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Die Theosophie - Grundlagen eines esoterischen Weltbildes

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Die Theosophie - Grundlagen eines esoterischen Weltbildes

Länge:
330 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
11. Nov. 2020
ISBN:
9783968612164
Format:
Buch

Beschreibung

Charles W. Leadbeater ist noch immer der einflussreichste spirituelle Schriftsteller der Neuzeit! Seine großen Monographien über die „Chakras“ über den „Sichtbaren und unsichtbaren Menschen“ oder über „Gedankenformen“ sind in alle großen Weltsprachen übersetzt und in Millionenauflagen verkauft worden.
Mit dem vorliegenden Werk hat er eine meisterhaften Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte des theosophischen Weltbildes erstellt. Er schildert die großen Entwicklungswege, auf denen sich die Evolution vollzieht. Er beschreibt die höheren Welten und ihre Wesen und zeigt die Einheit hinter der Vielfalt religiöser Traditionen auf. Alle Wege führen zu dem EINEN ZIEL!

Eine Einführung in das theosophische Denken, das die Anschaffung und Lektüre einer großen Spezialbibliothek ersetzt und aufzeigt, welche unendliche Weisheit hinter allen Lebensprozessen waltet!

Herausgeber:
Freigegeben:
11. Nov. 2020
ISBN:
9783968612164
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die Theosophie - Grundlagen eines esoterischen Weltbildes - Charles W. Leadbeater

Weisheit

Kapitel I: Theosophie und Christentum

Viele Leute fühlen sich zur Theosophie hingezogen, weil diese auf Vernunft basiert und ansonsten unerklärliche Dinge zu vermitteln versteht. Dennoch zögern sie, sich intensiver mit ihr zu befassen, da sie im Widerspruch zu dem Glauben zu stehen scheint, in dem sie erzogen wurden. Sie fürchten, wie sie oft einwenden, die Theosophie könne ihnen ihre Religion wegnehmen. Wie das Studium einer anderen Wahrheit eine Religion, falls diese auf Wahrheit beruht, verdrängen kann, ist unverständlich. So unlogisch die Furcht auch sein mag, es gibt sie zweifellos; aber sie ist unberechtigt, da die Theosophie keine Religion angreift oder sich ihr entgegenstellt. Im Gegenteil, sie erläutert ihre Lehren und bringt sie miteinander in Einklang. Sie vertritt die Meinung, dass alle Religionen gleichermaßen versuchen, dieselben grundlegenden großen Wahrheiten darzulegen, die sich nur in ihrer äußeren Form und Nomenklatur unterscheiden, weil sie von verschiedenen Lehrern zu unterschiedlichen Zeiten der Weltgeschichte völlig unterschiedlichen Völkern vorgetragen wurden. In ihren Grundsätzen stimmen sie überein und geben zu allen wirklich wichtigen Themen übereinstimmende Unterweisungen. Wir sind der Meinung, dass jeder Mensch Zugang zu jener Wahrheit besitzt, die allen Glaubensüberzeugungen gleichermaßen zugrunde liegt. Diese Wahrheit nennen wir Theosophie oder Göttliche Weisheit, in die wir tiefer einzudringen versuchen.

Dies ist die Haltung der Theosophie allen Religionen gegenüber. Sie widerspricht ihnen nicht, sie erklärt sie. Sie weist alles, was unvernünftig oder unwahr klingt, als der Gottheit unwürdig und sie herabsetzend zurück. Alles Vernünftige in den einzelnen Religionen greift sie auf, hebt es hervor und vereinigt so die einzelnen Formen zu einem harmonischen Ganzen. Niemand muss befürchten, dass sie seine Religion angreift, wohl aber dazu beitragen mag, sie besser zu verstehen. Es gibt nichts in der Theosophie, das dem ursprünglichen wahren Christentum in irgendeiner Weise entgegensteht, obgleich es nicht immer möglich sein mag, den Interpretationen der Wahrheit seitens der dogmatischen Theologie zuzustimmen.

Die meisten Menschen hinterfragen ihre religiösen Überzeugungen nicht mittels ihrer Vernunft. Sie hoffen, dass sie irgendwie stimmen. Viele gläubige Seelen halten es sogar für falsch, Glaubensfragen kritisch zu betrachten, da sie diese Dinge für höher erachten als menschliches Begreifen. Wenn Menschen zu denken beginnen, fangen sie zwangsläufig an zu zweifeln, da die Theologie ihre Lehren nicht vernünftig darlegt. Bald werden sie herausfinden, dass viele Aspekte irrational und unverständlich sind. Allzu oft beschleicht sie das Gefühl, dass ihre gesamte Glaubensgrundlage ausgehöhlt ist, und sie beginnen, alles anzuzweifeln. Jenen Seelen, die nach dem Licht streben, empfehle ich das Studium der Theosophie, denn ich bin davon überzeugt, dass diese sie vor den dunklen Abgründen des Materialismus bewahren wird. Sie wird ihnen die Wahrheit in einem neuen Licht aufzeigen und, basierend auf einer neuen und sichereren Grundlage von Vernunft und gesundem Menschenverstand, ihnen das Schönste in ihrem Glauben zurückgeben.

Um deutlich zu machen, dass es im Grunde genommen keinen Gegensatz zwischen Christentum und Theosophie gibt, möchte ich die Grundprinzipien der Theosophie aufführen. Damit nicht der Verdacht entstehen möge, ich gebe ihnen zum Zwecke dieses Vortrags einen christlichen Anstrich, werde ich sie aus dem Büchlein zitieren, das ich kürzlich für Studienanfänger geschrieben habe. Es trägt den Titel An Outline of Theosophy. Darin nenne ich drei große Grundwahrheiten, gewisse daraus resultierende Konsequenzen sowie Aussagen, die sich ihrerseits aus der theosophischen Überzeugung ergeben.

Die drei großen Wahrheiten

Gott existiert, und Er ist gut.

Der Mensch ist unsterblich, und die Herrlichkeit und Pracht seiner Zukunft sind grenzenlos.

Ein göttliches Gesetz absoluter Gerechtigkeit regiert die Welt, so dass jeder Mensch in Wahrheit sein eigener Richter ist, der sich selbst Licht oder Dunkel spendet, der über sein Leben, seinen Lohn und seine Bestrafung selbst bestimmt.

Jeder dieser großen Wahrheiten sind ergänzende und erklärende Wahrheitsaspekte zugeordnet. Aus der ersten ergibt sich:

Trotz des äußeren Erscheinungsbildes sind die Dinge definitiv und in intelligenter Weise auf das Gute ausgerichtet; alle Umstände, so widrig sie auch sein mögen, sind in Wirklichkeit genau diejenigen, die benötigt werden. Alles um uns herum dient nicht dazu, uns zu behindern, sondern uns zu helfen, wenn es nur verstanden wird.

Es ist zweifellos die Pflicht des Menschen zu lernen, dieses ihm entgegenkommende System zu verstehen.

Versteht er es, ist es ebenfalls seine Pflicht, in diesem System intelligent mitzuwirken.

Aus der zweiten Wahrheit ergibt sich:

Der wahre Mensch ist Seele; der Körper ist nur eine Begleiterscheinung.

Aus diesem Grunde muss der Mensch alles aus Sicht der Seele betrachten. Findet ein innerer Kampf statt, muss er sich mit dem Höheren, nicht mit dem Niedrigen identifizieren.

Bei dem, was gewöhnlich als sein Leben bezeichnet wird, handelt es sich nur um einen Tag in seinem wahren und umfassenderen Leben.

Der Tod besitzt weitaus weniger Bedeutung als allgemein angenommen wird, da er nicht das Ende des Lebens, sondern nur den Übergang von einer Lebensstufe zur nächsten kennzeichnet.

Hinter dem Menschen liegt ein gewaltiger Entwicklungsweg, dessen Studium höchst faszinierend, interessant und aufschlussreich ist.

Vor ihm liegt eine großartige Evolution. Sich mit ihr zu befassen, ist sogar noch faszinierender und lehrreicher.

Jede Menschenseele kann absolut sicher sein, das endgültige Ziel zu erreichen, gleichgültig wie weit sie vom Evolutionspfad abgekommen zu sein scheint.

Aus der dritten Wahrheit ergibt sich:

Jeder Gedanke, jedes Wort, jede Tat führt zu einem eindeutigen Resultat – nicht zu einer Belohnung oder Bestrafung von außerhalb, sondern zu einer der Handlung selbst innewohnenden Konsequenz, die sich aus dem Verhältnis von Ursache und Wirkung, zwei nicht voneinander trennbaren Teilen eines Ganzen, ergibt.

Der Mensch sollte sich gründlich mit dem göttlichen Gesetz auseinandersetzen, um sich ihm anpassen und es anwenden zu können, so wie er andere Naturgesetze anwendet.

Der Mensch muss absolute Kontrolle über sich gewinnen, damit er sein Leben intelligent im Einklang mit dem Gesetz zu führen vermag.

Ich formuliere hier kein theosophisches Glaubensbekenntnis. Bei diesen Prinzipien handelt es sich nicht um Glaubensartikel, sondern um eindeutige Fakten, die auf Untersuchungen basieren, die viele von uns vorgenommen haben und von allen nachprüfbar sind, die sich der Mühe unterziehen, sich für das Studium zu qualifizieren. Wir erwarten nicht, dass mehr akzeptiert wird, als was wir selbst als Wahrheit erachten. Es trifft zu, dass wir hier und dort auf Dinge stoßen, die unsere unmittelbaren Kenntnisse als Schüler bislang übersteigen. In solchen Fällen basieren unsere Aussagen auf der Autorität älterer Schüler, die über umfangreichere Kenntnisse verfügen. Im gegebenen Fall weisen wir ausdrücklich darauf hin und unterscheiden ganz klar zwischen dem, was wir selbst wissen, und dem, was wir nur glauben, auch wenn es sich auf die bestmögliche Autorität stützt. Wir stellen dieses Lehrgebäude lediglich vor, damit Sie es in Erwägung ziehen. Falls es Ihnen vernünftig erscheint, untersuchen Sie es gründlich, studieren Sie es und leben entsprechend seiner Empfehlungen. Da es sich um eine rechtschaffende Lebensweise handelt, kann Ihnen der Versuch, ein solches Experiment zu wagen, keinen Schaden zufügen.

Unvereinbarkeit?

Dies sind also die Prinzipien der Theosophie. Stehen sie im Widerspruch zum Christentum? Ich wage zu behaupten, dass es nichts gibt, das dem wahren, ursprünglichen Christentum widerspricht, wenn es richtig verstanden wird, obwohl es Aussagen geben mag, die mit einigen Fehlern der gängigen Theologie nicht in Einklang zu bringen sind. Lassen Sie mich versuchen, dies zu erklären. Die Hauptpunkte in unserem Lehrgebäude, an denen die Orthodoxie Anstoß nimmt, sind die Reinkarnations- und Karma-Lehre. Letztere bedeutet das göttliche Gesetz ewiger Gerechtigkeit, unter dem jeder Mensch zwangsläufig die Konsequenzen seines eigenen Fehlverhaltens tragen muss. Niemand kann ihn jemals seiner Verantwortung entbinden.

Die moderne Theologie misst Bibeltexten ungeheure Bedeutung bei. Mir scheint, sie stützt sich lediglich auf ein oder zwei von ihnen. Diesen wird eine bestimmte Interpretation zugeordnet, die oft in unmittelbarem Widerspruch zur klaren Bedeutung anderer Passagen derselben Schrift stehen. Natürlich enthält die Bibel Widersprüche, wie jedes andere Buch eines solchen Umfangs sie enthalten muss. Die einzelnen Bücher wurden innerhalb weit auseinanderliegender weltgeschichtlicher Perioden von Leuten unterschiedlichster Bildung und Zivilisation verfasst. Es ist unmöglich, dass alle diese Aussagen wortwörtlich der Wahrheit entsprechen, aber wir können weit zurückgehen und versuchen herauszufinden, was der ursprüngliche Lehrer seine Schüler lehrte. Angesichts der zahlreichen Widersprüche und Interpretationen hat der denkende Christ offensichtlich die Pflicht, die verschiedenen Versionen seines Glaubens, die in der Welt existieren, sorgsam abzuwägen und, basierend auf der eigenen Vernunft und seinem gesunden Menschenverstand, eine Entscheidung zu treffen. Im Grunde genommen trifft heute jeder Christ seine eigene Entscheidung. Er bestimmt, ob er römisch-katholisch, ein Mitglied der Kirche von England, Methodist oder ein Angehöriger der Heilsarmee sein will, auch wenn jede dieser Sekten behauptet, der einzig authentische Zweig des Christentums zu sein und ihren Anspruch mit dem Zitieren von Texten rechtfertigt. Wie kann der Laie zwischen ihren rivalisierenden Ansprüchen unterscheiden? Entweder er übernimmt einfach den Glauben seines Vaters, ohne ihn zu prüfen, oder er setzt sich mit ihm auseinander und entscheidet aufgrund seines eigenen Urteils. In diesem Fall wäre es absurd, seinen Glauben auf ein oder zwei Schriftstellen zu gründen und nicht alle zu überprüfen. Wenn er sich unvoreingenommen mit allen Textstellen auseinandersetzt, wird er mit Sicherheit viele finden, die die theosophische Wahrheit untermauern.

Abweichungen

Denken Sie nicht, Sie verhielten sich dem Begründer des Christentums gegenüber illoyal, wenn Sie eingestehen, dass es verschiedene und möglicherweise falsche Interpretationen gibt. Abweichungen ergeben sich zwangsläufig im Laufe des Wachstums einer Religion. Unvoreingenommen betrachtet, erkennt man, dass dies nicht anders sein kann. Jede Religion beginnt mit einem großen Lehrer, der die Wahrheit mit der Kraft seiner persönlichen, unmittelbaren Erkenntnis verkündet, umgeben von Schülern, deren Enthusiasmus durch den Kontakt mit ihm angefeuert wird, so dass sie eine ebensolche Gewissheit empfinden. Vielleicht entwickeln manche von ihnen unter dem Einfluss seines Magnetismus die Kraft, einige Wahrheiten unmittelbar selbst zu erkennen. Irgendwann verlässt der Lehrer seine engsten Begleiter, eine Generation von Schülern, die mit der Zeit ausstirbt. Ihre Anhänger tragen die Religion weiter, haben aber gewöhnlich keinen direkten persönlichen Zugang zu der Wahrheit, sondern formen ihren Glauben nach der Lehre ihrer Vorgänger. Mit der Zeit wird diese Lehre niedergeschrieben, damit sie nicht in Vergessenheit gerät oder verzerrt wird. So entsteht eine heilige Schrift. Es ist schwierig, eine Niederschrift zu verfassen, die der Mensch unmöglich missverstehen kann, was zu unterschiedlichen Interpretationen führt. Verschiedene Lehrer interpretieren in unterschiedlicher Weise. Es entstehen Sekten und mit ihnen Gefühle von Bitterkeit untereinander. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine Kirchengemeinde – eine Ansammlung von Menschen, die davon ausgeht, dass sie allein diese neue Wahrheit vertritt. Sie ist vor allem daran interessiert, eine bestimmte Interpretation der Wahrheit aufrechtzuerhalten. Im Laufe der Zeit erwirbt diese neue Kirche Eigentum, was zur Verfolgung von Eigeninteressen führt. Überlegungen, die dem wahren religiösen Geist völlig fremd sind (und diesem oft feindlich gegenüberstehen), werden zwangsläufig ins Spiel gebracht. Die sich daraus ergebende Verhärtung führt zu Engstirnigkeit, Bigotterie, Verweltlichung und schließlich zum Verfall. All dies geschieht nicht aufgrund eines speziellen Fehlers oder aus Leichtfertigkeit seitens irgendeines Beteiligten, sondern ist dem natürlichen Lauf der Geschichte geschuldet.

Dies lässt sich im Hinduismus und Buddhismus deutlich beobachten. Unparteiisch betrachtet, erkennt man, wie das Gleiche mit dem Christentum geschieht. Ich weiß, dass viele gute, rechtgläubige Leute diese Behauptung als boshaft und atheistisch erachten. Was aber kann boshaft sein an einer Behauptung, die wahr ist, wie die Geschichte beweist? Wollen wir das wahre Christentum entdecken und studieren, müssen wir zu seinen ursprünglichen Lehren zurückkehren und sehen, wie sie in früheren Zeiten interpretiert wurden. Wir werden feststellen, dass der Glaube damals keineswegs etwas mit der verkrusteten Theologie unserer Tage gemein hatte. Es handelte sich um eine weitaus spirituellere und philosophischere Religion, die in vielen Punkten mit der Wahrheit übereinstimmte, die allen Religionen zugrunde liegt und die wir heute unter dem Begriff Theosophie erforschen.

Reinkarnation

Wie bereits erwähnt, sind jene Punkte der theosophischen Lehre, an denen die orthodoxe Theologie Anstoß nimmt, hauptsächlich die Lehre von der Reinkarnation sowie der zwangsläufigen und automatischen Wirkung göttlicher Gerechtigkeit. Keine dieser Lehrmeinungen wird von der heutigen Kirche vertreten, obwohl ich glaube, dass es sich beweisen lässt, dass sie in früheren Epochen bekannt waren. Der ein oder andere unmissverständliche Hinweis auf die Reinkarnationslehre findet sich in unserer heutigen Bibel. Eine eindeutige Aussage von Christus selbst, sollte die Frage der Reinkarnation für jeden, der an die biblische Geschichte und die Inspiration der Schrift glaubt, ein für alle Mal klären. Als er von Johannes dem Täufer sprach und fragte, was man allgemein über ihn dachte, erklärte er abschließend mit Nachdruck: „Und wenn ihr es annehmen wollt, er ist Elijah, der kommen soll" (Math.11,14).

Ich bin mir bewusst, dass der orthodoxe Theologe annimmt, Christus habe in diesem Fall nicht wörtlich gemeint, was er sagte, und möchte uns glauben machen, dass er zu erklären bemüht war, Elijah sei eine Art Johannes der Täufer gewesen. Als Erwiderung auf einen solch unhaltbaren Einwand mag es genügen, nach den Beweggründen zu fragen, die jemand dazu veranlasste, im gewöhnlichen Leben eine Aussage so plump wegzudiskutieren. Christus kannte die gängige Meinung. Er wusste, dass die einfachen Leute ihn bisweilen für eine Reinkarnation von Elijah, manchmal von Jeremiah oder von einem der anderen Propheten hielten (Math. 16,14). Ihm war bewusst, dass man die Rückkehr von Elijah prophezeit hatte, und dass das gemeine Volk erwartungsvoll seiner Ankunft harrte. Folglich musste er wissen, dass seine Zuhörerschaft seine konkrete Aussage genau verstehen würde. „Wenn ihr es annehmen wollt – mit anderen Worten, wenn ihr es glauben wollt – „dieser Mann ist wirklich Elijah, den ihr erwartet. Dies ist eine eindeutige Aussage. Die Annahme, Christus habe es nicht wörtlich gemeint, sondern beabsichtigt, etwas Ungewisses und Symbolhaftes zum Ausdruck zu bringen, heißt, die Leute vorsätzlich irrezuführen, indem er etwas behauptete, von dem er zweifellos wusste, dass sie es verstanden hatten. Entweder Christus hat es gesagt oder er hat es nicht gesagt. Wenn er es nicht gesagt hat, was wird aus der Inspiration des Evangeliums? Hat er es gesagt, dann ist die Reinkarnation eine Tatsache.

Ein anderer Hinweis findet sich in der Geschichte über den Blinden, den man Christus brachte, damit er ihn heile. Die Jünger fragten: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren worden ist" (Joh. 9,2)? Mit dieser Frage zeigten sie, dass ihnen ein Großteil der theosophischen Lehre geläufig war. Die Vorstellung von Ursache und Wirkung und der göttlichen Gerechtigkeit war ihnen vertraut. Von Geburt an blind zu sein, bedeutete sowohl für das Kind als auch für seine Eltern großes Leid. Die Jünger erkannten, dass dies auf irgendeine Sünde oder Torheit zurückzuführen sein musste und fragten nach dem Urheber dieser unseligen Situation. War der Vater so verrucht, dass er seinen blinden Sohn verdient hatte, oder hatte der Blinde selbst in einer früheren Existenz gesündigt und dieses klägliche Schicksal auf sich gezogen? War Letzteres der Fall, mussten die Sünden vor seiner Geburt begangen worden sein, das heißt: In einem früheren Leben. Beide Säulen der theosophischen Lehre werden mit dieser einen Frage angesprochen.

Die Antwort Christi ist bemerkenswert. Wir wissen, dass er sich in anderen Situationen keineswegs zurückhielt und zu falschen Lehren oder Praktiken energisch Stellung nahm. Bei vielen Gelegenheiten sprach er eindringlich zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und anderen Leuten. Hätte es sich bei der Reinkarnation und der Vorstellung von einer göttlichen Gerechtigkeit um einen Irrglauben gehandelt, hätte er seine Jünger diesbezüglich zurechtgewiesen. Aber er tat nichts dergleichen. Er akzeptierte ihre Vorschläge als selbstverständlich und rügte sie keineswegs, sondern erklärte, dass keine der beiden Möglichkeiten in diesem bestimmten Fall zutrafen. „Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbart werden."

Vor Jahren schrieb ein englischer Geistlicher ein bemerkenswertes Buch mit dem Titel From Death to the Judgement Day, in dem er zeigte, dass die Reinkarnationslehre die große Geheimlehre der christlichen Religion war, die alle ihre Schwierigkeiten aufklärte und sie zu einem kohärenten und rationalen Lehrgebäude machte. Vor Kurzem hat in Amerika ein methodistischer Pfarrer ein Buch mit dem Titel Birth a New Chance veröffentlicht, in dem er sich mit derselben Thematik auseinandersetzte, allerdings in unterschiedlicher Weise. Seine Theorie der Wiedergeburt stimmt nur teilweise mit der unsrigen überein, da er bestreitet, dass die Seele, abgesehen von der Aufeinanderfolge ihrer physischen Körper, irgendeine intelligente Existenz besitzt. Andererseits ist es interessant zu sehen, dass Menschen, unterschiedlicher Meinung und unterschiedlichen Gedankengängen folgend, die Notwendigkeit jener grundlegenden Lehre zu erkennen beginnen.

Einen Paragraphen aus vorhergehendem Buch zu zitieren, ist lohnenswert, da er zeigt, wie der Reinkarnationsgedanke einen nachdenklichen und unvoreingenommenen orthodoxen Christen bewegt. „Die hl. Schrift betont, dass wir gemäß unserem irdischen Tun gerichtet und belohnt oder verdammt werden … Aus diesem Grunde können wir nicht annehmen, spätere Gegebenheiten seien besser als die unserer jetzigen Existenz, da dies einen Aufstieg in ein glanzvolleres Leben für die zu ewiger Verdammnis Verurteilten erfordern würde, aus dem sie letztlich zu immerwährender Schande erniedrigt werden müssten. Ebenso wenig können wir davon ausgehen, dass die Zustände geringer sind als jene, derer wir uns jetzt erfreuen, da es die Herabsetzung der Tugendhaften bedeutete. Man kann nicht von zwei getrennten Zuständen sprechen, dem des Aufstiegs für die Rechtschaffenden und dem des Abstiegs für die Abtrünnigen. Dies hieße, eine von bösen Kreaturen bewohnte Hölle zu erschaffen, die dazu verurteilt wären, vor dem Tag des Jüngsten Gerichts ihre bösen Absichten zu verfolgen. Alle diese Hypothesen setzen ein Jüngstes Gericht voraus. Es findet sich in keiner hl. Schrift eine Autorität, die irgendetwas davon bestätigt. Sollte es daher nach dem Tode eine aktive Existenz für die Seele geben, können sich die Verhältnisse nicht von denen ihrer irdischen Existenz unterscheiden. Da sich die Zustände nicht von unserem gegenwärtigen Zustand unterscheiden können, müssen sie dieselben sein, und falls es für die Seele nach dem Tode eine Existenz geben sollte, muss sie in einem menschlichen Körper auf dieser Erde stattfinden. Daraus ergibt sich, dass nach dem Tode die Seele erneut den Prozess der Geburt durchläuft und auf der Erde in einem kindlichen Körper erscheint, und die Zeit zwischen Tod und dem Tag des Jüngsten Gerichtes in aufeinanderfolgenden Erdenleben verbracht wird. Der Autor führte dann weiter aus, dass „diese Schlussfolgerung nicht nur von der Bibel untermauert wird, sondern alle Lehrsätze des christlichen Glaubens darauf basieren; dass hierin der Schlüssel der Lehre Christi liegt, der Grund für unser Erdendasein und die einzige Möglichkeit, letztendlich erlöst zu werden. Erneut fügte er hinzu: „Mit der Akzeptanz dieser Theorie wird der Glaube der Universalisten (dass alles eines Tages erlöst sein wird) möglich werden." – (Aus: Death to the Judgement Day, von Gerald D’Arcy, S. 13).

Hinzu kommt, dass sie zahlreiche Probleme löst. Man denke nur an die schreckliche Ungleichheit in der Welt. Schauen wir uns in irgendeiner Großstadt um, werden wir sehen, dass manche Leute in Luxus leben und andere hungern. Einigen ist die Möglichkeit höherer Bildung gegeben, sei es in der Kunst, Musik oder Philosophie, um den moralischen Aspekt ihrer Natur zu entwickeln. Andere hingegen leben mitten in der Kriminalität und haben praktisch keine Chance, sich in dieser Inkarnation weiterzuentwickeln. Nehmen wir als Beispiel ein Kind, das in einem der Slums in ein kriminelles Umfeld hineingeboren wurde, dessen Vater ein Trinker und die Mutter eine Diebin ist. Dieses Kind hat von Geburt an nichts anderes als Verbrechen und Sünde erlebt. Die lichte Seite des Lebens ist ihm vollkommen fremd. Von Religion hat es niemals etwas gehört. Welche Entwicklungsmöglichkeiten sind ihm gegeben, die sich auch nur annähernd mit jenen vergleichen ließen, die wir gehabt haben? Welchen Vorteil hätte das Kind von all unserer Musik, unserer Kunst, unserer Literatur und Philosophie? Könnte man es plötzlich seinem Umfeld entreißen und in unsere Welt bringen, würde es unser Leben nicht verstehen, da es nicht dazu erzogen wurde. Seine Chance entspricht sicherlich in keiner Weise unserer Möglichkeit. Überall in der Welt gibt es ungebildete Menschen. Wie steht es um ihre Möglichkeiten? Es ist kaum vorstellbar, dass sich diese Menschen in dem Maße entwickeln können wie wir. Woran liegt das?

Drei Hypothesen

Es gibt drei denkbare Hypothesen, drei mögliche Lebenstheorien. Erstens die materialistische, die besagt, dass es keinen Lebensplan gibt und uns nur der blinde Zufall regiert. Wir werden zufällig geboren und sterben zufällig. Der Tod ist unser Ende. Diese nicht besonders befriedigende Theorie werden wir wohl kaum annehmen, es sei denn, wir werden dazu gezwungen. Aber werden wir gezwungen? Ich denke nicht, denn alles deutet in die entgegengesetzte Richtung. Was nützt uns aller Fortschritt, wenn er nicht einem bestimmten Ziel dient?

Die zweite Theorie geht von der göttlichen Willkür aus. Gott stellt einen Menschen hierhin und den anderen dorthin, weil es ihm so gefällt. Trotz der ungleichen Entwicklungsmöglichkeiten hängt ihr ewiges Schicksal von ihrem Erfolg ab, eine höhere Stufe sittlichen Verhaltens zu erreichen. Diese Theorie missachtet die Ungleichheit im irdischen Leben und verspricht allen dieselbe himmlische Belohnung, ungeachtet des hier erlittenen Leids. Diese Theorie erfährt heute von den meisten abendländischen Religionsformen eine gewisse Modifikation. Aber es handelt sich dabei keineswegs um die wahre und ursprüngliche Lehre des Christentums.

Der denkende Mensch wird wohl kaum einen Gott für gerecht halten, der manchen in ein respektables Umfeld stellt, in dem er kaum auf Abwege geraten kann, und andere einer Situation aussetzt, die es ihnen schier unmöglich macht, sich redlich zu verhalten. Tatsächlich haben sich einige zutiefst religiöse Menschen betrübt eingestehen müssen, dass Gott entweder nicht all-mächtig und unfähig ist, dem Elend und der Sünde in der Welt Abhilfe zu schaffen, oder Er ist nicht all-gütig und kümmert sich nicht um das Leid Seiner Geschöpfe. Die Theosophie ist fest von der Allmacht und Güte Gottes überzeugt und bringt diesen Glauben in Einklang mit der Reinkarnationslehre. Ich kenne keine andere Theorie, die es uns erlaubt, rational und ohne die Augen vor den Tatsachen zu verschließen, an dem Glauben festzuhalten, dass Gott der allmächtige und allliebende Vater ist. Zumindest sollte sie sorgsam geprüft werden, bevor man sie verächtlich beiseiteschiebt, um hervorzuheben, dass Er solche Eigenschaften nicht besitzt. Es gibt keine Alternative. Entweder die Reinkarnation trifft zu oder die Vorstellung von einer göttlichen Gerechtigkeit ist nichts weiter als ein Traum.

Wie steht die Orthodoxie zu einer solch folgenschweren Betrachtungsweise? Gewöhnlich befasst sie sich nicht mit diesem Thema, sondern gibt sich mit der vagen Bemerkung zufrieden, dass die Gerechtigkeit Gottes eine andere sei als unsere. Dies trifft wahrscheinlich zu, aber die göttliche Gerechtigkeit muss zumindest über der des Menschen stehen, weitreichender sein und Überlegungen mit einschließen, die jenseits unseres Fassungsvermögens liegen, nicht so kurz gegriffen, dass sie Gräueltaten mit einbezieht, an die selbst wir Menschen nicht denken würden, sie zu begehen.

Wie verhält es sich mit der dritten Hypothese? Was besagt die Theorie der Reinkarnation? Das Leben des Menschen ist weitaus länger als wir angenommen haben. Der Mensch ist Seele und besitzt einen Körper. Was wir sein Leben nennen, ist nur ein Tag in dem wahren und größeren Leben der Seele. Der Mensch erhebt sich am Morgen und lernt seine Tageslektion. Wenn er müde ist, legt er sich nieder und schläft. Am nächsten Tag kehrt er zurück wie ein Schulkind und lernt eine andere Lektion. Der Körper ist bloß das Gewand, in das er sich kleidet, wenn er bereit ist, für die Arbeit des Tages zur Schule zu gehen. Ist die Tagesarbeit getan, legt er es ab, um sich während seiner Ruhezeit zu Hause größerer Freiheit zu erfreuen. Für jeden Tag besitzt er einen neuen Körper. Wieder und wieder sucht er diese Erde auf, um mehr und mehr Lektionen zu lernen und neue und höhere Eigenschaften zu erwerben. Und so schreitet die Evolution voran.

Bei weniger entwickelten Seelen handelt es sich demnach um Schüler einer niedrigen Schulklasse. Sie sind nicht bösartig oder rückfällig geworden, sondern nur jüngere Geschwister. Ein Kindergartenkind spielt meistens. Man gibt ihm keine anspruchsvollen Schulaufgaben, da es sie noch nicht verstehen würde. Sie wären nutzlos und schädigend für das Kind. Das Gleiche gilt für eine

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