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Der neue Dr. Laurin 27 – Arztroman: Die Königin der Nacht
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eBook96 Seiten1 Stunde

Der neue Dr. Laurin 27 – Arztroman: Die Königin der Nacht

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Über dieses E-Book

Bei der Eröffnung von Teresa Kaysers neuem Geschäft wird ihr das schönste Kleid gestohlen, ein aufwendig gearbeitetes Ballkleid. Wenig später sieht Teresa Bilder der bekannten Schauspielerin Corinna Erichsen – in ihrem Kleid. Als sie Kontakt aufnimmt, reagiert die Schauspielerin ungnädig und auch hoch­mütig. Teresa erstattet Anzeige. Doch als sie wenig später die Wahrheit erfährt, zieht sie die Anzeige zurück. Dem Diebstahl liegt eine alte Geschichte von Konkurrenz und Rache zugrunde, und sie löst sich schließlich anders auf, als von allen Beteiligten erwartet, denn die Diebin findet überraschend ihre große Liebe, Teresa verzichtet auf Geld, und jemand ergreift eine einmalige Chance, begangenes Unrecht wiedergutzumachen.

"Der Laden ist wunderschön geworden, Teresa", sagte Antonia Laurin. "Ich finde, er wertet die ganze Straße auf." "Komisch, so ähnlich hat sich mein Vermieter gestern auch geäußert. Er hatte beinahe Tränen in den Augen, als ich ihn herumgeführt habe. Ich glaube, er hat sich nicht vorstellen können, dass aus seinen etwas heruntergekommenen Räumen etwas Vorzeigbares werden könnte", erwiderte Teresa Kayser mit einem Lächeln. Sie war die zweite Frau von Antonias Vater, Professor Joachim Kayser. Er hatte die Professor-Kayser-Klinik im Münchener Südwesten gegründet, die seit einiger Zeit etwas schlichter ›Kayser-Klinik‹ hieß. Es war Antonias Mann Leon Laurin, der sie seit dem Rückzug seines Schwiegervaters leitete. "Bist du aufgeregt wegen der Eröffnung morgen?", fragte Antonia. "Natürlich, mehr als aufgeregt. Ich glaube, ich habe seit einer Woche nicht mehr richtig geschlafen." Teresa war Anfang sechzig, eine schöne, schlanke silberhaarige Frau mit unfehlbarem Stilempfinden. Meistens war sie elegant gekleidet, aber sie fühlte sich auch in sportlicher Kleidung wohl, wenn diese dem Anlass entsprach. Teresa hatte ihr gutgehendes Modegeschäft nach ihrer Heirat mit Joachim Kayser aufgegeben und sich erst in letzter Zeit eingestanden, wie schwer ihr das seinerzeit gefallen war. Den Anstoß zu einem Neustart hatte Antonias Entschluss gegeben, in ihren Beruf als Kinderärztin zurückzukehren. Joachim Kayser, der zu seiner Zeit noch ein sogenannter ›Halbgott in Weiß‹ gewesen war, hatte sein Entsetzen deutlich geäußert: sowohl über die Pläne seiner Tochter, die er wegen ihrer vier Kinder verantwortungslos fand, als auch über den Entschluss seiner Frau, denn der hatte natürlich empfindliche Auswirkungen auf seinen und ihren Alltag. Er war es gewöhnt, dass Teresa immer in seiner Nähe war, hatte sich aber nie gefragt, ob ihr vielleicht etwas fehlte.
SpracheDeutsch
HerausgeberKelter Media
Erscheinungsdatum23. Juni 2020
ISBN9783740967390
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    Buchvorschau

    Der neue Dr. Laurin 27 – Arztroman - Viola Maybach

    Der neue Dr. Laurin

    – 27 –

    Die Königin der Nacht

    Viola Maybach

    »Der Laden ist wunderschön geworden, Teresa«, sagte Antonia Laurin. »Ich finde, er wertet die ganze Straße auf.«

    »Komisch, so ähnlich hat sich mein Vermieter gestern auch geäußert. Er hatte beinahe Tränen in den Augen, als ich ihn herumgeführt habe. Ich glaube, er hat sich nicht vorstellen können, dass aus seinen etwas heruntergekommenen Räumen etwas Vorzeigbares werden könnte«, erwiderte Teresa Kayser mit einem Lächeln.

    Sie war die zweite Frau von Antonias Vater, Professor Joachim Kayser. Er hatte die Professor-Kayser-Klinik im Münchener Südwesten gegründet, die seit einiger Zeit etwas schlichter ›Kayser-Klinik‹ hieß. Es war Antonias Mann Leon Laurin, der sie seit dem Rückzug seines Schwiegervaters leitete.

    »Bist du aufgeregt wegen der Eröffnung morgen?«, fragte Antonia.

    »Natürlich, mehr als aufgeregt. Ich glaube, ich habe seit einer Woche nicht mehr richtig geschlafen.«

    Teresa war Anfang sechzig, eine schöne, schlanke silberhaarige Frau mit unfehlbarem Stilempfinden. Meistens war sie elegant gekleidet, aber sie fühlte sich auch in sportlicher Kleidung wohl, wenn diese dem Anlass entsprach. Teresa hatte ihr gutgehendes Modegeschäft nach ihrer Heirat mit Joachim Kayser aufgegeben und sich erst in letzter Zeit eingestanden, wie schwer ihr das seinerzeit gefallen war. Den Anstoß zu einem Neustart hatte Antonias Entschluss gegeben, in ihren Beruf als Kinderärztin zurückzukehren.

    Joachim Kayser, der zu seiner Zeit noch ein sogenannter ›Halbgott in Weiß‹ gewesen war, hatte sein Entsetzen deutlich geäußert: sowohl über die Pläne seiner Tochter, die er wegen ihrer vier Kinder verantwortungslos fand, als auch über den Entschluss seiner Frau, denn der hatte natürlich empfindliche Auswirkungen auf seinen und ihren Alltag. Er war es gewöhnt, dass Teresa immer in seiner Nähe war, hatte sich aber nie gefragt, ob ihr vielleicht etwas fehlte. Nun wusste er, dass sie nicht wunschlos glücklich gewesen war, obwohl an ihrer Liebe zu ihm keinerlei Zweifel bestehen konnte.

    Es hatte jedenfalls heftige Streitigkeiten gegeben, vor allem zwischen Joachim und seiner Tochter, die er vor allem mit dem Wort ›verantwortungslos‹ tief verletzt hatte. Doch diese Geschichten gehörten der Vergangenheit an. Joachim Kayser war in sich gegangen, hatte einige erstaunliche Erkenntnisse gewonnen und war heute stolz auf seine selbstbewusste Frau, die sich nicht damit zufriedengeben wollte, nur die ›Frau von Professor Kayser‹ zu sein – und auf seine Tochter, die zusammen mit ihrer Partnerin Maxi Böhler eine außerordentlich erfolgreiche Praxis betrieb, die an die Klinik angeschlossen war.

    Teresa lachte leise. »Das Schönste ist, dass dein Vater mindestens so aufgeregt ist wie ich. Wenn ich bedenke, wie befremdet er war, als ich ihm gesagt habe, ich würde gern noch einmal einen Laden aufmachen … Er ist ja aus allen Wolken gefallen. Für ihn war das damals so, als hätte ich ihm gesagt, ich liebte ihn nicht mehr und würde ihn zugunsten eines anderen Mannes verlassen. Er hat mir später gestanden, dass es sich für ihn tatsächlich so angefühlt hat, stell dir das mal vor.«

    »Leon war auch nicht begeistert von meinen Plänen, aber er hat sich meinen Argumenten nicht lange verschließen können. Ich war immerhin mehr als fünfzehn Jahre nur Hausfrau und Mutter. Er war gar nicht auf die Idee gekommen, dass das für mich auch den Verzicht auf meinen Beruf bedeutet hat und dass mir dieser Verzicht etwas ausmachen könnte.«

    »Früher war die Welt für Männer und Frauen natürlich übersichtlicher und deshalb einfacher«, stellte Teresa nüchtern fest. »Die Männer gingen zur Arbeit und verdienten das Geld, die Frauen blieben zu Hause und zogen die Kinder groß. Klare Verhältnisse. Heute ist das alles etwas komplizierter geworden, nicht nur für die Männer, auch für die Frauen.«

    »Du hast Leon und seine Schwester großgezogen und warst trotzdem berufstätig.«

    »Weil ich musste. Damals habe ich mir oft gewünscht, ich hätte mehr Zeit für die beiden gehabt. Aber geschadet hat es ihnen nicht, dass sie eine berufstätige Pflegemutter hatten, glaube ich.«

    Das Schicksal hatte es so gewollt, dass Teresa heute nicht nur Leons Pflege-, sondern auch seine Schwiegermutter war. Über diesen seltsamen Zufall sprach Antonia öfter mit ihrem Mann.

    Sie blieb vor einem Ständer mit langen eleganten Kleidern stehen und zog eins davon heraus, ein nachtblaues Kleid aus dunkelblauer Seide mit einer tief ausgeschnittenen Corsage aus Spitze in einem etwas helleren Blau. »Wunderschön!«, murmelte sie. »Ein richtiges Traumkleid. Aber zu welchem Anlass trägt man so etwas?«

    »Auf einem Ball, auf dem roten Teppich, bei der Oscar-Verleihung in Hollywood«, erwiderte Teresa, halb ernsthaft, halb im Scherz. »Du hast zufällig eins von meinen Kleidern erwischt.«

    Antonia sah sie fragend an. »Was meinst du damit? Eins von deinen Kleidern, was soll das heißen?«

    »Ich habe es entworfen«, antwortete Teresa schlicht. »Ich habe eigentlich nie aufgehört, immer mal wieder einzelne Modelle zu entwerfen. Wenn du wüsstest, wie viele Zeichnungen ich zu Hause habe … Das ist nun einmal mein Hobby. Ich wäre ja liebend gern Designerin geworden, aber das ließ sich mit meinen sonstigen Verpflichtungen nicht vereinbaren, deshalb ist es dann ein Modegeschäft geworden. Aber auch dort habe ich gelegentlich einzelne Modelle von mir verkauft, die ich von einer Schneiderin hatte anfertigen lassen. Natürlich war das immer ein Verlustgeschäft, aber ich hatte und habe großen Spaß daran, Kleidung zu entwerfen.«

    Antonia hörte ihrer Stiefmutter – Teresa hasste dieses Wort! – mit wachsender Faszination zu.

    »Dieser Entwurf war schon älter, ich habe ihn etwas abgeändert, der heutigen Mode entsprechend, aber ich wollte schon seit längerem einmal Seide und Spitze und ein dunkles Blau mit einem helleren kombinieren. Ich habe ziemlich lange daran gearbeitet. Zum Glück habe ich den guten Kontakt zu meiner Lieblingsschneiderin, die meine Vorstellungen immer perfekt umsetzen konnte, über die Jahre gepflegt. Ich trage ja ab und zu auch meine eigenen Modelle. So hatte ich gelegentlich einen Auftrag zu vergeben, und der Kontakt ist nicht eingeschlafen. Das hat sich jetzt als Glück erwiesen.« Sie lachte leise.

    »Du bist eine Künstlerin!«, sagte Antonia ehrfürchtig.

    »Ach was, ich habe manchmal gute Ideen, aber für eine Künstlerin sind es viel zu wenige«, widersprach Teresa heiter. »Und es würde nie im Leben für eine Kollektion reichen, dessen bin ich mir bewusst. Aber ich habe Spaß daran, und bisher hat sich auch alles verkauft, was ich selbst entworfen habe.«

    »Darf ich das Kleid fotografieren? Es ist so schön, ich muss es Leon und den Kindern zeigen, vor allem den Mädchen.«

    »Fotografier, so viel du willst, aber ich habe natürlich auch Fotos davon gemacht, die ich dir schicken kann.«

    »Wer weiß, ob du daran denkst«, sagte Antonia. Sie machte mehrere Bilder, aus verschiedenen Blickwinkeln. »Ich wette mit dir, dass du es sofort verkaufst«, sagte sie. »Wenn ich wüsste, zu welcher Gelegenheit ich es anziehen könnte, käme ich selbst in Versuchung. Es ist wirklich hinreißend, Teresa.«

    Teresa umarmte sie und gab ihr einen Kuss. »Ich danke dir«, sagte sie. »Aber in diesem Fall muss ich sagen, dass ich

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