Erfreu Dich an Millionen von E-Books, Hörbüchern, Magazinen und mehr

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Trilogie-Gesamtband - Mein Blutsbruder

Trilogie-Gesamtband - Mein Blutsbruder

Vorschau lesen

Trilogie-Gesamtband - Mein Blutsbruder

Länge:
369 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Dez. 2020
ISBN:
9781393260394
Format:
Buch

Beschreibung

Winnetou, Häuptling der Apachen, verfolgt in den Wirren des Amerikanischen Bürgerkrieges noch immer Santer, den Mörder seines Vaters Intschu-tschuna und seiner Schwester Nscho-tschi. Aber es ist Old Shatterhand, der nach monatelanger erfolgloser Suche durch einen Zufall auf Santers Spur stößt.

Er nimmt die Verfolgung quer durch die vom Bürgerkrieg aufgewühlten Staaten auf. Doch sein Weg wird von Überfällen und Blutvergießen geprägt und hinter jeder Ecke scheint ein Feind zu lauern, der nach seinem Leben trachtet, denn Santer hat inzwischen mächtige Verbündete um sich geschart, die nicht davor zurückschrecken, den Stamm der Apachen und alle die ihm, Santer, in die Quere kommen, zu vernichten …

Herausgeber:
Freigegeben:
15. Dez. 2020
ISBN:
9781393260394
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Trilogie-Gesamtband - Mein Blutsbruder

Mehr lesen von Tomos Forrest

Buchvorschau

Trilogie-Gesamtband - Mein Blutsbruder - Tomos Forrest

Mein Blutsbruder

Mörderjagd im Apachenland

Trilogie-Gesamtband

von Tomos Forrest

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Kathrin Peschel nach einem Motiv von Klaus Dill, 2020

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Klappentext:

Winnetou, Häuptling der Apachen, verfolgt in den Wirren des Amerikanischen Bürgerkrieges noch immer Santer, den Mörder seines Vaters Intschu-tschuna und seiner Schwester Nscho-tschi. Aber es ist Old Shatterhand, der nach monatelanger erfolgloser Suche durch einen Zufall auf Santers Spur stößt.

Er nimmt die Verfolgung quer durch die vom Bürgerkrieg aufgewühlten Staaten auf. Doch sein Weg wird von Überfällen und Blutvergießen geprägt und hinter jeder Ecke scheint ein Feind zu lauern, der nach seinem Leben trachtet, denn Santer hat inzwischen mächtige Verbündete um sich geschart, die nicht davor zurückschrecken, den Stamm der Apachen und alle die ihm, Santer, in die Quere kommen, zu vernichten ...

***

Mein Blutsbruder: Mörderjagd im Apachenland

Trilogie Teil 1 – Ein genialer Erfinder

––––––––

Prolog

Einige Zeit wehrte ich mich dagegen, aufzuwachen. Noch umfingen mich die letzten Traumbilder, und die waren einfach zu schön, um jetzt die Augen aufzuschlagen. Die Nacht war ziemlich kühl geworden, und ich hatte mich fest in meine Decke gewickelt. Geräusche nahm ich wahr, weigerte mich aber, die Augen aufzureißen, denn da war nichts Bedrohliches. Erneut schaukelten vor meinen Augen trügerische Bilder, und ich glaubte, die Stimmen wieder zu hören, die ich damals als kaum zwölfjähriger Junge vernommen hatte.

Eine Wiese in meiner Heimat war frisch gemäht worden, und ich hatte mich in das ausgebreitete Gras an diesem heißen Tag geworfen, in den strahlend blauen Himmel geschaut und war schließlich eingeschlafen.

„Seht mal den Karl! Er sieht einfach süß aus, wenn er so schläft!", flüsterte eine Stimme in meiner unmittelbaren Nähe, und auch damals wagte ich es nicht, die Augen zu öffnen.

„Ich liebe es, wenn seine Haare in die Stirn fallen und ihm ein verwegenes Aussehen geben!", antwortete ebenso leise eine zweite Stimme, und eine dritte ergänzte:

„Wie ein schlafender Engel. Ich wecke ihn jetzt mit einem sanften Kuss auf die Stirn!"

Und wie durchjagte mich ein seliger Schauer, als ich plötzlich zwei warme Lippen auf meiner Stirn fühlte und den Atem anhielt, um diesen Moment nie mehr vergehen zu lassen.

Dann aber kicherten die drei Mädchen aus Ernstthal so laut, dass ich mich unmöglich länger schlafend stellen konnte. Als ich nun die Augen aufriss und mich aufrichtete, liefen die drei laut lachend davon.

Ich war wie in einem Zauber gefangen.

Anne, Leona und Emma waren in meinem Alter, und es war noch gar nicht so lange her, da hatten wir gemeinsam gespielt. Ja, es ging immer um ein Familienspiel, und ich war der einzige Junge, der bereit war, mit allen drei Mädchen und ihren Puppen zu spielen. Vater, Mutter und Kind nannten wir in kindlicher Unschuld das Spiel, bei dem ich einen einfachen Kasten, unter den einer der Väter ein Gestell mit vier Rädern montiert hatte, schieben musste. Die Puppen waren recht armselige Geschöpfe, aus Lumpen zusammengedreht, mit aufgenähten Augen-, Mund- und Nasenstrichen das Gesicht geformt. Aber seltsam: die Mädchen stritten sich nie darum, wer meine Frau sein durfte – sie waren es auf rührende Weise alle drei zugleich, und einträchtig zogen wir durch das Dorf. Ich mied dabei alle Wege, wo ich meine Kameraden antreffen musste, aber auf die Dauer konnte ich nicht vermeiden, dass es zu einer Begegnung mit meinen Spielkameraden aus Ernstthal kommen musste.

Plötzlich umringte mich eine johlende Jungenbande, unter denen sich auch zwei Mitschüler befanden. Ich fühlte deutlich, wie ich vor Scham knallrot anlief, denn natürlich machten sich die anderen Jungen über mich lustig.

Es kam, wie es kommen musste.

Ein Wort gab das andere, und schließlich konnte ich mir deshalb Respekt verschaffen, weil ich kurzerhand den Wortführer, den großen und kräftigen Rüdiger, in den Schwitzkasten nahm und er schließlich um Gnade flehte, damit ich ihn endlich wieder frei ließ. Seit dieser Zeit wurde aber kein weiterer Versuch unternommen, mich lächerlich zu machen – man sah sich vor. Ich hatte zwar nicht die breiten Schultern wie viele meiner Mitschüler, war durch die karge Kost in unserem Weberhaus eher mager und klein, aber ich hatte Kraft und war sehr behände bei den Kämpfen, sodass man mich bald respektierte.

Kurzum, ich vermeinte, die Stimmen meiner drei Damen zu hören, und tatsächlich spürte ich gleich darauf etwas Warmes und Weiches auf meiner Stirn. Doch jetzt gab es kein Halten mehr für mich.

Ich sprang mit einem Satz auf und verschreckte dadurch die braune Stute, die ich mir für diesen Ritt gekauft hatte. Sie machte einen größeren Schritt von mir fort, soweit sie ihre gefesselten Beine trugen.

Westmänner nennen diese Art anhobbeln. Man bindet den Pferden die Vorderbeine so zusammen, dass sie nur kleine Schritte machen können und sich beim Weiden nicht allzu weit vom Lagerplatz fortbewegen. Anne hatte ich die Stute nach dem Kauf in San Diego getauft. Das war sicherlich unwillkürlich geschehen, aber nach diesem Wachtraum kannte ich den Grund. Die gute Anne aus Ernstthal hatte immer ein etwas längliches Gesicht und wurde oft mit der wenig schmeichelhaften Bezeichnung Pferdegesicht gehänselt. Dabei waren ihre dunklen Augen immer auf ganz besondere Weise geheimnisvoll. Ach ja, wir Kinder konnten schon sehr gemein sein!

Ich sah mich um und erkannte nun den Zusammenhang zwischen Traum und Erwachen.

Die Stute Anne hatte mich offenbar wecken wollen und dabei sanft mit ihren weichen Lippen an meinem Stirnhaar geknubbert. Jetzt spürte ich auch die Feuchtigkeit der Pferdelippen und wischte mir angeekelt über die Stirn. Doch ein Blick in ihre seelenvollen, dunklen Augen, und ihre Namensgeberin mit dem länglichen Pferdegesicht, den ausdrucksvollen Augen und den langen Wimpern schien mich anzublicken.

Ich lachte laut heraus und erschreckte die Stute damit noch mehr. Ein ausgedehntes Recken und Strecken entspannte meine etwas erstarrten Glieder, und mein Blick fiel über die karge Umgebung, in der ich erneut eine Nacht verbracht hatte.

Dann begann ich damit, mein kleines Feuer erneut anzufachen. Holz hatte ich unterwegs mitgenommen, wo ich es fand, denn die Sierra bietet nur wenig Baumbestand und ist über weite Strecken unwirtlich und karg. Stahl und Zunder führte ich zusammen mit dem Feuerstein immer in einem kleinen Beutel mit mir, und wenn es zu feucht wurde, musste ich zusätzlich etwas Schwarzpulver verwenden, wenn ich ein Feuer entfachen wollte. Doch diese Gefahr bestand schon seit Wochen nicht mehr. Ich befand mich in einem Gebiet, das in den letzten Wochen durch eine andauernde, große Hitze vollkommen ausgetrocknet war und Mensch wie Tier das Leben zur Qual machte. Um zu verstehen, was mich in diese Öde verschlagen hatte, muss ich in meiner Erzählung einige Zeit zurückgehen und bitte den Leser, mir zu folgen.

1.

Der Leser meiner Abenteuer wird sich erinnern, dass Winnetous Vater Intschu-tschuna, der weise, große Häuptling der Apachen, und seine schöne Tochter Nscho-tschi von dem Verbrecher Santer erschossen wurden. Seit dieser Zeit waren Winnetou und ich den Spuren des Mörders gefolgt, die jedoch in der kargen Felsen- und Wüstenlandschaft nur äußerst schwer zu erkennen waren. Auch das geschulte Auge Winnetous versagte am Ende, wir hatten die Spur verloren und mussten uns schließlich eingestehen, dass dieser furchtbare Mensch uns zunächst entkommen war.

Damals konnte ich Winnetou mit viel Überzeugungskraft davon abhalten, einen Krieg gegen alle weißen Siedler zu beginnen. Von Schmerz und Trauer um die lieben Toten erfüllt, begann er seinen Schwur mit den Worten: „Ich schwöre bei dem großen Geiste und bei all meinen tapferen Vorfahren, welche in den ewigen Jagdgründen versammelt sind, dass ich von heut an jeden Weißen, jeden, jeden Weißen, der mir begegnet, mit dem Gewehre, welches der toten Hand meines Vaters entfallen ist, erschießen oder ..."

Ich unterbrach ihn an dieser Stelle, obwohl ich wusste, dass ich damit seinen Zorn auf mich ziehen konnte. Doch dann gab mein Blutsbruder nach, war bereit, meiner Bitte, die ich um der Liebe seiner Schwester Nscho-tschi äußerte, zu folgen. Er schloss seine Worte an mich damals mit den Sätzen: „Mein Bruder Old Shatterhand hat eine große Macht über die Herzen aller, mit denen er verkehrt. Nscho-tschi würde ihm seine Bitte gewiss erfüllen, und so will auch ich sie ihm gewähren. Erst dann, wenn mein Auge diese beiden Leichen nicht mehr sieht, mag es sich entscheiden, ob der Mississippi mit allen seinen Nebenflüssen das Blut der weißen und der roten Völker nach dem Meere führen soll. Ich habe gesprochen. Howgh!"

Er wollte zunächst die beiden Toten bestatten und schickte mich voraus, der Spur des Verbrechers zu folgen. Irgendwann führte sie nach Süden, und mein alter Gefährte Sam Hawkens vermutete, dass sich Santer zu den Kiowa flüchten würde. Tatsächlich entdeckten wir Santer bald darauf in einem Kiowa-Lager, doch wurde Sam von ihnen gefangen und ich befreite ihn mit einem Sprung zwischen die Feinde. Leider entkam im folgenden Getümmel der Mörder wieder und wandte sich mit den Kiowa zum Nugget Tsil, wo sie Winnetou eine Falle stellen wollten.

Das konnten wir verhindern, mussten noch einmal Sam Hawkens aus den Händen der Kiowa befreien und folgten schließlich der Spur Santers auf getrennten Wegen bis nach New Orleans. Erst nach mehreren Monaten trafen Winnetou und ich wieder im Lager der Apachen zusammen, ohne dass es einem von uns gelungen war, Santer zu stellen.

Ein politisches Ereignis sollte die Vereinigten Staaten in ein unübersehbares Chaos stürzen. Nach der Wahl des neuen Präsidenten Abraham Lincoln trat der Staat South Carolina aus der Union, andere folgten ihm – der Bürgerkrieg war nicht mehr abzuwenden und überzog das ganze Land mit einer blutigen Spur, in der es schwierig, wenn nicht sogar vollkommen unmöglich wurde, eigene Interessen zu verfolgen.

So schwer es mir auch fiel, ich konnte nicht länger gemeinsam mit Winnetou den Mörder jagen und entschloss mich schließlich zur Heimkehr nach Deutschland, wo ich im Frühherbst eintraf und meine Reiseerinnerungen niederschrieb, bevor ich eine Orient-Reise antrat, die mich fast zwei ganze Jahre von einem Abenteuer in das nächste stürzte, danach war ich in Russland unterwegs, und brach endlich erneut nach Nord-Amerika auf, um mich mit Winnetou zu treffen.

Ich war nach New Orleans zurückgekehrt, das durch die Entschlossenheit des Kommandeurs der Flottille, die im April des Jahres 1862 New Orleans angriff, in den Besitz der Union geriet. David Glasgow Farragut stammte eigentlich aus den Südstaaten, genauer gesagt, aus Tennessee. Aber er war vom Beginn des Krieges an auf der Seite der Union, und machte rasch bei der Marine Karriere.

So hoffte ich, trotz des Bürgerkriegs, problemlos in New Orleans Möglichkeiten zur Weiterreise in das Landesinnere zu finden, aber man riet mir davon allgemein ab. Lediglich eine Route über den Mississippi schien möglich, aber auch sehr gefährlich zu sein, denn jederzeit konnte man mitten in das Kriegsgeschehen geraten. Dann geschah etwas, das mir die Hoffnung verlieh, den Mörder Santer nach Jahren doch noch aufzuspüren und der verdienten Bestrafung zuzuführen.

Mit jedem Tag meines Aufenthaltes in New Orleans wuchs die Gefahr, zu erkranken. Erst im Jahre 1853 hatte es eine schwere Fieberepidemie gegeben, bei der etwa achttausend Menschen ums Leben kamen. Das war auch der Grund, weshalb viele Menschen, die es sich leisten konnten, die Stadt in den heißen Monaten verließen und nur wenige zurückblieben, die dem Gelbfieber trotzten. Ich hatte nicht vor, mich lange aufzuhalten, und hatte dann das Glück, einen alten Bekannten zu treffen.

Eigentlich geschah das wirklich zufällig, denn der gute Mann, Wirt eines deutschen Boarding-Hauses, bat mich auf eine Tasse Kaffee zu sich, als wir uns zufällig an der Levee von New Orleans über den Weg liefen. So folgte ich gern seiner Einladung und entdeckte bei dieser Gelegenheit einen groß aufgemachten Artikel in einer nur wenige Wochen alten Zeitung, der meine Neugierde weckte.

Längst war der Goldrausch in Kalifornien der großen Ernüchterung gewichen. Einige wenige waren sehr reich geworden, tausende anderer der hier aus allen Ländern zusammengekommenen Goldsucher jedoch elendig untergegangen. Der Sezessionskrieg ging an San Francisco nahezu spurlos vorüber, Kämpfe gab es an der Pazifikküste nicht, nur Kriegsgefangene wurden im Fort Point untergebracht. Ein paar Unentwegte gaben jedoch nicht auf, und drei Männern gelang plötzlich ein erneuter, sensationeller Goldfund am Sacramento River im Flussdelta des San Joaquin River in der Suisun Bay. Sie hatten einen aufgegebenen Claim übernommen und das mehrfach durchgesiebte Flussufer noch einmal umgeschaufelt. In einer sogenannten „Tasche" entdeckten die Goldsucher ein Goldnugget von ungewöhnlicher Größe, kurz darauf in einer weiteren Tasche am Flussgrund drei weitere, faustgroße Stücke sowie zahlreiche kleinere Nuggets.

Wie der Zeitungsbericht vermeldete, mussten sich die Männer auf ihrem Weg zurück in die Zivilisation mehrfach gegen die Suisunes-Indianer wehren, die ihnen über Tage hinweg folgten und sie dabei immer wieder beschossen. Schließlich gelang es nur einem einzigen Mann, San Francisco zu erreichen, wo er seinen Goldfund präsentierte und den Claim auf sich allein eintragen ließ.

Dieses Ereignis war nicht so ungewöhnlich, es hatte in den Jahren seit 1848 immer wieder überraschende Goldfunde in Kalifornien gegeben. Hier war die Größe der gefundenen Nuggets ausschlaggebend. Für mich allerdings war das Foto des stolzen Besitzers wesentlich ergiebiger, denn es zeigte einwandfrei den lange vergeblich gesuchten Santer. Unter dem Bild, das ihn zusammen mit dem größten Goldnugget zeigte, stand zudem sein Name einschließlich seiner abgekürzten Vornamen: Frederik W.A. Santer.

Mein Gastgeber starrte mich erschrocken an, als ich wie von der Natter gebissen aufgesprungen war und auf das Foto starrte.

„Ist alles in Ordnung?", erkundigte er sich schließlich besorgt, als ich mich nicht rührte, sondern den Artikel wieder und wieder überflog und schließlich einen Hinweis entdeckte, dass man in den nächsten Tagen weiter über diesen Sensationsfund berichten würde.

Wiederholt sich der Goldrausch? Wir berichten in der nächsten Ausgabe mehr über den Fundort!

Das konnte natürlich die Prahlerei des Redakteurs sein, der für sein Blatt Leser neugierig machen wollte. Für mich aber war es die erste Spur nach einer gefühlten Ewigkeit, der ich nachgehen musste.

„Gibt es noch ein Exemplar der folgenden Ausgabe?", erkundigte ich mich deshalb hastig und deutete auf den Artikel mit der dicken Überschrift.

„Ich glaube nicht, antwortete mein Gastgeber nachdenklich. „Ein paar Zeitungen habe ich inzwischen anderweitig verwendet, Sie verstehen schon ..., fügte er lächelnd hinzu. „Aber ich kann mich an diese Geschichte noch gut erinnern. In der nächsten Zeit wurde berichtet, dass es inzwischen Zweifel an der Geschichte dieses Santers gab, denn kaum war der Artikel erschienen, als auch schon eine Gruppe Goldsucher in das angegebene Gebiet aufbrach und auf halbem Wege fünf tote Indianer fand, die man erschossen und einfach am Weg liegen gelassen hatte. Auch das griffen die Zeitungen natürlich dankbar auf und schlachteten die Geschichte in verschiedenen Berichten aus, selbst hier in New Orleans war das Thema über Wochen aktuell."

Ich sah überrascht auf.

„Das ist interessant! Handelte es sich dabei um die erwähnten Suisunes-Krieger?"

„Vermutlich, soweit sich das noch feststellen ließ. Und wissen Sie, was das Seltsame war? Nur einer der fünf Toten hatte einen Bogen neben sich liegen, Pfeile wurden überhaupt nicht gefunden, und die anderen Männer waren lediglich mit einem einfachen Messer bewaffnet."

„Dann wurden sie also ermordet?", rief ich erregt aus, und mein Gastgeber nickte dazu bestätigend.

„Das nahm man an, aber als dieser Santer befragt wurde, schwor er Stein und Bein, dass seine Verfolger mit modernen Gewehren ausgestattet waren und zudem aus mindestens dreißig Kriegern bestanden, die ihn und die anderen Goldsucher mehrfach aus dem Hinterhalt unter Feuer genommen hatten. Dabei kamen seine Kameraden ums Leben, und nur er konnte sich mit knapper Not nach Frisco hinein retten."

„Danke!, antwortete ich hastig und nahm mein Bündel wieder auf. „Ich muss los, wenn es nicht schon wieder zu spät für eine Verfolgung ist. Immerhin ist dieser Artikel schon gut sechs Wochen alt und wenn man Santer erneut befragt hat, wird ihm der Boden in San Francisco zu heiß geworden sein.

„Wo wollen Sie denn hin?", rief mir der Mann verwundert nach, als ich meinen Hut aufsetzte, meine Gewehre aufgriff und zur Türe eilte.

„Hinunter zur Levee! Ich muss sofort in den Norden hinauf!"

„Unmöglich, Sir, der nächste Dampfer geht erst in drei Tagen ab! Und wie wollen Sie überhaupt nach Kalifornien gelangen? Es ist ein sehr weiter, gefährlicher Weg in Richtung Nordwesten, und Sie müssen dabei fortwährend Kriegsgebiet durchqueren!"

„Es bleibt mir leider nichts anderes übrig!", antwortete ich hastig, aber mein Wirt gab noch nicht auf.

„Leider ist es ja so, dass die Mündung des Mississippis von den Schiffen der Konföderierten blockiert wird, eine Reise durch den Golf ist damit unmöglich. Und überhaupt! Den Isthmus von Panama in dieser Jahreszeit zu überqueren dürfte derzeit auch unmöglich sein!"

„Genau deshalb will ich ja nach Norden. Es müsste mir doch gelingen, den Arkansas River zu erreichen und von dort weiterzukommen!"

„Aber, Sir, das wird auch nicht ..."

Damit war ich jedoch schon draußen, hörte seine Mahnungen nicht mehr und eilte zur Anlegestelle der Schiffe, wo sich Masten an Masten zu einem schier unübersehbaren Wald vereint hatten. Seit dem Goldrausch wuchs die Stadt von Woche zu Woche und dehnte sich immer weiter aus. Aber der Bürgerkrieg lähmte nun vieles, und während die Schiffe der Konföderierten den Mississippi unterhalb der Stadt blockierten, war die Fahrt dahinter auf dem Mississippi noch möglich, wie man mir mehrfach versicherte.

Zu meinem Glück entdeckte ich einen kleinen Segler, der mit Fracht in den Norden bereit zum Ablegen war. Gern nahm man mich als zahlenden Passagier auf, und ich fieberte dem Moment entgegen, in dem ich den Mississippi hinauffuhr und dabei durch die kriegsführenden Staaten musste. Es war ein wahnsinniges Unternehmen, und alle, denen ich davon bei meiner Suche nach einem Schiff erzählte, warnten mich vor den Folgen. Aber ich hörte auf niemanden, denn es gab keine andere Möglichkeit, nach San Francisco zu gelangen.

Die Zeit bis zum Auslaufen des Seglers nutzte ich noch, um meine alten Kontakte zu erneuern. Schließlich hatte ich nicht umsonst erfolgreich für die Detektei von Josh Tailor gearbeitet und auch meine Kontakte in New Orleans. Über den Telegrafen zog ich meine Erkundigungen ein und sorgte dafür, dass der gute alte Mr. Henry in St. Louis von meinem Vorhaben erfuhr. Auch wenn der Konstrukteur meines Henry-Stutzens sich ein wenig aus dem Geschäft zurückgezogen hatte und den Hauptteil der Arbeit seinem Partner Kasimir Obadja Timpe übertragen hatte, so war er doch, wie er mir erst vor ein paar Wochen in einem Brief versicherte, noch täglich in der Werkstatt. Er war für mich ein Anlaufpunkt, der auch gelegentlich von Winnetou aufgesucht wurde und damit eine Möglichkeit, meinem Blutsbruder eine Nachricht zukommen zu lassen.

Erstaunlich schnell kam die Antwort zurück, die mich ein wenig aufatmen ließ. Insgeheim dankte ich Präsident Lincoln dafür, dass er erst kürzlich das Military Telegraph Corps gründete und dafür sorgte, dass mehr als fünfzehntausend Meilen Telegrafenleitungen durch das Land verlegt wurden. Die eintreffenden Nachrichten meiner ehemaligen Kollegen bestätigten den Zeitungsbericht.

Ein gewisser Fred Santer hielt offenbar Hof in San Francisco, besaß dort einen der größten Saloons und galt als vom Glück begünstigter „Goldbaron", der von zahlreichen Menschen umschwärmt wurde und inzwischen das Stadtgespräch war. Ein Verfahren gegen ihn stellte man mangels Beweisen schließlich ein. Damit stand für mich fest, dass ich unter allen Umständen nach San Francisco musste, um dem mehrfachen Mörder Auge in Auge gegenüberzustehen und ihn schließlich der Gerechtigkeit zu übergeben.

Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Mein wackerer Segler nahm nun jeden Anlegepunkt auf seiner Fahrt mit, lud Fracht aus und neue ein, und so verbrachten wir viele Tage, die uns nur mühsam Meile für Meile dem Norden näher brachten. Bislang gab es noch keine Schwierigkeiten, aber am achten Tage meiner Reise waren wir kurz vor Vicksburg, als uns ein Schiff der Union anhielt.

Die Papiere wurden kontrolliert, es war alles einwandfrei, Konterbande für die Südstaaten hatten wir nicht an Bord. Der noch relativ junge Schiffsführer hütete sich, derart gefährliche Geschäfte in diesen unsicheren Zeiten zu machen. Allerdings wurde uns nun zum Kummer aller an Bord mitgeteilt, dass eine Weiterfahrt auf dem Mississippi nicht mehr möglich wäre, die Schiffe der Union seien auf dem Weg, weil man eine Auseinandersetzung mit dem Gegner erwarte. Vom Süden herauf sollten mehrere Schiffe der Konföderierten unterwegs sein, darunter auch die CSS Nashville, die man inzwischen mit Panzerplatten verstärkt und stärker bewaffnet hatte, was die Spione längst entdeckt und gemeldet hatten.

„Und glauben Sie mir ruhig, Mister, erklärte der Captain des Kriegsschiffes in aller Ruhe, „es haben schon viele versucht, bei Nacht an uns vorbei den Mississippi hinaufzufahren. Bislang haben es alle noch bereut.

„Wieso? Sie werden doch ein Handelsschiff nicht etwa versenken wollen?"

Der Captain strich sich mit einem Grinsen den Schnurrbart glatt und deutete ein Stück hinauf.

„Das ist nicht nötig, Mister. Wir haben dort an der schmalsten Stelle eine schwere, eiserne Kette gespannt. Es dürfte schwer werden, darüber zu rutschen."

„Ich bin verzweifelt – was soll ich jetzt mit meiner Fracht anfangen?"

„Tut mir wirklich leid!", antwortete der Captain, als das Beiboot vom Segler abstieß und wieder zurück zu dem Kriegsschiff gerudert wurde.

„Wenn wir doch wenigstens bis zum Arkansas River fahren könnten", sagte ein niedergeschlagener Bill West, wie sich der Schiffsführer nannte. Er stand mit hängenden Schultern vor mir, als die Soldaten sein Schiff wieder verlassen hatten und er nun einen Ankerplatz unterhalb der Stadt, an der Mündung des Yazoo River, eingenommen hatte.

Ich horchte auf, denn der Mann machte auf mich einen wirklich verzweifelten Eindruck.

„Warum ist das so wichtig, Mr. West? Habt Ihr verderbliche Ware an Bord, die für den Arkansas bestimmt war?"

„Keine verderbliche Ware, aber doch für die Siedler dort oben sehr wichtige, landwirtschaftliche Geräte. Im Laderaum befinden sich allein zwei gute, neue Pflüge, auf die man dort schmerzlich wartet. Für die Siedler am Arkansas River besteht kaum eine Möglichkeit, solche Geräte an anderer Stelle zu erwerben und durch das Kriegsgebiet zu schaffen."

Auch mir lag sehr daran, den River zu erreichen. Mein Plan sah vor, auf dem Arkansas River den Staat zu durchqueren, und mich dann von Texas aus nach Kalifornien durchzuschlagen.

„Vielleicht versuche ich trotz der Kette einfach mein Glück bei Nacht!, setzte West schließlich hinzu. „Mein Schiff hat ja nur einen geringen Tiefgang, und vielleicht komme ich auf der westlichen Uferseite an der Kette vorbei!!

„Und riskiert dabei den Verlust Eures Schiffes!", antwortete ich und deutete in diesem Augenblick auf den Yazoo River. Dicke Qualmwolken ausstoßend, kam dort gerade ein Dampfer an, und man hörte das Stampfen der Schaufelräder, von denen das eine jetzt still stand, während die andere Seite weiterlief und dafür sorgte, dass der Dampfer in einem eleganten Bogen neben uns an den Uferrand fuhr, wo gleich mehrere Helfer Seile hinüberwarfen und die Yellow Rose, wie der Name in dicker, roter Farbe über der Schaufelradverkleidung verkündete, fest gemacht wurde.

„Dann ist aber der Schiffsverkehr auf dem Yazoo nicht unterbrochen, oder? Das sieht mir jedenfalls nicht nach einem Kriegsschiff aus!"

„Wohl richtig, aber das nutzt mir wenig. Der Yazoo ist ein weit verzweigter Fluss mit unglaublich vielen Nebenflüssen. Er kann bis nach Greenwood befahren werden, von dort aus wird es wohl nur noch mit einem Indianerkanu weitergehen."

„Ich danke Euch, Mr. West. Dann werde ich jetzt versuchen, eine Passage auf einem der Yazoo River-Boote zu bekommen."

„Viel Glück dabei!"

Damit schüttelten wir uns die Hände, ich hatte meine Reisetasche aufgenommen und hängte mir die beiden Gewehre in ihrer seefesten Verpackung über die Schulter, um mich besser bewegen zu können.

2.

Mr. Eliott Stone, der Kapitän der Yellow Rose, war ein großer, vierschrötig wirkender Mann mit feuerrotem Kopf. Er musterte mich von Kopf bis Fuß eindringlich, schien an meinem leichten Sommeranzug nichts auszusetzen zu haben und deutete mit einem Kopfnicken zu seinem Ersten Offizier, der ein aufgeschlagenes Buch vor sich auf dem Tisch liegen hatte.

„Sie haben Glück, Mister, es ist noch genau eine Kabine frei. Der Preis beträgt zwanzig Dollar bis Greenwood, mit Verpflegung dreißig Dollar."

Ich zog scharf die Luft zwischen den Zähnen ein und sagte nur:

„Heftige Preise für eine so kurze Strecke, Mr. Stone. Ich nehme die Kabine trotzdem, mit Verpflegung."

„Sie müssen nicht bei mir buchen, Mister. Wir haben Krieg, und unsere Schiffe sind ständig mit Reisenden in beide Richtungen belegt. Greenwood ist noch immer ein wichtiges Zentrum für die Baumwolle, auch oder gerade in diesen Zeiten!", brummte der Kapitän gutmütig und entzündete den Zigarrenstummel neu, den er bei meinem Betreten des Dampfers kalt im Mundwinkel hängen hatte.

„Ich habe keine andere Wahl, weil der Mississippi gesperrt ist", antwortete ich, und Kapitän Stone lachte fröhlich auf.

„Genießen Sie die Fahrt an Bord der Yellow Rose. Sie haben gut dreihundert Meilen vor sich, genug Zeit, um sich zu erholen und ein wenig Karten zu spielen. Oder bevorzugen Sie Würfel? In unserem Saloon finden Sie alles, Mister, dazu noch gute Drinks und Klaviermusik!"

Ich bedankte mich, griff meine Gepäckstücke auf und ließ mir den Weg zur Kabine weisen. Wie auf diesen Dampfern üblich, lagen sie alle am Promenadendeck nebeneinander und hatten ihre Türen direkt zum Gang. Ich bemerkte noch, wie sich der Kapitän über das Buch beugte, in dem ich mich eintragen musste, und er ein halblautes: „Damned Dutchman!" vernehmen ließ.

Das machte ihn in meinen Augen nicht gerade sympathischer und ich nahm mir vor, ihm bei Gelegenheit etwas über die Dutchmen und die Germans zu erzählen.

Die Yellow Rose legte am frühen Nachmittag bereits wieder ab. Ich stand auf dem Deck und sah dem bunten Treiben zu, als sich die mächtigen Schaufelräder wieder in

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Trilogie-Gesamtband - Mein Blutsbruder denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen