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Kisame: Der Schatz des Naga
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eBook351 Seiten4 Stunden

Kisame: Der Schatz des Naga

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Über dieses E-Book

 
Reden wir über den Naga Kisame, einen Besonderen seiner Art.

Ein leidenschaftlicher Tüftler, durch seine Herkunft an Land zum Schweigen verdammt, jedoch gutherzig und lebensfroh durch und durch, trotz allem, was ihm bisher widerfahren ist.
 
Von den Seinen verstoßen und verlacht ob seines liebsten Zeitvertreibs, hat er trotz aller Widrigkeiten gefunden, wonach sich jeder sehnt: Einen Platz in der Welt.
Freunde, die ihn so akzeptieren wie er ist, ein Zuhause, welches er sich mit ihnen teilt und hat sein Hobby zum Beruf gemacht.
 
Sein Leben hat sich definitiv zum Besseren gewandt und er könnte kaum glücklicher sein.

Doch auch er ist nicht vor den Qualen der Einsamkeit und der Sehnsucht nach seiner Seelengefährtin gefeit, die ihn von Zeit zu Zeit befallen.
So fiebert er dem Tag entgegen, an welchem er sie endlich in seine Arme wird schließen können.
 
SpracheDeutsch
HerausgeberBookRix
Erscheinungsdatum20. Juli 2020
ISBN9783748750666
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    Buchvorschau

    Kisame - Loreletta Nox

    Kurzbeschreibung

    Reden wir über den Naga Kisame, einen Besonderen seiner Art.

    Ein leidenschaftlicher Tüftler, durch seine Herkunft an Land zum Schweigen verdammt, jedoch gutherzig und lebensfroh durch und durch, trotz allem, was ihm bisher widerfahren ist.

    Von den Seinen verstoßen und verlacht ob seines liebsten Zeitvertreibs, hat er trotz aller Widrigkeiten gefunden, wonach sich jeder sehnt: Einen Platz in der Welt.

    Freunde, die ihn so akzeptieren wie er ist, ein Zuhause, welches er sich mit ihnen teilt und hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

    Sein Leben hat sich definitiv zum Besseren gewandt und er könnte kaum glücklicher sein.

    Doch auch er ist nicht vor den Qualen der Einsamkeit und der Sehnsucht nach seiner Seelengefährtin gefeit, die ihn von Zeit zu Zeit befallen.

    So fiebert er dem Tag entgegen, an welchem er sie endlich in seine Arme wird schließen können.

    Prolog

    Manchmal spielt das Leben nicht so, wie man es gerne hätte. Davon können die vier Freunde Ator, Ben, Kisame und Rhiom wahrlich mehr als nur eines der sprichwörtlichen Liedchen singen. Ausgestoßen und verlacht von ihren eigenen Artgenossen, jeder von ihnen verzweifelt auf der Suche nach seinem eigenen perfekten Gegenstück.

    Sie könnten kaum unterschiedlicher sein und doch haben sie sich zusammengeschlossen und machen das Beste aus der ihnen gegebenen Situation. Und dabei mag man kaum glauben, dass es sich bei ihnen um Außenseiter ihrer eigenen Arten handeln soll, wenn man sie sieht.

    Ator, der Größte von ihnen, über zwei Meter hoch und breit wie ein Schrank, ein Drachenwandler, der sich seinen Unterhalt als Security verdient. Ein wahrer Brocken von Kerl, mit leicht gebräunter Haut, schwarzen zu einem Pferdeschwanz gebundenen Haaren und unpassend sanft wirkenden grünen Augen, der trotz seiner Masse und der unleugbaren Möglichkeit einen Arm wie ein Streichholz brechen zu lassen doch eine gewisse ruhige Selbstsicherheit ausstrahlt.

    Der Zweite in der Runde, Ben, der Wolfswandler, misst nur zwei Zentimeter weniger als sein Freund und könnte sich gerade noch so hinter dessen massigem Kreuz verstecken, was die beiden mitunter gerne ausnutzen, wenn sie gemeinsam eine Schicht belegen. Optisch hat er seinen ganz eigenen Charme. Die Haut wesentlich heller als Ators, dafür aber mit unzähligen Narben ob seines geliebten Hobbies verziert, die hellbraunen Haare kurzgehalten und der Blick der fast schwarz wirkenden Augen zeugt von einer fast schon einschüchternden Disziplin.

    Auch Rhiom, der Dritte im Bunde, ein Satyr, muss sich nicht verstecken, auch wenn er im Gegensatz zu seinen Freunden drahtiger gebaut ist. Nicht ganz so groß, aber doch ordentlich etwas hermachend, Brust, Rücken und Arme mit Tribal-Tattoos verziert. Die definitiv schwarz gefärbten Haare präsentieren sich in einem stolzen Undercut, dessen langes Haupthaar die meiste Zeit in einem eher zerzausten Pferdeschwanz gehalten wird, während braungrüne Augen vor Schalk nur so zu sprühen scheinen.

    Kisame, der Vierte und Letzte, ein Naga. Definitiv der Jüngste in der beachtlichen Runde und neben seinen drei Freunden am schmächtigsten wirkend. Über zehn Zentimeter kleiner als der Brocken und definitiv schmal genug, um sich hinter jedem der drei anderen verborgen halten zu können, aber eindeutig nicht schmächtig. Bei ihm mag man am ehesten erkennen können woher er stammt, weist er doch asiatisch anmutende Züge auf. Braune Augen blitzen freundlich in die Welt und passen gut zum chaotischen fast gänzlich weißblondierten Strubbelkopf mit der eher hellen Haut.

    Auch diese beiden haben sich zusammengeschlossen und frönen einer gemeinsamen Arbeit, um Kost und Logis bewerkstelligen zu können. Leder und Stahl hat es den beiden angetan, sodass der gemeinsame Laden – das „Slice’n’Dice" – in der Stadt für jeden etwas passendes parat hält. Mäntel, Stiefel, Klingen, Dekorationen, man bekommt bei ihnen alles – sei es nun für die einfache Wohnungsdekoration, die Küche oder gar für das geliebte Cosplay- oder LARP-Kostüm.

    Gemeinsam hat sich dieser bunte Haufen in einem eher ruhigen Gebiet in Amerika niedergelassen und sich in einem ordentlich großen Anwesen einquartiert. Unterteilt in vier Flügel und in der Mitte mit gemeinschaftlichen Räumen versehen, hat so jeder seinen Platz, um den teilweise doch sehr unterschiedlichen Gelüsten zu frönen und nachzukommen, die die eigene Art manchmal hervorkitzelt.

    Krafträume und Werkstätten sind dort ebenso zu finden, wie die individuell gestalteten Flügel, welche von eher düster anmutend bis hin zu luftig und offen einmal alles bieten, was man sich nur vorstellen kann. Und wenn doch einmal der Drang nach Freiheit zu groß wird, bietet das umliegende zum Anwesen gehörende Land samt eigenem großen See ihnen genügend Möglichkeiten sich auszutoben.

    Aber so schön es auch ist trotz der vielen Unterschiede eine Gemeinschaft zu bilden, sich zu unterstützen, miteinander zu lachen und zu leben, leidet jeder von ihnen unter dem Fehlen seines Gegenstücks. Zumindest bis der Erste von ihnen, Ator, seine sie fand. Eira, eine Fuchswandlerin, welche für reichlich Trubel in ihrer aller Leben gesorgt hat.

    Jeder von ihnen gönnt es ihm dennoch, allen voran der gutherzige, wenn auch etwas schusselige, Kisame. Aufgewachsen in einer großen Familie freut sich der Naga über jeden Zuwachs, den ihre kleine Wohngemeinschaft bekommen kann. Zugegeben, ein bisschen neidisch auf seinen entfernten Artgenossen ist er schon, aber… unverhofft kommt oft, nicht wahr?

    1

    Kisame konnte noch immer nicht fassen, wie ihm das hatte passieren können. Nicht, dass er der Inbegriff eines Pechvogels wäre, aber ihn einen Glückspilz zu nennen wäre ebenso falsch gewesen.

    Die besten Beispiele für sein eher wankelmütiges Glück waren da definitiv sein Rauswurf aus seiner eigenen Sippe, nur um kurz darauf von seinen Freunden aufgenommen zu werden. Die damals ja noch gar nicht seine Freunde gewesen waren und ihn dennoch nicht einfach zurückgelassen hatten.

    Nein, das würde er ihnen definitiv niemals vergessen! Ebenso wenig wie den Moment als es Ator erwischt hatte.

    Der sonst so abgeklärte Drache, der Patriarch des ungewöhnlichen Haufens, wie der Naga es nennen würde, hatte endlich gefunden, wonach er sich so lange gesehnt hatte: seine ihm vom Schicksal bestimmte Gefährtin.

    Aber finden hieß nicht zwangsläufig auch bekommen, wie sich nur allzu bald herausgestellt hatte.

    Eira, die Füchsin, hatte jeden einzelnen von ihnen ordentlich auf Trab gehalten. Erst, indem sie unauffindbar gewesen war, dann, indem sie keinerlei Interesse am liebestollen Drachen zeigte, als sie sie endlich aufgespürt hatten.

    Armer Ator, der da einen Korb nach dem anderen kassierte, bis er gedemütigt Reißaus nahm und seine Freunde sich selbst überließ.

    Gut, Kisame musste zugeben, dass er eventuell nicht ganz unglücklich über die freien Wochen ohne unter der drachischen Aufsicht zu stehen gewesen war. So hatte er wenigstens an einigen Gerätschaften werken können, die der sicherheitsbewusste Ator ihm sonst strikt verboten hätte.

    Trotzdem war der Naga froh gewesen als Ator mit Eira wieder nach Hause gekommen war – wenn auch nur dank des sehr gemeinen Tricks von Rhiom.

    Um die beiden zur Rückkehr zu motivieren hatte der Satyr den beiden nämlich via Telefon vorgegaukelt, dass Kisame kurz davor war das gemeinsame Anwesen bis auf die Grundmauernd niederzubrennen.

    Was war der Drache böse auf ihn, also Kisame, gewesen! Und die Füchsin erst!

    Da war der Naga ehrlich: Sie machte ihm wesentlich mehr Angst als der qualmende und böse schauende Drache. Kein Wunder also, dass er Fersengeld gegeben und mit wehenden Fahnen losgezogen war, um ihr zurückgelassenes Motorrad einzusammeln.

    Auch, wenn er erst nach drei Stunden Fahrt merkte: Er hatte keinen blassen Schimmer, wo genau er an der Grenze suchen sollte. Na, das war ja mal wieder typisch für sein Glück!

    Pflichtergeben war er dennoch weitergefahren, denn ihm blieben ja nur zwei Möglichkeiten. Entweder er fuhr an die mexikanische Grenze und suchte, bis er die Maschine fand oder er fuhr nach Hause zurück und endete als dekorativer Wandbehang – eventuell auch als Bratfisch – weil er die Herzdame des Drachen verärgerte.

    Vor allem letzteres war keine allzu ansprechende Option gewesen, weswegen er dann auch schön brav weiter in Richtung der Grenze gefahren war.

    Oder eher getuckert, da der Land Rover von der weiten Reise keineswegs angetan war. So kam es auch, wie es kommen musste: Nicht einmal nach der Hälfte des Wegs streikte der Wagen und soff ihm ab. Einziger Trost dabei: Er soff ihm an einer Tankstelle in einer Stadt ab und nicht irgendwo im Nirgendwo, sodass er noch mehrere Meilen hätte laufen müssen, um Hilfe holen zu können.

    Mit mehr Glück als Verstand konnte er dem ansässigen Mechaniker klar machen, dass er seinen Wagen gerne wieder in funktionierend haben würde. Denn Rhiom – oder Himmel bewahre! – Ben zu texten war so gar keine Option für ihn gewesen. Auf den Spott der beiden über seine missliche Lage konnte er gut und gerne verzichten, wenn es sich vermeiden ließ und das war ja dankenswerterweise möglich.

    Nachdem er sich also dabei zum Kasper gemacht hatte und an ein Motel verwiesen worden war, weil die Reparatur laut dem älteren Mann „Bisschen Zeit wird’s schon dauern" lang dauern würde, war guter Rat für den Naga teuer. Was sollte er mit dieser ungeplanten Unterbrechung anfangen?

    Außer sich langweilen erst einmal nicht viel anderes. Viel zu sehen gab es in der Stadt, wenn er sie nett als solche bezeichnen wollte, nicht. Die Tankstelle, das Motel, ein paar kleinere Läden und einige Wohnhäuser aus welchen heraus er von den ortsansässigen Bewohnern kritisch beäugt wurde.

    Schon am ersten Abend tobte er daher stumm über sein Unglück vor sich hin und raufte sich die strubbeligen Haare. Das konnten ja noch heitere Tage werden, wenn er jetzt schon angesehen wurde als würde man ihn am liebsten aufknüpfen wollen!

    Insgesamt musste er drei verdammt lange Tage warten, bis er nicht mehr von jedem so angesehen wurde als wäre er der Teufel höchstpersönlich und überhaupt die Schlechtigkeit in Person und auf zwei Beinen, die sich erdreistete in ihrer kleinen Stadt herumzuschleichen.

    Nicht, dass der Naga absichtlich geschlichen wäre. Vielmehr hielt er den Ball dezent flach, damit er nicht doch noch für irgendetwas verantwortlich gemacht wurde, woran er gar nicht beteiligt gewesen war. Er ließ sogar seine geliebten Experimente ruhen, damit niemand auf die Idee kommen konnte, dass er plante alles in die Luft zu sprengen.

    Wie froh er dann doch war, als der Mechaniker ihm eine Nachricht zukommen ließ, dass er fertig geworden sei. So schnell hatte niemand von den misstrauischen Leuten schauen können, da war Kisame zur Werkstatt gerast, hatte die Reparatur bezahlt und war davongebraust.

    Endlich aus diesem verfluchten Ort fort!

    Erst als er die Grenze zwischen Amerika und Mexiko erreichte wurde er vor ein neues Problem gestellt: Wo nur hatte die Füchsin ihr Motorrad versteckt? Und wie zum Teufel sollte er das finden?!

    Dem armen Naga blieb also nichts anderes übrig als artig an der gesamten Grenze entlang zu fahren und jeden einzelnen Quadratmeter akribisch abzusuchen.

    Das Unterfangen zog sich in die Länge, schlimmer als es ein Kaugummi hätte tun können! So viele Möglichkeiten, Grenzwachen, misstrauische Wanderer, ihm wurde seine Suche echt nicht leicht gemacht. Man konnte sich also vorstellen wie erleichtert er war als er dann doch endlich über Eiras Versteck stolperte – und das im wahrsten Sinne des Wortes!

    Ein Stolperdraht, den sie zum Schutz gespannt hatte, war die Ursache für seinen unfreiwilligen Flug, der mit einem Mund voll Staub und Dreck und einer intensiven Nahansicht eines breiten Stollenreifens endete. Gefunden! Hui, da wurden seine Augen aber gewaltig groß als er nach einer genaueren Inspektion wusste, was ihm da anvertraut worden war.

    Eine sehr hübsche Maschine, die er der Füchsin nicht zugetraut hätte. Blieb nur noch herauszufinden, wie er das Prachtstück unbeschadet zum einen aus dem Versteck zerren und zum anderen zurück nach Hause transportieren sollte.

    Mit viel Hängen, Würgen und stummem Fluchen schaffte er die gefühlt unlösbare Aufgabe und führte stumm einen Jubeltanz auf, sobald er den letzten Gurt festgezogen hatte. Der vermeintlich schwierige Teil war gelöst, jetzt blieb nur noch die direkte Heimfahrt und dann…

    Tja, aber aus einfach nach Hause fahren wurde zu Kisames Leidwesen nichts. Da er auf einer gänzlich anderen Route als vorher unterwegs war. Baustelle… Und nicht nur eine, sondern gleich vier Stück, die zu einem unübersichtlichen Chaos an Umleitungen und Staus führten. Schönen Dank auch!

    Zähneknirschend war der Naga also gezwungen den Umgehungen zu folgen – was direkt zum nächsten Problem führte. Denn in dem ganzen Wald aus Schildern, anderen Autos und Zeitdruck verfuhr er sich grandios und landete irgendwo im Nirgendwo. Gut, alles nicht so schlimm, er würde einfach zum nächstbesten Highway…

    Nicht nur der arme Drache hatte unter Fortunas Späßen zu leiden, auch der Naga bekam diese mit hämischem Gelächter zu spüren. Dieses Mal in Form eines zu qualmen anfangenden Motors als er gerade durch eine Ortschaft zuckelte, von der er sich erhoffte von dort aus wieder auf einen ihm bekannten Weg zu kommen. Pustekuchen!

    Also ein weiteres Mal zu einer Werkstatt mit einem ähnlich alten und maulfaulen Mechaniker, der ihm mitteilte, dass er den Motor zwar wieder fit bekommen könnte, es aber eine geraume Zeit dauern würde. Und der Grund für die lange Wartezeit? Das vermaledeite Ersatzteil für genau seine Karre war nicht auf Lager!

    Oh, wie gerne hätte Kisame da einmal lautstark seine Gedanken kundgetan, aber mangels Möglichkeit blieb es beim stummen Haare raufen und Grimassen ziehen. Blieb ihm nur zu hoffen, dass er dieses Mal wenigstens nicht angesehen werden würde, als wäre er der Leibhaftige und gerade eben vor aller Augen der Hölle entsprungen.

    Darauf hoffte er jedoch vergebens. Das konnte doch einfach nicht mehr wahr sein!

    Was genau dem armen Kerl bei dieser Wiederholung seiner Verteufelung aber die Haut rettete war ein großer Jahrmarkt, der für reichlich Zulauf an Fremden sorgte. Damit fiel er nicht mehr so sehr auf, wie bei seiner eigentlichen Ankunft und konnte sich auch wesentlich freier bewegen als zuvor.

    Doch noch einmal Glück gehabt… Plus, brachte ihm das zumindest für eine Weile reichlich Abwechslung in die sonst eher öde Wartezeit.

    Sobald also alles aufgebaut und der Jahrmarkt offiziell eröffnet war, strolchte der Naga über das Gelände und vertrieb sich die Zeit mit dem Betrachten der unterschiedlichen Buden. Ein paar bekannte Gesichter waren dabei, sodass er sich auch würde unterhalten können, wie er erfreut festgestellt hatte. Ja, damit ließ sich die Wartezeit definitiv überbrücken.

    Tagsüber nutzte er also seine Zeit, um sich mit Bekannten zu treffen, um sich auszutauschen und nicht mehr in seinem Zimmer zu versauern, abends wiederum genoss er die aufgebauten bunten Attraktionen, bevor er sich eine Mütze Schlaf gönnte. Soweit alles für ihn noch im normalen Rahmen.

    Denn auch das ‚Slice’n’Dice‘, der gemeinsam mit Rhiom geführte Laden für alles Mögliche (und manchmal auch Unmögliche) aus Stahl und beziehungsweise oder Leder, war mitunter auf den verschiedenen Märkten und Festen vertreten, wenn es sich einrichten ließ. Für diesen Markt war es wohl nicht möglich gewesen. Was nicht weiter verwunderlich war, da Rhiom derzeit allein herumsprang und alles managte, während er selbst eigentlich ja nach dem versteckten Motorrad suchen sollte.

    Welches er inzwischen zwar gefunden hatte und eigentlich nur noch abliefern musste. Konnte er aber erst, wenn der verdammte Wagen wieder funktionierte!

    2

    Zähneknirschend schluckte Kisame seine Verärgerung herunter und ließ sich stattdessen mit dem abendlichen Zustrom an Besuchern treiben. Spielbuden, Essstände, unterschiedliche Warenangebote, eine kleine bunte in sich geschlossene Welt, die fröhlich schillernd umherzog und Freude verbreitete, wo auch immer sie ihre Zelte aufschlug. Irgendwann fand er sich vor einem Stand wieder, dessen Auslage der seines eigenen recht ähnlich war.

    Man kannte sich untereinander, auch im Handel mit Replika und Kostümen, sodass er kein schlechtes Gewissen dabei verspürte sich die Sachen der vermeintlichen Konkurrenz anzusehen. Mitunter kamen Rhiom und er so auf neue Ideen – so wie es anderen halt auch passierte, wenn diese wiederum das Angebot des ‚Slice’n’Dice‘ betrachteten.

    Eine als elfisch angepriesen werdende Klinge fesselte für einen Moment seine Aufmerksamkeit. Sehr hübsch, aber weiter von der eigentlichen Wahrheit entfernt als die Macher wohl gehofft hatten.

    Der Schwung war nicht filigran genug, der Klinge fehlte es an den versteckten Runen, aber für ein von Menschen geschaffenes Werk doch recht hübsch, wie er mit einem schiefen Grinsen feststellte.

    Kisame spielte definitiv mit dem Gedanken die Klinge zu erstehen und sie Rhiom zu zeigen, der innigere Kontakte zu den Waldverbundenen Wesen pflegte, aber da wurde sie ihm schon vorsichtig aus den Fingern gepflückt und durch eine andere ersetzt.

    Huch?

    Sein ohnehin stummer Protest hatte allerdings keine Chance von ihm gefuchtelt zu werden, kam ihm doch eine fröhliche Stimme zuvor: „Die hier ist besser. Feinerer Schliff, ausgewogeneres Gewicht und der Griff sollte besser in deine Hand passen."

    Mit ärgerlich zusammengezogenen Augenbrauen richtete er seinen Blick in die entsprechende Richtung, um zumindest mithilfe seiner Miene seinen Unmut deutlich zu machen. Nein, Kisame mochte es nicht, wenn ihm jemand ins Handwerk pfuschte, der vermutlich nichts davon verstand. Und noch weniger mochte er es, wenn man sich an ihn anschlich.

    Aber sein Ärger verflüchtigte sich abrupt als das zur Stimme gehörende Gesicht in sein Blickfeld geriet. Kupferne Locken flammten in dem bunten Treiben als wilder Kranz und bildeten einen herrlichen Rahmen um das ihm entgegenstrahlende Gesicht.

    Und dann fiel sein Blick auf die ihn gerichteten Augen.

    Grau. Reines und unverfälschtes Grau.

    Fröhlich glitzernd und durch die bunten blinkenden Lichter des Jahrmarktes schöner funkelnd und schimmernd als alles, was er jemals gesehen hatte. Vor Leben nur so sprühend und ihn immer amüsierter betrachtend, während er nichts anderes tun konnte als mit offenem Mund zu starren.

    Dieser Moment auf dem Jahrmarkt, umzingelt von hunderten fremder Menschen und vor dem Stand der – mehr oder weniger so nennbaren – Konkurrenz würde sich auf ewig in seine Erinnerung einbrennen. Und das aus zweierlei Gründen.

    Zum einen, weil diese herrlich lebensfrohen grauen Augen zu dem stürmischen Wirbelwind gehörten, welcher sein Leben gerade vollständig auf den Kopf stellte, zum anderen, weil Kisame erst glotzte wie ein Fisch auf dem Trockenen und dann selten dämlich zu grinsen anfing. Ja, jetzt konnte er definitiv nachvollziehen wie der Drache sich fühlen musste.

    Denn wo Kisame normalerweise wenig Scheu besaß und sich mit Händen und Füßen verständlich machte, fiel ihm einfach nichts ein, um sein Starren zu beenden. Der Rotschopf nahm es jedoch offenbar mit Humor, packte sie doch einfach seine freie Hand, schüttelte diese kräftig und zog ihn dann ungefragt mit sich. „Weiter hinten gibt es noch einen Stand, den musst du dir auch unbedingt ansehen!"

    Als hätte er eine unisolierte Leitung angepackt schoss ihm bei dem beherzten Griff nach seiner Hand ein Schlag durch den Körper, sodass er mehr aus Reflex als aus freiem Willen die ihm zuvor in die Hand gedrückte Klinge gerade noch rechtzeitig zurück auf die Auslage fallen ließ. Gerade noch rechtzeitig, bevor er hinter dem rotgelockten Wirbelwind her stolperte und sich von ihr quer über den Markt schleifen ließ.

    Wie perfekt doch die warme Hand in seine kalt gewordene passte! Und wie herrlich die Berührung noch immer kribbelte und ihn weiterhin grinsen ließ. Er musste aussehen als hätte er einen Zuckerschock oder etwas Vergleichbares, wie er da artig hinter der ihm fremden Frau, von welcher er noch nicht einmal den Namen kannte, her trabte!

    Ator würde darüber vermutlich nachsichtig lächeln und den Kopf schütteln, wenn er denn momentan im Vollbesitz seiner geistigen Kapazitäten wäre. Ben würde hingegen nur abfällig brummen und Rhiom?

    Der Satyr würde johlen und pfeifen, ihm kräftig auf die Schulter klopfen und versuchen diese rotgelockte Naturgewalt später auf sich selbst aufmerksam zu machen. Denn diese entsprach eindeutig dem Geschmack seines Freundes.

    Ein Gedanke, der Kisames Grinsen zu einem säuerlichen Ausdruck umwandelte. Nein, das schmeckte dem Naga so gar nicht sich vorzustellen wie sich der Satyr diesem wundervollen Wesen vor seiner Nase nähern würde! Soweit würde er es nicht kommen lassen, das stand für ihn definitiv fest.

    Wenigstens bekam sie von seinem kurzen Brodeln nichts mit, sondern hielt erst an als sie den von ihr erwähnten Stand erreicht hatten und sie ihm stolz grinsend die ausgelegten Waren präsentieren konnte. Eindeutig von besserer Qualität als die vermeintliche Elfenklinge, da musste er ihr recht geben.

    „Hier bekommst du die besten Replika, wenn du nach schmalen Klingen suchst", sprudelte es ihm auch direkt entgegen, dicht gefolgt von mehreren hochgehalten werdenden Schaustücken, zu welchen sie auch einen schier unerschöpflichen Vortrag über die Vor- und Nachteile hielt.

    Ob sie merkte, dass Kisame ihr nicht antwortete, sondern sie einfach nur mit immer größer werdenden Augen anstarrte? Eventuell ja, hielt sie doch in ihrem Wasserfallartigen Vortrag inne sobald sie ihm eine neue Klinge präsentieren wollte. „Plappere ich wieder zu viel? Das tut mir leid, ich kann dafür nichts", wechselte sie prompt das Thema und strahlte ihm entschuldigend entgegen.

    Die auf ihre Wangen ziehende Röte, ihr entschuldigendes Lächeln, die glitzernden Augen… Wild konnte er bei diesem Anblick sein Herz hämmern und den Wunsch dieses wuselige Wesen vor allem Schlechten der Welt zu beschützen aufkommen spüren.

    Oh je,… Er würde definitiv mit Ator sprechen müssen, sobald er wieder Zuhause wäre und Eiras Maschine bei ihr abgeliefert hätte. Fühlte der Drache sich auch so innerlich zerrissen und doch irgendwie vollständig?

    Unbewusst rieb Kisame sich mit der freien Hand über die Brust und zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen. Er mochte von Natur aus zerstreut sein, aber so seltsam flatterig hatte er sich noch nie gefühlt. Und das verunsicherte ihn sichtlich.

    Von seinem inneren Kampf bekam seine Begleiterin offenbar nichts mit, ratterte diese doch bereits fröhlich wieder alle möglichen Informationen herunter, bis dem Naga die Ohren zu klingeln begannen. Woher wusste diese Frau nur so viel über solche Dinge?!

    Leicht, bedacht darauf ihr nicht wehzutun, stieß er sie daher mit dem Oberarm an und hob, als sie zu ihm blickte, fragend die Augenbraue an. Die unausgesprochene Frage nach dem Woher beantwortete sie ihm prompt und leise kichernd: „Eine sehr gute Freundin von mir ist verrückt nach diesem Zeug und schleift mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit an die verschiedenen Stände. Oh, der hier könnte ihr gefallen…"

    Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Auslage umlenkte, zerbröckelte die schiere Freude in ihm. Sie war mit einer Freundin hier?! Und wo eine Freundin war, waren die zweite, dritte und vierte vermutlich auch nicht weit entfernt! Denn so viel hatte der Naga bereits verstanden: Frauen waren meist in Gruppen unterwegs, weil Aktionen mit Freundinnen einfach mehr Spaß machten als allein.

    Er würde sie also mit sehr viel Pech teilen und im allerschlimmsten Fall davonziehen lassen müssen!

    Der Gedanke versetzte ihm einen schmerzhaften Stich. Er wollte sie nicht ziehen lassen… Viel lieber wollte er noch etwas mehr Zeit mit diesem sprudelnden Wesen

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