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Rechtskatholizismus: Vertreter und geschichtliche Grundlinien - ein typologischer Überblick

Rechtskatholizismus: Vertreter und geschichtliche Grundlinien - ein typologischer Überblick

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Rechtskatholizismus: Vertreter und geschichtliche Grundlinien - ein typologischer Überblick

Länge:
138 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 11, 2020
ISBN:
9783962298623
Format:
Buch

Beschreibung

Der Rechtskatholizismus ist innerhalb der Katholizismus-Forschung wie in den aktuellen politischen Debatten über Migration und Populismus eher ein Randphänomen. Der Begriff wird zumeist als Pejorativum verwendet, kaum jedoch zur Selbstbeschreibung. Gründe dafür lassen sich leicht benennen. In vielen heutigen Kontroversen setzt man (in polemischer Weise) gerne rechts gleich mit rechtsradikal oder gar rechtsextremistisch. Aus historischer Perspektive ist festzustellen, dass einzelne Vertreter dieser Strömung, etwa August Pieper und Carl Schmitt, zumindest zeitweise die nötige Distanz zum Nationalsozialismus vermissen ließen.

Bisher existieren zwar Monographien zu einzelnen Protagonisten, aber es fehlt eine komprimierte Überblicksdarstellung. Die vorliegende Abhandlung möchte diese Lücke schließen. Der Autor beschreibt in knapper Form die Denker, die dieser politischen Richtung in unterschiedlichen Epochen Konturen gegeben haben. Dabei zieht er Grundlinien bis in die unmittelbare Gegenwart aus und schlägt den Bogen von Joseph de Maistre, dem heftigen Gegner der Französischen Revolution, bis zu einzelnen Rechtskatholiken in der unmittelbaren Gegenwart wie dem Dominikanerpater und Sozialethiker Wolfgang Ockenfels. Obwohl charakteristische Inhalte des Rechtskatholizismus variieren, kann man doch in verschiedenen Zeitaltern die Verbindung einer patriotischen Grundhaltung mit konservativ-katholischen Überzeugungen feststellen.

Zu den Resultaten der vorliegenden Arbeit gehört die Einsicht, dass das zentrale Ziel rechtskatholischer Bestrebungen, der Erhalt intakter Institutionen in Staat und Kirche, keinesfalls überholt, vielmehr aktueller denn je ist.
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 11, 2020
ISBN:
9783962298623
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Rechtskatholizismus - Felix Dirsch

Rechtskatholizismus

1. Auflage, erschienen 11-2020

Umschlaggestaltung: Romeon Verlag

Text: Felix Dirsch

Layout: Romeon Verlag

ISBN (E-Book): 978-3-96229-862-3

www.romeon-verlag.de

Copyright © Romeon Verlag, Kaarst

Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung des Werkes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks und der Übersetzung, sind vorbehalten. Ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Verlages darf das Werk, auch nicht Teile daraus, weder reproduziert, übertragen noch kopiert werden. Zuwiderhandlung verpflichtet zu Schadenersatz.

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

FELIX DIRSCH

Rechtskatholizismus

Vertreter und geschichtliche Grundlinien

– ein typologischer Überblick

Inhalt

I. Rechte und Katholizismus – ein zwingender Widerspruch?

II. Typus 1: Ordnungspolitischer Katholizismus: Am Anfang waren Joseph de Maistre und Louis-Gabriel-Ambroise de Bonald

III. Typus 2: Juan Donoso Cortés und Carl Schmitt: Ordnungspositivismus und Dezisionismus

IV. Typus 3: Othmar Spann – rechtskatholischer Universalismus und die Suche nach der verlorenen Ganzheitlichkeit

V. Typus 4: Demokratischer Rechtskatholizismus der Gegenwart und der Widerstand gegen den Verfall basaler Ordnungsstrukturen

VI. Zusammenfassung und Ausblick auf heutige primäre Aufgaben

Über den Autor

Literatur

I. Rechte und Katholizismus – ein zwingender Widerspruch?

„Rechtskatholizismus" wird in der unmittelbaren Gegenwart stärker in publizistischen denn in wissenschaftlichen Kontexten debattiert.¹ Rechtskatholizismus gilt allgemein als Pejorativum. Das bedeutet: Ein solcher Begriff zählt in der Regel zum polemischen Arsenal der Gegner. Viele ursprünglich abschätzig gemeinte Bezeichnungen, etwa „Urknall, „Gotik und „Made in Germany, wurden aber später mitunter zum Signum, d. h. in positiver Absicht, angewendet. Die Gesinnungszuschreibung „Rechtskatholik kann man sich also durchaus zu eigen machen. Sie eignet sich für analytische Zwecke.

Warum diesbezügliche Selbstzuschreibungen eher die Ausnahme darstellen, liegt auf der Hand. Die Konjunktion von „rechts und „Katholizismus löst bei vielen Zeitgenossen negative Assoziationen aus. Maßgeblichen Anteil daran haben die mit vielen Millionen an Steuergeldern unterstützten, größtenteils demagogischen Kampagnen der „Bündnisse gegen rechts. Deren Absicht ist es, die differenzierte Auslegung des Begriffs „rechts zu vernebeln und diese Richtung pauschal mit dem Bösen zu identifizieren. Der Missbrauch ist offensichtlich. In der öffentlichen Meinung wird nicht selten eine Äquivalenz theoretisch stark unterschiedlicher Haltungen wie „rechts, „rechtsradikal, „rechtsextrem und „neonationalsozialistisch suggeriert. In agitatorischer Weise wird dabei unterschlagen, dass die Strömungen von Faschismus und Nationalsozialismus ebenso wie ihre – zahlenmäßig marginalen – Erben im Kern aus einer Synthese von extrem linken und extrem rechten Elementen, die im 19. Jahrhundert noch weithin getrennt waren, bestehen. Diese Gemengelage machte ihre Stärke und damit auch einen Teil ihrer Gefahr aus.

„Rechts und „links drücken (wissenschaftlich anspruchsvoll betrachtet) sozialontologisch-anthropologische Grundgegebenheiten aus.² Zentral für diese Distinktion ist das Realitäts- und Erhaltungssystem (in Abgrenzung zum progressiven Lust- und Gütervermehrungsprinzip³). Aber auch basale Daseinskategorien wie Ungleichheit (in Antithesis zur Gleichheit), Ordnung (im Gegensatz zu deren – oft revolutionärer – Auflösung), ein tendenziell pessimistisches Menschenbild (in Opposition zum utopisch-optimistischen) und Annahmen relativer gemeinschaftlicher Homogenität (im Kontrast zu individualistischer Freiheitsüberhöhung und Zwangskollektivismus) bestimmen die Inhalte einer „richtigen (von „rechts abstammenden) Grundüberzeugung.

Wie die „ewige Linke leichter zu definieren ist als die „ewige Rechte, nämlich über die Schiene des transepochalen Widerstandes gegen ungerechte Strukturen in allen gesellschaftlichen Bereichen⁴, so ist auch der Linkskatholizismus einfacher zu bestimmen als dessen Pendant. Während der Linkskatholizismus auf zahlreiche biblische Belege gegen den unheilvollen „Mammon" verweisen kann, sind die Zielsetzungen des Rechtskatholizismus scheinbar weiter entfernt von den Inhalten der Heiligen Schrift. Diese etwas kompliziertere Ausgangslage bewirkt, dass mitunter unterschiedliche Richtungen des konservativen Binnenkatholizismus (Nationalkatholiken, Traditionalisten, Verfechter des kirchlichen Lehramtes und so fort) unter diesen Begriff rubriziert werden. Das zentrale Kriterium fehlt. Faktisch sind nicht alle Rechtskatholiken im kirchenamtlich-orthodoxen Milieu einzuordnen. Der Blick auf einige Denker wird Belege dafür präsentieren.

Das religiöse Element ist post Christum natum von der Vorstellung der Rechten prinzipiell nicht zu trennen, wenngleich eine religiösen Linke in manchen historischen Abschnitten durchaus wirkmächtig ist⁵. Daher ist die übliche Einschätzung der Ursprünge der Rechten ergänzungsbedürftig. Im Regelfall gilt die Reaktion auf die Französische Revolution als Zäsur hinsichtlich der politischen Gesäßgeografie. Die zuerst fast ausschließlich monarchistischen Gegner der Revolution saßen in den Parlamenten des frühen 19. Jahrhunderts auf der rechten Seite. Gleichwohl ist diese Differenz älter. Im Apostolikum sitzt Christus zur Rechten des Vaters. Doch nicht nur religionspolitisch ist das Rechte identisch mit dem Richtigen. Ebenso zeugen faktische Alltags- und Erziehungspraktiken von einer solchen Präferenz. Die rechte Hand galt über Generationen hinweg als die richtige, zum Leidwesen vieler Linkshänder. Eine der frühesten Erwähnungen der Links-rechts-Distinktion im politischen Kontext, nämlich in Johannes von Salisburys Fürstenspiegel „Policraticus (1159), sieht in der „Neigung zur Rechten ein Insistieren auf einem tugendhaften Leben.⁶ Dagegen bedeutet für diesen Autor die Drift nach links, auf den Abgrund des Lasters zuzuschreiten.

Ebenfalls definitionsbedürftig ist der Begriff „Katholizismus".⁷ Er variiert vor dem Hintergrund sich wandelnder sozialer und politischer Verhältnisse. Umgangssprachlich macht man zwischen „Katholizismus und katholischer Kirche oft keinen Unterschied. Häufig wird damit die Besonderheit dem Protestantismus gegenüber exponiert. Gemäß der neueren Forschung wird die gesellschaftliche Modernisierung seit der Französischen Revolution als eine wesentliche Voraussetzung des Katholizismus gesehen. Die soziale Ausdifferenzierung in verschiedene Teilsysteme erzeugt eine Spannung, die eine Interessenvertretung für Katholiken nötig macht. Unter Katholizismus können also die sozialen und politischen Bastionen von Katholiken bezeichnet werden, welche die aus den modernen Bedingungen von Freiheit und Gleichheit resultierenden Möglichkeiten als Staatsbürger nutzen. Solche Einflussnahmen sind in Staat, Wirtschaft, Kultur und in sämtlichen gesellschaftlichen Institutionen möglich. Der Bezug zur amtskirchlichen Hierarchie ist wechselhaft. Bereits aus dieser ungeklärten Relation ergeben beziehungsweise ergaben sich Konflikte. Einen starken Einschnitt in der Geschichte des politischen Katholizismus, der sich erstmals infolge der Angriffe des preußischen Obrigkeitsstaates im so genannten „Kölner Kirchenstreit in den 1830er-Jahren und danach formierte, stellte die Entstehung einer interkonfessionellen Volkspartei dar, wie sie die CDU bis heute sein möchte. Für Katholiken ergab und ergibt sich die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit. In der langen Geschichte des Katholizismus waren daher nicht nur Angriffe seitens des weltanschaulichen Gegners an der Tagesordnung, sondern auch kritische Einwände der amtskirchlichen Hierarchie, die der Autonomie katholischer Laien oft kritisch gegenüberstand.

Die Frühgeschichte des Katholizismus, besonders in Frankreich von Anfang des 19. Jahrhunderts an gut zu erkennen, lässt die für die modernen politischen Strömungen seit Mitte des 18. Jahrhunderts charakteristischen Brechungen in einen konservativ-rechten, einen liberalen und einen sozial-linken Flügel erkennen.⁸ Diese Unterscheidung impliziert, dass auch innerhalb des Katholizismus verschiedene Ziele politisch umgesetzt werden sollen.

Ein tieferer Grund für diese Differenzierung liegt in der „Complexio Oppositorum" (Carl Schmitt) der katholischen Kirche.⁹ Sie kann sich grundsätzlich auch mit rechten Strömungen verbünden, sofern diese nicht zentrale Glaubensinhalte, etwa die Nächstenliebe und die universale Sendung, leugnen oder ausschließlich auf äußerlich-hierarchische Strukturen (bei gleichzeitiger Ignorierung dogmatischer Inhalte) rekurrieren. Letzteres ist der Grund für die Verurteilung der Action française 1926 durch den Heiligen Stuhl. Führende katholische Intellektuelle Frankreichs, etwa Jacques Maritain, distanzieren sich fortan von dieser radikal rechten Gruppierung. Hingegen verzichtet der Theologe und Jesuit Louis Billot aufgrund der seiner Meinung nach ungerechtfertigten Zensurierung monarchistischer Katholiken auf die Kardinalswürde, im 20. Jahrhundert ein einmaliger Vorgang. Nichtsdestotrotz kann die grundsätzliche Offenheit der Kirche gegenüber politischen Lehren auch zur Legitimierung einer rechtskatholischen Orientierung dienen.

Eine Rekonstruktion des Rechtskatholizismus, die dem Wesen des Katholischen gerecht wird,¹⁰ muss von folgender Frage ausgehen: Welche der oben erwähnten Prinzipien des konservativen Denkens sind nicht nur mit katholischen Grundsätzen bruchlos zu verbinden, sondern finden in Letzteren sogar noch spezifische Modi der Begründung?

Nehmen wir das Realitäts- und Erhaltungssystem, das dem Wortsinn („Bewahrung") dieser Strömung nahekommt. Es findet in der scholastischen Tradition der kirchlichen Lehre seine Entsprechung. Die solidaristische Doktrin, die einst für die katholische Soziallehre quintessenziell gewesen ist,¹¹ betont, angefangen von ihrem Begründer Heinrich Pesch bis zu seinen herausragenden Schülern Oswald von Nell-Breuning, Gustav Gundlach und anderen, die Verwurzelung des Sollens im Sein. Die Anknüpfung vornehmlich an Thomas von Aquin ist offenkundig. Demnach ist die Grundlage der katholisch-sozialphilosophischen Auffassung von Solidarität die Analyse des gesellschaftlichen Wesens; erst

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