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Spieler, Colts und namenlose Reiter: Western Sammelband

Spieler, Colts und namenlose Reiter: Western Sammelband

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Spieler, Colts und namenlose Reiter: Western Sammelband

Länge:
858 Seiten
10 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 5, 2020
ISBN:
9781393630210
Format:
Buch

Beschreibung

Spieler, Colts und namenlose Reiter: Western Sammelband

Von Alfred Bekker, John F. Beck, Glenn Stirling, Pete Hackett, Horst Weymar Hübner, Heinz Squarra

Dieses Buch enthält folgende Western:


 

Heinz Squarra: Gib auf, Texas Ranger

Alfred Bekker: Der Spieler

Alfred Bekker: Grainger und das blutige Dutzend

Glenn Stirling: Jagd auf den Rivalen

John F. Beck: Colts für San Felipe

Horst Weymar Hübner: Reiter ohne Namen

Heinz Squarra: Zahltag für Lynn Barrel

Pete Hackett: Todestrail

 

 

 

5.000 Dollar hat Lynn Barrel dem Rancher Tom Calhoun geraubt. Aber jetzt reitet Jay Durango, der Vormann von Rancho Bravo, auf seiner Spur. Er wird den Revolvermann suchen, bis er ihn gefunden, ihm die Dollars abgenommen und seine Rechnung präsentiert hat — was immer sich auch in seinen Weg stellen mag.

Die Spur des Räubers führt nach Austin, und dort begegnet Durango Barrels Schwester Kate, die als Sängerin in einem Saloon arbeitet. Sie scheint etwas über den Verbleib ihres Bruders zu wissen, will aber nichts sagen. Auch wenn Lynn Barrel ein gewissenloser Verbrecher ist, so schützt ihn Kate immer noch. Aber irgendwann kommt einmal der Zeitpunkt, an dem man eine Entscheidung treffen muss – und die fällt auf schicksalhafte Weise!

Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 5, 2020
ISBN:
9781393630210
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Spieler, Colts und namenlose Reiter - Alfred Bekker

Publisher

Spieler, Colts und namenlose Reiter: Western Sammelband

Von Alfred Bekker, John F. Beck, Glenn Stirling, Pete Hackett, Horst Weymar Hübner, Heinz Squarra

Dieses Buch enthält folgende Western:

Heinz Squarra: Gib auf, Texas Ranger

Alfred Bekker: Der Spieler

Alfred Bekker: Grainger und das blutige Dutzend

Glenn Stirling: Jagd auf den Rivalen

John F. Beck: Colts für San Felipe

Horst Weymar Hübner: Reiter ohne Namen

Heinz Squarra: Zahltag für Lynn Barrel

Pete Hackett: Todestrail

––––––––

5.000 Dollar hat Lynn Barrel dem Rancher Tom Calhoun geraubt. Aber jetzt reitet Jay Durango, der Vormann von Rancho Bravo, auf seiner Spur. Er wird den Revolvermann suchen, bis er ihn gefunden, ihm die Dollars abgenommen und seine Rechnung präsentiert hat — was immer sich auch in seinen Weg stellen mag.

Die Spur des Räubers führt nach Austin, und dort begegnet Durango Barrels Schwester Kate, die als Sängerin in einem Saloon arbeitet. Sie scheint etwas über den Verbleib ihres Bruders zu wissen, will aber nichts sagen. Auch wenn Lynn Barrel ein gewissenloser Verbrecher ist, so schützt ihn Kate immer noch. Aber irgendwann kommt einmal der Zeitpunkt, an dem man eine Entscheidung treffen muss – und die fällt auf schicksalhafte Weise!

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Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER:  Cameron Whitman123RF und Steve Mayer, 2020

––––––––

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

––––––––

Klappentext:

Ric Larson ist Texas-Rancher und hinter Red Loover her, der in Houston eine Bank überfallen und eine große Summe Geld erbeutet hat. Larson will das Geld zurückbringen und Loover dem Gesetz übergeben. Doch es kommt alles anders und soll die schwerste Aufgabe seines Lebens werden. Denn noch jemand ist hinter dem Geld her – und hinter ihm. Jemand, der seine eigenen Gesetze hat, gnadenlos ALLES niederreitet, was sich ihm in den Weg stellt und nur ein Ziel kennt: ihn zu töten ...

***

Der Wüstensand scheint unter den drückenden Sonnenstrahlen zu glühen.

Ric Larsons Tupfschimmel schnaubt müde.

Er blickt auf den Rappen, den er neben sich führt.

Das Tier sieht noch etwas frischer aus. Er schaut wieder nach vorn. Dreihundert Yards im Westen kann er das Blockhaus mit dem Nebengebäude und dem Kakteenfeld dahinter sehen.

Die Spur zieht sich zu diesem Haus hin, die Spur, die er verfolgt.

Und er hofft, die beiden Pferde dort gegen ein gutes, ausgeruhtes Tier tauschen zu können.

Als er bis auf einhundert Yards heran ist, taucht ein alter Mann vor dem Haus auf.

Ric hält vor dem Mann und macht eine müde Bewegung. Dabei blickt er den alten Mann an, der etwa fünfzig Jahre alt ist.

„Guten Tag, sagt er. „Ich muss schnell weiter. Kann ich die beiden Pferde bei Ihnen unterstellen und ein ausgeruhtes Tier leihen?

Der alte Mann mit dem wie gegerbt wirkenden Gesicht schüttelt den Kopf.

„Können Sie nicht, sagt er mit tiefer Stimme. „Weil ich keine Pferde habe. – Wollen Sie auch über die Grenze?

Ric blickt der Spur nach, die von hier, wo der Boden aufgewühlt ist, weiter in die Wüste hinausführt.

„Ja, sagt er. „Sie haben also keine Pferde.

„Nein. Ich habe es schon dem Mann gesagt, der vor Ihnen kam. Er musste auch auf seinem Klepper weiter. – Sie haben es besser als er. Sie haben zwei Pferde."

Ric lächelt verzerrt, als er wieder auf den Rappen neben sich schaut. Es ist Jim Carters Pferd. Aber Jim braucht kein Pferd mehr, wird nie wieder eins brauchen. Jim liegt zwanzig Meilen weiter im Osten in der heißen Erde.

„Wie lange ist er fort?"

„Er ritt gleich weiter. Es mag eine Stunde her sein. Wenn Sie hinter den Dünen sind, müssen Sie ihn sehen können. – Soll ich Ihnen etwas zu essen machen? Ich habe auch Whisky und Quellwasser. Das Wasser ist sehr sauber und angenehm kühl."

„Ich glaube, ich muss gleich weiter, erwidert Ric. „Vielleicht bin ich bald zurück. Vielen Dank. Er wechselt auf den Rappen hinüber und reitet weiter.

*

Eine Stunde ist Ric geritten. Er sitzt wieder auf dem Tupfschimmel. Plötzlich spürt er, wie das Pferd unter ihm zu straucheln beginnt. Ein Zittern durchläuft den schmalgewordenen, schaumbedeckten Körper. Und dann knickt der Tupfschimmel vorn ein. Ric kann gerade noch die Stiefel aus den lederbezogenen Steigbügeln ziehen und sich zur Seite werfen. Er landet im glühenden Sand, während das Pferd neben ihm zusammenbricht. Er sieht, wie der Rappe erschrocken zur Seite ausweicht und die langen Zügelenden hinter sich herschleift.

Ric ist mit einem Satz auf und springt dem Rappen nach. Er schnappt nach den Zügeln und presst sie in der Hand zusammen. Er dreht sich und sieht, wie der Tupfschimmel den Kopf hebt und ihn aus ängstlichen, irgendwie ahnenden Augen anschaut.

Plötzlich liegt der Revolver in seiner Hand, und obwohl der Kolben glühend heiß ist, kommt es Ric vor, als habe er einen Eisbrocken zwischen den Fingern. Er spürt den Abzug, hört den fauchenden Knall und sieht die Stichflamme aus der Mündung fahren.

Einen Moment lang erwägt Ric, seinen Sattel mitzunehmen, dann verwirft er den Gedanken. Er darf dem Rappen nicht zu viel zumuten. Nur seine Wasserflasche macht er vom Riemen los, öffnet sie und spült sich mit dem brackigen Wasser den Mund aus. Dann schiebt er den Stiefel in den Steigbügel und sitzt auf.

Er darf jetzt keine Zeit verlieren. Denn wenn es Red Loover gelingt, New Mexico zu erreichen, dann ist alles vorbei und alles vergebens gewesen. Dann ist auch Jim Carter umsonst gestorben.

Er schnalzt mit der Zunge. Müde geht der Rappe los. Er setzt ein Bein steif vor das andere, und es ist, als müsste er erst langsam wieder in Gang kommen.

Ric sitzt vorgebeugt im Sattel. Die Augen brennen ihm. Er fragt sich, wie lange es jetzt her ist, seit er das letzte Mal schlief.

Er hält auf einer Düne und sieht, dass sich das Land vor ihm abflacht. Weit im Hintergrund, vielleicht sind es sechs oder acht Meilen dorthin, sieht er einen kahlen Sandsteinfelsen in den Himmel ragen. Weiter rechts stehen ein paar niedrige Biberschwanzkakteen und daneben beschreibt ein trockenes Flussbett von Norden nach Westen einen Bogen.

Zwischen ihm und dem Sandsteinfelsen bewegt sich ein Reiter in Richtung auf die Grenze zu.

„Los", sagt Ric leise zu dem Tier. Er reitet von der Düne, als er sieht, wie der Mann vor ihm sich umwendet. Er erkennt das daran, dass sich die ganze Gestalt verschiebt und das Pferd dann plötzlich schneller wird.

Ric treibt den Rappen nicht an. Er weiß, dass er dann nicht mehr weit kommen würde.

Red Loover scheint das nicht zu wissen. Sein Klepper macht ein paar schwankende Schritte und stürzt plötzlich.

Ric sieht den Mann aus dem Sattel schlagen und im Sand eine Rolle drehen. Er sieht ihn auch wieder aufstehen und hört einen Schuss.

Das Pferd, das wie ein dunkler Klumpen im gelben Sand liegt, bewegt sich nicht mehr. Der Mann beugt sich darüber. Er hält gleich darauf ein Gewehr in der Hand und noch etwas, das sich nicht genau erkennen lässt.

Ric weiß, was es ist. Es sind die Satteltaschen, in denen sich die fünfzehntausend Dollar aus der Ranchersbank in Houston befinden.

Red Loover hat sich abgewandt und läuft nun weiter. Ein Stück scheint er sogar zu rennen, dann werden seine Bewegungen wieder langsamer.

*

Ric hat das tote Pferd hinter sich. Red Loover ist kaum noch zweihundert Yards vor ihm. Er hat nun angehalten, scheint einzusehen, dass er niemals mehr entkommen kann. Er wirbelt das Gewehr hoch, und Ric sieht die Feuerblume vor der Mündung aufblühen. Er hört das giftige Pfeifen der Kugel an seinem Ohr und Loovers wilden Schrei.

„Fahr zur Hölle, Ranger!"

Dann kracht das Gewehr wieder. Aber Loover zittert so sehr, dass der zweite Schuss noch weiter fehlgeht.

Ric reitet weiter. Er hat den Western 44 in der Hand, aber er hebt ihn noch nicht. Er blickt auf die schwankende Mündung, aus der gerade der dritte Blitz fährt.

Diesmal liegt die Kugel gut zwei Yards zu hoch. Red Loover flucht noch lauter und wirft sich auf die Knie, um besser zielen zu können.

Jedoch auch der vierte Schuss geht daneben.

Da kracht Rics Waffe. Er gibt nur einen einzigen Schuss ab und lässt den Colt anschließend sinken. Loover stolpert und rudert mit den Armen durch die Luft. Seine Waffe landet irgendwo im Sand. Er fällt, verkrallt die Finger in den Boden, als wolle er wieder aufstehen, und keucht abgerissen.

Als Ric neben ihm anhält und der Schatten des Pferdes den Bankräuber deckt, da werden dessen Hände auf dem Boden starr. Sie werden nun nie wieder zugreifen; nicht nach dem Sand, nicht nach der Waffe und auch nicht nach den Satteltaschen, in denen das viele Geld steckt.

Mit einer eckigen Bewegung steigt Ric aus dem Sattel und bückt sich nach den Satteltaschen, die durch einen kurzen Ledersteg miteinander verbunden sind. Sie sind etwa gleich schwer. Er öffnet sie nacheinander.

Sie sind beide je zur Hälfte mit Hartgeld gefüllt. Ric macht sich nicht die Mühe, das Geld zu zählen. Red Loover hatte auf seiner Flucht von Houston hierher keine Möglichkeit, etwas davon auszugeben.

Ric schließt die Taschen und hängt sie sich über die Schulter. Er blickt in die glasigen Augen des Toten.

Er schüttelt den Kopf, als könne er das nicht verstehen, dreht sich mit einer trägen Bewegung um und macht den kurzen Feldspaten von der Schlaufe am Sattelhorn los.

*

Die Sonne steht so tief im Westen, dass es aussieht, als liege sie auf dem brennenden Wüstensand. Vier Männer halten vor dem einsamen Handelsposten, der letzten texanischen Station für jene, die das Land durch die Wüste verlassen wollen.

David McDowell kommt aus seinem Haus.

„Guten Abend, Gents", murmelt er abwartend und blickt von einem zum anderen und dann zum Ersten zurück, auf Bide Spears.

Er ist ein Mann von etwa vierzig Jahren, großer, klotziger Gestalt und einem wuchtigen Schädel. Sein Haar ist schwarz, ebenso seine buschigen Brauen, die wie ein dicker Strich über seinen stechenden Augen stehen. Das ganze Gesicht ist von einem Stoppelbart derart überwuchert, dass sich der Mund mehr erahnen als sehen lässt. Die ganze Gestalt wirkt finster und drohend.

„Abend, sagt Bide Spears und fährt sich durch das Bartgestrüpp. „Kennen Sie einen Mann, der sich Larson nennt?

„Tut mir leid, kenne ich nicht. Aber es kamen hier zwei Männer vorbei, die keinen Namen nannten. Schon möglich, dass einer von ihnen Larson heißt."

„Sah der, der zuletzt hier war, wie ein Ranger aus?"

„Wie ein Ranger?", fragt der Stationer und scheint nachzudenken. Doch nach einer Weile schüttelt er den Kopf.

„Er ist groß, mattschwarz und sieht beinahe wie ein Cowboy aus. Er ist bestimmt noch keine dreißig Jahre. Wir nehmen an, dass er zwei Pferde bei sich hatte. Das eine davon muss ein Tupfschimmel sein."

„Ja, der kam hier vorbei, nickt McDowell. „Jetzt erinnere ich mich auch an das zweite Pferd, das er bei sich hatte. Er kam als Zweiter. Beide wollten frische Pferde von mir. Aber ich habe keine Pferde.

Thad Whitney, der auf dem Pferd neben Spears sitzt, lacht leise und grollend. Er ist etwa fünf Jahre jünger als Spears, hat eine schmale, große Gestalt und auffällig blaue Augen, deren Blick unstet und kalt wirkt. Jetzt rutscht Thad Whitney aus dem Sattel und geht langsam auf den alten Mann vor dem Stationshaus zu.

„War er weit hinter dem Ersten?"

„Nein, sagt McDowell unsicher und macht einen Schritt rückwärts, gefolgt von dem kalten Blick der Gletscheraugen. „Nein, er war nicht weit hinter dem anderen.

„Dann holt er ihn auch sicher ein. Oder konnte der Erste ein frisches Pferd von Ihnen bekommen?"

„Nein. Ich sagte doch schon, dass ich keine Pferde habe."

Whitney dreht sich um.

„Ich würde vorschlagen, hier zu warten, sagt er. „Er kommt bestimmt zurück.

Spears nagt sich an der Unterlippe. Etwas unsicher blickt er auf die beiden anderen. Da ist noch der junge Tyron Wayne, der gerade zweiundzwanzig ist und sich schon lange für einen ausgewachsenen Mann hält. Und dann ist schließlich noch Jeff Ridge. Er hat ungefähr Ric Larsons Alter, ist von kleiner Gestalt, hat krumme Reiterbeine und ein verschlagenes Gesicht. Und er hat als Einziger zwei Revolver; zwei 44er Remington.

Jeff Ridge steigt nun ebenfalls ab.

„Ich habe Durst, schnauft er. „Und ich würde auch wieder mal was essen. Verdammt, Bide, eine Pause wird uns guttun. Er geht auf den Stationer zu, stößt ihn einfach aus dem Wege und tritt in das Haus hinein.

Gleich hinter der Schwelle bleibt er wie festgenagelt stehen.

*

Am Ende der primitiven, länglichen Theke steht ein Mädchen von mittelgroßer Figur, hellblonden Haaren und offenbar großer Selbstsicherheit. Es trägt einen Wildlederrock und eine buntgemusterte Flanellbluse. Mit fast gelangweiltem Blick schaut es den Mann abwartend an.

„Ach, meint Whitney und wischt sich mit dem Handrücken durch das schmutzige Gesicht. „Na, so eine Überraschung.

Das Mädchen bewegt sich nicht. Es scheint etwas zu lächeln, aber das wird kaum sichtbar.

Whitney spürt einen Stoß in den Rücken und tritt schimpfend zur Seite.

Spears kommt an ihm vorbei, dann schieben sich die anderen beiden herein. Zuletzt kommt der Stationer. Er kommt mit eingezogenem Kopf und blickt scheu über die Männer und das Mädchen.

„Guten Abend, Miss, lächelt Ty Wayne und macht eine linkische Verbeugung. „Ich hoffe, wir stören nicht.

„Niemand stört hier, murmelt McDowell, sodass es die Männer kaum verstehen können. „Und jeder ist willkommen, der seine Zeche bezahlt und sich ordentlich aufführt.

„He, nicht so deutlich!, knurrt Spears. „Das gefällt uns nicht.

McDowell wendet sich zu ihm um und blickt ihn scharf an.

„Ich bin seit zwanzig Jahren hier, sagt er durch die Zähne. „Ich bin mit allen Menschen gut ausgekommen. Sogar mit Indianern. Ich habe jedem gleich gesagt, wie er sich zu verhalten hat. Sie haben es alle verstanden, und sie haben irgendwie gewusst, dass diese Station ein neutraler Ort ist.

„Er wird immer deutlicher, knirscht Jeff Ridge und wischt über die Kolben seiner beiden Revolver. Er schiebt sich an den anderen vorbei und lümmelt sich gegen die Theke. Er blickt das Mädchen an und fragt: „Wer bist du?

„Ich heiße Ann Green."

„Und wie heißt er?, forscht Ridge und zeigt mit dem Daumen über die Schulter. „McDowell.

„Ich hatte angenommen, du wärst seine Tochter. Das stimmt also nicht? „Nein.

„Bist du schon lange hier?"

„Nein. Ungefähr sechs Monate."

Ridge dreht sich, schaut Spears an und schüttelt den Kopf, als könnte er nicht verstehen. Schließlich blickt er wieder zu dem Mädchen.

„Sage mir nur noch, dass es dir in der Wüste gefällt, dann weiß ich alles", knurrt er.

„Es gefällt mir besser als in mancher Stadt. Vielleicht bin ich deshalb hier. „Ach so, meint Ridge. „Ich glaube, ich verstehe jetzt etwas besser. Du warst Tanzgirl in irgendeiner streifenden Truppe, nicht wahr? Es hat dir nicht mehr gefallen? Du bist ausgekniffen und hast deinen Vertrag gebrochen. Stimmt’s?"

Ann Green richtet sich kerzengerade auf und wirft die blonden Locken mit einer eigentümlichen Bewegung aus der Stirn. Sie antwortet nicht.

„Sitzt du auf den Ohren?", fragt Whitney grollend und macht einen Schritt auf sie zu.

„Lass sie in Ruhe, Thad", sagt Ty Wayne.

Whitney dreht den Kopf mit einer ruckartigen Bewegung und starrt Ty an, der an einem Stützpfosten lehnt und die Arme vor der Brust verschränkt hat.

„Was lallst du?", fragt er zornig.

„Du sollst sie in Ruhe lassen, Thad. Du weißt genau, dass ich schon immer etwas dagegen habe, wenn einer mit einem Mädchen anbindet."

Thad lacht, aber es klingt unecht und heiser. Er blickt Spears an, der abwartend auf seine verstaubten Stiefel schaut.

„Ich denke, wir wollten einen Whisky trinken, wirft Jeff Ridge ein. Er walzt zu einem Tisch und setzt sich auf einen rohgezimmerten Stuhl. „Los, Keeper, etwas Beeilung!

McDowell geht um die Theke und das Mädchen herum und verschwindet hinter einer wurmstichigen Tür.

Bide Spears setzt sich zu Ridge. Er faltet die Hände auf dem Tisch und rollt die Daumen umeinander. Er sieht, wie sich Whitney wieder dem Mädchen zuwendet und sagt:

„Mach jetzt keinen Kummer, Thad. Du weißt, warum wir hier sind. Er dreht den Kopf und fährt an Wayne gewandt fort: „Du kümmerst dich um die Pferde, Ty. Es gibt hier einen Stall, wie ich sehen konnte.

Wayne geht wortlos hinaus. Sie hören, wie er die Pferde um das Haus führt.

Der Keeper kommt mit einer dickbauchigen Flasche aus der Küche. Er stellt sie auf die Theke und angelt Gläser aus einem Regal.

„Es wundert mich, was du hier alles hast, alter Mann, meint Whitney. „Wie hast du denn das alles an diesen Platz gebracht?

„Irgendwie. Es ist doch für euch gleichgültig. Der Whisky kostet einen halben Dollar. Ihr müsst im Voraus bezahlen." Whitney dreht sich kurz zu Spears und Ridge um, dann schaut er wieder auf den Keeper und grinst von einem Ohr bis zum anderen.

„Wir bezahlen dann alles zusammen. Wir müssen sonst so oft in die Tasche greifen."

Der Keeper zieht die Flasche zu sich heran. Das Mädchen an der Kante der Theke rührt sich immer noch nicht.

„Na los, schenke ein!, schnaubt Whitney. „Du kannst dir doch denken, dass wir durstig sind. Hinter uns liegt ein verdammt harter Ritt!

„Erst Geld!"

Spears steht wieder auf und kommt nun ebenfalls zur Theke. Er lehnt sich mit dem Ellenbogen auf das schimmernde Messingblech, streift das Mädchen mit einem kurzen Blick und sagt dann an den Keeper gewandt: „Nimm an, wir hätten kein Geld."

McDowell zieht die Flasche noch weiter zurück.

„Dann könnt ihr nichts bekommen. Ich muss den Whisky und alle Lebensmittel von weit herholen. Ich bekomme sie nicht geschenkt und kann auch nichts verschenken. Ihr müsst doch einsehen ..."

„Es ist genug, unterbricht Spears ihn. „Wir haben kein Geld! Aber wir haben Hunger und Durst. Und wenn du ein klein wenig menschliches Mitgefühl hast, dann hältst du dich jetzt nicht länger bei der Vorrede auf. Also, schenke ein!

In McDowells Gesicht arbeitet es heftig, und es scheint die Angst zu sein, die mit seinem ausgeprägten Geschäftssinn streitet.

„Er will nicht, mischt sich Ridge vom Tisch her ein. Er hat einen seiner 44er gezogen und lässt die Trommel spielerisch rotieren. „Vielleicht soll ich ihn bezahlen, Freunde. – He, McDowell, wie denkst du darüber.

„Haben Sie denn Geld?" fragt der Stationer mit brüchiger Stimme.

„Geld? Nein. Ich kann dich nur mit einer Unze Blei bezahlen. Und ich sage dir, du hast dann nie wieder eine Forderung. Bist du damit einverstanden? „Ich würde ihnen alles geben, was sie wollen, sagt das Mädchen leise an den Keeper gewandt. „Sie sehen nicht so aus, als würden sie in solchen Dingen Spaß verstehen."

McDowell schluckt etwas die Kehle hinunter. Vielleicht ist es seine Angst. Dann schüttelt er eigensinnig den Kopf.

„Ich bin schon zwanzig Jahre hier, Gents. Und ich habe wirklich schon viele Leute gesehen, die von Osten nach Westen gingen und umgekehrt. Es waren meistens wilde Burschen, die vor irgendetwas auf der Flucht waren. Mancher Sheriff kam hinter ihnen her. Und fast alle von ihnen wussten, dass sie nie mehr an diesen Ort kommen würden. Aber alle haben das ungeschriebene Gesetz des Llano geachtet."

„Sie hatten vielleicht alle noch Geld, meint Whitney unbeeindruckt. „Ich mache dir einen Vorschlag zur Güte: Wir warten hier auf einen Mann, den wir dir schon beschrieben haben. Er ist hinter dem anderen her, der vor ihm hier war. Es gibt für uns keinen Zweifel, dass er ihn einholen wird. Er kommt mit fünfzehntausend Dollar zurück. Davon wirst du bezahlt. – Einverstanden?

„Woher wollt ihr wissen, dass er euch etwas davon geben wird?"

„Wir wissen es eben."

„Sie wollen es ihm scheinbar abnehmen, vermutet Ann Green. „Es handelt sich also um Banditen, die diesen Ort als Schauplatz für ein Verbrechen auserkoren haben.

Spears steht mit zwei Schritten dicht vor ihr und sieht sie aus flammenden Augen an.

„Halten Sie den Mund, Miss, stößt er hervor. „Versuchen Sie, sich in nichts einzumischen. Sie haben keine Ahnung, um was es wirklich geht. Und es geht Sie auch nichts an. Niemand wird etwas gegen Sie unternehmen, wenn Sie schön friedlich sind!

Ann Green tritt zurück und lehnt sich gegen das Regal. Spears dreht sich wieder um und blickt auf den Keeper.

„Also los nun. Unsere Geduld hat Grenzen. Diese Grenzen sind jetzt erreicht."

McDowell fasst den Hals der dickbauchigen Flasche fester.

„Er will nicht", sagt Ridge vom Tisch her und lässt die Trommel seines Remington-Revolvers wieder rotieren. Das schleifende Geräusch ist für Sekunden der einzige Laut, der zu hören ist, und er füllt das Stationshaus bis in den letzten Winkel aus.

McDowell ist so weiß wie eine frischgekalkte Wand. Er schluckt heftig.

„Schenken Sie ein, sagt das Mädchen eindringlich. „Sie haben nichts davon, wenn Sie es darauf ankommen lassen.

McDowell schenkt ein. Seine Hand zittert dabei so stark, dass er mehr Whisky verschüttet, als er in die Gläser füllt.

Whitney zieht ein Glas zu sich.

„Na also, grunzt er. „Ich hatte fast gedacht, dir wäre hier draußen der Verstand vertrocknet. Könnte ja sein. – Prost, Leute!

Spears nimmt Ridge ein Glas mit zum Tisch hinüber und setzt sich.

„Und jetzt gehst du in die Küche und brätst uns saftige Steaks", meint Whitney, nachdem er sein Glas leergetrunken hat. Er greift über die Theke hinweg und reißt McDowell die dickbauchige Flasche aus der Hand. Dazu lacht er breit und zufrieden.

„Hast du nicht gehört?, fragt Ridge und wackelt mit dem Revolver. „Steaks braten, zum Satan!

McDowell blickt unsicher auf das Mädchen. Sie nickt ihm zu. Er dreht sich schwerfällig um und schiebt sich durch die Tür.

Whitney lacht wieder sein gemeines, hämisches Lachen. Er kommt an den Tisch und schenkt die leeren Gläser voll.

„Trinkt, Freunde. – Los, Mädel, hole dir auch ein Glas!"

Ann bewegt sich nicht.

Ty kommt durch die Tür. Er nähert sich langsam. Er hat die Hand nahe dem Kolben des 45ers, blickt auf das Mädchen, senkt aber sofort den Kopf, als sie ihn anschaut.

„Komm, Ty, für dich ist auch noch ein Schluck da, ruft Whitney. „Hast du die Pferde ordentlich trockengerieben?

„Ja."

„Das ist gut, Ty. Dann darfst du auch einen Schluck trinken. Komm, mein Kleiner!"

„Du sollst mich nicht immer Kleiner nennen, Thad", knurrt Wayne.

„Schon gut. Komm her!"

Wayne ist erst halb am Tisch, als die Küchentür auffliegt und das schaurige Quietschen der Angeln alle anderen Geräusche übertönt.

Ihre Köpfe fliegen herum.

„Hände hoch!", schreit McDowell.

*

Der Stationer kommt langsam und vorgebeugt in den Raum. Er hat eine doppelläufige abgesägte Schrotflinte in der Armbeuge, die auf die Männer gerichtet ist. Es gibt für sie keinen Zweifel, dass die streuende Ladung sie alle treffen wird, wenn McDovell jetzt die beiden Abzüge durchzieht.

Whitney hebt die Hände als Erster. Ty folgt seinem Beispiel, und Ridge sagt:

„Mach doch keinen Blödsinn, alter Mann! Es war doch alles nur ein Spaß."

„Hände hoch!", grollt McDowell. Das Gewehr in seinen Händen sticht nach vorn.

Spears und Ridge heben die Hände.

„Ann, du sattelst ihre Pferde, sagt der Stationer mit glasklarer Stimme. „Wenn du fertig bist, rufst du. Ich dirigiere sie dann hinaus.

Ann Green sieht sehr bleich aus. Sie nickt vage und geht zu einer Hintertür. Die morschen Dielen knirschen unter ihren Füßen. Die Tür fällt hart zu. Staub rieselt von den Dachsparren auf die Männer nieder.

„Hier bin ich der Sheriff, sagt McDowell. „Ich gebe euch einen guten und ernstgemeinten Rat: kommt nie mehr zurück.

„Können wir die Hände wieder herunternehmen?", fragt Ridge, der zu seinem Colt schielt, den er auf den Tisch gelegt hat.

„Ihr bleibt so sitzen."

„Wenn du schießt, wird auch die Flasche kaputtgehen, wirft Whitney hin. „Wäre es nicht schade darum?

McDowell geht nicht darauf ein. Sein verkantetes Gesicht sieht finster und entschlossen aus, und sie ahnen wohl, dass er wirklich schießen wird, wenn nur einer von ihnen eine falsche Bewegung macht.

Nach einer Weile ist draußen das Klappern von Hufen zu hören.

„Es ist so weit", hören sie Ann Green sagen.

„Aufstehen! kommandiert McDowell. „Und schön vorsichtig! Ich bin nervös!

Ridge erhebt sich sofort. Er schielt noch immer zu seinem Colt. Neben ihm steht Spears auf und schiebt sich auf die Tür zu. Whitney geht hinter ihm her. Ty Wayne hat sich ebenfalls gedreht und marschiert auf die Tür zu.

Nur Ridge steht noch am Tisch. Er sieht, wie die beiden Läufe der Schrotflinte mit den anderen mitwandern, und er sieht auch, dass der Keeper jetzt sein volles Augenmerk auf die anderen richten muss.

„Los, du auch!", hört er ihn rufen.

Ridge dreht sich und zieht den zweiten Colt in dieser Bewegung. Er macht das sehr schnell und schießt in dem Moment, wo er die Waffe hochbringt. McDowell taumelt getroffen zur Küchentür zurück. Ein verzerrter Schrei kommt von seinen Lippen. Er drückt die beiden Läufe der Schrotflinte ab, als die Mündungen schon zu den Dachsparren zeigen. Grollend entlädt sich das Schrotgewehr. Spears zuckt zusammen und hört den Hagel über sich in die Wand und das Dach fahren. Er dreht sich, sieht Ridge mit der rauchenden Waffe und das Grinsen, das sich auf dem Gesicht des kleinen, krummbeinigen Revolvermannes langsam abzeichnet.

„Erledigt, sagt Ridge und spuckt auf die Dielen. „Der verlangt kein Geld mehr. – Ihr könnt wieder herkommen, die Flasche ist heil geblieben.

Spears wendet sich um. Er sieht noch etwas grau im Gesicht aus.

„Gut gemacht, Jeff, lobt er kratzig. „Früher oder später hätte er sowieso über die Klinge springen müssen. „Warum?", fragt Ty hohl.

Spears wendet sich ihm zu.

„Weil wir es gründlich machen wollen, mein Junge. Es gibt doch eine ganz einfache Version."

„Und – und wie lautet die?"

„Red Loover ist mit dem Geld entkommen. Er hat erst Jim Carter erschossen und dann den zweiten Ranger. Er ist nach New Mexico und hat seine Spur verwischt. Niemand wird auf den Gedanken kommen, dass eine dritte Gruppe das Geld haben könnte."

„Bist du sicher, dass Ric mit dem Geld kommen wird und Loover tot ist?", fragt Whitney.

„Ganz sicher, nickt Spears. „Er hat zwei Pferde und damit alle Vorteile auf seiner Seite. Und Red Loover wird um das Geld kämpfen, bis er nicht mehr atmen kann.

Plötzlich klingt Hufschlag auf.

„Das Girl!, schreit Ridge. „Verdammt, sie will fliehen! Bide, wenn sie in die nächste Stadt kommt, wird alles verraten sein.

Spears wirbelt auf dem Absatz herum und will hinaus. Ty steht in seinem Wege und greift hart nach seinem Arm.

„Du – du wirst sie doch nicht töten wollen, Bide!, stößt er rau hervor. „Warum?

„Man schießt nicht auf einen wehrlosen Menschen. Und gleich gar nicht auf eine Frau! Bide, lass es sein!"

Spears macht seinen Arm mit einer heftigen Bewegung frei und geht hinaus. Gleich darauf hören sie den Knall aus einer Sharps und einen verwehten Schrei. Ein abrupt endendes Wiehern schallt über das Land. Dann wird es still.

„Es war dein Pferd, Ty", sagt Bide von draußen. „Tut mir leid. Du wirst dann Rics Pferd nehmen müssen. Wir sind uns doch darüber einig, dass er es nicht mehr braucht. –

Komm zurück, Mädel! Zu Fuß schaffst du es niemals bis in die nächste Stadt!"

*

Die Nacht senkt sich langsam über die Wüste. Ann Green bleibt mit hängenden Schultern vor dem Haus stehen und blickt die Männer an, die an der Wand lehnen und Zigaretten in den Mundwinkeln hängen haben.

„Es ist gut, dass du zurückgekommen bist, sagt Spears. „Wir wissen zufällig, wie weit es bis Big Springs ist. Eine Stadt, die näher wäre, gibt es nicht. Du kannst es bis Big Springs nicht schaffen. Irgendwo wärst du liegengeblieben. Niemand hätte dir geholfen. Und über dir wären die Geier gewesen, die dich mit ihrem Gekrächze bis zum letzten Atemzug munter gehalten hätten.

Sie blickt Spears von unten herauf an. Sie spürt die Müdigkeit in ihren Gliedern und sie hat nicht mehr die Kraft, sich zu fragen, was nun kommen wird.

„Wir sind wie Bestien, sagt Ty leise. „Ich glaube, ich könnte mich selbst nicht mehr ansehen. Es ist gut, dass es hier keinen Spiegel gibt.

„Halt’s Maul, Ty, knurrt Whitney. „Ich habe dir doch gesagt, dass es nur diesen einen Weg gibt, ein reicher Mann zu werden. Eines Tages wirst du das alles vergessen haben.

„Ich werde das nie vergessen."

„Dann eben nicht, Es ist deine Sache. „Ich wäre nie mit euch geritten, wenn ich das gewusst hätte.

„Wir haben doch selbst nicht gewusst, dass wir hier auf ein Haus, auf einen Mann und eine Frau stoßen würden. Wir verdauen nur unsere Überraschung etwas schneller als du und stellen uns entsprechend ein."

„Aufhören, mischt sich Spears ein. „Ty, du bringst die Pferde wieder in den Anbau. Jeff, du kümmerst dich um unser Abendessen. Thad bringt den Toten hinaus, und du, Ann, kommst herein. Wir haben über Verschiedenes zu reden.

*

Ridge klappert in der Küche mit Töpfen. Ann Green sitzt Spears am Tisch gegenüber und blickt stumm auf ihre Hände.

„Der Mann, auf den wir warten, war einmal unser Freund", sagt Spears, indem er sie anblickt. Er kann sie nur noch sehr undeutlich erkennen. „Es ist schon eine Weile her. Er und ein gewisser Jim Carter verließen uns. Jim war wohl schuld daran. Aber auch Ric Larson wollte nie mitmachen. Ich möchte sagen, erst nachdem beide fort waren, wurden wir zu dem, was wir heute sind.

Jim Carter sprach immer von Recht und Gesetz. Und Larson hat das irgendwie geglaubt. Er ist ein komischer Mensch. – Wir brauchten lange, bis wir wussten, dass sie in Houston stecken und von Colonel Dickson den Stern genommen hatten. Wir machten uns auf den Weg, um mit ihnen darüber auf unsere Art zu reden. Doch als wir in die Stadt kamen, waren beide gerade fortgeritten. Sie folgten einem Bankräuber. Er hatte mit zwei anderen die Ranchersbank überfallen und konnte als Einziger entkommen. Es war für uns leicht, den Spuren zu folgen. Wir hatten einige Tage Zeit, uns unseren Plan zurechtzulegen. Dann fanden wir Jim Carters Grab. Wir konnten ihn nicht bedauern. Und jetzt sind wir hier, um auf Larson zu warten. – Weißt du jetzt, um was es geht?"

Ann hebt den Kopf. Sie schaut ihn an, scheint aber durch ihn hindurchzublicken. Sie gibt auch keine Antwort.

„Wir waren immer arme Kerle, redet Spears weiter. „Wir trieben uns überall und nirgends herum. Carter sagte immer, wir lebten ohne Zweck und Ziel. Jetzt haben wir das eingesehen. Jetzt haben wir ein Ziel.

Ridge kommt aus der Küche. Er reißt ein Schwefelholz über die Tür und zündet den Docht der Petroleumlampe an.

Ann Greens Gesicht wird aus der Dunkelheit gerissen. In ihren Augen spiegelt sich die Kälte wider, die ihren Körper beherrscht. Ihre Hände auf der Tischplatte werfen Schatten.

„Wir wollen mit dem Geld von hier fortgehen und keine Spuren hinterlassen, sagt Spears. „Das ist für uns ganz einfach, und sicher hast du das auch schon begriffen. Unsere Spur können wir aber nur verwischen, wenn wir keine Zeugen hinter uns lassen. Verstehst du das?

Sie schaut ihn immer noch an und schweigt. Ihre Lippen stehen wie ein schmaler Strich in dem bleichen Gesicht.

„Du wirst dich deshalb entscheiden müssen, fährt er fort. „Und zwar bald. Ich schätze, er wird schnell zurückkommen. Vielleicht noch in dieser Nacht. Ich werde ihm einiges erklären, dann reiten wir weiter. Ich muss dann wissen, ob du mit uns kommen willst. Deine Auswahl ist nicht sehr groß.

Ann blickt auf ihre Hände. Sie weiß jetzt, dass sie zwischen einem Leben unter Bestien und dem Tod zu wählen hat. Die Auswahl ist wirklich nicht sehr groß.

„Ich führe das Kommando, sagt Spears mit einem Blick zur Theke hin. Er sieht, dass Ridge wieder in der Küche verschwunden ist. „Sie machen alle, was ich sage. Sie machen es manchmal gegen ihren eigenen Willen, aber sie machen es. Wir werden das Geld teilen. Jeder wird dorthin gehen, wohin es ihn zieht. Wir zwei gehen nach Mexiko. Wir werden dort heiraten. Wir werden für den Anfang genug haben, um ein kleines Tal und eine Herde zu kaufen. Eines Tages wirst du alles vergessen haben. Wir zwei passen zusammen. Fühlst du es? „Nein."

„Du willst es nicht fühlen. Du wehrst dich dagegen. Dabei sind wir von der gleichen Art. Wir gehören beide zu den Ausgestoßenen. Anders wärst du niemals hierhergekommen. – Und denke an die Auswahl, von der ich sprach."

Sie steht mit einem heftigen Ruck auf. „Ich werde daran denken, sagt sie. „Kann ich mich frei bewegen?

„Sicher, Darling. Es ist dir unmöglich, uns zu entkommen. Du kannst auch nichts gegen uns unternehmen, denn wir sind zu viele gegen dich. Überlege es dir noch einmal."

*

Sie trifft Ty im Stall. Er sitzt auf der Futterkiste und schaut ihr entgegen, Schatten spielen in seinem Gesicht. Er schluckt und scheint nicht zu wissen, was er sagen soll. Sie fragt sich, ob er schon als Kind bei Spears war und ob er niemals etwas anderes lernte, als der ihm beibrachte. Sie lehnt sich gegen einen Pfosten und blickt ihn an.

„Die Nächte in der Wüste sind komisch, nicht wahr?", fragt er stockend, nur um etwas zu sagen.

„Sie sind sehr hell, Ty." Sie schaut an ihm vorbei und auf den Sattel, der neben der Futterkiste liegt. Sie sieht das Gewehrfutteral und die blanke Kolbenplatten einer Spencer, und sie fragt sich, was sie wohl anfangen könnte, wenn sie das Gewehr hätte.

„Warum sind sie so hell?"

„Ich weiß es nicht, Ty. – Bist du schon lange mit ihm zusammen?"

„Mit Spears?"

„Mit ihm und den anderen."

„Schon sehr lange. Sie haben mich einmal aufgelesen, als ich am Verhungern war. Damals konnte ich einen Colt noch nicht richtig festhalten und überhaupt nicht abdrücken."

„Das muss wirklich schon sehr lange her sein. Ich wurde auch einmal aufgelesen. Damals war ich fünfzehn. Sie nahmen mich in einem bunten Wagen mit. Ich wurde nie gefragt, ob mir das recht ist."

Ty nickt.

„Mich haben sie auch nie gefragt, seufzte er. „Es ist seltsam, wie sich die Schicksale manchmal gleichen.

„Ja, Ty. Aber als ich dann dachte, richtig denken zu können, so für mich selbst, da lief ich einfach fort."

Ihre Blicke kreuzen sich, und Ty schaut zu Boden. Er rutscht von der Futterkiste, kommt ihr ein paar Schritte entgegen, hebt den Kopf aber nicht.

„Ich wollte auch schon fortlaufen, sagt er raunend. „Aber wohin? „Irgendwohin, Ty. Alle Menschen können nicht schlecht sein."

„Schlecht?"

„Die, die andere töten, um an irgendwelche fremden Besitztümer zu kommen, die sind schlecht, Ty. Der Schnaps, den ihr trinkt, gehört euch nicht. Auch jetzt nicht, obwohl McDowell tot ist. Er wird euch nie gehören. Und auch das Geld, das ihr dem Ranger abnehmen wollt, wird euch nie gehören. Einmal wird euch das Schicksal einholen."

Ty hebt den Kopf. Flammen scheinen aus seinen Augen zu schlagen.

„Die verdammte Gerechtigkeit hätte mich verhungern lassen!, stößt er hervor. „Meine Mutter war ein Tanzgirl gewesen. Gerade so eins wie du. Eine tückische Krankheit plagte sie. Als sie tot war, jagten sie mich davon. Sie trieben mich einfach aus der Stadt hinaus. Keiner hat danach gefragt, was mit mir werden würde. Keiner! Ich glaube, ich hätte hinter dem letzten Haus liegenbleiben können. Sie hätten sich nicht darum gekümmert. – Ist das die Gerechtigkeit, von der du sprichst?

Ann Green blickt ihn an. Die Flammen in den Augen sind erloschen. Aber sie weiß, dass sie wieder aufspringen werden, wenn sie nur noch ein Wort von Gerechtigkeit sagt.

„Das Leben hat dich bitter gemacht, sagt sie. „Vielleicht muss auf dieser Welt alles so sein.

„Es muss nicht so sein, Ann. Die Menschen denken nur, sie müssten so sein. Die, die sich gut nennen, glauben, das Recht zu haben, auf den anderen herumzutreten. Sie nehmen für sich das Recht in Anspruch, über Gut und Böse zu entscheiden. Sie sagten von meiner Mutter, dass sie schlecht gewesen wäre. Sie fragten nie, warum sie schlecht war. Sie war es einfach. Und weil sie schlecht war, musste auch ich so sein. Und so jagten sie mich davon."

„Ist Ric Larson auch so einer, der über Gut und Böse entscheiden will?"

„Er war immer ein feiner Kerl. Ich konnte ihn gut leiden. Vor allem imponierte mir seine Schusshand. Weißt du, ich habe noch nie einen Mann gesehen, der so schnell schießen und so sicher treffen kann wie er. Ridge bildet sich auch ein, ein Coltmann zu sein. Sicher ist er auch weit besser als die meisten. Aber Larson ist eine Klasse für sich. „Und sonst, Ty? Hatte er sonst nichts an sich, was dir gefallen hat?

„Doch, ich sagte es ja. Er war überhaupt ein feiner Kerl. Er hörte nur zu viel auf Jim. Jim war auch nicht schlecht. Aber sein Geschwätz von Recht und Gesetz hat alle verrückt gemacht. Eines Tages waren beide fort."

„Er wird jetzt wiederkommen. Ihr wartet hier auf ihn?"

„Ja."

„Ihr wollt ihn töten, Ty."

„Es ist so beschlossen. Ich kann daran nichts ändern. Bide meint, wir brauchten sein Geld. Wir wollen es teilen."

„Und dann reitet jeder in einer anderen Richtung, nicht wahr?"

„Hat er dir das gesagt?"

»Ja, Ty."

„Dann weißt du ja alles."

„Ich frage mich nur, was du mit dem Geld machen willst. Wenn doch die anderen über die guten und die bösen Menschen sowieso entscheiden, was nützt es dir dann?"

„Sehr viel. Wenn man Geld hat, gehört man zu den guten Männern. Und wenn man Geld hat, werden auch keine Fragen gestellt. Man hat ganz einfach Geld. Alle Leute ziehen den Hut, wenn man die Straße heruntergeritten kommt. Weißt du, was ich mit meinem Geld anfangen werde?"

Sie schüttelt den Kopf und sagt: „Keine Ahnung, Ty. Was?"

„Ich werde mir eine Peitsche kaufen. Eine lange Peitsche, in deren dünnes Ende eine Bleikugel eingearbeitet ist. Dann stelle ich Männer als Stallknechte ein, als Cowboys, als Zureiter, als alles Mögliche. Ich werde immer hinter ihnen stehen. Und wenn sie etwas verkehrt machen, schlage ich sie mit der Peitsche. Ja, das werde ich machen. So haben sie es mit mir gemacht, als ich klein und wehrlos und arm war und meine Mutter eine todkranke Frau."

Sie hört die Bitterkeit aus seinen Worten überdeutlich heraus, und sie weiß, dass sie ihn nicht umkrempeln kann. Er ist durch die Hölle gegangen, noch ehe er die Welt verstehen gelernt hatte. Er will sich nun rächen, und anscheinend denkt er an nichts als seine Rache.

„Es ist schade, dass du keine Unterschiede machen willst, sagt sie. „Larson scheint nicht für seine Interessen zu reiten, sondern für die einer Bank. Und darüber hinaus scheint er noch etwas für dieses Land tun zu wollen. Aber das verstehst du wohl noch nicht.

Ty Wayne schnauft verächtlich.

„Weißt du, wer auch immer so gesprochen hat? Jim Carter. Er sagte immer: ‚Ty, du kannst das nicht begreifen, weil Spears Schatten für dich zu lang ist.‘ Und jetzt ist Jim Carter tot. Er war nur ein Handlanger von denen, die das Recht glauben gepachtet zu haben. Sie haben ihn bezahlt, damit er seinen Kopf für sie hinhält. Er hat ihn hingehalten. Auch Ric wird ihn nun zum letzten Mal hinhalten. Es wird etwas anders kommen, als er sich vielleicht ausgerechnet hat. Aber im Grund genommen ist es gar nichts anderes. Wir werden das Geld teilen. Und wir werden dann nie wieder arme Schlucker sein."

„Du willst dir eine Ranch kaufen, nicht wahr?"

„Ja, Wie kommst du darauf?"

„Es hörte sich so an, als du von der Peitsche gesprochen hast. Du willst von deinem Anteil sehr viel machen. Wie hoch wird er sein?"

„Mein Anteil? – Ich weiß nicht genau. Spears wird etwas mehr bekommen. Vielleicht bekommt auch der mehr, der es macht. Es ist egal. Zweitausend Dollar vielleicht."

„Zweitausend? Das ist nicht viel, Ty. „Zweitausend Dollar sind mehr Geld, als mancher Mann zusammenzählen kann.

„Mag sein, Ty. Aber zweitausend Dollar sind nicht genug, um eine Ranch zu kaufen. Vielleicht kann man davon versuchen, eine aufzubauen. Vielleicht, wenn man die Energie dazu hat. Es wird dann ein hartes Stück Arbeit werden. Davon träumst du doch offenbar nicht? „Zweitausend Dollar reichen!

„Hat dir Spears das vorgerechnet?"

„Ja. Ich weiß, dass er mich in solchen Sachen nicht belügt."

„Wie hoch schätzt du seinen Gewinn ein?"

„Vielleicht fünftausend. Ich weiß nicht genau. Es wird sich alles erst ergeben. „Er hat mir angeboten, ihn zu heiraten.

Ty ist mit einem Schritt dicht bei ihr, und sein heißer Atem streift ihr Gesicht. „Das – das stimmt doch nicht?"

„Doch. Aber deshalb sagte ich das nicht. Er will nach Mexiko gehen und von seinem Geld etwas aufbauen. Auch so etwas wie du. Aber er meint, es würde für einen bescheidenen Anfang reichen."

Ty tritt wieder zurück. Er hat eine steile Falte auf der Stirn stehen.

„Er hat dir offenbar eine falsche Rechnung aufgemacht, redet Ann weiter. „Und auch sonst verschätzt du dich. Es kann sehr wohl sein, dass die Leute fragen, woher du das Geld hast. Mit zweitausend Dollar gehört man nicht einfach zu denen, von denen du sagst, sie hätten das Recht gepachtet.

Ty geht zur Kiste zurück und setzt sich wieder darauf.

„Rede ruhig weiter, brummt er. „Wenn es mit der Ranch nicht klappt, werde ich eben etwas anderes machen. Zu irgendetwas reicht es schon. Und zu der Peitsche auch.

Ann Green geht zur Tür zurück. Dort wendet sie sich wieder um.

„Willst du die ganze Nacht hier sitzen?, fragt sie. „Ridge hat Steaks gebraten. Hast du keinen Hunger?

„Ich werde schon kommen. – Du willst wohl ein Pferd haben? – Es würde dir nichts nützen. Du kommst von hier nicht weg. Mit dem Gewehr schießen wir alle sehr sicher."

„Spears sagte mir schon, dass ihr sehr wachsam seid, Ty."

„Dann weißt du ja Bescheid."

„Ja, Ty. Ich weiß, dass ihr Menschen ohne Gnade seid. Ihr würdet auch mich umbringen, wenn es für euch keinen anderen Weg gibt."

Ty ist mit einem Sprung von der Kiste und kommt mit harten Schritten zu ihr. Er packt ihren Arm, und seine Finger schließen sich so fest zusammen, dass es ihr wehtut.

„Dir wird nichts geschehen. Keiner von uns hat das Herz dazu. Aber du musst versuchen, auch uns zu verstehen. Wir müssen es so machen, dass an unseren Fersen niemals Verfolger hängen können."

„Das ist deine Meinung. Ich sehe, ihr seid euch untereinander auch nicht einig." Sie macht ihren Arm mit einer knappen Bewegung frei und tritt hinaus. Ty geht zu der Futterkiste zurück. Tief im Innern spürt er etwas, das er sich nicht zu erklären vermag und das bisher noch nie dort war.

Ann fühlt den leichten, lauen Lufthauch, der über ihre brennende Stirn streicht. Der Sand auf dem Boden bewegt sich leicht. Sie blickt darauf und denkt daran, dass ihre Auswahl nicht größer geworden ist.

*

Whitney hat das Grab hinter dem Blockhaus zugeschaufelt und tritt durch die Hintertür in den langgestreckten, niedrigen Raum. Er sieht Spears an einem Fenster stehen und nach Westen blicken.

„Siehst du ihn schon?", fragt Whitney.

„Nein."

Thad tritt neben ihn. Er angelt die dickbauchige Flasche vom Tisch und trinkt einen Schluck. Danach schaut er ebenfalls hinaus. Eine sehr helle Nacht liegt über der Wüste. Der leicht wandernde Sand sieht wie ein Vorhang aus. Sie können weit blicken, aber sie sehen nichts als Sand im fahlen Dämmerlicht dieser Wüstennacht. Dann schlägt ein Laut an ihre Ohren, der wie das ferne Heulen eines Schakals klingt.

Ann Green kommt durch die Hintertür. Sie geht bis zur Theke und lehnt sich dort gegen das wurmstichige Holz. Spears dreht sich um und blickt sie abwartend an. Und als sie schweigt, sagt er:

„Hast du es bei Ty versucht?"

„Was?"

„Du weißt doch, was ich meine. Nicht wahr, er macht nicht mit?"

„Nein."

„Ich wusste es. Er ist eigentlich ein sehr labiler Mensch. Aber er glaubt an das, was ich ihm sage, weil er weiß, dass er lange tot wäre, wenn es mich nicht geben würde."

„Er sagte es mir."

„Dann weißt du ja alles. Im Übrigen hat das an meinem Angebot nichts geändert. Ich bin nicht kleinlich. Vielleicht erleichtert dir das die Entscheidung. Jeff hat für dich etwas zu essen gemacht. Es steht in der Küche."

„Was hast du ihr für ein Angebot gemacht?" will Whitney wissen.

„Sie soll meine Frau werden. Ich gehe nach Mexiko. Sie hat dort gegen mich nichts auszusagen."

„Ach so. Das ist ein guter Gedanke. – Gefällt ihr das nicht?"

„Sie ist vielleicht etwas überrascht, Thad. Es wird ihr schon noch gefallen."

*

Der Wind hat zugenommen. Ric Larson hat sich das Halstuch über Mund und Nase gezogen. Der Schweiß, der auf seiner Stirn steht, hat sich mit dem Flugsand zu einer festen, spröden Schicht vereinigt. Sein Atem macht das Halstuch feucht. Er spürt seine Beine nicht mehr, und er muss immer wieder nach den Taschen auf seiner Schulter greifen, um sich zu vergewissern, dass sie noch da sind.

Er zieht Jim Carters Rappen hinter sich her. Seit Stunden zieht er ihn so. Und er fragt sich, ob er noch in der richtigen Richtung läuft. Die Spur, die er hinterlassen hat, als er nach Westen ritt, hat der Wind verwischt.

Nichts ist mehr zu sehen. Nichts als Sand, Dünen und hier und da nacktes Gestein, auf dem sich der silbrige, helle Mondschein spiegelt.

Als das Pferd hinter ihm stehenbleiben will, zerrt er mit einem wilden Ruck an den Zügeln, ohne sich umzublicken. Er darf nicht anhalten. Er darf hier auch dem Gefühl nicht nachgeben, eine Pause einlegen zu müssen. Vielleicht würde er nie wieder aufstehen. Vielleicht würde ihn der Sand zudecken, der immer schneller über den Boden wandert.

Er stemmt sich gegen den zunehmenden Wind, blickt wieder und wieder nach vorn und sieht nichts als Sand, Dünen und kahle, graue Steine.

Ist er noch richtig?

Er kann die Frage kaum noch verarbeiten. Er fühlt sich innerlich sehr leer, und das Einzige, das er wirklich noch zu sehen glaubt, ist das Grab in der Prärie, in dem Jim Carter liegt. Es ist alles furchtbar sinnlos.

Recht und Gesetz. Pah! Nichts von ihm ist übrig. Ein schlichter Grabhügel. Irgendwann wird eine Rinderherde darüber hinweggehen und ihn ebnen.

Seine Schritte knirschen durch den Sand, doch die Geräusche erreichen seine Ohren nicht mehr. Müde kämpft er sich auf die Düne hinauf. Bis zu den Knöcheln sinkt er im lockeren Wüstensand ein.

Recht und Gesetz, hämmert es durch seinen Kopf. Er wird Dickson die Taschen und den Stern geben. Er wird ihm beides mit der gleichen müden Bewegung geben, mit der er jetzt den Rappen zieht und mit der er Jims Grab zugeschaufelt hat. Vielleicht wird der Colonel ihn sogar verstehen. Vielleicht ...

Eigentlich hatte er die Taschen dem nächsten Sheriff geben wollen. Aber er wird sie Dickson selbst bringen. Er wird auch an Jims Grab vorbeireiten und Blumen darauf legen.

Er stutzt plötzlich und bleibt stehen. Er merkt nicht, dass er stark schwankt. Er reibt sich über die brennenden Augen, um festzustellen, dass er richtig sieht.

Doch, es muss stimmen. Die erleuchteten Fenster sind immer noch da. Dort vorn! Vielleicht ist es noch eine Meile.

Der Rappe stößt ihn in den Rücken und hätte ihn fast zu Fall gebracht. Er scheint die Witterung der Station schon aufgenommen zu haben.

Ric dreht sich. Er blickt das Pferd an und fragt es mit ihm fremd klingender Stimme: „Kannst du mich wieder tragen? Nur noch ein kleines Stück, Blacky!"

Das Pferd schnaubt.

Ric greift nach dem Sattelhorn und setzt den Fuß in den Steigbügel. Er weiß, dass das Pferd die Richtung nun nicht mehr verlieren wird. Er sinkt im Sattel zusammen, kaum dass er richtig sitzt. Er spürt die trägen Bewegungen des Tieres nur noch im Unterbewusstsein, und er greift rein instinktiv nach den Satteltaschen, zieht sie von der Schulter und hängt sie über das Sattelhorn.

*

„Na also, sagt Spears zufrieden. „Gib mal die Flasche her, Thad!

Whitney gibt sie ihm und schaut nun ebenfalls hinaus.

„Da kommt er ja, sagt er fahrig. „Teufel, das ist er wirklich. Ich glaube, ich könnte ihn auf diese Entfernung unter Tausenden erkennen.

„Ich auch, Thad. Selbst jetzt, wo er mehr tot als lebendig ist, sitzt er noch immer eigentümlich im Sattel."

Whitney nimmt die Flasche, die Spears ihm gibt, und stellt sie hinter sich auf den Tisch. Ridge kommt aus der Küche und lümmelt sich auf die Theke.

„Wie weit ist er noch?", fragt er.

„Eine knappe Meile. Vielleicht auch nicht mehr so weit. Hier draußen kann man das nicht gut schätzen."

„Hat er das Geld?"

„Ich kann ihm nicht in die Taschen gucken, Jeff", knurrt Spears.

„Da wird er es auch nicht haben. Es ist Hartgeld. Es muss eine ganze Menge sein. Vielleicht fast zwei Satteltaschen voll."

„Das werden wir alles sehen. Natürlich hat er das Geld. Es ist so sicher, wie es sicher war, dass er kommen wird. Es konnte und kann gar nicht anders sein." Spears wendet sich um und geht zur Theke hinüber. Er blickt erst Ridge in das gerötete Gesicht, dann schaut er auf Ann.

„Hast du es dir nun überlegt?"

„Nein, noch nicht. Wollt ihr ihn wirklich töten?"

„Gefällt dir das nicht?"

„Ich finde es unfair, wenn ein Mann umgebracht wird, der sich nicht einmal verteidigen kann. Er ist so fertig, dass er nicht einmal die Waffe erkennen wird, die ihr auf ihn richtet."

„Er wird sie erkennen. Wir bringen ihn nicht gleich um. Wir werden ihn erst zu sich kommen lassen. Er soll genau wissen, warum sein Trail hier zu Ende geht. Wir haben Zeit."

„Dann werde ich ein Bett für ihn zurechtmachen. Habt ihr etwas dagegen?" Spears und Whitney sehen sich an. Thad zuckt die Schultern.

„Nein, wir haben nichts dagegen, sagt Spears. „Aber Thad wird mit dir gehen. Wir trauen dir nämlich nicht über den Weg.

„Dann solltest du mich vielleicht besser nicht heiraten wollen."

„Das ist eine andere Sache. Jedenfalls bei mir ist es eine andere Sache. Du musst dir überhaupt angewöhnen, bei mir nicht die gebräuchlichen Maßstäbe anlegen zu wollen. – Thad, geh mit ihr."

„Yeah, Bide."

Das Mädchen geht auf die Hintertür zu, und Thad folgt ihr.

Sie sind noch nicht lange hinaus, als Ty den Raum betritt. Er stellt sich neben Spears und schaut hinaus.

„Was hat sie dir alles erzählt, Ty, als sie im Stall war?", fragt Spears gleichgültig.

„Gar nichts von Bedeutung, Bide."

„So? Ich dachte, sie hätte dir etwas erzählt. Vielleicht Fragen gestellt. Du weißt ja, Frauen stellen mit leidenschaftlicher Sturheit Fragen. Sie sind darin nicht zu beirren."

„Sie hat nichts gefragt."

Bide nickt, ohne den Kopf zu drehen. „Du wirst den Stall im Auge behalten, wirft er hin. „Du brauchst nicht unbedingt darin zu sitzen. Aber du solltest immer auf die Tür achten. Du haftest mir für die Pferde. Für alle Pferde! Ist das klar?

„Ja, Bide."

„Kannst du die Tür sehen?"

„Ja."

„Dann ist alles in Ordnung."

„Der Stall hat aber noch eine Hintertür. Dahinter stehen ein paar niedrige Kakteen um einen winzigen Tümpel. „Das haben wir alle gesehen, als wir hierherkamen. Geh hinüber und nagle die Tür zu. Das Mädchen kann sie dann nicht aufbringen. Jedenfalls nicht, ohne Krach zu schlagen, der uns nicht entgehen dürfte.

„In Ordnung, Bide." Ty entfernt sich wieder.

Spears schaut immer noch hinaus, während er mit den Fingern auf das Fensterbrett trommelt. Der Reiter ist nur unmerklich näher gekommen.

„Ich habe das Gefühl, als wären fünfzehntausend Dollar für vier Mann keine sehr große Summe, Bide", meint Ridge von der Theke her, hinter der er noch immer steht.

Spears dreht sich langsam um.

„So?"

„Ja."

„Und warum sagst du das ausgerechnet jetzt?", forscht Spears.

Jeff Ridge grinst.

„Weil wir so schön allein sind. Oder hast du dir darüber keine Gedanken gemacht?"

„Wir sind nach Texas gekommen, weil wir ihn und Carter gesucht haben. Von dem Geld war überhaupt keine Rede. „Stimmt, Bide. Inzwischen haben wir uns an den Gedanken gewöhnt, dass unsere Rache belohnt wird. Und inzwischen hat auch jeder von uns ausgerechnet, was er mit seinem Anteil anfangen könnte. Wir haben alle feste Pläne. Sogar Ty hat einen Plan, obwohl er vom Wert des Geldes keine Ahnung hat. – Findest du nicht, dass wir zu viele sind?

„Nein, Jeff."

„Du willst es wohl nicht sagen, eh?" Spears geht zur Theke hinüber und lehnt sich darüber, sodass sein Gesicht und das Ridges sich sehr nahe sind. Er riecht den Fuselatem des anderen und blickt in die verschieden-farbigen Augen seines Kumpans.

„Du bist ein Schwein, Jeff, sagt er kalt. „Ich habe immer gewusst, dass es für dich so etwas wie Treue und Freundschaft nicht gibt. Aber ich hatte nie erwartet, dass du es so offen sagen würdest.

Ridge grinst immer noch. Er leckt sich über die Zunge und sagt: „Mach keine Sprüche, Bide. Ich weiß, dass du gerade so denkst wie ich. Zwischen uns gibt es gar keinen Unterschied. Wir beide haben das alles sehr genau überlegt."

„Meinst du?"

„Ja. Und wir sind beide gleich wachsam. Wir beide können die anderen überfahren, wenn wir das wollen. Nur wir zwei werden am Ende übrig sein. – Weißt du, dass ich sehr schnell bin?"

„Ja, ich weiß es, dehnt Spears. „Rede weiter!

„Es wird besser sein, wenn wir zwei nicht versuchen, uns gegenseitig auszuspielen. Wir haben dann jeder einen Batzen Geld. Wir werden fair teilen. Du bist doch einverstanden?"

„Und die anderen?"

„Darüber haben wir doch gesprochen, Bide. Es ist doch alles klar, oder?"

„Mir wird immer klarer, dass du wirklich ein Schwein bist."

Ridge stellt sich gerade. Der Ausdruck seines Gesichts wird finster.

„Du willst es nicht zugeben!, schnappt er. „Du willst vielleicht alles allein haben. Ich rate dir: versuche es nicht! Du beißt dir an mir die Zähne aus. Wir können es nur gemeinsam machen!

Spears geht langsam um die Theke herum, und Ridge weicht vor ihm zurück. „Was willst du?", keucht er.

„Ich will es dir deutlicher sagen, Jeff. Du weißt doch, was ich meine?"

Ridge streckt die Hände abwehrend vor und sein Gesicht verschiebt sich zu einer Fratze.

„Lass das sein!, brüllt er. „Hörst du, Bide! Ich erschieße dich!

„Das wirst du nicht tun. Dazu bist du zu feige. Du wagst dich nur an welche heran, die bedeutend schlechter sind als du. Ich habe dich studiert, Jeff. Ich kenne jeden Zoll deiner verkommenen Person! „Lass es!

Da ist Spears heran und seine Faust sticht vorwärts. Sie trifft Ridge genau an der Kinnspitze. Die Wucht des Schlages treibt den Revolvermann zurück und wuchtet ihn mit dem Rücken gegen die Tür zur Küche. Er fängt sich dort. In seine Augen tritt ein tückisches Schimmern.

„Geh hinein und brate weiter Steaks, sagte Spears beherrscht. „Vielleicht reden wir noch einmal darüber. Aber anders, als du es dir ausgemalt hast. Los, verschwinde!

Ridge schiebt sich durch die Tür, ohne Spears auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Bide stößt die Tür hinter ihm zu und geht zum Fenster zurück.

Er weiß genau, dass Ridge nicht zurückkommen wird, um einen seiner guten Schüsse abzugeben. Er hat jetzt Angst. Nicht nur vor ihm, sondern auch vor den anderen. Beispielsweise vor Tyron, der keinen anderen als Spears als Boss anerkennen würde.

Der Reiter ist wieder näher gekommen. Spears sieht, dass sich der Rappe immer noch bewegt. Er wird es bestimmt bis hierher schaffen.

Spears grinst tückisch. Er hat sich alles genau zurechtgelegt. Er wird es ihm zeigen. Und damit will er es auch den anderen begreiflich machen: Es gibt keinen Menschen, der Bide Spears entkommen kann.

*

Whitney lehnt an der Tür des kleinen Zimmers und schaut Ann zu, die eine Pferdedecke über die primitive Pritsche zieht. Die Lampe auf dem Tisch an der Wand flackert leicht.

„Ich war früher Spieler", sagt er. „Ich hatte sogar eine

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Was die anderen über Spieler, Colts und namenlose Reiter denken

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