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Das (un)gewisse Etwas

Das (un)gewisse Etwas

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Das (un)gewisse Etwas

Länge:
333 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 25, 2020
ISBN:
9783740740580
Format:
Buch

Beschreibung

Eigentlich habe ich mein Leben im Griff. Lange genug hatte es ja auch gedauert. Ich bin sogar verheiratet. Glücklich. Mit einem Mann, dessen nüchterne Rationalität die perfekte Ergänzung zu meinen Bauchgefühlen ist. So dachte ich wenigstens.

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass meine Hilfsbereitschaft einmal solche Wellen schlägt. Schließlich würde doch jeder einem alten Freund unter die Arme greifen, wenn dem das Wasser bis zum Hals steht.

Zugegeben. Ein wenig komplizierter war das Ganze schon. Aber wie das eben so ist. Manchmal verrät einem die Vergangenheit ja mehr als die Gegenwart.

Und dann kommt das Eine zum Anderen bis einem die eigenen Erinnerungen um die Ohren fliegen.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 25, 2020
ISBN:
9783740740580
Format:
Buch

Über den Autor

Maren Mewes kam nach langjähriger Tätigkeit im Bereich der wissenschaftlichen Analyse und Veröffentlichung statistischer Daten zu einer ernüchternde Feststellung: Es kommt weniger auf die Fakten selbst an, sondern darauf, ob und wie sie wahrgenommen werden! Bestimmt also der Empfänger einer Information ihren Inhalt? Eine Frage, die zu dem vorliegenden Roman inspirierte.


Buchvorschau

Das (un)gewisse Etwas - Maren Mewes

Inhaltsverzeichnis

Prolog

5. Dezember 2018: Ein alter Freund

12. Dezember 2019: Moralischer Bestand

15. Dezember 2018: Zufälle

16. Dezember 2018: Detlevs Buchung

10. Januar 2019: Puerto Mogan

12. Januar 2019: Wanderung

Bodega

13. Januar 2019: Überreagiert

14. Januar 2019: Böses Erwachen

15. Januar 2019: Abholung

16. Januar 2019: Carmen

Transfer

Ein Helfer

Naheliegend

Geschäftspartner

Geständnis

Staatsfernsehen

17. Januar 2019: Anwalt und Notar

Hilfestellung

Entscheidungsfindung

Auf Umwegen

18. Januar 2019: Verabredung

20. Januar 2019: Böses Erwachen

Ein Überfall

Ein Blumenstrauß

21. Januar 2019: Ein Ferienhaus

Mietwohnungen

23. Januar 2019: Eine Idylle

Die Karlows

24. Januar 2019: Botschaften

Unerwünschte Lösungen

25. Januar 2019: Schlüsselfragen

Ein Barbesuch

Optische Täuschung

Spieglein an der Wand

26. Januar 2019: Oben und unten

Diagnose 2004

27. Januar 2019: Von Frau zu Frau

28. Januar 2019: Informelle Mitarbeit

Ein Lauschangriff

Das Ohr des Vorgesetzten

Ein Anruf

29. Januar 2019: Der Weg des Geldes

1. Februar 2019: Single-Dasein

2. Februar 2019: Angebote

6. Februar 2019: Sanas Pension

7. Februar 2019: Der Zettel

10. Februar 2019: Ein Verhör

Im Feuer gehärtet

Kartons

12. Februar 2019: Ein fast perfekter Abend

Herausgerissen

19. Februar 2019: Verpasst

22. Februar 2019: Vor Gericht

Nachtragend

Verfolgt

Heilpraktiker

27. Februar 2019: Ein magischer Moment

Telefonate

1. März 2019: Ein offenes Gespräch

2. März 2019: Katerfrühstück

Nachbesprechung

7. März 2019: Ein Notfall

Geheimnisträgerin

Sommer 2004: Bildbearbeitung

8. März 2019: Oxymoron

9. März 2019: Angeklagter Olten

Blinde Justiz

11. März 2019: Einer von den Guten

12. März 2019: Ordnung schaffen

14. März 2019: Risiken und Nebenwirkungen

Frühjahr 2004: Ein Ritual

Krümmung der Zeit

Suggestion

18. März 2019: Paul Auster

20. März 2019: Ein letzter Versuch

Der Einstieg

Auf der Suche

Orientierung

Zielgerade

Geständnisse

Die Schlacht

Prolog

Vielleicht ist das ja ein Problem in festen Beziehungen. So ganz genau weiß niemand, wie das mit den Gefühlen langfristig eigentlich funktioniert. Und wenn man erst einmal darüber nachdenkt, kommt man oft zu dem Ergebnis, dass irgendetwas fehlt.

Das ´gewisse Etwas´ sagt man wohl. Schon verrückt, etwas gewiss zu nennen, von dem man eigentlich gar nicht weiß, was es denn ist.

Und ausgerechnet dafür sind manche bereit alles, was sie sich in vielen Jahren aufgebaut haben, aufs Spiel zu setzen.

Oft genug ist dieses sogenannte gewisse Etwas ja nicht nur eine Fata Morgana, sondern auch ein schwarzes Loch. Eines, in dem Vertrautheit und Wertschätzung am Ende ebenso verschluckt werden wie die gegenseitige Zuneigung.

5. Dezember 2018

Ein alter Freund

1. Liebes Tagebuch. Es ist lange her, dass ich mich Dir anvertraut habe. Doch jetzt ist es wieder so weit. Tobias hat sich nämlich wieder bei mir gemeldet. Nach mehr als zehnjähriger Funkstille! Anfangs habe ich gezögert mich überhaupt mit ihm zu treffen.

Unsere Emails und Telefonate waren von distanzierter Kürze und geeignet den Kontakt schnell wieder einschlafen zu lassen.

Aber dann hat mich Detlev angerufen. Er wolle sich ja nicht einmischen. Es ginge ihm nur um Tobias.

Der würde wohl ein wenig durchhängen und könnte etwas Aufmunterung vertragen.

Sein Hinweis, dass ich ja wüsste, wie das wäre, beseitigte die letzten Zweifel. Er befürchtete offenbar, dass Tobias sich das Leben nehmen könnte. Es würde ihm sehr helfen, mal wieder mit einer alten Freundin zu reden, hatte er zum Schluss gesagt.

2. Nach meinem ersten Treffen mit Tobias konnte ich Detlevs Sorge durchaus nachvollziehen. Der ´Hansdampf in allen Gassen´ freute sich mit mir über mein stilles Glück mit Willy und warf sich sein Versagen vor. Ebenso zornig wie deprimiert rechnete er gnadenlos mit sich ab,

Seine egoistische Rücksichtslosigkeit den ´einsamen Wolf´ zu geben, hätte alle vor den Kopf gestoßen und nun stünde er als ´verirrtes Schaf´ alleine da.

Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Auch nicht, dass Detlevs Beschwörung der alte Zeiten an mein Gewissen appellierte.

3. Über meine Verabredungen mit ihm habe ich Willy selbstverständlich informiert. Dass ich mit Tobias in Erinnerungen geschwelgt hatte, in alten Zeiten, als sie noch jung und intensiv gewesen waren, behielt ich natürlich für mich. Auch wie zufrieden, beinahe begeistert ich war ihn damit ein wenig aufmuntern zu können.

Gleichwohl ahnte Willy wohl was los war. Wird das Gestern wieder jung, sieht das Heute ziemlich alt aus!, hatte er einmal auch frustriert gebrummt.

Na ja. Seine Deutung von Worten und Taten fand manchmal Erklärungen, die die Ereignisse in einem merkwürdigen Licht erscheinen ließen.

Persönlichere Themen, wie sie unter alten Freunden üblich waren, erwähnte ich danach nicht mehr. Das fiel mir schwer. Tobias hatte ja so einiges durchgemacht.

Ich erzählte Willy zuletzt kaum noch etwas von diesen Abenden. Oder von den vorangegangenen Telefonaten.

Allerdings musste mir einmal herausgerutscht sein, dass Tobias in Lemmer wohnte und einige Häuser in Duisburg besaß. Dass es da wohl ein paar Probleme gäbe, über die er jedoch nicht reden wollte.

Willst Du ins Maklergeschäft einsteigen oder ziehen wir um?, war Willys einziger Kommentar gewesen.

Spare Dir Deine Ironie. Ich finde das nicht lustig!, hatte ich zurück gegeben.

Warum? Laut Sokrates ist Ironie doch nur ein Weg, um zu erfahren, wie Kenntnisstandfest der andere ist!, war ich von ihm belehrt worden.

4. Schließlich gab ich es ganz auf, mit ihm darüber zu reden. Detlevs Anruf habe ich gar nicht erst erwähnt. Darüber hätte er sich doch nur aufgeregt.

Außerdem wird mein Kontakt zu Tobias bald sowieso ein Ende finden. Ich habe ihm meinen Urlaub mit Willy ja bereits angekündigt und dass ich für zwei Wochen nicht erreichbar sein würde.

12. Dezember 2019

Moralischer Bestand

1. Ich habe die Rechnung ohne Detlevs berüchtigte Fürsorglichkeit gemacht, die mir wieder mal das Heft des Handelns aus der Hand nahm.

Er befürchtete nämlich, dass sich Tobias in meiner Abwesenheit etwas antun könnte und schwang den moralischen Zeigefinger. Auf einen meiner vielen Urlaube könnte ich ja wohl verzichten oder ihn zumindest verschieben.

Im Grundsatz konnte ich ihm da nicht widersprechen. Doch da war ja auch noch Willy, der glaubte, dass meine Treffen mit Tobias nun allmählich im Sande verlaufen würden.

Ich habe also die Wahl ihm gegenüber die Karten offen auf den Tisch zu legen oder Tobias klarzumachen, dass ich auf jeden Fall an meiner Urlaubsplanung festhalten werde.

Vielleicht sollte ich noch mal mit ihm reden. Ein Gespräch in angenehmer Atmosphäre könnte es mir ja leichter machen, eine Lösung zu finden, mit der auch er leben konnte.

15. Dezember 2018

Zufälle

1. Gestern hatte ich mich mit Tobias in der ´Fichte´, einem gemütlichen Kneipenrestaurant, getroffen. In der Hoffnung auf einen Abend mit entspannter Nostalgie und einem Ausgang der uns beiden gerecht würde.

Doch dazu kam es erst mal nicht. Denn kaum hatten wir uns hingesetzt, klingelte sein Handy. „Schalte es doch einfach aus, hatte ich ihn gebeten. „Das kann doch wichtig sein, brummte er und nahm das Gespräch an.

Das ärgerte mich nicht wenig. Und dann sagte er auch noch wo wir zu finden waren. Kein guter Auftakt für ein persönliches Gespräch.

2. Eine Viertelstunde später tauchten zwei Männer auf und setzten sich zu uns. Ohne zu fragen! Sie stellten sich mir mit dem selben Namen vor. Den habe ich vergessen, obwohl er die einzige Gemeinsamkeit der beiden war.

Der eine war charmant und ausgesprochen attraktiv. Der andere weder das eine noch das andere. Abgesehen von einigen höflichen Floskeln sprachen sie ausschließlich mit Tobias. Und zwar sehr leise.

3. Der attraktivere der beiden hielt ihm dann ein Foto unter die Nase. Das ist in Hannover gemacht worden!

Ich konnte das Bild nur für einen kurzen Moment und verkehrt herum sehen. Eine seriös wirkende Blondine mittleren Alters und ein Mann, die an einem Tisch saßen. Sie schien sehr aufgeregt zu sein und gestikulierte wild.

Der Mann war unauffällig. Ohne den fixierenden Blick seines weiblichen Gegenübers hätte ich ihn gar nicht wahrgenommen.

4. Die Gesprächsfetzen, die ich aufschnappen konnte, sagten mir nicht viel. Angeblich war irgendeine ´Russenmafia´ in Madrid zerschlagen worden. Russische Mafia in Madrid? Es war von einer ´architektura popular´ die Rede, einer S.L. mit Sitz in Puerto Mogan.

Mir fiel ein, dass Willy sich einmal darüber aufgeregt hatte, wie schwer es sei, eine spanische S.L. juristisch zu belangen. Und Puerto Mogan auf Gran Canaria gehörte ja zu Spanien!?

Als ich ihn gefragt hatte, was es für Probleme mit dieser Firma gäbe, war seine Antwort so albern gewesen, dass ich sie nicht ernst nehmen konnte. Na ja, schon. Wir haben jetzt die Vertragsprüfung von Immobilienkäufen und Beschaffungen für die Verwaltung am Hals. Selbst bei den Büroklammern gibt es Probleme! Lachhaft!

Kurz darauf war mir auch ein Brief an meinen Mann in die Hände gefallen, auf den ich mir keinen Reim machen konnte. Angeblich wusste Willy weder mit dem Brief noch seinem Absender etwas anzufangen.

Na gut! Der Brief war auch nicht aus Spanien gekommen, sondern aus Kiew.

Andererseits? In diesem Jahr hatte Willy unseren Urlaub für Gran Canaria gebucht. Und zwar in einem Hotel, dass in Puerto Mogan lag. Er hatte wieder mal auf den Kanarischen Inseln bestanden, obwohl er wusste, dass ich nicht so gerne flog.

5. Kaum waren die beiden Männer gegangen, fragte ich Tobias, was sie denn von ihm gewollt hätten. ´Geschäfte´ fertigte er mich ab. So, wie er es darstellte, musste ich froh sein, dass er mir die langweiligen Details ersparte. Aber warum war er so nervös gewesen?

Hmh? Entweder steckte er in Schwierigkeiten oder es hatte mit der Blondine auf dem Foto zu tun. Oder mit Puerto Mogan? Oder hing das alles zusammen? Vielleicht wusste Willy ja etwas über diese Firma!

6. Im Verlaufe des Abends dachte ich weiter darüber nach. Auch während ich mit Tobias über unsere alten Zeiten plauderte. Einige Gläser später war ich sicher, dass hier der Grund für seine Depressionen lag. Und die Symptome zu bekämpfen, beseitigte ja nicht die Ursachen.

Der weinselige Optimismus in meinem Kopf meinte plötzlich, dass ´dem Mutigen die Welt gehöre´, dass man ´um Nägel mit Köpfen zu machen, einen Hammer brauche´. Also schmiedete ich einen Plan, der dann auch entsprechend ausfiel.

Wortreich klagte ich darüber, dass die Beziehung mit Willy im Tal der Gewohnheit angelangt und es höchste Zeit sei, etwas dagegen zu unternehmen. Deshalb sei dieser Urlaub zu zweit für uns so wichtig.

Obwohl ich es an der notwendigen Dramatik nicht fehlen ließ, war es nicht leicht gewesen, ihn zu überzeugen. Er kannte meinen Mann ja kaum, wie er richtigerweise feststellte.

Die alten Erinnerungen und sein bemerkenswerter Alkoholpegel trugen das ihre dazu bei, dass er sich am Ende von meiner theatralischen Hartnäckigkeit überzeugen ließ.

16. Dezember 2018

Detlevs Buchung

1. Wenn das nicht übergriffig war! Detlev hatte doch tatsächlich versucht für Tobias in der gleichen Zeit wie wir einen Urlaub auf Gomera zu buchen.

Das hatte nicht so ganz geklappt, weil in unserem Urlaubsort und in der Nähe nichts mehr frei war. Meine Erleichterung war nur von kurzer Dauer. Denn das Reisebüro hatte ihn auf Wunsch von Detlev auf eine Reserveliste gesetzt.

Nicht zu fassen. Jetzt musste mich auch noch überraschen lassen, ob und gegebenenfalls wann Tobias in meinem Pärchen-Urlaub mit Willy aufschlagen würde.

2. Ich war auch wütend auf mich selbst. Denn ich hatte mich von Detlev bequatschen lassen, mich nun sogar im Urlaub ein wenig um Tobias zu kümmern.

Und als sei das noch nicht schlimm genug, sollte ich ihm dabei auch noch das Gefühl geben, dass er mir damit einen Gefallen tat.

Das war der Moment gewesen, in dem ich beschloss wieder Tagebuch zu führen. Als Gesprächspartner-Ersatz sozusagen. Denn wenn ich mit Willy über Detlevs Bitte sprechen würde, konnte ich wahrscheinlich nicht nur den Urlaub abhaken.

Außerdem wusste ich ja nicht, ob Tobias überhaupt an unserem Urlaubsort auftauchen würde.

Offen gestanden hoffte ich ja immer noch, dass die Reserveliste nicht zum Zuge kam.

3. Es gab noch ein anderes Problem: Im Urlaub vor zwei Jahren hatte ich mit Willy gestritten. Ständig schaute er in den dienstlichen Email-Account seines Smartphones.

Er ärgerte sich viel zu oft. Ich brauchte fast eine Woche, bis er schließlich zustimmte. Und mir versprach, in die nächsten Urlaube weder Smartphone noch Laptop mit zu nehmen.

Das gleiche würde natürlich auch für mich gelten. Diesen Entschluss feierten wir am Abend sogar in einem schicken Restaurant.

4. So ein Mist! Ohne Handy und Laptop hatte Tobias natürlich keine Chance, mich zu benachrichtigen. An der Rezeption konnte er schlecht anrufen. Willy wäre sicher alles andere als begeistert, wenn Tobias mich auch noch im Urlaub anrufen würde.

Verdammt noch mal! Musste das Schicksal auch noch ironisch werden? Wir konnten uns im Urlaub tatsächlich nur ´zufällig´ über den Weg laufen.

10. Januar 2019

Puerto Mogan

1. Ich habe Tobias nun drei Wochen lang nicht gesehen, war aber bis vor acht Tagen per Mail und telefonisch mit ihm in Kontakt geblieben. Doch er hatte immer noch nicht gewusst, ob er nun kommen würde.

Die erste Woche auf Puerto Mogan zog sich hin. Willy und ich hingen ständig am Hotel herum, waren kaum einmal getrennt. Nur einmal sah ich ihn für ein paar Minuten mit einem Mann im dunklen Anzug zusammen stehen. Und später an der Rezeption.

Ich war aber zu weit entfernt, um zu verstehen, was sie redeten. Dass es nur um das Wetter gegangen war, konnte Willy jemand anderem erzählen. Hier gab es doch außer Sonnenschein gar kein Wetter!

2. Und dann lief Tobias uns bei einem Spaziergang über den Weg. Ich erschrak, war aber auch irgendwie erleichtert. Endlich hatte die Ungewissheit ein Ende. Und musste ich mich nicht mehr in der Nähe des Hotels herumtreiben, um ihn nicht zu verpassen.

Von nun an versuchten wir gemeinsam Willy zu irgendwelchen Aktivitäten zu bewegen. Ich war sogar über meinen Schatten gesprungen und brachte Willys große Leidenschaft ins Spiel.

Wollen wir nicht mal mit einem Segelboot raus fahren?, fragte Tobias meinen Mann und mich.

Keine schlechte Idee. Aber leider wird Lisa seekrank! Nutzte er mich als Vorwand, um möglichen Gesprächen aus dem Weg zu gehen?

Doch so leicht ließ ich ihn nicht davon kommen. Ach, so schlimm ist das nicht, widersprach ich, von mir aus gerne. Wie wäre es mit diesem alten Dreimaster, der da im Hafen liegt. Der sieht toll aus, schwärmte mein Verbündeter.

Hmh?, kam Willys Antwort nur gebrummelt. Du kannst uns ja erklären, wie an Bord alles so funktioniert, schlug ich in die gleiche Kerbe. Auf dieses Thema war Willy meistens angesprungen. Doch diesmal sah er mich nur skeptisch an.

Ja, das würde mich auch interessieren! Tobias schaute in das Faltblatt in seiner Hand. Die legen vormittags um zehn Uhr ab.

3. Am nächsten Morgen wollte Willy dann tatsächlich rausfahren. Dabei war es ganz schön windig. Es stürmte regelrecht. Ahnte er etwas und schickte nun die Retourkutsche los?

Wollte er mich grün und kotzend über der Reling hängen sehen?

Natürlich fiel es mir unter diesen Bedingungen nicht leicht ihm zuzustimmen.

Da rannte er auch schon beleidigt, ohne ein Wort zu sagen, aus dem Zimmer. Während ich noch überlegte, ob ich ihm nachlaufen sollte, kam der Anruf von der Rezeption. Tobias wartete bereits im Foyer.

Wir waren uns schnell einig, dass Willy schon zum Hafen gegangen sein musste.

Und dass er mich vor vollendete Tatsachen stellen wollte. Ich schluckte meinen Ärger herunter und machte mich mit Tobias ebenfalls auf den Weg.

4. Unterwegs blieben wir ein paar mal stehen und schauten aufs Meer. Am blauen Himmel war keine Wolke zu sehen, doch das Meer war rau. Besorgt sah ich die weiße Gischt auf den Wellenbergen und verfolgte das Schaukeln einer kleinen Segelyacht, die an der Küste vorbeizog.

Doch es war nicht zu leugnen, dass sich das Wasser allmählich beruhigte und auch der Wind nach ließ. Vielleicht konnten wir es ja doch versuchen.

Leider hatte ich die Zeit aus den Augen verloren. Als wir den Hafen erreichten, war es auch fast schon zu spät gewesen.

Auf dem dem Boot drängten sich bereits die Touristen. Die Crew hantierte mit den Tauen und bereitete das Ablegemanöver vor. Wir vermuteten, dass Willy bereits an Bord gegangen war und dort auf uns wartete. Also kletterten wir auf das Schiff, um ihn zu suchen. Auch unter Deck.

Vergebens! Aber da hatten wir schon abgelegt und konnten nicht mehr an Land zurück. Glücklicherweise hielt Tobias mich davon ab, es in meiner Panik trotzdem zu versuchen.

Es dauerte eine Weile bis wir unsere Enttäuschung überwunden hatten. Wir beschlossen, das Beste daraus zu machen und den Törn so gut wie möglich zu genießen.

5. Am Nachmittag kamen wir mit einem mulmigen Gefühl zurück. Wie erwartet war Willy schlecht gelaunt.

Wir entschuldigten uns und erklärten ihm das Missverständnis. Versuchten ihn aufzumuntern.

Erzählten, was wir auf unserem Ausflug erlebt hatten. Doch er hörte kaum zu und bemerkte nur, dass seine Segeltörns viel interessanter gewesen wären. Am Ende ließ er uns einfach sitzen.

Und als ich später auf unser Zimmer kam, lag er angezogen auf dem Bett und schnarchte.

12. Januar 2019

Wanderung

1. Erst heute morgen bemerkte ich, dass ich die Nacht neben einer Schnapsleiche verbracht hatte.

Schnell wurde deutlich, dass er frühestens am Nachmittag wieder zu etwas zu gebrauchen sein würde. Sollte ich den ganzen Tag im Hotel verbringen? Nein, ich hatte schon eine ganze Woche lang hier herumhängen müssen.

Der Frust der letzten Tage setzte sich über mein schlechtes Gewissen hinweg. Ich musste endlich mal eine größere Entfernung zwischen mich und das Hotel legen. Am besten eine Wanderung machen! Da Tobias nun hier war, musste ich ja nicht alleine los.

2. Am Nachmittag kam ich mit müden Gliedern und schlechter Laune zurück in unser Zimmer.

Die Wanderung mit Tobias war nicht so toll gewesen. Er hatte nur gemault. „Wie lange müssen wir noch? Oder. „Das müsste doch reichen. Er hatte keine Lust und sich nur breitschlagen lassen, um mich von meinen Gedanken an den besoffenen Willy abzulenken.

Der schien immerhin einigermaßen wieder hergestellt zu sein. Er überraschte mich sogar und schlug mir einen Abend in einer romantischen Bodega vor, die er entdeckt hätte. Um mit mir über uns zu reden und vielleicht sogar zu tanzen.

Die letzten Tage zeigten offenbar Wirkung. Also stimmte ich zu. Vorsichtshalber bestand ich aber darauf, nur in die Hotelbar zu gehen. So, wie seine Gesichtszüge entgleisten, hatte er sich das wohl anders vorgestellt. Aber er nickte.

3. Am Abend saßen wir dann an einem gemütlichen Tischchen in einer ruhigen Ecke der Bar. Ideal für ein persönliches Gespräch.

Doch meine Versuche vernünftig und offen mit ihm zu reden verliefen allesamt im Sande. Er beantwortete meine Fragen zu seinem Job nur ausweichend oder gar nicht.

Stattdessen fragte er mich über meine heutige Wanderung aus, als wollte er einen Inselführer aktualisieren. Dabei war er so kalt und distanziert als interessierten ihn die Antworten nicht mal. Er schien mit seinen Gedanken ganz woanders zu sein.

4. Natürlich hatte ich Tobias Bescheid gegeben. Ich konnte ihn in seiner Verfassung ja schlecht alleine lassen.

Er war dann auch pünktlich zur Stelle, hatte aber wohl etwas missverstanden. Denn er glaubte, ich wollte Willy eifersüchtig machen. Jedenfalls forderte er mich zum Tanzen auf.

Das begann zunächst etwas bemüht, weil mein Ärger seinen eigenen Takt hatte. Und, weil Tobias durch die Gegenwart meines Mannes ziemlich gehemmt war. Oder er war frustriert, weil meine Körpersprache eindeutig signalisierte, dass ich kein bisschen an ihm interessiert war.

Nein, das konnte ich Tobias nicht antun. Auf Willy müssen wir nun wirklich keine Rücksicht nehmen, flüsterte ich ihm also zu und legte einen Tango aufs Parkett, der es in sich hatte.

Okay, vielleicht ein wenig übertrieben, aber für ein paar Minuten machte es mir sogar Spaß. Bis sich dann mein schlechtes Gewissen meldete.

5. Als ich einen kurzen Blick zu unserem Tisch warf, traute ich meinen Augen nicht. Willy würdigte die Tanzfläche keines Blickes, sondern war in ein Gespräch mit einem anderen Mann vertieft. Ein halbseidener Typ, der lebhaft auf Willy einredete und immer wieder vielsagend in meine Richtung schaute.

Und Willy? Der war offenbar froh nicht auf die Tanzfläche zu müssen.

6. Das müsste reichen!, hauchte Tobias mir ins Ohr, als er bemerkte, dass ich aus dem Rhythmus gekommen war. Oder wollte er nicht weiter vor Willys Augen mit mir herummachen?

Der Feigling. Mein Groll meldete sich gleich doppelt zurück. Lass uns das Lokal wechseln! Mein Tanzpartner zögerte, aber ich blieb hart.

Bodega

1. Wir landeten in einer ´Bodega´ mit dem originellen Namen ´Beach´ am Strand und Blick aufs Meer.

Es trat ein, was ich befürchtet hatte. Kaum saßen wir am Tisch, schauten wir uns auch schon ratlos an und zuckten mit den Schultern.

Da Willy uns hier nicht sehen konnte, gab es keinen Grund unseren harmlosen Flirt fortzusetzen. Oder doch?

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