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Hartes Spiel für harte Männer: Wildwestroman Sammelband 5 Western
Hartes Spiel für harte Männer: Wildwestroman Sammelband 5 Western
Hartes Spiel für harte Männer: Wildwestroman Sammelband 5 Western
eBook725 Seiten9 Stunden

Hartes Spiel für harte Männer: Wildwestroman Sammelband 5 Western

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Über dieses E-Book

Hartes Spiel für harte Männer: Wildwestroman Sammelband 5 Western

Alfred Bekker, Thomas West, Larry Lash, Horst Friedrichs, John F.Beck

Dieses Buch enthält folgende Western:


 

John F. Beck: Matthew Dunlop auf dem Treck zur Hölle

Larry Lash: Das harte Spiel

Horst Friedrichs: Die Geisel der Banditen

Horst Friedrichs: Im Auftrag der Pinkertons

Alfred Bekker/Thomas West: Graingers Weg

El Bozo - ein gefährlicher Outlaw und Killer treibt sein Unwesen am Rio Grande.

Pinkerton-Detektiv Siringo ist ihm dicht auf den Fersen. Doch Siringo hat nicht mit den Einwohnern von Dolores gerechnet, die Hand in Hand arbeiten, damit ihre Machenschaften verborgen bleiben!

Wird es Siringo gelingen, den Mörder seines Freundes zu stellen und gleichzeitig die schöne Franca aus seinen Fängen zu befreien?

SpracheDeutsch
HerausgeberAlfred Bekker
Erscheinungsdatum25. Aug. 2020
ISBN9781393284017
Hartes Spiel für harte Männer: Wildwestroman Sammelband 5 Western
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Autor

Alfred Bekker

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.

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    Buchvorschau

    Hartes Spiel für harte Männer - Alfred Bekker

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author/ COVER FIRUZ ASKIN

    © dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Folge auf Twitter

    https://twitter.com/BekkerAlfred

    Zum Blog des Verlags geht es hier

    https://cassiopeia.press

    Alles rund um Belletristik!

    Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe! 

    Matthew Dunlop auf dem Treck zur Hölle

    Western von John F. Beck

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 132 Taschenbuchseiten.

    ,Colders's Store' wird überfallen. Die Banditen schießen sich den Weg frei, aber Marshal

    Dunlop hat das Gesicht des Mannes gesehen, der auf ihn geschossen hat. Schon bald meldet sich ein Zeuge, der Dunlop nicht nur den Namen des Mannes sagt, sondern auch noch wo er zu finden ist. Der Marshal mag Stratmore nicht, aber er kann die Aussage auch nicht so einfach abtun. Also reitet er zu dem angegebenen Treck. Tatsächlich findet er dort den jungen Mann der auf ihn geschossen hat. Auch der zweite Bandit scheint zum Treck zu gehören, doch vorerst kann Dunlop ihm noch nichts nachweisen.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    1

    Der Sturm raste über die Prärie. Er peitschte den Regen fast waagrecht durch die Straßen von Dodge City. Zwei Reiter — Schemen aus dem Nichts — lenkten ihre Pferde die Front Street hinab. Zusammengesunken hockten sie in den Sätteln. Sturzbäche flossen über die Ölhautumhänge, unter denen sie die schussbereiten Colts umklammerten.

    An der Ecke zur First Avenue bogen sie ab. Lichtschein fiel da und dort aus den Ritzen geschlossener Läden. Einer der beiden Männer wies auf ein vom Sturm geschütteltes, an einer Kette hängendes Holzschild. Vor dem schmalen schmucklosen Gebäude saßen sie ab. Der Sturm zerrte an ihren Mänteln, an den Mähnen und Schweifen ihrer Gäule. Sie schlangen die Zügel um die Vordachpfosten. Eine wahre Sintflut ergoss sich auf die ,Königin der Rinderstädte’. Der Sturm verschluckte das Knarren der ausgetretenen Stufen.

    ,Colders’s Store’ stand auf der Tür. Der Sturm riss sie dem Größeren der beiden fast aus der Hand. Ein Regenschwall begleitete die Männer in den mit Regalen vollgepropften Raum. Die Petroleumlampe an der Decke verbreitete schummriges Licht.

    Colder, der glatzköpfige Storebesitzer, blickte überrascht von der Zeitung auf, die er auf der Ladentheke aufgeblättert hatte. Neugierig rückte er an seiner Brille. Die Ankömmlinge hatten offenbar Mühe, die Tür zu schließen. Breitkrempige Stetsons und hochgestellte Mantelkrägen ließen von ihren Gesichtern noch nichts erkennen. Colder lachte krächzend.

    „Du liebe Zeit! Wo kommt ihr denn bei diesem Mistwetter her. Leute? Direkt aus der Hölle, was?"

    „Du sagst es!"

    Colder verschluckte sich und hustete, als er die plötzlich auf sich gerichteten Colts sah. Die Fremden hatten die Köpfe gehoben. Nasse, dunkle Tücher verdeckten ihre Gesichter bis zu den kalt und entschlossen funkelnden Augen. Der Mittelgroße, unter dessen Hut ein Büschel blonder Haare hervorlugte, blieb bei der Tür. Der große Sehnige kam drohend auf die Theke zu. Bei jedem Schritt blieb eine Wasserlache auf dem Boden.

    Steif erhob Colder sich von seinem Hocker. Alle Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. „Das soll wohl ein Witz sein, Leute! Was ..."

    „Pass auf, dass du dich nicht totlachst, Freund. Nicht, bevor wir deine Moneten haben! Her damit!"

    Colder schluckte. Gebannt starrte er auf das schwarze Loch der immer näherkommenden Coltmündung. „Aber ... das ist doch verrückt! Wegen der lumpigen achtzig Bucks in meiner Kasse! Mister, um Himmels willen, hier ist Colder’s Store, nicht die Kansas Catlle Bank oder ..."

    „Ich hab’ gesagt, her damit! Ein bisschen fix, du Vogelscheuche, sonst geht meine Kanone los!"

    Colders Hände verschwanden zitternd unter dem Ladenpult. Sofort hielt ihm der Sehnige die Coltmündung vors Gesicht. „Lass dir bloß keinen Blödsinn einfallen!"

    Der magere Storekeeper schwitzte, als er die Blechkassette vor den Mann hinstellte. Ein gieriges Aufleuchten war in den Augen des Maskierten. Rasch kippte er die Kassette einfach um. Geldscheine und Münzen rutschten über die Theke.

    „Wieviel?", rief der bei der Tür mit heiserer, vom vorgebundenen Tuch gedämpfter Stimme.

    „Dreiundachtzig Dollar fünfundzwanzig Cent", verkündete Colder kleinlaut. Die Brauen des Sehnigen zogen sich zusammen, während er auf das Geld starrte. Dann ruckte sein Kopf. Ein unheilvolles Glühen war in seinen Augen.

    „Willst du uns auf den Arm nehmen, Vogelscheuche?", fragte er gefährlich ruhig.

    Ächzend breitete Colder die Hände aus. „Das ist alles, was ich habe!"

    „Du lügst, du Drecksack! Du hast ’ne Menge mehr von dem Zeug. Mindestens viertausend. Du siehst, wir wissen Bescheid."

    „Aber nein!, keuchte der Storekeeper erschrocken. „Wie kommt ihr denn darauf? Ich bring’ meine Einnahmen jeden Abend zur Bank und ...

    „Du hast eine Minute, Vogelscheuche!, unterbrach ihn der Bandit hart. „Wenn ich dann den Zaster nicht sehe, bist du dran! Glaube mir, ich bluffe nicht!

    Der Metallhammer knackte unter seinem Daumen. Colder zuckte zusammen. Er zitterte. „Mister, ich schwöre Ihnen, ich habe das Geld nicht!"

    „Eine Minute, und die Zeit läuft!"

    Der Klang dieser Stimme drückte Colder die Kehle zu. Eine Stimme ohne Mitleid, ohne Gefühl. Colder hörte den Sturm nicht mehr. Der Tod starrte ihn aus den eisig funkelnden Augen des Maskierten an. Der Gedanke an das nahe Ende wäre ihm vor fünf Minuten noch völlig absurd erschienen. Er rang die Hände.

    „Nehmen Sie alles, was Sie wollen. Mister! Stellen Sie das ganze Haus auf den Kopf. Sie finden hier keinen Penny mehr."

    „Du bist ein Geizhals, Colder. Du traust nicht mal dir selber, geschweige denn einer Bank. Das Geld ist hier. Wo, Colder? Du hast nur noch ’ne halbe Minute, Mann!"

    „Jesus im Himmel, steh mir bei!, stöhnte der Ladenbesitzer. „Ich hab’ das Geld nicht, ich hab’s nicht!

    „Drecksack!", schimpfte der Kerl mit der Tuchmaske. Der zuckende Coltlauf traf Colder quer über die Stirn.

    Colders Brille splitterte. Schreiend brach er hinter der Theke zusammen. Niemand in Dodge City hörte den Schrei. Der Sturm tobte um die Ecken. Regen trommelte heftig an die Fensterläden.

    „Lass uns verschwinden!, rief der bei der Tür. „Verdammt, er hat die Viertausend wirklich nicht! Der Tipp war falsch! Stratmore hat uns ’reingelegt!

    „Keinen Namen, verdammt!", zischte der Sehnige. Sein Colt zielte wieder auf das zerknitterte aschfahle Gesicht des Storekeepers, das sich über die Theke hob.

    Ein blutiger Riss klaffte über Colders rechtem Auge. Todesangst verzerrte sein Gesicht. Die Stimme des Sehnigen war jetzt heiser vor mühsam unterdrückter Wut.

    „Zum letzten Mal, Vogelscheuche: Willst du wirklich mit deinem Leben für die viertausend Bucks bezahlen?"

    Stöhnend zog sich Colder mit einer Hand an der Ladentheke hoch. In der anderen hielt er plötzlich den schweren kurzläufigen Wells Fargo Colt, den er in dem Fach neben der Geldkassette aufbewahrte. Er hatte die Waffe noch niemals benutzt. Nun wollte er sich zur Seite schleudern, den Sechsschüsser hochschwingen, abdrücken — zum ersten Mal auf einen Menschen schießen.

    Der Sehnige ließ ihm keine Chance. Der Lauf von Colders Waffe kam nicht einmal über die Thekenplatte. Das Mündungsfeuer des Banditen brannte ein Loch in Colders Hemd, knapp über seinem Herzen. Die Wucht des Geschosses stieß den Storekeeper gegen das Regal hinter ihm. Eine Sekunde lehnte er dort mit nach vorn gekrümmten Schultern, die Augen aufgerissen. Dann stürzte er über seinen zu Boden polternden Colt.

    Eine weitere Sekunde verstrich, ehe der Verbrecher herumfuhr. Die Augen seines blonden Kumpans waren entsetzt geweitet. „Starr mich nicht so an!, schrie der Sehnige. „Was hätte ich tun sollen? Dieser verdammte Narr wollte es so! Los, zum Teufel, weg hier!

    Er raffte eine Handvoll Münzen und Geldscheine an sich, ehe er zur Tür rannte. Eine Regenwand schob sich ihnen entgegen. Ihre Mäntel flatterten. Sie mussten sich einstemmen, um nicht umgeworfen zu werden. Die offene Storetüre schlug heftig hin und her. Im herausflutenden Lampenschein glitzerte das Wasser auf dem Fell ihrer Pferde.

    Als sie in die Sättel sprangen, bewegte sich ein Schatten auf der anderen Straßenseite. Ein Blitz glühte fahl hinter den dichten Regenschwaden. Der Sturm dämpfte den Knall des Schusses.

    „Überfall! Lasst sie nicht entkommen!", brüllte eine heisere Stimme.

    „Stratmore, du verdammtes Schwein!"

    Die Waffen der beiden Banditen blitzten. Schießend warfen sie ihre Gäule herum, stießen ihnen die Absätze gegen die Flanken. Der Sturm traf sie jetzt von vorn. Der bisher vom Kinnriemen festgehaltene Stetson des Blonden flog nach hinten. Seine Tuchmaske rutschte herab. Panik zerwühlte das junge bleiche Gesicht. Tief auf die Pferdehälse geduckt, preschten sie zur regenverhüllten Front Street.

    2

    Rufus Holden hatte zwar den Schlaf eines Murmeltiers, aber auch die Ohren eines Luchses. Als Matthew Dunlop auf Zehenspitzen seinen Schreibtisch umrundete und neben der Holzbank stehenblieb, auf der es sich sein kauziger Deputy bequem gemacht hatte, stockten die gleichmäßigen Atemzüge. Die Galgenvogelvisagen auf den Steckbriefen, mit denen die Officewand tapeziert war, schienen auf Dunlops ,rechte Hand’ herabzugrinsen.

    „Weck mich nicht auf, Matthew, kam Rufus' Stimme unter dem Prachtstück von Hut hervor, der sein bartumwuchertes Gesicht verdeckte. „Ich träume gerade so schön, dass es draußen stürmt und wettert, während ich hier gemütlich im Trockenen liege und träume, dass es ...

    „... draußen stürmt und wettert!, brummte der Marshal von Dodge City grinsend. „Okay, Rufus, trotzdem ist es jetzt Zeit für deine erste Abendrunde.

    Gähnend nahm Holden den Hut vom Gesicht und setzte sich auf. „Das ist doch nicht dein Ernst, Matthew! Bei dem Wetter jagt man keinen Hund 'raus, nicht bei diesem Wetter, erst recht nicht eine Amtsperson. Er lauschte betroffen. Seine Augen wurden kugelrund. „Himmel, das tobt ja wie der reinste Dings, äh, oder Torfun, dieser Wirbelsturm, du weißt schon, was ich meine. Hm, Matthew, solltest du nicht mal nachsehen, ob Bettys Saloon noch steht?

    „Gewiss, aber erst, wenn du zurück bist und ich den Bericht über die Viehdiebe fertig habe, die wir neulich festgenommen haben. Du kannst ja schon mal auf einen Brandy vor mir 'reinschauen. Aber nur auf einen!"

    „Wenn du meinst, Boss."

    Ächzend stemmte sich Rufus hoch und stülpte den Stetson auf den Kopf. Er wollte gerade wieder eine seiner Bemerkungen loslassen, mit denen er Matthew auf die Nerven zu fallen pflegte, als sie die Schüsse hörten. Im Brausen des Sturms hörte es sich an, als würden Äxte gegen eine morsche Bretterwand geschmettert.

    „Schätze, Matthew, dein Bericht und mein Brandy werden ’ne Weile warten müssen!", krächzte der Deputy nach einem tiefen Atemzug. Er ließ seinen Wettermantel am Nagel hängen. Wie der Blitz war er bei der Tür. Matthew sauste ebenfalls los, wie er war.

    Im ersten Moment nahm ihnen die Wucht des Sturms den Atem. Eine Wasserwand schien auf sie niederzustürzen. Krampfhaft hielt Rufus seinen Hut fest.

    „First Avenue!", schrie Dunlop ihm zu. Ihre Stiefel hämmerten auf den nassen Gehsteigplanken.

    Von irgendwo aus den grauen Schwaden, die die Stadt einhüllten, kamen aufgeregte Stimmen. „Colder’s Store ...", schnappte Matthew Dunlop den Fetzen eines Rufs auf.

    Im nächsten Moment sah er die Reiter. Fünfzehn Schritte vor ihnen tauchten sie mit flatternden Mänteln wie Gespenster aus dem Regenschleier auf. Dreck spritzte unter den wirbelnden Hufen. Revolverläufe schimmerten über den nassen Mähnen. Die Kerle jagten heran, als wollten sie jedes Hindernis niederwalzen.

    Matthew feuerte einen Warnschuss über ihre Köpfe.

    „Halt!", brüllte er.

    Da waren sie fast schon auf gleicher Höhe. Der Marshal konnte sich gerade noch niederwerfen. Mündungsfeuer stachen auf ihn zu.

    Matthew schlug schwer auf die nassen Bohlen. Kugeln klatschten in die Hauswand neben ihm. Irgendwo schrie eine Frau. Der Regen peitschte sein Gesicht, als er sich auf die Seite wälzte, den 45er hochstieß und auf die wie Schemen vorbeiwischenden Reiter schoss.

    Das Blei schlitzte die Tuchmaske des Vorausjagenden an der linken Wange auf. Ein Streifschuss, der den Halunken vielleicht von jetzt an für alle Zeiten zeichnen würde. Für einen Augenblick erkannte der Marshal noch das blonde Haar und das regennasse junge Gesicht des anderen. Dann hatte der herabstürzende Wolkenbruch die fliehenden Banditen verschluckt.

    Dunlop sprang auf. Heftige Atemzüge hoben und senkten seine Brust. Er spürte die Nässe nicht, die seine Kleidung durchdrang. „Rufus!", schrie er besorgt

    Die schlammbespritzte krummbeinige Gestalt seines Deputys schob sich neben ihn. Mit dem Ärmel verwischte Rufus den Dreck auf seinem Hut noch mehr, anstatt dass er ihn sauber bekam.

    „Keinen Anstand, diese Burschen!, schimpfte er erbost. „Sich so ein Sauwetter auszusuchen! Wenn ich der Richter wäre, vor dem die Kerle über kurz oder lang landen ...

    Matthew Dunlop war schon ein Dutzend Schritte entfernt, als Holden merkte, dass er allein im strömenden Regen stand. Männer hasteten zur Einmündung der First Avenue. Matthew war der erste in Colder’s Store.

    Die Tür stand noch offen. Die Petroleumlampe an der Decke blakte. Der Ladenbesitzer lag in einer Blutlache vor dem hintersten Wandregal.

    Er lebte noch, als Dunlop bei ihm nieder kniete. Aber der Marshal erkannte die Schatten des Todes auf Colders grauem Gesicht. Er biss die Zähne zusammen. Zorn auf die Schurken, die dies getan hatten, erfüllte ihn.

    Ausgerechnet Colder, der sich nur mit Ach und Krach über Wasser gehalten hatte, weil seine Preise fast zu fair waren und er zu vielen Leuten Kredit eingeräumt hatte!

    Matthew hätte ihm jetzt gern etwas Tröstendes gesagt, doch dazu war keine Zeit mehr. Er beugte sich tief über den Mann, der ihn mit trüben Augen anstarrte. „Hast du sie erkannt, Colder?" Ein schwaches Kopfschütteln.

    „Fiel vielleicht ein Name?"

    Colder senkte die Lider, weil er zu erledigt war, um zu nicken. Seine Lippen bewegten sich. Es dauerte eine Weile, bis er ein Wort herausbrachte. Seine Stimme war ein Hauch.

    „Einer meinte ... sie hätten ... einen falschen Tipp bekommen ... von einem Mann..."

    „Ja, Colder, weiter! Wie hieß er?" Colder keuchte. Die Verzweiflung in seinen Augen gab Dunlop einen Stich. Colders klammernde Hand war an seinem Arm. Der Storekeeper versuchte zu sprechen. Plötzlich erschlaffte er. Eine schreckliche Leere war in seinen aufgerissenen Augen.

    Matthew presste die Lippen zusammen. Jetzt erst wurde ihm bewusst, dass weitere Männer hereingekommen waren. Stimmengewirr und Stiefelgepolter vermischten sich mit dem Heulen des Sturms, der mit ungebrochener Wildheit durch die Stadt wütete. Als Matthew sich umwandte, blickte er in ein angespanntes grobschlächtiges Gesicht, das von einem frisch vernarbten roten Riss durchzogen war.

    Der bullige Mann musste gleich hinter ihm hereingekommen sein. Er grinste verlegen, als der Marshal auf den Colt in seiner derben Faust blickte. Achselzuckend schob er die Waffe unter den nassen, vorn offenen Militärmantel. Er trug Stiefel, die bis zu den Oberschenkeln reichten. Zottiges Haar hing unter seinem verbeulten Hut hervor. Matthew hatte ihn nie zuvor in Dodge gesehen.

    „Macht Platz, Leute! Platz für den Deputy!" Rufus bahnte sich energisch einen Weg durch den Raum. Regentropfen und Schlammspritzer zierten seinen Bart.

    Der Narbige trat zur Seite, als Dunlop den Platz hinter der Ladentheke verließ. „Glotzt nicht wie die Mondkälber!, blaffte Rufus wütend. „Holt den Doc!

    Matthew winkte ab. Betroffenes Schweigen breitete sich aus. Rufus schnäuzte laut in sein riesiges geblümtes Taschentuch.

    „Hat wohl kaum ’nen Sinn, den Hundesöhnen nachzuhetzen! Bei diesem Mistwetter findet der schärfste Bluthund keine Spur!" In hilfloser Wut starrte er die Gaffer an, als hätten sie Schuld an Sturm und Regen.

    „Ich weiß, wo Sie die Halunken erwischen können, Marshal."

    Matthew wandte sich überrascht nach dem Narbigen um, der ihm gefolgt war. Das Grinsen des Mannes und das Flackern in seinen Augen gefielen ihm nicht. „Wer sind Sie?"

    „Jubal Stratmore. Das Grinsen vertiefte sich. „Meine Freunde nennen mich Jube. War gerade unterwegs zu Ma Johnsons Boarding House, als ich den Schuss hörte hier drinnen. Versuchte die Kerle zu stoppen, aber sie ließen mir ihr Blei um die Ohren pfeifen. Dann waren sie auch schon weg.

    Matthew musterte ihn aufmerksam. „Kennen Sie die Männer?"

    „Zumindest einen. Der Blonde, dem die Tuchmaske herabrutschte, ist Dave Laretts Sohn Billy."

    „Und wer ist Dave Larett?"

    Stratmore bog den Kopf zur Seite und spuckte aus. „Ein sturer Büffel, der am liebsten die Zeit bis vor den Krieg zurückdrehen möchte, als es noch keine Railroad westlich des Old Man River gab. Die Bahn hat sein Frachtgeschäft drüben in Missouri kaputtgemacht. Behauptet er jedenfalls. Ist auch jetzt nicht wichtig. Jedenfalls zieht er mit ’nem halben Dutzend Frachtwagen nach Westen. Richtung Colorado. Er will um den Oklahoma Pfannenstiel herum und dann über den Raton Pass nach New Mexiko. Er hat sein letztes Hab und Gut in die Fracht investiert, die er da drüben verscheuern und mit deren Erlös er im Südwesten von vorn beginnen will. Irgendwo, wo’s noch keine Bahn gibt."

    Stratmore lachte verächtlich.

    „Sein Hass auf die Bahn ist auch der Grund, warum er zehn Meilen weiter südlich an Dodge vorbeigezogen ist. Meiner Schätzung nach müssten die Wagen jetzt am South Owl Creek sein. Das Wetter wird sie dort für ’ne Weile festhalten. Weiß der Henker, wie Billy auf die Idee gekommen ist, hier seine Kasse aufzumöbeln! Na ja, Geld konnte der Junge noch nie genug haben. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, wieso der alte Larett in Missouri pleite machte."

    Matthew Dunlop räusperte sich.

    „Nun verraten Sie mir nur noch, woher Sie so verteufelt genau Bescheid wissen, Mister!"

    Jube Stratmores Grinsen versickerte. „Bis gestern war ich noch einer von denen, die Dave Larett für seinen verrückten Treck nach Westen angeheuert hat. Ein unheilvolles Feuer schwelte in seinen Augen, als er mit den Fingerspitzen die dünne rote Narbe nachfuhr, die sich von seiner rechten Schläfe zum linken Kinnwinkel zog. „Das Andenken da stammt von ihm.

    Jäh grinste er wieder.

    „Begreiflich, dass ich gern mit von der Partie sein werde, wenn Sie Laretts Sohn in Ihr Jail nach Dodge City holen, Marshal, nicht wahr?"

    Dunlop und sein Deputy tauschten einen Blick. „Danke!, wehrte der Marshal mit steinerner Miene ab. „So was erledige ich für gewöhnlich allein.

    3

    Die Prärie westlich von Dodge war um diese frühe Jahreszeit ein blumengesprenkeltes Meer frischer grüner Gräser. Die Luft war schwer von Blütenduft. Die Sonne besaß noch nicht die mörderische Glut des Kansas-Hochsommers, die dieses weite, einsame Land in eine gelbbraune Steppe verwandeln würde. Die Wolken am tiefblauen Firmament glichen Wattebäuschen. Bienen summten zwischen den Weiden am Sout Owl Creek.

    Dunlop fand hier nicht nur die Fährte des Wagenzugs, sondern auch die Abdrücke unbeschlagener Hufe.

    Indianerpferde.

    Ein Rudel von vielleicht acht bis zehn Kriegern. Gewiss waren es junge heißblütige Burschen, die sich nach dem langen Winter voller Tatendurst und Beutehunger wie junge Wölfe in die Spur des Frachtwagentrecks verbissen hatten. Die Stille über den sanftwelligen Hügeln schien sich zu verdichten, während Matthew noch am sandigen Ufer kniete und die Ränder der Trittsiegel betastete.

    Sie waren dicht vor ihm, höchstens zwei, drei Meilen. Weder sein Stern noch sein Colt würden sie beeindrucken, wenn sie das waren, wofür er sie hielt.

    Eine scharfe Falte kerbte sich zwischen Dunlops Brauen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, Rufus und noch ein paar tüchtige Männer aus der Stadt mitzunehmen. Zu spät! Es war lange her, dass sich ein indianischer Jagd oder Kriegstrupp in dieser Gegend gezeigt hatte.

    Matthew hatte nicht damit rechnen können. Immerhin war er nun gewarnt. Und es war seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, nicht nur als Sternträger, dass er auch die Männer von Laretts Treck warnte, bevor es vielleicht schon in der nächsten Nacht zur Katastrophe kam.

    Er zog die Winchester aus dem Scabbard. Gleich darauf saß er wieder im Sattel, durchfurtete den Creek und tauchte zwischen den mit hohem Gras und blühendem Salbei bewachsenen Hügeln ein. Die Sonne stieg. Es wurde so warm, dass er die Jacke auszog und hinter dem Sattel zusammenrollte.

    In sturer Unbeirrbarkeit entfernte sich die Fährte des Wagenzugs mehr und mehr vom besiedelten Land, entlang der nördlich verlaufenden Eisenbahnlinie. Früher waren hier die Trecks der Goldgräber nach Colorado hinauf gerollt. Die turbulente Zeit des Bahnbaus hatte hier so wenig Zeichen hinterlassen wie die nunmehr scharenweise aus dem Osten strömenden Farmer, die das Land allmählich in Besitz nahmen. Hier, westlich des South Owl Creek, war noch Büffel, Planwagen und — die Abdrücke der unbeschlagenen Hufe bewiesen es — Indianergebiet.

    Dunlop mied die grasbedeckten Kämme, auf denen sich seine Gestalt weithin gegen den Frühlingshimmel abgezeichnet hätte. Im Sattel studierte Matthew die alte Armeekarte, die er aus seinem Office mitgenommen hatte. Wahrscheinlich würde der Wagenzug bis Sonnenuntergang die Quelle am Coyote Hill erreichen und dort lagern.

    Wenn er, Matthew einen Bogen nach Süden schlug, weg von den Radfurchen des Trecks und vor allem weg aus der möglichen Reichweite der Indianerrifles und Pfeile, dann schaffte er es vielleicht, noch vor den Wagen dort anzukommen.

    Matthew hätte viel dafür gegeben, eine andere Möglichkeit zu finden, an Bill Larett heranzukommen, als ihn ausgerechnet aus dem Camp seines Vaters wegzuholen. Den Mann gab es nicht, der es mit einem Achselzucken abtat, wenn sein Sohn als Mörder oder Kumpan eines Mörders vor ein Gericht geschleppt werden sollte.

    Es war einer von den Jobs, die Matthew sein Amt schwermachten. Die Erinnerung an Colder trug nicht dazu bei, seine Stimmung zu heben.

    Und Stratmore?

    Zu offensichtlich war dieser Bursche drauf aus, Larett eins auszuwischen.

    Das würde jedoch nichts an Matthews Auftrag ändern, wenn der blonde Junge, der gestern in Dodge auf ihn geschossen hatte, tatsächlich Dave Laretts Sohn war.

    Der Marshal verstaute die Karte wieder in der Satteltasche und lenkte sein Pferd nach Süden. Er kam nicht weit.

    Der Teufel mochte wissen, wie sie Wind von ihm bekommen hatten. Plötzlich, wie aus dem Boden geschossen, waren sie da.

    Acht Mann, die in einer Reihe ihre Pferde auf einem grasbewachsenen Höhenrücken zügelten. Bronzehäutige, nur mit Lendenschurz und Mokassins bekleidete junge Krieger. Keiner, der bereits eine Adlerfeder als Zeichen einer Kriegstat in seinem zu Zöpfen geflochtenen Haar trug.

    Um so schlimmer!

    Sie würden sich weder mit seinem Pferd noch mit seinen Waffen begnügen. Sogar ein Greenhorn hätte gemerkt, dass sie da waren, sich seinen Skalp zu holen.

    Gelbe und blaue Farbstreifen bedeckten ihre breitknochigen Gesichter. Die Kriegsfarben der Cheyennes. Ein schwacher Trost, dass sie nur mit alten Vorderladergewehren und Bogen bewaffnet waren. Einer hielt eine Lanze. Buntbemalte Büffelhautschilde hingen an ihren Fellsätteln.

    Die Stille war abgrundtief. Die Zeit schien stehenzubleiben. Hart umschlossen Dunlops Fäuste die Winchester.

    Er hatte nichts gegen diese wilden jungen Burschen, die wahrscheinlich gerade deshalb so wild und gefährlich waren, weil sie ahnten, dass die Uhr ihres Volkes abgelaufen war. Aber er hatte was dagegen, dass sie sein Leben wollten.

    Matthew Dunlops Winchester blitzte, während er sein Pferd herumwarf. Ein Cheyennepony knickte nach vorn ein. Die Lanze zerbrach unter dem herabstürzenden Krieger. Verzweifelt versuchte Matthew die nächste Anhöhe zu erreichen. Deckung war alles, worauf es jetzt ankam.

    Gellendes Geschrei vermischte sich mit dem Loshämmern der unbeschlagenen Hufe. Gewehre krachten. Ein Pfeil ritzte Dunlops rechten Arm. Er drehte sich halb im Sattel, feuerte zurück.

    In breiter Kette, schreiend und waffenschwingend, rasten sie den Hang hinab. Wieder schwirrten Pfeile. Matthew spürte ein Brennen an der linken Hüfte. Im nächsten Sekundenbruchteil brach sein Brauner zusammen.

    Der Marshal bekam gerade noch die Füße aus den Steigbügeln. Er sauste durch die Luft. Der Aufprall nahm ihm für Sekunden den Atem. Aber er ließ die Winchester nicht los. Eine Kugel schmetterte neben ihm in die Erde. Das Kriegsgeschrei seiner Gegner peitschte ihn hoch. Sein Brauner versuchte sich ebenfalls aufzurichten. Er wieherte kläglich. Blut lief über seinen Hals. Ein Pfeil steckte seitlich in seiner Kehle.

    Matthew stürzte zu dem Tier. Alles ging rasend schnell. Da blieb keine Zeit für ein Gefühl des Bedauerns. Die Winchestermündung war dicht hinter dem rechten Ohr des Pferdes, als Matthew abdrückte. Der Braune fiel schwer auf die Seite. Seine Hufe zuckten.

    Blitzschnell wirbelte Matthew herum und feuerte auf die heranstürmenden Indianer. Ein Krieger schlug wild mit den Armen und stürzte rücklings von seinem weiterjagenden Mustang.

    Der Marshal warf sich hinter das tote Pferd. Seine Winchester blitzte und krachte. Eine Pulverdampfwolke stand vor seinem Gesicht. Brüllend rissen die Cheyennes ihre Gäule zur Seite. Matthews Gewehr hämmerte wie eine Gatling Schnellfeuerkanone. Die Zähne zusammengebissen, feuerte er auf die Kerle, die ihn von den Flanken zu packen versuchten. Ein Mustang überschlug sich aus vollem Galopp. Im letzten Moment gelang es seinem Reiter, sich von dem niederkrachenden Tier wegzuhechten.

    Das Ganze dauerte nur Sekunden. Dann lagen die Indianer im Büffelgras auf dem langgestreckten Hügelkamm und schickten einen Hagel von Geschossen in die Senke. Dunlop blieb nichts anderes übrig, als sich hinter dem Pferdeleib flach auf die Erde zu pressen. Über ihm pfiff es wie Peitschenhiebe. Das Wutgeschrei war verebbt. Wuchtige Kugeleinschläge erschütterten den Kadaver des Braunen.

    Jetzt erst spürte Matthew ein Würgen in der Kehle, eine ziehende Schwäche in Armen und Beinen. Es ging schnell vorbei. Seine Hände waren ruhig, als er die Winchester nachlud.

    „Haut ab!, schrie er. „Kehrt zu eurem Stamm zurück, sonst habt ihr bald die Blauröcke auf dem Hals, ihr verrückten Kerle! Verdammt, wollt ihr denn, dass es zum Krieg kommt?

    Ihr Hohngelächter bewies, dass sie genug Englisch verstanden. Ihr eigener Sprachschatz schien allerdings nur aus obszönen Schimpfworten zu bestehen, mit denen sie den weißen Mann überschütteten. Dann knallten wieder Schüsse. Aber solange wusste Dunlop wenigstens, wo sie steckten.

    Schlimmer wurde es, als plötzlich nichts mehr von ihnen zu hören und zu sehen war. Wie ausgestorben lagen die Hügel ringsum. Ein Bild trügerischen Friedens. Kein noch so leises Rascheln im Gras, so angestrengt der Marshal auch lauschte.

    Sie kreisten ihn ein. Wenn sie erst auf der Bodenwelle hinter ihm waren, dann ,Gute Nacht, Dunlop! Matthews Miene spannte sich. Das tote Pferd bot sowieso kaum genug Deckung für einen so großen und breitschultrigen Mann wie ihn. Er wusste, was er riskierte, wenn er jetzt aufsprang, losrannte, eine der Höhen zu stürmen versuchte.

    Aber er hatte keine Wahl. Wenn es eine Chance gab, dann bestand sie darin, dass sich die Kerle getrennt hatten, um ihn auf ein verabredetes Zeichen von allen Seiten gleichzeitig anzugreifen. Darauf durfte er nicht warten.

    Matthew schob den Colt in den Hosengurt, damit er ihn nicht verlor, dann schnellte er hoch. Schon immer waren seine Feinde, zumindest die, die ihn nicht kannten, von der katzenhaften Geschmeidigkeit des hünenhaften Sternträgers überrascht gewesen. Dunlop sprang über das tote Pferd und rannte geduckt, den Kolben der Winchester an der Hüfte, auf den grasbewachsenen Kamm zu, auf dem die Cheyennes anfangs aufgetaucht waren.

    Ein Alarmschrei gellte. Droben fuhr eine braune Gestalt aus dem kniehohen Büffelgras. Eine Pfeilspitze glänzte, eine Bogensehne sang. Dunlop schoss im Weiterrennen. Der Repetierbügel seiner Winchester 73 zuckte auf und ab.

    Der Indianer kippte mit hochgeworfenen Armen aus seinem Blickfeld weg. Nun war die Hölle los. Geheul tobte ringsum. Hufegedröhn ließ den Prärieboden erzittern. Reiter fegten aus einer nur knapp zwei Dutzend Schritte entfernten Hügelkerbe.

    Der Marshal warf sich keuchend und mit schweißbedeckter Miene herum. Die Entschlossenheit, bis zum letzten Atemzug um sein Leben zu kämpfen, brannte in seinen sonst so kühlen Augen. Er konnte den Schuss gerade noch halten. Weiße brausten da heran. Ihre Jacken flatterten. Schaumflocken wirbelten von den Nüstern ihrer Pferde.

    „Hierher. Mister!", dröhnte eine Löwenstimme.

    Mündungsfeuer blitzten, Pulverrauch wogte. Aus ihm schälten sich verschwitzte und vom harten Ritt gerötete Gesichter. Gesichter, denen das Leben jenseits der Zivilisationsgrenze einen rauen Stempel aufgedrückt hatte.

    Der plötzliche Angriff hatte die Cheyennes völlig überrumpelt. Als die Fremden ihre Pferde bei Matthew Dunlop zügelten, fiel kein Schuss mehr. Die überlebenden Rothäute hatten ihre Toten und Verwundeten mitgenommen, wie es Stammesbrauch war.

    Matthew hatte zwar allen Grund, wütend auf sie zu sein, aber irgendwie war er froh, dass seine hartgesotten aussehenden Helfer nicht daran dachten, ihnen nachzusetzen. Genug Blut war geflossen.

    Es waren fünf derbgekleidete Gestalten auf struppigen Gäulen. Spencer und Remingtongewehre lagen in schwieligen Fäusten. Ein grauhaariger Mann, der fast so groß und breit wie der Marshal war, führte sie an. Die Sonne hatte sein eckiges Gesicht dunkel gebräunt. Messerscharfe Falten durchzogen es. Blaue Augen hefteten sich durchdringend auf den Mann mit dem Stern. Augen, deren Schärfe einen Bruchteil der Energie verrieten, die in diesem massigen Reiter steckte. Alles an ihm strahlte Härte und unbeugsame Entschlossenheit aus. Er war der Typ des Pioniers, der vor der Hektik und Enge in den Städten floh, aber hier draußen, wo die Gefahr jeden Mann auf einsamem Trail begleitete, in seinem Element war.

    Eine bittere Ahnung stieg in Matthew auf. Er ließ das Gewehr sinken, hob grüßend eine Hand. Sein Lächeln wirkte rissig.

    „Hallo, Leute! Schätze, das war verteufelt knapp für mich. Ihr seid wie bestellt gekommen. Ich bin Marshal Dunlop aus Dodge City."

    Der Grauhaarige musterte ihn forschend. „Bestimmt sind Sie nicht wegen der Rothäute, die es auf meine Wagen abgesehen hatten, so weit hier draußen, Marshal. Wäre auch gar nicht nötig, wie Sie sehen. Seit zwei Tagen wussten wir, dass die Burschen hinter uns her sind. Die haben ihre Lektion garantiert gründlich gelernt. Übrigens, mein Name ist Dave Larett. Mein Frachtwagentreck zieht sechs Meilen weiter westlich in Richtung zum Coyote Hill. Wenn Sie wollen, bekommen Sie ein frisches Pferd im Camp. Jessup kann Sie inzwischen auf seinen Gaul nehmen."

    „Vielen Dank, Larett. Matthew zögerte und verwünschte sich selber, weil es ihm schwerfiel, diesem durchdringenden Blick standzuhalten. Seine Stimme war heiser. „Ich werde jedoch nicht nur wegen eines Pferdes in Ihr Champ kommen.

    Larett runzelte die Stirn. „Das klingt verdammt nach Ärger."

    „Schon möglich, murmelte der Marshal rau. „Ich suche einen Mörder unter Ihren Leuten.

    4

    Die Samtschleier der Nacht senkten sich auf das einsame Land westlich des South Owl Creek, als sie das Wagencamp erreichten. Ein Feuer loderte innerhalb der zu einem Kreis aufgefahrenen Studebaker-Planwagen. Zug und Reitpferde weideten in einem aus Pflöcken und Lassos gebauten Korral. Grillengezirp und das Plätschern der Quelle, die am Fuß des Coyote Hill entsprang, erfüllten die Dunkelheit. Dodge City war nur einen Tagesritt entfernt und doch so weit, als würden seine lärmerfüllten Saloons und Spielhöllen auf dem Mond liegen. Hier draußen war eine andere Welt. Eine Welt, in der Dave Larett sich zuhause fühlte.

    Matthew hatte den Überfall auf Colder nur knapp erwähnt. Seitdem hatte der Treckboss kein Wort mehr mit ihm gewechselt. Von einer Unrast erfüllt, die ihm selber nicht bewusst zu werden schien, war Larett den anderen immerzu ein Stück vorausgeritten. Noch hatte Matthew nichts von Stratmore und Laretts Sohn gesagt. Erst wollte er herausfinden, ob der junge blonde Bandit auch wirklich der Sohn dieses Mannes war, dem er höchstwahrscheinlich sein Leben verdankte.

    Das war’s, was Dunlop mit Beklemmung erfüllte. Ob er wollte oder nicht, immer wieder hatte er das Kriegsgeschrei der Cheyennes und das Dröhnen ihrer Gewehre in den Ohren. Sein Skalp war keinen rostigen Cent mehr wert gewesen — bis Larett mit seinen Reitern gekommen war. Zufall? Fügung?

    Aber da war auch die Erinnerung an Colder, an das verzweifelte Wissen um das bevorstehende Ende in seinen Augen, an die flüchtenden, rücksichtslos auf alles schießenden Schurken, die den Storekeeper auf dem Gewissen hatten. Das Gesetz war keine Ware, um die man feilschen konnte.

    Kurz nachdem Larett den Anruf eines Postens beantwortet hatte, verstummte das monotone Pochen der Hufe. Matthew reckte sich, als er wieder festen Boden unter den Stiefeln hatte. Zur Hölle mit allen Grübeleien, die ihm nicht weiterhalfen!

    Rotes Licht zuckte auf den Gesichtern der Ankömmlinge. Das Abzeichen an Dunlops Hemd funkelte. Das Durcheinander der rauen Stimmen ringsum verebbte. Becher und Teller klapperten, dann war es still. Alle Blicke wandten sich dem Marshal zu.

    Zuletzt richtete sich eine junge dunkelhaarige Frau mit einer Schöpfkelle in der Hand neben dem Gusseisenkessel auf, der über dem Feuer hing. Sie trug ein einfaches Kattunkleid wie die Farmersfrauen, die Matthew Dunlop kannte, keinen Schmuck, keine Schminke. Matthew hätte jedoch seinen letzten Dollar darauf gewettet, dass sie in ihrem Leben noch keinen Spaten oder Hackenstiel angefasst hatte. Vielmehr war sie eins von den hübschen, aber schnell verblühenden Geschöpfen, die es in den Saloons von Dodge dutzendweise gab.

    Ihr kunstvoll hochfrisiertes Haar betonte noch den makellosen Schnitt ihres Gesichts und die Linie ihres schlanken Halses. Runde feste Brüste wölbten sich unter dem knappsitzenden Stoff. Ebenso wenig war der Schwung ihrer Hüften zu übersehen. Aber nicht so sehr ihr Äußeres erweckte Dunlops Aufmerksamkeit. Vom ersten Moment an, noch bevor er sich fragte, was diese Frau ausgerechnet in Dave Laretts Camp zu suchen hatte, spürte er ihre Feindseligkeit.

    Trotzdem nickte er ihr zu und tippte nach Cowboyart grüßend an die Krempe seines Stetsons, der den Kampf mit der Cheyennebande unbeschadet überstanden hatte. Unauffällig suchten seine Augen nach jenem Gesicht, das sich ihm in Dodge City so unauslöschlich eingeprägt hatte. Seine lässige Haltung verriet nichts von seiner Anspannung. Nichts von der Bereitschaft, blitzschnell zum Colt zu greifen.

    „Kommt her, Männer!", rief Larett.

    Es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt war, zu befehlen und seine Befehle durchzusetzen. Er hatte einem der Frachtfahrer die Zügel seines Wallachs zugeworfen und war neben den Marshal getreten.

    „Die Rothäute, die es auf unsere Wagen und Skalpe abgesehen hatten, könnt ihr vergessen, Leute. Marshal Dunlop hatte etwas Ärger mit ihnen. Ich habe ihm ein Pferd versprochen, weil er seins verlor. Aber der Marshal will mehr. Er sucht einen Mörder ..."

    Er ließ die Worte ein paar Sekunden wirken. Dann schnitt er mit einer energischen Geste das aufkommende Geraune ab. Sein Ton wurde schärfer. Dunlop hörte die Ungeduld und den Wunsch heraus, alles schnell hinter sich zu bringen. Offenbar war Larett überzeugt, dass er, der Marshal, auf falscher Fährte ritt. Das machte die Sache nicht leichter.

    „Zwei Banditen haben gestern Abend einen Store in Dodge City überfallen und den Besitzer erschossen. Marshall Dunlop denkt, er findet die Kerle hier. Weiß der Himmel, wieso. Well, je eher wir ihm das Gegenteil beweisen, um so besser. Wir haben auch so schon genug Kummer am Hals."

    „Kummer welcher Art?", wollte Matthew wissen.

    Larett blickte ihn ausdruckslos an. „Nichts, womit wir nicht allein fertig werden. Habe ich recht, Männer? Kinley, lauf und hole Roan herein! Ich glaube nicht, dass wir diese Nacht noch Besuch bekommen, weder von den Cheyennes noch von Rushfords Reitern. Macht keine so finsteren Gesichter, Leute! Der Marshal erfüllt nur seine Pflicht. Warum sollte sich ein Sternträger nicht auch mal irren? Also, kommt her! Beantwortet seine Fragen, wenn er welche hat! Wenn einer versucht, ihm Schwierigkeiten zu machen, der bekommt's mit mir zu tun, klar?"

    Erneutes Gemurmel, aber kein Widerspruch. Nur die junge Frau, die reglos beim Feuer verharrte, verzog geringschätzig die Mundwinkel, als sich die derb und grimmig aussehenden Fuhrleute zögernd näherschoben. Auf Laretts Wink warf einer frisches Brennholz nach. Die Flammen loderten höher. Rotes Licht übergoss die hochgewölbten Planendächer.

    Der Treckboss wartete, bis der Mann, den er losgeschickt hatte, mit dem Wachtposten zurückkam. Dunlop schaute in lauter abweisende missmutige Gesichter.

    „Nun, Marshal?, fragte Larett kalt. „Zeigen Sie mir die Kerle, die Sie suchen, und ich selber werde dafür sorgen, dass Sie sie gefesselt nach Dodge bringen — falls sie hier sind. Wenn nicht, Marshal, werden Sie sich entschuldigen müssen. Nicht bei mir, sondern bei diesen Männern, für die ich jederzeit meine Hand ins Feuer lege.

    Dunlop ging ein paar Schritte auf die beim Feuer versammelten Frachtfahrer zu. Sein Blick glitt kurz über die zumeist bärtigen wettergegerbten Gesichter. Gesichter, die ihm nur zu deutlich verrieten, was die Männer von dieser Gegenüberstellung hielten. Ein paar grinsten verkniffen, einer spukte wütend aus.

    Plötzlich drehte sich Dunlop um. Seine Frage kam wie aus der Pistole geschossen. „Wo ist Ihr Sohn, Larett?"

    Nur ein scharfäugiger Beobachter erkannte Laretts Zusammenzucken. Die Schöpfkelle fiel aus der Hand der jungen Frau. Ihr Atem stockte. Laretts Miene jedoch verkantete sich.

    „Woher, zum Teufel... Er brach ab. Seine geballten Fäuste verrieten, wie mühsam er sich beherrschte. „Billy!, schrie er. „Verdammt, wo steckst du wieder? Und im nächsten Atemzug: „Ist er überhaupt schon zurück?

    Niemand antwortete. Matthew drehte sich ruckartig in die Richtung, in die die Frau unwillkürlich blickte. Als er die schattenhafte Gestalt neben einem Planwagen erkannte, hielt er auch schon seinen Sechsschüssigen in der Faust.

    „Halt! Keine falsche Bewegung!"

    Es war ein Moment, in dem alle den Atem anhielten. Die Flammen schienen lauter zu knistern. Sie wärmten nicht mehr. Kälte sickerte ins Camp.

    „Verdammt, Dunlop, ich hoffe, Sie haben eine Erklärung für Ihr Verhalten!, rief Larett aufgebracht. Ein unmerkliches Schwanken war in seiner Stimme. „Was hat Billy mit der verfluchten Geschichte zu tun? Woher wissen Sie überhaupt, dass ich einen Sohn habe?

    „Sagen Sie mir lieber, wieso Sie dachten, er sei vielleicht noch nicht hier!"

    Larett lachte zornig. „Die Pest an Ihren Hals, Marshal, wenn Sie einer von den Sternträgern sind, die hinter jedem Busch und jeder Ecke ’nen Verbrecher wittern! Nicht in meinem Camp! Nicht mit meinem Jungen! Wo Billy war? Ich könnte sagen, das geht sie einen Dreck an! Aber wir haben hier nichts zu verheimlichen. Ich habe Billy gestern losgeschickt, die Route, die vor uns liegt, zu erkunden. Billy ist unser Scout, und verdammt will ich sein, wenn er seine Sache bisher nicht gut gemacht hat! Verdammt, Billy, steh nicht da, als wärst du festgewachsen. Komm her, du hast nichts zu fürchten! Zeig dich ihm! Sag, wo du warst! Und dann schafft ein Pferd für Dunlop her und sorgt dafür, dass er verschwindet!"

    Dunlop ließ die dunkle Gestalt bei den Planwagen nicht aus den Augen. Mehrere Sekunden verstrichen.

    „Na los, Billy, du hast gehört, was dein Vater sagte! Komm her!"

    Matthew wusste es bereits, bevor der flackernde Feuerschein das schmale verkniffene Gesicht des schlanken Mannes erreichte: Es war der blonde Bandit, der gestern in wilder Panik auf ihn geschossen hatte.

    Schweißperlen glänzten auf der Stirn des anderen. Seine zusammengepressten Lippen waren blutleer. Er trug den Revolver tiefer als die übrigen Männer im Camp. Sein Hemd und seine Hose waren aus weichgegerbtem, mit Fransen und indianischen Stickereien verziertem Antilopenleder. Das blonde Haar ringelte sich über seinen Kragen.

    Ein weiterer Mann trat hinter ihm zwischen den Frachtwagen hervor, blieb jedoch außerhalb der Lichtgrenze abwartend stehen. Der Marshal erkannte die Umrisse einer hochgewachsenen sehnigen Gestalt.

    „Pa, ich verstehe nicht, warum du dich überhaupt auf dieses verrückte Theater einlässt, stieß Laretts Sohn hervor. „Hier draußen ist sein Stern nichts weiter als ein lausiges Stück Blech! Sind wir denn nicht genug Männer, ihn zum Teufel zu jagen?

    „Keiner wird verhindern, dass dich mein Blei erwischt, wenn du dein Eisen anfasst!, warnte Matthew scharf. „Schnall ab, Billy, lass den Gurt fallen, dann komm her!

    „Aber das ist doch ..."

    „Im Namen des Gesetzes, Billy: Ich verhafte dich wegen Mordverdachts und erwiesener Teilnahme an einem Raubüberfall!", peitschte Dunlops Stimme durch das Camp.

    Billy duckte sich. Seine gespreizte Rechte hing über dem Walnussholzkolben seines Colts. Jener Ausdruck von Panik war wieder in seinen Augen. Aber die Waffe in der Faust des Marshals und vor allem dessen fast körperlich spürbare Entschlossenheit hielten ihn zurück.

    Atemlose Sekunden. Dann malmten Laretts Tritte über den Platz. Keuchend blieb der massige Mann neben Matthew stehen.

    „Sie übertreiben es, Dunlop! Das ist doch verrückt!"

    „Sie haben vorhin selber gesagt, dass ich nur meine Pflicht erfülle", erwiderte Matthew, ohne den Blick von Billy zu wenden.

    Larett wischte sich fahrig über das vom Feuer rot angestrahlte Gesicht „Menschenskind, Marshal, Sie haben nicht irgendeinen Strauchdieb vor sich, sondern meinen Sohn!"

    „Tut mir leid für Sie. Trotzdem wird Billy jetzt tun, was ich verlange! Ich riskiere nicht, dass er nochmals auf mich schießt — wie gestern in Dodge City."

    Ein Krächzen kam aus Billys Kehle. Seine Finger zuckten. Da war die dunkelhaarige junge Frau bei ihm. Sie hielt seinen Arm fest.

    „Keinen Fehler jetzt, Billy! Er wartet nur darauf. Er würde dir keine Chance lassen. Diese Sorte von Sternträgern kenne ich! Ihre Augen funkelten wie die Lichter einer Raubkatze. „Verschwinden Sie, Marshal! Geben Sie’s auf! Hier wird keiner zulassen, dass Sie einen Unschuldigen an den Galgen bringen, nur damit Sie in Ihrer verfluchten Stadt groß dastehen!

    „Gehen Sie weg von ihm, Ma'am. Mischen Sie sich da nicht ein."

    „Ich habe ein Recht dazu!, rief sie zornig. „Mein Name ist Lorna Malone. Ja, verdammt noch mal, ich bin genau das, wofür Sie mich halten, Sie Held des Gesetzes! Eine von denen, für die Ihresgleichen nur ein Achselzucken übrighaben! Aber ich bin Billys Braut. Wir werden in New Mexiko heiraten und ...

    „Genug, Lorna!, unterbrach Larett sie schroff. „Marshal Dunlop ist nicht der Mann, für den du ihn hältst! Deine Vergangenheit steht hier nicht zur Debatte! Ich bin hier der Boss. Billy wird tun, was ich entscheide, sonst nichts!

    Lorna hob trotzig den Kopf, presste aber die Lippen zusammen.

    „Hören Sie, Dunlop, wandte sich Larett heiser an den Marshal. „Das Ganze ist bestimmt ein Irrtum! Es ist einfach Irrsinn, wenn Sie glauben, dass mein Junge ...

    „Ich bin nicht der Einzige, der ihn in Dodge gesehen hat."

    „Er lügt!, schrie Billy. „Lorna hat recht! Er braucht nur irgendein Opfer, damit er seinen Stern bei der nächsten Wahl nicht verliert!

    „Es gibt einen in Dodge City."

    „Wie schön für Sie, Marshal, höhnte Malone. „Nur hab' ich weder Zeit noch Lust, Sie dorthin zu begleiten. Und Billy ebenso wenig. Sie haben’s ja gehört: Wir waren gemeinsam auf Erkundung.

    „Wenn Sie Billy helfen wollen, dann erzählen Sie das dem Richter, der den Haftbefehl gegen ihn unterschrieben hat. Er ist gleichzeitig der Doc in unserer Stadt. Komm jetzt, Billy!"

    Als der junge Mann nicht reagierte, stiefelte Matthew Dunlop entschlossen auf ihn zu. Seine Coltmündung berührte Billys Bauch, während er ihm die Waffe aus dem Halfter zog und sie seitwärts ins Gras warf.

    „Reg dich nicht auf, Billy, ich bin auch noch da." Der sehnige Mann, der bisher im Schatten geblieben war, schlenderte von den Wagen herüber. Er unterschied sich von den Frachtfahrern ebenfalls durch seine Reiterkleidung. Sein tiefgeschnallter Coltholster war mit Lederschnüren am rechten Oberschenkel festgebunden. Er schob lässig die Daumen hinter den patronenbespickten Gurt. Einige Schritte neben dem jungen Larett und der Frau blieb er breitbeinig stehen, legte den Kopf schief, grinste Dunlop verkniffen an.

    „Auch Billy hat einen Zeugen. Mich! Ich war während seiner ganzen Abwesenheit vom Treck bei ihm. Ich werde vor jedem Gericht beschwören, dass er nicht mal in die Nähe der Stadt gekommen ist."

    „Es waren zwei Kerle, die Colder überfielen", entgegnete Dunlop bedeutsam.

    „Na und? Der Sehnige spuckte aus. „Wollen Sie mir vielleicht ebenfalls ’nen Strick drehen?

    Die dunklen Linien in seinem hageren Gesicht ließen ihn älter wirken, als er wahrscheinlich war. Dunlop schätzte ihn auf Ende zwanzig. Seine Bewegungen waren geschmeidig, sein Blick stechend.

    „Wer sind Sie?", fragte Matthew kalt.

    „Lee Malone, Lornas Bruder, Billys Freund und zukünftiger Schwager. Kein Mann, gegen den irgendwo was vorliegt, wenn Sie das meinen, Marshal." Er grinste wieder.

    Matthew wies mit einer Kopfbewegung auf das Pflaster, das auf Malones linker Wange klebte. „Streifschuss, wie?"

    Ein kurzes Aufglühen wilden Hasses war in Lee Malones Augen. Aber dieser Mann war nicht so leicht aus der Fassung zu bringen wie Laretts Sohn. Matthew spürte seine Gefährlichkeit.

    Malone lachte. „Wie kommen Sie auf die Idee? Ich hab’ mich an einem Strauch verletzt, gestern, als Billy und ich während des Unwetters ’nen Unterschlupf suchten. Jeder Doc könnte Ihnen das bestätigen."

    „Lassen Sie zwei Pferde herschaffen, Larett. Sie bekommen sie später wieder."

    „Marshal, Sie sind hier nicht in Dodge!, knirschte Larett. „Sie haben kein Recht ...

    Matthew blickte den grauhaarigen Frachtunternehmer zwingend an. „Ein Mann wurde ermordet, Larett! Ein Mann, der keiner Fliege was zuleide tun konnte. Wegen einer Handvoll lumpiger Dollars wurde er erschossen. Verdammt will ich sein, wenn ich die Kerle, die das getan haben, nicht vor den Richter bringe!"

    „Mein Gott, Dunlop, ich kenne meinen Jungen besser als Sie! Ich weiß, dass er kein Mörder ist! Verstehen Sie? Ich weiß es!"

    „Er war dabei. Wenn er nicht geschossen hat, soll er den Namen des Mörders nennen. Das ist die Chance, die ihm bleibt."

    Dave Laretts schwielige Rechte kroch zum Pullover, den er mit dem Kolben nach vorn hoch an der linken Hüfte trug.

    „Sie irren sich, Marshal! Ich werd’ nicht zulassen, dass Sie meinen Sohn wie einen nichtsnutzigen Verbrecher in Ihr Jail sperren!"

    Matthew sah nicht nur den Zorn, sondern auch die Verzweiflung in Laretts Augen. Sein markantes Gesicht blieb ausdruckslos.

    „Drohen Sie mir nicht, Larett! Das Gesetz reicht auch bis über den South Owl Creek!"

    „Es reicht nicht mal so weit, mir Rushfords Banditen vom Hals zu halten!", stieß Larett hervor. „Aber ich brauch' keine Hilfe, auch nicht die eines Sternträgers, um mein Ziel zu erreichen. Ich hab' früh gelernt, mir mein Recht auf eigene Faust zu verschaffen. Ich ziehe nicht ohne Billy weiter. Seit der South Owl Creek hinter uns liegt, ist er der wichtigste Mann in meiner Crew. Von hier aus kennt nur er die Route quer durch die Devil Hills zur Coloradogrenze.''

    Die Devil Hills waren ein berüchtigtes Gebiet an der Nordkrümmung des Cimarron. Jeder, der Bescheid wusste, schlug einen weiten Bogen um sie. Matthew hatte dort auf Banditenjagd bittere Erfahrungen gesammelt, die er um ein Haar mit dem Leben bezahlt hätte. In diesem unwirtlichen Hügelgebiet musste ein Reiter auf Schritt und Tritt gefasst sein, samt Gaul in einem der zahllosen Treibsandlöcher zu versinken. Sie waren trügerischer und tödlicher als mancher Sumpf.

    Matthew schüttelte ungläubig den Kopf.

    „Sie wollen da doch nicht wirklich durch! Noch dazu mit sechs schwerbeladenen Frachtwagen!''

    „Ich habe keine Wahl. Es ist die einzige Chance, Rushford und seine Bande abzuhängen."

    „Die Chance in der Hölle zu landen! Wenn sie da nur Ihre Wagen und Gespanne verlieren, können Sie noch von Glück sagen, Larett! Wer, zum Teufel, ist Rushford?"

    „Ein Profitgeier und Boss einer Schießerhorde. Er arbeitet mit den Banditen im Niemandsland zusammen. Seine Killer sind hinter uns her, seit wir Missouri verlassen haben. Er will meine Wagen. Er verspricht sich mit meiner Ladung ein Bombengeschäft bei seinen Freunden in der Gegend am Biberfluss. Wie Sie wissen. Dunlop, hausen in dieser gottverdammten Ecke da unten, die zu keinem Staat gehört, durchwegs Kerle, die steckbrieflich gesucht werden. Halsabschneider, die nirgendwo sonst mehr sicher sind. Wie heißt es so schön? Paradies der Gesetzlosen!"

    Er stampfte zornig auf. „Zur Hölle mit dem Pack! Dort unten, Marshal, finden Sie mehr Mörder, als in Ihrem Jail Platz haben! Diese Bastarde werden Jim Rushford jede Wagenladung mit Lebensmitteln, Ausrüstung, Waffen und Munition mit Gold aufwiegen. Geraubtem Gold! Ein gewisser Kane Destry ist ihr Anführer. Es heißt, er hat drunten im No Man’s Land eine richtige Banditenstadt gegründet. Rushford ist ganz wild drauf, mit ihm ins Geschäft zu kommen. Dafür geht er über Leichen. Wir werden erst jenseits der Devil Hills, in Colorado, Ruhe vor ihm haben. Erst wenn es für ihn aussichtslos geworden ist, den Treck ins Niemandsland hinabzulotsen."

    Beschwörend blickte Larett den Marshal an. „Das eben schaffen wir nur mit Billy. Er hat die Strecke vorigen Herbst ausgekundschaftet, als ich den Plan fasste, Missouri zu verlassen und in New Mexico nochmals von vorn anzufangen. Nun wissen Sie Bescheid, Dunlop. Ich will weder Ihre Hilfe noch Ihre Dankbarkeit, nur, dass Sie die Finger von meinem Sohn lassen! Meine Zukunft hängt davon ab, dass ich die Wagen nach Colorado und von dort über den Raton Pass nach New Mexico bringe."

    „Kehren Sie um, Larett! Ich garantiere Ihnen, dass Sie in Dodge City vor Rushford und seinen Schießern sicher sein werden."

    „Sie haben keine Ahnung, Marshal, was es heißt, alles aufzugeben, alle Brücken hinter sich abzubrechen!", lachte der Treckboss bitter. „Was denken Sie, wieso ich in Missouri losfuhr, als noch Schnee auf den Wiesen lag? Nur als einer

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