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Kehret zurück, ihr Menschenkinder - Die Grundlegung einer christlichen Reinkarnationslehre

Kehret zurück, ihr Menschenkinder - Die Grundlegung einer christlichen Reinkarnationslehre

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Kehret zurück, ihr Menschenkinder - Die Grundlegung einer christlichen Reinkarnationslehre

Länge:
1,068 Seiten
27 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 4, 2020
ISBN:
9783968612096
Format:
Buch

Beschreibung

Mit dem vorliegenden epochalen Werk des Schweizer Wissenschaftlers wird ein neuer Abschnitt der christlichen Theologie eingeleitet. Aufgrund der bahnbrechenden Forschungsergebnisse von Till A. Mohr wird niemand mehr behaupten können, der Reinkarnationsglaube ließe sich im Alten oder Neuen Testament nicht nachweisen. Anhand einer Fülle eindeutigster Bibelstellen wird belegt, dass nicht nur die Quellenlage ein Vorhandensein des Reinkarnationsglaubens bestätigt, sondern zusätzlich wird auch noch das historische Umfeld der jeweiligen Textpassage erhellt. Es zeigt sich mit überwältigender Deutlichkeit, dass die Reinkarnationsidee und die biblische Überlieferung keinesfalls im Widerstreit miteinander stehen.

Neben der Analyse der Textquellen liefert die Studie von Till A. Mohr auch eine theologisch ausgereifte christliche Reinkarnationslehre, die zwar in klarer Abgrenzung zu östlichen Erlösungslehren steht, da sie den Individualitätsgedanken in den Vordergrund rückt, aber in ihrer Aufgeschlossenheit einen überaus wertvollen Beitrag zum religiösen Dialog leistet.

Das entscheidende Buch über die Wiederversöhnung des Christentums mit der Reinkarnationslehre!

Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 4, 2020
ISBN:
9783968612096
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Kehret zurück, ihr Menschenkinder - Die Grundlegung einer christlichen Reinkarnationslehre - Till A. Mohr

Reinkarnationslehre

Till Arend Mohr

Kehret zurück, ihr Menschenkinder!

Grundlegung der christlichen Reinkarnationslehre

Aquamarin Verlag

1. eBook-Auflage 2020

© Aquamarin Verlag

Voglherd 1 • D-85567 Grafing

Umschlaggestaltung: Annette Wagner

ISBN 978-3-96861-209-6

INHALT

Vorwort

Einleitung

I.GRUNDZÜGE DES GLAUBENS AN DIE WIEDERVERKÖRPERUNG

1.Grundsätzliches

2.Grundlinien des Glaubens an die Wiederverkörperung

2.1Die Ursprünge

2.2Die Griechen

2.3Die Kelten

2.4Die frühe Kirche im Römerreich

2.4.1Gnosis

2.4.2Hinderliches

2.4.3Alexandria

1.Exkurs: Origenes

2.4.4Kirchenväter

2.5Nachbiblisches Judentum

2.6Islam

2.7Das christliche Mittelalter

2.7.1Die Bogomilen

2.7.2Die Katharer

2.8Reformationszeit

2.Exkurs: Zwingli

2.9Europa in der Neuzeit

3.Exkurs: Friedrich Schiller

2.10Anthroposophie

2.11New-Age-Bewegung

4.Exkurs: Bede Griffiths

2.12Spiritismus

2.12.1Grundsätzliches

2.12.1.1 Die Existenz der Geistwesen

2.12.1.2 Die Prüfung der Geister

2.12.2Beispiele

2.12.2.1 Allan Kardec

2.12.2.2 Jakob Lorber

2.12.2.3 Edgar Cayce

2.12.2.4 Max Däbris

2.12.2.5 Universelles Leben

2.12.2.6 Fiat Lux

2.12.2.7 St.Michaelsvereinigung

2.13Geistchristentum

2.13.1Johannes Greber

2.13.2Geistige Loge

3.Grundformen des Glaubens an die Wiederverkörperung

3.1Seelenwanderung

3.2Reindividuation

3.3Evolution

IILEBEN NACH DEM TOD (POSTEXISTENZ)

1.Persönliche Erfahrungen

2.Wissenschaftliche Erforschung

2.1Johann Friedrich Oberlin

2.2Hans Martensen-Larsen

2.3Emil Mattiesen

2.4Karlis Osis/Erlendur Haraldsson

2.5Eckart Wiesenhütter

2.6Elisabeth Kübler-Ross

2.7George Ritchie

2.8Raymond A. Moody

2.9Michael Sabom

2.10Einwände

2.11Einsichten

2.11.1»Silberne Schnur« – Scheintod – definitiver >Tod< (endgültiges Abscheiden der Seele von der Erde bzw. vom irdischen Leib)

2.11.2Seele (Geistleib)

2.11.3Wiedersehen

2.11.4Lichtwesen

2.11.5Geistige Welt

2.11.6Rückschau und Rechenschaft

3.Biblische Zeugnisse

3.1Altes Testament

3.1.1Reanimierungen

3.1.2Das Überleben der Seele

3.1.3Scheol

3.1.4Erlösung aus der Scheol

3.2Neues Testament

3.2.1Schlaf und Tod Zwillingsbrüder

3.2.2Leben nach dem Tod und Gericht

3.2.3Leben nach dem Tod und Auferstehung

3.2.4Was heißt Auferstehung?

III. LEBEN VOR DER GEBURT (PRÄEXISTENZ)

1.Grundsätzliches

2.Rückerinnerung an frühere Existenzen

2.1Fehlende Rückerinnerung

2.2Rückerinnerungen von Kindern

2.3Mrs. Smith. Rückerinnerungen an ein Leben unter den Katharern

3.Hypnotische Rückführungen in frühere Leben

4.Biblische Zeugnisse von der Präexistenz

4.1Die Präexistenz des Menschen im Allgemeinen – Weisheit 8,19f

4.2Die Präexistenz Jesu Christi

4.2.1Alttestamentliche Zeugen für die Präexistenz des Messias

4.2.2Neutestamentliche Zeugen für die Präexistenz Christi

4.2.2.1Jesus

4.2.2.2Johannes

4.2.2.3Paulus

4.2.2.4Hebräerbrief

IV. KREISLAUFDENKEN UND CHRISTLICHES WELTBILD

1.Grundsätzliches

2.Konkrete Beispiele

2.1Der atomare Bereich

2.2Der Blutkreiskauf

2.3Der Kreislauf des Wassers

2.4Tag und Nacht

2.5Der Umlauf des Mondes um die Erde

2.6Unser Sonnensystem

2.7Spirale statt Kreislauf

V.REINKARNATION IN DER BIBEL

1.Reinkarnation im Alten Testament

1.1Gott führt in die Unterwelt und wieder heraus

1.2Psalm 90,3 – Wiedergeburt nach 1000 Jahren

1.3Jesaja 26,19 – Die Freude der Wiederverkörperung

1.4Weisheit Salomos 2,1.5; 8,19t; 16,13 – Nur die Gottlosen glauben nicht an wiederholte Erdenleben

1.5Sacharja 9,9-12a – Reinkarnation und die messianische Wende zum Heil

1.6Maleachi 3,1; 4,5 – Elias Reinkarnation

2.Reinkarnation im Neuen Testament

2.1Zur Verbreitung des Reinkarnationsgedankens in Israel zur Zeit Jesu

2.1.1Philo von Alexandrien

2.1.2Josephus

2.1.3Matthäus 16,13-17; Markus 8,27-30; Lukas 9,18-21 – Jesus, ein wiedergeborener Prophet?

2.1.4Markus 6,14-16; Matthäus 14,1-2; Lukas 9,7-9 – Auferstehung im Sinne von Reinkarnation

2.1.5Johannes 1,21 – Johannes der Täufer, der wiedergeborene Elia?

2.1.6Lukas 1,17 – Gabriel kündet die Reinkarnation Elias an

2.2Aussagen Jesu zur Reinkarnation

2.2.1Markus 9,11-13; Matthäus 17,10-13 – Der wiedergeborene Elia, Wegbereiter auch im Leiden

2.2.2Matthäus 11,14 – Der Täufer ist der wiedergeborene Elia!

2.2.3Johannes 3,1ff – Die Heilsnotwendigkeit der Reinkarnation

1.Exkurs: Innere Wiedergeburt und Reinkarnation

2.Exkurs: Gnade und Wiedergutmachung

2.2.4Matthäus 20,1-16 – Erlösung, Gericht und Reinkarnation

2.2.5Johannes 4,35-38 – Heilsgeschichte und Reinkarnation

3.Exkurs: Erlösung und Reinkarnation

2.2.6Johannes 15,1-8 – Läuterung und Reinkarnation

2.2.7Matthäus 5,5 – Verheißung und Reinkarnation

2.2.8Johannes 10,1ff – Alle werden von oben wiedergeboren werden

2.2.9Offenbarung 3,12a – Das Ende der Reinkarnation

2.2.10Johannes 8,34f – Nur der Sohn bleibt für immer

2.3Die Reinkarnationswahrheit im apostolischen Urchristentum

2.3.1Johannes 9,1-3 – Nicht jede Behinderung oder Krankheit beruht auf Karma

2.3.2Jakobus 3,5f – Das Rad des Werdens

2.3.3Epheser 1,12 – Erfüllte Hoffnung auf Christus durch Reinkarnation

2.3.4Römer 8,18-24a – Reinkarnation der gesamten Kreatur

VI. DAS KARMA-GESETZ

1.Der indische Hintergrund

1.1Hinduismus

1.2Jainismus

1.3Buddhismus

1.4Kritische Auswertung

2.Grundsätzliches

2.1Ursache und Wirkung

2.2Unbedingte Gültigkeit

3.Alttestamentliche Zeugnisse

3.1Das Himmel und Erde umfassende Gesetz Gottes

3.2Wer anderen eine Grube gräbt

3.3Das Karma-Gesetz gilt für das ungerechte wie für das gerechte Handeln

3.4Gottes Gnade und Gerechtigkeit bilden im Karma-Gesetz eine vollkommene Harmonie

3.5Gottes vollkommene Gerechtigkeit wirkt sich nicht nur in diesem, sondern auch in folgenden Leben aus

4.Neutestamentliche Zeugnisse

4.1Matthäus 26,52 – Wer das Schwert nimmt

4.2Matthäus 7,1f; Markus 4,24b; Lukas 6,38b – Maß um Maß

4.3Galater 6,7 – Was der Mensch sät, das wird er auch ernten

4.4Mt 6,14; Mk 11,25; Mt 6,12 – Wer vergibt, dem wird von Gott vergeben

5.Theologische Einwände

5.1Das Karma-Gesetz sei mit Gottes Liebe und Gnade unvereinbar

5.2Reinkarnation sei eine Strafe oder ein Fluch

5.3Das Karma-Gesetz führe zu einem fatalistischen, pessimistischen Weltbild

5.4Das Karma-Gesetz sei kalt, blind und unpersönlich

5.5Läuft die Betonung des menschlichen Tuns nicht auf eine Selbsterlösung hinaus?

5.6Leistet der Glaube an die Wiedergeburt nicht einem Kastendenken Vorschub?

VII. DAS UNIVERSALE HEIL ALS ZIEL DES GÖTTLICHEN HEILSPLANS

1.Die Vielzahl neutestamentlicher Eschatologien

2.Gibt es eine ewige Verdammnis?

3.Das universale Heil

3.1Die »große Wolke der Zeugen«

3.2Alttestamentliche Zeugnisse

3.2.11 Mose 12,3 Die Verheißung universalen Segens

3.2.2Die universale Ausweitung des Gottesvolkes und des Heils

3.2.3Der Mittler universalen Heils

3.2.4Psalm 22 Auch alle Abgeschiedenen werden sich vor dem Herrn beugen

3.2.5Jesaja 45,22-24 Auch die Feinde des Herrn werden sich ihm beugen

3.2.6Die neue Erde und der neue Himmel

3.3Neutestamentliche Zeugnisse

3.3.11 Timotheus 2,4-6

3.3.2Matthäus 13,33

3.3.3Johannes 1,9

3.3.4Johannes 6,33

3.3.5Johannes 1,29

3.3.6Johannes 4,42

3.3.7Der gute Hirte

3.3.8Matthäus 28,18f

3.3.9Apostelgeschichte 3,21

3.3.10Paulus

3.3.10.1 Kolosser 1,19f

3.3.10.2 Epheser

4.Gericht und universales Heil

4.1Grundsätzliches

4.2Johannes 12,31f

4.3Die Notwendigkeit der Reinkarnation für das universale Heil

4.4Führt der Gedanke des universalen Heils zu einer falschen Sicherheit?

4.5Nimmt das Böse trotz Reinkarnation in der Welt zu?

SCHLUSSWORT

ANHANG

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Die biblischen Bücher werden (ohne Punkt) nach dem Ökumenischen Verzeichnis der biblischen Eigennamen nach den Loccumer Richtlinien (Stuttgart ²1981) abgekürzt. Davon ausgenommen sind die fünf Bücher Mose, die wegen der für Laien besseren Verständlichkeit mit 1(-5) Mose bezeichnet werden, sowie Hiob für Ijob, Pred(iger) für Koh(elet) und Off(enbarung) für Offb.

A. Anmerkung

a.a.O. am angegebenen Ort

Art. Artikel

Bd. Band

bzw. beziehungsweise

dass. dasselbe

ders. derselbe

dies. dieselben

d.h. das heißt

ebd. ebenda

et al. und andere

f(f) folgender(e)

geb. geboren

gest. gestorben

griech. griechisch

hebr. hebräisch

Hrsg. Herausgeber

HZ Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa (Darmstadt 1999)

Jhd. Jahrhundert

Jg. Jahrgang

LXX Septuaginta (die grundlegende griechische Übersetzung des Alten Testamentes)

m.E. meines Erachtens

n. Chr. nach Christus

o.J. ohne Jahr(esangabe)

PA Origenes: Peri Archon. (Deutsch: Vier Bücher von den Prinzipien)

par(r). mit Parallelstelle (mit Parallelstellen)

RGG Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft (Tübingen 1957ff)

S. Seite

sic! so; wirklich so [bestätigt die zuvor gelesene, ungewöhnliche Schreibweise]

Sp. Spalte

s.o. siehe oben!

s.u. siehe unten!

TM Till Mohr

Übers. Übersetzer

u.a. unter anderem

u.a.m. und andere mehr

u.ö. und öfters

v. Chr. vor Christus

vgl. vergleiche

WA Weimarer Ausgabe der Werke Luthers

z.B. zum Beispiel

VORWORT

Damit dieses in der alten Schreibweise abgefasste Buch auch für interessierte Laien verständlich ist, habe ich mich bemüht, möglichst wenige Fremdworte zu benutzen oder diese zu erklären. Die hebräischen und griechischen Worte aus dem Alten und Neuen Testament habe ich jeweils in deutscher Umschrift wiedergegeben. Das ausführliche Inhaltsverzeichnis informiert auch über die wichtigsten, hier besprochenen Bibelstellen. Weitere Stellen können auch durch das Namensregister mit Hilfe der biblischen Namen gefunden werden. Den biblischen Zitaten liegt in der Regel die Zürcher Bibel zugrunde, da ich ihre Nähe zum Urtext schätze, mit welchem sie an den besprochenen Stellen verglichen und nötigenfalls korrigiert wurde.*) Die verwendeten Werke und Quellen werden in den Fußnoten in der Regel nur mit Autorenname, Stichwort des Werkes (Bandnummer) und Seitenzahl angegeben. Die genaueren bibliographischen Angaben können dem Literaturverzeichnis entnommen werden. Einschübe des Autors in Zitaten aus der Sekundärliteratur werden durch eine eckige Klammer und die Abkürzung TM (= Till Mohr) kenntlich gemacht. Die ausführlichen Personen- und Sachregister ermöglichen das leichte Auffinden von speziellen Themen, Personen und größeren Zusammenhängen.

Ein herzlicher Dank gilt meiner Frau Ursula, welche diese Arbeit über Jahre innerlich und inhaltlich begleitet und mit vielen Opfern an Freizeit am Abend und in den Ferien unterstützt und erst möglich gemacht hat. Ein ebenso herzlicher Dank gehört unseren Freunden Prof. Antonius Sommer und seiner Frau Wilma in Rohrhof. Sie haben mit großer Sorgfalt und tiefem Verständnis Korrektur gelesen und die Arbeit auch durch inhaltliche Verbesserungsvorschläge wesentlich gefördert sowie das Namensregister erstellt. Nicht zuletzt gebührt mein Dank Willi Fleischmann, der die Veröffentlichung meines Buches durch einen großzügigen Betrag unterstützt hat.


*)Der Titel dieses Werkes „Kehret zurück, ihr Menschenkinder" ist ein Zitat aus Ps 90,3. Die Stelle wird in Kap. V, 1.2 besprochen.

EINLEITUNG

Wenn wir uns aus der Sicht des christlichen Glaubens mit dem Thema der Wiederverkörperung beschäftigen, ist es sinnvoll, zunächst die gebräuchlichsten Begriffe zu klären, um Missverständnisse zu vermeiden. Der umfassendste Begriff ist der der Seelenwanderung, welcher die erneute und wiederholte Einkörperung von »Seelen« nicht nur in menschliche Körper, sondern auch in Tiere und Pflanzen bezeichnet. Die Seelenwanderung sollte von der Planetenwanderung im Sinne der erneuten Einkörperung auf anderen Planeten oder Himmelskörpern, wie sie z.B. Immanuel Kant vertreten hat¹, unterschieden werden. Der Begriff der Reinkarnation (wörtlich »Wiedereinfleischung«) ist ebenso umfassend, wird aber im Gegensatz zur Seelenwanderung gerne auf die wiederholte Menschwerdung eines Geistes, einer Seele oder ihrer Teile, eines Lebensprinzips (Lebenskraft), des Geistfunkens oder geistiger Faktoren (Grundimpuls) beschränkt. Von Wiederverkörperung spricht man in der Regel in Bezug auf die erneute Menschwerdung eines Geistes bzw. einer Seele ebenso wie bei der Wiedergeburt.² Letztere, als erneute Inkarnation eines Geistes in einen menschlichen Leib ist nicht zu verwechseln mit der inneren, geistigen „Wiedergeburt", die sich in der Seele des Menschen selbst durch die Umkehr zu Gott bzw. durch die Einverleibung in den geistigen Leib Christi durch den Glauben an Christus und ein Leben »in Christus« vollzieht.

Als Geister oder Geistwesen bezeichne ich alle nicht-inkarnierten geistigen Existenzen, unabhängig davon, ob sie sich im geistigen Aufstieg zu Gott befinden, Engelwesen oder dämonische Mächte sind; als Seelen alle inkarnierten geistigen Wesen einschließlich ihrer unmittelbaren nachtodlichen Existenz, bis sie sich innerlich vom irdischen Leben gelöst haben.

Das den Menschen belebende Prinzip wird unterschiedlich und wechselweise als Geist oder Seele bezeichnet. Dabei schreibt man dem Geist mehr die intellektuellen Fähigkeiten zu und der Seele mehr die empfindenden, emotionalen. Die biblische trichotomische (dreiteilige) Anthropologie, welche den Menschen als Geist, Seele und Leib betrachtet³, versteht Geist und Seele als eine untrennbare Einheit.

Der Geistesleib, das soma pneumatikon, wie ihn Paulus nennt (1 Kor 15,44), kann je nach der Existenz als Engel oder Teufel, als Mann oder Frau oder Kind, als Tier oder Pflanze unterschiedliche Gestalt annehmen; denn es gibt für jedes Geschöpf einen besonderen Leib. Dies bezieht sich nicht nur auf den irdischen, materiellen Leib, sondern auch auf den geistigen Leib (1 Kor 15,40) der Geschöpfe auf Erden und in der geistigen Welt.

Die Seele wird in der Bibel auch mit dem Odem oder Geist Gottes identifiziert.⁴ Dieser Odem gibt Menschen und Tieren das Leben.⁵ Die Seele entsteht also nicht mit dem irdischen Leib, sondern kommt letztlich von Gott.⁶ »Der Odem des Menschen ist eine Leuchte des Herrn.« (Spr 20,27) Die den ganzen Menschen, insbesondere aber auch den inneren Menschen, den Geistesleib belebende »Leuchte des Herrn«⁷, dieser innerste Lichtkern oder göttliche Funke, von dem die Gnostiker und Origenes⁸, Mystiker⁹ und andere¹⁰ sprechen, birgt in sich das unteilbare Ich, die Individualität jedes lebendigen Wesens.

Der Odem bzw. die Seele wird nicht nur von Gott gegeben, sondern auch wieder genommen, wenn die Lebenszeit auf Erden vorüber ist. So wenig wie der göttliche Odem im Menschen mit dem materiellen Körper entsteht, so wenig vergeht er auch im Sterben. Wegen ihrer göttlichen Herkunft bleibt die Seele mit ihrem von der »Leuchte des Herrn« belebten Geistleib durch Geburt und Tod und so durch alle Existenzen als unsterblicher Garant der Kontinuität bestehen, auch wenn diese »Leuchte« je nach der Gesinnung strahlen oder verdunkelt beziehungsweise durch die Sünde sogar unter einen »Scheffel« gestellt werden kann.¹¹

Dieser innere Mensch, insofern er durch die Sünde zum »alten Menschen« verkommen ist, soll zum neuen Menschen nach dem Bilde seines Schöpfers erneuert werden (Kol 3,10), gleichgestaltet werden dem vollkommenen Ebenbild seines Sohnes (Röm 8,29) von Herrlichkeit zu Herrlichkeit (2 Kor 3,18). Wer von uns erreicht dieses hohe Ziel in einem Leben?

So wollen wir uns der Frage zuwenden, die heute so viele Menschen bewegt, ob dieser allem Leben auf Erden innewohnende Odem bzw. die Seele nur einmal oder mehrmals auf Erden verkörpert wird. Es ist ja erstaunlich, wie viele Menschen – gerade auch in der westlichen Welt – an wiederholte Erdenleben glauben. Nach Umfragen des schweizerischen pastoralsoziologischen Instituts in St.Gallen glauben etwa 29 Prozent der Schweizer/innen an Reinkarnation,¹² davon sind 14,8% voll und ganz überzeugt und 13,8% sind damit »eher einverstanden«.¹³ Entsprechende Umfragen in anderen europäischen Ländern kommen zu ähnlichen Ergebnissen.¹⁴ Daher stellt Rüdiger Sachau mit Recht fest: »Die Reinkarnationsvorstellungen können nicht auf einzelne Anhängerschaften und subkulturelle Milieus beschränkt werden, sie sind zur etablierten Vorstellung in westlichen Kulturen geworden.«¹⁵ Ja, »die westlichen Reinkarnationsvorstellungen können als Leitmotiv der Religiosität in der Moderne angesehen werden.«¹⁶

Die meisten von diesen Menschen, welche glauben, nicht zum ersten Mal auf der Erde zu leben, sind Mitglieder einer christlichen Kirche. Aber sie fühlen sich mit ihrer Überzeugung in der Kirche nicht verstanden, nicht akzeptiert, nicht daheim. Deshalb wenden sie sich häufig anderen Religionen zu, insbesondere östlichen, wie dem Buddhismus, aber auch der Esoterik, bis hin zur New-Age-Bewegung und allerlei religiösem Patchwork. Diese Menschen sind keineswegs nur oberflächliche Christen, sondern oft geistig und ethisch hochstehende Menschen, die sich aus diesem Grunde innerlich und oft auch äußerlich von der Kirche abwenden. Die Kirche sieht sich zunehmend der Situation ausgesetzt, dass nicht nur Menschen, welche die Kirchensteuer sparen wollen, aus der Kirche austreten, sondern dass es auch einen höchst alarmierenden Exodus (Auszug) von Gläubigen gibt, die sich nicht mehr verbieten lassen nachzudenken. Darum kann sie sich weder dem Thema der Reinkarnation weiterhin verschließen noch kann sie alle an Reinkarnation Glaubenden aus der Kirche ausschließen, weil sie schlicht zu viel geworden sind. »In Brasilien glauben etwa 80% der katholischen Bevölkerung an die Reinkarnation.«¹⁷

Während in früheren Zeiten Christen, die an Reinkarnation glaubten, wie z.B. die Katharer, als Ketzer betrachtet und entsprechend behandelt wurden, herrscht heute in der Regel in den Landeskirchen eine erfreuliche Toleranz. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist der katholische Pater und Professor an der Lateranuniversität in Rom Andreas Resch, der in einer sehr beachteten Sendung des ZDF mit dem Titel »Viele Male auf Erden« feststellte, dass es im Rahmen der katholischen Kirche keine lehramtliche Entscheidung gegen die Reinkarnation gibt und dass Menschen, die an Reinkarnation glauben, in Einheit mit der Eigen-, Nächsten- und Gottesliebe diesen Weg zur persönlichen Vollendung beschreiten sollen.¹⁸ Resch sprach 1984 in einer Privataudienz Papst Johannes Paul II. gegenüber von der Notwendigkeit und Verpflichtung der Kirche, angesichts so zahlreicher Reinkarnationsanhänger innerhalb der Kirche, das Gespräch mit ihnen aufzunehmen.¹⁹

Am 16. Juni 1985 hat auch Stefan von Jankovich dem Papst in einer Privataudienz von seinem Nahtoderlebnis mit Reinkarnationserinnerungen berichtet und dass sein christlicher Glaube nicht im Gegensatz zur Reinkarnation stehe, welche in ihm vielmehr den Glauben an einen gerechten Gott verstärkt habe.²⁰

In dem bevölkerungsreichen Land Brasilien, mit seiner großen Mehrheit der an Reinkarnation glaubenden Katholiken, ersuchen die kirchlichen Oberen den Papst, die Reinkarnation anzuerkennen. »Dieser hält ihnen jedoch entgegen, dass er in dieser Angelegenheit nichts zu unternehmen vermöge, da sich noch über die Hälfte seiner Kardinäle gegen eine Anerkennung der Reinkarnation sträube.«²¹

Im Anbetracht des heute vorliegenden Materials zahlreicher Erfahrungen von Rückerinnerungen an frühere Leben und der Andeutungen im Alten und Neuen Testament, etwa vom Wiederkommen des Propheten Elia in der Gestalt Johannes des Täufers sowie der Zeitbedingtheit früherer kirchlicher Verurteilungen der Reinkarnationslehre, fragt auch Hans Küng: »Wäre das Christentum dann mit der Reinkarnationslehre nicht wirklich versöhnbar?« Und er gibt gleich selbst die Antwort: »Eine Integration neuer Lehren in die christliche Tradition kann auf keinen Fall von vorneherein ausgeschlossen werden.«²² Dabei ist es meines Erachtens höchst fraglich, ob die Reinkarnation überhaupt eine für den christlichen Glauben neue Lehre darstellt.

Eine vorsichtige Öffnung für den Glauben an die Reinkarnation lässt auch Heinrich Beck, kath. Prof. in Bamberg, Salzburg und Rom, erkennen. Er sieht die Reinkarnation als sinnvolle und reale Möglichkeit im Rahmen einer umfassend verstandenen Liebe »zur Vervollkommnung des eigenen Seins (alternativ zum »Fegfeuer«)« und »mehr noch zur erneuten und vertieften Mitwirkung bei der Vervollkommnung anderer Menschen und der Menschheit im Fortgang der Geschichte«.²³

Es fehlt jedoch »bislang an einer umfassenden christlich-theologischen Würdigung«.²⁴ Ebenso stellte Prof. Resch gegenüber dem Papst fest, »dass wir im Moment auf der Seite derer, die die Reinkarnation vertreten, keine grundlegenden Arbeiten haben, die eine Diskussionsgrundlage bieten würden.«²⁵ Diese Diskussionsbasis wird hier mit der Grundlegung der christlichen Reinkarnationslehre vorgelegt. Sie soll ein fundierter Beitrag für die Integration bzw. Reintegration der Reinkarnationslehre in die kirchliche Theologie sowie in den Glauben der Christenheit sein, weil man bisher überwiegend der Überzeugung war, dass der Glaube an Reinkarnation mit dem christlichen Glauben unvereinbar sei.

Ich halte diese Auffassung für falsch und überholt. Wenn es Reinkarnation wirklich gibt, wovon ich überzeugt bin und in dieser Arbeit den Leser überzeugen möchte, dann handelt es sich um einen wesentlichen Aspekt unseres Lebens in dieser Welt, der von Gott geschaffenen Schöpfung. Daher darf sich der christliche Glaube einer solchen Wirklichkeit nicht verschließen, wenn er nicht wirklichkeitsfern sein oder – positiv ausgedrückt – wenn er in der Wahrheit gründen will.

In dieser Grundlegung einer christlichen Reinkarnationslehre soll nicht nur die Vereinbarkeit von Wiederverkörperung und christlichem Glauben dargelegt, sondern auch gezeigt werden, dass der christliche Glaube in der heutigen, kirchlichen, uneinheitlich-pluralistischen Form gerade dort ganz wesentliche Defizite, Schwierigkeiten (Aporien), Widersprüche und dogmatische Fehlleistungen aufweist, wo er sich der Erkenntnis wiederholter Erdenleben verschließt.²⁶ Es ist kein Geheimnis, dass sich die christlichen Kirchen und ihre Verkündigung im Moment in einer ernsthaften Krise befinden, die sehr verschiedene Ursachen hat. Hier soll gezeigt werden, dass der christliche Glaube erst dann einen Großteil seiner ihm eigentümlichen vollen Klarheit und Geschlossenheit, Überzeugungskraft und Größe erlangen wird, wenn er bereit ist, einerseits die eigenen Lehren, die sich kirchen- und dogmengeschichtlich sehr verschieden entwickelt haben, kritisch zu überdenken und andererseits den Glauben an die Wiederverkörperung in kritisch gereinigter Form zu integrieren.

Den Glauben an die Reinkarnation gibt es freilich in sehr vielen verschiedenen religiösen und philosophischen Formen und weltanschaulichen Rahmen und Systemen. Daher kann nicht einfach eine beliebige Form akzeptiert werden, nur weil sie am besten gefällt oder zu dem persönlichen Glauben am meisten passt. Es geht hier nicht um Geschmacksurteile. Ebenso wenig geht es an, die Reinkarnation zu verwerfen, nur weil es einem nicht passt, wiedergeboren zu werden. Die Wahrheit kann sehr unbequem sein. Es müssen daher klare, allgemeingültige Kriterien gefunden werden, nach denen die verschiedenen Grundformen des Reinkarnationsglaubens geprüft und nach ihrem Wahrheitsgehalt beurteilt werden können.

Wir müssen uns gerade auch in den christlichen Kirchen mitten im heutigen Pluralismus daran gewöhnen, dass unser Glaube nur dann einen Wert hat, wenn er nicht nur für uns subjektiv, sondern auch vor Gott und seinem Wort objektiv wahr ist. Als Christen glauben wir, dass in Christus alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind (Kol 2,3), dass Christus die Wahrheit in Person ist (Joh 14,6), welche als Licht der Welt in unsere Finsternis gekommen ist, um alle Menschen zu erleuchten.²⁷ Doch von diesem hohen Ziel, dass christlicher Glaube durch den Geist der Wahrheit (Joh 16,13) und das uns geoffenbarte Wort Gottes zur Erkenntnis Christi und damit in alle Wahrheit führt, wie es uns nach dem Zeugnis des Johannesevangeliums verheißen ist (Joh 10,16; 17,21), sind wir ohne Zweifel noch weit entfernt. Wir wollen schon froh und dankbar sein, wenn wir annäherungsweise einzelne, kleine Schritte in die richtige Richtung auf dieses Ziel machen.

So wollen wir uns um klare Kriterien bemühen, um den Glauben an wiederholte Erdenleben in geprüfter und gereinigter Gestalt nicht gewaltsam, sondern harmonisch mit dem christlichen Glauben zu verbinden. Eine solche Integration muss folglich in ihrer Sachgemäßheit aufgezeigt werden. Das heißt, dass der Glaube an Reinkarnation nicht als etwas Fremdes, Zusätzliches künstlich angelagert werden darf, sondern als ursprüngliches christliches Glaubensgut und als Lösung der zum Teil schon alten Aporien in der kirchlichen Verkündigung und Lehre erkennbar werden soll. Er soll sozusagen als ein zu Unrecht Heimatvertriebener endlich wieder heimkehren dürfen und als wichtiger Bestandteil des christlichen Glaubens anerkannt und voll akzeptiert werden. Dadurch kann auch all den vielen Reinkarnationsanhängern in der christlichen Kirche volles Heimatrecht gegeben werden.

Durch die jahrhundertelange dogmatische Entwicklung der kirchlichen Theologie in ihren verschiedenen, sich oft widersprechenden Ausformungen ist sie weithin zu einem angelesenen Bücherwissen, zu einer Schreibtischgelehrsamkeit geworden, die sich in hohem Maße von der Wirklichkeit entfernt und an Wahrheitsgehalt verloren hat. Bei aller differenzierten Methodik und einer stupenden Spezialisierung sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Das heißt, man hat den Blick für das Ganze und Wesentliche verloren und sich intellektuell immer mehr von der im Alten und Neuen Testament bezeugten Sache entfernt, statt wissenschaftliche Methoden und überzeugende Kriterien so anzuwenden, dass die bezeugte und als wahr erkannte Sache dadurch in unserer Zeit zur Sprache kommt und verstehbar wird.

Keine Theologie, auch die Exegese nicht, kommt ohne Arbeitshypothesen und Spekulationen aus, weil keine Theologie und Wissenschaft ohne den gesunden Menschenverstand auskommt. Doch geht jede Theologie in die Irre, die sich in vermeintlicher Wissenschaftlichkeit auf der Basis eines latent materialistischen Weltbildes allein auf den zergliedernden Verstand beschränkt und ihn rationalistisch zur Rechtfertigung der vorgefassten, dogmatischen Meinungen missbraucht. Statt dessen sollten wir den Mut aufbringen, uns auch der Vernunft, des vernehmenden Erkennens und Wahr-nehmens zu bedienen, um die Bedingung der Möglichkeit zu schaffen, sich überhaupt etwas von Gott sagen zu lassen.

Wissenschaft ohne Weisheit ist leeres Stroh, wie der große Thomas von Aquin am Ende seines Lebens seine theologische Erkenntnis empfand. Wissenschaft als Vielwisserei ohne den Mut, klare Kriterien zu benennen, einen angreifbaren Standpunkt zu beziehen und – in aller Bescheidenheit und Toleranz – die Wahrheitsfrage zu stellen, ist sophistisches Blendwerk. Wissenschaft, die sich nur dazu versteht, überkommene Lehrmeinungen zu verteidigen, auch wenn sie noch so falsch sind, dient der Wahrheit nicht. Wenn Wissenschaft aber nicht bereit ist, sich sachlichen Argumenten zu stellen, bessere, höhere Erkenntnis anzunehmen, die Wahrheit also gar nicht wissen will, wird sie zur Torheit.

Man kann einen Schmetterling aufspießen und zergliedern bis ins Letzte und damit das materialistische Weltbild bestätigt finden, wird aber gerade dadurch nicht sein Leben und Wesen verstehen, wie sich auch seine Verwandlung, die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling, nicht zergliedernd, sondern nur betrachtend beschreiben und sachgemäß wahrnehmen lässt. Begriffe ohne Anschauung sind leer.

Wahre, sachgemäße Erkenntnis ist immer auch wirklichkeitsgemäße Erkenntnis. Es ist darum mein Bestreben, in dieser Grundlegung der christlichen Reinkarnationslehre nicht nur klare, überzeugende Argumente für die Reinkarnation zu liefern, ihre biblische Fundierung und ihre grundsätzliche Vereinbarkeit mit dem christlichen Glauben aufzuzeigen, sondern auch ein wenig die hohe Spekulativität der kirchlichen Theologie abzubauen und einen Beitrag zu größerer Wirklichkeitsnähe zu leisten, indem die Argumente immer wieder mit kontrollierbaren Erfahrungstatsachen erhärtet werden. Nur so kann die von Gerhard Ebeling geforderte Rückgewinnung der Dimension der Erfahrung für die Theologie gelingen.²⁸

Zu der Überzeugung wiederholter Erdenleben kann man auf sehr verschiedene Art gelangen, z.B. in der Beschäftigung mit einer bestimmten geschichtlichen Epoche. Sie fasziniert einen in besonderer Weise und kommt einem seltsam vertraut vor. Man hat das deutliche Gefühl, in dieser Zeit schon einmal gelebt zu haben.

So schrieb der vielleicht bekannteste Theologe des 20. Jahrhunderts, Karl Barth, bei dem man dies gar nicht vermuten würde, in seiner genialen Frühzeit einmal an seinen Freund Eduard Thurneysen: »Ja, lieber Eduard, wir sind wahrscheinlich in der Tat auch schon einmal dagewesen und zwar, wie ich vermute, irgendwie in der Ecke zwischen Nominalismus, Augustinismus, Mystik, Wiclif etc, die nicht selber Reformation war, aus der sie aber immerhin nachher hervorging….«²⁹

Obwohl man diese Bemerkung Barths nicht überbewerten darf, weil sie wohl mehr im Sinne einer grundsätzliche Ansiedlung seiner Theologie zu verstehen ist, ist es doch interessant, dass Barth diese Selbstbeurteilung in den Eindruck fasst, in der vorreformatorischen Zeit schon einmal »dagewesen« zu sein, also gelebt zu haben, und dass er diesen Eindruck auch auf seinen Freund Thurneysen ausdehnt und mit »in der Tat« unterstreicht.

Vielleicht ist man von der Antike so fasziniert und begeistert, dass man sie in eingehenden humanistischen Studien erforscht, in ihr ganz daheim ist und mit ihren großen Geistern, wie Pythagoras, Empedokles, Sokrates, Platon oder Seneca, so vertraut ist, dass man mit ihnen im Geiste als mit gegenwärtigen Personen spricht, wie Huldrych Zwingli, der auf diese Weise an mindestens drei Stellen seines Werkes von Reinkarnation spricht und sie klar verteidigt. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung dieser Stellen für die ganze reformatorische Theologie und Christenheit werde ich sie in Kap. I, 2.8 in einem Exkurs eingehend besprechen.

Immer wieder haben Menschen an bestimmten Orten das deutliche Empfinden einer auffallenden Vertrautheit. Ohne dass man im bisherigen Leben je an dem Ort war, wo man sich gerade befindet, sagt man spontan: »Hier warst du schon einmal! Das siehst du nicht zum ersten Mal!«³⁰

Ein solches Déjà-vu-Erlebnis kann erstaunliche Klarheit und Deutlichkeit annehmen, insbesondere dann, wenn es auf mehrfachen, einander bestätigenden Erfahrungen beruht, wie es der berühmten Schweizer Ärztin Prof. Elisabeth Kübler-Ross widerfuhr, als sie aus der Schweiz in die USA emigrierte und damals weder an ein Leben nach dem Tod noch an Reinkarnation glaubte.

In der letzten Nacht auf dem Schiff vor ihrer Ankunft in New York, hatte sie einen lebhaften Traum, in dem sie eine Person schaute, in welcher sie sich selbst erkannte: »Sie war als eine Indianersquaw gekleidet und ritt auf einem Pferd über eine Prärie mit vereinzelten Kakteen und seltsam geformten Steinen. Die Sonne brannte auf sie herab. Der Horizont erstreckte sich in weiter Ferne, und sie war ganz allein, aber so wunderbarzufrieden, dass sie das Gefühl hatte, >als kehre sie heim<.«³¹ Nach Jahren hatte sie in New York noch einmal denselben Traum. »Sie sah sich in indianischem Gewand auf einem Pferd über die Prärie reiten, auf ein Pueblo zu, dessen Umrisse sie in der Ferne erblickte…« (a.a.O., 283)

Als sie einige Monate später mit dem Auto zum ersten Mal durch das Monument Valley fuhr, wurde sie sich plötzlich bewusst, dass sie sich auf vertrautem Gelände befand. Sie stieg aus, ging etwas von der Straße fort und erkannte den Ort ihrer zwei lebhaften Träume. »Hier war die rote Erde des Hochlands, das sich bis zu dem dunstigen Horizont erstreckte. Sie erkannte den Pueblo in einiger Entfernung und die bizarren Felsformationen. Ihre Träume waren buchstäbliche Fotografien dieser Landschaft gewesen, haarscharfe Abbilder. Alles in diesem ausgedorrten Land…war ihr bekannt.

Einige Minuten stand sie wie angewurzelt da. Erst dann bemerkte sie in einer Entfernung von etwa vierhundert Metern eine junge Indianerin auf einem Pferd. Das Mädchen hielt die Zügel locker in der Hand und blickte weder links noch rechts, während sie auf den Pueblo zuritt.

Elisabeth überkam ein Gefühl, als befinde sie sich außerhalb ihres Körpers, und beobachtete sich selbst, wie sie in Indianerkleidern nach Hause ritt.

Ein unbekanntes Gefühl des Friedens, das Gefühl einer Zeit und Raum, Mensch und Natur umfassenden Harmonie erfüllte sie ganz.«³²

Sie erlebte an diesem Ort nicht nur die Bestätigung ihrer beiden (!) Träume als Wahrträume, sondern auch in aller Klarheit, wie sie im Geist weit in die Vergangenheit zurückversetzt worden war und dass sie mit Sicherheit schon einmal an diesem Ort geweilt hatte.

Bemerkenswerterweise zeigte sie schon als Kind ein Verhalten, das – für sie unbewusst – in seiner spontan und echt hervortretenden Art typisch indianisch war. Sie hatte einen geheimen Platz auf der Wiese hinter ihrem Haus in Meilen am Zürichsee. Es war für sie »der heiligste Platz auf der ganzen Welt«, ein gewaltiger Felsblock inmitten einer kleinen Wildnis, der einzige Platz, an dem sie eins werden konnte mit der Natur. Hier streckte sie ihre »Arme zum Himmel wie ein Indianer und sang ein selbsterfundenes Gebet, um Gott für alles Leben zu danken.«³³

Es gibt auch nicht wenige Menschen, die im Blick auf einzelne Mitmenschen im Guten wie im Bösen den starken, tiefen, unabweisbaren Eindruck haben, dass sie diesen Menschen aus einem früheren Leben her bereits kennen. Friedrich Schiller, in dessen Gedichten und Werken einem immer wieder der Gedanke wiederholter Erdenleben begegnet, hat diese Erfahrung im positiven Sinn klassisch zum Ausdruck gebracht. In »Das Geheimnis der Reminiszenz«³⁴, einem seiner »an Laura« gerichteten Gedichte, das von einer erstaunlichen geistigen Schau zeugt, fragt er diese in seinem unvergleichlichen Pathos:

«Waren unsere Wesen schon verflochten?

War es darum, dass die Herzen pochten?

Waren wir im Strahl erloschner Sonnen,

in den Tagen lang verrauschter Wonnen,

schon in Eins zerronnen ?

Ja, wir waren's!- Innig mir verbunden

warst du in Äonen, die verschwunden…«

So sehr diese Erfahrungen für diejenigen, welche sie machen, Grund und Bestätigung genug sind, an wiederholte Erdenleben zu glauben, so viel mehr Menschen würden ebenfalls an Reinkarnation glauben, wenn sie – auch ohne eigene Erfahrungen – dafür überzeugende Gründe fänden. Denn sehr viele Menschen sind heute in einer Zeit zunehmender geistiger Freiheit als ehrlich Suchende wirklich offen für dieses Thema. Sie sollen in diesem Buch genug Erfahrungstatsachen, Indizien, Argumente, Beweise, Einsichten und überzeugende Offenbarungszeugnisse für die Erkenntnis der Wahrheit wiederholter Erdenleben erhalten; nicht zuletzt aus der Bibel, die eine für alle Menschen zugängliche Ur-Kunde und Schatzkammer göttlicher Offenbarung darstellt. Sie ist insbesondere für die Christenheit nach wie vor die grundlegende und wichtigste Richtschnur des Glaubens und Erkennens, an der sich auch alle Dogmen und Lehraussagen immer neu messen lassen müssen.

Es geht somit in dieser Arbeit in Abgrenzung gegen nicht kompatible Elemente westlicher (europäischer) und östlicher Seelenwanderungs-vorstellungen, um die Grundlegung der im eigentlichen Sinne christlichen Reinkarnationslehre, die meines Wissens innerhalb der kirchlichen Theologie bisher noch nicht vorliegt.

Welche Kriterien müssen für eine christliche Reinkarnationslehre erfüllt sein? Sie muss ihre Wahrheit am Zeugnis der Bibel, insbesondere der Lehre Jesu, sowie an der grundsätzlichen Übereinstimmung mit Gottes Vollkommenheit (Hiob 11,7; Mt 5,48), Liebe (Jer 31,3; 1 Joh 4,16) und Gerechtigkeit (Ps 36,7; 2 Kor 9,9) ausweisen. Als christliche Reinkarnationslehre muss sie sich vor allem der „Gretchenfrage" stellen, wie sie es mit Christus und der von ihm vollbrachten Erlösung hält. Sie muss dem Kriterium innerer Widerspruchsfreiheit standhalten und die Bestätigung ihrer Richtigkeit und Wirklichkeitsbezogenheit durch wissenschaftlich erforschte Erfahrungstatsachen liefern. Nur so kann meines Erachtens der christliche Glaube an die Reinkarnation auf ein festes Fundament gestellt werden, auf dem in Zukunft weitergebaut werden kann.

Menschen, die nach dem Sinn, dem Woher und Wohin des irdischen Lebens fragen, stoßen auf Probleme, die sie mit Hilfe des ihnen überlieferten kirchlichen Glaubens nicht lösen können. So fragen sich viele, warum manche Menschen schon körperlich oder geistig behindert auf die Welt kommen, während andere gesund sein dürfen und schon in frühester Kindheit Höchstbegabungen erkennen lassen.

Warum müssen ungezählte Menschen – insbesondere Kinder – unter unmenschlichen Bedingungen leben, leiden und sterben, während andere von Jugend auf ein glückliches, sorgenfreies, in jeder Hinsicht gefördertes Leben haben dürfen?

Warum geht es guten Menschen oft so schlecht und schlechten Menschen oft so gut? Wie lässt sich das mit der absoluten Gerechtigkeit Gottes vereinbaren? Es geht ja nicht um die Verschiedenheit der Menschen und ihrer Rassen, so wie zum Beispiel Blumen verschieden sind, was zum Reichtum und zur Schönheit dieser Welt gehört. Es geht nicht um die Fülle der unterschiedlichsten Gaben, sondern darum, dass manche sehr viel von schönen und hohen Gaben haben, während andere gar nichts davon aufzuweisen haben, ja unter schwersten Behinderungen zu leiden haben. Es geht um offensichtliche Ungerechtigkeit; und es ist wenig tröstlich, wenn man mit dem Hinweis auf das göttliche Geheimnis abgespiesen und allein gelassen wird.³⁵

Wenn alles Leben auf Erden gemäß der Lehre des Kreatianismus jeweils völlig neu aus Gottes Hand ins Dasein träte, dann müsste doch das Leben jedes einzelnen Menschen – wie das der Engel im Himmel – ausnahmslos rein, gut, glücklich und schön sein; dann dürfte es keine Krankheit, nicht Not und Tod noch irgend etwas Böses auf Erden geben. In seiner Vollkommenheit, Gerechtigkeit und Liebe würde Gott doch niemals Geschöpfe neu ins Dasein rufen, die – ohne ihre persönliche Schuld – einerseits von Anfang an behindert oder mit Fehlern und Untugenden bis hin zu auffälliger Bosheit behaftet sind und andererseits unterdrückt, missbraucht, ausgenutzt und an Leib und Seele gepeinigt werden. Warum müssen solche, die Gott neu erschafft und welche doch von Geburt an unschuldig und rein sein sollten, der Notwendigkeit des Sterbens, der Knechtschaft des Verderbens und der Macht der Sünde, kurz der Herrschaft und dem Terror der widergöttlichen Todes- und Verderbensmächte dieser Welt unterworfen sein?

Auf diese Fragen vermag die traditionelle Theologie keine befriedigende Antwort zu geben. Denn die Auskunft, das Leben bzw. die Seele entstünde mit der Zeugung des materiellen Körpers, macht Gott direkt oder indirekt zur Ursache jener Schwächen, Fehler, Behinderungen, Untugenden, Leiden, Ungerechtigkeiten und Übel in der Welt. Eine solche Theologie ehrt Gott nicht, sondern macht ihn zur Ursache des Bösen in der Welt und erhebt den Menschen über Gott zu dessen Ankläger. Eine solche Lehre hält dem Kriterium der Vollkommenheit, Gerechtigkeit und Güte Gottes nicht stand. Wäre es da nicht sinnvoller, sachgemäßer und ratsamer, die Ursache für alles Übel und Böse in der Welt bei dem unvollkommenen Geschöpf, respektive bei uns selbst zu suchen, statt sie verantwortungslos auf Gott zu schieben?

Noch hilfloser und mit Gottes Gerechtigkeit völlig unvereinbar ist die >Erklärung< der Lehre von der Erbsünde, nach welcher alle Menschen, obwohl sie jeweils als neu erschaffen gelten, für etwas leiden müssen, was andere, nämlich Adam und Eva im Paradies, verschuldeten. Wie soll man an einen solchen Gott der Willkür und Ungerechtigkeit glauben können, der jemanden für etwas bestraft, was er gar nicht getan hat, sondern was andere verübt haben? Solche längst überholten³⁶ Scheinantworten fördern und erklären nur eines – die Orientierungslosigkeit unserer Zeit und den galoppierenden Substanz- und Wahrheitsverlust unseres christlichen Glaubens!

Es gibt freilich noch weit mehr als die oben genannten Fragen, welche sich die traditionelle wie auch die moderne Theologie gefallen lassen muss; doch diese wenigen mögen genügen, um die Notwendigkeit aufzuzeigen, nach überzeugenderen, schlüssigeren, in sich stimmigeren und mit der Gerechtigkeit, Liebe und Vollkommenheit Gottes übereinstimmenden Antworten zu suchen.

Dabei wollen wir uns nicht mit schnellen Antworten, aber auch nicht mit billigen Einwänden zufrieden geben, wie man sie noch immer und eilfertig zu hören bekommt, oder gar mit unkritischen Vorurteilen abspeisen lassen, die nur allzu sehr erkennen lassen, dass sie auf Unkenntnis und dem ängstlichen Bemühen beruhen, unhaltbare kirchliche Lehrpositionen zu verteidigen, die man für wahr hält, obwohl sie vielleicht nur alt sind. Das ist schlechte Apologetik (Verteidigung des christlichen Glaubens).

Denn das Alter oder auch die Verbreitung einer Lehre bieten noch keine Gewähr für ihre Richtigkeit. Es gibt Ideologien, die sehr weit verbreitet und sozusagen erfolgreich waren, obwohl sie mit Gott und der Wahrheit nicht das Geringste zu tun haben. So werden ja auch in den Religionen und sich widersprechenden Konfessionen Irrtümer über Jahrhunderte und Jahrtausende mitgeschleppt, ohne dass man sich bemüßigt fühlt, echte Maßstäbe anzuwenden und die vermeintlich unfehlbaren, obschon von Menschen aufgestellten Dogmen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, nur weil es so bequem ist, an dem Glauben, in den man hineingeboren wurde, nichts zu ändern. Die Lüge aber ist ebenso alt wie der Vater der Lüge, von dem Jesus in Joh 8,44 spricht. Und ich denke, Jesus wusste, von was und von wem er sprach.

Es geht nicht darum, Gottes unerforschliche Geheimnisse erforschen zu wollen, die wir ruhig verehren wollen. Es geht darum, die Irrtümer des Menschen, die er als Wahrheit ausgegeben und mit dem Mäntelchen göttlicher Geheimnisse kaschiert hat, zu durchschauen und unseren Geist mit aller Entschlossenheit von dem unerträglichen Joch der wider alle Vernunft und wider Gottes von der Bibel bezeugtes Wort aufgezwungenen Dogmen und Lehren zu befreien. Luther, der festgestellt hatte, dass Konzilien irren können, hat sich 1521 in Worms vor dem Kaiser und den Hohen des Reiches und der Kirche allein auf Gottes Wort und klare Gründe der Vernunft berufen.

Wer in der Wahrheit ist, muss keine Kritik fürchten, weil die Wahrheit gerade durch sorgfältiges Prüfen offenbar wird. Wer aber falsche Lehren als Wahrheit ausgibt, wird sich stets gegen Kritik zur Wehr setzen, dieselbe verbieten und unterdrücken, weil durch kritische Prüfung deren Unwahrheit ans Licht kommt und ein ganzes Lehrgebäude wie ein Kartenhaus zusammenfallen kann. So wurde über Jahrhunderte hinweg jede Kritik am kirchlichen Glauben beargwöhnt, verboten, verketzert und bekämpft. Schon Zweifel galt als Sünde! Damit wurde aber auch der uneingeschränkte Gebrauch der uns von Gott gegebenen, kostbaren Gabe der Vernunft diskreditiert. Wie aber sollen wir die in den verschiedenen Religionen und Konfessionen geglaubten, einander widersprechenden Wahrheiten und Irrtümer als solche erkennen, wenn wir nicht unseren Verstand kritisch zur Prüfung und Unterscheidung von Wahrheit und Irrtum gebrauchen dürfen? Wie könnten wir sonst bei allen Sekten und Ideologien die essbaren von den giftigen »Pilzen« unterscheiden?

Was nützt uns also ein Glaube, der nicht in der Wahrheit gründet und nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt? Fata Morganas nachzugehen, kann tödlich enden! Allein die Wahrheit zeigt uns den zuverlässigen Weg zum Leben bei, mit und in Gott (Joh 14,6). Es kann nicht angehen, dass wir in der wissenschaftlichen Forschung einerseits mit Recht für die Erkenntnis der Wahrheit klare Argumente fordern, wenn sie uns dann aber vorgelegt werden, andererseits behaupten, dass dieser oder jener theologische Sachverhalt wissenschaftlich gar nicht zu beweisen ist. Heißt es nicht in dem höchsten uns von Gott gegebenen Gebot, dass wir ihn lieben sollen auch mit unserem ganzen Denken (Lk 10,27)? Wenn wir die Wahrheit wirklich, mit Entschlossenheit und allen Kräften unseres Geistes zu erkennen suchen, werden wir sie finden, wie uns verheißen ist³⁷ - und sie wird uns frei machen (Joh 8,32). Sie allein hat Bestand in Ewigkeit und wird siegen, weil Christus, der die Wahrheit³⁸ in Person ist, bereits gesiegt hat!


1Vgl. R.Sachau, Westliche Reinkarnationsvorstellungen, 83.

2In der Antike wurden vor allem die Begriffe Metempsychose (Seelenwechsel, Wiederverseelung), Ensomatose (Einleibung), Metensomatose (Wiedereinleibung), Palimpsychie (Wiederbeseelung), Palingenese (Wiederentstehung), Transmigration (Hinüberwanderung) u. a. gebraucht. Vgl. auch Sachau, Westliche Reinkarnationsvorstellungen, 57f.

3Vgl. 1 Thess 5,23.

4Vgl. dazu Kap. I, 2.8. (2. Exkurs: Zwingli); II, 3 (biblische Zeugnisse 3.1.1f).

5Pred 3,19-21.

6Die Seele wird im Hebräischen als »näfäsch« oder »ruach« bezeichnet, wobei ruach sowohl»Wind«, »Hauch« als auch das den Körper belebende Prinzip, die »Seele« und den »Geist« (Gottes) bedeuten kann. Ähnlich bedeutet im Hebräischen »neschamah« sowohl »Lebensodem« als auch »Hauch Gottes«. Friedrich Weinreb, Das Buch Jona, 101: Die Neschamah »kommt aus einer anderen Welt«. »In der Neschamah, die mit Gottes Hauch in den Menschen hineinkommt, ist Gottes Atem…«.

7Vgl. auch Ps 18,29.

8Vgl. Lietzmann, Geschichte II, 319, und Origenes, Vier Bücher 1,1,5 (S. 109 und Anm. 12), der an dieser Stelle auch die menschliche Vernunft (Nous) mit einem Funken vergleichen kann.

9Vgl. z.B. Meister Eckhart, in: Schriften, 101; oder in: Erich und Annemarie Ruprecht, Tod und Unsterblichkeit I, 40f.

10Von Goethe stammt der schöne Gedanke: »Ich glaube, dass wir einen Funken jenes ewigen Lichtes in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muss und welches unsere schwachen Sinne nur von Ferne ahnen können. Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen und das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht.« Gottfried Keller verband mit dem göttlichen Funken in uns eine universale Hoffnung:» Nur dadurch, dass wir niemals den göttlichen Funken der Ewigkeit in unserer Brust ersticken und nie das heilige Vertrauen zu jenem verlieren, der die Sterne lenkt, können wir dem Sonnenaufgang der allewigen Wahrheit ruhig und gefasst entgegen sehen.« Nicht nur aus den Erfahrungen aus den Nahtodeserlebnissen, sondern auch durch die Erkenntnis vom Gottesfunken in uns begründet Elisabeth Kübler-Ross, Über den Tod und das Leben danach, 48, die Unsterblichkeit der Seele: »Ein jeder von uns ist bei seiner Geburt aus der göttlichen Quelle mit dem göttlichen Funken versehen worden. Und dies bedeutet, dass wir einen Teil dieser Quelle in uns tragen. Es ist eben jener Teil in uns, der uns wissen lässt, dass wir unsterblich sind.«

11Vgl. Hiob 21,17; Mk 4,21.

12Vgl. »Der Toggenburger«, vom 3.4.1992, S. 11.

13Vgl. Rüdiger Sachau, Westliche Reinkarnationsvorstellungen, 135.

14Einen sehr informativen Überblick über neuere statistische Erhebungen in 25 Ländern Europas sowie in den USA und Kanada zur Einstellung der Bevölkerung gegenüber der Reinkarnation bietet Zander, Geschichte, 601. Aus dieser Übersicht geht hervor, dass 1990/91 in Island, Nordirland und Polen sogar über 30% an Reinkarnation glaubten und der Glaube an Reinkarnation in Europa im Wachsen ist. Der Durchschnitt an positiver Einstellung zur Reinkarnation in den untersuchten 25 europäischen Ländern lag bei 19%. Stevenson, Wiedergeburt, 38, erwähnt die Gallup-Umfrage von 1968, derzufolge damals achtzehn Prozent der Menschen in acht europäischen Ländern an Reinkarnation glaubten, zwanzig Prozent der Amerikaner und sechsundzwanzig Prozent der Kanadier. Andreas Resch weist auf eine Untersuchung hin, die der Bischofssynode in Rom vorgelegt wurde, derzufolge im europäischen Raum 23% der Katholiken an die Wiedergeburt glauben, ebenso 21% der Protestanten und 12% der Konfessionslosen. Zitiert bei Jankovich, Reinkarnation, 118.

15Sachau, a.a.O., 136.

16Ders., a.a.O., 16.

17Trutz Hardo, Wiedergeburt. Die Beweise, 9.

18Vgl. v. Jankovich, Reinkarnation, 116f.

19Ders., a.a.O., 117f.

20Ders., a.a.O., 120.

21Hardo, a.a.O., 9. Ebenso ablehnend verhält sich auch noch die Deutsche Bischofskonferenz, welche im »Kath. Erwachsenenkatechismus«, Bonn 1985 (S.409) feststellt: »Vollends widerspricht der Hl. Schrift und der Glaubensüberlieferung der Kirche die Annahme einer Wiederverleiblichung bzw. Reinkarnation nach dem Tod für ein neues Leben in dieser We/t.« Zitiert nach Beck, Reinkarnation, 30f.

22Zitiert von v. Jankovich, a.a.O., 121.

23Beck, Reinkarnation, 46.

24G. Adler, Reinkarnationsidee, 357f.

25Zitiert nach Jankovich, Reinkarnation, 118.

26Die Widersprüche und Ungereimtheiten in der kirchlichen Dogmatik und in den verschiedenen konfessionellen Ausprägungen des christlichen Glaubens werden gerne von denen übersehen, die solche Ungereimtheiten in den verschiedenen Formen des Reinkarnationsglaubens feststellen. Vgl. z.B. G.Adler, Reinkarnationsidee, 359 und 390.

27Vgl. Joh 8,12; 12,46; 1,9.

28Vgl. Jüngel, Doctor ecclesiae, 65.

29Barth, Calvin, 91, Anm. 57.

30Stevenson, Wiedergeburt, 59, berichtet, dass einer Umfrage gemäß nicht weniger als 76% der befragten Personen bereits ein solches Erlebnis hatten!

31Gill, Kübler-Ross, 232.

32Gill, Kübler-Ross, 284f.

33Kübler-Ross, Rad, 49.

34Bellermann, Schiller, 1.Bd., 53ff.

35So wieder Frank Jehle, Wie viele Male leben wir?, S.31 und 85.

36Schon in Ez 18,20 heißt es: »Die Seele, die sündigt, die soll sterben! Ein Sohn soll nicht die Schuld des Vaters, noch ein Vater die Schuld des Sohnes mittragen. Nur dem Gerechten kommt seine Gerechtigkeit zugute, und nur über den Gottlosen kommt seine Gottlosigkeit.«

37Vgl. Mt 7,7-11; Lk 11,9-13; Am 5,4-6.14; Jer 29,13; Weish 6,12ff.

38Vgl. Joh 14,6; 1,14.17; 8,32; 18,37; Off 19,1.

I. GRUNDZÜGE DES GLAUBENS AN DIE WIEDERVERKÖRPERUNG

1. GRUNDSÄTZLICHES

Es gibt nicht wenige Menschen, die den Glauben an die Wiedergeburt nur schon deshalb ablehnen, weil sie ihn für einen östlichen, fremden Glauben halten, der aus nichtchristlichen Weltreligionen wie dem Hinduismus und Buddhismus stammt. Tatsächlich ist er dort seit alter Zeit weit verbreitet. Trotzdem erscheint manchen alles, was nicht christlich oder zumindest jüdisch ist, als suspekt oder gar für den eigenen Glauben gefährlich.

Hier scheint mir ein Vorurteil zu bestehen, und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits ist keineswegs alles, was als kirchliche Lehre verbreitet worden und unter dem Namen Christi in die Welt gegangen ist, hoch und heilig. Die Indianer Nord-, Mittel- und Südamerikas zum Beispiel wissen davon ein trauriges Lied zu singen. Andererseits gibt es auch außerhalb des Christentums Menschen, die an Gott glaubten und nach seinem Willen lebten – wie z.B. ein Mahatma Gandhi.

Ihnen kann Gott ebenso klar wie uns tiefe Wahrheiten offenbaren. Denn »wer sucht, der findet«. (Lk 11,10) Dieses Wort Jesu gilt natürlich für alle Menschen. Gott hat niemandem verboten, die Wahrheit zu erkennen. So stellt kein Geringerer als Zwingli mit Recht fest:

»Göttlich nämlich ist alles, was wahr, heilsam und unfehlbar ist; denn einzig Gott ist wahrhaftig; wer also das Wahre spricht, spricht aus Gott.« »Daher wage ich auch das göttlich zu nennen, was von den Heiden entliehen ist, wenn es nur heilsam, gottesfürchtig und unwiderlegbar ist.«³⁹ »Und überall, wo diese [die Religion des einen Gottes, TM] ist, kommt sie von der Gottheit, auch wenn sie unter wilden Tieren wohnen würde.« (A.a.O., 168)

Und vielleicht meinen gerade wir Christen, als das vermeintlich auserwählte Volk Gottes, etwas vorschnell, bereits die volle Wahrheit gefunden zu haben, wiewohl unser Erkennen – um mit dem Apostel Paulus (1 Kor 13,9ff) zu sprechen – doch immer nur Stückwerk ist. Wer hingegen über Paulus hinaus meint, bereits die ganze Wahrheit erkannt zu haben, der ist schon satt und nicht mehr offen für höhere Erkenntnisse. Er sucht gar nicht ernsthaft. Dabei wäre schon dies eine höhere Erkenntnis, wenn man mit Paulus erkennen würde: »Nicht dass ich es schon ergriffen hätte oder schon zur Vollendung gekommen wäre; ich jage ihm aber nach, ob ich es wohl ergreifen möge, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen worden bin.« (Phil 3,12)

Es ist ja gerade die Bibel, welche wiederholt auf Menschen außerhalb des Gottesvolkes Israel hinweist, die an Gott glaubten und ihm dienten. Man denke an Henoch, der noch vor Abraham lebte (1 Mose 5,24); an Melchisedek, einen Priesterkönig von Salem, dem späteren Jerusalem, der Abraham segnete und dem Abraham den Zehnten gab (1 Mose 14,18-20); an Jethro, einen Priester der Midianiter und Schwiegervater des Mose, der mit Mose Gott anbetete und einem Mose sogar guten Ratschlag gab (2 Mose 2,16ff; 3,1; 18,1ff); an die Königin von Saba, welche nach 1 Kön 10,1ff die Weisheit Salomos auf eine harte Probe stellte und den Gott Israels pries; an die Witwe zu Sarepta (1 Kön 17, 7ff) oder den Syrer Naeman (2 Kön 5), auf die sogar Jesus aufmerksam machte (Lk 4,25-27). Und waren die bussfertigen Niniviten nicht gerechter als der ungehorsame und unbarmherzige Prophet Jona (Jona 3,5ff; Lk 11,29-32)? Fanden die drei Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1-12) den Messias nicht früher als viele aus dem Gottesvolk? Von dem römischen Hauptmann von Kapernaum bezeugte Jesus: »Ich sage euch: Selbst in Israel habe ich so großen Glauben nicht gefunden.« (Lk 7,9). Die Beispiele mögen genügen, denn »man braucht – um mit Irenäus zu sprechen – nicht das ganze Meer auszutrinken, um zu erkennen, dass sein Wasser salzig ist.«⁴⁰ So sollten wir uns als Christen vor jedem geistigen Hochmut hüten.

Schließlich hat Gott ja auch niemandem verboten, an ihn zu glauben. Vom Anfang der Schöpfung an kann ihn vielmehr jeder an seinen Werken erkennen, so dass niemand eine Entschuldigung hat, der nicht an Gott glaubt (Röm 1,19f). Gott ist absolut frei, die Wahrheit zu jeder Zeit und wo immer er will, auch außerhalb Israels, des Christentums und der Kirche, zu offenbaren. Gottes Geist weht, wo er will (Joh 3,8); und Gott kann sich auch aus Steinen Kinder erwecken (Mt 3,9; Lk 3,8). Dies umso mehr, als die Kirche, welche in Wirklichkeit in Hunderte von Kirchen, Gemeinschaften und Sekten zerbrochen ist, die ihr anvertraute Wahrheit nur in sehr gebrochener und zersplitterter Weise bewahrt bzw. nicht mehr bewahrt hat. Das ist der Punkt, der uns vor jeder geistigen Arroganz gegenüber andersgläubigen Menschen bewahren und dafür offen machen sollte, dass uns auch in anderen Religionen tiefe Wahrheiten und kostbare Offenbarungsschätze begegnen können.

Man sollte sich auch von dem Vorurteil frei machen, dass Wahrheiten, Lehren oder Glaubensüberzeugungen nur auf horizontalem Wege von Mensch zu Mensch und Volk zu Volk weitergegeben werden können und stets ein historisch verifizierbarer, kultureller bzw. religiöser Einfluss feststellbar sein muss. Echte, tiefe Erkenntnisse können spontan, gleichzeitig und unabhängig voneinander an verschiedenen Orten und auch zu verschiedenen Zeiten aufbrechen, denn einzelne Wahrheiten können von Gott und seiner höheren Welt jederzeit und überall offenbart werden.⁴¹ Wer die höchste und wichtigste Wirklichkeit, nämlich den an seinen Werken erkennbaren Gott und sein vertikales Wirken, mit dem Anspruch, wissenschaftlich zu sein, von vornherein methodisch ausschließt, weigert sich, seinen Verstand zu gebrauchen und versteht nicht nur die Bibel im Wesentlichen falsch, sondern auch alle anderen religiösen Zeugnisse und heiligen Überlieferungen der Menschheit, die auf Intuition, Inspiration, Vision, Audition und Offenbarung beruhen. Methodisch nicht nach Gott und seinen phänomenologisch beschreibbaren Möglichkeiten zu fragen, bedeutet, zumindest partiell geistig blind zu sein. Gott nennt so etwas töricht (Ps 14,1ff)!

Nach Gott zu fragen heißt aber, Gottes Wort über alle menschlichen Worte, Lehren und Dogmen zu stellen. Gerade in der Theologie sollten wir bedenken, dass jede wissenschaftliche Theorie nur dann zum Ziel führt, wenn sie mehr ist als nur ein auf menschlichen Überlegungen und Folgerungen beruhender rationalistischer Systementwurf. Ursprünglich bedeutet Theorie (von griechisch theorein, theoria) eine Schau. Bei Platon bezieht sich die Theorie auf das Schauen der Ideen und bei Aristoteles auf die Einsicht in das Sein im Ganzen und in die letzten Gründe alles Seienden⁴², und nicht zuletzt bedeutet sie die Schau, die Anschauung Gottes, zumal die Vorsilbe Theo- an Theos (Gott) erinnert. Wer also auf dem zerbrechlichen Turm wissenschaftlicher Methodik und in dem scheinbar so festen und Geborgenheit gewährenden, in Wirklichkeit aber engen Tempel konfessioneller Überlieferung nicht zu stolz ist, nach Gott und der Wahrheit zu fragen, der wird Antwort erhalten. Wer nicht schon zu satt ist, um die eigenen Grundannahmen zu hinterfragen und für höhere Erkenntnisse offen zu sein, dem widerfährt, was Jesus sagt: »Wer anklopft, dem wird aufgetan.« (Mt 7,7f) Auch diese Verheissung Jesu gilt allen Menschen.

Immer wieder wird bei dem Versuch, Reinkarnation zu verstehen, das eigene erkenntnisleitende Interesse übersehen, so dass die Forscher, welche die Wiederverkörperung bejahen, z.B. in der frühen Kirche überall den Glauben an die Wiedergeburt finden, während die Gegner möglichst wenig oder gar keine Zeugen für den Reinkarnationsglauben in der Alten Kirche finden. Die widersprechenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass die wissenschaftliche Erforschung weithin zur Bestätigung von Vorurteilen missbraucht wird. Dies soll in dieser Arbeit vermieden werden, indem das Vorverständnis nur der Annäherung an die Sache dient, um, von der Sache selbst her korrigiert, zu sachgemäßerem Verstehen zu gelangen.

Nach verbreitetem Vorverständnis stammt der Glaube an wiederholte Erdenleben aus dem Osten. Wie irrig dies ist und wie falsch viele andere Vorurteile sind, lehrt ein offener Blick auf die Grundlinien der Ausbreitung des Glaubens an die Wiedergeburt.⁴³

2. GRUNDLINIEN DES GLAUBENS AN DIE WIEDERVERKÖRPERUNG

2.1 Die Ursprünge

In § 95 seiner für die Ausbreitung des Reinkarnationsglaubens in Europa epochemachenden Schrift »Die Erziehung des Menschengeschlechts« stellte Lessing 1780 in Bezug auf die Wiedergeburt eine Frage, die besonders nachhaltig ins Bewusstsein drang: »Ist diese Hypothese darum so lächerlich, weil sie die älteste ist?« Diese Frage bewirkte unter anderem, dass man zu klären suchte, ob die Reinkarnationslehre insbesondere im Vergleich mit dem christlichen Glauben wirklich älter ist und wo sie eigentlich ihren Ursprung hat.

Man dachte in der Antike an Ägypten, das so konsequent wie kein Volk der Erde für das Leben im Jenseits lebte. »Nicht umsonst sind die Gräber die größten Kulturbauten dieses Volkes.«⁴⁴ Insbesondere das Zeugnis des griechischen Historikers Herodot (um 484 bis 425 v.Chr.), der auch Ägypten bereiste, ließ an Ägypten denken: »Die Ägypter haben auch als erste den Gedanken ausgesprochen, dass die Seele des Menschen unsterblich sei; sie gehe in ein anderes neugeborenes Lebewesen ein, wenn der Leib stirbt. Ist sie dann durch alle Land- und Wassertiere, durch alle Vögel gewandert, kehre sie wieder in den Leib eines Menschen zurück, der gerade geboren wird. Dieser Kreislauf dauert 3000 Jahre. Diese Lehre haben einige Griechen übernommen, früher oder später, als sei es ihr Eigentum.«⁴⁵

Herodot muss für seine Überlieferung Quellen gehabt haben, wofür insbesondere seine Erwähnung des Kreislaufes von 3000 Jahren spricht. Aber seine Auffassung vom Ursprung des Reinkarnationsglaubens in Ägypten wird heute kaum noch geteilt⁴⁶, weil die Ägypter zwar von Verwandlungen der Seele nach dem irdischen Tod in der Jenseitswelt sprachen, nicht aber von Wiederverkörperungen, was häufig missverstanden wird.⁴⁷ Wenn man wie sie den Leichnam eines Verstorbenen mumifiziert, um seine Integrität zu erhalten, dann rechnet man nicht mit einer Inkarnation in einem anderen irdischen Leib. »Damit bildet der ägyptische Brauch die radikale und eindrucksvolle Gegenposition zu Indien, wo man den Leib durch Leichenverbrennung und Wegwerfen der Knochen ins Wasser vernichtete, da nur die Wanderung von Existenz zu Existenz und ihre schließliche Erlösung durch Eingehen ins Nirvana erheblich war.«⁴⁸ »Das irdische Leben, sagte sich der Ägypter, ist kurz, unbeständig, unberechenbar; er selbst aber wurde von allem angezogen, was beständig, unerschütterlich, unbeweglich, ewig war.«⁴⁹ Darum auch seine Vorliebe für den Stein, »welcher für ihn das Unwandelbare, Ewige symbolisierte, frei von dem sich immer drehenden Rad des Werdens…«⁵⁰ Man denke nur an die gewaltigen Pyramiden als »Häuser der Ewigkeit« mit ihren Kantenlinien, die sich in der Spitze treffen, überschneiden und in die Unendlichkeit des Himmels weiterstreben. So gab man schließlich Indien als Ursprungsort des Reinkarnationsglaubens gegenüber Ägypten und Griechenland den Vorzug.

Doch die Anfänge des Reinkarnationsglaubens liegen im geschichtlichen Dunkel, weil einfach die schriftlichen Quellen dafür fehlen. Sicher ist: »Bereits bei vielen Naturvölkern findet sich die Anschauung, dass ein unsterblicher Teil des Menschen nach dessen Tod in den Leib einer Frau eingeht und von dieser als Kind erneut zur Welt gebracht wird, so bei verschiedenen Volksstämmen Westafrikas, Nord- und Südamerikas, Neuguineas und Zentralaustraliens.«⁵¹

Von Bedeutung ist, dass die Mayas in Mittelamerika, bei denen sich heute noch der Reinkarnationsglaube verbunden mit dem christlichen Glauben findet, bereits in prähistorischer Zeit an die Wiedergeburt glaubten. Bis vor kurzem galten die uralten Maya-Texte, welche die Zeit der spanischen Eroberung und Missionierung überstanden und der Vernichtung als »Teufelswerk« entgingen, mit ihrer Hieroglyphenschrift als ungelöste Rätsel der Menschheitsgeschichte.

Doch nun gelang es Paul Arnold, die Texte und Schriftzeichen zu entschlüsseln, und zwar auf Grund ihrer erstaunlichen Verwandtschaft mit der altchinesischen Schrift und Sprache, die so groß ist, dass man von einem gemeinsamen kulturellen Ursprung ausgehen muss.⁵² Trotz der Trennung der Sprachen, die einige Jahrtausende zurückliegen muss, und trotz der unterschiedlichen Einflüsse, die natürlich auf zwei verschiedenen Kontinenten auf die beiden Sprachgruppen eingewirkt haben, lässt sich eine seltene sprachliche und bedeutungsmäßige Übereinstimmung und Stabilität nachweisen (12f).

Die Entzifferung insbesondere des Pariser Maya-Codexes enthüllte »ein ganzes Ritual, das hauptsächlich dazu diente, den Verstorbenen von der Zeit des Sterbens an durch die Verwandlungen der >Seele< bis zur Reinkarnation im Leib einer schwangeren Frau zu begleiten und ihr beizustehen.« (S.17) Arnold erkannte, dass der Glaube an eine zyklische Wiederkehr der Toten, also die Reinkarnation, der Angelpunkt des Denkens der Maya ist; um ihn kreist das Trachten dieses Volkes (ebd.). Der Dresdner und der Madrider Codex beschäftigen sich fast ausschließlich mit der Wiedergeburt in der Pflanzenwelt. »Für die Maya war das Leben nur eine Station in einer endlosen Kette von Wiedergeburten und der Tod nicht mehr als ein Übergang in eine andere Existenzform.«⁵³ Alles Leben, Menschen, Tiere und Pflanzen, wird wiedergeboren. Das irdische Leben wurde von den Maya als ein Segen betrachtet. Darum galt das ganze Trachten des Maya der Wiedergeburt auf Erden.

Bemerkenswert ist auch, dass die typischen Vorstellungen der Maya zwar mit den altchinesischen übereinstimmen, aber den anderen amerikanischen Völkergruppen fremd sind. Sie sind also nicht in diesem amerikanischen Umkreis entstanden. Zum Beispiel haben die Maya im Ganzen präkolumbianischen Amerika »als einziges Volk keine geradlinige Schicksals-Konzeption, die auf eine Endkatastrophe hinausläuft; die Zeit ist für sie ein Zyklus ohne Ende, ein Punkt in der Ewigkeit«. (S.55)

Arnold erklärt die sprachliche Verwandtschaft der Maya-Sprache mit dem Altchinesischen durch eine lange, volksmäßige Zusammengehörigkeit und schließt daraus, dass die Maya schon früh aus China über den Äquatorstrom des Pazifischen Ozeans nach Mittelamerika gelangten. Auf Grund der Ähnlichkeit mit den altchinesischen Hieroglyphen lässt sich somit die Maya-Schrift auf den Zeitraum zwischen 2500 und 3000 v.Chr. zurückdatieren (S.20).

Wenn sich die Erkenntnisse Arnolds als richtig erweisen, müssen wir die Geschichte der Ausbreitung des Reinkarnationsglaubens neu schreiben. Die Anfänge desselben müssten dann zeitlich weit früher als bisher angesetzt werden.⁵⁴ Insbesondere der Kultur des alten China gilt es, besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Der Reinkarnationsgedanke begegnet sodann in der jüngeren Steinzeit bei einem Volk, das wahrscheinlich in Mitteleuropa (!) oder nördlich des Kaspischen Meeres ansässig war.⁵⁵ Von diesem Volk gingen die so genannten indoeuropäischen oder indoarischen Völker aus, die sich im Osten über Persien bis nach Indien und im Westen bis nach ganz Europa ausdehnten. Zu diesen auch eine Sprachfamilie bildenden Völkern gehören in Europa die slawischen und baltischen Völker, die Griechen, Romanen, Kelten und Germanen. Der Glaube an die Reinkarnation bildete, wie unten noch deutlicher wird, einen Grundbestandteil der Religion dieser alten Indoarier, ein Glaube, den sie, wie manche Forscher annehmen, bei ihrer Einwanderung um ca. 1500 v. Chr. in Indien bereits mitbrachten.⁵⁶ Die Anfänge des Reinkarnationsglaubens in Indien sind aber auf Grund der vorhandenen schriftlichen Zeugnisse nicht mehr sicher erkennbar.⁵⁷

Dies zeigt, dass der Ursprung des Glaubens an wiederholte Erdenleben zwar – soweit wir heute sehen – im Osten, nämlich im alten China, liegt, dass aber der Reinkarnationsglaube nicht von dort zu uns gekommen ist.⁵⁸ Vielmehr gehörte er ebenso zum – vom Osten unabhängigen – Grundbestand des Glaubens der alten indoarischen Völker, die sich in verschiedene Richtungen entwickelten und im Westen die mitteleuropäischen Völker bildeten. Im Osten (Indien) hat sich der Reinkarnationsglaube der einwandernden Indoarier nur besonders breit und kräftig entfaltet.

Denn in Indien ist heute die Überzeugung von der Seelenwanderung in ihren verschiedenen Formen ein allgemeiner Volksglaube unter Hunderten von Millionen Menschen.⁵⁹ Vor allem durch den aus dem 6. Jahrhundert v.Chr. stammenden und den Hinduismus reformierenden Buddhismus fand der Reinkarnationsglaube über Indien hinaus in Tibet, China, Hinterindien und Japan eine weite und vielgestaltige Verbreitung.

Verschiedene Indizien weisen, wie Prof. lan Stevenson gezeigt hat⁶⁰, darauf hin, dass der unter den Indianern Alaskas weit verbreitete Wiedergeburtsglaube auf dem Wege über Nordostasien nach Nordamerika gelangte, genauer gesagt über die den Pazifik überspannende Inselkette der Kurilen und Aleuten.

So verbreitet der Glaube an die Wiederverkörperung in Asien ist, er begegnet auch in anderen alten Kulturen. Uns interessiert hier besonders sein Auftreten bei den westlichen Völkern des indogermanischen Raums in einer sich von der indischen Kultur durchaus unabhängig und eigenständig entwickelnden Form.

2.2 Die Griechen

Der Reinkarnationsglaube wurde wohl schon durch die religiös-ekstatischen Orphiker, die im Zusammenhang mit den thrakischen Dionysos-Mysterien stehen, der europäischen Geistesgeschichte im 6. Jahrhundert v.Chr. in die Wiege gelegt.⁶¹ Als ältestes Zeugnis dieses Glaubens gelten Verse des griechischen Dichters Pindar (ca. 520 bis nach 446 v.Chr) in seiner zweiten olympischen Ode auf den König Theron von Agrigent. Er spricht vom Gericht nach dem Tod. Auf die Toten, die sich im irdischen Leben schuldig gemacht haben, wartet in der jenseitigen Welt ein strenges Gericht und Buße im irdischen Leben. »Wer aber dreimal in beiden Leben – hier wie dort – ausgeharrt hat ohne seine Seele zu beflecken, der geht ein zu Kronos' hohem Saal auf den Inseln der Seligen.«⁶²

«Nach einer alten Überlieferung war es Pherekydes von Syros (584/83 – 499/98), der in Griechenland als erster die Lehre von der Seelenwanderung eingeführt hat. Pherekydes war der erste Lehrer des Pythagoras.«⁶³

Die entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Glaubens an die Seelenwanderung in Europa hat zweifellos der in Kroton, dem heutigen Cortona in Unteritalien, wirkende Pythagoras (ca. 580 bis 497/96 v. Chr) gespielt, ohne dass er uns, wie sein etwas jüngerer Zeitgenosse Buddha (wohl 560-480)⁶⁴, ein schriftliches Wort hinterlassen hätte. In einer ordensähnlichen Gemeinschaft mit strenger Ordnung vermittelte Pythagoras eine umfassende religiöse, ethische, mathematisch-astronomische, musische, heilkundige, geistige und körperliche Erziehung. Der Bund nahm auch Frauen auf, die in Philosophie und Literatur, in fraulichen und häuslichen Fertigkeiten gebildet wurden. Die »pythagoreischen Frauen« sollen im Altertum als »der höchste Frauentypus, den Griechenland je hervorbrachte, verehrt worden sein«.⁶⁵

Pythagoras' Seelenwanderungslehre entspricht, soweit wir dies aus den späteren Zeugnissen erkennen können, im Wesentlichen der orphischen⁶⁶ und ist der indischen nicht unähnlich, insofern der Läuterungsweg des Menschen auch durch Wiederverkörperungen in Tieren erfolgen kann. Das begründete das Gebot, keine Tiere zu töten oder zu opfern, und die entsprechende vegetarische Ernährung. Alles Beseelte, von den Göttern bis zu den Tieren, ist durch eine weltweite Gemeinschaft miteinander verbunden. Das Ziel war es, die im Ursprung göttliche, den Tod überdauernde, an ihrem eigenen Schicksal als verantwortliche Person tätig mitwirkende Seele durch Reinheit, Gerechtigkeit und Frömmigkeit vom Kreislauf der Wiedergeburten zu erlösen.

Pythagoras galt auf Grund seiner vorbildlichen Lebensführung und seiner tiefen Erkenntnisse als vollkommener Weiser, obwohl er sich selbst bescheiden und den Begriff prägend nur einen »philosophos«, einen Freund oder Liebenden der Weisheit nannte.⁶⁷ Auf Grund der enormen Wirkungsgeschichte seiner Lehre muss er als der eigentliche Vater der europäischen Reinkarnationslehre betrachtet werden.

Für die weitere Entwicklungsgeschichte dieser Lehre im griechischrömischen Raum und für die europäische Geistesgeschichte müssten neben so hervorragenden Geistern wie Empedokles (um 495 – 435), Sokrates (um 470 – 399), Platon (um 427 – um 347)⁶⁸, Vergil (70 – 19)⁶⁹ und Seneca (um Christi Geburt – 65)⁷⁰ vermutlich auch Plutarch (um 45 – nach 120)⁷¹ und die Neuplatoniker Plotin (um 204 – 270), Schüler des Ammonios Sakkas aus Alexandria (175-242) und als solcher Mitschüler des Origenes, Porphyrios (234 – vor 305)⁷², der universalste Gelehrte der Spätantike, Jamblichos (um 240/45 – um 325), Proklos (412 – 485) und noch viele andere genannt werden, was ausführlichen Darstellungen der Geschichte des Reinkarnationsglaubens überlassen werden kann.

2.3 Die Kelten

Von besonderem Interesse für uns ist hingegen, dass auch den Kelten, unseren Vorfahren, der Gedanke der Wiederverkörperung bekannt war. Dies wird zwar immer wieder bestritten⁷³, doch zu Unrecht. Denn

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Was die anderen über Kehret zurück, ihr Menschenkinder - Die Grundlegung einer christlichen Reinkarnationslehre denken

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