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Killer am Rande des Nervenzusammenbruchs: Storys
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eBook206 Seiten1 Stunde

Killer am Rande des Nervenzusammenbruchs: Storys

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Über dieses E-Book

Der Wahnsinn geht weiter – hat aber immer noch keine Methode.

In den Geschichten des deutschen Comedy-Crime-Meisters geben sich vollpfostige Gauner, Möchtegern-Killer und treudoofe Ex-Knackis die Klinke in die Hand. Ein tierisch schräges Personal ist das – mitunter sogar im wahrsten Wortsinn.

Sie wollten immer schon wissen, wie es mit der Erfolgsband "Bremer Stadtmusikanten" weiterging oder was die Teletubbies so treiben, wenn die Fernsehkameras ausgeschaltet sind? Dann sind Sie hier richtig. Schwarzer Humor vom Feinsten, schräge Wendungen … ein Kompendium der Kategorie "Dumm gelaufen".

Peter Godazgars Figuren sind die lebenden Beweise für Murphys Gesetz: Was schiefgehen kann, geht schief. Sicher? Todsicher!
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum9. März 2020
ISBN9783954415267
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    Buchvorschau

    Killer am Rande des Nervenzusammenbruchs - Peter Godazgar

    Tubbie-Schießen

    OHNE TOTE

    Fachgespräch unter Krimifans

    Guten Tag! Was für eine Überraschung, Sie hier zu sehen!

    Oh, ähm … Guten Tag. Wie geht’s?

    Gut, gut. Ich hab gerade wieder einen tollen Krimi gelesen.

    Ja? Erzählen Sie.

    Ja, von diesem Schweden … Ähm …

    Håkan Nesser?

    Nee, der andere?

    Mankell?

    Nee, auch nicht.

    … Meinen Sie den … den Dings, den mit dem Doppelnamen?

    Doppelname?

    Ja … na … mit dem Vogel.

    Vogel?

    Ja, … Spatz … nee … Habicht …

    Sie meinen aber nicht den Isländer?

    Isländer?

    Der mit dem komplizierten Namen.

    Nee

    Dottir. Irgendwas mit Dottir. Wobei – dann wäre es ja eine Frau. Isländer haben immer ein Dottir am Namen dranhängen.

    Nee … Ich hab’s: Adler!

    Dottir bedeutet einfach die Tochter. So wie das angehängte »son« Sohn bedeutet. Eriksson. Kristjansson …

    Nein! Adler!

    Adlersson.

    Nein Adler. Olsen-Adler.

    Olsen-Adler?

    Adler-Olsen!

    Ach, der. Aber der ist doch kein Schwede.

    Sondern?

    Keine Ahnung … Norweger … Oder Däne.

    Adler-Olsen. Der hat den Kommissar … den Kommissar … Dings erfunden, oder?

    Ja, ich weiß, wen Sie meinen. Der heißt wie ein Holländer.

    So?

    Van Veeteren!

    Ja, aber Van Veeteren ist nicht von Adler-Olsen.

    Sondern?

    Tja … gute Frage.

    Was war das denn jetzt für ein Krimi, den Sie gelesen haben?

    Ja … Mensch … Ich komm nicht drauf … Es ging um einen Serienmörder.

    Ach! Na, das grenzt die Sache ja schon mal ganz enorm ein.

    Er verschleppt Kinder.

    Ach, das Buch! Ja, aber das ist doch von dem Deutschen?

    So?

    Ja, der berühmte.

    Kramp!

    Ja! … Nee.

    Ich mag ja ohnehin mehr die Klassiker.

    Ja, stimmt, auch gut.

    Ich habe gerade ganz viel von diesem berühmten Franzosen gelesen.

    Fred Vargas?

    Nein, Fred Vargas ist außerdem eine Frau.

    Fred Vargas ist ’ne Frau?

    Ja.

    Das ist ’ne Frau?!?

    Ja.

    Fred? Die Fred? Wieso heißt die Fred?

    Ist ein Künstlername, glaube ich. Oder vielleicht eine Abkürzung. Ich wusste das mal … Ach, ich wusste mal so viel …

    Wie klingt denn das? »Guten Tag, ich bin die Fred.« – »Hallo, ich bin der Monika.«

    Aber die meine ich ja nicht. Ich meine diesen Klassiker.

    … Klassiker.

    Diesen berühmten. Der hat Hunderte Bücher geschrieben.

    Poirot?

    Nein! Poirot hat doch nicht selbst geschrieben. Poirot ist doch ein Detektiv.

    Ach ja.

    Simon! Nee … Simenon!

    Ja, der ist auch gut. Hab ich auch mal gelesen. »Der Mann, der den Zügen nachrannte.« Tolles Buch.

    Ja, und der hat auch diesen berühmten Kommissar erfunden.

    Poirot. Sag ich doch.

    Nein! Poirot ist von … Dings.

    … Poirot. Hermann, oder?

    Nein. Herbert.

    Ach ja, stimmt.

    Die Franzosen haben ja im Prinzip den Krimi erfunden.

    So?

    Klar … mit diesem Buch … na, wie heißt es? … Der Mörder auf den Champs Elysee.

    Ich glaube, das war eine andere Straße.

    Stimmt …

    … Rue, irgendwas mit Rue.

    Ja, kann sein, aber es war ein ganz verrückter Mordfall. Täter war am Ende ein Tier. Ein Eichhörnchen, wenn ich mich richtig erinnere.

    Ein Eichhörnchen?

    Ja. … Oder, halt! Ich hab’s wieder! Es war ein Affe. Ein Schimpanse! Nee, ein Gorilla! Nein, auch nicht … wie heißen die mit den langen Armen? Die orangefarbenen?

    Orange-Utan. Quatsch, Orang-Utan.

    Genau!

    Aber das hat kein Franzose geschrieben, das war dieser berühmte Engländer.

    Sherlock Holmes.

    Nein, der hat Conan Doyle geschrieben.

    Umgekehrt.

    Was?

    Conan Doyle hat Holmes geschrieben.

    Wie kamen wir da überhaupt drauf?

    Keine Ahnung.

    Und Sie selbst?

    Was ist mit mir?

    Na, haben Sie auch wieder was Neues geschrieben?

    Ich? Wieso?

    Na, sind Sie nicht der … Dings … der Autor?

    Nein.

    Oh.

    Moment, dann sind Sie auch gar nicht der …

    Wer?

    Der … Autor?

    Nee.

    Oh.

    Oh.

    Na, dann. Entschuldigung.

    Ja, schönen Tag noch.

    Kirre Royal

    Gentleman.

    Schon das Wort.

    Wer benutzt das denn noch? Oder? Gentleman? Wann haben Sie dieses Wort zuletzt gehört?

    Das ist aber mal ein echter Gentleman.

    Nee, benutzt keiner mehr.

    Und ich sag Ihnen auch, warum: weil es ihn nicht mehr gibt, den Gentleman.

    Halt, einen gibt es noch. Mich. Ja, ich bin vermutlich der letzte Gentleman.

    Einer muss den Job halt machen, sag ich immer scherzhaft.

    Ja, so gesehen ist das eine echte Marktlücke. Nur: Man braucht halt auch ein bisschen Klasse. Und Klasse, sorry, die hat nun mal nicht jeder.

    Aber ich bin eben noch einer von der alten Schule. Soll ich Ihnen was sagen? Ich beherrsche zwanzig Varianten, eine Krawatte zu binden. Ja, ich kann noch den halben Windsor vom doppelten Windsor unterscheiden, ich beherrsche den Cavendish und den Grantchester. Können Sie ja mal rumfragen im Bekanntenkreis. Grantchester. Da tippen die meisten vermutlich auf einen englischen Käse.

    Und dann bitte noch 100 Gramm von dem Grantchester.

    Oder nehmen Sie das Thema Getränke. Da macht mir keiner was vor. Jawohl, ich kann einen »Manhattan« von einem »Mai Tai« und einen »Cosmopolitan« von einem »Sex on the Beach« unterscheiden.

    Ja, und ich weiß vor allem, was in einen Kir Royal gehört!

    Kir Royal? Na, sehe ich da ein Nicken?

    Champagner, genau! Nicht Sekt, sondern Champagner! Champagner mit Crème de Cassis. Schluss! Mehr nicht! Im Verhältnis neun zu eins. Und bitte nicht den billigsten Cassis nehmen. Ich sage nur: Merlet. Die machen ein paar ganz feine Tröpfchen.

    Kennen Sie übrigens den Unterschied zum Kir? Nein? Muss Ihnen nicht peinlich sein. Kir besteht aus Weißwein, klassischerweise ein Bourgogne Aligoté von der Côte-d’Or. Und natürlich wieder Crème de Cassis. Tja, das wusste dieser Möchtegern-Experte auch nicht. Dieser Penner!

    Kir Royal! Ich könnte kotzen! Ehrlich! Ich werde ganz … ganz kirre, wenn ich nur dran denke! Kirre Royal!

    Die gleichnamige Serie mochte ich ja immer. Klatschreporter Schimmerlos, Sie erinnern sich? Auch ein Gentleman. Na ja, in gewisser Weise jedenfalls. Vor allem die erste Folge hab ich geliebt, die mit Mario Adorf als Heinrich Haffenloher. »Ich mach dich nieder, Schimmerlos. Wenn du mich hier jetzt stehen lässt, wie ’nen Deppen, dann mach ich dich nieder! Ich ruinier dich. Ich mach dich fertig. Ich kleb dich zu von oben bis unten.« Ach, herrlich!

    Die DVD-Box, diese Jubiläums-Edition, die hab ich nach der Sache übrigens weggeschmissen.

    Dabei fing es so gut an. Wo? Na, in diesem Hotel. Schweiz. Sehr, sehr schickes Haus, mit Stil, das hab ich gleich gesehen. Klar, sonst hätte ich mir den Laden ja nicht ausgesucht. Ich sag mal so: Fünf Sterne in der Schweiz sind was anderes als fünf Sterne in Deutschland.

    In solchen Kästen werde ich immer fündig. Eine einsame Dame, besser noch zwei einsame Damen. Na? Klingelt da was? Einsame Damen? Und ein Gentleman?

    Ja, ich gebe es am besten gleich zu. Wenn ich die Damen verlasse, sind sie etwas ärmer. Die Damen. Aber nur ein bisschen. Und man muss natürlich sagen: Sie haben etwas bekommen für ihr Geld.

    Wie ich heiße? Och, sagen wir einfach mal: Schmidt. Das muss reichen.

    Ich betrete also am ersten Abend das Hotel-Restaurant – und meine Laune ist gleich im Keller. Also ganz tief unten. Quasi nicht Keller, sondern Tiefgarage, drittes Untergeschoss. Denn wer sitzt da in der Ecke am Fenster? Herbert Höschen!

    Herbert Höschen, den werden Sie jetzt nicht kennen. Seien Sie froh. Herbert Höschen ist der dümmste Aufschneider, der rumläuft. Ist mit der gleichen Masche unterwegs wie ich – nur ohne Stil. Dabei hält sich Herbert Höschen selbstredend auch für einen Gentleman, aber ich sag Ihnen was: Wenn Sie Herbert Höschen als Gentleman bezeichnen, dann können Sie ebenso gut einen Kuhfladen als Pizza bezeichnen!

    Entschuldigen Sie, ich rege mich schon wieder auf. Aber ich hab auch allen Grund dazu. Ich meine, ich kenne Höschen jetzt seit vierzig Jahren.

    Ich sage natürlich nicht Höschen zu ihm, mit »sch«, sondern »Hös-chen«, wie die Unterwäsche. Da wird er wahnsinnig.

    Ich komme also in das Restaurant und sehe Höschen in der Ecke sitzen. Ich denke mir noch: Das ist ja wie in einer schlechten Gaunerkomödie: zwei Heiratsschwindler im selben Hotel. Und Höschen hat seine Angel schon ausgeworfen, klar, vermutlich ist er schon seit ein paar Tagen hier. Am Platz gegenüber von ihm sitzt eine äußerst attraktive Dame, vielleicht Mitte vierzig. Und ich denke, ich hör nicht richtig. Höschen spricht mit so einem affigen französischen Akzent. Ich sehe, dass Höschen mich aus den Augenwinkeln wahrnimmt, aber da ist er ganz Profi. Ein winziges Zucken mit der rechten Augenbraue, mehr nicht, dann wendet er sich wieder seinem Opfer zu.

    Höschen bleibt sogar noch cool, als ich mich am Tisch direkt neben den beiden niederlasse.

    Und dann höre ich ihn salbadern, mit diesem affigen Akzent. Ich weiß sofort, wo der Hase lang läuft. Höschen entblödet sich nicht, den reichen Weingutbesitzer zu spielen. Ich kann kaum glauben, dass die Frau ihm das abkauft.

    »Wissen Sie, der Wein ist mein Läbään, es gibt fur misch nix Schöneres, als frühmorgens durch der Weinberge zu streifen und mit die Finger der Tau an die Blätter zu spüren …«

    Blablabla, die Frau klebt an seinen Lippen.

    Beim Hauptgang ist Höschen bei seiner angeblich kürzlich verstorbenen Frau angelangt – sie sei bei einem Urlaub in den Pyrenäen von »eine Abischt« attackiert worden und daraufhin unglücklich gestürzt.

    Es dauerte eine Weile, bis ich kapierte. »Eine Abischt«, also wirklich!

    Und dann ist er auch schon bei seinem Grund für den Besuch in der Schweiz. Jaja, Abstand gewinnen, über den Verlust hinwegkommen, es ist einfach ekelhaft.

    Aber es funktioniert. Beim Dessert hat Höschens Gegenüber schon Tränen in den Augen. Diese Gutgläubigkeit der Menschen! Ist es denn zu fassen?

    Höschen blinzelt zwischendurch immer zu mir rüber. Und ich weiß, was sein Blinzeln sagen soll: Tja, Alter, zu spät gekommen.

    Na warte!, denke ich.

    Ich ärgere mich, dass ich nicht unter einem exotischeren Namen reise, mit meinem dunklen Teint würde ich auch als spanischer Adliger durchgehen oder als brasilianischer Großgrundbesitzer. Aber ich bin nun mal hier als Ludwig Lenk von Wolfsberg. Altes österreichisches Adelsgeschlecht.

    Dann sind die beiden fertig, und ich höre, wie Höschen säuselt, ob er die Dame noch auf einen Cocktail an der Bar einladen dürfe.

    Einladen?, denke ich. Wovon denn, Höschen? Du bist doch notorisch pleite.

    Sie verlassen das Restaurant, und Höschen zwinkert mir frech zu und wünscht

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