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Die Liebe und das Leben: 3 romantische Romane

Die Liebe und das Leben: 3 romantische Romane

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Die Liebe und das Leben: 3 romantische Romane

Länge:
347 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 28, 2020
ISBN:
9781386877325
Format:
Buch

Beschreibung

Die Liebe und das Leben: 3 romantische Romane

Von Rowena Crane und Konrad Carisi

 

 

Dieser Band enthält folgende Romane:

Isabella oder der Schatz im Klavier (Konrad Carisi)

Ein schicksalhafter Sommer (Rowena Crane)

Keine Zeit für die Liebe (Rowena Crane)

 

Bevor Josephine für ein Jahr in die Staaten fliegt, um dort ein Praktikum zu absolvieren, will sie ein paar Wochen Sommer, Sonne und Strand mit ihrer Freundin Macy genießen.

In der ersten Zeit unternehmen sie viel.

Dann stimmt Josephine dem Bitten von Macy zu, auf eine Party auf einer Yacht zu gehen. Macy ist blind für alles um sie herum, während Josephine instinktiv die Gefahr spürt. Durch ein Unglück, bei dem Josephine fast stirbt, kommt es zwischen den Freundinnen zu einem ersten Streit.

Als ihr gemeinsamer Urlaub endet, verschwindet Macy plötzlich. Josephine macht sich große Sorgen. Auf der Polizei macht man ihr keine großen Hoffnungen, sie zu finden.

Und nun muss Josephine ihr Praktikum antreten. Sie lernt Richard kennen, den Mann ihrer Träume. Aber sie verbietet sich, ihn zu lieben … Denn zuerst muss sie Macy wiederfinden.

Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 28, 2020
ISBN:
9781386877325
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Die Liebe und das Leben - Rowena Crane

Publisher

Die Liebe und das Leben: 3 romantische Romane

Von  Rowena Crane und Konrad Carisi

––––––––

Dieser Band enthält folgende Romane:

Isabella oder der Schatz im Klavier (Konrad Carisi)

Ein schicksalhafter Sommer (Rowena Crane)

Keine Zeit für die Liebe  (Rowena Crane)

Bevor Josephine für ein Jahr in die Staaten fliegt, um dort ein Praktikum zu absolvieren, will sie ein paar Wochen Sommer, Sonne und Strand mit ihrer Freundin Macy genießen.

In der ersten Zeit unternehmen sie viel.

Dann stimmt Josephine dem Bitten von Macy zu, auf eine Party auf einer Yacht zu gehen. Macy ist blind für alles um sie herum, während Josephine instinktiv die Gefahr spürt. Durch ein Unglück, bei dem Josephine fast stirbt, kommt es zwischen den Freundinnen zu einem ersten Streit.

Als ihr gemeinsamer Urlaub endet, verschwindet Macy plötzlich. Josephine macht sich große Sorgen. Auf der Polizei macht man ihr keine großen Hoffnungen, sie zu finden.

Und nun muss Josephine ihr Praktikum antreten. Sie lernt Richard kennen, den Mann ihrer Träume. Aber sie verbietet sich, ihn zu lieben ... Denn zuerst muss sie Macy wiederfinden.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Isabella oder der Schatz im Klavier

von Konrad Carisi

Der Umfang dieses Buchs entspricht 95 Taschenbuchseiten.

Der Student Max lernt die Frau seines Lebens kennen, die Austauschstudentin Isabella, doch kann er ihr Herz gewinnen? Eine moderne Liebesgeschichte darüber, was wirklich wichtig im Leben ist.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Mein Name ist Maximilian. Die meisten kennen mich nur als Max.

Als das alles im Sommer 2016 beginnt, wohne ich in einer Wohngemeinschaft zusammen mit Katharina Hevel, die alle nur Kathi nennen. Wir studieren beide in Münster, einer Universitätsstadt in NRW.

Unser Freund Sebastian ist gerade vor wenigen Wochen ausgezogen; mit ihm haben wir die WG gegründet. Wir kennen uns alle drei schon lange, seit der Grundschule. Sebastian hat sein Studium dann doch wider Erwarten vor uns beendet, und wir beide sind nun noch übrig. Er hingegen hat nun einen Job in Thüringen gefunden, was bedeutet, dass er für uns erst mal aus der Welt ist. Da kann man sich zwar mal per Messenger schreiben, aber ein Vorbeikommen muss geplant werden.

Da die Mieten in Münster im Jahr 2016 keinesfalls erschwinglich sind, ist für uns also klar: Es muss ein Ersatz für Sebastian her. Die WG ist genau das Richtige zum Studium, in dieser Phase des Lebens, wo man gerade von zu Hause weg ist und vor den großen Herausforderungen des Lebens steht, wo man aber tragischerweise keine Ahnung hat, wie man ihnen begegnen soll. Wie entlüftet man eine Heizung, um dieses fiepende Geräusch loszuwerden? Wie geht eigentlich eine Waschmaschine an und wer zur Hölle trägt den ganzen Scheiß eigentlich, der in meinem Wäschekorb ist? Solche Fragen eben.

Nicht dass meine beiden Mitbewohner das alles hätten besser beantworten können als ich. Aber in einer WG ist man wenigstens zusammen ahnungslos und das ist doch schon mal etwas.

Es ist ein warmer Sommertag, als sie sich auf unsere Anzeige im Blättchen meldet. Vor ein paar Tagen hatten sich ein paar Leute gemeldet, die entweder ich oder Kathi nicht sympathisch fanden, und wir hatten uns darauf geeinigt, dass wir beide sofort einen Draht zu unserem neuen Mitbewohner haben wollen. Nur jemand, den wir beide sofort mögen, kann es werden.

So sitzen also Kathi und ich am Küchentisch, jeder von uns eine Tasse schwarzen Assam-Tee vor sich, und warten.

Den Tee hat Kathi als Vollblut-Ostfriesin aus Aurich besorgt. Wegen ihr ist immer guter Schwarztee im Haus und ich habe inzwischen sogar gelernt, dass der Bruchzucker Kluntjes heißt. Sie musste in jungen Jahren leider mit ihren Eltern zusammen dort weg und damit zu uns ziehen, doch im Herzen ist sie immer an der Küste geblieben.

Dann klingelt es an der Tür. Kathis Blick sagt mir, dass ich öffnen soll. Ich füge mich in mein Schicksal, gehe zur Tür und öffne.

Ich sehe in die wundervollsten braunen Augen, die ich je gesehen habe. Sie sind wie schillernde Seen und ich bin mir sicher, dass an ihrem Grund ein Schatz verborgen sein muss, wenn sie nicht selbst Edelsteine sind.

„Buenos dias. Mein Name ist Isabella Guadalupe Lopez. Ich bin wegen des Zimmers hier", sagt die Frau, die vor der Tür steht. Sie hat einen leichten, aber eindeutig hörbaren spanischen Akzent. Zu den Augen gehört eine Frau mit leicht dunkelhäutigem Teint in einem Sommerkleid, das ungefähr die Farben eines Obsttellers abdeckt. Das Batikmuster lässt die Farben sanft ineinander übergehen, der Schnitt des Kleides ist eng und betont ihre Figur. Ihre Haare sind lockig und stehen leicht ab. Es ist eine regelrechte Löwenmähne.

Sie gibt mir die Hand. Ich ergreife die Hand mehr aus Reflex als bewusst und schüttele sie. Isabella hat einen kräftigen Händedruck und ein offenes Lächeln, das regelrecht entwaffnend wirkt. Einen Kurzschluss hat es zwischen meinen Ohren jedenfalls erreicht. Sie ist einen halben Kopf kleiner als ich und trägt zum Kleid unpassende robuste Halbstiefel. Dass sie kleiner als ich ist, fällt mir aber durch die Löwenmähne nicht sofort auf. Kurz versinke ich in ihrem Lächeln, dann fange ich mich endlich und mein Verstand scheint den Neustart durchgeführt zu haben.

„Hi, mein Name ist Max, sage ich viel zu spät und finde wieder den Faden, „komm bitte rein.

Ich atme einmal tief durch und versuche nicht zu genau auf die sich unter dem Kleid abzeichnende Hüfte zu achten, als sie an mir vorbeischreitet. Das ist nicht leicht.

Ich führe sie zu Kathi in die kleine Küche, was nicht schwer ist. Die Küchentür ist immer offen und es ist die erste Tür rechts nach dem Betreten der Wohnung.

„Auch einen Tee?", fragt diese, nachdem sie sich vorgestellt hat. Isabella nickt.

„Gerne."

Während sie einen neuen Tee mit dem noch heißen Wasser aufgießt, beginnt das Abklopfen unserer möglichen neuen Mitbewohnerin. Kathi fragt: „Was studierst du so?"

„Biologie und Chemie, erklärt sie. „Ich komme aus Kuba, wie man sicher hört. Ich studiere erstmal ein Semester hier im Ausland, vielleicht mehr. Es ist im Rahmen eines Austausches.

„Für eine gebürtige Kubanerin sprichst du aber extrem gut Deutsch. Ich glaube, mein Schulspanisch ist nur halb so gut", bemerke ich und sie lächelt.

„Meine Oma kam aus der DDR und mein Vater war mehrmals dort, vor dem Zusammenbruch."

„Ich wusste gar nicht, dass wir mit Kuba überhaupt einen Austausch machen", sagt Kathi. Isabella lächelt.

„Eigentlich auch nicht als großes Programm, aber es können Genehmigungen gemacht werden. Die Uni besitzt ja eine Selbstverwaltung. Was studiert ihr so?"

„Archäologie im Master, aber ur- und frühgeschichtliche, und Max studiert Kulturanthropologie", erklärt Kathi und ich nicke zur Bestätigung ihrer Worte.

„Archäologie ... was macht Ur- und Frühgeschichte aus?", fragt Isabella neugierig.

„Dass sie als Disziplin nach der Archäologie, die sich mit den Römern und Griechen beschäftigt, gegründet wurde. Das heißt, man macht den Rest, Neolithikum, also Steinzeit, ebenso wie Kelten und Mittelalter. Sie zuckt die Schultern. „Im Grunde alles außer antike Griechen und Römer.

Isabella lacht. „Anthropologie kenne ich, das ist so ähnlich wie Ethnologie, oder?"

Ich nicke. „Ja, so ähnlich", sage ich und höre, wie tausende Generationen von Fachvertretern, die vor mir lebten, in weiter Ferne aufschreien. Aber für eine Außenstehende, finde ich, passt es.

Wir unterhalten uns noch etwas weiter, bis wir ihr das Zimmer zeigen, das durch Sebastian frei geworden ist.

Unsere Wohnung ist nicht groß. Kommt man durch die Wohnungstür in den Flur, der eher ein breiter Raum ist, gehen nach rechts die Türen für Küche und Bad ab, während vor Kopf zwei Zimmertüren liegen und links eine dritte, in diesem Fall das freie Zimmer.

Nachdem Isabella sich alles angesehen hat, stellt sie noch einige Fragen. Anschließend verabschieden wir sie. Schon als Kathi die Tür geschlossen hat, frage ich: „Und, wie findest du sie?"

Kathi grinst mich an. „Dir gefällt sie?", erwidert sie meine Frage mit einer Gegenfrage. Ihr Blick ist forschend.

Ich zucke die Schultern und gehe in die Küche, vornehmlich, um mir einen Kaffee aufzusetzen, den ich mir mit zum Arbeiten an der Masterarbeit nehmen kann, eigentlich aber, damit sie meine rot werdenden Ohren nicht sieht.

„Du hast nicht geantwortet, Maximilian", sagt Kathi und folgt mir. So leicht lässt sie mich allgemein nicht vom Haken.

„Sie ist sympathisch, man kann das sicher gut mit ihr aushalten", sage ich diplomatisch.

Kathi mustert mich und ich setze meine beste Unschuldsmiene auf.

„Wehe, du willst sie nur, weil du scharf auf sie bist", sagt sie und bohrt ihren Zeigefinger in meine Brust.

Ich zucke kein bisschen, als ich erwidere: „In knapp einem Jahr bin ich mit allem durch und gehe dahin, wo ich Arbeit finde. Also ist dein Votum eh mehr wert als meines."

Sie wird vermutlich etwas länger als ich brauchen, allein schon, weil ihr Masterarbeitsthema aufwendiger ist und zudem, weil sie noch ein Praktikum im Sommer einschieben muss, das sie bisher nicht geschafft hat. Da Archäologen als Praktika nun mal auch graben müssen, schränkt das die Zeit ein, in der ein Praktikum absolviert werden kann.

Sie merkt nicht, dass ich ihre Frage nicht beantwortet habe. „Hast recht. Ich mag sie, also von mir aus können wir es mit ihr versuchen. Sie sagte, sie bleibt für ein Jahr in Deutschland, mit Option auf zwei Jahre. Das würde ja gut zu unserer Situation passen."

„Stimmt", sage ich und setze Kaffee auf.

Ich frage Kathi gar nicht erst, ob sie welchen will. Sie kann ganze Kannen schwarzen Tee trinken, aber Kaffee mag sie nicht.

Während die Maschine anfängt, ihre gurgelnden Geräusche zu machen, sagt Kathi: „Dann ruf ich sie morgen an und sag ihr, sie darf einziehen? Heute will ich sie nicht anrufen, sie soll nicht denken, dass wir keine anderen angesehen haben. Sie soll schon denken, dass wir wählerisch sind." Sie muss lauter werden, um die alte Maschine zu übertönen.

„Tu das, sage ich. „Ich muss heute noch zusehen, dass ich Philippe Ariès‘ ‚Geschichte des Todes‘ durchbekomme, also entschuldige mich. Ich muss lesen.

So war es entschieden. Isabella trat in mein Leben. Ich wusste nicht, was noch kommen sollte.

2

„War der Urlaub denn teuer?", fragt meine Oma und ich schüttle den Kopf. Heute ist ein guter Tag, sie ist ziemlich klar.

„Maximilian, ist denn noch was vom Gold übrig?", fragt sie.

Ich werfe eine Blick zu meinem Bruder Sven, der auf der anderen Seite des Tisches sitzt.

„Welches Gold, Oma?", frage ich.

„Der Goldbarren, den Opa mit nach hier brachte, als ihr ‘45 fliehen musstet?, hilft Sven. Wir sitzen an dem kleinen Tisch im Apartmentzimmer meiner Oma im Pflegeheim. „Der ist doch ausgegeben worden, für eure neue Existenz.

„Ach ja, ja", sagt Oma nun. Seit sie dement ist, springt sie oft von Thema zu Thema und auch das, was eben noch präsent war an Fakten, ist schon wieder weg. Sie ist manchmal auch in ihrer Erinnerung, fragt, wo Opa sei.

„Aber das im Klavier, das ist doch noch da?", sagt sie auf einmal.

„Was?"

„Na, mein Schwiegervater hat damals schon zur Machtergreifung angefangen, Geld in Gold zu tauschen. Mit Kriegsbeginn hat er das dann intensiviert. Er hat nicht geglaubt, dass die Nazis es lange machen, und er wollte bereit sein."

„Ja, ihr habt zwei Goldbarren in einem Fach im Koffer mitgenommen, als ihr das Rittergut in Pommern aufgeben musstet, stimmt Sven zu. „Das war aber in einem Koffer, nicht in einem Klavier.

„Nein, ich bin sicher, dass es in einem Klavier war. Es hatte einen doppelten Boden. Es war von Schimmel, kein Piano ... sollte es nicht bald Essen geben?"

„Das gab es vorhin schon, Oma, sagt Sven und lächelt freundlich. „Rouladen gab’s. Darum haben wir auch gerade noch ein Stück Kuchen zusammen gegessen.

Er deutet auf die leeren Teller vor uns. Ich habe den Kuchen mitgebracht. Sven und ich besuchen unsere Oma so oft es geht, meist einmal im Monat zusammen.

„Ah, ja, ja ..."

Sie sieht mich an. „Sag mal, Karl, was machst du mit deinen Haaren? Das sieht nicht gut aus."

„Hast recht", sage ich und werfe meinem Bruder einen Blick zu.

Sie hält mich für unseren Vater. Manchmal hat sie das, dann ist es oft vorbei. Dann ist sie ganz in der Vergangenheit und man kann sich kaum mit ihr unterhalten.

„Wollte Viktoria nicht noch vorbeikommen?", fragt meine Oma nun.

„Nein, heute nicht, erwidert Sven. „Aber du hast nachher noch einen Termin zur Massage, wegen deines Rückens. Das steht heute noch an.

„Ach ja ... Das ist diese Polin, die das macht. Die hat sehr schön warme Hände und die ist kräftig. Traut man dem dürren Ding gar nicht zu. Sie sieht Sven an. „Die wäre doch was für dich. Ist im richtigen Alter, um eine Familie zu gründen, und sie hat nie einen Ring um.

Sven wirft mir einen Blick zu, der nach Hilfe ruft. Ich hebe nur die Augenbrauen und sehe ihn fragend an. Na, wäre die nicht was?, sage ich mit meinen Augen.

Sven schnaubt leise, bevor er antwortet.

„Nein, danke, Oma. Ich denke, meine Freundin hätte da was gegen, wenn ich einfach eine andere Frau heirate."

„Du hast eine Freundin?", fragt sie.

„Ja, Aslihan, die mit den kurzen roten Haaren. Du hast sie an deinem letzten Geburtstag kennengelernt", erwidert er. Er unterschlägt, dass Oma Aslihan auch schon vorher getroffen hat. Aber es nützt nichts, mit ihr darüber zu diskutieren, dass sie etwas vergessen hat. Es sorgt ja nicht dafür, dass sie es wieder weiß. Man streitet ja auch nicht darüber, ob einem etwas runtergefallen ist. Nun liegt es da, man muss es wegräumen.

„Ach ja", sagt Oma und ich bin mir nicht sicher, ob sie weiß, wer gemeint ist, oder nur so tut.

„Na ja, dann erzählt mal, was macht ihr beiden aktuell so?"

Sven wirft mir einen Blick zu. Das haben wir heute schon erzählt. Da ich ihm gerade nicht geholfen habe, bin ich jetzt dran und erzähle ihr nochmal, was ich aktuell für meine Masterarbeit mache.

3

Einige Tage vergehen, werden zur ersten Woche.

Wir sitzen in der Küche, die bedeutend tiefer ist als breit. Dennoch, so gerade geht es um unseren kleinen Tisch herum auch zu dritt.

Isabella reicht mir das Brötchenmesser.

„Danke, dass du mir geholfen hast mit dem Prüfungsamt", sagt sie in diesem Moment zu Kathi.

„Kein Problem, das ist wie eine deutsche Behörde. Glaub mir, da braucht man jahrelanges Training, um alles sofort so hinzubekommen, wie man will."

Ich schmunzle und bastle mir mit Remouladensauce, Kochschinken und Salat ein aufwendigeres Frühstücksbrötchen.

Ich bemerke Isabellas Blick.

„Soll ich dir was abschneiden?"

„Gern", sagt sie und ich halbiere das Brötchen.

An Brötchen musste sie sich erst gewöhnen, entsprechend probiert sie aktuell alle Kreationen durch, die Kathi und ich sonst so gern essen. Von Kathi hat sie inzwischen gelernt, dass man Camembert auch mit Preiselbeermarmelade essen kann. Erst dachte unsere neue Mitbewohnerin allerdings, Kathi will sie verarschen.

„Liest du eigentlich auch privat?, frage ich Isabella nun. „Ich meine, bisher hab ich dich nur Fachtexte lesen gesehen.

„Ich muss einiges ... nicht aufholen, aber ... einarbeiten? Reacondicionamiento ... nein, aufarbeiten, sagt sie. „Bei vielen Wörtern kenne ich nur das spanische und manchmal das englische. Es ist eine Sache, in Deutsch etwas einzukaufen und eine andere, Fachtexte zu lesen.

„Stimmt natürlich, sage ich. „Aber ich wollte eigentlich wissen, was du zur Unterhaltung liest.

„Achso, sagt Isabella. „Hemingway, Jack London ... Mein Vater arbeitet im diplomatischen Dienst und ist ein Jack London-Fan. Ich habe deswegen viele amerikanische Autoren gelesen, auch wenn das von manchen nicht gern gesehen wird.

„Hat Hemingway nicht auf Kuba gewohnt?", fragt Kathi.

„Ja, wir haben ein wunderschönes Museum aus seinem Haus gemacht", sagt Isabella und beißt in das Brötchen.

Sie wirkt nachdenklich, während sie kaut. Beim zweiten Bissen, sieht sie aus, als würde es ihr schmecken.

„Was liest du so?, fragt sie mich. „Dass Kathi gerne Animes liest, weiß ich ja inzwischen.

„Mangas, korrigiert sie Kathi pikiert. „Mangas sind die Bücher, Animes die Filme.

„Also, ignoriere ich Kathis Einwurf, „aktuell viel für die Masterarbeit zu Totenritualen. Aber privat gern Science-Fiction.

„Ich hab ein paar Bücher dabei, sollen wir tauschen?, fragt mich Isabella. „Ich bin sehr daran interessiert, was ihr so lest. Du leihst mir eins aus, ich dir eins?

„Gern", sage ich.

Nach dem Frühstück bekomme ich von Jack London ‚Wolfsblut‘, während sie von mir Stan Nicholls’ ‚Der Magische Bund‘-Trilogie bekommt.

Kathi entscheidet sich für Hemingways ‚Der Alte Mann und das Meer‘ und schafft es, Isabella dazu zu überreden, ihre geliebten Animes zu schauen. Als ich an Kathis Zimmer vorbeigehe, ruft sie mich. Kathi sitzt vor dem Fernseher, gemeinsam mit Isa.

„Willst du mitschauen?", fragt Isabella von Kathis Schlafcouch aus. Der gegenüber steht ein beachtlicher Flachbildschirm. Es ist der alte von Kathis Vater. Dieser hat den Auszug seiner Tochter genutzt, ihn ihr zu schenken, was den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass er sich einen neuen kaufen konnte. Kathi lacht über Isabellas Frage.

„Nein, Animes schaut er nicht. Ist ihm zu sehr Kinderkram. Dabei wäre die Serie was für dich", sagt sie.

Mein Reflex ist, nein zu sagen, doch ich überlege kurz und setzte mich dann zu den beiden aufs Sofa. Links von mir sitzt nun Kathi und rechts Isabella. Unsere Beine berühren sich, während Kathi im Schneidersitz sitzt und etwas weiter von mir wegrutscht.

„Por qué ... hmm. Wieso schaust du keine Animes?, fragt Isabella neugierig. „Ich habe letzte Woche zufällig Kathi dabei gestört und sie hat mich eingeladen mitzusehen. Manches ist seltsam, aber ich finde, es gibt schöne Geschichten. Die sind nicht nur für Kinder.

„Was schaut ihr denn?", frage ich und weiche Isabellas Frage aus. Zugegeben habe ich mich nie sonderlich mit Kathis Liebe für japanischen Zeichentrick beschäftigt, weniger weil ich Vorurteile habe, sondern weil das, was sie mir früher gezeigt hat, einfach nicht meins war oder vollkommen bescheuert.

„Black Lagoon", sagt Kathi und startet die Folge.

Wir sehen die nächsten Stunden ohne große Pause die gesamte Serie. Keiner von uns muss heute zur Uni. Kathi und ich haben eh nur noch wenige Veranstaltungen, ich bin ja nur noch mit meiner Masterarbeit beschäftigt und muss deswegen nur regelmäßig zum Institutskolloquium, während Kathi nur eine Veranstaltung hat und natürlich ihr Grabungspraktikum.

Es wird bereits dunkel draußen, als wir fertig sind und ich mit gemischten Gefühlen zurückbleibe. Es hat mir gefallen. Nebenbei ist Isabella nicht weggerückt, wir sitzen noch immer ziemlich nahe. Sie riecht angenehm fruchtig, allerdings kann ich nicht genau sagen wonach. Wirklich danach schnüffeln geht schlecht, ohne echt seltsam zu wirken.

„Mehr Folgen gibt es nicht?", frage ich Kathi. Isabella steht auf und streckt sich, bevor sie auf die Toilette eilt.

„Nein, aber ein paar Bände des Mangas sind nicht verfilmt. Die kann ich dir ausleihen."

„Hmm", brumme ich und weiß, dass ich dafür vermutlich eh keine Zeit habe in den nächsten Monaten.

4

„Ach, was ist das denn für eine Unordnung?, sagt Oma, als sie vom Tisch aufsteht und an ihrer Kommode vorbeikommt. Darauf verteilt liegen lauter Schachteln und Dosen, Fotos, Postkarten und einige Notizbücher verstreut. „Wart ihr das?

„Nein, das war schon so, als wir gekommen sind", erkläre ich.

„Hmm, brummt unsere Oma und schaut mich und Sven streng an. „Na, dann war es vielleicht eine vom Personal. Wenn sie klauen wollten, da ist nix. Das hab ich gut versteckt. Muss man aufpassen, die haben hier einige Polen arbeiten.

Sven will etwas sagen, doch er schweigt, als sich unsere Blicke treffen. Die Diskussion müssen wir jetzt nicht führen, denke ich.

Für sie sind „die Polen" immer eine Gruppe, die man kritisch beäugen muss, so wie früher auf dem Rittergut. Ein Teil von ihr hat, glaube ich, auch nie verwunden, dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden, mit nicht mehr Besitz als dem, was sie tragen konnten.

Ich glaube, für eine junge Frau ist das auch etwas, das sich einbrennt. Das Leid des Zweiten Weltkriegs ist dann für sie nur abstrakt gewesen, aber die Enteignung wird persönlich genommen.

„Na ja, brummt sie, während sie die Fotos wieder wegräumt. „Ah, schaut mal.

Sie bringt eine Dose Fotos mit und setzt sich wieder zu uns. „Da haben wir früher gelebt, erklärt sie. „Ich war ja noch eine junge Frau, fast ein Mädchen. Damals war man ja erst viel später volljährig, erklärt sie und reicht uns Fotos. „Das hier, sagt sie dann und reicht andere Fotos, „das ist bei meiner Mutter. Ihre Eltern hatten ein großes Stadthaus in Reval. Da kam sie her, sie war eine Deutschbaltin. Wir haben damals einige Wertsachen dort versteckt. Auf dem Gut in Pommern waren die nicht sicher. Reval hatte aber einen wichtigen Hafen und mein Vater wurde dann ja doch noch zum Kriegsdienst eingezogen. Er war Offizier im Zweiten Weltkrieg, aber weil er gegen die Nazis war, hat man ihn erst spät einberufen. Sie seufzt und holt weitere Fotos aus der Dose.

„Er mochte Hitler nicht. Keine ehrbare Familie ... dem Kaiser war er in den Ersten Weltkrieg gefolgt, aber einem österreichischen Taugenichts, dem konnte er nichts abgewinnen."

Die Geschichte kenne ich ein wenig, auch von meinem Vater, der ja noch sehr viel mehr mit meiner Oma und meinem Opa erlebt hat. Meine Urgroßeltern, die Eltern meiner Oma, waren Monarchisten, die mehr ein Problem mit der Herkunft der Nazi-Elite hatten als mit der faschistischen Ideologie. Aber bei Staufenberg wird ja auch oft vergessen, dass er mitnichten eine parlamentarische Demokratie errichten wollte durch den Sturz Hitlers. Meistens gibt es wenig Schwarz und Weiß, aber viel Grau.

„Hier, das ist das alte Klavier, sagt sie. „Da ist auch das Wappen der Sabiles drauf, unser Schiff. Wir waren immerhin immer im Handel tätig. Sabile ist ihr Mädchenname, das Rittergut hieß ebenfalls so.

„Ist das das Klavier mit dem Gold?", frage ich. Sie schaut mich erst irritiert an, dann nickt sie.

„Ja, ja. Aber wir haben es dagelassen, erinnert sie sich diesmal. „Wir konnten nur ein wenig mitnehmen, das wir im Koffer eingenäht hatten. Goldbesitz war unter den Nazis nicht gewollt, aber mein vater hat mühevoll alles in einem doppelten Boden versteckt, im Klavier. Er hat immer gewusst, dass der Krieg nicht gut enden würde. Er war so traurig, als sie ihn eingezogen hatten. Sie sieht nachdenklich auf die Fotos. „Er hatte dieses Zittern, bei Gewitter. Kriegszittern nannten wir das immer. Wenn es donnerte, dann ging er manchmal in den Keller, wo man es nicht so hörte. Mama sagte immer, dass er dann zu sehr an den Ersten Weltkrieg denken musste. Sie ist dann oft zu ihm in den Keller gegangen.

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