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Lawine & Sicherheit im freien Skiraum: Theorie & Praxiswissen. Skitouren/Freeride

Lawine & Sicherheit im freien Skiraum: Theorie & Praxiswissen. Skitouren/Freeride

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Lawine & Sicherheit im freien Skiraum: Theorie & Praxiswissen. Skitouren/Freeride

Länge:
296 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 25, 2019
ISBN:
9783706560016
Format:
Buch

Beschreibung

SICHER UNTERWEGS IN DEN BERGEN: EIN KOMPAKTES UND ANSCHAULICH ILLUSTRIERTES LAWINENKUNDEBUCH FÜR ANFÄNGER UND FORTGESCHRITTENE
Skitourengehen und Freeride-Skifahren erleben derzeit einen regelrechten Boom, die "Freiheit der Berge" lockt immer mehr Sportler in luftige Höhen. Für ungetrübtes und sicheres Vergnügen beim Skisport sind jedoch gute Kenntnisse und exakte Planung unerlässlich. Das vorliegende Handbuch, von einem erfahrenen Skitourengeher und Lawinenkundler verfasst, enthält THEORIE- UND PRAXISWISSEN zu Gefahren, Risiken und Sicherheitsstrategien im alpinen Gelände.
Ausgehend von den drei wesentlichen Risikofaktoren Verhältnisse, Gelände und Mensch wird das Thema SICHERHEIT IM SKITOURENSPORT ausführlich und praxisbezogen behandelt.

AUS DEM INHALT:
- Lawinenarten
- Schneedecke & Schneedeckenuntersuchung
- Lawinensituationen
- Meteorologische Einflüsse auf die Schneedecke
- Lawinenlagebericht
- Risikomanagement
- Risikofaktor Mensch
- Freeride – Besonderheiten und Planung
- Notfall Lawine – Ausrüstung und Kameradenrettung
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 25, 2019
ISBN:
9783706560016
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Lawine & Sicherheit im freien Skiraum - Werner Walch

SCHNEE

SCHNEEEIGENSCHAFTEN

SCHNEEARTEN

SCHNEEUMWANDLUNG

Wenn sich in den Wolken feinste Wassertröpfchen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt an Staubpartikel anlagern und dort spontan gefrieren, entstehen Eiskristalle in der Größenordnung von 0,1 mm. Sie fallen nach unten, wachsen weiter an, und die einzelnen größer gewordenen sternförmigen Kristalle verhaken sich mit weiteren Kristallen zu Schneeflocken. Am Boden angelangt häufen sich die Flocken zu Schnee an. Neuschnee ist ein poröses Material bestehend aus Eis und Luft.

Schneeeigenschaften

Der frisch gefallene Neuschnee bleibt allerdings nicht lange bestehen, da er alsbald in kleine, runde Eiskörner umgewandelt wird. Aber auch die Umwandlung in andere Formen ist möglich. So können filzige, runde, kantige, hohle, plättchenförmige sowie nadelförmige Eisgebilde – sogenannte Eiskörner oder Kornformen – entstehen.

Wenn die Eiskörner zusammenwachsen (sintern), bilden sich zwischen diesen kleinste Verbindungen aus Eis, sogenannte „Eisbrücken". Dann entsteht eine Struktur bestehend aus Luft, Eiskörnern und Eisbrücken. Gelegentlich, nämlich ab einer Schneetemperatur von 0⁰ Celsius, entsteht in den Hohlräumen des Schnees auch noch Wasser.

Schnee ist nur bedingt fest

Je nach Schneeart und Schneetemperatur ist Schnee mehr oder weniger fest. Nebst der Schneetemperatur bestimmen Anzahl, Abstand und Größe der Kontaktpunkte zwischen den Eiskörnern dessen Festigkeit. Aber auch die Reibung, Verzahnung und Verkeilung von Schneekörnern unter- und miteinander bestimmen dessen Festigkeit.

Schnee bricht

Ist die Krafteinwirkung, bedingt durch die vorhandenen Spannungen innerhalb der Schneedecke und/oder durch die Krafteinwirkung eines Skifahrers, groß genug, kehren die Eisbrücken nicht mehr in ihre ursprüngliche Form zurück, sondern reißen auseinander. Dabei kann das Gefüge Schnee, bestehend aus Eiskörnern, Eisbrücken und Hohlräumen, zusammenbrechen, so dass die einzelnen Eiskörner dichter gepackt werden. Solch ein Bruch-mechanismus kann zur Auslösung von Lawinen, genauer gesagt Schneebrettlawinen führen. Je kälter der Schnee, desto spröder und bruchanfälliger ist er. Umso so schneller die Verformung des Schneegefüges, wie zum Beispiel beim Sturz eines Skifahrers, erfolgt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Bruchs.

Abb.: Bruch der Schneestruktur (Verbindungen zwischen den Eiskörnern) aufgrund von Spannungen innerhalb der Schneedecke.

Schneearten

Die wichtigsten Schneearten zu kennen ist nicht nur für Lawinenprognostiker von großer Bedeutung, sondern dient auch dem Laien zum besseren Verständnis von Lawinenauslösemechanismen. Die Schneedeckenstabilität hängt von ihrem Schichtenaufbau ab und somit auch von den in ihr vorhandenen Schneearten. Eisgebilde (Kornformen) sind deren Grundbausteine, weshalb diese hier genauer beschrieben werden sollen.

Kornformen

Aufgrund des mehrmaligen Schneefalls während eines Winters und der physikalischen Umwandlungsprozesse denen Schneekristalle unterworfen sind, besteht die Schneedecke aus mehreren Schichten. Der frisch gefallene Neuschnee bleibt nicht lange bestehen, da er alsbald in kleine, runde Eiskörner umgewandelt wird. Aber auch die Umwandlung in andere Formen ist möglich. So können filzige, hohle, kantige, plättchenförmige sowie nadelförmige Eisgebilde – sogenannte Eiskörner oder Kornformen - entstehen.

Schneestruktur

Wenn Eiskörner zusammenwachsen, bilden sich zwischen diesen kleinste Verbindungen aus Eis, sogenannte „Eisbrücken". Es entsteht eine Gitterstruktur bestehend aus Luft, Eiskörner und Eisbrücken. In Schnee bestehend aus großen und eckigen Kornformen sind nur wenige Eisbrücken vorhanden, dafür große Hohlräume. Hingegen besitzt Schnee bestehend aus kleinen, abgerundeten Kornformen viele Verbindungen und nur kleine Hohlräume.

Gelegentlich, nämlich ab einer Schneetemperatur von 0⁰ Celsius, entsteht in den Hohlräumen des Schnees auch noch Wasser.

Abb.: Links Schnee aus kleinen runden Eiskörnern; viele Bindungen; kleine Hohlräume; große Festigkeit. Rechts Schnee aus großen kantigen Eiskörnern; wenige Bindungen; große Hohlräume; geringe Festigkeit.

Kornformen im Überblick

•Neuschnee

•Graupel

•Filzschnee

•rundkörniger Schnee

•Schmelzformen

•Schmelzkruste

•kantigkörniger Schnee

•Tiefenreif

•Oberflächenreif

Neuschnee: Wenig umgewandelter und kaum verfestigter Schnee der aktuellen oder kurz zurückliegenden Niederschlagsperiode; Vergabelungen und Verästelungen noch vorhanden.

Graupel: Niederschlag, bei dem Schneekristalle durch angefrorene Wasser Tröpfchen zu kleinen Kügelchen verklumpen.

Filzschnee: Bruchteile der ursprünglichen Gestalt der Neuschneekristalle sind oft noch erkennbar. Teilweise gerundete Vergabelungen und Verästelungen, als Folge der abbauenden und/oder mechanischen Schneeumwandlung.

Rundkörniger Schnee: Die Vergabelungen und Verästelungen bilden sich noch weiter zurück, bis nur noch mehr rundliche Schneekörner übrig bleiben; hier endet die abbauende Schneeumwandlung; das Resultat ist Altschnee.

Schmelzformen: Runde, große, von Wasser umgebene Schneekörner, die durch Schmelzprozesse im Schnee entstehen. Oft auch Sulz genannt.

Schmelzkruste: Entsteht durch das Wiedergefrieren einer nassen Schneeschicht innerhalb der Schneedecke. Die ursprünglichen Kristallformen sind noch erkennbar.

Eislamelle: Durch Regen oder Schmelz- und Gefrierprozesse entstandene, dünne Eisschicht in der Schneedecke. Die ursprünglichen Kristallformen sind nicht mehr erkennbar.

Kantigkörniger Schnee: Schneekörner mit mehrheitlich ebenen Flächen und deutlichen Kanten als Folge der aufbauenden Schneeumwandlung.

Tiefenreif: Auch Schwimmschnee genannt. Hohlformen mit Kanten und Rippen als Folge der aufbauenden Schneeumwandlung bei hohen Temperaturgradienten.

Oberflächenreif: Transparente Plättchen oder nadelförmige Eiskristalle, die sich durch Ausfallen von Wasserdampf aus der feuchten Luft (Deposition) an der kalten Schneeoberfläche bilden. Findet in klaren Nächten und bei relativ feuchter Luft statt.

Abb.: Übersicht Kornformen

Schneeumwandlung

Wie stabil eine Schneedecke ist, hängt von ihrem Schichtenaufbau und deren Verbindungen ab. Die in einer Schneeschicht enthaltenen Eiskörner bestimmen deren Eigenschaften wesentlich. Wer also Lawinen und deren Auslösemechanismen verstehen möchte, sollte etwas über die jeweiligen Schneearten wissen.

Aufgrund des mehrmaligen Schneefalls während eines Winters und der physikalischen Umwandlungsprozesse, denen Schneekristalle unterworfen sind, besteht die Schneedecke aus mehreren Schichten verschiedenster Schneearten. Zu den vier in der Schneephysik relevanten Umwandlungsprozessen zählen die mechanische, die abbauende, die aufbauende Schneeumwandlung, sowie die Schmelzumwandlung. Alle diese Prozesse führen zur Umwandlung von einer Schneeart in eine andere, indem die in einer Schneeschicht enthaltenen Eiskörner in eine andere Kornform umgewandelt werden.

Mechanische Schneeumwandlung

Bereits während des Schneefalls beginnt die sogenannte mechanische Umwandlung. Beim Zusammenstoß der einzelnen Kristalle in der Luft brechen die feinen Äste und Spitzen ab. Werden die Kristalle durch Windeinwirkung gebrochen, ist die mechanische Zertrümmerung umso größer.

Einmal am Boden angelangt verkleinern sich die Kristalle durch den Druck des Schnees weiter. Insbesondere durch den Windtransport am Boden können die Kristalle bis auf ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe zerkleinert werden.

Werden die zerkleinerten Schneeteilchen durch den Winddruck zusammengepresst und eingerüttelt, entsteht dicht gepackter Triebschnee. Dieser ist unter anderem Voraussetzung für die Entstehung von Schneebrettlawinen.

Abbauende Schneeumwandlung

Nach Ablagerung des Neuschnees setzt die abbauende Schneeumwandlung ein. Noch bestehende feine Spitzen, Verästelungen und Vertiefungen der Schneekristalle werden abgebaut, und die Schneekristalle formen sich in kugelige kompakte Schneekörner um. Aus Neuschnee wird Filzschnee, aus Filzschnee wird rundkörniger Altschnee. Der Schnee beginnt sich zu setzten und es entsteht eine Altschneedecke. Steigende Temperaturen und das Eigengewicht des Schnees fördern diesen Prozess.

Erst wenn die Oberfläche der ursprünglichen Schneekristalle im Vergleich zum Volumen am kleinsten geworden ist, ist die abbauende Umwandlung beendet. Die Dauer der Umwandlung ist temperaturabhängig, wobei sich bei milden Temperaturen die Schneedecke schneller setzt und verdichtet. Je nach vorherrschenden Temperaturen kann die Umwandlung von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen dauern.

Physikalische Prozesse der abbauenden Schneeumwandlung

Wie aber werden aus Neuschneekristallen runde Schneekörner? Da in der Umgebungsluft der Spitzen immer ein höherer Dampfdruck als in der Umgebungsluft der Einbuchtungen herrscht, entsteht ein Druckgefälle. Wassermoleküle, die an den Spitzen der Eiskristalle in die Porenluft verdunsten, werden wegen dieses Druckgefälles zu den Einbuchtungen hin bewegt, wo sie gefrieren. Dieser direkte Übergang vom gasförmigen in den festen Zustand, also Wasserdampf in Eis, wird Sublimation genannt.

Der Transport von Wassermolekülen von den Spitzen hin zu den Einbuchtungen geschieht aber auch noch auf eine andere Art. Bei Temperaturen nahe dem Schmelzpunkt sind die Kristalle von einer dünnen, fast flüssigen Haut umgeben. An den Spitzen der Kristalle ist die Oberflächenenergie größer als an den Einbuchtungen. Somit entsteht ein Energiegefälle. Aufgrund dieses Energiegefälles wandern die Wassermoleküle von den Spitzen entlang der fast flüssigen Haut hin zu den Einbuchtungen.

Somit kann die abbauende Schneeumwandlung auch als die Umlagerung von Material (Wassermolekülen) bezeichnet werden. Voraussetzung für die abbauende Umwandlung ist ein nur kleiner Temperaturunterschied innerhalb der Schneedecke. Die Temperatur sollte hierbei, gemessen vom Boden bis zur Schneedeckenoberfläche, nicht mehr als -10 Grad Celsius pro Meter abnehmen (Temperaturgradient).

Gleichzeitig zur Umlagerung der Wassermoleküle von den Spitzen zu den Einbuchtungen, rücken die immer kleiner und runder werdenden Kornformen aneinander und sintern. Es entstehen viele kleine Eisbrücken zwischen den Eiskörnern. Anzahl und Stärke der Eisverbindungen bestimmen die Festigkeit dieser Schneeschicht.

Der Übergang von Neuschnee zu Filzschnee ist vorerst mit einem Festigkeitsverlust verbunden, weshalb für ein bis zwei Tage nach Neuschneefall ein erhöhtes Lawinenrisiko besteht.

Nach dieser Phase beginnt sich die Schneedecke zu verfestigen.

Abb.: Physikalische Prozesse der abbauenden Schneeumwandlung (siehe auch Abbildung im Anhang 1).

Aufbauende Schneeumwandlung

Innerhalb der Schneedecke bestehen vor allem im Hochwinter große Temperaturunterschiede. Durch die Isolation der Schneedecke beträgt die Bodentemperatur annähernd 0 Grad Celsius. Die Schneeoberfläche ist infolge niedriger Lufttemperaturen und der Wärme, die sie an die Atmosphäre abgibt, um vieles kälter.

Ist nun ein Eiskorn in einer tiefer gelegenen Schicht warm genug, verdunstet dieses und

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