigentlich hatten Howe und Ziegler nur die Namensschilder ausgewechselt, als sie das Betriebsgelände vor einem Jahr übernommen hatten. Die Vorgängerfirma, eine Überseespedition, hatte Konkurs gemacht. Howe und Ziegler hatten Grundstück und Gebäude für ein Ei und ein Butterbrot an Land gezogen.

Neu waren nur die Dodge-Kastenwagen mit dem weißen Aufbau. Zwei davon standen vor dem Hauptgebäude, einer alten Lagerhalle aus schmutzigem Backstein. Die Büros befanden sich im ersten Stock.

Moores Augen verengten sich unvermittelt, als jemand aus dem Officeeingang trat und die Freitreppe an der Stirnseite des Gebäudes hinunterging. Der Mann trug schwarze Hosen und eine dunkelgraue hüftlange Lederjacke. Seinen Patronengurt mit dem schweren Smith & Wesson hatte er zurückgelassen. Dienstschluß.

Moore hatte den Mann vor einer halben Stunde beobachtet, als er mit einem der weißen Eintonner eingetroffen war. Joe Boswell, einer der Fahrer, die gleichzeitig für Sicherungsaufgaben ausgebildet waren. Moore wartete nicht ab, bis Boswell seinen Privatwagen erreichte, der neben anderen Limousinen unter einem Schutzdach vor einem der Nebengebäude parkte.

Eilends verließ der aschblonde Mann das Zimmer und deutete mit einer entschuldigenden Geste auf seine Armbanduhr.

»Es tut mir leid, Madam, ich kann nun doch nicht länger warten. In zehn Minuten fängt ein Abendkursus ari, den ich leite. Würden Sie Mr. Crossfield grüßen und ihm sagen, daß ich mich wieder melde?«

Die Sekretärin nickte nur und blickte ihm kopfschüttelnd nach, als er hinaushastete.

Seinen Wagen, einen froschgrünen Pontiac Sunbird, hatte Frank Moore dicht bei der Einfahrt des Lagerhausbetriebes abgestellt, auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ohne sonderliche Eile überquerte er die Fahrbahn, schwang sich hinter das Lenkrad und wartete.

Etwa zwei Minuten später rollte ein dunkelblauer Datsun Bluebrid vom Safe-trans-Grundstück und bog nach links ab. Moore erkannte Boswell, ohne seine Augen anstrengen zu müssen. Er startete den Motor, ließ zwei röhrende Container-Trucks vorbeifahren und nahm die Verfolgung auf.

Nur für einen Moment zog er zur Fahrbahnmitte, um an den Trucks vorbeizuspähen. Der Bluebird fuhr geradeaus. An der nächsten Kreuzung bog der Truck vor Moore nach rechts ab. Er schloß auf und überzeugte sich abermals, daß Boswell seine Richtung beibehielt.

Erst an der übernächsten Einmündung bog der Safetrans-Fahrer nach links ab. Moore verringerte das Tempo. Erst nachdem er den Sicherheitsabstand für ausreichend hielt, lenkte er seinen Pontiac ebenfalls nach links. Die Straße war belebter. Es gab eine Reihe von Kneipen, Imbißlokalen und kleinen Geschäften mit vergitterten Schaufenstern. Die Häuser waren so alt und verkommen wie die ganze Umgebung.

Der Bluebird schlich etwa hundert Yard voraus an den parkenden Fahrzeugen entlang. Boswell suchte eine Parklücke. Moore kannte den Grund, denn er hatte den Mann auch während der zurückliegenden Tage mehrfach beobachtet, um sich ein genaues Bild seines Tagesablaufs zu verschaffen. Er gab Gas und überholte Boswell in dem Moment, als dieser eine Lücke gefunden hatte und an die Bordsteinkante rangierte.

Moore fuhr bis zur nächsten Ecke, umrundete den Häuserblock und parkte in der Parallelstraße. Dann ging er zu Fuß zurück.

Die Lage war günstiger, als sie einem Nichtfachmann erscheinen mochte. Boswell befand sich in seinem Stammlokal, Mario’s Luncheonette, drei Häuser von seinem parkenden Bluebird entfernt.

In unmittelbarer Nähe hatten sich an die 30 Jugendliche vor einem Hauseingang zusammengerottet. Ein tragbarer Cassettenrecorder lärmte blechern. Die Mädchen und Jungen überschrien sich gegenseitig mit ihren Sprüchen, die Frank Moore verabscheute.

Heutzutage hatten sie nur noch diese abgedroschenen Phrasen drauf, die ihnen die Texter der dümmlichen Leinwand- und Bildschirm-Produktionen vorbeteten — dachte Moore. Zu eigenen Gedanken schienen sie nicht mehr fähig zu sein. Wenn er sie hörte, wie sie taten, als hätten sie schon alle wichtigen Erfahrungen hinter sich, dann kam er sich vor wie ein alter Mann. Und das, obwohl er mit seinen 34 Jahren die eigene Jugend in keineswegs ferner Erinnerung hatte.

Zielstrebig ging er auf die Beifahrerseite des Bluebird zu und zog die Drahtstifte aus der Tasche, die er schon vor zwei Tagen auf Millimeterbruchteile genau zusammengelötet hatte. Es war leicht gewesen, sich die nötigen Informationen über den Wagentyp zu verschaffen. Er kannte genügend Leute, die jedes beliebige Auto knackten, ohne dabei das Türschloß auch nur anzukratzen.

Mühelos öffnete er die Beifahrertür. Wie üblich hatte Boswell seine Ledermappe, die er für die Transportunterlagen und sonstigen Papierkrieg benutzte, auf den rechten Sitz gelegt. Moore öffnete die Mappe und warf einen Blick auf das oberste Blatt. Ein Safetrans-Vordruck. Erleichtert atmete er auf, als er in der obersten Spalte rechts das Datum des morgigen Tages las. Boswells Dienstplan. Die Einzelheiten, die in Codebezeichnungen angegeben waren, konnte er mühelos entziffern. Manchmal glaubte er, daß er über Safetrans besser Bescheid wußte als deren eigene Leute.

1000 hrs. HEL PT ER BAS 4 PARC DEST LIV RET 1145 hrs.

Frank Moore klappte die Ledermappe zu und verriegelte die Beifahrertür so mühelos, wie er sie aufgekriegt hatte. Niemand hatte ihm Beachtung geschenkt. Die Jugendlichen waren immer noch lautstark mit sich selbst beschäftigt, und Joe Boswell hatte sich wahrscheinlich gerade seine Pizza servieren lassen.

Auf dem Rückweg zu seinem Pontiac prägte sich Moore den Code-Text aus dem Dienstplan ein.

»10 Uhr, Heliport, Erie Basin, 4 parcels destination Livingston, return 11.45 Uhr«, lautete der ausgeschriebene Text. Was bedeutete, daß Boswell am nächsten Tag um 10 Uhr auf dem Hubschrauber-Startplatz am Erie-Hafenbecken in South Brooklyn einzutreffen hatte, um einen Helikopter-Transport von vier Paketen zum Bestimmungsort Livingston zu begleiten. Die Rückkehr war für 11.45 Uhr vorgesehen .

Daraus wird nichts, Joe Boswell, dachte Moore grinsend. In seinen hellblauen Augen lag ein kalter Glanz, als er in den Pontiac stieg und losfuhr.

Der Zeitpunkt, auf den er seit Tagen gewartet hatte, stand jetzt endlich fest.

IM SCHRITTEMPO LIESS Susan Kahaana den kompakten Mercury Lynx die schräge Betonrampe hinunterrollen. In der Tiefgarage war es fast taghell. Die Neonleuchtkörper brannten jeden Tag 24 Stunden lang, aus Sicherheitsgründen. Es gab genug dunkle Ecken in New York City. Man mußte nicht noch absichtlich neue schaffen.

Susan steuerte den Lynx durch das Oval zwischen den Parkbuchten. Mächtige Betonpfeiler trugen die Kellergeschoßdecke. Die meisten Wohnungsmieter des Hauses hatten schon Feierabend, denn fast alle Wagen standen an ihren vorgesehenen Plätzen. Susan gehörte zu denen, die nahezu jeden Tag Überstunden machten.

Behutsam lenkte sie den Wagen in die Parkbucht mit der Nummer 23, die für sie reserviert war. Den richtigen Bogen hatte sie inzwischen herausgefunden. Anfangs war es ihr schwergefallen, in die enge Bucht zu rangieren, die links von einem Betonpfeiler begrenzt wurde. Sie zog den Zündschlüssel ab, nahm die Handtasche vom Beifahrersitz und stieg aus. Als sie die Tür verriegelte, entstand hinter ihr ein scharrendes Geräusch. Jemand räusperte sich.

Erschrocken drehte sie sich um.

Zwei Männer standen grinsend neben dem Pfeiler, die Hände tief in den Taschen ihrer Jeans vergraben. Auf Anhieb war es für Susan klar, daß die Kerle dort gelauert haben mußten.

Ein dritter tauchte hinter der anderen Seite des Pfeilers auf. Er versperrte den schmalen Gang zwischen Wagen und Beton.

Susans Herz schlug schmerzhaft schnell.

»Miß Kahaana?« sagte einer der beiden, die unmittelbar vor ihr standen, ein hochaufgeschossener Bursche mit sommersprossigem Gesicht und strähnigem Haar, das bis auf die Schultern reichte.

»Ja«, antwortete sie mit kratzend klingender Stimme. »Was, in aller Welt...«

»Ganz ruhig bleiben, Baby«, unterbrach sie der andere, der wesentlich kleiner war. Seine mandelförmigen Augen ließen vermuten, daß er aus Chinatown stammte. Er sprach akzentfrei, war also in New York geboren und aufgewachsen. »Erstmal wollen wir dich ein bißchen anschauen.«

»Die reinste Augenweide«, gluckste der, der den Weg versperrte. Er hatte einen runden Kopf mit dünnem Haar, und die randlose Brille ließ ihn aussehen wie einen zu groß geratenen Schuljungen. Nur die Gesellschaft, in der er sich befand, strafte sein Äußeres Lügen.

»Du kommst aus Hawaii, wie?« Der Sommersprossige sagte es freundlich, so, als interessierte es ihn wirklich. »Da sollen alle Girls so super aussehen wie du. Stimmt das?«

Ungewollt blickte Susan an sich herab. Sie trug ein cremefarbenes T-Shirt und enge Leinenhosen, die ihre makellose Figur betonten. Obwohl sie die 30 bereits überschritten hatte, wirkte sie wie Anfang 20. Ihr blauschwarzes Haar fiel in seidig schimmernden Wogen über ihre sanft geschwungenen Schultern. Wie sehr sie auf Männer wirkte, wußte sie. In diesem Moment aber erschrak sie darüber. Sie hätte sich einen Kartoffelsack als Kleidung gewünscht.

»Bitte... ich bitte Sie«, sagte sie stammelnd, »lassen Sie mich gehen...«

»Sie hat deine Frage nicht beantwortet«, knurrte der Chinese. »Unhöflich scheinen sie auf Hawaii also auch zu sein.«

Er trat einen Schritt auf Susan zu und nahm plötzlich die rechte Hand aus der Tasche. Die Bewegung war so blitzschnell, daß sie sich kaum mit einem Blick verfolgen ließ.

Etwas schnappte mqfallisch.

Susan schrie entsetzt auf. Die schmale Klinge eines Stiletts blitzte in der Hand des drahtigen Burschen mit den mandelförmigen Augen. Susan wich bis an ihren Wagen zurück. Doch immer noch war sie den Kerlen viel zu nahe.

»Sie will uns nichts über ihre Heimat erzählen«, stellte der Bebrillte feixend fest und trat ebenfalls einen Schritt näher heran. »Dabei sind wir mächtig daran interessiert. Also müssen wir es aus ihr herauskitzeln.«

»Denke ich auch«, brummte der Sommersprossige. »Vor allem würde ich verdammt gern wissen, ob die Hawaii-Girls am Strand alle oben ohne rumlaufen.«

»Sie kann es uns vorführen«, grinste der Chinese.

Susan Kahaana erschauerte. Das Blut raste in ihren Adern. Wie gehetzt schaute sie sich um. Ihre Freunde und die übrigen Hausbewohner waren so nahe, nur durch wenige Mauern von ihr getrennt. Und dennoch konnte sie nicht damit rechnen, daß zufällig jemand auftauchen würde, der ihr half. Sie spürte, wie Schweißperlen auf ihre Stirn traten. Nicht mehr lange, und sie würde in Panik ausbrechen.

»He, Chinky!« rief der Brillenjunge. »Fang endlich an mit dem Kitzeln! Du hast doch das Instrument dazu, Menschenskind.«

Der Chinese betrachtete das Stilett, als falle ihm erst jetzt ein, daß er es in der Hand hielt. Wie prüfend strich er mit der Daumenkuppe über die rasiermesserscharfe Klinge.

»Vielleicht...« sagte er gedehnt, »... brauchen wir gar nicht so hart ranzugehen. Vielleicht tut das kleine Aloha-Baby auch so, was wir möchten.« Er sah die junge Frau aus schmalen, lauernden Augen an, und dieser Blick jagte ihr eine neue Gänsehaut über den Rücken.

»Ja, was möchten wir denn?« kicherte . der Sommersprossige. »Was möchten wir bloß? Wenn ich dich so ansehe, Baby... hm, dann bin ich ziemlich sicher, daß du weißt, wie man ein paar nette Jungs munter macht.«

»Los, los, geh ein bißchen aus dir raus!« rief der Bebrillte feixend. »Zeig uns was! Zier dich nicht!«

Das Stilett des Chinesen zuckte plötzlich vor und berührte den Stoff des T-Shirts zwischen ihren Brüsten.

Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen. Sie riß den Mund auf und brachte in ihrer grenzenlosen Angst doch keinen Schrei heraus.

Dieselbe Angst war es, die sie nicht sofort begreifen ließ, als unvermittelt Motorengeräusch zu hören war. Es näherte sich rasch. Hohl und satt klang es im Betongewölbe der Tiefgarage.

Erst als sie die Bestürzung in den Gesichtern der drei Rowdys las, funktionierten Susans Sinne wieder normal. Hoffnung flackerte in ihr auf. Fast hätte sie einen Jubelschrei ausgestoßen, als der Chinese von ihr zurückwich.

WEIL WIR UNS ÖFTER nach Feierabend in seiner Wohnung trafen, hatte Gerald Howe in der Tiefgarage einen Extra-Platz für mich reservieren lassen. Draußen, an der Bay Ridge Avenue, war Parkraum Mangelware. In mäßigem Tempo bugsierte ich den Mercedes durch den engen Raum zwischen den Betonpfeilern. Hier war wesentlich weniger Platz für die schwere Limousine. Drüben an der York Avenue waren eben auch die Tiefgaragen komfortabler.

Mein erster Blick fiel auf Susan Kahaanas zitronengelben Mercury Lynx. Dann sah ich ihr blauschwarzes Haar über dem gelben Wagendach.

Und dann...

Ich trat das Gaspedal bis zum Bodenblech durch. Der Mercedes hob die Schnauze und machte einen Satz nach vorn. Im nächsten Moment rammte ich das Bremspedal nach unten. Mit wimmernden Reifen brachte ich den Wagen knapp vor der Heckstoßstange des kleinen Lynx zum Stehen. Noch bevor die Reifen ihr Lied beendet hatten, stieß ich die Tür auf und schnellte hinaus.

Die drei Kerle spritzten auseinander.

Aber nur der Sommersprossige war schnell genug. Mit langen Sätzen rannte er von mir weg, um irgendwo zwischen der unüberschaubaren Masse aus Blech und Chrom zu verschwinden.

Der Chinese und der andere, der so aussah wie in kurzsichtiger Schuljunge, liefen mir in die Arme. Ich packte den zu groß geratenen Jungen am Kragen.

Er quiekte erschrocken, als ich ihn zurückschleuderte. Wie ein zappelndes Geschoß prallte er gegen seinen mandeläugigen Kumpel. Beide gingen der Länge nach zu Boden.

Bevor ich mich den beiden erneut zuwandte, nickte ich Susan aufmunternd zu. Ihr Gesicht war schreckensbleich. Mit einer Handbewegung gab ich ihr zu verstehen, daß sie vorsorglich hinter der Motorhaube ihres Wagens Deckung suchen sollte. Ob sie es befolgte, konnte ich nicht mehr kontrollieren.

Der Chinese tauchte schneller aus dem Knäuel von Armen und Beinen hervor, als ich erwartet hatte. Wütend versetzte er dem anderen einen Fußtritt. Der Brillenjunge, eben im Begriff, selbst hochzukommen, quiekte erneut, als er zum zweitenmal auf den harten Beton geschleudert wurde.

Mit einem katzenhaften Sprung wich der Chinese zur Seite. Federnd verharrte er mit ausgebreiteten Armen. In seiner Rechten klickte das Stilett, das er kurz zuvor weggesteckt haben mußte.

»Komm schon!« fauchte er. »Komm her, Mann, wenn du dich unbedingt einmischen mußt!« Seine Augen funkelten wütend.

»Chinky, laß den Quatsch!« schrie der andere, der sich abermals aufrappelte und rückwärts wankte. Bei den parkenden Fahrzeugen suchte er Halt. »Hör auf, Menschenskind! Verschwinden wir hier!«

Der Chinese schüt.telte unwillig den Kopf, ohne mich aus den Augen zu lassen.

»Mach dir nicht in die Hosen, Mann! Mit diesem Knilch werde ich zehnmal fertig. Und dann werden wir das Girl...«

»Du bist ja wahnsinnig!« heulte der Bebrillte. »Das hat uns kein Mensch gesagt. Wir sollten die Kleine nur einschüchtern. Komm jetzt endlich weg hier!«

»Verschwinde, oder du kriegst noch einen Tritt«, zischte der Chinese, ohne dabei zur Seite zu blicken.

Sein Kumpan gab auf, Fassungslosigkeit im runden Gesicht. Mit flackerndem Blick warf er sich herum und schlug denselben eiligen Weg ein, auf dem schon der Sommersprossige das Weite gesucht hatte.

Ich begriff. Dies waren bezahlte kleine Rowdys aus dem Sumpf von Brooklyn. Ich hätte jede Wette gehalten, daß sie ihre Auftraggeber nicht kannten. Nur das Opfer hatte man ihnen genau beschrieben — entweder telefonisch oder durch einen Mittelsmann.

»Paß auf, Chinky!« sagte ich warnend. »Entweder du schwenkst dich jetzt auch, oder du handelst dir ernsthafte Probleme ein.«

Er zog verächtlich die Mundwinkel nach unten. »Wer bist du denn, du Scheißer! Spuckst verdammt große Töne, wie?«

Ich ging einen Schritt auf ihn zu. Dabei tat ich, als existiere sein Messer überhaupt nicht.

Er blinzelte verwirrt und runzelte die Stirn.

Dieser Moment genügte mir. Aus dem Stand schnellte ich los, ohne erkennbaren Ansatz. Und überbrückte die knapp zwei Yard mit einem einzigen Sprung.

Er schaffte es nicht einmal mehr, mit dem Stilett in meine Richtung zu stechen. Ich schmetterte ihm die Handkante auf den Arm. Gellend schrie er auf. Es lagen ebensoviel Überraschung und Wut in diesem Schrei wie Schmerz. Das Messer löste sich aus seinen jäh kraftlos gewordenen Fingern und fiel klirrend zu Boden.

Sekundenlang starrte er mich an. Grenzenloses Erstaunen hatte sich in seine Gesichtszüge gemalt. Urplötzlich kreiselte er herum und hetzte los, als säße ihm wer weiß was im Nacken. Ich hörte seine Schritte lange genug, um zu wissen, daß er wirklich das Weite suchte.

BRIAN ZIEGLER NAHM die Whiskyflasche und goß ein Longdrinkglas viertelvoll. Dann legte er seinen Arm um Susans Schulter und gab ihr das Glas. Ihre Hände zitterten.

»Den brauche ich jetzt«, sagte sie und sah mich mit einem entschuldigenden Blick an. »Denken Sie nur nicht, daß ich sonst bei jeder Gelegenheit zur Flasche greife, Jesse!«

Ich lächelte. »Wenn es so wäre, würde man es Ihnen ansehen.«

Susan Kahaana nickte mir dankbar zu. Sie nahm einen Schluck und schüttelte sich. Brian Ziegler führte sie zur Couch und setzte sich neben sie.

Gerald Howe und ich standen am Fenster. Wir hatten unsere Tassen mit dem noch dampfenden Kaffee auf dem Marmorsims abgestellt. Gerald starrte gedankenverloren auf die Bay Ridge Avenue hinunter. Die Dämmerung war hereingebrochen. Erste matte Lichter schimmerten in dem von Schatten überzogenen Häusermeer South Brooklyns. Die Piers waren nahe. Selbst bei geschlossenem Fenster konnte man den nie endenden Lärm der Lösch- und Verladearbeiten hören.

In dem gemütlich eingerichteten Vier-Zimmer-Apartment, das Susan Kahaana und Brian Ziegler gemeinsam bewohnten, lastete bedrückte Stimmung. Ziegler, der sonst immer aussah, als wolle er den nächstbesten Baum ausreißen, war mit seinem Latein am Ende. Er fand tröstende Worte für Susan, aber keinen seiner Scherze, mit denen er jede Stimmung aufzulockern vermochte.

»Vielleicht sollten wir doch einen Arzt rufen«, sagte er leise und strich der jungen Frau besorgt über das Haar. Die beiden waren seit fast drei Jahren eng befreundet, und sie lebten zusammen, seit sie nach New York übergesiedelt waren. »Kann doch sein, daß du einen Schock erlitten hast.«

»Ach, Unsinn.« Susan brachte ein Lachen zustande, das aber noch mühsam klang. »Ich bin nicht aus Zucker, Brian. Ich habe weiche Knie, und ich zittere wie verrückt. Aber das ist auch alles. Hol um Himmels willen keinen Arzt! Der würde uns alle nur auslachen.«

»Ich denke, sie hat es überstanden«, sagte ich. »Machen Sie sich keine unnötigen Sorgen, Brian!«

Ziegler blies die Luft durch die Nase und zog die Schultern hoch. Er war 36 Jahre alt und ein Klotz von einem Mann. Sein kantiges Gesicht wurde von einem Schnauzbart betont, dunkelblond wie seine kurzgeschnittenen Haare. Er nutzte jede freie Minute, um Sport zu treiben. Heute brauchte er den Sport als Ausgleich zur Büroarbeit.

Minutenlang herrschte Schweigen in dem Livingroom, in dem noch bis vor einem Tag himmelstürmende geschäftliche Pläne gewälzt worden waren.

Ich zündete mir eine Zigarette an. Noch nie hatte ich Howe, Ziegler und Susan Kahaana so niedergeschmettert gesehen wie an diesem Abend. Bestenfalls Susan versuchte noch, ihre Nullpunktstimmung zu überspielen.

Dabei hatte für die drei alles so verheißungsvoll angefangen. Gerald Howe, der die meisten Anteile von Safetrans besaß, hatte die denkbar besten geschäftlichen Voraussetzungen. Bis zur Firmengründung in New York hatte er im Betrieb seines Vaters gearbeitet, einer großen Überseespedition in Sacramento.

Gerald hatte den Titel eines Diplom-Kaufmanns. Er hatte Wirtschaftswissenschaften studiert und in verschiedenen Firmen Erfahrungen gesammelt, ehe er im Unternehmen seines Vaters eine leitende Stellung übernahm. Das Startkapital für die Safetrans-Gründung verdiente er selbst. Nur für den zusätzlich notwendigen Kredit unterschrieb sein Vater eine Bürgschaft.

Auch privat stimmte bei Gerald alles. Er war glücklich verheiratet. Seine Frau lebte mit den 12 und 14 Jahre alten Kindern in der Villa seiner Eltern in Sacramento. Sie hatten vor, Gerald bald nach New York zu folgen.

Brian Ziegler hatte es weniger gut erwischt. Vor fünf Jahren war seine Ehe geschieden worden. Nach moralischen Grundsätzen war er schuldlos. Trotzdem machte er sich bisweilen Vorwürfe. Er war der Typ, der immer zuerst die Fehler bei sich selbst suchte.

Seit der Schulzeit waren Brian Ziegler und Gerald Howe befreundet, und gemeinsam war in ihnen auch der Plan gereift, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Auch die Eltern der beiden erfolgreichen jungen Kaufleute kannten sich gut, und sie hatten dem Safetrans-Plan ihren Segen gegeben.

Susan Kahaana hätte einem Bildband über die Schönheit der Mädchen von Hawaii entsprungen sein können. Zehn Jahre lang hatte sie als kaufmännische Angestellte in der Überseespedition Howe gearbeitet. Vor drei Jahren war ihre kinderlose Ehe geschieden worden, und ihr Ex-Mann war nach Hawaii zurückgegangen.

Susan konnte sich vor ihrem eigenen Gewissen ebenso schuldig fühlen wie Brian. Die beiden hatten sich in ihrem gemeinsamen Kummer angefreundet, und es war schließlich doch mehr daraus geworden als eine Partnerschaft, die auf gegenseitigem Trost beruhte. Für Susan war es schließlich selbstverständlich gewesen, daß sie Brian und Gerald nach New York begleitete, um in der jungen Firma den geschäftlichen Kleinkram abzuwickeln.

Gerald Howe beendete sein Nachdenken und drehte sich plötzlich um.

»Ich weiß nicht, wie das alles weitergehen soll«, sagte er leise. »Ich weiß es beim besten Willen nicht.«

»Wir brauchen eine Privatarmee.« Brian Ziegler nickte beipflichtend. »Jedes Firmenmitglied müßte mindestens so scharf bewacht werden wie der Präsident der Vereinigten Staaten.«

»Daß das nicht immer hilft, haben wir gesehen«, fügte Susan Kahaana hinzu. »Nein, ich glaube, gegen blanken Terror ist man einfach machtlos.« Sie sah mich an. »Tut mir leid, wenn ich das sage, Jesse. Aber ich fürchte, Ihre Rolle als Mitinhaber hat uns auch nicht viel Gutes eingebracht.«

»Es sieht leider so aus«, antwortete ich. »Wenn ihr wollt, blasen wir das Ganze ab und führen die Ermittlungen im herkömmlichen Stil weiter. Ich habe zwar einen Mann festnehmen können. Das ändert aber nichts daran, daß Alfred Gardner sterben mußte. Insofern war die Aktion ein Schlag ins Wasser. Ich kann natürlich auch nicht prophezeien, daß sich das Blatt sehr schnell wenden wird.«

»So geht es auch nicht«, erklärte Gerald Howe. »Zurück können wir nicht mehr. Wir müssen uns nur darüber klar werden, ob wir klein beigeben oder nicht.«

Ich sah ihn von der Seite an, und ich hatte das Gefühl, daß er durch meine wenig hoffnungsvollen Worte neue Entschlußkraft gewonnen hatte. In seinen Gesichtszügen schien sich immerhin wieder etwas von seiner alten Energie abzuzeichnen.

Brian Ziegler stand auf, zündete sich eine Zigarette an und begann, unruhig im Raum auf und ab zu wandern.

»Machen wir uns doch nichts vor!« sagte er und blieb vor Gerald und mir stehen. »Als es anfing, haben wir nicht damit gerechnet, daß es so schlimm werden würde. Wer von uns hat denn die Kerle ernstgenommen, die bei uns ins Büro spazierten? Wir haben doch nur gelacht, als sie ihre sogenannten Schutzgebühren verlangten. Und dann sollten wir auch unsere Transporte mit ihnen absprechen. Wir haben das doch für so lächerlich gehalten, daß wir uns nicht mal gemerkt haben, wie die Kerle aussahen.«

»Wir waren einfach leichtsinnig«, sagte Gerald Howe. »Wir hätten sofort das FBI einschalten müssen, anstatt zu warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen war. Mein Gott, wenn ich daran denke, wie ich

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