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Krimineller Erntedank: Riesen Krimi Paket 16 Krimis

Krimineller Erntedank: Riesen Krimi Paket 16 Krimis

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Krimineller Erntedank: Riesen Krimi Paket 16 Krimis

Länge:
2,040 Seiten
24 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 15, 2020
ISBN:
9781393198154
Format:
Buch

Beschreibung

Krimineller Erntedank: Riesen Krimi Paket 16 Krimis
von Alfred Bekker, Horst Bieber, Pete Hackett, Wolf G. Rahn, Peter Wilkening, Hendrik M. Bekker

Über diesen Band:

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Wolf G. Rahn: Cora Martin - unter falschem Verdacht

Alfred Bekker: Abendessen mit Konversation

Alfred Bekker: Eis in den Bergen

Horst Bieber: Mord beginnt im Herzen

Pete Hackett: Der Tod führt Regie

Alfred Bekker: Bluternte 1929

Pete Hackett: Wer mit dem Tod handelt...

Alfred Bekker: Im Visier der Killerin

Pete Hackett: Der Moloch von der Eastside

Horst Bieber: Ein geduldiger Jäger findet sein Ziel

Wolf G. Rahn: Unmöglicher Auftrag für Bount Reiniger

Peter Wilkening: Mord in Bärenklau

Hendrik M. Bekker: Die Akte Poe - Erster Teil

Hendrik M. Bekker: Die Akte Poe - Zweiter Teil

Alfred Bekker: Das Elbenkrieger-Profil

Alfred Bekker: Der verlorene Erbe

Ist Cora Martin unschuldig? Oder eine abgefeimte Lügnerin? Jedenfalls wird sie eines Mordes beschuldigt, und ihr Fall gibt Privatdetektiv Bount Reiniger so manche Nuss zu knacken. Wäre er nicht ein solch erfahrener Detektiv, so hätte er hierbei alt ausgesehen. Knifflig bis zuletzt bleibt die doppelbödige Angelegenheit, bei der die Gangster immer einen Schritt voraus zu sein scheinen …

Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 15, 2020
ISBN:
9781393198154
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Krimineller Erntedank - Alfred Bekker

Krimineller Erntedank: Riesen Krimi Paket 16 Krimis

von Alfred Bekker, Horst Bieber, Pete Hackett, Wolf G. Rahn, Peter Wilkening, Hendrik M. Bekker

Über diesen Band:

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Wolf G. Rahn: Cora Martin - unter falschem Verdacht

Alfred Bekker: Abendessen mit Konversation

Alfred Bekker: Eis in den Bergen

Horst Bieber: Mord beginnt im Herzen

Pete Hackett: Der Tod führt Regie

Alfred Bekker: Bluternte 1929

Pete Hackett: Wer mit dem Tod handelt...

Alfred Bekker: Im Visier der Killerin

Pete Hackett: Der Moloch von der Eastside

Horst Bieber: Ein geduldiger Jäger findet sein Ziel

Wolf G. Rahn: Unmöglicher Auftrag für Bount Reiniger

Peter Wilkening: Mord in Bärenklau

Hendrik M. Bekker: Die Akte Poe - Erster Teil

Hendrik M. Bekker: Die Akte Poe - Zweiter Teil

Alfred Bekker: Das Elbenkrieger-Profil

Alfred Bekker: Der verlorene Erbe

Ist Cora Martin unschuldig? Oder eine abgefeimte Lügnerin? Jedenfalls wird sie eines Mordes beschuldigt, und ihr Fall gibt Privatdetektiv Bount Reiniger so manche Nuss zu knacken. Wäre er nicht ein solch erfahrener Detektiv, so hätte er hierbei alt ausgesehen. Knifflig bis zuletzt bleibt die doppelbödige Angelegenheit, bei der die Gangster immer einen Schritt voraus zu sein scheinen ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Cora Martin - Unter falschem Verdacht?: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Wolf G. Rahn

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

Ist Cora Martin unschuldig? Oder eine abgefeimte Lügnerin? Jedenfalls wird sie eines Mordes beschuldigt, und ihr Fall gibt Privatdetektiv Bount Reiniger so manche Nuss zu knacken. Wäre er nicht ein solch erfahrener Detektiv, so hätte er hierbei alt ausgesehen. Knifflig bis zuletzt bleibt die doppelbödige Angelegenheit, bei der die Gangster immer einen Schritt voraus zu sein scheinen ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Cora Martin blinzelte durch lange, schwarze Wimpern und versuchte sich zu erinnern. Es musste letzte Nacht eine ganz verrückte Party gewesen sein. Ihr Kopf dröhnte jetzt noch wie eine pausenlos geschlagene Sambatrommel.

Bei wem hatte das Ereignis stattgefunden? Bei Fred? Oder war sie von Betty eingeladen worden? Himmel! Anscheinend begann sie zu verkalken. Oder, was wahrscheinlicher war, die Drinks waren ihr nicht bekommen.

Die rassige Frau ließ die Lider wieder zurückschwingen. Sie war noch müde. Ein halbes Stündchen wollte sie sich noch gönnen.

Aber schlafen konnte sie nicht. Ihr fielen auf, dass sie nicht in ihrem gewohnten Bett lag. Dies hier war ungewöhnlich hart. Kein Wunder, wenn sie jeden Knochen im Leib spürte.

Ihre Hand tastete zur Seite und stockte. Sie war nicht allein. Neben ihr lag jemand. Allem Anschein nach, ein Mann. Aber wer?

Cora Martin riss die Augen auf. Es war so dunkel im Zimmer, dass sie kaum die Umrisse der Möbel wahrnehmen konnte. Die Fenster wurden durch Vorhänge verschlossen. Immerhin stellte sie fest, dass sie auf dem Fußboden lag. Unter ihr befand sich nichts außer einem dicken Teppich.

Junge, Junge! Dass sie sich aber auch an gar nichts erinnern konnte. Es musste demnach wüst zugegangen sein.

Fred war der Bursche neben ihr bestimmt nicht. Fred schnarchte, kaum dass er die Augen zuhatte.

Cora biss sich auf die Unterlippe. Seltsame Situation! Vermutlich hatte sie mit dem Typ geschlafen. Vielleicht konnte sie sich erinnern, wenn sie sein Gesicht sah. Einen unauslöschlichen Eindruck hatte er jedenfalls nicht bei ihr hinterlassen.

Sie räusperte sich.

Der Mann wachte nicht auf. Anscheinend hatte er noch mehr getrunken als sie.

Ein Kaffee wäre jetzt genau das Richtige. Irgendwo musste ja hier die Küche sein. Sie würde sie schon finden und ihre Lebensgeister wieder auf Vordermann bringen.

Jetzt musste sie lächeln. Das war ihr noch nie passiert, dass sie einen so absoluten Blackout gehabt hatte. Sie musste unbedingt in Erfahrung bringen, was in der Nacht vorgefallen war.

Sie richtete sich auf und gähnte herzhaft.

In dem Raum lag ein eigenartiger Geruch. Vielleicht hatte sie davon die Kopfschmerzen bekommen.

Kalt war ihr nicht, obwohl sie nur ihren Slip trug. Wo waren denn ihre Sachen?

Ein Schreck durchfuhr sie. Sie hatte keine Ahnung, welcher Tag heute war. Vielleicht hätte sie schon längst im Büro sein müssen.

Unmöglich! Mit diesem Schädel konnte sie keinen klaren Gedanken fassen. Sie würde sich krankmelden.

Cora stand auf und reckte sich. Sie tastete sich zu einem der Fenster, wobei sie gegen einen im Weg stehenden Stuhl stieß.

Endlich hatte sie es geschafft. Sie zog den Vorhang ein Stück zurück und blickte auf eine gepflegte Grünanlage mit prächtigen Blumenrabatten, kunstvoll geschnittenen Hecken und vereinzelten schattenspendenden Bäumen.

Draußen schien die Sonne. Es war heller Tag.

Cora Martin blickte auf ihre Armbanduhr. Halb elf. Um Gottes willen! Jetzt brauchte sie nur noch einen Kalender. Wenn sie Glück hatte, war heute Sonntag.

Das Haus, in dem sie sich befand, stand offensichtlich in einer vornehmen Gegend. Eine richtige Villa.

Cora drehte sich um. Jetzt konnte sie auch den Mann genauer betrachten.

Peinlich, peinlich! Ihr wollte die Erinnerung nicht kommen. Sie hätte geschworen, noch nie ein Wort mit ihm gewechselt zu haben. Aber dann hätte sie kaum fast nackt neben ihm gelegen.

Er war allerdings angezogen. Lediglich seines Sakkos hatte er sich entledigt. Es hing über einer Stuhllehne. In der Brusttasche steckte eine dünne Ledermappe.

Cora durchschoss ein Gedanke. Na klar! Sie brauchte nur in seinen Papieren nachzusehen. Dann wusste sie, wer er war, und konnte ihn wenigstens anreden, sobald er zu sich kam.

Auf nackten Sohlen schlich sie zurück, zupfte die Brieftasche heraus und schlug sie auf.

Sie traute ihren Augen kaum. Geld quoll ihr entgegen. Das waren mindestens fünftausend Dollar. Außerdem waren noch ausländische Banknoten dabei.

Wenn sie eine Diebin wäre, könnte sie sich jetzt ungehindert bedienen. Aber sie interessierte sich lediglich für den Pass.

Bevor sie ihn aufschlug, fiel eine Fünfzigdollarnote zu Boden. Hastig bückte sie sich danach. Der Mann sollte nicht erfahren, dass sie in seinen Papieren geschnüffelt hatte.

Als sie den grünen Schein aufhob, weiteten sich ihre Augen. Gleich daneben lag eine Pistole. Von ihr ging dieser eigentümliche Geruch aus.

Cora Martins Blick wanderte weiter zu dem Mann, dem sie nun genau ins Gesicht schauen konnte.

Er sah elegant aus. Seine Oberlippe zierte ein Bärtchen. Das Hemd, das er trug, hatte zweifellos achtzig Dollar gekostet. Die Krawatte war dezent gemustert.

Aber zwei Dinge störten Cora ganz gewaltig. Das eine war der starre Blick, mit dem der Fremde sie ansah. Beim zweiten handelte es sich um den Blutfleck, der sich um zwei versengte Löcher im Hemd gebildet hatte. Der Mann war tot.

Cora Martin stieß einen erstickten Schrei aus und ließ die Brieftasche fallen. Sie taumelte zurück und schlug die Hände vor den Mund. Der Gedanke, neben einem Leichnam geschlafen zu haben, bereitete ihr Übelkeit.

Nach dem ersten Schock zwang sie sich zu kühlem Überlegen.

Vor allem durfte sie nichts verändern oder gar die Mordwaffe anfassen. Die Pistole lag so, dass nach ihrer laienhaften Ansicht ein Selbstmord auszuschließen war.

Es durchrieselte sie eiskalt. Dicht neben ihr war ein Mensch getötet worden. Der Mörder hatte die gefüllte Brieftasche verschmäht. Und er hatte auch sie ungeschoren gelassen. Es gab mehr als eine Frage, die sie sich nicht beantworten konnte.

Die Polizei musste her. Das war ganz klar. Irgendwo in dieser verdammten Villa musste es ein Telefon geben.

Cora Martin begann zu suchen.

Da zuckte sie erneut zusammen. Vor der Tür hörte sie ein Geräusch. Es hörte sich an, als würde sich jemand nähern.

Ihr blieb fast das Herz stehen. Der Mörder! Kam er zurück, um auch sie noch umzulegen? Vielleicht fürchtete er, sie könnte ihn bei seiner entsetzlichen Tat beobachtet haben.

Angstvoll blickte sie sich nach einem Fluchtweg um.

Aussichtslos! Es gab nur eine Tür, und durch die konnte jeden Augenblick der Killer kommen.

Dort der Schrank! Sie durfte nicht wählerisch sein. Sie eilte auf das riesige Möbelstück zu, stockte aber und hob hastig ihre auf dem Teppich verstreuten Kleidungsstücke auf.

Dann rettete sie sich in den Schrank und verbarg sich zwischen Anzügen und Mänteln. Die Tür zog sie zu sich heran und ließ nur einen winzigen Spalt offen, damit sie Luft bekam und nicht womöglich niesen musste.

Sie hätte nicht länger zögern dürfen. Kaum war sie im Schrank verschwunden, als sich auch schon die Zimmertür öffnete.

Cora zitterte am ganzen Körper. Sie hätte am liebsten laut um Hilfe geschrien. Doch wer sollte ihr beistehen? Sie war dem Killer schutzlos ausgeliefert, falls er sie aufspürte.

Das Blut stieg ihr in den Kopf. Sie bekam in ihrem engen Gefängnis Platzangst. Ihr einziger Gedanke war, dass der Kerl gleich die Schranktür aufreißen würde.

Aber vorläufig geschah nichts. Cora hörte schwere Schritte auf dem Teppich. Sie spähte durch den Spalt und erkannte knapp vor sich einen breiten Rücken. Der Mörder kauerte neben seinem Opfer.

Hoffentlich will er nur das Geld!, dachte sie.

In diesem Moment wandte der Mann den Kopf und schaute genau in ihre Richtung.

Nur mit Mühe unterdrückte die Frau im Schrank einen Schrei. Brennend schwarze Augen unter dichten Brauen funkelten zu ihr herüber. Auch dieser Mann trug einen Bart. Er hielt den Mund leicht geöffnet. Dazwischen blitzten Zähne, die an ein Raubtier erinnerten.

Ein südländischer Typ. So hatte sich Cora stets die Angehörigen der gefürchteten Mafia vorgestellt.

Der Kerl richtete sich auf und blickte auf den Leichnam herab. Er war ziemlich groß und bestimmt auch kräftig.

Jetzt drückte sein Gesicht grenzenlose Wut aus. Er presste die Lippen zusammen. Seine Augen waren nur noch winzige Spalte. So kam er auf sie zu.

Cora Martin musste sich an einem der Mäntel festklammem, um nicht umzufallen. Er hatte sie entdeckt. Zumindest aber konnte er sich denken, dass er sie im Schrank finden würde.

Noch zwei Schritte. Noch einer. Jetzt!

Der Killer ging vorbei. Anscheinend suchte er erst woanders.

Zu ihrer Überraschung hörte die Frau das typische Geräusch einer sich drehenden Wählscheibe. Der Kerl wollte telefonieren.

Vermutlich rief er die Organisation an und meldete die Ausführung des Verbrechens. Er würde auch nicht unerwähnt lassen, dass es eine mögliche Zeugin für die Tat gegeben hatte. Sie konnte sich leicht vorstellen, wie die Anweisung seines Auftraggebers lauten würde.

Leg’ das Luder um!

Ein paar Sekunden hörte sie nichts außer dem nervösen Trommeln des Mannes auf einer Holzplatte.

Dann begann er zu sprechen. Er nannte einen Namen und eine Adresse. Danach sagte er: „Sie müssen sofort herkommen, Lieutenant. Hier ist ein Mord geschehen."

2

Anfangs war Cora Martin unendlich erleichtert. Doch gleich darauf sagte sie sich, dass der Bursche bluffte. Er war nicht der erste Mörder, der selbst die Polizei alarmierte, um den Verdacht von sich abzulenken. Was hätte er sonst in dem Haus zu suchen? Wer hatte ihn eingelassen?

Nein, sie durfte sich keinesfalls rühren, sonst war sie rettungslos verloren. Der Bursche schreckte auch vor einem zweiten Mord bestimmt nicht zurück.

Aber was sollte sie tun, wenn die Polizei eintraf? Die Beamten würden natürlich das ganze Haus gründlich durchsuchen. Wenn sie sie hier im Schrank entdeckten, nur mit einem Slip bekleidet, würde man ihr zweifellos ein paar Fragen stellen, von denen sie keine einzige beantworten konnte.

Nein, sie musste unbedingt vorher aus der Villa verschwinden.

Zum Glück wartete der Kerl, der angeblich Galluzzi hieß, nicht neben dem Toten auf das Eintreffen der Mordkommission. Er legte den Telefonhörer zurück und ging wieder am Schrank vorbei.

Cora sah, wie er ein weißes Tuch in seine Tasche schob. Hatte sie es doch gewusst. Er hatte vermieden, seine Fingerabdrücke auf dem Hörer zu hinterlassen. Wahrscheinlich verdrückte er sich jetzt. Der angegebene Name war jedenfalls falsch.

Tatsächlich verließ der Schwarzhaarige das Zimmer. Sie hörte, wie er sich entfernte.

Sie wartete und lauschte. Sie hörte keine weitere Tür und keinen Wagen. Offenbar befand sich der Mörder noch immer im Haus.

Es war für Cora Martin nicht so wichtig zu wissen, was Galluzzi im Schilde führte. Wichtiger war, dass sie endlich von hier verschwand.

Lautlos öffnete sie die Schranktür und schlüpfte aus ihrem Gefängnis. Überstürzt zog sie sich an und suchte auch noch ihre Schuhe, die sie zuerst nicht gefunden hatte. Sie lagen unter einem der Sessel.

Der Ermordete lag noch immer auf dem Teppich. Auch sonst hatte sich in der Zwischenzeit nichts verändert. Sogar die Brieftasche mit dem herausgefallenen Inhalt befand sich noch dort, wo sie sie hatte fallen lassen.

Auch die Mordwaffe hatte der Mann nicht an sich genommen.

Cora zögerte. War es nicht klug, die Pistole an sich zu nehmen? Falls Galluzzi sie doch noch überraschte, hätte sie wenigstens etwas, womit sie ihn sich vom Leibe halten konnte. Obwohl sie es mit Sicherheit nicht fertigbringen würde, auf einen Menschen zu schießen. Selbst dann nicht, wenn ihr eigenes Leben in Gefahr war.

Schon streckte sie ihre Hand nach der Schusswaffe aus, als sie in der Ferne die Polizeisirene hörte.

Sie kamen. Jetzt musste sie sich beeilen.

Cora ließ die Pistole liegen und stürzte zum Fenster, das ihr am nächsten war. Die Tür durfte sie nicht benutzen. Dort wartete der Killer.

Sie schob den Vorhang etwas weiter zurück und blickte auf die Straße, die vor dem Garten vorbeiführte. Sie war hinter dem Bäumen und Hecken kaum zu sehen.

Das war ihr Glück. So würde man sie auch nicht so leicht entdecken, wenn sie aus dem Fenster kletterte.

Zum Glück befand sich der Raum im Erdgeschoss. Cora öffnete das Fenster. Drückende Luft schlug ihr entgegen.

Die Polizeisirenen wurden lauter. Ihr blieben nur noch Sekunden.

Sie setzte sich aufs Fensterbrett, schwang ihre schlanken Beine nach außen und ließ sich an der rauen Mauer hinabgleiten. Dabei schrammte sie sich die Haut an den Oberschenkeln auf.

In der Nähe kreischten Bremsen. Männerstimmen wurden laut.

Die Frau hetzte geduckt durch den Garten. Sie umrundete das Haus, eine prächtige Villa, die nach viel Geld aussah, und erreichte keuchend die Rückseite.

Hier dehnte sich der Garten noch weiter aus. Hoffentlich war sie in der Lage, den Zaun zu überklettern!

Cora rannte weiter. Ein paarmal drehte sie sich um, um sich zu vergewissern, dass man sie noch nicht entdeckt hatte.

Es sah so aus, als könnte sie es schaffen. Der Lautstärke der Stimmen nach zu urteilt, stürmten die Polizisten zunächst ins Haus. Erst später würden sie das Gelände absuchen.

Sie schlug sich durch ein paar Büsche und sah endlich den Zaun vor sich.

Sie zog ihre Pumps aus und warf sie hinüber auf die andere Seite. Dann begann sie mit der Klettertour.

Niemand sah sie. Niemand schlug Lärm. Als sie auf der Straßenseite heruntersprang, war zwar ihr Kleid zerrissen, doch das war ihr egal.

Schnell zog sie ihre Schuhe wieder an und setzte ihre Flucht fort.

Sie legte mehr als eine Meile im Laufschritt zurück. Ein paar verwunderte Blicke folgten ihr zwar, aber keiner hielt sie auf. Niemand wollte den Grund ihrer Erregung wissen.

Sie stoppte ein Taxi und ließ sich nach Manhattan fahren. In der Nähe des Central Parks stieg sie in ein anderes Yellow Cab um und nannte ihre Adresse. Eine halbe Stunde später war sie zu Hause.

Als sie die Tür ihres Apartments hinter sich geschlossen hatte, brach sie in Tränen aus. Erst jetzt stellte sich der Schock ein. Lange konnte sie sich nicht beruhigen.

Sie genehmigte sich einen großen Bourbon und fühlte sich danach geringfügig besser.

Schon während der Fahrt hatte sie angestrengt nachgedacht. Wen konnte sie anrufen, um sich zu erkundigen, was während der Stunden ihrer Gedächtnislücke vorgefallen war? Ihr fiel niemand ein.

Das Letzte, woran sie sich erinnern konnte, war ein Arbeitstag, an dem sie viel Ärger hatte hinunterschlucken müssen. Sicher hatte sie auf dem Nachhauseweg noch ein paar Einkäufe erledigt. Warum sie dann in jene fremde Villa gefahren war, wollte ihr nicht in den Kopf. So sehr sie auch grübelte, sie hätte schwören können, den Toten noch nie gesehen, geschweige denn mit ihm gesprochen oder andere Dinge getan zu haben.

Cora Martin ging in ihre kleine Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Vielleicht wurde dadurch ihr Kopf ein wenig klarer.

Während das Gerät summte, kramte sie ein Notizbuch aus ihrer Handtasche, die sie nicht in der Villa vergessen hatte. Sie blätterte darin. Sie brauchte unbedingt eine Freundin, der sie die Geschichte erzählen konnte, ohne befürchten zu müssen, dass innerhalb der nächsten Stunde ganz New York City über ihr Erlebnis informiert war.

Sie stieß auf einen Namen, bei dem sie unwillkürlich lächelte. Mein Gott! Wie lange hatten sie sich schon nicht mehr gesehen. Sie hatte June völlig aus den Augen verloren. Dabei waren sie während der Schulzeit befreundet gewesen und hatten sich auch danach noch ein paarmal getroffen.

Cora wählte die Nummer, die hinter der Adresse notiert war. Es meldete sich ein völlig fremder Teilnehmer.

Natürlich! Es war Jahre her, seit June ihr die Nummer gegeben hatte. Sie war bestimmt längst umgezogen. Wahrscheinlich war sie sogar verheiratet und wohnte möglicherweise gar nicht mehr in der Stadt.

Cora entsann sich, dass June ein paarmal von ihrer Arbeit gesprochen hatte. Irgendwo musste sie sogar die Nummer des Büros aufgeschrieben haben.

Sie blätterte weiter und fand das Gesuchte.

Als sich eine Detektei meldete, erschrak sie gewaltig. Fast hätte sie den Hörer auf die Gabel geworfen.

Dann aber lächelte sie gequält und fragte: „Bist du das, June?"

Nach der Bestätigung atmete sie auf. Sie fischte sich die Zigarettenpackung aus der Handtasche, fand aber ihr Feuerzeug nicht. Also warf sie die Zigarette ungeraucht in den Aschenbecher.

Sie wusste gar nicht, wo sie mit ihrem Bericht anfangen sollte. Was sie erzählte, musste sich für einen Unbeteiligten reichlich verworren anhören.

June hörte aber geduldig zu und stellte nur ab und zu eine Frage. Am Schluss riet sie der ehemaligen Freundin, dieselbe Geschichte unbedingt der Polizei zu erzählen, um größerem Ärger vorzubeugen.

Cora lehnte empört ab. Sie hatte sich einen besseren Rat erhofft. Nach dem Versprechen, sich die Sache durch den Kopf gehen zu lassen, legte sie den Hörer zurück.

Sie holte aus der Küche Streichhölzer und rauchte endlich ihre Zigarette. Zusehends wurde sie ruhiger. Alles lag wie ein böser Traum weit hinter ihr.

Cora zog ihre zerrissenen Sachen aus und ging unter die Dusche. Danach zog sie frische Kleidung an und stopfte das unbrauchbar gewordene Zeug in den Müllschlucker.

Als es an der Tür läutete, dachte sie sofort an June. Sie hatte versprochen, zu ihr zu kommen, sobald es ihre Arbeit zuließ.

Cora Martin ging zur Tür und spähte durch den Spion;

Sie war überrascht. Das einzige, was sie an die Schulfreundin erinnerte, waren die blonden Haare. Aber sie sah alt aus und kleidete sich auch unvorteilhaft. Fast wie eine Gouvernante.

Cora öffnete die Tür und fragte unsicher: „June?"

„Cora Martin?", fragte die Blondine zurück. Auch ihre Stimme hatte sich am Telefon anders angehört.

Cora lächelte gequält. „Natürlich bin ich’s. Komm doch rein!"

Die Frau folgte ihrer Aufforderung.

Hinter ihr tauchten zwei Männer auf, die neben der Tür gestanden haben mussten. Sie hielten bullige Revolver in den Fäusten und richteten sie auf Cora.

Die Frau hielt ihr eine Blechmarke unter die Nase und legte ihr mit Nachdruck die Hand auf die Schulter.

„Lieutenant Sutter von der Mordkommission, schnarrte die Blondine. „Ich rate Ihnen dringend, keinen Widerstand zu leisten und uns zu folgen.

Cora schluckte mühsam. „Aber warum denn?"

„Sie stehen im Verdacht, einen Mann ermordet zu haben."

3

June March blickte versonnen zum Fenster hinaus, als Bount Reiniger seinen Kopf durch die Tür steckte.

„Nach deinem Gesichtsausdruck zu urteilen, sagte er grinsend, „bist du entweder verliebt oder hungrig. Da man den zweiten Zustand eher in den Griff bekommt, hoffe ich, dass du dich für einen leeren Magen entschieden hast. Schon wegen der Rechnungen, die eigentlich heute noch raus sollten.

June reagierte nicht. Ihr verträumtes Gesicht veränderte sich in keiner Weise. Es musste wohl doch die Liebe sein.

Bount ließ die Tür hinter sich und trat an seine Mitarbeiterin heran. Er tippte ihr mit der Fingerspitze leicht auf die Schulter, worauf die Blondine vor Schreck so steil von ihrem Stuhl hochkam, dass ihre Schulter unter Bounts Kinn knallte. Dumpf sackte sie zurück.

Bount taumelte und rieb sich seine misshandelte Partie.

„Komm du mir noch mal wegen einer Gehaltserhöhung, brummte er. „Das war ein tätlicher Angriff auf deinen Vorgesetzten. Sämtliche Vergünstigungen sind für die nächsten hundertzwanzig Jahre gestrichen. June kam zu sich. „Wieso stehst du auch ausgerechnet hinter mir?, beschwerte sie sich. „Ein Gentleman klopft an, bevor er zu einer Dame kommt, oder macht sich auf andere dezente Weise bemerkbar. Es ist keine Art, unschuldige Mädchen brutal zu erschrecken.

Bount zog eine Grimasse. „Wie konnte ich ahnen, dass ich dein Schlafzimmer betrete?, verteidigte er sich. „Bisher war ich der Ansicht, dass du diesen Raum für deinen Arbeitsplatz hältst. Wenn ich in meiner Erinnerung krame, fallen mir sogar Augenblicke ein, an denen ich deine Schreibmaschine habe klappern hören. Was ist los mit dir? Erzähle mir nicht, dass du schon wieder dringend zum Friseur musst. Und die entzückende Bluse, von der du mir seit letzten Dienstag vorschwärmst, kaufst du dir nach Feierabend oder in der Mittagspause. Einverstanden?

„He, he!, gab June verwundert zurück. „Bist du unter die Knurrhähne gegangen? Oder ist dir ein Bankräuber über die Leber gelaufen? Was ist los? Hast du Zahnschmerzen?

„Wäre kein Wunder, nachdem du fast meinen ganzen Unterkiefer abgeräumt hättest. Wo sind die Sachen zur Unterschrift? Ich muss mal kurz weg. Dann kann ich die Post gleich mitnehmen. Es wird Zeit, dass wieder Bares in die Kasse kommt. Die letzten beiden Fälle waren Verlustgeschäfte. Ich muss mir in Zukunft meine Kunden genauer ansehen. June zeigte ein verlegenes Lächeln. „Ich bin noch nicht fertig, gestand sie.

Bount schüttelte verwundert den Kopf. June kannte er als ausgesprochen fleißig und schnell. Die paar Rechnungen hatte sie doch in Nullkommanichts runtergehämmert. „Okay! Wie weit bist du?"

„Noch gar nicht angefangen. Aber ich kann dir fünf Dollar leihen, wenn es wirklich so schlimm um deine Finanzen steht."

„Sei nicht albern, tadelte der Detektiv und betrachtete seine Mitarbeiterin genauer. Wieder konnte er sich ein zweifelndes Kopfschütteln nicht verkneifen. „Nein, es ist nicht die Liebe, stellte er fest. „Du hast Probleme. Schütt’ dein Herz aus, Kleines! Du weißt doch, dem guten Onkel Bount kannst du alles anvertrauen."

June seufzte und spannte einen Bogen Papier in die Maschine.

„Wahrscheinlich klärt sich alles ganz harmlos auf. Cora hatte früher schon eine recht lebhafte Phantasie. Man durfte bei ihr nicht alles ganz wörtlich nehmen."

„Cora? Was ist mit ihr? Kenne ich sie?"

„Wenn du für schwarzhaarige Frauen schwärmst, ist das durchaus möglich. Cora Martin war schon immer ausgesprochen rassig. Wir gingen eine Zeitlang zusammen zur Schule. Sie rief mich vorhin an und erzählte mir eine reichlich merkwürdige Story."

„Ich liebe merkwürdige Storys. Besonders, wenn sie nicht lang sind. June deutete auf den freien Stuhl. „Nimm Platz und lausche! Cora wachte heute früh oder besser gesagt heute Vormittag neben einem Mann auf.

„Ihr Mann?", fragte Bount teilnahmsvoll.

„Sie ist nicht verheiratet. Sie behauptete, den Mann nicht zu kennen. Sie könne sich auch nicht erklären, wie sie in sein Haus gekommen sei, eine Villa auf Staten Island."

„Warum hat sie ihn nicht einfach gefragt. Eine einleuchtende Erklärung wäre ein paar Drinks zu viel. Da vergisst man hin und wieder ein paar Details. Die Hauptsache ist doch, dass es schön war."

„Willst du nun die Geschichte hören, entrüstete sich June March, „oder langweile ich dich damit? Der Mann war tot. Sie konnte ihn nicht mehr fragen. Jemand hatte mit einer Pistole zweimal auf ihn geschossen. Cora glaubt auch, den Mörder gesehen zu haben. Ein Bursche, an dem alles schwarz war. Augen, Haare, Brauen, Bart. Er hat zwar die Polizei informiert, sie ist aber überzeugt, dass er nur den Unschuldigen spielt.

„Erlaubst du mir eine Zwischenbemerkung?", warf Bount ein.

June nickte gnädig.

„Was sagt die Polizei zu diesem Fall?"

„Das ist es ja eben, Bount. Cora ist vor lauter Angst vor diesem Galluzzi, vor dem Toten und auch vor der Polizei davongelaufen. Sie will mit allem nichts zu tun haben. Sie rief mich an, als sie wieder zu Hause war. Ich riet ihr, auf alle Fälle zur Polizei zu gehen, um ihre Beobachtungen zu Protokoll zu geben. Ich glaube aber nicht, dass sie es tun wird."

Bount ließ sich alle Einzelheiten des Telefonats erzählen. Am Ende kam auch er zu dem Ergebnis, dass Cora Martin unbedingt ihre Aussage machen müsse, falls sie nichts zu verheimlichen habe.

„Ruf sie einfach noch mal an, schlug er vor, „und rede ihr ins Gewissen. Danach schreibst du aber die Rechnungen. In ungefähr einer Stunde bin ich wieder zurück.

Bount verließ das Büro und ließ eine ratlose June March zurück.

Die Blondine suchte sich die Nummer der ehemaligen Freundin im Telefonbuch und tippte sie ins Tastentelefon.

Überraschenderweise meldete sich ein Mann, der unbedingt wissen wollte, wer sie sei.

„Mein Name ist March. Ich möchte Miss Martin sprechen."

„Von wo aus rufen Sie an?"

„Von einem Telefonapparat aus, entgegnete June ungehalten. „Was soll diese Frage? Soll ich Ihnen meine Lebensgeschichte erzählen?

„Werden Sie nicht frech, schnauzte der Mann am anderen Ende der Leitung. „Sie sprechen mit der Polizei. Miss Martin ist verhaftet worden. Ich muss Sie bitten, mir Ihren vollständigen Namen, Ihre Adresse und den Grund Ihres Anrufs zu nennen.

„Verhaftet?, fragte June verblüfft, ohne sich um die Aufforderung zu kümmern. „Hat sie bei McDonalds eine Gabel mitgehen lassen?

„Sehr witzig. Ich bin nicht befugt, Ihnen nähere Auskünfte zu erteilen."

„Auch nicht, wohin Miss Martin gebracht wurde?"

„Westerleigh, gab der Polizist mürrisch Auskunft. „Watchogue Road Nummer 72. Lieutenant Sutter ist für den Fall zuständig.

„Für welchen Fall, in drei Teufels Namen?"

„Der Mord an Monsieur Gerard Lousalle."

June schwirrte der Kopf. Sie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sie von dem Beamten umso mehr in Erfahrung bringen würde, je freundlicher sie sich gab. Also probierte sie es mit ihrer verführerischsten Stimme und erkundigte sich, ob ein bestimmter Grund vorläge, dass sich die Polizei noch in der Wohnung der Festgenommenen aufhielt.

„Wir suchen die Gabel, kam die spöttische Antwort. „Wir haben sie auch schon gefunden. Sieht nicht so aus, als hätte sie nur sechzig Cents gekostet. Jetzt sind wir nur noch neugierig, ob wir auch den dazugehörigen Löffel aufspüren. Vielleicht können Sie uns dabei helfen, Miss March.

June legte den Hörer auf. Plötzlich war ihr bewusst geworden, dass sie aus dem Mann nichts mehr herausbekommen würde. Dass er sich trotzdem noch mit ihr unterhielt, konnte nur eine Ursache haben. Seine Kollegen waren inzwischen fieberhaft dabei festzustellen, woher der Anruf kam. Zweifellos wurde Coras Telefon seit ihrer Verhaftung überwacht.

Sie notierte sich die Adresse des Polizeireviers auf Staten Island. Außerdem schrieb sie alles auf, was Cora ihr am Telefon gesagt hatte.

Es gab nun schon zwei Namen. Diesen Galluzzi, den Cora als wahrscheinlichen Mörder bezeichnet hatte, und Gerard Lousalle, das Opfer.

June zog das Telefonbuch zu Rate und fand gleich mehrere Besitzer dieses Namens.

Die drei Gerard Lousalles, die sie als erstes anrief, lebten alle noch.

Galluzzis gab es noch mehr. Einer von ihnen lebte auf Staten Island. June wählte seine Nummer und ließ den Hörer wie eine heiße Kartoffel fallen. Es hatte sich ein Sergeant Turf gemeldet. Die Polizei war also auch schon bei ihm gelandet. Demnach hatte sie Coras Angaben überprüft.

Sie erkundigte sich nach Mister Galluzzi, und es wiederholte sich das Spielchen, das sie eben erst durchgestanden hatte. Auch Galluzzi wurde auf dem Polizeirevier verhört.

June war erleichtert. Nun würde sich ja alles aufklären.

Sie legte den Hörer zurück und ließ den Besucher ein, der an die Tür geklopft hatte.

Es waren zwei Mann, und ihr geschulter Instinkt sagte ihr sofort, dass es sich um Polizisten handelte.

Sie lachte. „Ihr Jungs von der Polizei seid verdammt fix. Ihr habt mich also doch aufgespürt."

„Allerdings, Miss March, bestätigte der Größere. „Und ob Sie noch Grund zum Lachen haben, muss sich erst noch herausstellen. Wir haben den Auftrag, Sie zur Vernehmung zu bringen. Machen Sie uns Schwierigkeiten, oder sind Sie vernünftig?

„Sie werden lange suchen müssen, ehe Sie etwas vergleichbar Vernünftigeres wie mich finden. Sie erlauben hoffentlich, dass ich meinem Boss eine kurze Nachricht hinterlasse, wo er mich erreichen kann?"

Die Polizisten sahen sich enttäuscht an. „Mister Reiniger ist nicht da?"

„Ich finde das auch empörend, bestätigte die Blondine und schüttelte entrüstet ihre Löwenmähne. „Jetzt nehmen Sie extra den beschwerlichen Weg auf sich, und dann verkrümelt sich der Halunke. Man sollte ein neues Gesetz erlassen, das Privatdetektiven unter Androhung strenger Strafen untersagt, ihr Büro während der Geschäftszeit zu verlassen. Er wird aber untröstlich sein, dass er Sie nicht wenigstens begrüßen konnte.

„Und Sie scheinen besonders witzig zu sein. Galgenhumor, wie? Es erübrigt sich, dass Sie Ihren Boss warnen. Mein Kollege wird hier auf ihn warten, während wir beide eine kleine Spazierfahrt unternehmen."

„Zauberhafter Vorschlag! Wirklich ein Jammer, dass wir uns nicht schon früher begegnet sind."

June erhob sich, nachdem sie sämtliche Papiere, die auf ihrem Schreibtisch lagen, zu einem hohen Stapel getürmt hatte. Den Zettel mit ihren Notizen schmuggelte sie mit hinein. Sie hoffte inständig, dass der zurückbleibende Polizist nicht auf die Idee kam, den ganzen Berg durchzuwühlen.

4

Cora Martin glaubte zu träumen. Aber es war ein Alptraum. Sie stand tatsächlich unter Mordverdacht. Niemand glaubte ihr. Dieser weibliche Lieutenant Sutter tat jede ihrer Unschuldsbeteuerungen mit einer lässigen Handbewegung ab.

Sie merkte schnell, dass es unklug gewesen war, anfangs zu leugnen, überhaupt jemals die fragliche Villa betreten zu haben. Man legte ihr ein Feuerzeug vor, das sie als das ihre identifizierte.

„Meine Leute fanden es im Kleiderschrank des Ermordeten, verriet Lieutenant Sutter. „Außerdem haben wir an Ihren Schuhen Erdspuren entdeckt, die wahrscheinlich genau der Bodenzusammensetzung an jener Stelle unter dem Fenster entsprechen, durch das Sie geflohen sind. Aber damit nicht genug. Auf der Brieftasche, die neben dem Toten lag und die zu plündern Sie durch das Erscheinen Mister Galluzzis keine Gelegenheit mehr hatten, haben wir Ihre Fingerabdrücke sichergestellt. Ein Irrtum ist ausgeschlossen. Durch Ihr hartnäckiges Leugnen geben Sie nur die Tat zu.

Cora Martin wehrte entsetzt ab. „Ich bin doch keine Mörderin, schrie sie verzweifelt auf. „Ich könnte niemals auf einen Menschen schießen. Ich habe diese verdammte Pistole überhaupt nicht angefasst. Haben das Ihre Experten Ihnen nicht gesagt?

Lieutenant Sutter lächelte nachsichtig. „Selbstverständlich liegt mir auch dieses Ergebnis vor. Die Prints auf der Waffe sind sehr deutlich. Es hat überhaupt keine Schwierigkeit bereitet, sie als die Ihren zu identifizieren. Sie hätten Handschuhe anziehen sollen, oder wenigstens das Beweisstück nicht zurücklassen dürfen. Es ist Ihr Pech, dass der Besitzer der Villa Sie bei der Fortführung Ihres scheußlichen Verbrechens störte. Ihnen blieb nur noch die überstürzte Flucht aus dem Fenster. Was sagen Sie nun?"

Cora sagte gar nichts. Krampfhaft bemühte sie sich, nicht die Nerven zu verlieren. Es musste für alles eine andere Erklärung geben. Das mit ihren Fingerabdrücken auf der Brieftasche war ja klar. Sie hatte sie tatsächlich angefasst, als sie nach dem Pass des Toten suchte. Aber die Geschichte mit der Pistole konnte nur ein raffinierter Bluff sein. Die Sutter wollte sie austricksen, weil sie im Grunde nicht den geringsten Beweis in der Hand hatte.

Cora fragte sich, wieso die Polizei so schnell zu ihr gefunden hatte. Die Fingerabdrücke nützten schließlich nur dann etwas, wenn sie schon bei früherer Gelegenheit registriert worden waren. Das war bei ihr nicht der Fall.

Sie versicherte immer wieder, den Ermordeten überhaupt nicht gekannt zu haben. Warum hätte sie einen wildfremden Mann erschießen sollen?

Die Sutter hielt ihr ein Blatt Papier unter die Nase. Es handelte sich um einen Brief. Um einen Liebesbrief, obwohl er mit der Maschine geschrieben war. Unterschrieben war er mit Cora. Es war ihre Unterschrift, aber sie konnte sich an den Brief nicht erinnern. Auch nicht an einen Gerard, an den er gerichtet war.

„Sie waren doch seit einiger Zeit die Geliebte des Franzosen, erinnerte die Polizistin hart. „Das haben Zeugen bestätigt.

Cora Martin lachte schrill. „Lächerlich! Bringen Sie mir auch nur einen Menschen, der mir diese Lüge ins Gesicht sagt."

Die Sutter war nicht aus der Ruhe zu bringen. „Die amerikanische Polizei ist dafür bekannt, möglichst alle Wünsche umgehend zu erfüllen", sagte sie hämisch.

Dann flüsterte sie mit einem Sergeanten, der daraufhin das Büro verließ.

Nach einer Weile kehrte er zurück. Er war nicht allein. In seiner Begleitung befanden sich sechs Frauen. Cora kannte nicht eine von ihnen, und sie war sicher, dass es sich umgekehrt genauso verhielt. Wenn eine etwas anderes behauptete, war das ein abgekartetes Spiel.

Aber darum ging es nicht. Die Frauen, durchweg Schwarzhaarige zwischen zwanzig und dreißig Jahren, mussten sich neben Cora aufstellen.

„Keiner von Ihnen wird ein Wort sagen oder sich durch irgendein Zeichen bemerkbar machen", ordnete die Sutter an.

Dann holte der Sergeant durch eine zweite Tür einen älteren Herrn, der die versammelten Frauen durch dicke Brillengläser betrachtete.

„Ist Ihnen eine der Damen bekannt, Mister Palmer?", erkundigte sich die Polizistin.

Der Mann nickte eifrig und zeigte auf Cora. „Gewiss doch. Ich habe Miss Martin einige Male in Begleitung von Mister Lousalle gesehen."

„Das ist nicht wahr, schrie Cora unbeherrscht. „Das ist abgesprochen worden. Ich soll reingelegt werden. Ich kenne weder einen Lousalle noch diesen Menschen hier.

Der Ältere lächelte nachsichtig. „Dass Sie sich an mich nicht erinnern, Miss Martin, nehme ich Ihnen nicht übel. Sie hatten ja immer nur Augen für Lousalle. Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meiner Aussage keine Unannehmlichkeiten bereite."

Cora lachte auf. „Unsinn! Was soll daran schon unangenehm sein, wenn man wegen Mordes verurteilt wird." Lieutenant Sutter bedankte sich bei dem Mann und ließ nacheinander zwei weitere Zeugen hereinbringen. Es handelte sich um den Ober eines Speiserestaurants und um die Garderobiere des ,Blue Life‘ am Broadway, Beide erklärten übereinstimmend, Cora Martin zusammen mit dem französischen Diplomaten gesehen zu haben, während Cora darauf bestand, weder in dem Lokal noch in dem Theater jemals gewesen zu sein.

Die Polizistin wollte nun wissen, welche Rolle eine gewisse June March bei diesem Mord spiele.

Cora verstand nicht sofort.

„Sie hat sich in verdächtiger Weise nach Ihnen erkundigt, klärte sie Lieutenant Sutter auf. „Sie ist auf dem Wege hierher. Meine Leute haben sie abgeholt.

Cora stampfte wütend mit dem, Fuß auf. „Was wollen Sie hören? Dass sie meine Komplizin ist und mir die Tatwaffe besorgt hat, mit der ich den Franzosen erschossen habe, bevor ich mich aus Gründen, für die Sie sicher ebenfalls eine Erklärung zusammendichten werden, nackt neben die Leiche legte, um ein paar Stunden zu schlafen?"

Sutters Mundwinkel zuckten nach unten. „Dieser Teil Ihrer Geschichte ist genauso unglaubwürdig wie der Rest. Ich will Ihnen sagen, was geschehen ist. Wie unabhängige Zeugenaussagen bestätigen, waren Sie die Geliebte Lousalles, der sich seit einigen Wochen in New York aufhielt. Aber auch Liebe hat ihre Grenzen. Sie beschafften sich eine Waffe und töteten den völlig Ahnungslosen. Als Sie seine Brieftasche ausräumen wollten, wurden Sie von Mister Galluzzi gestört. Sie versteckten sich im Schrank und flohen, als die Luft wieder rein war. Ungeschickterweise ließen Sie genügend Beweise zurück. Vor allem aber haben uns die Zeugenaussagen geholfen. Sie waren eine der wenigen, die ungehindert das Haus betreten konnte."

„Und warum interessiert es Sie nicht, was dieser Mafioso in der Villa zu suchen hatte? Wie kam der Gangster ins Haus? Was wollte er dort? Schauen Sie ihn sich doch an, dann wissen Sie, was mit ihm los ist."

Die Beamtin schlug mit der Faust auf den Tisch. „Jetzt reicht’s aber. Robert Galluzzi war nicht nur Gerard Lousalles bester Freund, ihm gehört auch die Villa, die er dem Diplomaten für die Zeit seines Aufenthaltes zur Verfügung stellte. Er selbst kam gerade von einer Reise zurück."

„Und warum glauben Sie ihm und mir nicht?"

„Weil Mister Galluzzi seine Angaben belegen kann, und weil alles gegen Sie spricht."

„Und das Motiv? Wo bleibt das Motiv? Schon mancher Mann wurde von seinem vermeintlich besten Freund umgebracht."

„Das ist uns bekannt. Aber noch gefährlicher sind die Geliebten, die eines Tages in der Gunst sinken. Außerdem gibt es für Sie noch ein anderes Motiv."

Die Polizistin nahm einen schmalen Kasten aus der Schreibtischschublade und öffnete ihn. Ein Perlenkollier von unvergleichlicher Schönheit lag darin.

Cora Martin bekam große Augen. „Was ist das?", fragte sie.

„Tun Sie nicht so ahnungslos! Es handelt sich um Perlen. Eine ungewöhnlich kostbare Arbeit. Wie Sie sehen, schimmern die Perlen leicht rosa. Übrigens gehört der Schmuck Madame Lousalle, die sich in Paris aufhält. Zumindest hatte ihr Mann ihn für sie gekauft. Er legte bei Harry Winston Fotos von ihr vor, damit das Geschenk auch wirklich zu ihrem Typ passte."

„Und was habe ich damit zu tun?", wollte Cora irritiert wissen.

„Das wissen Sie genau. Wir haben die Perlen in Ihrem Apartment gefunden. Gut versteckt, aber nicht gut genug."

Cora Martin war sprachlos. Sie starrte stumm auf das Collier, das sie nicht kannte. Dann brach sie in Tränen aus.

Lieutenant Sutter ließ sie weinen. Sie war überzeugt, dass die Beschuldigte nun endlich für das Geständnis reif war.

Doch als sich Cora wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte, blieb sie bei ihrer Behauptung, von allem nichts zu wissen.

Die Beamtin atmete schwer, um nicht die Beherrschung zu verlieren. „Wie Sie wollen, sagte sie kühl. „Die Tatsachen sprechen für sich. Wenn Sie sich trotzdem an nichts erinnern können, sind Sie entweder eine hartgesottene Lügnerin, oder Sie haben Ihr Gedächtnis verloren. Zum Glück können die Ärzte ohne weiteres die Wahrheit herausfinden. Danach sprechen wir uns wieder. Abführen!

Zwei Polizisten brachten Cora hinaus.

Vor dem Gebäude wartete schon ein Wagen, der sie zu einem Spezialisten bringen sollte.

5

June March wurde zur Vernehmung gebracht, als Cora Martin gerade in den Polizeiwagen stieg. Die beiden Frauen kamen nicht mehr dazu, ein Wort miteinander zu wechseln.

June gab ihre Aussage Wort für Wort so zu Protokoll, wie sie sich aus ihrer Sicht darstellte. Sie erkannte, dass für Witze kein Platz mehr war. Cora lag die Schlinge um den Hals. Es musste nur noch geklärt werden, ob sie den Kopf selbst hineingesteckt hatte.

Lieutenant Sutter begegnete ihr anfangs mit erheblichem Misstrauen. Sie hielt June für eine Komplizin, zumindest aber für eine Mitwisserin.

Erst als Bount Reiniger auftauchte, der von dem Polizeibeamten in seinem Büro erwartet worden war, klärten sich allmählich die Fronten.

Bount konnte genügend Leute nennen, die für June und ihn die Hand ins Feuer gelegt hätten. Nicht zuletzt Toby Rogers, den Leiter der Mordkommission Manhattan C/II.

Ein Anruf in der Centre Street überzeugte Lieutenant Sutter endlich.

„Ich habe ihr dringend geraten, sich freiwillig bei der Polizei zu melden, berichtete June. „Vielleicht hätte sie es auch getan, aber sie kam ja nicht mehr dazu.

Die Beamtin zeigte ein ungläubiges Gesicht. „Warum hat sie uns dann von Anfang an belogen? Sie hat erst etwas zugegeben, nachdem wir es ihr unwiderlegbar nachgewiesen hatten. Und selbst jetzt streitet sie Dinge ab, die ganz offensichtlich den Tatsachen entsprechen. Wir haben jede Menge Zeugen, die sich nicht alle irren können oder absichtlich lügen Wir haben die Fingerabdrücke und den Brief an Lousalle. Und vor allem ist da das Perlenkollier."

„Das ihr allerdings einer untergeschoben haben kann", warf Bount dazwischen.

Lieutenant Sutter nickte. „Wenn das das einzige Indiz wäre, würde ich das auch für möglich halten, Mister Reiniger. Aber Ihnen brauche ich nichts zu erzählen. Wie ich von Captain Rogers erfahren habe, kann Sie ein Gauner nicht so leicht aufs Kreuz legen. Die Beweise sind einfach erdrückend. Es passt alles zusammen. Lückenlos. Ich warte nur das ärztliche Untersuchungsergebnis ab. Dann kann offiziell Anklage erhoben werden. Ich glaube ganz einfach nicht an den angeblichen Gedächtnisverlust. Entschuldigen Sie bitte einen Moment."

Das Telefon hatte geläutet. Die Beamtin hob den Hörer ab und knallte ihn schon kurze Zeit später auf die Gabel.

„Das war vorauszusehen", fauchte sie wutschnaubend.

„Was ist passiert?", erkundigte sich Bount.

„Cora Martin ist geflohen. Damit hat sie die Tat endgültig zugegeben."

6

June funkelte Bount mit ihren veilchenblauen Augen an. Sie glitzerten wie Kristalle.

„Wenn du nichts unternehmen willst, tue ich es eben auf eigene Faust. Ich habe dieses Jahr noch keinen Urlaub gehabt. Hiermit beantrage ich ihn. Deine blöden Rechnungen habe ich übrigens geschrieben." Sie knallte ihm ein paar Blätter auf den Schreibtisch und ballte ihre Hände.

Bount lehnte sich auf seinem Sessel zurück und betrachtete seine Mitarbeiterin. So wütend hatte er sie selten erlebt.

„Soll ich es dir noch einmal erklären?, fragte er ruhig. „Ich verstehe ja, dass du deine Freundin nicht im Stich lassen willst. Aber in welcher Weise willst du ihr helfen? Lieutenant Sutter hat leider recht. Niemand sonst kommt für den Mord in Frage. Jetzt ist sie auch noch geflohen.

„Was hätte sie denn tun sollen, wenn ihr keiner glaubt. Nicht mal du. Dabei schwingst du dich doch sonst so oft zum Samariter auf und zahlst die Spesen lieber aus deiner eigenen Tasche, als dass du eine Ungerechtigkeit zulässt."

„Das ist es ja eben. Ich müsste von einer Ungerechtigkeit überzeugt sein. Aber diese Cora macht mir das verdammt schwer. Wenn sie sich wenigstens noch einmal bei dir gemeldet hätte. Aber sie will gar nicht, dass wir ihre Unschuld beweisen, weil es da nichts zu beweisen gibt."

„Ich bekomme also ab morgen Urlaub?" June ließ nicht locker.

Bount seufzte. „Sag mir wenigstens, was du vorhast. Weißt du vielleicht, wo Cora stecken könnte?"

„Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass sie mich heute Vormittag nicht angerufen hätte, wenn sie eine Mörderin wäre. Überlege doch! Wir haben uns eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, und dann wendet sie sich ausgerechnet an mich."

„Und wenn sie nun tatsächlich ihr Gedächtnis verloren hat? Wenn sie gar nicht mehr wusste, dass ihr euch aus den Augen verloren hattet?"

„Du meinst, sie hat Lousalle erschossen, ohne sich daran erinnern zu können?"

„Wäre doch möglich. Als sie begriff, was sie angerichtet hatte, bekam sie einen Schock. Das würde ihr späteres Verhalten wenigstens halbwegs erklären. Allerdings erscheint mir zweifelhaft, dass sie unter Schockeinwirkung in der Lage war, das gestohlene Collier zu verstecken."

„Aber gerade, wenn sie krank ist, braucht sie unsere Hilfe, Bount. Ich flehe dich an. Ich bezahle auch die üblichen Sätze. Wenn ich Cora damit helfen kann, reut mich das Geld nicht. Bount erhob sich und ging im Büro auf und ab. „Du weißt genau, dass es mir dabei nicht ums Geld geht, June. Einen Schock kann ich nicht beweisen. Das kann nur ein Arzt. Und genau das wusste Cora zu verhindern. Die Sutter sagte, dass Lousalle gegen Mitternacht starb. Zehn Stunden später kommt Cora neben der Leiche zu sich, handelt trotz angeblichen Schocks durchaus überlegt, als Galluzzi dazukommt. Nenne mir nur einen einzigen Punkt, den zu untersuchen es sich lohnt. Wo ist ein anderer Verdächtiger? Oder, falls Cora die Tat doch ausgeführt hat, stand sie schon vor dem Mord unter Schockeinwirkung? Oder war es Notwehr?

June winkte ab. „Ich weiß, dass nichts für eine derartige Theorie spricht, zumal Cora das kaum verheimlicht hätte. Aber ich mache mir zum Beispiel Gedanken über Roberto Galluzzi, diesen besten Freund des Ermordeten. Ich finde es seltsam, dass er ausgerechnet zu dem Zeitpunkt von seiner Reise zurückkommt, an dem er die Leiche finden musste. Und dazu auch noch die mutmaßliche Mörderin. Ich wette, dass diese Freundschaft ein paar blinde Stellen aufweist. Und dann möchte ich mir auch noch die Zeugen vornehmen, die behaupten, Cora mit dem Diplomaten gesehen zu haben. Ich werde sie auf konkrete Zeiträume festnageln. Und wenn ich nur einem nachweisen kann, dass sich Cora zu dieser Zeit an einem anderen Ort aufgehalten hat, wird Lieutenant Sutter umdenken müssen. Im Übrigen besitzt Cora doch Freunde und Bekannte. Die sollen mir bestätigen, dass sie ein Verhältnis mit Lousalle hatte."

„Also gut, Kleines. Ich kapituliere vor deiner Entschlossenheit. Cora kann sich glücklich schätzen, eine solche Freundin zu besitzen. Hoffentlich ist sie es auch wert. Ich werde mich um Galluzzi kümmern. Geh du zu ihrer besten Freundin und sprich mit ihr. Vielleicht weiß die sogar, wo sich Cora augenblicklich versteckt hält. Wenn wir innerhalb von zwei Tagen die Anschuldigung nicht in Frage stellen können, halten wir uns raus. Akzeptierst du das?"

Junes Augen leuchteten auf. Sie fiel Bount um den Hals und strahlte. „Ich hab’s ja gewusst. Wenn du von ihrer Schuld hundertprozentig überzeugt wärst, würdest du das nicht tun. Ich bin einverstanden und mache mich sofort auf den Weg."

7

Bount holte seinen silbergrauen Mercedes 450 SL aus der Tiefgarage und fuhr nach Staten Island.

Er traf Roberto Galluzzi in seiner Villa an. Der Italiener zeigte aber wenig Entgegenkommen.

„Privatdetektiv sind Sie?, fragte er spitz. „Ich habe Sie nicht gerufen. Alles, was ich weiß, habe ich bereits der Polizei gesagt.

Bount lächelte verbindlich. „Kleiner Irrtum, Mister Galluzzi, stellte er richtig. „Sie haben lediglich gesagt, wonach Sie gefragt wurden. Ich habe mir eine Reihe völlig neuer Fragen überlegt.

„Daran bin ich nicht interessiert. Galluzzis Zornesadern schwollen. „Verschwinden Sie gefälligst.

Bount, der nicht zuletzt auch wegen seiner Hartnäckigkeit berühmt und in Gangsterkreisen berüchtigt war, dachte nicht daran zu verschwinden.

Sobald er auf unverständlichen Widerstand stieß, wurde er besonders aktiv. Insgeheim fand er, dass Junes Argwohn gegen diesen Mann vielleicht doch nicht aus der Luft gegriffen war.

„Wenn ich Sie richtig verstehe, sind Sie an der Aufklärung des Mordes an Ihrem Freund Lousalle nicht interessiert", sagte er gedehnt.

Damit brachte er den Italiener noch höher auf die Palme.

„Was wollen Sie mir unterstellen, Mann?"

„Dass Sie wenig kooperativ sind."

„Gerards Mörderin ist bekannt. Es gibt eine lückenlose Beweiskette. Was wollen Sie noch?"

„Ein Geständnis. Es ist selten, dass ein Verbrecher selbst bei einer so erdrückenden Beweislast noch leugnet. Ich frage mich nach dem Grund. Und ich frage mich, wo Sie zur Tatzeit waren. Nach eigenen Aussagen waren Sie gerade erst von Sizilien zurückgekehrt. Die Maschine landete aber bereits gegen sieben Uhr dreißig. Wieso brauchten Sie mehr als drei Stunden bis zu Ihrer Villa? Oder sind Sie etwa schon mit einer früheren Maschine gekommen?"

Roberto Galluzzi zuckte unmerklich zusammen. Bount Reiniger registrierte es aber doch.

„Das ist ungeheuerlich. Ich fordere Genugtuung."

„Ich erwarte erst einmal eine Antwort", beharrte Bount Reiniger.

Galluzzi zögerte. Dann antwortete er. Allerdings auf überraschende Weise.

Seine Faust zuckte vor, wischte aber an Bounts Kinn vorbei, da dieser noch rechtzeitig den Kopf zur Seite nahm.

Der Italiener heulte vor Wut auf, schlug aber kein zweites Mal zu.

„Kannten Sie Miss Martin?", wollte Bount Reiniger wissen.

„Glauben Sie, ich habe Mörderinnen in meinem Bekanntenkreis?"

„Ein einfaches Ja oder Nein würde mir genügen."

„Nein, zum Teufel!"

Bount Reiniger lächelte tiefgründig. „Das wundert mich. Gerard Lousalle war Ihr bester Freund, und Sie wussten nicht, für welche Frau er sich interessierte? Ich nehme doch an, dass Sie ihm Ihr Haus nicht nur zum Schlafen zur Verfügung gestellt haben?"

Galluzzi konnte sich nur schwer beherrschen. „Ich pflege meine Freunde nicht zu bespitzeln, konterte er. „Gerard war verheiratet. Er sah aber für sein Alter blendend aus; in seiner Eigenschaft als Diplomat war er selten zu Hause. Schon möglich, dass er sich in fremden Ländern nach einem Zeitvertreib umsah. Nichts Ernstes, versteht sich. Diese Martin wollte anscheinend nicht akzeptieren, dass sie ausgedient hatte. Da schoss sie.

„Okay! Ich habe Ihre Theorie gehört, nun hören Sie auch meine. Sie sind nicht erst um halb acht in New York gelandet, sondern mindestens schon um elf Uhr am Vorabend. Sie fuhren in Ihre Villa, trafen dort Lousalle und erschossen ihn, während er neben Cora Martin schlief. Die Hand der Ahnungslosen gegen die Waffe zu drücken, war kein Problem. Sie nahmen ihren Schlüssel aus der Handtasche und fuhren zu ihrer Wohnung. Dort versteckten Sie die Perlen, um den Verdacht von sich abzulenken. Später kreuzten Sie erneut in der Villa auf und spielten den Entdecker des Verbrechens."

Der Italiener zeigte seine Zähne. „Sie können nicht ganz richtig im Kopf sein, befürchtete er. „Warum sollte ich das alles getan haben? Bount Reiniger hob die Schultern. „Soweit bin ich noch nicht. Ich wollte Ihnen nur beweisen, dass es nicht schwer ist, jemand einen Strick zu drehen."

„Gerard war mein Freund."

„Pah! Ehepartner bringen sich gegenseitig um und haben sich doch ewige Liebe geschworen."

„Aber dazu müsste ein Grund vorhanden sein."

„Das Motiv. Richtig. Wenn Sie mir dabei helfen, brauche ich nicht lange zu suchen und Leute zu fragen."

„Was für Leute?", fragte Galluzzi hastig.

„Leute, die keine Geheimnisse vor der Polizei haben."

„Die habe ich nicht."

„Dann sagen Sie mir, was Sie in den fraglichen Stunden getan haben."

„Ich war bei einer Frau."

„Und die Frau ist verheiratet. Deshalb können Sie ihren Namen nicht nennen. Ich habe Ihnen mehr Phantasie zugetraut."

„Verschwinden Sie!", zischte Galluzzi.

„Das tue ich, sobald ich hier fertig bin. Wie lange waren Sie von New York fort?"

„Sechs Tage, auch wenn es Sie einen Dreck angeht."

„Ich nehme an, dass Lousalle schon vorher Ihr Haus bewohnte."

„Seit zweieinhalb Wochen. Er kam jedes Jahr um diese Zeit nach New York. Die Villa ist groß genug, dass wir uns nicht auf die Füße traten."

„Sie ist sogar so groß, dass Sie die ganze Zeit Miss Martin kein einziges Mal begegnet sind. Auch keiner anderen Frau oder irgendeinem Besucher Ihres Freundes?"

„Ach, lassen Sie mich doch in Ruhe! Gerard ist tot. Die Martin hat ihn umgebracht. Es ist völlig sinnlos, weitere Personen ins Spiel bringen zu wollen. Und wenn Sie das trotzdem versuchen ..." Er ließ den Satz unvollendet.

„Was ist dann?", bohrte Bount Reiniger.

„Dann werden Sie das bereuen. Und nun raus! Hausfriedensbruch nennt man das, was Sie hier tun." Bount Reiniger sah ein, dass dieser Mann einfach nicht reden wollte. Ob es nur Sturheit war, ob die Betroffenheit über den plötzlichen Tod seines Freundes eine Rolle spielte, oder ob er etwas zu verbergen hatte, Bount wollte es herausfinden.

Er verließ die Villa und rief über Autotelefon in seinem Büro an.

June war noch nicht wieder da. Das hatte er auch nicht erwartet.

Er überlegte, ob er sich nun den Augenzeugen zuwenden sollte. Da spürte er, dass er beobachtet wurde. Er kontrollierte die Seitenspiegel und entdeckte einen jungen Mann, der an einem Baum lehnte und unverwandt zu ihm herüberstarrte.

Der Bursche war nicht viel älter als zwanzig Jahre, trug Jeanskleidung und versorgte sich aus einer riesigen Tüte mit Popcorn. Sein Unterkiefer befand sich in unaufhörlicher Kaubewegung.

Bount startete den Motor und fuhr langsam rückwärts.

Der Bursche blieb stehen. Sein Gesicht verzog sich zu einem Grinsen.

„Ich habe gewusst, da sich mal jemand für den Typ interessieren würde", sagte er lässig.

„Wie meinen Sie das?" Bount Reiniger war über die unerwartete Hilfe erstaunt. Wollte sich der Bursche nur wichtigmachen?

Der Jüngere ließ sich mit seiner Antwort viel Zeit. Er spuckte ein Popcorn haarscharf an Bounts Schulter vorbei und stopfte eine frische Ladung in sich hinein. Es dauerte eine Weile, ehe er wieder sprechfähig war.

„Mit dem Schwarzen stimmt was nicht", versicherte er endlich.

„Von welchem Schwarzen reden Sie?", wollte Bount Reiniger wissen.

„Na, Galluzzi, der Italiener. Der Kerl wohnt jetzt seit ungefähr ’nem Jahr hier. Als er kam, sah er noch schlimmer aus. Wie’n Gangster aus Chicago. Im Gesicht hatte er ’ne Menge Narben, aber die hat er sich wegoperieren lassen, damit man ihn für einen feinen Pinkel hält. In Wirklichkeit aber ist er ein mieses Schwein. Und seine Freunde sind noch übler. Sie haben mich mal in die Mangel genommen. Danach hat mir zwei Wochen kein Popcorn mehr geschmeckt. Und es tauchen immer wieder neue Visagen auf. Ich wundere mich, dass die Polizei nicht schon viel früher bei dem Kerl aufgekreuzt ist. Es musste ja erst ’nen Toten geben."

Bount Reiniger öffnete den Schlag auf der Beifahrerseite. „Wir sollten uns im Sitzen unterhalten", schlug er vor.

Der Junge grinste schief. „Kein übler Schlitten, lobte er sachkundig. „Den möchte ich mal ’ne Runde fahren.

Bount Reiniger überhörte dieses Ansinnen. Für fragwürdige Experimente war ihm sein Mercedes zu schade.

Immerhin wollte er seinen Gesprächspartner bei Laune halten und zückte eine Zehndollarnote.

Der Bursche schnappte sie sich und stieg ein. „Auf der Seite sitzt es sich auch nicht schlecht", stellte er fest.

„Was sind das für Leute?, forschte Bount Reiniger. „Kennen Sie Namen? Können Sie die Männer beschreiben? Haben Sie besonders in der vergangenen Nacht etwas beobachtet?

„Vorgestellt hat sich bei mir keiner, erklärte der Junge. „Es waren auch nicht nur Männer. Eine Puppe war auch dabei. Klasse Fassade. Schwarz, schlank, rassig. Genau meine Kragenweite. Leider hat sie mich nicht beachtet. Sie hing an so ’nem Kerl, der quatschte, als hätte er Polypen.

„Ein Franzose?"

„Könnte stimmen. Die beiden sind erst gestern wieder hier aufgetaucht. So gegen elf Uhr abends. Auf die Minute kann ich’s aber nicht sagen. Wird ja nicht so wichtig sein."

Bount Reiniger gab eine möglichst exakte Beschreibung von Cora Martin, die er sich von June und Lieutenant Sutter hatte geben lassen.

Der Junge nickte bestätigend. „Stimmt genau. Die war’s "

„Was machte sie für einen Eindruck? Wirkte sie verstört oder besonders erregt?"

„Nicht die Spur. Sie lachte und himmelte den Typ an. Und der grapschte an ihr rum."

„Wann haben die beiden das Haus wieder verlassen?"

„Das weiß ich nicht. Ich habe nur noch den Lieferwagen gesehen. Dann bin ich in ’ne Disco gegangen."

„Was für ein Lieferwagen? Und wann fuhr der vor?"

„Es war ’ne Ford. Der kam gegen halb eins. Ein paar Typen schleppten ’ne schwere Kiste ins Haus. Also wenn die nicht was geklaut hatten, will ich nicht mehr Harry Shuffle heißen."

„War der Italiener auch dabei? Der Junge dachte nach. Schließlich hob er die Schultern. „Bei den Kerlen, die die Kiste trugen, war er nicht. Aber es saß noch jemand am Steuer des Wagens. Den konnte ich nicht erkennen.

Bount Reiniger ließ sich alle Männer beschreiben, die Harry Shuffle jemals in die Villa hatte gehen sehen, besonders aber die Männer mit der Kiste. Er erkundigte sich auch nach der Zulassungsnummer des Lieferwagens, doch da musste Harry passen.

„Ich konnte ja nicht ahnen, dass das wichtig werden würde."

„Beschreiben Sie mir noch die Leute, die Sie zusammengeschlagen haben."

Viel konnte Harry Shuffle dazu nicht sagen. Seine Augen waren sehr schnell zugeschwollen gewesen. Er konnte sich nur noch an einen Kerl erinnern, der den Mund voller Goldzähne gehabt hatte.

„Seine Kumpels nannten ihn Sunny."

„Und warum war man so wütend auf Sie?"

„Weil ich mich im 'Fireball' ein bisschen nach Galluzzi erkundigt habe. Das 'Fireball' ist ein Schuppen, in dem der Schwarze regelmäßig verkehrt. Ist hier gleich um die Ecke, zwei Straßen weiter. Mich hat der Typ ganz einfach interessiert. Ich habe aber nichts erfahren. Nur als ich das Lokal verlassen wollte, standen plötzlich die Schläger vor mir und mischten mich zusammen. Seitdem gehe ich lieber nicht mehr dorthin."

Bount Reiniger fand, dass dieses Gespräch bei weitem ergiebiger gewesen war als jenes mit Roberto Galluzzi. Dass Harry Shuffle dem Italiener gern eins auswischen würde, war klar. Trotzdem waren die Informationen sicher wert, überprüft zu werden.

Cora Martin wurde andererseits durch die Aussage wiederum schwer belastet. Mindestens zwischen elf und halb eins hatte sie sich mit Gerard Lousalle in der Villa aufgehalten. Gegen Mitternacht war der französische Diplomat gestorben. June würde es schwer haben, dieser Tatsache etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Harry Shuffle nannte bereitwillig seine Adresse. Die Möglichkeit, Galluzzi zu schaden, machte ihn zu einem eifrigen Verbündeten.

Bount Reiniger gab ihm seine Karte. Sie vereinbarten, in Verbindung zu bleiben. Harry wollte die Villa weiterhin im Auge behalten und nach Möglichkeit sogar die Besucher fotografieren.

„Seien Sie vorsichtig, Harry!, warnte Bount Reiniger eindringlich. „Sie wissen, dass Galluzzis Freunde nicht gerade zimperlich sind. Beim nächsten Mal begnügen sie sich vielleicht nicht mit ihren Fäusten. Ich möchte nicht, dass Ihnen etwas zu stößt.

Harry grinste und kaute. „Ich werde dran denken", versprach er.

Dann trennten sie sich.

8

Bevor Bount endgültig losfuhr, versuchte er noch einmal sein Glück per Autotelefon in seinem Büro. Er hörte zwar Junes freundliche Stimme. Sie sprach aber nur vom automatischen Anrufbeantworter.

Anschließend fuhr er das kurze Stück zum ,Fireball‘. Eine bessere Gelegenheit, Galluzzis Freunde kennenzulernen, konnte er sich nicht vorstellen.

Das 'Fireball' passte in diese Gegend. Die Fassade glich eher einem seriösen Hotel. In Schaukästen waren Fotos ausgestellt, die farbige Sängerinnen, einen Feuerschlucker und ähnliche Künstler zeigten. Kein Strip, keine Ankündigung frivoler Lustbarkeiten. Zumindest nach außen hin wahrte das ‚Fireball‘ den Schein.

Als Bount die Tür aufstieß, sah er nichts. Er musste sich erst noch durch zwei schwere, schwarze Vorhänge winden, die den Blick auf das Innenleben des Lokals versperrten.

Dann sah er sich einem gediegenen Barbetrieb gegenüber.

Es war noch nicht viel los. Nur vereinzelte Tische waren besetzt. Der Tresen war allerdings umlagert, was zweifellos den beiden Barmädchen zuzuschreiben war.

Der Raum war annähernd quadratisch. Die Bar befand sich in einer Ecke, die kleine Bühne, die momentan durch einen feuerroten Vorhang verschlossen war, in der gegenüberliegenden. Dazwischen waren die Tische angeordnet.

Es gab auch Nischen an den freien Wänden. Sie ließen sich ebenfalls durch Vorhänge vor neugierigen Blicken verschließen. Sie zeigten dann atemberaubende Szenen aus sämtlichen James-Bond-Filmen.

Zurzeit war nur eine Nische zugezogen. Bount interessierte sich nicht dafür. Er suchte die drei Schläger. Sunny mit seinen Goldzähnen war bestimmt mühelos zu erkennen.

Doch die meisten Gäste wandten ihm den Rücken zu. Ein paar hatten sich bei seinem Eintreten flüchtig umgedreht, sich aber sofort wieder ihrem Drink oder den Barmädchen zugewandt.

Die beiden Schönen lachten um die Wette und hielten die Gäste bei Laune und Durst. Sie sahen überraschend dezent aus, wenn sie auch nicht bis zum Hals zugeknöpft waren.

Eine, ein Girl mit kaffeebraunen, langen Haaren und Mandelaugen, zwinkerte ihm aufmunternd zu und deutete auf eine Lücke am Tresen.

Bount schob sich heran und bestellte einen Drink mit wenig Alkohol.

„Ich habe Sie noch nie bei uns gesehen", flötete die Mandeläugige.

„Das kann sich ändern, stellte Bount in Aussicht. „Ist Roberto schon da? Die Miene der Schönen veränderte sich nicht. „Welcher Roberto?", fragte sie.

„Roberto Galluzzi. Er sagte mir, dass ich ihn hier treffen könnte."

„Sind Sie ein Freund von ihm?"

„Hat er denn auch Feinde?", fragte Bount.

Die Wimpern der Mandeläugigen begannen zu flackern. „Die hat jeder Erfolgreiche. Mister Galluzzi ist nicht hier. Er kommt auch meistens erst sehr spät."

Bount nahm einen Schluck, das Zeug schmeckte nicht übel. „Das nennt man Pech, sagte er. „Ich hätte doch schon gestern Abend kommen sollen.

Das Mädchen lächelte verschmitzt. „Wenn er mit Miss Ruffield zusammen ist, lässt er sich nicht gerne stören."

„Susan Ruffield?" Bount nannte irgendeinen Vornamen, der ihm gerade in den Sinn kam. Und er hatte Glück.

„Wanda Ruffield natürlich, klärte ihn das Mädchen auf. „Sie sind nicht lange geblieben. So ungefähr bis zehn Uhr. Warum besuchen Sie ihn nicht einfach zu Hause? Er wohnt ganz in der Nähe.

„Von dort komme ich gerade. Er ist nicht da. Zu dumm! Es geht um ein Geschäft, an dem Roberto bestimmt interessiert wäre. Er müsste sich aber heute noch entscheiden. Sie wissen nicht zufällig die Adresse der Ruffield? Oder wenigstens ihre Telefonnummer?"

Die Mandeläugige bedauerte. „Ich weiß nur, dass sie irgendwo in Union County wohnt."

Bount seufzte, als könnte er mit dieser Information nichts anfangen. „Na ja, da kann man nichts machen. Vielleicht kreuzt er ja doch noch zu Hause auf. Auf jeden Fall werde ich’s später noch einmal versuchen. Der Drink war klasse. Sie übrigens auch. Das ,Fireball' werde ich mir merken."

„Würde mich echt freuen, Sir." Sie bedankte sich für das Trinkgeld und kümmerte sich um einen anderen Gast, einen Mann, der der kurzen Unterhaltung interessiert gelauscht hatte.

9

Bount trat auf die Straße. Erst hier veränderte sich sein Gesicht.

Er hatte es geahnt. Galluzzi hatte ihn belogen. Er war schon wesentlich früher in New York angekommen. Sein Alibi für die Mordzeit stand auf tönernen Füßen. Vielleicht konnte es Wanda Ruffiel erhärten. Dazu musste er aber erst einmal in Erfahrung bringen, wie wahrheitsliebend sie war.

In einer Telefonbox suchte er sich ihre Nummer und die Anschrift heraus. Er fand sie auf Anhieb. Das Barmädchen hatte die Gegend, in der er suchen musste, eng genug eingegrenzt.

Bevor er nach Union County fuhr, versuchte er erneut, June zu erreichen. Wieder Fehlanzeige. Hoffentlich begab sie sich nicht in Gefahr. Wenn sie von einer Idee besessen war, verbiss sie sich meist so darin, dass sie manchen Leuten unbequem

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