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Sophienlust Extra 24 – Familienroman: Ohne Mutterliebe

Sophienlust Extra 24 – Familienroman: Ohne Mutterliebe

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Sophienlust Extra 24 – Familienroman: Ohne Mutterliebe

Länge:
140 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 3, 2020
ISBN:
9783740972882
Format:
Buch

Beschreibung

Das Kinderheim Sophienlust erfreut sich einer großen Beliebtheit und weist in den verschiedenen Ausgaben der Serie auf einen langen Erfolgsweg zurück. Denise von Schoenecker verwaltet das Erbe ihres Sohnes Nick, dem später einmal, mit Erreichen seiner Volljährigkeit, das Kinderheim Sophienlust gehören wird.
Die neue Ausgabe Sophienlust extra wird alle Freunde und Sammler dieser Serie begeistern. Sämtliche Romane, die wir in dieser neuen Ausgabe veröffentlichen, sind Kelter-Erstdrucke. So haben alle Leserinnen und Leser die Möglichkeit, die Lücken in ihrer Sophienlust-Sammlung zu schließen.

Immer gegen Morgen schlief der alte Justus besonders gut. Am Abend haperte es meistens mit dem Einschlafen. Er wälzte sich oft endlos von einer Seite auf die andere, bis er schließlich die richtige Lage gefunden hatte. Der Novembernebel hatte es in sich – und das Rheuma leider auch. Manchmal gelang es Justus, die Heimsuchungen des Alters mit Humor zu ertragen, oft jedoch machten ihn die Schmerzen auch brummig. Die Bewohner des Kinderheims Sophienlust hielten es dann für geraten, einen kleinen Bogen um ihn zu machen. Justus, der schon zurzeit Sophie von Wellentins Verwalter in Sophienlust gewesen war, lebte nun auf dem Altenteil. Er werkelte noch ein bisschen hier und da herum, weil er es nie gelernt hatte, die Hände in den Schoß zu legen. Am liebsten beschäftigte er sich mit den Pferden. Vor allem mit den Ponys, auf denen die Kinder ritten und die er nur zu gern für sie sattelte. Der alte Mann dehnte sich in seinem hohen, altmodischen Bett, dass es nur so krachte. Da – plötzlich schien er unruhig zu werden. Ein Geräusch an der Fensterscheibe drang durch die Mauern seines Schlafes. Er rappelte sich verwirrt hoch und tastete mit der Hand nach dem Knopf der Nachttischlampe. Da war es wieder, das Geräusch. Diesmal konnte Justus klar erkennen, dass jemand hartnäckig Steinchen für Steinchen an sein Fenster warf. "Da soll doch …", murmelte er und sah auf die Uhr. Knapp fünf vorbei. Noch zu früh dafür, dass ihm jemand einen Streich spielte.
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 3, 2020
ISBN:
9783740972882
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Sophienlust Extra 24 – Familienroman

Titel in dieser Serie (40)

Buchvorschau

Sophienlust Extra 24 – Familienroman - Gert Rothberg

Sophienlust Extra

– 24 –

Ohne Mutterliebe

Wie die kleine Doris nach Sophienlust kam

Gert Rothberg

Immer gegen Morgen schlief der alte Justus besonders gut. Am Abend haperte es meistens mit dem Einschlafen. Er wälzte sich oft endlos von einer Seite auf die andere, bis er schließlich die richtige Lage gefunden hatte.

Der Novembernebel hatte es in sich – und das Rheuma leider auch. Manchmal gelang es Justus, die Heimsuchungen des Alters mit Humor zu ertragen, oft jedoch machten ihn die Schmerzen auch brummig. Die Bewohner des Kinderheims Sophienlust hielten es dann für geraten, einen kleinen Bogen um ihn zu machen.

Justus, der schon zurzeit Sophie von Wellentins Verwalter in Sophienlust gewesen war, lebte nun auf dem Altenteil. Er werkelte noch ein bisschen hier und da herum, weil er es nie gelernt hatte, die Hände in den Schoß zu legen. Am liebsten beschäftigte er sich mit den Pferden. Vor allem mit den Ponys, auf denen die Kinder ritten und die er nur zu gern für sie sattelte.

Der alte Mann dehnte sich in seinem hohen, altmodischen Bett, dass es nur so krachte.

Da – plötzlich schien er unruhig zu werden. Ein Geräusch an der Fensterscheibe drang durch die Mauern seines Schlafes. Er rappelte sich verwirrt hoch und tastete mit der Hand nach dem Knopf der Nachttischlampe. Da war es wieder, das Geräusch. Diesmal konnte Justus klar erkennen, dass jemand hartnäckig Steinchen für Steinchen an sein Fenster warf.

»Da soll doch …«, murmelte er und sah auf die Uhr. Knapp fünf vorbei. Noch zu früh dafür, dass ihm jemand einen Streich spielte. Außerdem war das nicht die Art der Kinder von Sophienlust. Sie konnten zwar manchmal eine rechte Rasselbande sein, wussten aber zumeist genau, wo ihre Grenzen lagen.

»Onkel Justus …«, hörte er jetzt eine gedämpfte Stimme rufen. Hatte er anfangs noch geglaubt, die Steinchen würden der hübschen Rosi gelten, so war er jetzt zu einem anderen Ergebnis gekommen. Rosi, eine entfernte Verwandte der Köchin Magda, weilte nämlich seit ein paar Tagen zu Besuch in Sophienlust. Ihr Zimmer lag in dem gleichen Nebengebäude, das auch Justus bewohnte.

Der alte Mann konnte sich nicht vorstellen, wer zu dieser frühen Stunde etwas von ihm wollte. Er schlug die Bettdecke zurück und angelte nach seinen Filzpantoffeln.

»Wo ist denn nur wieder meine Brille«, knurrte er leise. Seitdem seine Sehkraft nachließ, war er ständig auf der Suche danach – eine Quelle ungetrübten Ärgers und Anlass zu mancher Neckerei.

Wieder einmal lag die Brille nicht auf dem Nachttisch, sondern fand sich schließlich auf dem Radio, halb verborgen unter einer Zeitung.

»Onkel Justus!« Die Stimme hatte mittlerweile den Ton beschwörender Eindringlichkeit angenommen.

Justus, nun gänzlich wach, tappte zum Fenster und riss es auf.

Draußen war es dunkel und etwas diesig. Wenn nicht die Lampe über dem Pferdestall gebrannt hätte, wäre von dem jungen Mädchen draußen kaum etwas zu bemerken gewesen.

»Wer ist da?«, rief Justus hinunter. Er kniff dabei die Augen zusammen, um deutlicher zu sehen.

»Ich bin’s – die Hanni. Onkel Justus, was bin ich froh, dass du endlich aufgewacht bist.«

»Hanni?«, echote Justus erstaunt. Er kannte nur eine Hanni. Das war seine Nichte, und die lebte in Heilbronn.

»Darf ich zu dir raufkommen, Onkel Justus?«

Tatsächlich, es war Hanni. Was sie aber hier zu suchen hatte, war ihm ein Rätsel.

Der alte Justus war kein Mann großer Umschweife. »Natürlich. Ich mach dir gleich auf. Du musst nur noch warten, bis ich mir was übergezogen habe.«

Hannis Lippen entrang sich ein Seufzer der Erleichterung. Gottlob, die erste Hürde war geschafft. Nun, da sie bei ihrem Onkel war, fühlte sie sich bereits ein wenig geborgen. Die letzte Nacht hatte ihre Nerven ganz schön strapaziert. So ohne Weiteres lief man eben nicht aus dem Elternhaus davon.

Ungeduldig ging Hanni auf und ab. Warum dauerte es nur so lange? Nach einer ihr endlos erscheinenden Zeit wurde ein massiver Eisenriegel an der Haustür zurückgeschoben, ein Schlüssel drehte sich im Schloss.

»Ach, Onkel!« Hanni fiel Justus um den Hals. Zugleich schössen ihr Tränen wie ein Sturzbach aus den Augen.

»Na, na«, begütigte Justus. »So schlimm wird’s schon nicht sein.« Er schob Hanni ein Stückchen von sich weg. Gegen Frauentränen war er nämlich allergisch. »Hier, putz dir mal die Nase.« Er drückte ihr ein buntgewürfeltes Taschentuch in die Hand. »Du hast doch sicher wieder mal keins. Weiß ich noch von früher.«

Ein zaghaftes Lächeln huschte über Hannis zartes, herzförmiges Gesicht, das von dunklen Locken umrahmt war. »Wie gut du mich kennst«, flüsterte sie. Danach folgte sie ihm die Treppe hinauf in den ersten Stock und in sein gemütliches Zimmer.

»Mach’s dir bequem, Kind«, forderte Justus seine Nichte auf.

Hanni sank in den Sessel mit der hohen Lehne und verschränkte die Arme über der Brust. Sie schloss erschöpft die Augen.

Justus betrachtete sie ein paar Sekunden lang nachdenklich. »Du siehst ganz durchfroren und übernächtigt aus«, stellte er fest. »Als erstes musst du mal etwas Warmes in den Magen kriegen.« Sein Blick fiel auf die Flasche mit dem Obstler, von dem er sich gern ab und zu ein Schlückchen genehmigte. Doch für ein junges Mädchen war das vielleicht nicht das Richtige. Wenigstens nicht um diese Tageszeit. Besser war wohl ein heißer Tee.

Justus steckte den Tauchsieder in einen Topf mit kaltem Wasser und holte aus dem Schränkchen in der Kochnische zwei Tassen, die Zuckerdose und ein Päckchen Teebeutel heraus.

»Hunger wirst du sicher auch haben«, bemerkte er. »Leider habe ich jetzt nur die paar Kekse da. Sind noch von meinem Geburtstag übrig. Später gibt’s dann ein richtiges Frühstück.«

»Ist schon recht, Onkel Justus«, sagte Hanni. »Mir ist die Kehle wie zugeschnürt. Ich glaube, ich bekomme keinen Bissen herunter.«

Justus goss das dampfende Getränk in die Tassen. Er verbarg ein Lächeln, als er sah, wie schnell sich die Keksdose trotz Hannis düsterer Prophezeiung leerte.

Als ihre blassen Wangen wieder etwas Farbe bekommen hatten, fragte er: »Der Entschluss zu deiner Reise kam wohl etwas plötzlich, wie?«

Hanni nickte energisch. »Das kann man wohl sagen, Onkel Justus. Weißt du, ich war so verzweifelt …, so durcheinander … Ich sah überhaupt keinen Ausweg mehr – bis du mir dann einfielst. Ja, und nun bin ich hier.«

»Das ist mir inzwischen klar geworden«, entgegnete Justus trocken. »Vielleicht wäre es gut, wenn du mir einmal alles erzählen würdest.«

»Natürlich. Nur, wo soll ich anfangen?«

»Am besten ist es immer, man beginnt ganz von vorn.« Justus lehnte sich zurück und stopfte sich eine Pfeife. Er ahnte schon, dass er sich auf allerhand gefasst machen musste.

»Man will mich verheiraten«, platze Hanni heraus. »Onkel Justus, wie findest du das?«

»Nun«, antwortete er diplomatisch, »eine Hochzeit ist ja eigentlich ein freudiger Anlass. Oder nicht?«

Hanni schob trotzig die Unterlippe vor. »Sollte man denken. Aber nicht auf diese Weise. Nicht, wenn man muss.«

Justus fuhr sichtlich zusammen. Durfte er seinen Ohren trauen? Müssen, das konnte doch nur eines bedeuten … Er musterte seine Nichte scharf. Sie gefiel ihm so gut wie eh und je. Sie hatte sich kaum verändert in den letzten anderthalb Jahren. Höchstens war sie ein wenig schlanker als damals.

Hanni kicherte unterdrückt. Der forschende Blick des alten Mannes war ihr nicht entgangen.

»Es ist nicht das, was du denkst, Onkel Justus«, klärte sie ihn auf. »Wahrscheinlich habe ich mich falsch ausgedrückt. Ich muss nicht aus diesem Grund heiraten. Vater und Mutter wünschen, dass ich heirate. Sie wollen, dass ich eine gute Partie mache. Und sie haben auch schon jemand in petto. Wo gibt’s denn heutzutage noch so was«, vollendete sie entrüstet.

Justus paffte bedächtig eine Rauchwolke in die Luft. »In dem Punkt haben sich die Zeiten nicht so sehr geändert, mein Kind. Aber …« Er brach ab und dachte an Hannis Eltern. Amanda, Hannis Mutter und einzige Tochter seiner verstorbenen Schwester, war von Kind an immer auf ihren Profit bedacht gewesen. In Hannis Vater hatte sie eine verwandte Seele gefunden. Für Justus war es bis heute ein Rätsel geblieben, wie diese zwei nüchternen, stets nach Gewinn strebenden Menschen es zu einer so reizenden Tochter wie Hanni gebracht hatten. Justus hätte gut und gern auf Amanda und ihren Mann verzichtet. Nur um Hannis willen hielt er die Verbindung zu dieser Verwandtschaft aufrecht.

»Es ist kein netter Mann?«, erkundigte er sich behutsam.

»Ein Ekel! Ein Scheusal!«, rief Hanni temperamentvoll aus. »Uralt …, mindestens vierzig. Und wie er mich immer ansieht! Als ob er mich schon jetzt mit Haut und Haaren verschlingen wollte!« Sie schüttelte sich.

»Wenn ich mir nur vorstelle, dass er mich berühren könnte, wird mir ganz übel.«

»Übertreibst du da nicht ein wenig?«

Hanni zuckte die Achseln. »So sehe ich ihn. Wenn du natürlich Mutter dagegen hören würdest …« Sie verdrehte die Augen und spitzte die Lippen, als sie fortfuhr: »Oh, Kind, dieses unverdiente Glück! Ein Mann wie Erwin Weigand mit dieser Position – mit diesen Aussichten – die schöne Eigentumswohnung – das große TV. Wir können uns so was nicht leisten. Du versündigst dich, wenn du eine solche Chance ausschlägst.« Hanni verfiel wieder in ihre normale Sprechweise. »So was muss ich mir Tag für Tag anhören«, beklagte sie sich.

Justus lächelte. Wie gut Hanni ihre Mutter kopiert hatte. Er sah diese förmlich vor sich stehen. Und so verdrehte Ansichten waren ihr auch zuzutrauen.

»Und dein Vater, was sagt der dazu?«

»Vater ist immer Mutters Meinung. Das weißt du doch. Natürlich ist er auch von Herrn Weigand geblendet. Aber dann ist da noch etwas …« Sie brach ab und wurde flammenrot.

»Warum sprichst du nicht weiter, Hanni?«

»Weil …, weil …« Hanni rieb verlegen die Handflächen aneinander. »Es ist nämlich so, selbst wenn Herr Weigand nett wäre – auch dann würde ich ihn nicht wollen.«

»Ach, sieh mal

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