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Tony Ballard #311: Das verbotene Gebiet: Horror-Roman

Tony Ballard #311: Das verbotene Gebiet: Horror-Roman

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Tony Ballard #311: Das verbotene Gebiet: Horror-Roman

Länge:
128 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
5. Mai 2016
ISBN:
9783739649528
Format:
Buch

Beschreibung

Mae-us war ein Riecher.
Er war blind.
Alle Riecher waren blind.
Sie hatten keine Augen. Da, wo bei anderen Lebewesen die Augen waren, gab es bei den Riechern lediglich zwei große dunkle Löcher. Nasenlöcher. Und durch diese nahmen sie ihre Umgebung wahr. Sie hörten sehr gut, und ihr Geruchssinn war noch um vieles besser. Deshalb stellte die Blindheit für sie auch absolut keine Behinderung dar.
Sie "sahen" gewissermaßen durch die Nase. Die gerochene Welt war für sie genauso plastisch wie für Sehende. Selbst Entfernungen vermochten sie verblüffend zuverlässig abzuschätzen. Sie witterten Helligkeit und Finsternis und nahmen sogar jede Farbe wahr, die es auf der Prä-Welt Coor gab.
Herausgeber:
Freigegeben:
5. Mai 2016
ISBN:
9783739649528
Format:
Buch

Über den Autor


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Tony Ballard #311 - A. F. Morland

München

Das verbotene Gebiet

Tony Ballard Band 311

von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1. Kapitel

Mae-us war ein Riecher.

Er war blind.

Alle Riecher waren blind.

Sie hatten keine Augen. Da, wo bei anderen Lebewesen die Augen waren, gab es bei den Riechern lediglich zwei große dunkle Löcher. Nasenlöcher. Und durch diese nahmen sie ihre Umgebung wahr. Sie hörten sehr gut, und ihr Geruchssinn war noch um vieles besser. Deshalb stellte die Blindheit für sie auch absolut keine Behinderung dar.

Sie »sahen« gewissermaßen durch die Nase. Die gerochene Welt war für sie genauso plastisch wie für Sehende. Selbst Entfernungen vermochten sie verblüffend zuverlässig abzuschätzen. Sie witterten Helligkeit und Finsternis und nahmen sogar jede Farbe wahr, die es auf der Prä-Welt Coor gab.

Deshalb war ihr Dasein auch nicht trist und dunkel, sondern strahlend bunt. Weil sie sich alle Farben, die sie rochen, ganz genau vorzustellen vermochten.

Sie konnten jagen und fischen und all das tun, wozu jene, die Augen hatten, imstande waren. Fisch und Fleisch aßen sie nur an Festtagen.

Ansonsten ernährten sie sich fast ausschließlich von Umat. Das war eine Art flachwüchsiger Mais, dessen kleine Kolben dunkelbraune Körner ausbildeten, wenn sie reif waren. Sie kannten Dutzende von Möglichkeiten, Umat zuzubereiten, so dass ihre Mahlzeiten stets abwechslungsreich waren und immer köstlich schmeckten.

Umat machte die Riecher groß und stark. Doch es brauchte sie deswegen niemand zu fürchten, weil sie nämlich absolut friedlich und überhaupt nicht aggressiv waren – dieses Wort gab es gar nicht in ihrem Vokabular –, und weil sie noch niemals Anspruch auf Territorien erhoben hatten, die andern gehörten.

Die Riecher waren nicht im Mindesten kriegerisch veranlagt. Sie wollten nur in Frieden leben und in Ruhe gelassen werden. Kurzum, sie waren die angenehmsten Zeitgenossen, die man sich nur vorstellen kann.

Dennoch …

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Das hatte auch auf der Prä-Welt Coor – bedauerlicherweise – seine Gültigkeit.

Und deshalb war Mae-us seit vielen Monaten traurig. Weil er alles verloren hatte, was ihm im Leben etwas bedeutet hatte. Die Frau. Die Kinder. Seine Eltern. Seine Freunde. Sie hatten sie alle fortgeholt – diese grausamen Flachköpfe. Diese silberhäutigen Bestien.

Sie waren im Morgengrauen über die kleine Siedlung der Riecher hergefallen und hatten jeden niedergemacht, der sich gewehrt hatte.

Alle andern waren von ihnen verschleppt und ihre Behausungen zerstört worden. Wohin die Flachköpfe ihre Gefangenen gebracht hatten, wusste Mae-us nicht.

Er war nicht da gewesen, als es passiert war. Er war mit Soj-ba auf der Jagd gewesen. Sie hatten einen Ayach erlegt. Einen Prachtburschen mit einem mächtigen gitterförmigen Geweih und viel Fleisch an den Knochen.

Mit stolzgeschwellter Brust waren sie mit ihrer Beute (es gab nicht mehr viele Ayachs auf Coor) nach Hause gekommen, und hatten eine zerstörte Siedlung vorgefunden. Mit Leichen unter den Trümmern der verwüsteten Behausungen und mit einigen wenigen greinenden Alten, die nicht begreifen konnten, was geschehen war. Manche von ihnen hatten im Sterben gelegen. Andere waren schwer verletzt gewesen.

Es hatte überall nach Tod, Blut und Asche gerochen. Mae-us und Soj-ba hatten nicht gewusst, wo sie zuerst helfen sollten, und zwei Freunde waren ihnen buchstäblich unter den Händen weggestorben, während sie verzweifelt versucht hatten, sie zu retten.

Unter den verkohlten Trümmern war das schwache Stöhnen eines verletzten Riechers hervorgekommen. Mae-us hatte nervös den Kopf gehoben.

»Hast du das gehört, Soj-ba?«

»Ich habe nichts gehört, Mae-us.«

»Das Stöhnen. Dort drüben. Komm.«

Mae-us rannte zu einem Schuttberg.

Soj-ba folgte ihm.

»Hilf mir, Soj-ba.«

Sie entfernten in fieberhafter Eile schwere Lehmbrocken und dicke Holzbalken. Es war Mor-bets Haus.

»Mor-bet!«, rief Mae-us aufgeregt. »Halte durch! Wir holen dich da raus! Hörst du mich, Mor-bet? Wir sind gleich bei dir!«

Er riss alles, was sich über Mor-bet aufgetürmt hatte, hoch und schleuderte es atemlos hinter sich. Was für ihn allein zu schwer war, stemmte er mit Soj-bas Hilfe hoch und stieß es zur Seite.

Bald hatten sie ein Loch freigelegt. Eine Art Trichter, in dessen Zentrum Mor-bets schmerzverzerrtes Gesicht zu sehen war.

»Mor-bet!«, rief Mae-us.

»Ich kann mich nicht bewegen, Mae-us.«

»Du bist in Kürze frei, mein Freund.«

Mae-us und Soj-ba arbeiteten hektisch weiter. Staub und Sand rieselten in Mor-bets Gesicht. Das ließ sich nicht verhindern.

»Gleich!«, sagte Mae-us. »Gleich haben wir es geschafft, Mor-bet. Wir werden dich in wenigen Augenblicken hochziehen.«

Das Loch wurde von Minute zu Minute größer, und schließlich war es Mae-us möglich, zu Mor-bet hinunterzusteigen.

»Bist du schwer verletzt, Mor-bet?«

»Meine Beine. Sie sind bestimmt gebrochen.«

»Das wird wieder. Riecherknochen heilen zum Glück sehr schnell.«

Mae-us zerrte an einem schenkeldicken Rundholz. Er zog es zu sich und benutzte es als Hebel, den er zusammen mit Soj-ba hochdrückte.

»Versuche unter den Trümmern hervorzukriechen, Mor-bet!«, ächzte er.

Er setzte alles ein, was ihm an Kräften zur Verfügung stand. Soj-ba ebenfalls. Ihre Adern schwollen an wie dicke Spinnenbeine. Sie drückten und keuchten und schwitzten und drückten …

Sobald Mor-bet ein bisschen mehr Platz hatte, kämpfte er sich kriechend und schiebend frei und streckte Mae-us und Soj-ba seine Hände entgegen. Sie legten das Rundholz weg und hievten Mor-bet hoch.

»Klettere hinauf, Soj-ba«, sagte Mae-us. »Und dann ziehst du an Mor-bets Armen, während ich ihn hochschiebe.«

So machten sie es.

»Ja«, krächzte Mae-us. »So. Zieh, Soj-ba. Zieh. Vorsichtig. Etwas langsamer. Ja. Jetzt. Hast du ihn? Ist er oben? Warte. Ich komme zu dir.«

Als sie den verletzten Freund neben dem Schuttberg ablegten, verlor er das Bewusstsein. Gleichzeitig sackten die Trümmer krachend nach unten. Wenn Mor-bet noch darunter gelegen hätte, hätten sie ihn wahrscheinlich zerquetscht.

Mae-us stieß die Luft hörbar aus. »Das war knapp. Beinahe hätten wir auch noch Mor-bet verloren.«

Sie warteten, bis Mor-bet zu sich kam und flößten ihm dann behutsam Wasser ein. Er trank mit kleinen Schlucken.

»Was ist passiert, Mor-bet?«, wollte Soj-ba wissen.

»Niemand hat sie bemerkt«, kam es schleppend über Mor-bets Lippen. »Sie waren ganz plötzlich da. Silberhäutige Wesen mit halben, flachen Köpfen. Eine ganze Horde. Grausame Barbaren. Wer sich ihnen in den Weg stellte, wurde gnadenlos niedergemetzelt. Den Rest haben sie mitgenommen. Mich haben sie wohl für tot gehalten, sonst hätten sie mich bestimmt nicht zurückgelassen.«

»Hast du eine Ahnung, woher sie kamen?«

»Ich weiß es nicht, Mae-us.«

»Ich sage euch, die kamen aus dem verbotenen Gebiet«, bemerkte Soj-ba.

Niemand von ihnen wusste genau, wo sich dieses Gebiet befand. Es hieß nur, man würde es merken, wenn man seine Grenze erreicht hätte, und diese Linie dürfe man auf keinen Fall überschreiten, weil man sonst sein Leben verlieren würde, und zwar auf eine so grausame Weise, wie man es sich unmöglich ausmalen könne.

»Aus dem verbotenen Gebiet«, wiederholte Mor-bet nachdenklich. »Ja, das könnte stimmen. Damit könntest du Recht haben, Soj-ba. Dort hin haben sie ihre Gefangenen wahrscheinlich gebracht.«

»Aber wozu?«, fragte Mae-us. »Was machen sie dort mit ihnen? Wofür brauchen sie sie? Was stellen sie da mit meinen Kindern, mit meiner Frau, mit meinen Eltern an?«

Es war ein rabenschwarzer Tag für die friedliebenden Riecher gewesen, ein Tag, den Mae-us nie vergessen würde. Er war bald danach ausgezogen, um nach den Seinen zu suchen, doch er hatte sie nicht gefunden.

Er war tage- und wochenlang verzweifelt umhergeirrt und dabei hin und wieder auf versprengte Riecher gestoßen, die ihm aber auch nicht weiterhelfen konnten, die nur noch mehr Fragen aufgeworfen hatten.

Fragen, die niemand zu beantworten vermochte. Schließlich war er niedergeschlagen umgekehrt. Mor-bet – inzwischen wieder genesen –, Soj-ba und einige weitere Riecher, die den Überfall der Flachköpfe überlebt hatten beziehungsweise den Silberhäutigen durch Zufall oder mit sehr viel Glück entkommen waren, hatten während Mae-us' Abwesenheit einen Teil der zerstörten Siedlung wieder aufgebaut, und es hatten sich ihnen neue Riecher aus anderen Regionen, die ebenfalls von den Flachköpfen heimgesucht worden waren, angeschlossen.

»Ich habe jeden Tag das Drüben angefleht, mir zu helfen, mir die Meinen zurückzugeben oder mir wenigstens den Weg zu ihnen zu

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