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Nebel der dunklen Wahrheit - 3 Romane in einem Band

Nebel der dunklen Wahrheit - 3 Romane in einem Band

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Nebel der dunklen Wahrheit - 3 Romane in einem Band

Länge:
959 Seiten
13 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Juni 2020
ISBN:
9781393828952
Format:
Buch

Beschreibung

Nebel der dunklen Wahrheit - 3 Romane in einem Band
von Alfons Winkelmann

Über diesen Band:

Dieser Band enthält folgende Romane:

Alfons Winkelmann: Nebel über Nazareth
Alfons Winkelmann: Die Insel der Wahrheit
Alfons Winkelmann: Die Töchter der roßen Mutter


ES IST DAS JAHR 1980. Der Chemiestudent Gregor Engel liegt schwer verletzt im Klinikum Aachen. Seiner eigenen Erzählung zufolge hat er seine schweren Verletzungen in einem Forschungsinstitut in Nazareth, Belgien, erlitten. Dieses Institut wird beziehungsweise wurde von einer Geheimgesellschaft betrieben, den "Kanaanitern", denen es darum geht, "das Überleben der Menschheit zu sichern". Auf das Institut hat jedoch ein Kommilitone und enger Freund Gregors ein Bombenattentat verübt, wobei es völlig zerstört wurde. Gregor konnte dem Tod dabei nur sehr knapp entkommen.
Das Problem ist jedoch: Alle Menschen in seiner Umgebung behaupten, er sei gar nicht in Nazareth gewesen, sondern von einem Auto überfahren und dabei so schwer verletzt worden, dass er wochenlang im Koma gelegen habe. Also habe er sich die Geschichte mit Nazareth bloß zusammenfantasiert.
Offen bleibt, wer nun recht hat.

Herausgeber:
Freigegeben:
21. Juni 2020
ISBN:
9781393828952
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Buch

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Nebel der dunklen Wahrheit - 3 Romane in einem Band - Alfons Winkelmann

ES IST DAS JAHR 1980. Der Chemiestudent Gregor Engel liegt schwer verletzt im Klinikum Aachen. Seiner eigenen Erzählung zufolge hat er seine schweren Verletzungen in einem Forschungsinstitut in Nazareth, Belgien, erlitten. Dieses Institut wird beziehungsweise wurde von einer Geheimgesellschaft betrieben, den „Kanaanitern, denen es darum geht, „das Überleben der Menschheit zu sichern. Auf das Institut hat jedoch ein Kommilitone und enger Freund Gregors ein Bombenattentat verübt, wobei es völlig zerstört wurde. Gregor konnte dem Tod dabei nur sehr knapp entkommen.

Das Problem ist jedoch: Alle Menschen in seiner Umgebung behaupten, er sei gar nicht in Nazareth gewesen, sondern von einem Auto überfahren und dabei so schwer verletzt worden, dass er wochenlang im Koma gelegen habe. Also habe er sich die Geschichte mit Nazareth bloß zusammenfantasiert.

Offen bleibt, wer nun recht hat.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Alles rund um Belletristik!

Nebel über Nazareth

Nebel über Nazareth

Alfons Winkelmann

Published by BEKKERpublishing, 2019.

Table of Contents

UPDATE ME

Nebel über Nazareth

Alfons Winkelmann

––––––––

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Rawpixel und Pixabay mit Kathrin Peschel, 2019

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2019 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

––––––––

Klappentext:

ES IST DAS JAHR 1980. Der Chemiestudent Gregor Engel liegt schwer verletzt im Klinikum Aachen. Seiner eigenen Erzählung zufolge hat er seine schweren Verletzungen in einem Forschungsinstitut in Nazareth, Belgien, erlitten. Dieses Institut wird beziehungsweise wurde von einer Geheimgesellschaft betrieben, den „Kanaanitern, denen es darum geht, „das Überleben der Menschheit zu sichern. Auf das Institut hat jedoch ein Kommilitone und enger Freund Gregors ein Bombenattentat verübt, wobei es völlig zerstört wurde. Gregor konnte dem Tod dabei nur sehr knapp entkommen.

Das Problem ist jedoch: Alle Menschen in seiner Umgebung behaupten, er sei gar nicht in Nazareth gewesen, sondern von einem Auto überfahren und dabei so schwer verletzt worden, dass er wochenlang im Koma gelegen habe. Also habe er sich die Geschichte mit Nazareth bloß zusammenfantasiert.

Offen bleibt, wer nun recht hat.

***

I. Schrecken

Am Anfang war es wie im Traum, wenn man daliegt und auf einmal glaubt, hellwach zu sein. Ich lag auf einem Bett, blickte zu einer weiß gestrichenen Zimmerdecke etwa zwei Meter über mir empor und dachte zunächst nicht daran, irgendeine meiner Gliedmaßen zu bewegen. Denn jetzt so hellwach dazuliegen war eine Befreiung, ein Loslösen aus etwas, das mich bis dahin umklammert gehalten hatte, das mich in Erstarrung gehalten hatte, und so genoss ich es, völlig entspannt dazuliegen und der Stille zu lauschen.

Irgendwann erst bemerkte ich die beiden Lampen, deren Licht mir in die Augen fiel. Es war ein gedämpftes Licht wie draußen, wenn der Nebel herrschte und die Sonne nicht frei vom Himmel schien. Es war ein Licht, wie ich es gut kannte, obwohl mir im Augenblick nicht einfallen wollte, woher ich es kannte. Dennoch reichte es aus, dass ich meine Umgebung mehr als deutlich zu sehen vermochte. Ein Zimmer – nicht das meine in der Kasinostraße – mit weiß gestrichenen Wänden, einem von einer Jalousie bedeckten Glasfenster links, irgendwelchen Apparaten rechts von mir, auf denen es blinkte und blitzte, und ein heller Punkt, der eine schwache Linie nach sich zog, lief über einen dunklen Bildschirm. In regelmäßigen Abständen zuckte der Punkt hoch und fiel gleich darauf wieder herab, und ich fragte mich, was das zu bedeuten hatte. Dann geschah eine Zeit lang weiter gar nichts, als dass ich weiterhin da lag und schaute und schaute und schaute, ohne jedes Bewusstsein davon, dass es außer der weißen Decke und dem gedämpften Licht und den Apparaten um mich herum noch etwas geben mochte. Ich war Zentrum der Welt, ein und alles, fühlte nichts, sondern sah nur in der Stille. Reglos.

Ganz allmählich nur, kaum dass ich es recht wollte, tauchte etwas anderes auf. Zunächst lediglich unbestimmte, formlose Dinge und Gestalten, die ich nicht zuordnen konnte. Farben, Gerüche, Klänge, ja, jetzt hörte ich auch etwas, neben meinen eigenen Atemzügen ein Piepen, ein regelmäßiges Piepen, das immer lauter wurde. Anfangs versuchte ich, mich gegen diese Dinge zu wehren, ich wollte nicht gestört sein in meiner Ruhe. Dann jedoch wurden diese Dinge mächtiger, sie ließen sich nicht mehr zurückdrängen, ganz, als führten sie ein Eigenleben, hätten eigenen Willen. Kurze Zeit geriet ich in Panik, wollte um mich schlagen und bemerkte, dass ich mich tatsächlich nicht bewegen konnte. Also doch ein Traum, ein Albtraum?

Schließlich erkannte ich einige der Dinge, und die Panik ebbte ab. Einen langen Korridor mit vielen Türen, ein stetiges Summen, ein Zimmer mit einem großen Schrank, ein Bett mit einem Holzkreuz darüber, an dem ein vergoldeter Heiland hing. Eine Kutsche. Getrappel eines Pferds. Ein Klassenzimmer, und hier schien die Sonne hell und freundlich herein, Kreide quietschte über die Tafel. Ein starr ruhender See, und auch darauf fiel helles Sonnenlicht. Ein Mann in Uniform, der vor mir stand. Irgendwann bemerkte ich, dass diese Dinge etwas mit mir zu tun haben mussten, dass sie zu mir gehörten, aber ich wusste sie nicht einzuordnen, zu sortieren. Es war, als ginge ich in einer Rumpelkammer umher, wo alles ungeordnet über- und untereinander lag. Alles war verschwommen, und obwohl es zu mir gehörte, entwand es sich meinem Griff, wollte sich nicht fassen lassen. Ein Tisch mit einer hellen Resopalbeschichtung und einem Stuhl davor. Ein mächtiger Kachelofen, der eine freundliche Wärme verströmte. Der Geruch nach Suppe, und mir lief das Wasser im Mund zusammen, weil mir jäh auffiel, dass ich hungrig war. All diese Dinge verschwanden jedoch ganz rasch wieder, um von anderen Dingen ersetzt zu werden. Das Gesicht einer Frau, die sich über mich beugte. Die Frau hatte graues, struppiges Haar. Ein Schulheft, und jemand schrieb in dieses Heft, eine ungelenke Kinderhand. Jetzt ertönte ein Rumpeln und Donnern, ich schaukelte, als säße ich in einer Straßenbahn, die über ausgeschlagene Schienen fuhr.

Da verspürte ich zum ersten Mal Angst.

Eine gleichfalls noch unbestimmte Angst, deren Ursache ich nicht zu ergründen vermochte. Dann flüsterte mir eine dunkle Frauenstimme Worte ins Ohr, und die Angst schwand wieder, zog sich ins Dunkel zurück. Ich wusste jedoch, dass die Angst weiterhin dort lauerte, dass sie jederzeit zurückkehren konnte – aber nicht, solange die Stimme weiter Worte flüsterte. Es machte nichts, dass ich die Worte nicht verstand. Es machte auch nichts, dass mir selbst keine Worte einfielen, dass ich stumm blieb. Denn die Worte waren wie warmer Schnee, der mich einhüllte, der mich schläfrig machte, der mich die Ruhe zurückfinden ließ.

Wieder geschah lange Zeit nichts.

Da schreckte ich aus der Ruhe hoch und schrie laut, schrie laut auf, dass ich vor der eigenen Stimme erschrak. Eine Flammenzunge hatte nach mir geleckt, und ich hatte ihr gerade noch ausweichen können. Eine gewaltige Explosion rüttelte mich. Ich schrie und schrie, und niemand war da, der mir half. Ich versuchte zu rennen, aber die Beine waren so schwer, und ich kam nur so langsam von der Stelle. Erneut eine grelle Flammenzunge – warum war denn da niemand, der mich davor rettete? Man musste doch sehen, dass ich nicht imstande war zu laufen!

Nun sagte jemand ganz klar und deutlich: „Sei ruhig, Gregor, du träumst nur!"

War’s dieselbe Frau, die mir auch das erste Mal die beruhigenden Worte ins Ohr geflüstert hatte? Ich konnte es nicht erkennen, aber mir wurde bewusst, dass es noch etwas anderes gab als die schrecklichen Dinge um mich herum. Dass es einen Unterschied gab zwischen Traum und jenem Zustand, in dem sich die Frau offenbar befand. Und jenem Zustand, den nun auch ich wieder erlangen wollte.

Aber die großen Dinge, wie ich jene unbestimmten Schemen und Gestalten nannte, wollten das noch nicht zulassen. Sie stürmten heran, umklammerten mich, hielten mich fest. Sie zerrten mich in das Dunkel, wo die Angst lauerte, und diesmal gab es keine Stimme, die mich zurückholte. Und diesmal fand ich keine Kraft zum Schreien.

In diesem Dunkel jedoch war nicht mehr die Angst. Dort war etwas Lebendiges, etwas Warmes, das offenbar auf mich gewartet hatte, denn es begrüßte mich mit wortloser Freude. Ich kuschelte mich an dieses Wesen – wenn es denn eines war –, und mir wurde klar, dass dies hier kein Traum war, sondern die Wirklichkeit. Nicht das Wachen, das auch nicht. Etwas viel Wirklicheres als das Wachen, etwas, das viel mehr zu mir gehörte als das Zimmer, welches ich beim Erwachen gesehen hatte. Noch begriff ich nicht, was es war. Es war einfach – und das reichte aus. Und es sollte immer sein, keinen anderen Wunsch hatte ich. Dieses Lebendige, Warme war mit mir in völligem Einklang, reine Harmonie.

Auch diesmal wusste ich nicht, wie lange dieser Zustand der völligen Geborgenheit währte.

Ich wusste nur, dass das Lebendige, Warme immer deutlicher Gestalt annahm, immer klarere Konturen aufwies. Es formte sich zu etwas, das ich war und zugleich es selbst. Es löste sich von mir, und dennoch blieben wir beisammen, blieben eins. Wie ein gemeinsames Größerwerden, Wachsen, und alles in mir kribbelte vor Freude. Hatte ich bislang die Augen niedergeschlagen, so erhob ich nun den Blick und sah der anderen Wesenheit ins Gesicht.

Und merkte, dass sie mich getäuscht hatte. Die andere Wesenheit war die nackte Angst, das Entsetzen, das sich unter der Maske der Geborgenheit getarnt hatte. Ich hörte ein schrilles Piepen, ein wahnsinniges, anschwellendes Kreischen. Schließlich verspürte ich einen heftigen Stich und fiel in die Schwärze zurück.

*

AM ANFANG KAM ICH ÜBERGANGSLOS vom Zustand des Nicht-Bewusstseins ins Bewusstsein. Dass ich die Augen aufgeschlagen hatte, ich hatte es nicht bemerkt. Zwei Männer und eine Frau, alle in Weiß gekleidet, standen neben meinem Bett und blickten mir ins Gesicht. „Endlich", sagte der ältere der beiden Männer. Der andere Mann und die Frau seufzten hörbar erleichtert auf.

Der ältere Mann beugte sich über mich. „Können Sie mich verstehen? Ich fühlte mich zu schwach zum Sprechen, zumal mein ganzer Körper schmerzte und die Kieferknochen sich so anfühlten, als könnte ich sie nicht bewegen. Daher nickte ich bloß, obgleich ich auch jetzt das Gefühl hatte, dass das Nicken nicht zu erkennen gewesen war, weil mein Kopf gleichfalls völlig unbeweglich war. Der Mann über mir musste jedoch bemerkt haben, dass ich ihn verstanden hatte. Sein Gesicht entfernte sich, er wandte sich den beiden anderen im Zimmer zu. Als der jüngere der Männer auf mich zutrat, war die Überraschung stärker als jeder Schmerz. „Du!, brachte ich mühsam hervor.

Auch der Mann war sichtlich überrascht. Er hatte also verstanden, was ich gesagt hatte. „Nicht sprechen!", sagte er schließlich und legte mir die Hand auf den Arm. O, wie gut ich diese Geste kannte! Sie war nicht nur deshalb so beruhigend, weil der gute Wille dahintergestanden hatte, mich zu beruhigen. Sie war vor allem deshalb so beruhigend, weil ich nun plötzlich wusste, was da in meinen Gedanken gebrodelt hatte, sich nicht recht hatte zusammenfinden wollen. Nun fügte sich alles nahtlos ineinander, wurde deutlich, klar, ich sah es, und es gehörte mir, es war ich.

„Wir lassen Sie jetzt in Ruhe, sagte der jüngere Mann. „Wir kommen nachher zurück und untersuchen Sie, und an die Frau gerichtet, fügte er leise hinzu, jedoch so, dass ich’s verstehen konnte, obgleich es vermutlich nicht für meine Ohren gedacht war: „Seien Sie behutsam. Er ist zwar endlich wieder wach, aber sein Zustand ist immer noch ziemlich kritisch." Die Frau nickte, und die beiden Männer verließen den Raum, nachdem sie sich kurz um die durchsichtigen Behälter gekümmert hatten, die neben meinem Bett standen und von denen Schläuche unter die Verbände liefen, die ich plötzlich überall an mir entdeckte.

„Hat man eine Hauttransplantation durchführen müssen?", krächzte ich hervor, und die Frau, natürlich eine Krankenschwester, dachte ich, sah mich an, als hätte sie meine Frage nicht verstanden. Ich wiederholte die Frage, und die Frau schüttelte sichtlich verwundert den Kopf, ehe sie die Worte des jüngeren Mannes wiederholte: „Nicht sprechen, Gregor! Da bemerkte ich, dass diese Frau meine Tante war. Das weiße Häubchen und der Mundschutz hatten ihre Gesichtszüge verborgen, und erst der Klang dieser dunklen Stimme hatte in mir die Erinnerung geweckt. Die Tante setzte sich auf die Bettkante und strich mir übers Gesicht. „Armer Junge!, sagte sie dabei, und ich wusste nicht, wovon ich mehr überrascht sein sollte: Dass meine Tante hier war, oder dass sie mich so zärtlich behandelte. Das war schließlich niemals ihre Art gewesen. „Armer, armer Junge, wiederholte sie und sagte schließlich: „Aber meine Gebete sind erhört worden, Gott hat dich errettet. Dafür solltest du ihm dankbar sein! So kannte ich sie, so hatte sie stets mit mir geredet. Ich schloss die Augen, während sie mir mit leiser Stimme Dinge zu erzählen begann, die ich nicht zu glauben vermochte. Ich sei vor dem Aachener Hauptbahnhof von einem Auto angefahren worden, sagte sie mir. Am Freitag, dem 22. August.

Wenn ich nicht so schwach gewesen wäre, hätte ich ihr widersprechen können, hätte ihr sagen können, dass das gar nicht möglich war. Denn am Samstag, dem 23. August, war ich nach Brügge gefahren und hatte am Abend zuvor, um mir die Zeit bis zur Abfahrt etwas zu verkürzen, im Aachener Stadttheater die Generalprobe eines Theaterstücks gesehen. Das wusste ich deshalb so genau, weil ich mir an diesem Abend zum ersten Mal überhaupt in meinem Leben ein Schauspiel angesehen hatte. Nebel im Sommer, wenn ich mich recht erinnerte. Aber ich war mir sicher, dass mein Widerspruch nichts genutzt hätte, dass sie ihn wie immer mit einer einzigen Handbewegung beiseite gewischt hätte, die besagte: ‚Was weißt denn du!‘.

Sie erzählte mir weiter, dass man ihr sofort Bescheid gegeben habe, dass sie jedoch nicht sofort habe kommen können, weil sie mitten in den Vorbereitung für das Stadtteilfest der Kirchengemeinde gesteckt habe. Sie sei jedoch einige Tage nach dem Unfall gekommen, und als sie mich da im Koma habe liegen sehen, da habe sie sofort zu Gott gebetet, dass ich wieder gesund werden möge. Oftmals habe sie so wie jetzt an meinem Bett gesessen und zu mir gesprochen, ich habe jedoch nie reagiert. Aber jetzt sei ja alles gut, jetzt habe Gott ihre inbrünstigen Gebete endlich erhört. Irgendwann konnte ich nicht mehr zuhören. Denn ich wusste jetzt, dass sie die Unwahrheit sprach. Natürlich hatte man ihr sofort Bescheid gegeben – aber man hatte sie auch eingeweiht, daher die Geschichte, dass sie angeblich nicht sofort habe kommen können. Das sah meiner Tante nämlich überhaupt nicht ähnlich. Sie hätte alles, wirklich alles, stehen und liegen gelassen, wenn man sie gerufen hätte.

Ich schloss die Augen, und sie hörte sofort auf, ihren Unsinn zu erzählen. Sie stand auf und sagte: „Natürlich, du bist ja noch völlig erschöpft. Schlaf’ ruhig weiter, Gregor, ich will dich nicht stören. Ich sage den Ärzten Bescheid, dass du wieder schläfst. Ich werde weiterhin jeden Tag kommen und nach dir schauen. Ich wohne so lange in deinem Zimmer in der Kasinostraße." Damit verließ sie das Zimmer, und ich atmete erleichtert auf. Ihre Anwesenheit hatte etwas Erdrückendes an sich, das sich mir wie ein Alb auf die Brust gelegt hatte. Ich atmete wieder leicht und frei, nachdem sie verschwunden war.

Die Verletzungen, die ich auf meiner wilden Flucht aus dem brennenden Gebäude erlitten hatte, waren offensichtlich zwar sehr schwer, aber die Verbrennungen mussten sich wohl doch in Grenzen gehalten haben. Vorausgesetzt, meine Tante hatte meine Worte richtig verstanden. Aus irgendwelchen Gründen war das für mich ungeheuer erleichternd. Was mich jedoch völlig ratlos sein ließ, war seine Anwesenheit hier. Ich wusste, dass er kein Arzt war. Er war Chemiker, genau wie ich, und verstand von Medizin ebenso viel oder wenig wie ich. Weshalb war er dann als Arzt aufgetreten und von den anderen auch als solcher behandelt worden? Ich musste ihn unbedingt danach fragen, wenn er einmal allein bei mir auftauchte – dass er das mit Sicherheit täte, daran zweifelte ich nicht eine einzige Sekunde. Zu viel hatten wir gemeinsam erlebt, und zu viel hatten wir auch noch zu tun, als dass wir uns wie zwei Fremde begegnen konnten.

Es konnte natürlich auch sein, dass die Kanaaniter etwas ganz Bestimmtes dabei bezweckten, ihn hier als Arzt auftreten zu lassen. Es war ja durchaus möglich, dass sie ihm, während ich im Koma gelegen hatte, im Schnellverfahren zumindest das Nötigste beigebracht hatten – was wusste ich denn trotz allem von den Möglichkeiten der Kanaaniter! Vielleicht sollte er mich bewachen, darauf achten, dass mir nichts zustieße. Klar, das wäre nur logisch. Dass unsere Gegner zu vielem fähig waren, das hatten sie ja dort eindeutig bewiesen. Allerdings konnte das bedeuten, dass Hanno gleichfalls überlebt hatte.

Beim Gedanken an Hanno wallte wieder jene Angst in mir auf, die mir zuvor schon begegnet war. Diesmal jedoch nicht mehr so heftig, dass sie mich in die Dunkelheit zurückschleuderte. Natürlich wusste ich nicht, ob der Waffenstillstand zwischen uns beiden, den wir ganz kurz vor dem Ende geschlossen hatten, noch galt. Was wiederum dafür spräche, dass man Rein zu meiner Bewachung hierher versetzt hatte.

Es war einfach zu viel.

Zu schwach war ich, um mir alles bis ins Letzte zusammenreimen zu können. Ich musste die Tatsachen erst einmal hinnehmen, aber ich nahm mir auch vor, zumindest den Versuch zu unternehmen herauszufinden, warum alles geschah, wie’s jetzt geschah. So lag ich da, ließ den Blick umherschweifen, sah aus dem Fenster, das ich vor mir in der Wand entdeckt hatte, auf graue und weiße Wolkenfetzen, die eilig dahintrieben und zwischendrin immer wieder den wie verwaschen aussehenden blauen Himmel durchscheinen ließen. Abgesehen von einem leisen Surren, das offenbar von den vielen Apparaturen neben mir stammte, und dem gleichmäßigen Piepen, war’s im Raum völlig still. Die Leuchtziffern und Linien auf den Apparaten sagten mir nichts, obwohl sie offensichtlich irgendetwas mit meinem Zustand zu tun hatten.

Die Tür öffnete sich, und Reinder trat ins Zimmer. Er zog den Stuhl von dem Tisch meinem Bett gegenüber heran und ließ sich darauf nieder. „Die Werte sehen ganz gut aus, sagte er, nachdem er einen kurzen Blick auf die Apparaturen geworden hatte. „Wir werden Sie bald davon erlösen können, fuhr er fort, wobei er auf die Schläuche wies. „Die übrigen Verletzungen sind schon ziemlich gut ausgeheilt, in ein paar Tagen können wir die letzten Verbände entfernen, und dann kommen Sie auch von der Intensivstation herunter. Es war ganz klar, dass er mich aufmuntern wollte, und irgendwie hörte ich zwischen den Worten heraus, dass ich schweigen sollte – schweigen über das, was geschehen war. Aber ich konnte nicht schweigen. „Wie bist du eigentlich da ’rausgekommen?, fragte ich.

Er sah mich wiederum überrascht an. „Wo?"

Einen kurzen Moment lang verzweifelte ich. Wenn ich es nicht so genau gewusst hätte! Seine Überraschung schien so echt, so aufrichtig! Nein, etwas anderes musste die Ursache dafür sein, dass er so tat, als wüsste er von nichts. Dennoch drängte es mich zum Reden. „Aus Nazareth, natürlich. Aus dem Institut. Ich hätte nicht geglaubt, dass da noch jemand außer uns beiden, Hanno und mir, meine ich, lebendig ’rauskommen konnte."

Als ich Hanno erwähnte, fuhr er zusammen. Eindeutig. Dann jedoch warf er einen besorgten Blick auf die Apparaturen. An den Zahlen dort hatte sich nichts geändert, was ihn offensichtlich beruhigte. Allenfalls die Pieptöne folgten jetzt etwas rascher hintereinander. „Sie dürfen nicht so viel sprechen, sagte er, sich wieder an mich wendend. „Sie sind trotz allem noch sehr schwach. Vor allem dürfen Sie sich nicht aufregen. Sein Blick barg etwas Flehendes, und ich sah ein, dass ich jetzt nichts aus ihm herausbekäme. Vielleicht stand er ja auch seinerseits unter Überwachung, vielleicht waren unsere Gegner ja gar nicht sehr weit entfernt. Ich nickte. „Aber eines kannst du mir doch ruhig sagen, meinte ich daher, und jetzt nickte er. „Waren die Verbrennungen eigentlich sehr schlimm? Und was war mit der Strahlung?

„Verbrennungen? Strahlung? Erneuter Blick zu den Apparaturen. „Sie hatten ein Polytrauma, also eine Menge komplizierter Knochenbrüche, intrakranielle Blutungen und eine Kieferfraktur. Wie es jedoch aussieht, haben Sie eine robuste Natur. Nicht jeder hätte einen solchen Unfall überstanden.

„Keine Verbrennungen?" Er log. Mit diesen Worten hatte er sich entlarvt. Ich musste Verbrennungen gehabt haben, das war sogar mir als völligen medizinischen Laien klar. Er log, vermutlich aus den besten Absichten heraus, aber es verstimmte mich. In Nazareth hatten wir einander nie angelogen. Jetzt legte er mir wieder mit dieser Geste die Hand auf den Arm. „Versuchen Sie, noch ein bisschen zu schlafen. Die Untersuchungen führen wir dann nachher durch, wenn Sie aufgewacht sind. In ein paar Tagen können Sie versuchen aufzustehen. Dann wird sich unsere Physiotherapeutin um Sie kümmern, damit Sie möglichst rasch wieder laufen können. Bis dahin sollten Sie versuchen, an möglichst angenehme Dinge zu denken. Neben ihrem Kissen befindet sich ein Knopf für das hauseigene Radio. Vielleicht möchten Sie ja Musik hören. Wenn Sie ein wenig kräftiger geworden sind, können wir uns über diese Dinge, von denen Sie gerade gesprochen haben, in aller Ruhe einmal unterhalten. Auf Wiedersehen!"

Nein, er hatte mich nicht täuschen können. Die anderen hier, vermutlich, die konnte er täuschen. Ihnen konnte er eine Rolle vorspielen, die glaubhaft genug war. Für mich jedoch waren die Hinweise nur allzu deutlich, die zwischen den ausgesprochenen Worten gelegen hatten. Insofern war er erfolgreich: Es gelang mir tatsächlich, an angenehme Dinge zu denken, und ich folgte tatsächlich seinem Ratschlag und stellte das Radio an. Leise Musik ertönte, bei der ich bald in Schlaf fiel.

II. Vergangenheit

Sollte ich jemals einen Bericht über die Ereignisse in Nazareth schreiben, so werde ich wohl ein wenig aus meiner Biografie hinzufügen – denn dass ich dort mit den Kanaanitern in Berührung gekommen bin, ist wohl am Ende doch einer Verkettung bestimmter Umstände zuzuschreiben, von der ich mittlerweile nicht mehr weiß, ob sie rein zufällig gewesen ist. Nun neige ich bestimmt nicht dazu, mystische Zusammenhänge da zu sehen, wo keine zu finden sind, das hat mich spätestens das Chemiestudium gelehrt. Aber auch in den Naturwissenschaften gibt es unabänderliche Kausalketten, und wenn man bei einem Versuch bestimmte Rahmenbedingungen vorlegt, so wird man am Ende mit völliger Sicherheit ein Produkt – oder mehrere in ganz bestimmtem Verhältnis zueinander stehende Produkte – erhalten. In meinem Fall haben, mit anderen Worten, ebenfalls ganz bestimmte Rahmenbedingungen vorgelegen, und die würde ich in einem derartigen Bericht zumindest anskizzieren wollen.

Mein Name ist Gregor Engel, und ich wurde am 4. April des Jahres 1954 geboren. Mein Vater, Josef Engel, Jahrgang 1923, war im Spätsommer des Jahres 1952 aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Aufgenommen hatte ihn seine ältere Schwester Gerda, meine Tante, die damals in dem kleinen Ort Waldorf bei Ludwigshafen lebte. Er und meine im Jahre 1933 geborene Mutter Maria lernten einander im folgenden Jahr kennen, als mein Vater, wie er es mir viele Jahre später einmal erzählte, in seine Heimatstadt Düren zurückkehrte, „auf der Suche nach seiner Vergangenheit". Düren war im Krieg schwer zerstört worden, und mein Vater war in der Stadt, vielmehr in dem, was davon noch übrig war, umhergeirrt und hatte nichts mehr von seinen Erinnerungen vorgefunden. Nur mit viel Mühe und Not habe er, so erzählte er, die Straße wiedererkannt, in der aufgewachsen war, und er sei angesichts der zerstörten Umgebung tatsächlich in Tränen ausgebrochen. Da sei eine junge Frau auf ihn zugetreten und habe ihn nach der Ursache seines Kummers gefragt. Und er habe erfahren, dass es ihr ähnlich ergangen war wie ihm. Es habe sie in den Kriegswirren und vor allem in der schrecklichen Zeit danach in eine völlig andere Gegend Deutschlands verschlagen, und auch sie finde nun nichts mehr von dem vor, was sie – wenn auch nur noch schwach – in Erinnerung habe.

Was weiter geschah, ist vermutlich nicht schwer zu erraten. Der jungen Frau gefiel der hagere, stoppelbärtige Mann trotz der Hagerkeit und des Stoppelbartes recht gut, und nach zwei Monaten waren die beiden verlobt, und ein halbes Jahr später heirateten sie. Möglich geworden war ihnen dies, weil mein Vater dank seiner Schwester eine Arbeit bei der BASF in Ludwigshafen bekommen hatte. Danach hätten sie eine schöne Zeit miteinander verlebt, bis ich ein knappes Jahr später geboren worden sei.

An dieser Stelle seiner Erzählung geriet mein Vater jedes Mal ins Stocken. Früher hatte ich immer angenommen, dass es die Erinnerung an den jähen Tod seiner jungen Frau gewesen war, die ihn zum Verstummen gebracht hatte, wann immer er beim Erzählen den Zeitpunkt meiner Geburt erreichte. Tatsache bleibt auf jeden Fall, dass ich meine Mutter niemals gesehen habe, außer auf dem Hochzeitsfoto, das im Zimmer meines Vaters stand: Eine junge Frau, etwa zwanzig Jahre alt, in einem weißen, schäbig aussehenden Kleid mit weißem Tuch, das sie sich um den Kopf geschlungen hatte. Im linken Arm hielt sie einen kärglichen Blumenstrauß, den rechten Arm hatte sie durch den Arm meines Vaters geschoben. Mein Vater – noch immer nicht bloß dünn, sondern regelrecht mager und hohlwangig – trug einen schwarzen Anzug, der ihm viel zu weit war. Gott weiß, wo er ihn sich ausgeliehen hatte! Das Bild war jedoch ansonsten dermaßen vergilbt, dass ich die Gesichtszüge meiner Mutter darauf kaum noch erkennen konnte. Sie hatte offenbar wie mein Vater tief dunkle Augen. Und die habe ich von beiden ebenso geerbt wie das schwarze Haar.

Ich wuchs bei der älteren Schwester meines Vaters auf, die irgendwann wieder nach Ludwigshafen gezogen war, genauer gesagt, in eine kleine Siedlung am Stadtrand. Einige ziemlich provisorisch errichtete Häuser, die eine Menge Familien beherbergten, welche im Krieg obdachlos geworden waren. Diese Tante Gerda hatte selbst nie geheiratet. Sie war im Gegensatz zu meinem Vater sehr fromm, und sie versuchte ständig, dem, wie sie es nannte, „schlechten Einfluss meines kommunistischen Vaters" etwas entgegenzusetzen, indem sie sehr viel Wert auf eine christliche Erziehung legte. Sie hatte zunächst insofern Erfolg damit, als mein Vater wegen des weiten Weges zur Firma immer sehr früh am Morgen aus dem Haus musste und erst spät am Abend zurückkehrte, sodass ich ihn außer an den Sonntagen kaum zu Gesicht bekam.

Warum meine Tante ihren Bruder einen „Kommunisten nannte, erfuhr ich erst viel später, als mir mein Vater an jenem Abend, von dem ich noch sprechen werde, erzählte, dass er Mitglied der SPD war. Meine Tante war in jeder Hinsicht – außer, was die Religion betraf – eine ‚praktische‘ Frau, die der Meinung war, dass es auch einem Jungen nichts schaden konnte, wenn er etwas „von der Hausarbeit verstand. Als ich groß genug dazu war, musste ich einkaufen gehen, putzen, waschen, gelegentlich sogar das Essen kochen. Das hielt mich davon ab, mich „auf der Straße herumzutreiben", ebenfalls ein Lieblingsspruch meiner Tante. Wer nun dafür verantwortlich war, dass ich nach vier Jahren in der Volksschule aufs Gymnasium gehen sollte, weiß ich nicht – es mag sein, dass sich hier mein Vater einmal gegen seine Schwester durchgesetzt hatte.

Meinem Vater ging es finanziell zwar nicht schlecht, gesundheitlich kam er jedoch nie mehr auf einen grünen Zweig. Und das war mit Sicherheit nicht nur eine Folge der Kriegsgefangenschaft. Anfang der sechziger Jahre bekam er einen Ausschlag im Gesicht, der nicht mehr zurückgehen wollte, und es kam vor, dass er längere Zeit im Bett verbringen musste, obgleich er es hasste, „nicht sein Brot verdienen zu können. Vielleicht hasste er es auch, dass sich in solchen Zeiten seine Schwester so intensiv um ihn kümmerte. Es verging kaum ein Tag, an dem sie ihm nicht Vorwürfe wegen seines „gottlosen Lebenswandels machte. Ich habe nie in Erfahrung gebracht, was genau sie damit meinte. Vielleicht war sie aus irgendeinem Grund der Auffassung, dass die Mitgliedschaft meines Vaters in der SPD Ursache für seinen schlechten Gesundheitszustand war.

Es ist nun nicht so, dass ich meine Tante, eine hagere Frau mit einer Frisur, die mich stets an ein Vogelnest denken ließ, nicht mochte. Es gefiel mir sogar, wenn sie mir abends vor dem Schlafengehen Geschichten aus der Bibel vorlas, von der Fahrt der Israeliten nach Kanaan, ins gelobte Land, von Jesus Christus, und was der alles für die Menschen erlitten hatte, um sie zu erlösen. Oder aus ihren Traktaten, die ihr ein älterer Mann ständig vorbeibrachte und in denen es häufig um das Ende der Welt ging und dass diejenigen, die nicht auserwählt waren, in das Höllenfeuer gehen würden. Bei diesen Worten lösten sich ihre sonst so strengen Züge, ihre Stimme begann zu zittern, und manchmal weinte sie sogar, wenn sie daran dachte, was aus meinem Vater einmal werden sollte, wenn er sich nicht zum rechten Weg bekehren würde.

„Du aber nicht, mein Junge, sagte sie dann. „Du gehörst zu den Auserwählten. Ganz bestimmt. Dafür werde ich schon sorgen. Sie liebte ihren Herrgott aus ganzem Herzen, so viel kann ich ruhig sagen. Und sie liebte dessen Stellvertreter auf Erden, der für sie nicht der Papst, sondern ein Priester der Gemeinde Christi war, ein sehr hagerer Mann mit stark gerötetem Gesicht und einem nahezu kahlen Schädel. Die wenigen Haarsträhnen verteilte dieser Priester, wie es damals üblich war, sorgfältig darüber – und ich erinnere mich deutlich, dass ich mich als Kind darüber gewundert hatte.

Jener Priester, auf dessen Namen ich mich nicht mehr besinnen kann, war’s auch, der mir ein Kruzifix mit einem vergoldeten Heiland daran schenkte. Das musste Anfang der sechziger Jahre gewesen sein, aber so ganz genau weiß ich es nicht mehr. Ebenso wenig ist mir der Anlass für dieses Geschenk gegenwärtig.

Überhaupt ist mir aus dieser Zeit bloß noch in Erinnerung, dass mich die Tante sehr häufig sonntags zu Gottesdiensten mitnahm, bei denen sehr viel gesungen und gepredigt wurde, und zwar immer wieder vom Ende der Welt und vom Höllenfeuer und den Auserwählten.

Später ging ich zwar auch noch mit, kehrte aber häufig lange vor meiner Tante nach Hause zurück. Sie blieb da, um mit ihren Freundinnen „erbauliche Gespräche zu führen", wie sie es nannte. Ich traf mich lieber mit Freunden aus der Schule.

In der Schule kam ich immer gut mit, zum Teil wohl deshalb, weil die Tante jede schlechte Note unweigerlich mindestens mit einer Predigt über meine Faulheit und Undankbarkeit ihr und meinem Vater gegenüber bedachte, wenn nicht sogar mit einigen Stockschlägen. Die wenigen Mitschüler, die ich mit nach Hause bringen durfte, waren von ihr sorgfältig auf ihre „Anständigkeit" hin überprüft worden und hatten dieser Überprüfung standgehalten. Von den Kindern aus der Siedlung befand sich, glaube ich, keines darunter. Die Kinder der Siedlung nannten mich einen Streber, wenn sie mir auf meinem morgendlichen Weg zur Straßenbahn oder bei meinen Einkäufen nicht sogar Schlimmeres nachriefen. Sie gingen fast alle auf die Schule in der Nähe, eine Realschule, von der meine Tante aus irgendwelchen Gründen nichts hielt.

Über die Jahre hinweg ging es meinem Vater immer schlechter, und schließlich überlegte meine Tante sogar, ob wir nicht eine Wohnung in der Stadt nehmen sollten, damit der Weg zur Arbeit für meinen Vater nicht so weit wäre. Diese Überlegungen wurden von einem schrecklichen Ereignis beschleunigt, das ich wohl mein Lebtag nicht vergessen werde.

Ich war damals zwölf Jahre alt, als mich meine Tante eines Nachts aus dem Schlaf riss, mir rasch einen Mantel überwarf und mich aus unserer kleinen Wohnung schob. Diese Wohnung hatte aus zwei Räumen bestanden. Der eine Raum war eine Art Wohnküche, darin standen ein Schrank, wo ich nach dem Spülen das Geschirr verstaute, ein Tisch mit heller Resopalbeschichtung, an dem wir aßen und an dem ich meine Hausaufgaben machte, und ein großer Ofen mit Brikettbefeuerung, der sowohl zum Kochen als auch zum Heizen im Winter diente. Der andere Raum war das Schlafzimmer. Meine Tante schlief direkt neben dem Fenster, ich in der anderen Ecke, mein Vater an der Tür. Im Schlafzimmer stand ein großer Kleiderschrank, von dem ich jedoch nur eine einzige Abteilung kennengelernt habe, nämlich die, in der sich meine eigenen Kleider befanden.

Wie dem auch sein mochte, die Tante stieß mich aus der Wohnung, rannte mit mir die Treppe hinab, vorbei an der Toilette, auf der ich so oft gesessen und geträumt hatte, so lange, dass mich die Tante mehrmals sehr unsanft heruntergeholt und mir den Hintern versohlt hatte. Erst da fiel mir auf, dass das Treppenhaus völlig verraucht war. Gerade, als wir an der Wohnung unter der unseren vorüberkamen – wir wohnten im dritten Stockwerk –, gab es einen lauten Knall, und eine Stichflamme schoss aus der offenstehenden Türe und hätte mich beinahe getroffen. Die Tante riss mich zurück, und wir mussten sogar wieder einige Stufen zurücksteigen, denn die Flammen schlugen nun mächtig aus der Wohnung. Ich selbst war noch viel zu benommen und müde, um zu begreifen, was wirklich vor sich ging; die Tante hielt mich im Arm, und da war doch alles in Ordnung. Erst, als der Rauch immer dichter, die Flammen immer stärker und die Luft immer heißer wurde, begann ich zu weinen.

Und da schlug mich die Tante.

Es war wohl eine Überreaktion, denn die Lage war – wie ich erst viel später begriff – mehr als nur ernst. Wenn nicht ein glücklicher Umstand eintrat, waren wir verloren. Und dieser Umstand trat ein. Von oben kam plötzlich eine Gestalt, und diese Gestalt, bei deren Erscheinen ich dermaßen erschrak, dass ich mich fast aus den Armen der Tante gerissen hätte und in die lodernden Flammen hineingelaufen wäre, schrie uns zu: „’runter! Auf den Boden! – einen Befehl, den die Tante auf der Stelle befolgte, wobei sie mich mit sich zerrte und mich fast unter sich begrub. Daraufhin stieg die Gestalt über uns hinweg, ein Krachen ertönte, und es ertönte erneut ein Befehl: „Und los, die Treppe runter!

Auch jetzt gehorchte die Tante auf der Stelle.

Wir liefen die restlichen Stufen hinab, und erst, als wir draußen in der Kälte standen, sah ich, dass das Haus, in dem wir wohnten, lichterloh brannte. Besonders stark schlugen die Flammen aus der Wohnung unter der unseren. Kurz darauf wankte eine weitere Gestalt aus der Haustüre, in der ich erst viel später den Priester der Gemeinde Christi erkannte. Er war bei den Leuten über uns, einer Familie mit Namen van der Veen, zu Gast gewesen, mit deren Sohn Hartmut ich häufig spielte. Meine Tante umarmte ihn heftig, und sie sagte mehrere Male, dass er wohl unser aller Erretter gewesen sei, woraufhin der Priester sie sanft von sich schob und sagte, während er zum abenddunklen Himmel blickte: „Der Herrgott hat’s so gefügt, und wir wollen dem Herrgott dafür danken!"

In dieser Nacht brannte das Haus fast bis auf die Grundmauern nieder. Wir erhielten von den städtischen Behörden eine andere Wohnung, die sogar wesentlich näher am Arbeitsplatz meines Vaters lag, sodass ich meinen Vater nun des Morgens häufiger zu Gesicht bekam.

Nachdem wir nun umgezogen waren, kam’s mir so vor, als verfolgte mein Vater viel aufmerksamer als früher meinen Werdegang – etwas, das mir nicht immer gefiel, denn trotz seines geschwächten Gesundheitszustandes war er ein fürchterlicher Tyrann, an dessen Strafpredigten wegen einer nicht ganz so guten Note ich mich wohl mein Leben lang erinnern werde. Es kam sogar so weit, dass mich gelegentlich die Tante ihm gegenüber in Schutz nahm. Ich zitterte und bebte bei jeder Klassenarbeit, und die Tage vor der Zeugnisausgabe waren jedes Mal ein einziges Grauen. Versöhnlich stimmte ihn bloß, dass ich mich während der Pubertät sehr wenig an der allgemeinen Jagd nach den Mädchen der Nachbarschule beteiligte. Ich verließ zwar häufig zusammen mit meinen Mitschülern während der Pausen das Schulgelände – was zwar nicht direkt gestattet, aber auch nicht verboten war –, nahm jedoch nicht an der Protzerei mit Großartigkeit und Zigaretten teil. An mir, so dachte ich, kann sowieso nichts Großartiges sein, und Zigaretten mochte ich überhaupt nicht.

Rückblickend erst wird mir bewusst, dass ich die langen Jahre meiner Jugend doch ziemlich einsam verbrachte. Wenn meine Kommilitonen ihre Jugenderlebnisse erzählten, saß ich häufig mit offenem Mund da und konnte kaum einmal etwas beitragen. Nur gelegentlich traf ich auf jemanden, der sich dafür interessierte, was ich gelesen hatte – Lesefutter meiner Tante, religiöse Erbauungsbüchlein, in denen von Menschen berichtet wurde, die sich selbstlos für andere einsetzten, oder von Kindern, die Schlimmes erlebten, wenn sie nicht ihren Eltern gehorchten, und Menschen, die wegen ihres gottlosen Lebenswandels ins ewige Feuer geworfen wurden. Als es dann bei uns an der Schule Mode wurde, aus dem Religionsunterricht auszutreten, musste ich wohl oder übel mitspielen, obgleich ich persönlich gegen den Lehrer nichts hatte. Daraufhin gab es die erste wirklich ernsthafte Auseinandersetzung mit meiner Tante, bei der mich ausnahmsweise der Vater unterstützte. Meine Tante hat mir auch später diesen Schritt niemals verziehen.

*

ES WAR DER SONNTAG nach dem sehr gut bestandenen Abitur, da mich mein Vater zum ersten Mal in meinem Leben in eine Wirtschaft mitnahm, mit der Begründung, dass es jetzt doch etwas zu feiern gäbe. Meinem Vater ging es immer schlechter. Er war nicht mal ganz fünfzig Jahre alt und sah aus, als stünde er kurz vor der Pensionierung – aus Altersgründen. Er hatte im Gesicht und an den Händen und wahrscheinlich auch am übrigen Körper, den ich jedoch nie zu sehen bekam, einen hässlichen Ausschlag bekommen, der nur dann etwas zurückging, wenn mein Vater seinen Jahresurlaub nahm.

Wir waren an jenem Sommerabend des Jahres 1973 gleich nach dem Abendessen losgegangen, nicht in die Wirtschaft um die Ecke, sondern in eine nahe der BASF, bei der mein Vater arbeitete, eine Wirtschaft, die mein Vater offenbar gut kannte und wo man auch ihn gut zu kennen schien, da man ihn, kaum dass er eingetreten war, sofort von allen Seiten begrüßte.

„Hallo, Josef, wen bringst du denn da mit?, rief jemand, der schon etwas angetrunken zu sein schien. Mein Vater winkte hinüber und rief zurück: „Mein Junge. Wir haben heute was zu feiern, wir beide. Der Mann am anderen Ende der Wirtsstube lachte auf und rief: „Na, dann feiert man schön, aber besauft euch nicht zu sehr!" Jetzt lachten auch etliche der übrigen Gäste. Männer, die vermutlich ebenfalls im Werk arbeiteten. Ich sah mich nur scheu um. Die Umgebung war so fremd, ebenso die Männer, die an der Theke hockten und ihr Bier tranken. Fast fürchtete ich mich etwas vor ihnen, und ich war daher froh, als mein Vater mich durch die vordere Gaststube, deren Mobiliar schon ziemlich schäbig und abgenutzt war, in eine zweite Stube führte, wo die Stühle immerhin gepolstert waren und wo Decken, nicht gerade strahlend weiß, aber doch verhältnismäßig sauber, auf den Tischen lagen. Er steuerte einen Ecktisch an und hieß mich, neben dem Fenster Platz zu nehmen.

Das Fenster führte in einen Hinterhof, auf dem trotz der späten Stunde noch einige Kinder Ball spielten. Inmitten des Gekreischs tobte ein kläffendes Etwas, das ich nie richtig zu Gesicht bekam, weil es ständig von den Kindern verdeckt wurde.

In der Stube standen etliche Pokale und Teller auf Regalen, die etwa in Kopfhöhe ringsum angebracht waren. Mein Vater deutete auf einen der Pokale und sagte dazu: „Siehst du den? Den hab’ ich mal mitgewinnen helfen. Ich sah ihn überrascht an, sah den Stolz, der ihm aus dem vernarbten Gesicht leuchtete. „Du?

Er nickte strahlend. So hatte ich meinen ansonsten mürrischen und strengen Vater noch nie erlebt. „Damals, weißt du, so vor zehn, fünfzehn Jahren, als ich noch genügend Luft in den Lungen hatte, da hab’ ich mal in der Mannschaft vom SPD-Club hier mitgespielt. Nix Dolles, nicht, aber einmal haben wir doch die Kreismeisterschaft gepackt. Und da war ich mit dabei. Und, weißt du, da hab’ ich sogar das entscheidende Tor geschossen."

Erst jetzt fiel mir auf, dass mein Vater ausnahmsweise auch ein weißes Hemd und einen leichten grauen Anzug trug, den er wirklich nur für ganz besondere Anlässe aus dem Kleiderschrank holte, und sich sogar eine Krawatte umgebunden hatte, und ich kam mir mit den verschossenen Jeans und dem alten blauen Pullover richtig schäbig gekleidet vor. In diesem Augenblick trat der Wirt ein. Er wischte sich die Hände an der blauen Schürze ab, die er sich um den mächtigen Bauch gebunden hatte, und fragte nach unseren Wünschen.

„Zwei Bier, große, sagte mein Vater und erklärte nochmals, dass es am heutigen Abend etwas zu feiern gab. Ich schlug die Augen nieder, als mich der Wirt forschend betrachtete. Er hatte nicht nur einen mächtigen Bauch, sondern auch einen mächtigen Schädel mit dichtem grauem Haarbusch darauf. „Hat er’s geschafft?, fragte er und nickte zu mir hinüber. „Jawohl!, antwortete mein Vater, und wieder strahlte er voll Stolz. „Er hat’s geschafft, der Junge, er ist jetzt was geworden. Der Erste in der Familie, weißt du, er ist der Erste, der’s geschafft hat. Ich wär’ ja damals auch fast ... aber der Krieg, nicht, der scheußliche Krieg, und dann die Gefangenschaft, da ... Er verstummte. Der Wirt nickte und verschwand.

Kurze Zeit später kehrte er mit drei großen Gläsern Bier zurück und setzte sie vor uns ab. „Die erste Runde geht auf Kosten des Hauses!, erklärte der Wirt, ergriff das nächststehende Glas und hob es hoch. „Auf das bestandene Abitur! Und auf die strahlende Zukunft unseres jungen Gelehrten!

Ich war ziemlich verlegen, als ich jetzt mein erstes Glas Bier im Leben in die Hand nahm. Ich hatte noch nie zuvor Bier getrunken. Das hätte meine Tante auch gar nicht zugelassen. Zu Hause gab’s kein Bier, auch nicht für meinen Vater. Ich hob das Glas an die Lippen und trank vorsichtig einen kleinen Schluck. Im ersten Moment schüttelte es mich, weil mir das Bier so bitter vorkam. Da jedoch sowohl der Wirt als auch mein Vater ihre Gläser in großen Schlucken leer tranken, tat ich’s ihnen gleich, und ich gewöhnte mich nach und nach an den herben, fast bitteren Geschmack des Biers.

Nachdem die erste Runde so rasch geleert war, ging der Wirt und brachte noch eine. Diesmal auf Kosten meines Vaters. Darum hatte er ausdrücklich gebeten. Weil ich selbst ja noch kein Geld verdiente, konnte ich mich den beiden Älteren nicht anschließen, was mich ein wenig ärgerte. Aber es wäre auch gar nicht nötig gewesen, denn zugleich mit dem ersten Bier hatte ich mir den ersten Rausch angetrunken. Ich erinnere mich daran, wie sich mir auf einmal alles im Kopf drehte, ich musste zwei-, dreimal nach dem Glas greifen, ehe ich es packen konnte. Auch der Raum schwankte, und ich fürchtete mehrmals, vom Stuhl zu kippen, weil sich mein Körper aus mir unerfindlichen Gründen jäh zur Seite neigte.

Wie durch einen milchigen Nebel bekam ich mit, dass der Wirt meinen Vater fragte, was ich denn nun weiter tun würde, und mein Vater antwortete: „Er wird Chemie studieren. Daraufhin nickte der Wirt langsam und bedächtig und fragte weiter: „Hier bei uns? Mein Vater schüttelte den Kopf. „Ich halte es nicht für richtig, meinte er, „wenn die Kinder zu lange im Haus bleiben. Gregor wird mit Beginn des Wintersemesters nach Aachen ziehen. Weißt du, in der Gegend bin ich ja groß geworden, und ich weiß, wie gut die Hochschule da ist. Erneut nickte der Wirt, als hätte er damit sagen wollen, dass das nur vernünftig sei. „Und was ist mit dem Bund?"

„Er braucht nicht, erklärte mein Vater. „Du weißt schon, wegen ... Und der Wirt nickte zum dritten Mal. „Du bist ein vernünftiger Mann, Josef. Aber sag’ ihm auch genau, was er da zu tun hat!" Mit diesen Worten verabschiedete er sich.

Mittlerweile war aus meinem Kopf wirklich ein Mühlrad geworden. Was hatte mein Vater da alles gesagt? Chemie studieren, Aachen, Wintersemester ... darüber hatte er mit mir noch kein Wort gesprochen. Ich hatte mir ehrlicherweise bislang auch keine Gedanken gemacht, was ich nun unternehmen sollte. Erst einmal hatte ich nur die große Freiheit gesehen, die nach Beendigung der Schule gewunken hatte. Ich stützte den Kopf in die Hände, da er sich von selbst einfach nicht mehr gerade halten wollte. Mein Vater beugte sich ganz nah zu mir herüber und sagte: „Heute sind die Unterlagen aus Dortmund gekommen. Wir müssen sie nur noch ausfüllen und zurückschicken. Mit deinen Noten wirst du wohl keine Schwierigkeiten dabei haben, in Aachen einen Studienplatz zu erhalten." Ich wollte ihn fragen, warum gerade Aachen und warum gerade Chemie? Dieses Fach hatte ich niemals besonders gemocht, wenngleich ich auch da nicht gerade schlechte Noten erhalten hatte. Ich konnte jedoch nicht mehr reden, das wenigstens merkte ich noch ganz genau.

Schließlich hatte mein Vater noch ein Glas Bier bestellt, und was danach geschah, weiß ich heute nicht mehr so genau. Ich weiß nur noch, dass ich in der Straßenbahn fast vom Sitz gefallen wäre und dass uns etliche Mitfahrende missbilligend ansahen. Der Heimweg von der Haltestelle war furchtbar, ich konnte kaum mehr einen Schritt vor den anderen setzen, und der Empfang zu Hause gleichfalls. Die Tante schimpfte meinen Vater fürchterlich aus, und jedes ihrer Worte schnitt mir wie ein Messer in den Schädel.

Nachdem sie mit meinem Vater fertig war, wandte sie sich mir zu.

Zu mir jedoch sagte sie nichts weiter, sondern half mir nur dabei, so rasch und komplikationslos wie möglich den Weg ins Bett zu finden.

III. Studium

Der Abschied von zu Hause verlief dann sehr rasch. Meine Tante hatte wie stets alles selbst die Hand genommen. Nachdem ich die Zulassung aus Dortmund erhalten hatte, war Tante Gerda sogleich aufgebrochen und nach Aachen gefahren, um für mich ein Zimmer zu besorgen. Ich musste zu Hause bleiben, um für meinen Vater zu sorgen. Das war der Tag, an dem er abends nach Hause kam und übergangslos sagte: „Sie haben mich entlassen. Zu häufig gefehlt in letzter Zeit. Er stellte seine Tasche mit dem Henkelmann auf den Stuhl, ging zum Herd, wo das Abendessen – Linsen und Kartoffeln mit ein wenig Speck – köchelte. Er hob den Deckel des Topfs und schnupperte. „Riecht gut!, sagte er, trat zu mir und tätschelte mir die Wange, als wäre ich noch ein kleines Kind. „Schon gut, mein Junge, du wirst nicht untergehen, glaub’ mir. Du kommst schon durch, anders als dein alter Vater. Das wär’ ja auch gelacht!" Er lachte wirklich ein wenig und hielt inne, und ich überlegte mir, weshalb mein Vater in letzter Zeit so anders geworden war. Er war sogar gelegentlich zu Hause geblieben, wenn die Tante Besuch vom Priester hatte, und er war längst nicht mehr so tyrannisch wie noch ein, zwei Jahre zuvor.

Jetzt lachte er erneut auf, fast zu fröhlich. „Lass uns heute Abend nach dem Essen noch einmal weggehen. Die Männer werden mich schon vermissen – uns vermissen, fügte er hinzu. Und er sagte: „Weißt du, Gregor, ich bin wirklich stolz auf dich. Mein Vater hielt inne und sah mich an. „Richtig stolz auf dich. Du hast so viel richtig gemacht, mein Junge. Du hast gelernt und dich sonst um nichts weiter gekümmert. Ich bin so froh, dass du so wissbegierig bist. Ich glaube, das hätte auch deiner Mutter Freude gemacht." Er sah beiseite, aber ich hörte ihm an, dass er mehr als bewegt war.

Dieser Abend war seltsam.

Wir gingen nach dem Essen tatsächlich los, und die ganze Zeit über, auch in der Wirtschaft, sagte und sprach mein Vater Dinge, die er mir gegenüber zuvor noch nie erwähnt hatte. Und die Pläne, die er jetzt für mich entwickelte, kamen wie aus einer anderen Welt.

„Du wirst einmal ein großer Forscher werden, sagte mein Vater, setzte das Bierglas ab und wischte sich den Mund. „Du wirst einmal wichtige Entdeckungen machen, die für uns alle von Bedeutung sind. Gute Entdeckungen werden es sein, davon bin ich fest überzeugt. Du hast schließlich die nötigen Voraussetzungen dafür. Er lächelte, und ich wusste nicht recht, wie mir zumute sein sollte. Mein Vater, so redselig! „Wir haben dir viel mitgegeben, deine Mutter und ich, auch wenn es nach außen nicht den Anschein hat. Ach, Gregor, wenn du wüsstest. Er trank erneut einen Schluck Bier. Es war sein drittes Glas, während ich noch an meinem zweiten trank und bereits das Mühlrad in meinem Kopf kreisen spürte. Darum weiß ich nicht, ob ich wirklich alles richtig verstand, damals, an diesem Tisch in der Wirtschaft in der Nähe der BASF. „Besonders froh bin ich darüber, fuhr mein Vater fort, „dass du nicht immer so hinter den Mädchen her gewesen bist."

Ich wurde rot. Es stimmte. Mädchen hatten mich niemals sonderlich interessiert. Den Grund dafür wusste ich nicht, und es war auch eine Sache, über die bei uns nie geredet wurde. Meine Tante hatte keinen Mann, mein Vater hatte keine Frau, und ich hatte kein Mädchen. Damit ließ sich offenbar gut leben. Im Endeffekt kamen wir Drei doch gut miteinander aus. Wir genügten uns völlig. Das war es, was mir mein Vater im Wesentlichen sagte.

„Keine Ablenkung. Darum kannst du auch ungehindert und fleißig studieren, mein Junge, darum kannst du dich auch völlig aufs Studium konzentrieren. Weißt du, wenn du wirklich etwas Großes schaffen willst, dann kannst du dir solche Ablenkungen nicht erlauben. Und du musst es schaffen, verstehst du, du musst!"

Er sah mich an, sagte dann: „Und du wirst es schaffen!" – Und mich fröstelte: Das war der alte Tyrann, den ich so gut kannte. Das war der Tyrann, dem man nicht wagen durfte zu widersprechen. Eine Weile hatte ich geglaubt, dass er mich jetzt endlich als gleichberechtigt, als Partner akzeptierte. Aber ich hatte mich getäuscht. So weit würde es niemals kommen. Da stieg die alte Angst wieder in mir hoch. Hastig trank ich das Glas leer, obgleich sich das Karussell bei mir im Kopf immer heftiger und immer schneller drehte.

„... und du weißt, dass ich dich finanziell nicht mehr unterstützen kann, mein Junge, sagte mein Vater gerade, und es gelang mir erst mit einiger Mühe, mich wieder auf seine Worte zu konzentrieren – was nicht nur daran lag, dass ich das Glas Bier geleert hatte. „Du wirst also vom BAföG leben müssen. Deine Tante hat die nötigen Formulare besorgt, und ich habe sie schon so weit ausgefüllt, wie es nötig ist. Kümmere dich in Aachen darum.

Er trank das Glas in großen Schlucken leer, und mir fiel auf, dass ihm die Hände dabei zitterten. Nachdem er es abgesetzt hatte, sagte er: „Wir wollen schließlich nur dein Bestes, mein Junge, das kannst du uns glauben!" Er beugte sich zu mir herüber und fasste mich am Arm. Mir war ganz merkwürdig zumute, denn früher hatte mein Vater niemals so viel körperliche Nähe gesucht.

Auch an diesem Abend gingen wir ziemlich schwankend nach Hause. Die Tante war bereits aus Aachen zurückgekehrt, sie sagte jedoch nichts über unseren Zustand, sondern schickte mich fast wortlos zu Bett.

*

EINIGE TAGE SPÄTER weckte mich Tante Gerda sehr früh, damit ich den Zug nicht versäumte. Ich hatte am Abend zuvor den alten Holzkoffer gepackt, mit dem mein Vater schon aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. Wir frühstückten alle gemeinsam, und schließlich gingen die Tante und ich los. Mein Vater war so schwach, dass er nicht mehr mitkommen konnte. Wir umarmten uns zum Abschied, und mir war trotz allem sehr seltsam zumute, wenn ich daran dachte, dass ich ihn jetzt vermutlich für sehr lange Zeit nicht mehr zu Gesicht bekäme. Als er mich losließ, steckte er mir noch einige Geldscheine zu. „Dein Startkapital!, wie er es halb ernst, halb scherzend nannte. „Von jetzt an bist du auf dich allein gestellt, mein Junge. Wir beide hier werden zwar immer für dich da sein, falls du etwas brauchst, aber ... Er sprach nicht mehr weiter, hatte offenbar einen Kloß in der Kehle. Ich nickte, verstand ihn auch so.

Die Tante zerrte mich jetzt am Arm, wir gingen schweigend zur Straßenbahnhaltestelle. Ein letztes Mal sah ich mich um, sah das Backsteinhaus mit den kleinen Fenstern, in das wir nach jenem Brand umgezogen waren und das immer so tot von außen wirkte, als wohnte niemand darin. Genau in diesem Moment musste ich daran denken, wie kurz nach unserem Umzug die Handwerker darin gewerkelt hatten. Überall hatten Staub und Schutt gelegen.

Wir schwiegen auch noch, als wir in der Bahn saßen. Ein wenig schwirrte mir der Kopf, ich sah fast ungläubig aus dem Fenster auf die kopfsteingepflasterte Straße, auf die Häuserreihen entlang der Straße, auf die wimmelnde Menschenmenge dort, auf die vielen Autos, und ich konnte einfach nicht begreifen, dass ich das alles für lange Zeit zum letzten Mal sehen sollte.

Ich strich mir übers Haar, übers Gesicht. Ich sah meine Tante an, die mir gegenüber am Fenster saß und ihrerseits hinausblickte. Und ich sah einige Runzeln bei ihr im Gesicht, und das Haar, das bereits richtig grau geworden war. Und einen Augenblick lang sah ich meine Mutter dort sitzen: im weißen Kleid, mit einem weißen Tuch über dem dunklen Haar, einen Blumenstrauß im Arm, die dunklen Augen auf mich gerichtet, als wollte sie mir sagen: Du schaffst das schon, mein Junge! Wie ich sie so viele Male auf der Bank gegenüber ihrem Grab auf dem kleinen Friedhof hatte sitzen sehen. Immerzu das weiße Kleid, und der Blumenstrauß, so kärglich er ja war, er verwelkte niemals.

Oft war ich mit dem Vater und der Tante sonntags hinausgefahren, und stets hatten wir ihr diesen kärglichen Blumenstrauß aufs Grab gelegt, und als mein Vater dann selbst nicht mehr jeden Sonntag hatte fahren können, bin ich hinaus und habe vor dem verwitterten Grabstein gestanden, auf dem der Name fast nicht mehr zu entziffern war. Der Name meines Vaters und sein Geburtsdatum waren auch bereits in den Stein geritzt – eine beständige Mahnung an den Tod. Auch dieses Grab und die Bank würde ich nun lange Zeit nicht mehr sehen, und so war’s für mich nur selbstverständlich, dass meine Mutter hier in der Straßenbahn von mir Abschied nahm.

Auf einmal wurden meine Träumereien von einem uniformierten Schaffner unterbrochen, der unsere Fahrscheine sehen wollte. Der Schaffner trug eine graublaue Schirmmütze, und die Uniform spannte ihm über dem Bauch, und er bedankte sich kurz, als er unsere Fahrscheine in Ordnung fand. Die Straßenbahn rumpelte über eine Kreuzung, sie schaukelte dermaßen stark, dass der Holzkoffer umfiel. Meine Tante, offenbar gleichfalls aus irgendwelchen Träumereien geschreckt, fuhr mich an: „Pass doch auf!"

Die Ankunft vor dem Bahnhof, der Kauf der Fahrkarte nach Aachen, der Gang hinauf zum Bahnsteig, wo der Zug abfahren sollte: Das alles liegt mir nur noch verschwommen im Gedächtnis. Rasch fand ich im Zug einen Sitzplatz und wollte gerade den Koffer in die Ablage wuchten, da sah ich meine Tante draußen auf dem Bahnsteig fast verzweifelt winken. Ich zog das Fenster herunter, weil ich nicht wusste, was sie wollte, und hörte sie rufen: „Geh’ weiter, du bist hier im Raucherabteil!"

Ich ging weiter zu einem anderen Abteil, ließ mich dort nieder, und meine Tante draußen nickte zufrieden. Ich zog hastig das Fenster herab, es blieb nur noch wenig Zeit bis zur Abfahrt. Meine Tante und ich standen schweigend da, wir wussten beide nicht so recht, was wir uns noch sagen sollten. Darüber, dass ich sie verließ, verspürte ich seltsamerweise kaum Trauer. Sie hatte zwar stets gut für mich gesorgt, aber so richtig nahe gekommen war ich ihr niemals – und sie mir auch nicht, glaubte ich zumindest. Ich war dem Lebensweg, den sie für mich vorgesehen hatte, nicht gefolgt, war nicht der Kirche Christi beigetreten und studierte auch nicht Theologie, und irgendwie hatte sie mich das stets spüren lassen. Dennoch war mir die Kehle wie zugeschnürt, als der Zug anruckte und ich der Tante noch einmal die Hand drückte. Sie winkte mir nach, bis der Zug um eine Ecke bog und sie mich nicht mehr sehen konnte.

Von der weiteren Bahnfahrt bekam ich zunächst kaum etwas mit. Der Schaffner war kurz bei mir stehen geblieben und hatte die Fahrkarte geprüft. Ortsnamen, Landschaften, Städte flogen draußen am Abteilfenster vorüber, der Zug hielt, der Zug ruckte wieder an, der Zug hielt erneut, hielt irgendwann etwas länger, sodass ich aus meinen Gedanken auftauchte in die Gegenwart: Wimmelnde Menge, Gelächter, Rufe, ein anderer Zug auf dem Nachbargleis, Lautsprecherdurchsagen, der Zug auf dem Nachbargleis fuhr ab (einen Augenblick lang dachte ich, es sei der meine), dann Schienen, ein Bahnsteigbeamter mit Schild und Pfeife, der über die Gleise ging – Überschreiten für Unbefugte verboten! –, zu einem anderen wartenden Zug etwas weiter entfernt, und immerzu die Stimmen, die zu mir ins Abteil schwirrten, vielleicht vom gläsernen Kuppeldach des Bahnhofs zurückgeworfen.

*

IN KÖLN WAR ICH UMGESTIEGEN, eine Aktion, vor der ich zunächst richtig Angst gehabt hatte. Die Tante hatte mich jedoch so gut instruiert, dass es mir leichter gefallen war, als ich geglaubt hatte. Zur Treppe, hinuntergehen, sich nach rechts wenden, bis zum Bahnsteig 8, und wieder hinauf. Wahrscheinlich würde der Zug bereits warten. Ich sollte mich jedoch vor dem Einsteigen genau vergewissern, dass es auch wirklich der Zug nach Aachen war, hatte mir die Tante eingeschärft. Er war es, und ich stieg ein, und schon bald fuhren wir los.

Der Zug hatte nach dem letzten Haltepunkt – mir klangen noch die Worte meiner Tante im Ohr: „Steig ja nicht in Aachen-West aus!" – einen weiten Bogen geschlagen und war in den Aachener Hauptbahnhof eingefahren. Was ich sah, sah ich nur, konnte es nicht einordnen, wusste es nicht mit Worten, mit Begriffen, mit Bezeichnungen zu verknüpfen. Ich wuchtete den Holzkoffer aus dem Gepäcknetz und machte mich daran auszusteigen. Die Lautsprecherdurchsagen, die durch die Halle schepperten, sagten mir nichts, sie verwirrten mich nur. Ich war noch nie zuvor allein in einer fremden Stadt gewesen. Selbst meine eigene Heimatstadt war mir im Grunde fremd. Ich hätte mich rettungslos verlaufen, wenn man mich da irgendwo ausgesetzt hätte. Jetzt ließ ich mich von den Menschen hinunter in die Bahnhofshalle treiben, sah mich dem Ausgang gegenüber und trat nach kurzem Zögern hinaus.

Einen Stadtplan hatte mir die Tante bereits besorgt. „Sonst findest du die Kasinostraße bestimmt nicht, wo ich dir ein Zimmer besorgt habe." Mit diesen Worten hatte sie ihn mir kurz vor der Abfahrt in die Finger gedrückt. Auf dem Vorplatz sah ich mich um, und mein erster Eindruck war der, dass sich Aachen nicht wesentlich von meiner Heimatstadt unterschied: Viel Lärm, viel Verkehr, viel Gestank.

Die Kasinostraße war rasch gefunden, sie lag genau hinter dem Bahnhof. Es ging unter den Gleisen hindurch, ein übel riechender, gelb gekachelter Tunnel mit Neonlampen an der Decke. Ich war froh, als ich auf der anderen Seite die Treppe erreicht hatte.

Meine Tante hatte für mich ein Zimmer bei einer Frau Wilhelmine Rheinsberg gemietet, die, wie ich sie mir gleich sagte, alle nur ‚Tante Minni‘ nannten. Eine wuselige kleine Frau mit rötlichen, gefärbten Haaren und stark geschminkten Wangen, und sie fragte mich gleich eingehend aus, ob ich eine gute Fahrt gehabt habe, was ich denn studieren wolle, was mein Vater sei. Sie erzählte mir, dass meine Tante einen ausgesprochen sympathischen Eindruck auf sie gemacht habe, dass sie sich vorgestellt habe, dass ich wohl genauso aussehen müsse, wie ich nun einmal aussähe. Währenddessen führte sie mich zu meinem Zimmer hinauf, einem kleinen Raum unter dem Dach des sechsgeschossigen Hauses.

Das Fenster ging zum Glück nicht zur vielbefahrenen Straße, sondern zum nicht ganz so lauten Bahnhof hinaus, und über das Dach des Bahnhofs hinweg sah ich über die Stadt. Das Zimmer war ziemlich billig, und das war eigentlich die Hauptsache. Und es war möbliert. Ein wackeliger Schrank zur Rechten, ein Klappbett an der linken Wand. Vor dem Fenster ein Schreibtisch. Auf dem Kühlschrank links neben der Tür eine Kochplatte. Ein kleines Regal für Töpfe und Geschirr zwischen Kühlschrank und Wand. Toilette und Dusche draußen auf dem Flur. Ich musste mir beides mit drei weiteren Studenten teilen. Aber das seien alles nette Studenten, sagte ‚Tante Minni‘, wir würden uns wohl prächtig verstehen.

Da ich stets ziemlich zurückhaltend gelebt hatte, fiel es mir schwer, mit den Kommilitonen im Haus Kontakt aufzunehmen. Und noch schwerer fiel’s mir bei denen im Institut. Zudem war da offenbar etwas, das mich grundlegend von allen unterschied.

Nicht die Arbeit. Ich war selbst richtig überrascht davon, aber ich hatte bei den vielen verschiedenen Praktika eine sehr glückliche Hand. Benötigte ich für eine Analyse einen oder zwei Tage, so gelang sie Katja häufig erst in drei Tagen. Und auch das nur, weil ich ihr oft genug dabei half.

Katja Wegener. Sie arbeitete vom ersten Tag an neben mir, und vom ersten Tag an glaubte ich, in sie verliebt zu sein. Sie war im landläufigen Sinne vielleicht nicht hübsch, etwas kleiner als ich, sehr dünn, hatte kaum Busen. Das halblange schwarze Haar schob sie häufig mit einer ihr ganz eigenen Geste hinters Ohr zurück, wenn es ihr ins Gesicht gefallen war. Auf meinen Vorschlag hin, es mit einer Spange zurückzuhalten oder gar abschneiden zu lassen, weil ihr kurze Haare mit Sicherheit besser stünden, sah sie mich nur groß mit ihren grünen

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Was die anderen über Nebel der dunklen Wahrheit - 3 Romane in einem Band denken

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