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7 Krimis: Böse Leute morden

7 Krimis: Böse Leute morden

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7 Krimis: Böse Leute morden

Länge:
870 Seiten
9 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 1, 2020
ISBN:
9781393484370
Format:
Buch

Beschreibung

7 Krimis: Böse Leute morden

Von Alfred Bekker, A.F.Morland, Wolf G. Rahn, Al Frederic, Bernd Teuber, Richard Hey

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

 

Bernd Teuber/Richard Hey: Die reichen und die bösen Leute

A.F.Morland: Das Killer-Girl von Boston

Alfred Bekker: Kommissar Osterhase

Wolf G. Rahn: Wer ist das nächste Opfer?

Al Frederic: Abrechung mit den Gentlemen

Alfred Bekker: Der Killer wartet

Alfred Bekker: Der Sauerland-Pate

 

Bount Reiniger verbringt seinen wohlverdienten Urlaub in Bella Italia. Dort lernt er die attraktive Amerikanerin Martina Price kennen, die in Florenz als Auslandskorrespondentin arbeitet. Ihr Bruder Glennmore war sieben Jahre zuvor wegen Bankraubs in Italien verurteilt worden und sollte am kommenden Tag entlassen werden. Dass er schon einen Tag früher rauskam, wusste sie nicht. Und sie ahnt auch nicht, dass ihr Bruder nur eins im Sinn hat: Rache zu nehmen an denjenigen, die ihn betrogen und unschuldig hinter Gitter brachten. Als ein Killer versucht, Glennmore zu töten, greift Bount Reiniger ein – damit sind die Ferien des smarten New Yorker Privatdetektivs zu Ende ...

 

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell.

Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 1, 2020
ISBN:
9781393484370
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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7 Krimis - Alfred Bekker

7 Krimis: Böse Leute morden

Von Alfred Bekker, A.F.Morland, Wolf G. Rahn, Al Frederic, Bernd Teuber, Richard Hey

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Bernd Teuber/Richard Hey: Die reichen und die bösen Leute

A.F.Morland: Das Killer-Girl von Boston

Alfred Bekker: Kommissar Osterhase

Wolf G. Rahn: Wer ist das nächste Opfer?

Al Frederic: Abrechung mit den Gentlemen

Alfred Bekker: Der Killer wartet

Alfred Bekker: Der Sauerland-Pate

Bount Reiniger verbringt seinen wohlverdienten Urlaub in Bella Italia. Dort lernt er die attraktive Amerikanerin Martina Price kennen, die in Florenz als Auslandskorrespondentin arbeitet. Ihr Bruder Glennmore war sieben Jahre zuvor wegen Bankraubs in Italien verurteilt worden und sollte am kommenden Tag entlassen werden. Dass er schon einen Tag früher rauskam, wusste sie nicht. Und sie ahnt auch nicht, dass ihr Bruder nur eins im Sinn hat: Rache zu nehmen an denjenigen, die ihn betrogen und unschuldig hinter Gitter brachten. Als ein Killer versucht, Glennmore zu töten, greift Bount Reiniger ein – damit sind die Ferien des smarten New Yorker Privatdetektivs zu Ende ...

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die reichen und die bösen Leute

Ein Katharina Ledermacher Krimi

von Bernd Teuber

nach Motiven von Richard Hey

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Die Verlobungsfeier der Tochter des Discounter-Millionärs Georg Kranich wird zum Schauplatz eines dreisten Raubüberfalls, den einer der Gäste mit dem Leben bezahlt. Kranich beauftragt Katharina Ledermacher mit der Wiederbeschaffung der Beute. Noch bevor die Privatdetektivin mit ihren Nachforschungen beginnen kann, wird ein Mordanschlag auf sie verübt.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover. Nach Motiven mit Steve Mayer, 2020

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

„Der Hauptgrund für alle Scheidungen ist und bleibt die Hochzeit" lautet ein weitverbreiteter Spruch, doch Markus Degenfelder hielt nicht viel von dieser Lebensweisheit. Im Gegenteil. Er wollte in Zukunft ein bequemes und sorgenfreies Leben führen, in dem er eine gute Partie machte, die seiner Meinung nach mehr wert war als die beste Lebensversicherung. Und er hatte keine Mühen gescheut, um dieses Ziel zu erreichen. Verholfen hatte ihm dazu sein gutes Aussehen, seine Fähigkeit, auf dem Surfbrett sämtliche Frauenherzen höher schlagen zu lassen und seine Kunst, bei einem Flirt nicht nur die Lippen der betreffenden Frau zu bekommen, sondern noch viel mehr.

Im Laufe der letzten vier Jahre hatte er einige Herzen gebrochen. Eifersuchtsdramen lösten sich in loser Reihenfolge ab. Briefe mit heißen Liebesschwüren aber voller Drohungen und Verwünschungen füllten seinen Papierkorb. Doch Degenfelder kümmerte das wenig. Zwar hatten ihm viele seiner Bekanntschaften gefallen, doch was nützte es ihm, wenn das Bankkonto ihres Vaters nicht die von ihm erträumte Fülle auswies. Lange hatte er gesucht, ausgewählt und sortiert. Vor vier Wochen hatte er sie dann endlich kennengelernt. Seine Traumfrau sah nicht nur gut aus, sie hatte auch eine siebenstellige Erbschaft im Rücken, die Degenfelder fehlte.

Er hatte sie bemerkt, als sie kümmerliche Versuche auf einem Surfbrett unternahm und dabei Unmengen Wasser schlucken musste. Bevor er ihr jedoch fachlich und seelisch zur Seite stand, hatte er sich nach ihr erkundigt und erfahren, dass es sich um die einzige Tochter des Discounter-Millionärs Georg Kranich handelte. Degenfelder war sehr überzeugt von sich und seiner Art, Frauenherzen zu gewinnen. Diese Überzeugung gab ihm die Kraft und die Geduld, die völlig unbegabte Sylvie Kranich wenigstens so weit zu bringen, dass sie mindestens zehn Minuten auf dem Surfbrett blieb, ohne mit der Ostsee Bekanntschaft zu machen.

Zwei Wochen nach ihrer ersten Begegnung pflegte sie ihn schließlich mit kindlichen Küssen zu belohnen, die jedoch unter Degenfelders Anleitung von Tag zu Tag perfekter wurden. Am Ende der dritten Woche wurde Degenfelder auf einer Party schließlich Georg Kranich, dem Discounter-Millionär, vorgestellt. Obwohl er den Strandcasanova wie einen zugelaufenen Kater behandelte, der bei der bevorstehenden Kastration entwischt war, wich Degenfelder nicht von Sylvies Seite.

Von dieser Stunde an lag sie ihrem leidgeprüften Vater ständig in den Ohren und behauptete eigensinnig, ohne Degenfelder nicht mehr leben zu können. Georg Kranich, wie die meisten Väter einziger Töchter, hatte schließlich nachgegeben und in die Verlobung der beiden eingewilligt. Dass er dabei ein ungutes Gefühl in der Magengrube verspürte, verschwieg er seiner Alleinerbin. Sylvie und Degenfelder verband unter anderem die Liebe zum Wasser, und so hatte sie es durchgesetzt, dass ihre Verlobung auf einer Luxusjacht gefeiert wurde.

Der große Tag war gekommen. Georg Kranich hatte eine Jacht gemietet, Einladungen drucken und verschicken lassen und sich dafür die zweifelhafte Ehre eingehandelt, an diesem Nachmittag achtundzwanzig gepflegte Hände schütteln zu müssen. Sylvies Wunsch war es gewesen, nach einer Küstenfahrt draußen auf See zu ankern und dort bis nach Mitternacht zu feiern. Ein Bordfeuerwerk sollte der Höhepunkt des Festes werden. Georg Kranich hatte allem zugestimmt, weil er seine Tochter glücklich machen wollte.

Bis zu diesem Zeitpunkt – es war kurz nach 22.00 Uhr – lief alles bestens. Sylvie war glücklich, Markus Degenfelder zufrieden, Georg Kranich hatte sich mit seinem zukünftigen Schwiegersohn abgefunden, und die Gäste spülten inzwischen den restlichen Alkoholvorrat herunter. Aus den an Bord verteilten Lautsprechern dudelte ununterbrochen Musik und übertönte die Gespräche und auch die Liebesschwüre, die Degenfelder seiner frisch Verlobten ins Ohr flüsterte.

Während einige der Gäste auf dem Achterdeck eng umschlungen tanzten, saßen andere auf den gepolsterten Sitzen längst der Reling. Sylvie und Markus hatten sich von den anderen zurückgezogen und sprachen über ihre Zukunft. Dabei starrten sie in die nicht vorhandenen Sterne am bedeckten Himmel und hatten keinen Blick für das, was an Bord vor sich ging. Einer der Gäste, ein zwei Zentner schwer Mann, der eher einem Schlachter als einem Kaufhausbesitzer glich, tauchte mit einem Cocktailglas, leicht schwankend an Deck auf, als er die schwarzen Gestalten entdeckte, die sich backbord über die Reling schwangen.

Oswald Plantikows Doppelkinn sank auf die weiße Fliege herab und verdeckte sie völlig, als er laut auflachte. Als er die Gestalten mit den schwarzen Gesichtern, den Taucherbrillen und Gummianzügen sah, war er davon überzeugt, dass sich der Gastgeber etwas Besonderes hatte einfallen lassen. Auch die anderen Gäste blickten überrascht und erwartungsvoll auf die vier Gestalten. Keiner an Bord dachte an etwas Böses. Während die Gäste und auch das Brautpaar annahmen, Georg Kranich warte mit einer nächtlichen Überraschung auf, liefen die Gedanken des Vaters in eine ähnliche Richtung. Er war überzeugt, dass sich einer der Gäste diesen Auftritt ausgedacht hatte. Somit kam niemand an Bord auf die Idee, irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen zu ergreife. Belustigt blickten sie auf die vier Gestalten, die sich ohne besondere Hast an Deck verteilten.

„Ein toller Einfall!, rief eine helle Stimme, die einem schwankenden jungen Mann mit roten Haaren gehörte. „Boten der Meeresgötter präsentieren das Verlobungsgeschenk!

„Neptun öffnet seine Schatzkammer!", kicherte eine angeheiterte Dame, deren Alter zwischen vierzig und sechzig lag.

Sylvie und Markus hatten ihre Turtelei unterbrochen und waren neben die anderen getreten, die auf dem Achterdeck einen Halbkreis bildeten. Von den vier unerwarteten Besuchern hatte noch keiner etwas gesagt. Sie verteilten sich an Deck und ließen ihre Hände in der Nähe ihrer wasserdichten Taschen, die an den Gürteln hingen.

„Macht‘s doch nicht so spannend!"

„Wer hat sich denn diese tolle Überraschung ausgedacht?"

„Wirklich eine originelle Idee."

Die vier Gestalten zogen die Reißverschlüsse an ihren Taschen auf. Dann glitten ihre behandschuhten Hände hinein. Plantikow platzte fast vor Neugier.

„Was habt ihr denn Schönes mitgebracht?", fragte er und ließ sein Doppelkinn auf und ab hüpfen.

Eine der Gestalten blickte den Dicken für Sekunden verächtlich an. Dann kamen die Hände der vier aus den Taschen. Doch statt der erwarteten Geschenke holten sie entsicherte Pistolen heraus, die sie blitzschnell auf die Anwesenden richteten. Die Überraschung war vollkommen, obwohl die meisten Gäste noch immer den Ernst der Situation verkannten. Einige lachten belustigt, andere wieder unsicher und gepresst. Plantikows Kinn schwappte auf und ab.

„Ein makaberer Scherz, stammelte er. „Wo soll denn da der Witz sein?

„Wirst du schon sehen!, zischte in dem Augenblick die Gestalt neben ihm. „Was ich jetzt sage, gilt für alle. Rückt Brieftaschen, Schmuck und Uhren heraus!

Für Sekunden herrschte sprachlose Stille, dann riefen alle durcheinander.

„Der Scherz geht zu weit!", kreischte die angetrunkene Frau und bedeckte mit ihrer linken Hand das funkelnde Kollier über ihrem Ausschnitt.

„Da spiele ich nicht mehr mit!", tobte Plantikow und knöpfte demonstrativ das weiße Jackett zu.

„So?", zischte die Figur neben ihm. Mit einem lautlosen Satz stand sie dicht vor dem dicken Kaufhausbesitzer, drückte ihm die Mündung der Waffe zwischen die Bauchfalten und griff mit der linken Hand in die Innenseite des Jacketts. Sie kam mit einer Brieftasche aus Krokodilleder wieder zum Vorschein, die sofort in der Gürteltasche verschwand. Plantikow keuchte vor Wut, bekam aber kein Wort über die Lippen. Erstens war die wertvolle Brieftasche ein Geschenk seiner Frau, und zweitens befanden sich darin etwa neunhundert D-Mark und die Fotos einiger Freundinnen, die niemanden etwas angingen. Nicht auszudenken, wenn diese Aufnahmen in falsche Hände gerieten.

„Deine Uhr, Dicker, und die Manschettenknöpfe!, fuhr die Gestalt ihn an. „Schnell, wenn ich bitten darf!

Plantikow gehorchte wie noch nie in seinem Leben. Er zog die teure Rolex vom Gelenk und legte sie in die ausgestreckte Hand des Räubers. Dann folgten die Manschettenknöpfe aus Platin. Mittlerweile hatte man allgemein erkannt, dass man Opfer eines dreisten Überfalls geworden war. Einer nach dem anderen kam an die Reihe, und die Beute verschwand in den wasserdichten Beuteln. Die betrunkene Frau war immer noch bemüht, das Kollier mit den Händen zu verdecken.

„Gib schon her!", wurde sie aufgefordert.

„Niemals!, schrie sie auf. „Nur über meine Leiche! Entsetzt starrte sie in das schwarze Gesicht des Gegenübers. „Niemals trenne ich mich von dem Geschenk meines verstorbenen Mannes!"

Ein Hieb mit der Waffe ließ sie aufschreien. Ein kurzer Ruck riss ihr das Kollier vom Hals und es verschwand bei der übrigen Beute. Als letzte waren Sylvie und Markus an der Reihe. Die schwarze Gestalt deutete mit dem Lauf der Waffe auf das funkelnde, mit Brillanten besetzte Platinarmband an Sylvies Handgelenk.

„Hübsches Verlobungsgeschenk von deinem Süßen, wie? Nur schade, dass er es noch nicht bezahlt hat. Nun gib schon her!"

Während Markus verlegen wurde, lieferte die junge Frau das Armband ab. Sie tat es sogar ohne Zögern, wie er wütend feststellte.

„Und jetzt deine Brieftasche", erging an ihn die Aufforderung.

Zögernd rückte Markus das dünne Lederetui heraus. Doch sie verschwand nicht wie die anderen Brieftaschen unbesehen im Gummibeutel. Der Räuber öffnete sie und zog vier Fünf-D-Mark-Scheine heraus. Beides landete auf den Planken.

„Kauf dir dafür einen Lutscher", war die verächtliche Bemerkung.

Dann riss Markus‘ Geduldsfaden. Man hatte ihn vor den Augen seiner Verlobten blamiert, ihn, das Surfer-Ass. Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er wollte sich auf die schwarze Gestalt stürzen, doch er kam nicht weit. Ein kurzer Hieb mit der Waffe gegen die Schläfe streckte ihn neben seine Bargeldbestände.

„Noch mehr solche Mätzchen, und es knallt!", knurrte der Verbrecher. Er ging rückwärts zu der Reling, wo die Jakobsleiter hing. Auf seinen Wink hin verschwand einer der drei in der Kajüte, um das Funkgerät zu zerstören. Nach wenigen Minuten kam er wieder an Decke. Während einer die Leute mit der Pistole bedrohte, verschwanden die anderen nach unten und sprangen ins Wasser.

„Noch einen schönen Abend!", rief der Letzte und wollte sich an den Abstieg machen.

In diesem Augenblick sprang einer der Gäste vor. Er schwang eine halbvolle Kognakflasche in seiner Rechten und wollte sie auf den Verbrecher schleudern. Als er jedoch die Flasche in halber Höhe hatte, blitzte es an der Waffenmündung des Maskierten auf. Die Kugel traf den Arm des Mannes. Mit einem Aufschrei ließ er die Flasche fallen. Trotzdem besaß er noch die Kraft, sich auf die schwarze Gestalt zu stürzen. Seine linke Hand fasste in die Gummihaube und verkrallte sich darin. Der Verbrecher, der bereits auf der oberen Sprosse der Jakobsleiter stand, feuerte noch einen Schuss ab. Die Kugel bohrte sich in die Brust des Mannes.

Mit einem dumpfen Aufschrei brach er zusammen. Dabei zog er die Gummihaube der nach unten wegtauchenden Gestalt ein wenig zur Seite. Fast alle Anwesenden, die dem Zwischenfall mit weit aufgerissenen Augen und angehaltenem Atem gefolgt waren, sahen für Sekunden, dass der Verbrecher lange rote Haare hatte. Die Gestalt klatschte ins Wasser und tauchte unter, während der Verletzte an der Reling lag. Georg Kranich und der Kapitän waren die ersten, die den Schock überwanden und sich um ihn kümmerten. Während sie ihn in die Kajüte trugen, spielte immer noch die Musik aus den Lautsprechern.

„Polizei! Hilfe! Polizei!", schrie plötzlich eine hysterische Stimme. Sie gehörte der Frau, der man das Kollier gestohlen hatte. Die Spannung wich von den Gästen. Flüche ertönten, Stimmen schwirrten durcheinander. Niemand dachte in diesem Augenblick an den Mann, der unten in der Kabine sein Leben aushauchte. Die meisten von ihnen beklagten lautstark den Verlust ihres Schmucks und ihrer Brieftaschen.

Markus erwachte aus seiner Bewusstlosigkeit und brauchte eine Weile, bis er begriff, was passiert war. Als erstes kapierte er, dass sich Sylvie nicht so um ihn kümmerte, wie er es für angebracht hielt. Sie warf ihm nur einen kühlen Blick zu, als er sich aufrappelte und dann nach unten in die Kajüte verschwand. Kurz darauf kam sie wieder an Decke.

„Glaser ist tot", verkündete sie tonlos.

„Wir müssen an Land, sagte Plantikow. „Wir müssen die Polizei benachrichtigen. Schließlich sind wir alle die Leidtragenden. Dabei dachte er in erster Linie an die Fotos in seiner gestohlenen Brieftasche.

Georg Kranich wirkte um Jahre gealtert, als er an Deck kam. Seine Hände zitterten, während er sich auf einen Stuhl setzte und nach einem Glas griff, das er in einem Zug leerte. Dann blickte er die Anwesenden der Reihe nach an.

„Ihr habt es doch alle gesehen, nicht wahr?, sagte er dann. „Glaser hat sein Leben für uns alle riskiert, als er versuchte, den Gangster zu ...

„Sagen wir lieber Gangsterin, erwiderte einer. „Habt ihr nicht die langen roten Haare gesehen, als er ihr die Haube abriss?

„Wer sagt denn, dass es eine Frau war?, fragte ein anderer. „Kann ebenso gut ein Mann mit roter Mähne gewesen sein.

Kranich schüttelte den Kopf. „Nein, Herbert könnte recht haben, meinte er. „Auch ich konnte deutlich sehen, dass es die Frisur einer Frau war.

„Ja, das meine ich auch, warf Sylvie ein. „Von meinem Platz aus sah ich die rechte Augenbraue der Frau, als ihre Tauchermaske etwas zur Seite rutschte. Die Braue war dunkel und scharf ausrasiert. Welcher Mann rasiert sich schon die Augenbraue aus?

Der Diesel der Jacht sprang an. Ein Zittern ging durch den Rumpf, als sie Fahrt aufnahm und auf die Küste zuhielt. Erst jetzt kam jemand auf die Idee, die Lautsprecheranlage abzuschalten. In die eintretende Stille hörten sie alle den Motor eines schnellen Bootes in der Ferne dröhnen.

„Das sind sie!", knurrte Plantikow und schüttelte drohend die Faust.

„Mir fällt noch etwas ein, sagte Sylvie nachdenklich. „Die Mörderin hat unterhalb der Schläfe ein kleines Muttermal.

„Na und? Wenn schon, erwiderte einer der Gäste. „Das dürfte der Polizei wenig helfen. Tausende laufen mit solchen Flecken im Gesicht herum. Rothaarige Frauen mit Muttermalen gibt es wie Sand am Meer.

„Ich kenne sogar eine, mischte sich der Mann mit den langen Haaren ein. „Sie heißt Christine Nielsen und wohnt im ‚Hotel zur Krone‘.

„Willst du damit sagen, dass sie es gewesen sein könnte?", wollte jemand wissen.

„Wäre das so ungewöhnlich?, mischte sich Markus ein. „Wir alle wissen, dass Christine so ziemlich auf dem Trockenen sitzt und ...

„Nur weil sie dich mal abblitzen ließ, ist sie für plötzlich verdächtig?, unterbrach ihn Sylvie. „Du weißt selbst, dass sie wegen einer Erbschaft hier ist. Stimmt das eigentlich, was die Rothaarige gesagt hat?

Markus zuckte zusammen. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst", erwiderte er.

„Das weißt du ganz genau, sagte sie scharf. „Ich möchte wissen, ob das Armband, das du mir geschenkt hast, bezahlt war!

Markus lachte gepresst auf. „Glaubst du etwa den Unsinn, den diese Mörderin erzählt hat?", gab er zurück.

„Warum weichst du mir aus?, fragte Sylvie. „Ich habe dich nicht gefragt, was es gekostet hat, sondern nur, ob es stimmt, was die Rothaarige gesagt hat.

Markus wurde verlegen, als er die Blicke sämtlicher Anwesenden auf sich gerichtet sah. „Blödsinn!, stieß er hervor. „Das hat sie nur so daher gesagt. Woher sollte sie wissen, ob ich das Armband bezahlt habe oder nicht?

Sylvie nickte. Sie spürte, das er log. „Ja, das frage ich mich auch", entgegnete sie leise und wandte sich ab.

Die Lichter des Hafens von Wismar rückten näher. Zwanzig Minuten später machte die Jacht am Pier fest. Nachdem das Schiff vertäut und die Gangway ausgelegt war, ging der Kapitän von Bord und steuerte die nächste Telefonzelle an, um die Polizei zu alarmieren.

2

Kriminalhauptkommissar Günther Hohmeister traf vierzehn Minuten nach dem Anruf im Jachthafen ein. Mit ihm kamen drei Männer der Kriminaltechnik und der Rechtsmediziner. Hohmeister hatte seine Untersuchung rasch beendet und bat alle Anwesenden, am nächsten Morgen auf der Polizeistation zu erscheinen, um das Protokoll ihrer Aussagen zu unterschreiben. Während der Tote abtransportiert wurde, unterhielt sich Hohmeister mit Georg Kranich.

„Ohne den Ermordeten könnte man annehmen, dass es sich um einen schlechten Scherz gehandelt hat", sagte er skeptisch.

Oswald Plantikow, der in der Nähe gestanden hatte, riss sein Jackett auf und zog das leere Futter der Innentaschen heraus. „Wollen Sie uns unterstellen, dass wir gelogen haben?, fragte er gereizt. „Und was ist mit meiner Brieftasche? Und meiner Uhr? Und den Manschettenknöpfen? Glauben Sie etwa, einer von uns hätte Joachim umgebracht und anschließend sämtliche Wertsachen über Bord geworfen?

Hohmeister blickte ihn gelassen an. „Sie sollten sich erst einmal beruhigen. Im Übrigen leite ich hier die Untersuchung und nicht Sie. Was Sie zu sagen haben, können Sie morgen früh zu Protokoll geben."

Plantikow wandte sich wütend ab und redete wild gestikulierend auf die anderen ein.

„Nehmen Sie ihn nicht ernst, sagte Kranich. „Er hat es mit der Galle.

Hohmeister nickte nur und blickte Sylvie an. „Sie sind also davon überzeugt, dass es sich bei dem Mörder um eine Frau handelt?"

Sylvie nickte energisch. „Ich stand neben der Leiter und konnte erkennen, dass sie ein Muttermal oder einen Leberfleck an der rechten Schläfe hatte. Zudem waren ihre Brauen scharf rasiert, was auf einen Mann wohl kaum zutreffen dürfte."

Hohmeister grinste verhalten. „Bei einer gewissen Sorte Männer schon, wandte er ein. „Aber ich schließe mich Ihrer Ansicht an. Bleibt uns also nichts anderes übrig, als das wir uns unter den Rothaarigen dieses Landes umsehen. Was halten Sie von den anderen drei Räubern? Glauben Sie, dass es Männer oder Frauen waren?

„Schwer zu sagen, meinte Sylvie. „Hätte sich Joachim nicht auf die Frau gestürzt, wüssten wir nicht einmal, dass es sich um eine Frau handelte. Jedenfalls waren sie alle so vermummt, dass man nichts erkennen konnte.

„Auch nicht an den Formen?, hakte Hohmeister nach. „Ich meine, eine Frau hat es doch ziemlich schwer, gewisse hervorstechende Merkmale zu verbergen.

Sylvie lächelte. „Das mag für einige Frauen durchaus zutreffen, erklärte sie, „aber nicht für alle. Sie haben offenbar keine Ahnung davon, was Frauen alles verbergen beziehungsweise hervorheben können. Je nach Bedarf.

„Mag sein, erwiderte Hohmeister. „Ich bin überzeugter Junggeselle. Er schwieg einen Moment, bevor er fortfuhr. „Sie konnten also nichts Auffälliges an den anderen feststellen?"

„Dazu waren wir alle zu überrascht und aufgeregt, gab Sylvie zu bedenken. „Wir haben also weder auf den Gang der Räuber geachtet, noch darauf, ob sie mit dem Hintern wackelten. Oder ist dir etwas aufgefallen, Markus? Du bist doch ein Experte! Das klang ausgesprochen bitter.

Markus wurde einer Antwort enthoben. Die Frau, der man das Kollier geraubt hatte, drängte sich dazwischen und blickte den Kommissar ernst an.

„Mir ist es egal, ob es Männer oder Frauen waren, sagte sie aufgebracht. „Ich verlange von Ihnen, dass Sie mir das Kollier so schnell wie möglich zurückbringen. Es ist das letzte Geschenk meines verstorbenen Mannes und ich ...

Auch jetzt verlor der Kommissar die Geduld nicht. Gleichmütig blickte er auf die Frau herab. „Gut, sagte er. „Wann darf ich es Ihnen vorbeibringen? Vor- oder nachmittags?

Entrüstet wandte sich die Frau ab. Hohmeister vereinbarte mit Kranich einen Termin für eine längere Aussprache und ging dann zu seinen Leuten.

3

Müde betrat Georg Kranich kurz nach Mitternacht die Hotelbar. Er hatte sich die Verlobung seiner Tochter anders vorgestellt. Nicht allein, dass sein zukünftiger Schwiegersohn eine Enttäuschung war, auch der Mord und die Ausplünderung seiner Gäste hatten ihm stark zugesetzt. Einige gaben ihm deutlich zu verstehen, dass er schnellstens für die Wiedergutmachung des Schadens sorgen solle.

Kranich war sich somit klar darüber, dass er schlimmstenfalls den Verlust aus seiner eigenen Tasche bezahlen musste. Erstens war er für diesen speziellen Fall nicht versichert, und zweitens hatte er keine Hoffnung, dass die Polizei die Täter ermitteln und ihnen die Beute abjagen würde. Obwohl er ein reicher Mann war, schmerzte ihn der Gedanke, einige Hunderttausend D-Mark Schadensersatz zahlen zu müssen.

Nachdenklich schlürfte er seinen doppelten Bourbon und blickte zu den wenigen Gästen hinüber. Dann ließ er sich vom Barkeeper das Telefon geben und wählte eine Nummer in Berlin. Es dauerte einige Minuten, bis am anderen Ende abgenommen wurde.

„Ich hoffe, Sie haben einen guten Grund, um diese Zeit hier anzurufen", sagte der Mann ärgerlich.

„Kurt? Ich bin‘s, Georg."

„Was gibt es denn so Wichtiges?"

Mit wenigen Worten erzählte Kranich, was sich vor wenigen Stunden auf der Jacht ereignet hatte.

„Ach, du lieber Himmel, sagte Kurt Sutter, als er geendet hatte. „Das ist ja eine schlimme Geschichte. Und wie kann ich dir helfen?

„Du hast mir doch erzählt, dass du vor einiger Zeit, die Hilfe einer Privatdetektivin in Anspruch genommen hast."

„Ja, stimmt."

„Ist sie gut?"

„Sie arbeitet absolut professionell, wenn du das meinst."

„So jemanden brauche ich jetzt. Kannst mir ihre Telefonnummer geben?"

„Klar, kein Problem."

Kranich bedankte sich, legte auf und bestellte noch einen Bourbon.

4

Eine Stunde später war es im Hotel still geworden. Die Gäste lagen in ihren Betten und träumten neuen, aufregenden Erlebnissen entgegen. Nur eine Person schien nichts von nächtlicher Ruhe und Entspannung zu halten. Sie huschte über die Gänge des neunten Stockwerks und verschwand dann über die Treppe nach unten. Im achten Stockwerk angekommen, huschte sie in einen der langen Gänge. Als sie das Ende erreicht hatte, verschwand sie hinter einer Glastür nach draußen auf einen Balkon, der um das gesamte Stockwerk herumführte und nur durch dünne Plastikwände unterteilt war.

Sie stellten für den nächtlichen Besucher jedoch kein Hindernis da. Geschickt und lautlos überwand er die Zwischenwände und kletterte an den dunklen Hotelfenstern entlang. Vor einer halboffenen Tür blieb die Gestalt schließlich stehen und lauschte mit angehaltenem Atem in das dahinterliegende Zimmer hinein. Obwohl das Rauschen der See bis hier heraufdrang, war das gleichmäßige Schnarchen eines Schlafenden deutlich zu hören.

Die dunkle Gestalt ließ die behandschuhte Rechte in der Tasche verschwinden, holte einen Gegenstand heraus und schlich in das dunkle Zimmer. Sie bewegte sich um die Möbel herum und erreichte schließlich den Einbauschrank. Kurz darauf trat sie den Rückzug an und verschwand auf dem gleichen Weg, den sie gekommen war.

5

Der Nachtportier des Hotels saß hinter dem breiten Empfangstresen. Er hatte sich hinter der Tageszeitung versteckt, ohne darin zu lesen. Die Zeitung diente ihm lediglich zur Tarnung. So konnte niemand sehen, dass er schlief. Im Laufe der Jahre hatte der Mann eine große Fertigkeit darin entwickelt, zu schlafen, während er die Zeitung hielt, ohne dass sie ihm aus den Händen glitt. Der pflichtvergessene Portier schlief so fest, dass er nicht die drei Männer kommen hörte, die um halb vier die Halle betraten und vor dem Tresen stehenblieben.

Der größte von ihnen schlug mit der flachen Hand auf die Klingel. Sofort raschelte die Zeitung herunter. Aus verschlafenen Augen betrachtete der Portier die Besucher. Kommissar Günther Hohmeister zog seinen Dienstausweis hervor und hielt ihm dem Mann unter die Nase.

„Polizei?", fragte der Portier verblüfft.

Hohmeister nickte.

„Kann ich etwas für Sie tun?"

„Sehen Sie nach, in welchem Zimmer Christine Nielsen wohnt", forderte Hohmeister den Portier auf.

Sofort entsann sich der Alte seinen Pflichten, den Hotelgästen jegliche Störung vom Leibe zu halten. „Können Sie nicht morgen früh noch einmal vorbeikommen?, fragte er. „Unsere Gäste schlafen und möchten nicht ...

„Ich will nicht zu allen Gästen, sondern einzig und allein zu Frau Nielsen. Wir werden wie Engel auf leisen Sohlen durch Ihre heiligen Hallen schweben, wenn Sie das beruhigt."

„Ist etwas nicht in Ordnung?"

„Das erfahren Sie gegebenenfalls aus der Zeitung, lautete die Antwort. „Welche Zimmernummer?

Der Portier blickte auf den Computermonitor. „Achter Stock, Zimmer eins-vier-drei. Aber seien Sie bitte leise."

Hohmeister nickte seinen beiden schweigsamen Begleitern zu und ging zu einem der Fahrstühle hinüber. Kurz darauf fuhren sie nach oben. Vor der Tür mit der goldenen Nummer 143 blieben sie stehen. Der Kommissar klopfte dezent mit dem Knöchel gegen das Holz und wartete eine Minute. Als sich drinnen nichts rührte, wiederholte er das Klopfen, diesmal jedoch länger und lauter. Kurz darauf ertönten drinnen leichte Schritte.

„Wer ist da?", fragte eine leise Stimme.

„Machen Sie auf, Frau Nielsen. Wir müssen mit Ihnen reden", gab der Kommissar gedämpft zurück.

„Wer ist wir?"

„Polizei."

„Polizei?" Die Tür wurde sofort geöffnet. Die drei Männer blickten auf eine junge Frau, die sich einen leichten Morgenmantel über die Schultern geworfen hatte. Ihre langen, roten Haare waren zerzaust. Kommissar Hohmeister zeigte ihr seinen Ausweis und nannte seinen Namen.

„Dürfen wir hereinkommen?", fragte er.

„Ich ... ich verstehe nicht. Mitten in der Nacht? Ist etwas passiert?"

„Darüber können wir uns ja in Ihrem Zimmer unterhalten", meinte der Kommissar.

Christine gab den Weg frei und schloss die Tür. Die kleine Lampe neben ihrem Bett brannte und tauchte den Raum in gedämpftes Licht.

„Also?", fragte sie und wischte sich eine Haarsträhne aus der Stirn.

„Zuvor eine Frage, begann Hohmeister. „Wo waren Sie zwischen zwanzig Uhr und Mitternacht?

Die Frau, deren Alter er auf Mitte zwanzig schätzte, sah ihn verwundert an.

„Was soll diese Frage? Was geht es Sie an, wo ich war?"

„Sehr viel, lautete die Antwort. „Ein Mann wurde von einer rothaarigen Frau ermordet ...

Christine machte eine unwillige Handbewegung. „Und da kommen Sie ausgerechnet zu mir? Ich hätte der Polizei mehr Taktgefühl zugetraut, als mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen, nur weil ich rote Haare habe. Suchen Sie Ihren Mörder doch sonst wo, aber nicht ausgerechnet hier."

„Entschuldigung, Frau Nielsen, sagte Hohmeister ungerührt, „aber es liegt der Verdacht nahe, dass Sie sehr genau wissen, weshalb wir ausrechnet zu Ihnen kommen. Wollen Sie uns nicht doch sagen, wo Sie bis Mitternacht waren? Wenn Sie ein Alibi haben, sind Sie entlastet und wir entschuldigen uns für die Belästigung.

Christine musterte den Kommissar, der zwar höflich, aber recht selbstsicher auftrat.

„Gut, sagte sie schließlich. „Ich will es Ihnen sagen. Bis kurz nach acht aß ich im Hotelrestaurant, danach verließ ich das Gebäude und ging spazieren.

„Bis Mitternacht?" Hohmeisters Stimme klang spöttisch.

„Nein, erwiderte Christine spitz. „Gegen zehn Uhr ging ich in den ‚Blue Owl‘- Nachtclub und sah mir die Abendvorstellung an. Genügt Ihnen das?

„Waren Sie allein? Hat Sie jemand gesehen?"

Die Frau zuckte mit den Schultern. „Was weiß ich?"

„Sie haben also kein Alibi für diese Zeit", stellte Hohmeister fest.

„Kein Bilderbuchalibi, wenn Sie das meinen, mit Zeugen und so. Nein, Kommissar, damit kann ich nicht dienen. Sie müssen mir schon glauben. Und jetzt verraten Sie mir doch einmal, wer überhaupt ermordet worden sein soll."

„Der Mann heißt Joachim Glaser und befand sich an Bord der Jacht, auf der Sylvie Kranich ihre Verlobung feierte."

Christine schüttelte verständnislos den Kopf. „Und Sie wollen im Ernst behaupten, ich sei zur Jacht geschwommen, an Bord geklettert und habe dort einen Mann erschossen? Das sind doch Hirngespinste!"

Hohmeister zuckte mit dem Schultern. „Ganz und gar nicht, erwiderte er ruhig. „Ich halte mich nur an das, was ich bisher über den Fall weiß. Und da gibt es jemanden, der Sie erkannt haben will.

„Da bin ich aber neugierig. Vielleicht verraten Sie mir seinen Namen?"

„Sie kennen Markus Degenfelder?"

„Der Wellenreiter? Das sieht diesem Nichtsnutz ähnlich. Mich anzuschwärzen, weil ich gewagt habe, ihn, den Unwiderstehlichen, vor die Tür zu setzen, als er aufdringlich wurde. Nur weil der Kerl behauptet, ich sei auf der Jacht gewesen, kommen Sie einfach mitten in der Nacht hierher und ..."

„Ich habe nicht behauptet, dass Sie die Mörderin sind, sagte Hohmeister höflich. „Ich erfülle nur meine Pflicht. Sie haben doch sicher nichts dagegen, wenn wir uns in Ihrem Zimmer ein wenig umsehen?

„Von mir aus. Aber Sie täuschen sich, wenn Sie erwarten, die Pistole bei mir zu finden."

„Tatsächlich? Woher wissen Sie denn, dass Glaser erschossen wurde?

Christine zeigte nicht die geringste Spur von Verlegenheit. „Das ist die häufigste Methode, wenn ich recht unterrichtet bin, erwiderte sie. „Oder sagen Ihre Kriminalstatistiken etwas anderes aus?

Kommissar Hohmeister schaltete die Deckenbeleuchtung ein und durchsuchte mit seinen beiden Kollegen das Zimmer. Eine Waffe fanden sie nicht, aber dafür winkte einer der Männer den Kommissar zum Wandschrank und reichte ihm einen glitzernden Gegenstand. Hohmeister warf nur einen kurzen Blick darauf, dann wandte er sich abrupt zu der Frau um.

„Und was sagen Sie dazu?, fragte er eine Spur unhöflicher. „Wollen Sie etwa behaupten, dieses Kollier sei Ihr Eigentum?

Christine starrte verwundert auf das Schmuckstück in Hohmeisters Hand.

„Das ... das habe ich noch nie gesehen, stammelte sie. „Glauben Sie mir, ich habe keine Ahnung, wie es in den Schrank kommt. Sie war blass geworden. Ihre Lippen zitterten.

„So? Hohmeister blickte sie prüfend an. „Dann will ich es Ihnen sagen: Dieses Kollier gehört zu den Schmuckstücken, die auf der Jacht gestohlen wurden. Und jetzt verraten Sie mir, wo Sie die anderen Sachen versteckt haben. Und wo befinden sich Ihre Komplizen?

„Jetzt reicht es mir aber!, schrie die Frau empört. „Erst dringen Sie in mein Zimmer ein und langweilen mich mit dämlichen Fragen und dann behaupten Sie noch, ich hätte ein Kollier gestohlen. Bei Ihnen ist wohl eine Sicherung durchgebrannt! Verschwinden Sie endlich und lassen Sie mich mit dem Mist in Ruhe!

„Okay, wir werden verschwinden, aber nur mit Ihnen. Ziehen Sie sich an. Ich habe noch einige Fragen an Sie."

„Nur unter Protest!, betonte Christine. „Und jetzt drehen Sie sich gefälligst um, während ich mich anziehe.

„Wir warten draußen vor der Tür", erwiderte Hohmeister. Er gab seinen Leuten einen Wink, ihm nach draußen zu folgen.

6

Um acht Uhr morgens klingelte in Katharina Ledermachers Wohnung das Telefon. Es läutete fünf Mal, bevor das störende Geräusch in ihr Bewusstsein drang. Verschlafen stand sie auf, ging in den Flur und nahm den Hörer ab.

„Ledermacher", meldete sie sich.

„Guten Morgen, mein Name ist Georg Kranich. Sie sind doch die Privatdetektivin, die Kurt Sutter vor einiger Zeit geholfen hat, oder?"

„Sagt er das?", erwiderte sie.

„Ja, er gab mir Ihre Nummer. Ich möchte Sie gerne engagieren."

Kranich kam sofort zur Sache. Ausführlich berichtete er von dem Überfall auf der Ostsee.

„Eine Frau als Piratin?, fragte Katharina überrascht. „Das hört man wirklich selten. Hat man einen Verdacht, wer es sein könnte?

„Einer wollte in ihr eine gewisse Christine Nielsen erkannt haben. Aber das ist natürlich Unsinn."

„Christine Nielsen?", wiederholte Katharina.

„Es handelt sich um eine Frau, die hier im Hotel wohnt", erklärte Kranich.

„Hat man denn ihr Gesicht erkannt?"

„Nein, das war in dem kurzen Augenblick gar nicht möglich."

Katharina überlegte einen Moment. „Eine interessante Geschichte, die Sie mir da erzählt haben, sagte sie dann. „Wird ein harter Brocken für die Polizei.

„Ich dachte, Sie würden mir helfen, den Fall aufzuklären, damit meine Gäste ihr Eigentum zurückbekommen. Kurt sagte, Sie seien eine der besten Privatdetektivinnen und zweifellos in der Lage, Licht in das Dunkel zu bringen."

„Sie haben eins nicht berücksichtigt, Herr Kranich: Hier handelt es sich um eine Mordermittlung. Selbst wenn ich wollte, dürfte ich mich da nicht einmischen."

„Das brauchen Sie auch nicht. Es geht lediglich darum, die gestohlenen Wertsachen wieder herbeizuschaffen. Um den Mörder soll sich die Polizei kümmern. Ich zahle Ihnen 1000 D-Mark pro Tag plus Spesen."

Dagegen war nach Katharinas Ansicht nichts einzuwenden. Und das Geld konnte sie ganz gut gebrauchen.

„In Ordnung, stimmte sie schließlich zu. „Ich mache mich gleich auf den Weg.

„Gut, ich lasse Ihnen ein Zimmer im ‚Hotel zur Krone‘ reservieren. Auf meine Kosten selbstverständlich."

„Vielen Dank."

Katharina verabschiedete sich und legte den Hörer wieder auf den Apparat. Georg Kranich schien wirklich verzweifelt zu sein, wenn er bereit war, so viel Geld auszugeben. Katharina ging ins Badezimmer, putzte sich die Zähne und duschte ausgiebig. Noch während sie sich abtrocknete, klingelte das Telefon zum zweiten Mal. Sie ging in den Flur und nahm den Hörer ab.

„Ja?"

„Ledermacher?", fragte eine Stimme, die sie nicht kannte.

„Ja, antwortete Katharina. „Wer ist da?

„Das spielt keine Rolle. Ich möchte Ihnen nur einen Rat geben."

„So? Und der wäre?"

„Lassen Sie die Finger von einer bestimmten Angelegenheit. Das ist alles."

Katharinas Müdigkeit war von einem Moment auf den anderen verflogen. Sie ahnte, worauf der Anrufer hinaus wollte.

„Werden Sie deutlicher!, forderte sie den anderen auf. „Von welcher Angelegenheit sprechen Sie überhaupt?

„Stellen Sie sich nicht dumm. Wir wissen genau, dass Georg Kranich Sie angeheuert hat."

„Und wer sagt Ihnen, dass ich mich anheuern ließ?"

„Reden Sie nicht um den heißen Brei. Ich wollte Sie nur warnen."

Katharina konnte nicht unterscheiden, ob der geheimnisvolle Anrufer männlichen oder weiblichen Geschlechts war. Fest stand nur, dass der andere ein Tuch über die Muschel gelegt hatte, um seine Stimme zu verstellen.

„Sie scheinen große Angst davor zu haben, dass ich Sie wegen Mordes ins Gefängnis bringe", forderte Katharina den Anrufer heraus.

„Es war Notwehr, lautete die prompte Antwort. „Außerdem geht es Sie einen Dreck an. Denken Sie an meine Warnung, dann geschieht Ihnen nichts.

Katharina lachte. „Danke für den Tipp, aber Sie sollten den Mund nicht zu voll nehmen."

Katharina legte auf und dachte über das Gespräch nach. Jemand schien Georg Kranich belauscht zu haben. Und dieser Jemand war mächtig beunruhigt. Weshalb hätte man sie sonst angerufen? Nervosität dieser Art ist meistens ein Zeichen von Schwäche oder Unsicherheit, dachte Katharina. Und die Tatsache, dass Kranich eine Privatdetektivin engagiert hatte, schien jemanden verdammt nervös zu machen.

7

Drei Stunden später checkte Katharina Ledermacher im ‚Hotel zur Krone‘ in Wismar ein. Während sie auf ihrem Zimmer das Gepäck verstaute, ließ sie sich die ganze Angelegenheit noch einmal durch den Kopf gehen. Wer mochte hinter dem Überfall auf die Jacht stecken? Diese Frage stand bei ihr an erster Stelle. War es eine Gruppe junger Leute, die sich auf diese Weise ihr Taschengeld aufbessern wollte?

Soviel stand für sie zumindest fest: Der Mord war nicht vorsätzlich verübt worden. Der rothaarige Todesschütze musste aus Angst vor Entdeckung die Nerven verloren und geschossen haben. Es lag also ziemlich nahe, dass er oder sie, falls es eine Rothaarige war, einem oder mehreren Gästen auf der Jacht bekannt sein musste.

Katharinas erster Besuch galt Georg Kranich. Von ihm erfuhr sie, dass eine Christine Nielsen von der Polizei festgenommen worden war, weil man in ihrem Schrank einen Teil der Beute gefunden hatte. Dieser Umstand gab ihr zu denken. Weshalb sollte die Frau unter die Räuber gegangen sein? Und wer war der anonyme Anrufer, der die Polizei informiert hatte? Wohnte diese Person im Hotel? Hatte sie nur eine günstige Gelegenheit abgewartet, um das Schmuckstück in Christine Nielsens Zimmer zu verstecken?

Von Georg Kranich erfuhr Katharina, dass die junge Frau bereits zwei Stunden später wieder ins Hotel zurückgebracht worden war. Offenbar hatte die Polizei keine stichhaltigen Beweise gegen sie aufbieten können und sie deshalb freigelassen. Katharina beschloss, ihr einen Besuch abzustatten. Sie ließ sich von Portier die Zimmernummer geben und klopfte kurz darauf an die Tür der jungen Frau. Christine Nielsen öffnete sofort.

„Ja?", fragte sie scharf.

„Mein Name ist Katharina Ledermacher. Ich bin Privatdetektivin und möchte gerne mit Ihnen sprechen."

„Wenn es um den Überfall geht, dann kommen Sie zu spät. Inzwischen hat sich nämlich herausgestellt, dass ich nichts mit dem Verbrechen zu tun habe."

„Möglich, sagte Katharina nachdenklich. „Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wer ein Interesse daran haben kann, Sie zu belasten.

„Das wüsste ich auch gerne. Mit einer Handbewegung winkte sie Katharina ins Zimmer und schloss die Tür. „Aber bis jetzt habe ich noch keine befriedigende Antwort gefunden.

„Und Markus Degenfelder?", warf Katharina ein.

„Dieser Hampelmann auf Brettern! Der ist ein paar Mal hinter mir hergelaufen und hat behauptet, ich sei die Frau fürs Leben. Daraufhin schmiss ich ihn raus. Am nächsten Morgen versuchte er es erneut. Als ich ihm dann beiläufig erklärte, keinen reichen Vater zu haben, ließ seine Begeisterung sehr schnell nach. Zwei Tage später hat er sich an Sylvie rangemacht. Aus welchem Grund können Sie sich ja wohl denken."

Katharina nickte. Nach allem, was sie bisher wusste, traute sie diesem Markus Degenfelder ohne Weiteres zu, dass für ihn das Geld des alten Kranich an erster Stelle stand.

„Glauben Sie, dass er so rachsüchtig ist, sich auf diese Weise bei Ihnen für diese Abfuhr zu bedanken?", fragte sie.

Christine zuckte mit den Schultern. „Was weiß ich? Vielleicht hat er tatsächlich eine Ähnlichkeit zwischen mir und der Mörderin festgestellt. Vielleicht tragen für ihn alle bösen rothaarigen Frauen meine Züge."

„Ich werde die anderen Zeugen fragen. Vermutlich urteilen die etwas objektiver. Haben Sie eine Erklärung dafür, wie der Unbekannte in Ihr Zimmer eindringen konnte? Hatten Sie die Tür abgeschlossen?"

„Ich schließe immer ab, wenn ich das Zimmer verlasse. Zudem hatte ich gestern Abend den Schlüssel bei mir."

Katharina überlegte. Der Überfall auf die Jacht hatte kurz nach zweiundzwanzig Uhr stattgefunden und etwa zwanzig Minuten gedauert. Wenn sie also annahm, dass die Räuber eine halbe Stunde gebraucht hatten, um an Land zu kommen, sich umzuziehen und in ihr Versteck zurückzukehren, dann war es ausgeschlossen, dass man während Christines Abwesenheit in ihr Zimmer eingedrungen war. Somit musste der oder die Unbekannte den Raum betreten haben, als Christine schlief.

„Hatten Sie abgeschlossen, als Sie zu Bett gingen?", wollte Katharina wissen.

„Ja, den Schlüssel ließ ich stecken."

Katharina deutete auf die offene Balkontür. „Stand sie offen?"

„Ich schlafe immer bei offenem Fenster. Sie glauben doch nicht etwa, dass ..."

Katharina betrat den Balkon, auf dem ein Liegestuhl und ein kleiner Tisch standen. Der Marmorboden gab nichts her. Sie beugte sich über das schmiedeeiserne Geländer dicht neben der bunten Trennwand. Auch dort konnte die Detektivin nichts feststellen. Sie versuchte es auf der anderen Seite. Ebenfalls ohne Erfolg. Dann zog sie den Tisch heran und kletterte hinauf. Katharina nickte zufrieden, als sie auf der oberen eingefassten Kante verwischte Staubspuren entdeckte, die von zwei Händen herrührten. Kein Zweifel, hier hatte sich jemand festgehalten, während er die Abtrennung außerhalb überwand.

Um ganz sicher zu sein – schließlich konnte auch der Zimmernachbar neugierig über die Trennwand geschaut haben -, musste sie sich auf den anderen Balkonen umsehen. Katharina kehrte ins Zimmer zurück und teilte Christine Nielsen ihre Vermutung mit. Dann bat sie die Frau zu warten und ging nach draußen auf den Flur. Ihre Bitten bei den benachbarten Hotelgästen, einen Blick auf den Balkon werfen zu dürfen, wurde teils mit Erstaunen, teils mit unwilligem Knurren gestattet. Niemand lässt eine Fremde gerne in ein ungemachtes Bett schauen.

Katharina überhörte die Kommentare und fand nach dem dritten Besuch ihre Vermutung bestätigt. Sie bedankte sich bei der Bewohnerin des Zimmers, lief zum Ende des Flurs und öffnete die Glastür, die zu einem langen Balkon an der Querseite des Gebäudes führte. Und sie fand die Bestätigung dafür, dass der Unbekannte von hier aus seinen Weg zu Christines Zimmer angetreten hatte. Die Bewohner der neun Zimmer dazwischen schieden somit als Verdächtige aus.

Nachdenklich kehrte Katharina ins Zimmer 143 zurück. Es war nicht ausgeschlossen, dass der Unbekannte im gleichen Haus wohnte. Ebenso gut war es möglich, dass er an dem Nachtportier vorbeigeschlichen war. Deshalb hielt es die Detektivin für notwendig, sämtliche Hotelgäste zu überprüfen.

„Ihre Unschuld dürfte feststehen, sagte Katharina. „Der Unbekannte ist über den Balkon gekommen, während Sie schliefen.

Christine atmete erleichtert auf. „Danke", erwiderte sie.

„Keine Ursache. Darf ich fragen, was Sie hier in Wismar machen?"

„Natürlich dürfen Sie. Ich bin wegen einer Erbschaftsangelegenheit hier. Eine Tante ist gestorben und hat mir etwas Geld hinterlassen. Sobald die Formalitäten erledigt sind, fahre ich wieder nach Hause."

„Wo wohnen Sie?"

„In Odenthal. Kennen Sie bestimmt nicht. Ist ein kleiner Ort in der Nähe von Köln."

8

Kommissar Günther Hohmeister war gerade damit beschäftigt, die Aussagen der Partygäste durchzulesen, als er darüber informiert wurde, dass eine gewisse Katharina Ledermacher gerne mit ihm sprechen würde. Hohmeister bat sie in sein Büro. Mit skeptischen Blicken musterte er die Besucherin.

„Der alte Kranich hat Sie angeheuert?"

„Ja", bestätigte Katharina.

„Dann lassen Sie sich eins gesagt sein: Ich schätze es nicht, wenn sich Privatpersonen in meine Ermittlungen einmischen. Da kann ich verdammt unangenehm werden."

„Ich möchte Ihnen lediglich behilflich sein."

Hohmeister winkte ab. „Kein Bedarf."

„Mir geht es nur um die Wiederbeschaffung des gestohlenen Schmucks. Die Jagd nach dem Mörder überlasse ich der Polizei."

„Das ist ja sehr nett von Ihnen, erwiderte Hohmeister scharf. „Aber ich beginne allmählich daran zu zweifeln, dass sich der Überfall tatsächlich so abgespielt hat, wie die Leute behaupten.

„Wie meinen Sie das?"

„Ich bin der Ansicht, dass die Gäste den Überfall nur erfunden haben, um den Mord zu vertuschen. Vermutlich ist ein Streit ausgebrochen in dessen Verlauf Joachim Glaser getötet wurde. Um einen Skandal zu vermeiden, hat man sich die Geschichte mit den Räubern ausgedacht."

Katharina schüttelte den Kopf. „Bei einer kleineren Gesellschaft wäre das möglich, aber fünfundzwanzig Personen unter einen Hut zu bringen, ohne dass der eine oder andere querschießt, halte ich für ausgeschlossen."

Doch Hohmeister verteidigte seine Theorie. „Die Mehrzahl der Gäste wohnt im ‚Hotel zur Krone‘, nicht wahr? Um die Geschichte noch glaubhafter zu machen, ist einer von ihnen in das Zimmer von Frau Christine Nielsen geschlichen, hat das Kollier dort versteckt und dann anonym die Polizei benachrichtigt."

Er machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr.

„Um auf die Gäste zurückzukommen: Angenommen, es gab einen Streit, in dessen Verlauf Joachim Glaser erschossen wurde. Sämtliche Personen waren Zeuge, und ein großer Teil von ihnen hat also ein schlechtes Gewissen, von dem Mörder ganz abgesehen. Um nicht vor Gericht gestellt zu werden, haben sie sich diese Geschichte ausgedacht. Diese reichen Leute halten doch zusammen wie Pech und Schwefel."

Katharina war anderer Ansicht. Sie kannte sich mit Menschen aus und war davon überzeugt, dass Georg Kranich ihr die Wahrheit gesagt hatte, als er sie bat, den Auftrag zu übernehmen. Wäre der ganze Überfall nur fingiert, dann hätte sich der Millionär nicht zu bemühen brauchen. Und dann war da noch der anonyme Anrufer, der sie aufforderte, die Finger von der Sache zu lassen. Wozu der ganze Aufwand? Ein Verbrecher, selbst ein kleiner Mitwisser, macht unter keinen Umständen auf sich aufmerksam, wenn es sich vermeiden lässt.

„Ich bin anderer Ansicht, sagte Katharina ganz offen. „Ich bin davon überzeugt, dass der Überfall in der Form stattgefunden hat, wie er von den Gästen geschildert wurde. Die Räuber waren bestens informiert und wussten genau, dass sie reiche Beute machen würden. Die Maskerade lässt außerdem darauf schließen, dass sie einigen der Gäste bekannt waren und mit allen Mitteln verhindern mussten, erkannt zu werden. Haben Sie eine Aufstellung der gestohlenen Sachen?

Hohmeister nickte ärgerlich. „Sie ist noch nicht ganz komplett, knurrte er. „Die angebliche Verlustrechnung beläuft bis jetzt auf rund dreihunderttausend D-Mark in Bargeld und Schmuck.

Katharina lächelte. Der Kommissar hatte sich da in eine Theorie verrannt, die zwar viel Fantasie verriet, aber jeder realen Grundlage entbehrte.

„Offenbar haben Sie sich eine genaue Beschreibung der Schmuckstücke geben lassen und werden sie an Juweliere und Pfandleiher weiterleiten, nicht wahr?"

„Allerdings werde ich das, entgegnete Hohmeister. „Solange ich keine gegensätzlichen Beweise habe, muss ich mich in dieser Richtung absichern.

„Also haben Sie doch noch Zweifel, wie?, fragte Katharina. „Ihr Unterbewusstsein arbeitet wenigstens noch mit.

„Wenn Sie so schlau sind, dann sagen Sie mir doch, wo ich in diesem vertrackten Fall anfangen soll, wenn nicht bei den Leuten auf der Jacht? Es gibt nicht die geringsten brauchbaren Hinweise auf die Räuber."

„Die Leute von der Spurensicherung haben also nichts entdeckt?"

„Nein. Sie konnten nur die Fingerabdrücke der Leute an Bord sichern. Die Räuber trugen ja angeblich Gummihandschuhe."

„Und was hat die Obduktion von Joachim Glaser ergeben?"

„Tod durch Herzschuss, erklärte Hohmeister. „Die Kugel stammte aus einer 9-mm-Pistole.

„Und wer von den Gästen besitzt eine Waffe?"

„Auch das habe ich bereits festgestellt, gab Hohmeister bereitwillig Auskunft. „Fritz Wöllner, Georg Kranich und ein Herr Lupold besitzen eine Waffe. Aber ersten haben sie die Pistolen nicht mit in den Urlaub genommen und zweitens sind es andere Modelle. Ich habe die Angaben bereits nachgeprüft.

Katharina verabschiedete sich von Kommissar Hohmeister. Als sie die Tür öffnete und auf den Gang hinaustrat, stieß sie beinahe mit einem jungen Mann zusammen, der aufgeregt in das Büro stürmte.

„Wir haben etwas gefunden", sagte er hastig. In seiner Hand hielt er einen Plastikbeutel.

„Bringt es uns irgendwie weiter?", wollte der Kommissar wissen.

Der junge Mann schloss die Tür hinter sich. Katharina konnte seine Antwort nur sehr undeutlich verstehen. Sie sah sich kurz um und legte dann ihr Ohr an die Tür.

„Ein Haar?", hörte sie Hohmeister fragen.

„Ein rotes Haar", verbesserte der junge Mann.

„Und woher stammt es?", wollte der Kommissar wissen.

„Der Rechtsmediziner fand es unter den Fingernägeln von Joachim Glaser. Als er der Mörderin die Haube vom Kopf riss, muss er das Haar erwischt haben."

„Was beweist das schon?, fragte Hohmeister. „Glaser kann sich ebenso gut auf der Brust gekratzt haben, wobei ihm das Haar unter den Nagel rutschte.

„Glaser war dunkelblond", wandte der andere ein.

„Na, wenn schon. Wird er halt mal eine Rothaarige gekrault haben."

„Auch das halte ich für zweifelhaft. Die Frau, mit der sich Glaser an Bord ausschließlich befasst hat, ist dunkelhaarig. Und bevor er zur Party ging, ließ er sich von der Hotelfriseuse die Finger maniküren. Und diese Frau ist ebenfalls dunkelhaarig."

„Na schön, gab Hohmeister zu. „Dann schick das Haar ins Labor und lass es untersuchen. Ich glaube zwar nicht, dass es uns weiterbringt, aber wir sollten nichts unversucht lassen, um die Täter ausfindig zu machen.

Auf der gegenüberliegenden Seite wurde eine Tür geöffnet. Ein glatzköpfiger Mann trat auf den Gang hinaus. Missbilligend blickte er Katharina an. Die Detektivin zuckte mit den Schultern, wandte sich ab und ging davon. Der Mann starrte ihr noch eine Weile hinterher, dann marschierte er in die entgegengesetzte Richtung. Katharina verließ das Gebäude, stieg in ihren VW-Golf, der auf dem Besucherparkplatz stand, und startete den Motor. Während sie sich in den fließenden Verkehr einfädelte, dachte sie immer wieder über das rote Haar nach, dass man an Glasers Leiche gefunden hatte. Deshalb bemerkte sie auch nicht die Frau im schwarzen Porsche, die auf der anderen Straßenseite parkte und mithilfe des Außenspiegels ihre Lippen nachzog.

Die Frau wartete, bis Katharina außer Sichtweite war, dann startete sie ebenfalls den Motor und fuhr mit hoher Geschwindigkeit in die entgegengesetzte Richtung. Die Fahrt endete auf einem Privatgrundstück, das von einem Maschendrahtzaun eingefasst wurde. Über dem Eingang hing ein buntes Schild mit der Aufschrift: „Jachtclub, Wismar". Die Frau stellte ihren Porsche auf dem Parkplatz ab, stieg aus und ging auf das flache Gebäude zu, in dem die Klubräume untergebracht waren.

Während sie die kleine Bar betrat, zündete sie sich eine Zigarette an und nickte dem jungen Mann hinter dem Tresen flüchtig zu. Dann ging sie auf die Tür mit der Aufschrift: „Nur für Clubmitglieder" zu und verschwand dahinter. Bis auf eine Frau von etwa achtunddreißig Jahren war der Raum leer. Sie war schlank, hatte blonde Haare und grüne Augen. Gleichgültig sah sie der Rothaarigen entgegen. Auch als sich die Frau aus dem Porsche an ihren Tisch setzte, zeigte ihr Gesicht keine Gefühlsregung.

„Nun?", fragte sie und nippte lässig an einem Longdrink, der aus Gin, Soda und einigen Eiswürfeln bestand.

Die Rothaarige zog noch einmal nervös an ihrer Zigarette und drückte sie dann im Aschenbecher aus. „Unsere Warnung scheint sie nicht zu stören", antwortete sie leise.

„Ich habe es fast erwartet. Erzähl weiter, Anita."

Die Rothaarige zündete sich eine frische Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. „Von dem Moment an, als sie das Hotel verließ, bin ich ihr gefolgt."

„Hat sie dich bemerkt?"

„Bestimmt nicht", erwiderte Anita Düwel. „Aber sie kann uns eine Menge Schwierigkeiten machen. Sie hat Kranichs Auftrag angenommen.

Die Rothaarige nickte gleichgültig. „Na und?"

„Sie fuhr zur Polizei und blieb dort etwa fünfzehn Minuten. Als sie das Gebäude verließ, machte sie ein zufriedenes Gesicht."

Marlene Herold nahm einen Schluck aus ihrem Glas und ließ sich eine Zigarette geben. „Das hat bestimmt nichts zu bedeuten."

„Wenn du meinst, entgegnete Anita. „Trotzdem hätte das alles nicht passieren dürfen.

Marlene machte eine wegwerfende Handbewegung. „Warum musste dieser Idiot auch den Helden spielen? Eine andere Möglichkeit hatte ... Das Eintreten des Barkeepers ließ sie verstummen. Dann warf sie ihm ein süßliches Lächeln zu. „Du kommst gerade richtig. Bring mir noch einen Drink. Diesmal einen doppelten Kognak. Handwarm, wenn ich bitten darf.

Der junge Mann nickte. „Da ist noch etwas. Herr Klingenberg lässt fragen, ob Sie das Boot heute noch brauchen?"

Marlene schüttelte den Kopf. „Nein, heute nicht, Tommy. Ich sage ihm rechtzeitig Bescheid, wenn ich es wieder brauche."

Der Barkeeper verschwand und brachte gleich

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