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Was ist Mathematik?

Was ist Mathematik?

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Was ist Mathematik?

Länge:
153 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
5. Mai 2020
ISBN:
9783748739616
Format:
Buch

Beschreibung

Die Frage "Was ist Mathematik?" hat schon Generationen beschäftigt.
Die Babylonier und Ägypter haben sie anders beantwortet als die Griechen und Araber. Das Mittelalter baute auf Griechen und Araber auf, bis Newton und Leibnitz neue Wege der Mathematk fanden und damit neue Antworten. Und wie würden moderne Mathematiker diese Frage beantworten? Lesen Sie es in meinem kleinen Büchlein nach.
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5. Mai 2020
ISBN:
9783748739616
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Buch

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Was ist Mathematik? - Michael Ziegenbalg

München

Was ist Mathematik?

Was ist Mathematik?

Was ist Mathematik? Wenn Sie diese Frage dem erstbesten Passanten auf der Straße stellen, wird dieser Ihnen höchstwahrscheinlich antworten: »Mathematik ist die Lehre von den Zahlen.« Wenn Sie es etwas genauer wissen wollen, wird man Ihnen vielleicht noch antworten: »Mathematik ist die Wissenschaft von den Zahlen.« Mehr werden Sie nicht herausfinden, und doch ist dies mitnichten eine angemessene Definition von Mathematik. Diese Definition ist nämlich seit 2500 Jahren überholt! Und die Antwort auf die Frage »Was ist Mathematik?« hat sich seitdem mehrmals gewandelt.

Bis etwa 500 v.Chr. war die Mathematik tatsächlich die Lehre von den Zahlen. Die altägyptische, die babylonische und die chinesische Mathematik beschäftigten sich fast ausschließlich mit Arithmetik. Sie waren weitgehend anwendungsorientiert und im wesentlichen eine Art Rezeptsammlung für den Alltagsgebrauch. (»Man nehme eine Zahl und stelle dies und das mit ihr an, und man erhält ein Ergebnis.«)

Zwischen 500 v.Chr. und 300 n.Chr. erweiterten die Mathematiker ihre Forschungen über den Bereich der Zahlen hinaus. Im alten Griechenland befaßten sie sich mehr mit Geometrie. Tatsächlich betrachteten sie die Zahlen auf eine geometrische Art und Weise, als Maßzahlen für Längen, und als sie entdeckten, daß es Längen gab, für die sie keine Zahlen zu finden wußten (die sogenannten irrationalen Längen), kamen ihre Forschungen über die Zahlen weitgehend zum Stillstand. Für die alten Griechen behandelte die Mathematik Zahlen und Formen, mit einem Schwerpunkt auf Geometrie.

Erst mit den Griechen wandelte sich die Mathematik von einer Sammlung von Vorschriften zum Messen, Zählen und für die Buchhaltung in eine akademische Disziplin mit sowohl ästhetischen als auch religiösen Elementen. Zu Beginn der Blütezeit der griechischen Antike führte Thales von Milet den Gedanken ein, daß präzise formulierte mathematische Behauptungen durch formale Argumentationsverfahren logisch bewiesen werden können. Diese Entwicklung führte um 350 v.Chr. schließlich zu der Veröffentlichung von Euklids 13bändigem Mammutwerk Elementa (»Die Elemente«), dem nach der Bibel meistverbreiteten Buch aller Zeiten.

In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Mathematik zwar auch in anderen Teilen der Welt weiter – insbesondere in Arabien und China –, doch im Grunde änderte sie sich nicht wesentlich bis Mitte des 17. Jahrhunderts, als Isaac New­ton in England und Gottfried Wilhelm Leibniz in Deutschland unabhängig voneinander die Differentialrechnung entwickelten. Im Kern ist die Differentialrechnung die Lehre von den Bewegungen und Veränderungen. Bis dahin war Mathematik im wesentlichen auf die statischen Probleme des Zählens, Messens und der Beschreibung von Flächen beschränkt geblieben. Mit den neuen Techniken zur Beschreibung von Bewegungen und Veränderungen konnten die Mathematiker nun den Lauf der Planeten ebenso wie das Fallen von Körpern auf der Erde untersuchen, das Funktionieren von Apparaturen, den Fluß von Flüssigkeiten, die Ausdehnung von Gasen, physikalische Kräfte wie Magnetismus und Elektrizität, den Flug von Vögeln und Kanonenkugeln, das Wachstum von Pflanzen und Tieren, die Ausbreitung von Seuchen und die Zu- und Abnahme von Gewinnen in der Wirtschaft. Mathematik wurde zur Lehre von den Zahlen, geometrischen Formen, Bewegungen, Veränderungen und des mehrdimensionalen Raums.

Zunächst fand die Differentialrechnung im wesentlichen ihre Anwendung im Bereich der Physik, und viele große Mathematiker des 17. und 18. Jahrhunderts waren zugleich Physiker. Doch ab 1750 wuchs zugleich das Interesse an der Theorie der Mathematik, nicht nur an ihren Anwendungen, als nämlich die Mathematiker allmählich zu verstehen versuchten, worauf die enorme Macht der Differentialrechnung beruhte. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war Mathematik die Lehre von den Zahlen, geometrischen Formen, Bewegungen, Veränderungen, des mehr­dimensionalen Raums und der Methoden, die bei deren Untersuchung eingesetzt wurden, geworden. Und dies war der Beginn der modernen Mathematik.

Das Anwachsen des mathematischen Wissens im Verlauf des 20. Jahrhunderts kann man am ehesten als Explosion beschreiben. Noch um 1900 hätte das gesamte mathematische Wissen der Menschheit in etwa 1000 Büchern Platz gehabt. Heute dürfte man etwa 100 000 Bücher dafür benötigen. Nicht nur bereits bekannte Zweige wie Geometrie und Differentialrechnung wuchsen weiter, sondern eine große Zahl neuer Gebiete wurde erschlossen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert bestand die Mathematik aus zwölf Teilbereichen: Arithmetik, Geometrie, Differentialrechnung usw. Heute unterscheidet man 60 bis 70 solcher Teilgebiete. Einige Bereiche wie Algebra oder Topologie haben sich weiter aufgespalten, während andere wie die Komplexitätstheorie oder die Theo­rie der dynamischen Systeme vollkommen neu entstanden sind.

Die Wissenschaft von den Mustern

Wie beantworten also heutige Mathematiker angesichts dieser Ausdifferenzierung die Frage »Was ist Mathematik?« Am häufigsten findet man die Antwort: »Mathematik ist die Wissenschaft von den Mustern.« Das klingt interessant und ist es auch, wenn man einmal verstanden hat, was die Mathematiker mit »Mustern« meinen und wie sie sie untersuchen.

In diesem Buch werden wir uns unterschiedliche Gebiete der Mathematik näher anschauen. Lassen Sie mich daher zunächst nur einmal feststellen, daß es sich bei den in der Mathematik untersuchten Mustern um teils reale, teils nur in der Vorstellung vorhandene handelt, um unbewegliche oder bewegliche (statische oder dynamische), qualitative oder quantitative, anwendungsbezogene oder rein zur Freude des Betrachters erdachte. Sie entstehen in der Welt, die uns umgibt, tauchen auf aus den Tiefen von Raum und Zeit und ergeben sich aus den Aktivitäten des menschlichen Geistes. Unterschiedliche Arten von Mustern führen zu unterschiedlichen Zweigen der Mathematik. So führen Untersuchungen aus dem Bereich der Zahlentheorie (und arithmetischer Anwendungen) zu Mustern der Zahlenwelt und des Zählens, geometrische Forschungen zu Mustern der Formen. Die Differentialrechnung erlaubt uns den Umgang mit Bewegungsmustern, logisches Schlußfolgern führt uns zu den Mustern der formalen Argumentation. Die Wahrscheinlichkeitstheorie beschäftigt sich mit den Mustern des Zufalls, und die Topologie mit den Mustern von räumlicher Nähe und Position.

Weil diese Muster in aller Regel hochgradig abstrakt sind, verlangen ihre Beschreibung und Untersuchung eine abstrakte Zeichensprache. So ist zum Beispiel die symbolische Schreibweise der Algebra die geeignetste Form, allgemeine Eigenschaften der Addition und der Multiplikation darzustellen. So könnte etwa das sogenannte »Kommutativgesetz für die Addition« umgangssprachlich so ausgedrückt werden:

Wenn man zwei Zahlen zusammenzählt, kommt es auf ihre Reihenfolge nicht an.

Es spart jedoch viel Platz, wenn man statt dessen schreibt:

m + n = n + m

Die Komplexität und Abstraktion der meisten mathematischen Muster verbietet es geradezu, eine weniger ökonomische als die symbolische Darstellungsweise zu wählen. Diese Entwicklung hat im Laufe der Zeit zu einer immer stärkeren Ausweitung der verwendeten Symbolik geführt.

Die erste algebraische Darstellung verdanken wir vermutlich Diophantus von Alexandria, der um 250 n.Chr. lebte. In seiner Abhandlung Arithmetica, die als das erste Lehrbuch der Algebra gilt, verwendete Diophantus spezielle Symbole, um die Unbekannten in einer Gleichung und ihre Potenzen darzustellen. Außerdem erfand er ein Symbol für die Subtraktion und ein Gleichheitszeichen.

In modernen Mathematikbüchern wimmelt es von Symbolen, doch bei der mathematischen Symbolschreibweise handelt es sich ebensowenig bereits um Mathematik, wie es sich bei der Notenschreibweise in einer Partitur bereits um Musik handelt. Zwar wird durch die Symbole auf dem Blatt der Partitur ein Musikstück dargestellt, doch diese schriftliche Codierung und die Musik selbst sind nicht das gleiche: Musik entsteht erst dann, wenn die Noten gesungen oder auf einem Instrument gespielt werden. Das gleiche gilt für die Mathematik: Wenn sie von einer geschulten Person gelesen werden (also jemandem, der sich mit Mathematik auskennt),

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