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Bruckmann Reiseführer Madeira: Zeit für das Beste: Highlights, Geheimtipps, Wohlfühladressen
Bruckmann Reiseführer Madeira: Zeit für das Beste: Highlights, Geheimtipps, Wohlfühladressen
Bruckmann Reiseführer Madeira: Zeit für das Beste: Highlights, Geheimtipps, Wohlfühladressen
eBook732 Seiten3 Stunden

Bruckmann Reiseführer Madeira: Zeit für das Beste: Highlights, Geheimtipps, Wohlfühladressen

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Über dieses E-Book

Handverlesene Autoren-Tipps und Empfehlungen für eine individuelle Reiseplanung, über 400 inspirierende Fotos sorgen nicht nur für eine stressfreie Planung, sondern auch für einen entspannten Urlaub auf Madeira. Der farbenprächtige Markt von Funchal, die Steilklippe von Cabo Girao oder die Levadas mit ihren einzigartigen Lorbeerwäldern: Madeira ist überreich an Attraktionen. So entdecken Sie neben den Highlights auch jede Menge Geheimtipps, die Ihren Urlaub unvergesslich machen. Und es bleibt dabei immer Zeit für authentische Restaurants oder Hotels und die besten Shopping-Hotspots.
SpracheDeutsch
HerausgeberBruckmann Verlag
Erscheinungsdatum16. Juli 2019
ISBN9783734315534
Bruckmann Reiseführer Madeira: Zeit für das Beste: Highlights, Geheimtipps, Wohlfühladressen
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    Buchvorschau

    Bruckmann Reiseführer Madeira - Susanne Röhl

    Morgen

    DAS SOLLTEN SIE SICH NICHT ENTGEHEN LASSEN

    Eine Fahrt mit dem Korbschlitten ist ein Muss, wenn man Madeira besucht.

    Funchal (S. 32–71)

    Die Hauptstadt Madeiras ist das pulsierende Herz der Insel. Hier hat die Geschichte ihren Anfang genommen und die Atmosphäre kann man noch in den Gassen der Altstadt spüren. Funchal bietet alles, was man von einem interessanten Ferienort erwartet: blühende Parks, informative Museen, ein Zentrum mit Kathedrale und zahllose Möglichkeiten zum Einkaufen.

    Der Hafen von Funchal (S. 32–35)

    Ein Leben auf Madeira wäre ohne den Hafen nicht denkbar. Hier liegt die Keimzelle des schwunghaften Handels mit Madeirawein unter englischer Regie. Heute wäre der blühende Tourismus ohne die Kreuzfahrtschiffe kaum denkbar. Der Hafen ist vergleichsweise klein, aber voller Charme. Für den ersten Kaffee oder um bei Sonnenuntergang zu flanieren, diese Ecke Funchals begeistert jeden mit ihrer besonderen Stimmung.

    Monte (S. 86–91)

    Mit einer Seilbahn von Funchal gelangt man zum bekannten Wallfahrtsort Monte. Hoch über der Hauptstadt gelegen, bietet sich hier ein grandioser Blick über den Süden der Insel, wenn nicht gerade kühle Nebelschwaden vorbeiziehen. Neben dem großen Vergnügen, mit einem Korbschlitten zu Tale zu schlittern, kann man zum Beispiel auch im botanischen Garten »Jardim Tropicals do Monte Palace« den äußerst raren Brotpalmfarn bestaunen.

    Der Blick vom Gipfel des Pico Ruivo über die Berge Madeiras ist atemberaubend.

    Cabo Girão (S. 98–99)

    Von einer der höchsten Steilküsten Europas blickt man von Cabo Girão hinab auf das Meer. Sehr eindrucksvoll ist diese knapp 600 Meter hohe, schroffe Küste vom Schiff aus zu sehen

    Curral das Freiras (S. 102–105)

    Ein geradezu abenteuerliches Panoramasträßchen führt am Berg entlang nach Curral das Freiras, dem Stall der Nonnen. Bekannt ist diese Gegend für ihren Kastanienlikör.

    Vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo (S. 106–111)

    Bis kurz unter den Gipfel des Pico do Arieiro führt eine gut ausgebaute Straße, von dort sind es nur noch wenige Minuten zu Fuß bis zum Gipfel. Aufregend ist der Blick nach unten, diese Schluchten können einem den Atem rauben. Viele Eindrücke in die archaisch schroffe Gebirgslandschaft erlaubt die knapp dreistündige Wanderung zum höchsten Berg der Insel, dem Pico Ruivo.

    Ponta de São Lourenço (S. 228–231)

    Rau und karg zeigt sich die östliche Spitze Madeiras. An den Felsabbrüchen ist der vulkanische Ursprung der Insel zu erkennen und das Farbenspiel der Sonne lässt die Felsen von rot über ocker bis braun und sogar schwarz erscheinen.

    Die Hochebene Paúl da Serra (S. 118–123)

    Noch vor Minuten im blühenden Süden, verblüfft diese Hochebene mit Kälte, Nebel und der kargen Landschaft von Heidepflanzen. Immer herrscht eine eigentümliche Stimmung, die an den Norden Schottlands erinnern mag. An Sonntagen mit schönem Wetter treffen sich hier viele Einheimische zum Picknick.

    Porto Moniz (S. 168–171)

    Früher waren die mit Meerwasser gefüllten Lavabecken in der charmanten Kleinstadt Porto Moniz die einzige Möglichkeit, im rauen Atlantik zu baden. Heute gibt es auch ein modernes Schwimmbad, aber die natürlichen Kuhlen, die mit jeder Brandung mit frischem Wasser gefüllt werden, haben nach wie vor einen speziellen Charme.

    Ribeiro Frio (S. 130–135)

    Der Naturpark von Ribeiro Frio zeigt noch heute, wie Madeira einstmals ausgesehen hat. Dazu gehört der madeirische Lorbeerwald, der zu den seltensten Lebensräumen der Erde zählt. Die ungeheuer knorrigen Büsche und Bäume mit den kräftig grünen Blättern sind als Wasserspeicher unentbehrlich. Entlang den Levadas kann man diese Landschaft am besten kennenlernen.

    Das Ostkap Ponta de São Lourenço beeindruckt durch seine farbenfrohen Felsformationen.

    WILLKOMMEN AUF Madeira

    Madeira ist bekannt für seine grandiose Landschaft, das milde Klima und die herrlichen Blumen. Sie fasziniert durch den Kontrast von geschäftigem Leben an der Küste und großer Stille in den Bergen. Man schaut auf ein Kunstwerk aus Wasserkanälen, Levadas, angelegten Terrassen, Poios, und einer schlicht überwältigenden Pflanzenwelt. Bereits zum dritten Mal in Folge wurde Madeira im Jahr 2017 mit dem World Travel Award als beste Inseldestination Europas ausgezeichnet.

    Mehr als acht Millionen Besucher erliegen jährlich der Schönheit Madeiras, und viele wählen Funchal als Domizil für ihren Urlaub. Das pochende Herz der Insel mit mediterranem Stadtleben ist der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge. Wilder Fenchel hat der Hauptstadt den Namen gegeben. Üppig und wild stand der funcho im Mündungsgebiet von drei Flüssen, heute sieht man nur mehr einzelne Sträucher.

    Offen für Zeitgeist

    Lange Zeit galt Madeira ausschließlich als Ziel für Best-Ager, Wandervögel und Vogelbeobachter. Nun, diese Leute sind immer noch da, aber die Dynamiker haben auch diesen Flecken entdeckt. Da sind die Golfer, die das Jahr über den Schläger schwingen, und die Tennispieler, die im Winter nicht nur in der Halle trainieren wollen. Dazu kommen die Surfer, angezogen von den »Big Waves« an der Küste von Paúl do Mar. Über diese lässige Szene kann sich das konservative Madeira noch kein rechtes Bild machen, aber einer der wichtigen Wettbewerbe für die Athleten auf dem Surfbrett findet jeden Winter statt. Madeira, so heißt es in der Szene, sei das Hawaii Europas. Nicht weniger zeitgeistig ist das »Madeira Dig Festival«, wo sich im Dezember in der Casa das Mudas bei Calheta die Avantgarde aus der ganzen Welt trifft, um die digitalen Klang- und Bilderwelten vorzustellen. »Madeira muss jünger und cooler werden«, sagt der Besitzer des Hotels Ponta do Sol und setzt sich über althergebrachte Konventionen hinweg. Entdeckt von den Engländern als angenehme Sommerfrische, hat man sich dem Kommen und Gehen von Moden hingegeben.

    Ganz in der Nähe des Hafens von Funchal liegt der Park Santa Catarina.

    Insel im Aufbruch

    In den letzten Jahren hat Madeira einen Riesensatz nach vorne gemacht. Es ist das Geld der EU, das frisches Blut in das einstige Phlegma pumpte. Man hat es vorwiegend zum Straßenbau genutzt, und seit ein paar Jahren bedeutet die Fahrt an die Nordküste keine Tagesreise mehr. Madeira hat noch viele unbekannte Ressourcen, die erst so langsam entdeckt und vermarktet werden. Heute spürt man die Kreativität, die in den Insulanern steckt. Schicke Hotels, innovative Gastronomie und Cafés belegen, dass internationale Trends ganz allmählich und in feinen Dosen hier ankommen. Da zeigen sich plötzlich Modeschöpfer und Architekten mit internationalem Renommee, da wird ein Zentrum für zeitgenössische Kunst gebaut, das alle Achtung verdient – entworfen von Paulo David, der in Lissabon studierte und nach Funchal zurückgekehrt ist. Er ist begeistert von seiner Heimat, denn das Ruppige und Kantige von Madeira kommt seinen Ideen entgegen. Das Centro das Artes in Calheta wurde in Basaltstein gebaut, und zum Meer gibt es übergroße Glasfenster, um das Licht und die Weite des Atlantiks hereinzuholen. Der Mittelpunkt ist die Casa das Mudas, ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert, das sich so mühleos integriert, dass es vielen Besuchern gar nicht auffällt. Das könnte Madeira pur sein, mit leichter Hand das Alte mit dem Neuen zu verbinden.

    Die Madeirer sind sympathische Menschen, viele leben auf dem Land.

    Agaven gedeihen prächtig auf der portugiesischen Insel Porto Santo, Madeiras kleiner Schwester.

    Vergiss den Regenschirm nicht!

    Dunkelgrau brauen sich die Wolken in den Bergen über Funchal zusammen – und dann ergießt sich der Regen. Die dicken Wassertropfen kullern über die wachsartigen Blätter der Kamelienbäume, tropfen von den großen Kelchen der Engelstrompeten hinunter auf die Erde, spülen den Staub von den knorrigen Lorbeerzweigen und dem biegsamen Grün des Oleanders. Als wollte die »Insel des ewigen Frühlings« neue Kraft schöpfen für ein unermüdliches Blühen und Gedeihen, wird das Wasser von der Erde aufgesaugt. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei. Tausende von Blüten stehen wieder im Sonnenlicht, als sei es nie anders gewesen. Die Wolken reißen auf und geben den Blick frei auf die faszinierende Landschaft Madeiras. Schroffe Berge und Steilküsten, handtuchbreite Terrassenfelder und exotische Parkanlagen, eingerahmt von einem tiefblauen Atlantik, der mit weißen Schaumkronen gegen die Insel schlägt.

    Zwei Welten

    Seit ein Vulkanausbruch vor einigen Tausend Jahren einen 1860 Meter hohen Kegel aus dem Meer aufragen ließ, teilt sich Madeira in zwei Welten. Im Süden liegt das geschäftige Herz der Insel, doch eine halbe Stunde vom Gewühl der Hauptstadt Funchal entfernt wartet die Stille der Berge und die feucht-kühle Einsamkeit der baumlosen Hochflächen. Noch ein Stückchen weiter beginnt das unergründlich wilde Grün des Nordens. Von hier kommt der Kraftspender für die Schönheit Madeiras: Die Regenwolken des Atlantiks bleiben an der zentralen Bergkette hängen und schütten sich aus, fast jeden Tag. Dann hängt die Feuchtigkeit als satter Nebel über der dichten Vegetation. Der Süden ist trocken, die wenigen Regenschauer gleichen einem Tropfen auf einem heißen Stein.

    »Madeira« heißt auf Portugiesisch »Holz«. Doch mit der Besiedelung begann das Abholzen für die Zuckerrohrplantagen, besonders im Süden, und seit vielen Jahrhunderten muss das Wasser in befestigten Kanälen ins »andere« Madeira geleitet werden. Ohne die Levadas würde es keine Blumeninsel im Atlantik geben.

    Ein schwimmender Garten

    Es waren die Engländer und ihre Liebe zu exotischen Pflanzen und Bäumen, die Madeira in einen »schwimmenden Garten im Atlantik« verwandelten. In den weitläufigen Parks ihrer Herrenhäuser, den Quintas, kultivierten sie die Souvenirs aus den Kolonien, denn in der vulkanischen Erde gediehen subtropische und oftmals tropische Pflanzen oft besser als in ihrer Heimat. Selbst in einer Höhe von 500 Metern, wo sonst Exoten aus feuchtheißen Ländern kaum wachsen, wie in Blandy’s Garden oberhalb von Funchal, blühen sie quasi um die Wette.

    Was bei uns nur im Blumentopf überlebt, wuchert in Madeira zu meterhohen Sträuchern. Wie der Weihnachtsstern aus Mexiko, der Hibiskus aus Asien und die elegante Calla. Da betört der süße Duft der elfenbeinfarbenen Frangipaniblüten und fasziniert das Blumenkunstwerk einer Protea aus Südafrika. Staunend steht man vor prächtigen Rhododendronhecken, Azaleenbüschen und Magnolienbäumen. Auch die lilafarbenen Kaplilien und die Hortensien sind Gäste auf Madeira, angeführt von der Strelitzie, dem blumigen Aushängeschild der Insel, die aus Südafrika stammt.

    Endemische Pflanzen

    Bei einer solchen Fülle bleibt die endemische Pflanzenwelt fast auf der Strecke, dazu gehören der blau blühende Natternkopf, der rotlilafarbene Madeira-Storchschnabel und die seltene Goldmusschie mit ihren gelben Blüten, die ausschließlich auf Madeira gedeiht. Ein Opfer menschlicher Ausbeutung wurde der Drachenbaum, der heute nurmehr als Einzelexemplar in privaten Parks oder botanischen Gärten zu bestaunen ist. Sein Lebenssaft, das Drachenblut, war als Farbstoff für Stoffe hoch begehrt, und von dem gierigen Aderlass konnte sich der Baum nicht mehr erholen.

    Ein schöner Papagei ist ein Blickfänger in den Anlagen der Quinta von Palmeiras Gardens.

    Der Lorbeerwald

    Madeiras 1500 Hektar großer Lorbeerwald gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Einst über die ganze Insel verbreitet, beschränkt er sich heute auf die unzugänglichen Täler an der Nordküste. Er steht in einer Höhe zwischen 400 und 1300 Metern, und seine Wurzeln halten den Boden fest. Von den festen, wachsartigen Blättern tropft das Wasser und versickert im Gestein, um irgendwo als Quelle wieder zum Vorschein zu kommen.

    Die Quinta Splendida in Caniço ist bekannt für ihren schönen Park.

    Um Ackerland und Siedlungsgrund zu gewinnen, wurde der Wald im Süden durch Brandrodung fast vernichtet. In den Bergen wurde das Holz zum Heizen verwendet und der Wald stark dezimiert. Die starken Stämme des Stinklorbeers hatte man für den Schiffsbau gefällt, und aus Madeira-Mahagoni wurden Möbel und Zuckerkisten gefertigt.

    Heute sieht man große Bäume nur noch an steilen Abhängen im Norden. Wie Unkraut haben sich Akazien und Eukalyptus aus Australien ausgebreitet, denn sie wurden in den Jahren 1950 bis 1970 als schnell schlagbares Holz gepflanzt. Unter dem Eukalyptus gefällt es keiner Pflanze, auch jenen aus Madeira nicht. Mit jedem starken Regenguss schwemmt es die Erde noch ein bisschen mehr ab. Nun sollen Erikasträucher die lädierte Waldlandschaft retten. »Erika kann die Wolken melken«, heißt es in Madeira, denn aus den Nebelschwaden im Bergland ziehen sie die Feuchtigkeit heraus und geben sie an den Boden ab.

    Der Wald blüht

    Im April blühen Riesenhahnenfuß und Madeira-Storchschnabel, während das Madeira-Knabenkraut im Juni und Juli besonders eindrucksvoll in der Region rund um Ribeiro Frio zu bewundern ist. Von August bis Oktober zeigt sich der folhado, ein Baum mit maiglöckchenartigen Blüten. Diese endemischen Pflanzen kann man auch in den botanischen Gärten rund um Funchal sehen, ansonsten bei den Levadawanderungen rund um Boca Encumeada, Ribeiro Frio und auf dem Weg zum Wasserfall do Risco.

    Farne stehen in Massen am Levadaweg zu den 25 Fontes (»See der 25 Quellen«) in Rabaçal.

    Die Quintas

    Quintas sind Herrenhäuser inmitten eines großen Anwesens, die der feinen Gesellschaft seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Wohnung dienten, als Madeira beim europäischen Hochadel in Mode kam. Im Winter wurden sie gerne an die vermögende Klientel vermietet.

    Damals hatte sich das angenehme Klima herumgesprochen, und Madeira wurde zu einem Zufluchtsort der kränklichen Ableger europäischer Königs- und Adelshäuser. »Ein Boskett von dreißig Metern Kamelienbäumen, und in jeder Steinritze wächst ein Kaktus«, schrieb ein Adjutant der österreichischen Kaiserin Sisi im Jahr 1860 an den Wiener Hof. Während des ersten Aufenthalts wohnte Kaiserin Sisi auf der Quinta Vigia, auf dem Gelände des heutigen Amtssitzes des Präsidenten von Madeira. Eine große Zahl dieser noblen Häuser inmitten traumhafter Gärten findet man rund um die Hauptstadt Funchal. Die meisten von ihnen wurden zu Hotels umgebaut und bieten einen großartigen Einblick in das einstige Leben der wohlhabenden madeirischen Gesellschaft.

    Legendäre Levadas

    Ohne eine Levadawanderung hat man Madeira nicht wirklich erlebt. Viele kommen nur auf die Insel wegen der grenzenlosen Möglichkeiten, an diesen alten Wasserwegen zu wandern. Neben den deutschen und österreichischen Touristen haben auch viele Spanier, Portugiesen und selbst die Madeirer die Wege für sich entdeckt.

    Goldgelber Sand am fast neun Kilometer langen Strand von Porto Santo

    Planung und Bau der einen halben Meter tiefen Kanäle waren eine technische Meisterleistung portugiesischer Ingenieure. Man vermutet, dass die Kenntnisse aus arabischen Quellen oder dem Wissen über sehr viel ältere Anlagen in China rührten. Auch die Römer bauten solche Anlagen in Süddeutschland und Südtirol. Bald nach der Besiedelung begann man im 15. Jahrhundert mit den ersten Levadas, denn das begehrte Zuckerrohr konnte nur mit sehr viel Wasser gedeihen.

    Oftmals sind diese Kanäle in schwindelerregender Höhe in die Felsen gestemmt worden, was sicher zahllose Menschenleben kostete. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden Levadas angelegt; die letzte, die Levada dos Tornos, stammt aus den 1970er-Jahren. Lebenswichtig ist die Überprüfung dieser Wasserstraßen, und noch heute wird das Kanalsystem von Levadeiros zu Fuß abgelaufen. Daher wurden immer Wege neben dem Kanal angelegt, um eine effiziente Überwachung zu ermöglichen. Für einen Einblick ist die Wanderung zu den Wasserfällen do Risco zu empfehlen. Noch im Dunstkreis von Funchal liegt die Levada dos Tornos – und der Weg führt von den Gärten der Casa Velha do Palheiro zu dem Ausflugsort Monte.

    Strände aus Vulkangestein

    Fehlende Sandstrände waren immer das große Manko der Insel, die von Badetouristen deshalb gemieden wurde. Das Gros der Urlauber hatte sich auf die Balearen oder Kanaren eingeschworen, Madeira spielte eine Nebenrolle, war eben die Wander- und Blumeninsel. Das bleibt sie auch, denn die vulkanischen Strände sind nun mal grobsteinig und leuchten nicht weiß, sondern schwarz.

    Um allen gerecht zu werden, legte man bei Calheta im Südwesten einen künstlichen Sandstrand an. Der Sand stammt aus Marokko und muss beinahe jedes Jahr erneuert werden, denn die Wellen des Atlantiks holen die feinen Körner ins Meer zurück. An der beliebten Südküste hat jedes Hotel großzügige Poollandschaften, um diesen Mangel aufzuwiegen. Dies ist auch wunderschön für Familien. Die Badefreaks gehen auf die Nachbarinsel Porto Santo: Dort gibt es goldgelben Sandstrand und ein sanftes Meer, so weit das Auge reicht.

    Fluch und Segen

    »Madeira hat alles, aber nicht genug«, heißt es. Nur ein Drittel der Insel ist kultivierbar. Oft müssen sich die Bauern mit Hacke und Erntekorb abseilen, um zu ihren Feldern zu gelangen. Die große Fruchtbarkeit ist Segen und Fluch zugleich, denn hier leben zu viele Menschen. Alles, außer Bananen, muss importiert werden. Selbst der Atlantik kann die Leute nicht mehr ernähren, die Netze der Fischer sind oft leer. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Fremdenverkehr die wichtigste Einnahmequelle.

    Im letzten Jahrzehnt ist der Einfluss der Europäischen Union unübersehbar. Gut fünfzig Prozent aller großen Investitionen wurden von Brüssel bezahlt, dazu gehört die Autobahn, die Funchal mit Ribeira Brava und Santa Cruz im Süden verbindet. Wie eine Betonschlange windet sie sich durch die bergige Insel, ein imposantes Bauwerk mit gewaltigen Brücken. Es wurden unendlich viele Tunnels gebaut, sodass die alten Straßen als Panoramarouten ausgezeichnet werden, denn die Landschaft von Madeira ist eigentlich zu schön, um dauerhaft im Dunkeln zu fahren.

    Edle Exporte

    Bananen, Stickereien und Korbwaren gehören zu den Exportartikeln der Insel. Doch die Konkurrenz auf dem europäischen Markt ist hart. In den Obstläden des Kontinents hängen die Bananen aus Mittelamerika, da hatte die empfindliche kleine Inselbanane wenig Chancen. Dabei schmeckt sie einfach hinreißend. Durch neue Züchtungen sind die Früchte nun größer geworden, sodass sie wieder eine Chance gegen die Dollarbanane haben. Die Korbwaren und Stickereien jedoch, die ausschließlich in Handarbeit gefertigt werden, stehen gegenüber den Angeboten aus Asien auf verlorenem Posten.

    In der Markthalle des Mercado dos Lavradores herrscht immer viel Trubel.

    Der Madeirawein

    Bleibt noch der Imageträger Nummer eins, der Madeirawein. Seit dem 18. Jahrhundert gehört eine Karaffe von Malmsey oder Verdelho zum gepflegten englischen Haushalt. Die Deutschen sind inzwischen zum drittgrößten Abnehmer hinter England und Frankreich geworden. Heute wird ein Großteil des Madeiras aus einer einzigen Traube gekeltert, der tinta negra mole, die der traditionellen Sorte sehr nahekommt und aus der sich alle vier Hauptweine keltern lassen. Sie kann ihren Charakter je nach Bodenbeschaffenheit, Meereshöhe und Klima verändern. Dieselbe Rebsorte, die im kühlen Norden den hellen Sercial hervorbringt, erzeugt im heißen Süden den schweren dunklen Malmsey. Die Führungen lokaler Weinhändler wie Madeira Wine Company oder Henriques & Henriques sind sehr beliebt. Bei der abschließenden Verkostung wird so manche Flasche in ein elegantes Holzkästchen gepackt und als Souvenir für die heimatliche Bar mitgenommen.

    Auf Madeira werden die Weintrauben meist mit der Hand gelesen.

    Geschichte und Kultur

    Lange vor der Ankunft der Portugiesen war der Madeira-Archipel auf Landkarten verzeichnet. Die sogenannte Medici-Karte von 1351 zeigt drei Inseln, die der afrikanischen Küste vorgelagert sind. Ihre Namen lauten Porto Séo, Deserta und Isola de Lolegname. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere erwähnte sie in seiner Naturgeschichte als »Purpurinseln«, ein Hinweis auf den begehrten roten Farbstoff, der aus dem Saft des madeirenischen Drachenbaums gewonnen wird.

    Der Beginn

    Völlig isoliert, 500 Kilometer vom afrikanischen Kontinent und 1000 Kilometer vom portugiesischen Mutterland entfernt, liegt Madeira im Atlantischen Ozean. Hinzu kommt, dass der wetterlaunische Golf von Biskaya durchquert werden muss. Henry Nelson Coleridge schrieb 1825: »Plane deine Reise im Januar oder Februar. Wenn der Wind aus Südwest so richtig bläst, wird man eines der ungemütlichsten Dinge dieser Welt erleben. Mein Orkan dauerte von Sonntag bis Mittwochabend, vielleicht etwas zu lang für ein Vergnügen. Dann legte sich der Wind, das Meer wurde still, die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel – es war der letzte Tag des Jahres, wir passierten Porto Santo und in Dunst gehüllt tauchte Madeira vor uns auf.«

    Eher uninteressant

    Der Archipel von Madeira mit dem sandigen Porto Santo und den unbewohnbaren Ilhas Desertas und Selvagens gehörten nie zu den Sehnsüchten der kühnen Seefahrer. Obwohl schon 1351 auf einer florentinischen Karte als »Isola di Lolegname« vermerkt und wahrscheinlich bereits den Phöniziern bekannt, wurde Madeira erst ab 1425 besiedelt. Ihre strategische Lage, die Nähe zum afrikanischen Kontinent, machte die Insel zu einem idealen Ausgangspunkt für die Erkundung unbekannter Regionen. Es war das Zeitalter der Entdeckungen – und das bedeutete oftmals hektische Wettfahrten zu den weißen Flecken auf der Landkarte und die gierige Suche nach Gold, Gewürzen und Sklaven. Auf der Praça do Infante in Funchal steht die Bronzestatue von Heinrich dem Seefahrer (1394–1460). Seine Leidenschaft galt den unbekannten Meeren. Portugal war im Pionierrausch, nachdem Heinrich der Seefahrer 1419 die gefürchtete marokkanische Hafenfestung Ceuta eroberte und die westafrikanische Küste ihren Schrecken verlor. Eher durch Zufall landeten die Portugiesen im Archipel von Madeira, ein schwerer Sturm hatte das Schiff vor eine Küste getrieben.

    Die »Santa Maria« ist ein Nachbau der Kolumbus-Karavelle.

    Die Entdeckung Madeiras

    Plötzlich legte sich das Unwetter und Land war in Sicht. »Oh Porto Santo!«, soll man gerufen haben, und diesen Namen hat die Insel behalten. Ein Jahr später wurde das menschenleere Madeira in Besitz genommen, und João Gonçalves Zarco notierte in sein Bordbuch: »unbewohnt und von dichtem Wald besetzt«. Wie damals üblich, verlieh man den erfolgreichen Kapitänen sogenannte Legate. Als Vertreter Heinrichs des Seefahrers mussten sie sich um die wirtschaftliche Entwicklung der anvertrauten Region kümmern und Tribute an das Königshaus leisten. Madeira wurde aufgeteilt: 1440 geriet der östliche Teil mit Machico unter die Obhut von Tristão Vaz Teixeira, vier Jahre später regierte Bartholomeu Perestrelo auf der Nachbarinsel Porto Santo, und 1450 bekam João Gonçalves Zarco den Westen mit der Stadt Funchal.

    Viele tropische Früchte sind auf dem Mercado dos Lavradores in Funchal zu sehen.

    Eine wirtschaftliche Entwicklung bedeutete die radikale Ausbeutung. Die Wälder wurden niedergebrannt und Heinrich der Seefahrer ließ Zuckerrohrsetzlinge aus Sizilien und Malvasiareben aus Kreta pflanzen. Mit der Thronbesteigung von Manuel I. (1469–1521) endete die Zweiteilung Madeiras, er gliederte den Archipel in sein Königreich ein und erklärte Funchal zur alleinigen Hauptstadt. Fünf

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