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Kreuz und Hexenjagd

Kreuz und Hexenjagd

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Kreuz und Hexenjagd

Länge:
502 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
29. Dez. 2020
ISBN:
9781393225454
Format:
Buch

Beschreibung

Der Kampf gegen die Vasallen von Prinz Johann wird auch durch den anstehenden Winter nicht ausgesetzt. Hauptmann Maddox geht auf brutalste Weise gegen die Bauern vor, aber die Rebellen setzen den Männern des Sheriffs bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu. Auch für Sir Struan of Rosenannon wird es ungemütlich, als ihm seine Frau gewisse Papiere vorlegt, und ihn dadurch mächtig unter Druck setzt. Morgan, der Löwenritter, wird bei einem Kampf schwer verwundet, als er einem Gerücht über den Aufenthaltsort seiner Eltern nachgeht. Und ein Mann wird beim alten Keltenkreuz in Dartmoor plötzlich sehr gesprächig …

In diesem Band wurden folgende Einelromane zusammengefasst:

 

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 6: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 15: Das Kreuz von Dartmoor

 

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 7: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 19: Das Spiel des Narren Shawn

 

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 8: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 20: Hexenjagd in Cornwall

 

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 9: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 21: Das Geheimnis der Falkenfrau

 

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 10: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 23: Sarazenen in Cornwall!

 

Herausgeber:
Freigegeben:
29. Dez. 2020
ISBN:
9781393225454
Format:
Buch

Über den Autor


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Kreuz und Hexenjagd - Tomos Forrest

KREUZ UND HEXENJAGD –

SCHWERT UND SCHILD, Band 5

Fünf Romane in einem Band

von Tomos Forrest / A.F. Morland / Jasper P. Morgan

––––––––

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: 123rf mit Christian Dörge, 2020

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

Created by Thomas Ostwald, Alfred Bekker und Jörg Martin Munsonius

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

––––––––

Dieser Band beinhaltet folgende Romane:

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 6: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 15: Das Kreuz von Dartmoor

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 7: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 19: Das Spiel des Narren Shawn

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 8: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 20: Hexenjagd in Cornwall

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 9: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 21: Das Geheimnis der Falkenfrau

› Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 10: Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 23: Sarazenen in Cornwall!

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Klappentext:

Der Kampf gegen die Vasallen von Prinz Johann wird auch durch den anstehenden Winter nicht ausgesetzt. Hauptmann Maddox geht auf brutalste Weise gegen die Bauern vor, aber die Rebellen setzen den Männern des Sheriffs bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu. Auch für Sir Struan of Rosenannon wird es ungemütlich, als ihm seine Frau gewisse Papiere vorlegt, und ihn dadurch mächtig unter Druck setzt. Morgan, der Löwenritter, wird bei einem Kampf schwer verwundet, als er einem Gerücht über den Aufenthaltsort seiner Eltern nachgeht. Und ein Mann wird beim alten Keltenkreuz in Dartmoor plötzlich sehr gesprächig ...

***

Der Zyklus Die Rebellen von Cornwall Band 6

Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 15:

Das Kreuz von Dartmoor

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1. Kapitel

Ein eiskalter Wind fegte über die Hügel Cornwalls. Der graue Himmel kündigte Schnee an, und die Menschen in der Burg Lahnydrock, die nicht unbedingt etwas im Freien zu erledigen hatten, beeilten sich, in die geheizten Räume zu gelangen. Die Stalljungen hatten es da einigermaßen trocken und freundlich, aber am heutigen Tag herrschte eine gespannte Atmosphäre unter ihnen. Jacob, einer der älteren unter ihnen, hatte verkündet, dass der Hauptmann noch heute eine Patrouille losschicken wollte und die Pferde in einer Stunde gesattelt und im Burghof bereit gehalten werden sollten.

Jacob, ein hoch aufgeschossener, blasser Junge, war schon seit fünf Jahren im Stall des Burgvogtes beschäftigt. Er stammte von einem kleinen Bauernhof aus dem benachbarten Hörigendorf und kannte sich mit Pferden aus. Schon als kleiner Junge war er mit seinem Vater auf den Märkten unterwegs. Von der kargen Ernte allein konnte der seine fünfköpfige Familie kaum durchbringen und versuchte sich deshalb einigermaßen erfolgreich als Viehhändler. So erwarb sein Ältester Kenntnisse über Pferde, Rinder und Ziegen, lernte die Eigenheiten der Rassen kennen und einiges über ihre Krankheiten. Mit sechs Jahren war er dabei, als eine Kuh kalbte, im gleichen Jahr erlebte er die komplizierte Geburt eines falsch liegenden Fohlens, bei der sein Vater mithilfe von einigen Seilen das Fohlen glücklich herausziehen konnte, ohne dass die Stute Schaden erlitt.

Diese Tat hatte dem Vater neben der Belohnung des Vogtes auch anerkennende Worte eingebracht. Doch dann kam ein harter Winter, der Vater starb und innerhalb von wenigen Tagen auch zwei seiner Brüder. Jacob klopfte an die Tür des Vogtes und fand gnädige Aufnahme im Stall, wo er sich rasch bewährte und als Anwärter für den Stallmeister galt, wenn der alte Mann sterben sollte.

Jacob überprüfte zur Vorsicht alle Hufeisen und stellte fest, dass ausgerechnet beim Pferd seines Hauptmannes das rechte Hintereisen locker war. Das war fatal, denn nun musste es schnell gehen und das Pferd in die Burgschmiede geführt werden. Jacob gab einen kurzen Befehl an die anderen Stalljungen, die Pferde bereit zu halten und bei seiner Rückkehr auf den Burghof hinauszuführen. Dann griff er nach dem Halfter des Tieres und führte es aus dem Stall über den Hof zur Schmiede.

Erleichtert stellte Jacob fest, dass der grobschlächtige Mann bereits das Feuer schürte. Der Mann konnte nicht sprechen, aber sein mürrisches Gesicht versetzte auch so manchen in Angst und Schrecken. Wenn dem Schmied etwas nicht passte und man nicht gleich verstand, was er wollte, konnte er schon mal sehr rasch handgreiflich werden. Auch hinter manchem Knecht flog ein harter Gegenstand her, wenn der sich etwa einen Spott mit dem Stummen erlauben wollte.

Jacob führte das Pferd vor und deutete nur kurz auf die rechte Hinterhand. Der Schmied mit seinem dunklen, vollen Bart und den dichten Augenbrauen musterte den Stalljungen kurz, nickte und strich am Bein des Pferdes entlang, um den Huf aufzunehmen. Dann setzte er ihn wieder ab, griff zu den Nägeln und einem Hammer, nahm eine Zange vom Amboss und stellte sich seitlich hinter das Pferd, das diese Prozedur mit Geduld über sich ergehen ließ.

Das Bein im leichten Winkel zwischen den linken Arm geklemmt, die Nägel zwischen den Zähnen, griff der Schmied die Zange und zog einen lockeren Nagel heraus. Ein prüfender Blick, ein fester Griff an das Eisen, und er nickte zufrieden. Rasch trieb er den neuen Nagel in den Hornbereich, prüfte das Eisen noch einmal und stellte den Huf wieder ab.

„Danke, Meister, schnelle Arbeit. Das hätte mir noch gefehlt, wenn ausgerechnet der Hauptmann ein Pferd hätte, dem das Eisen unterwegs verloren geht!"

Der Schmied brummte etwas und schaute dabei aufmerksam über Jacobs Schulter.

Dadurch gewarnt, drehte sich der Stalljunge langsam um und entdeckte den Hauptmann, der geradewegs vom Burgvogt zu ihm herüberkam. Schon die Miene von Sir Maddox of Bridgend zeigte seine heutige Laune an. Der untersetzte Mann machte große Schritte über das Pflaster des Hofes und steuerte direkt auf Jacob zu. Mit einer herrischen Bewegung griff er nach dem Zügel und stieg auf.

„Was glotzt du mich so dumm an, Bursche? Hatte ich nicht Befehl gegeben, die Pferde auf den Burghof zu führen?" Die schneidende Stimme des Hauptmanns war unangenehm und dröhnte über den gesamten Hof. Ein paar Mägde, die gerade von den Hühnerställen mit gefüllten Körben in die Küche eilten, blieben stehen und schauten zu den beiden herüber. Wenn jemand so brüllte, wie der Hauptmann, gab es zumeist etwas Interessantes zu sehen. Heute aber wurden die Mägde enttäuscht, denn Jacob verbeugte sich artig und sagte laut:

„Alles wie befohlen, Herr Hauptmann. Da kommen die Pferde!"

Er hatte mit Erleichterung festgestellt, dass das Stalltor weit aufgerissen wurde und die Stallburschen alle Pferde hintereinander hinausführten und sie ordentlich, wie zu einer Parade, aufreihten.

Fast gleichzeitig kamen die Soldaten aus ihrem Quartier und stellten sich neben den Köpfen ihrer Pferde auf. Hauptmann Maddox war damit fast der Wind aus den Segeln genommen, aber er war ein Mensch, der sich nur wohl fühlte, wenn er anderen auf die Füße treten konnte.

So trieb er sein Ross an der Reihe der Soldaten entlang und musterte sie mit finsterem Blick. Doch da war nichts auszusetzen, die Männer waren ordentlich ausgerüstet, und mit einem kurzen Befehl schwangen sie sich in die Sättel, trabten hinter ihrem Hauptmann an und waren gleich darauf durch das Tor auf dem Weg ins Tal unterwegs.

Dann hatten sie das Hörigendorf erreicht, und hier gab es endlich für Hauptmann Maddox eine Möglichkeit, sich abzureagieren. Seine ständige Wut brauchte solche Ventile, sonst hätte ihn sein Magengeschwür schon längst zum Sprung von der Burgzinne gebracht.

Diese aufbrausende, aggressive Art lag bei Maddox in der Familie. Bereits sein Onkel Maddox, der seinerzeit auch unter dem Namen „Der Tyrann von Cornwall" bekannt wurde und während eines Kampfes auf grausame Weise ums Leben kam, lehrte die Menschen das Fürchten (vgl. Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter # Band 5: Maddox der Tyrann von Cornwall). Mit dem einzigen Unterschied: Die Machenschaften von Hauptmann Maddox wurden jetzt vom derzeitigen Sheriff of Cornwall, Sir Struan of Rosenannon, hoch geschätzt und sogar unterstützt.

Auf der einfachen Straße gab es nach den Regenfällen der vergangenen Woche eine dicke Schlammschicht, und in diesem Schlamm steckte nun mitten auf der Straße ein einfaches Ochsengespann. So sehr sich auch ein alter Mann mit seiner Frau bemühte, die Ochsen anzutreiben und den festgefahrenen Karren herauszuziehen – die Tiere regten sich nicht und standen stur wie eine graue Wand mitten auf dem Weg, als die Kolonne herankam.

„Aus dem Weg!", schrie sie Maddox an, aber ebenso gut hätte er auch einen Felsen anbrüllen können. Verzweifelt zerrte der alte Mann am Geschirr der Tiere, schlug auf das Joch mit der flachen Hand, um sie anzutreiben, doch die Ochsen rührten sich kein bisschen.

„Wird’s bald?, schrie Maddox mit vor Wut knallrotem Gesicht. „Ich mache euch gleich Beine!

„Bitte, Herr, wir können nicht aus dem Weg, die Ochsen bewegen sich nicht!"

„Dann sorge dafür, dass sie es tun, oder ich helfe euch dabei!"

Mit diesen Worten zog er seinen Zweihänder und deutete auf die beiden Alten.

Gleichzeitig trat aus dem Nachbarhaus eine schmale, sehnige Gestalt in der einfachen Kleidung der Landbevölkerung. Ein schlichter, aber dicker Umhang verdeckte das einfache Leinenhemd und die Bruche. Die Beinlinge endeten auf nackten Füßen, was zu dieser Jahreszeit auch auf dem Land ungewöhnlich war. Der junge Mann musterte die Szene mit einem seltsamen Blick, schließlich trat er an das Ochsengespann heran, nickte dem Alten zu, und griff selbst in das Geschirr.

Mit ungläubigen Gesichtern beobachteten die alten Bauern, wie die Ochsen plötzlich ihre Beine bewegten, zwar langsam, aber sie zogen sie tatsächlich aus dem zähen Schlamm und machten einen Schritt nach dem anderen. Schwerfällig und knarrend bewegte sich der Karren, und nach einem schmatzenden Laut gab ihn der Schlamm frei. Die Ochsen legten sich ins Zeug, der junge Mann sagte etwas zu ihnen mit halblauter Stimme und führte sie schließlich bis an die nächste Gasse, von der aus das Gespann auf den kleinen Hof der alten Leute abbiegen konnte.

„Na, das wurde aber auch Zeit!", schnauzte Maddox die Bauern an, die fassungslos auf ihr Gespann sahen und dann dem Hauptmann in das gerötete Gesicht blickten.

„Was glotzt ihr so? Beiseite, wir haben keine Zeit!"

Damit trieb er sein Pferd an und passierte das Ochsengespann, bei dem der junge Mann noch stand. Er beugte sich leicht zu ihm herunter und starrte ihn an.

„Kenne ich dich?", rief er dabei mit kräftiger Stimme, aber der Jüngling antwortete nicht. Allerdings hatte er sein Gesicht Maddox zugewandt und erwiderte seinen Blick mit ernster Miene.

„Kannst du mich nicht verstehen, Kerl? Ich habe dich etwas gefragt!", polterte der Hauptmann weiter und deutete jetzt mit der Schwertspitze auf den jungen Mann, der ich nicht einen Fußbreit bewegt hatte.

„Wir kennen uns nicht!", kam eine leise, sanfte Stimme.

„Wir kennen uns nicht!, äffte der Hauptmann den Tonfall nach und drehte sich lachend zu seinen Soldaten um. „Habt ihr so etwas schon mal gesehen? Bringt der Kerl ein schweres Ochsengespann in Trab und spricht mit einer Stimme, so hold wie eine Küchenmagd. Kerl, du bist vielleicht ein Feigling und traust dich nicht, laut zu reden, was?

Die Antwort des Jünglings kam offenbar für alle auf der Straße in gleicher Lautstärke, aber in den Ohren des Hauptmanns schien sie zu dröhnen, denn erschrocken griff er mit seiner freien Linken ans Ohr, als die Antwort kam:

„Ein Feigling bin ich noch nie gewesen, Hauptmann."

Die Haltung seines Gegenübers bei dieser Antwort stachelte den Zorn des Hauptmanns erneut an, und jetzt sah er seine Chance, sich vor seinen Männern wieder einmal durch eine ganz besondere Tat auszuzeichnen.

„So, das wollen wir doch einmal sehen. Was meinst du zu einem guten Schwerthieb?"

Hauptmann Maddox wollte sein Schwert so knapp über den Kopf des Mannes wirbeln, dass der sich vor Angst wegducken musste – aber das Weitere geschah in unfassbar schneller Zeit. Das Schwert war kurz vor dem Kopf des Mannes, der sich nicht bewegte. Es schien auf ein hartes Hindernis zu prallen, und mit einem Schmerzenslaut ließ Maddox den Zweihänder fallen.

„Das ist Hexerei! Ergreift den Kerl, er ist ein Drudner!"

Mit diesen Worten wollte er sein Pferd auf ihn zutreiben, doch das Tier wieherte hell auf und stieg so unvermittelt auf der Hinterhand, dass sein Reiter vollkommen überrascht wurde und im hohen Bogen in den Schlamm der Straße fiel. Mit allen Vieren stützte er sich ab, um dem Dreck zu entkommen, konnte aber doch nicht verhindern, dass ihm auch die Beine wegrutschten und er mit dem Gesicht tief in den Schlamm tauchte.

Brüllend und schreiend richtete er sich wieder auf, wobei ihm ein Teil des Schlammes auch noch in den Mund geriet. Er gebärdete sich wie toll, und durch das wild gewordene Pferd und seine Schreierei hatten auch die Soldaten ihre Schwierigkeiten, die Tiere zu zügeln.

„Schnappt Euch den Burschen und bringt ihn zu mir!", schrie Maddox, und als die Soldaten dazu endlich in der Lage waren, befand sich niemand mehr vor ihnen auf der Straße. Die beiden Alten hatten ihre Zugtiere auf den Hof geführt und spannten sie aus. Dabei stand der Karren direkt vor der Einfahrt, sodass keiner der Soldaten ihn passieren konnte. Aber aus ihrer Sicht war auch nirgends etwas von dem Jüngling zu entdecken. Ein paar von ihnen ritten um den kleinen Hof, andere schwärmten durch das Dorf aus, aber abgesehen von einem Hund und ein paar wild herumflatternden Hühnern trafen sie kein weiteres Lebewesen an.

Hauptmann Maddox wischte sich das verschmierte Gesicht an seinem Waffenrock ab, stieg wieder in den Sattel und fluchte so gotteslästerlich, dass seine Männer ihre Pferde anspornten und so taten, als würden sie den jungen Mann verfolgen. Nichts war ihnen dabei wichtiger, als aus der Nähe des Tobenden zu gelangen.

––––––––

2. Kapitel

Auf der Handelsstraße von Dartmoor nach Exeter ritten drei Männer, die kaum unterschiedlicher aussehen konnten. Der erste der Reiter war ein wohl an die sechs Fuß großer, breitschultriger Hüne, unter dessen Helm lange, blonde Haare hervorquollen. Sein Bart war sorgfältig geschnitten und reichte zwei Fingerbreit unter das Kinn. Er trug sowohl einen dunkel brünierten Helm wie auch unter dem schwarzen Waffenrock erkennbar ein Kettenhemd in gleichem Aussehen. Der Waffenrock zeigte einen roten, steigenden Löwen, so, wie er einst von König Richard während des dritten Kreuzzuges getragen wurde (vgl. Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter # Band 1: Blut ist eine seltsame Farbe; Band 2: Das Massaker von Akkon sowie Band 3: Blutmond über Cornwall). Der Ritter saß aufrecht und stolz auf einem edlen Rappen, der bei seinem Zügeln ungeduldig schnaubte.

Der zweite, jüngere Mann war offensichtlich sein Knappe. Auch er war gewappnet, trug den Nasalhelm, ein Kettenhemd und am Pferd den Schild mit dem gleichen Wappen und die Lanze seines Ritters in der Hand.

Einen seltsamen Kontrast bot zu den beiden der dritte Mann auf seinem Esel. Kleinwüchsig, mit dunklen Haaren, bräunlicher Gesichtsfarbe und einem listigen Blick glich er in dem dicken Umhang eher einem Kobold als einem Menschen. Doch wer Shawn einmal auf sein Aussehen hin verspottete, lernte den Zorn des ehemaligen Hofnarren der Launcestons rasch kennen.

Auch die beiden zügelten ihre Reittiere und hielten neben dem Ritter mitten auf der Straße an. Ihnen entgegen kam im leichten Trab ein junger Mann, der offenbar keinerlei Furcht kannte. Obwohl bei ihm keine Waffen erkennbar waren, ritt er unbekümmert durch diese Gegend, von der man schon seit langer Zeit berichtete, dass Straßenräuber ihr Unwesen trieben. Sir Morgan of Launceston, der den einsamen Reiter erwartete, hatte da schon seine eigenen, schmerzhaften Erfahrungen sammeln müssen.

„Sie ist es tatsächlich!", sagte Boyd halblaut, und Morgan antwortete mit einem unwilligen Knurrlaut.

„Na endlich!, rief ihnen der einsame Reiter schon aus einiger Entfernung zu. „Ich hatte schon die Befürchtung, dass es euch zu kalt geworden ist!

Als das Pferd bei den drei Männern hielt, bemerkte Shawn hinter dem Sattel des Pferdes einen Sack, in dem es heftig zappelte. Gleich darauf verkündete ein lautes Gackern, was sich darin befand.

„Hühnerdieb!", schimpfte der Zwerg verächtlich und erhielt dafür einen strafenden Blick von seinem Gegenüber.

„Ich kann nicht gerade behaupten, dass ich mich freue, dich hier zu treffen, Meraud!", begrüßte sie Morgan mit finsterer Miene.

„Morgan, nun verzieh nicht schon wieder dein Gesicht auf diese Weise! Ich bin schon erwachsen und kann mich allein schützen! Außerdem war ich nur in einem Dorf und habe dort ein paar Hühner für uns gekauft."

Noch einmal musterte Morgan sie mit düsterem Blick, dann nickte er ihr zu und setzte Blane wieder in Bewegung. Meraud schwenkte ihr Pferd herum und schloss sich den drei Reitern an.

„Hast du etwas von Johanns Söldnern gesehen?"

Meraud lachte fröhlich auf.

„Nicht nur gesehen – ich habe Hauptmann Maddox gesprochen. Er war sehr schlecht gelaunt, an diesem frühen Morgen. Und alles nur, weil ein Ochsengespann seinen Weg versperrte."

Morgan musterte das Gesicht der jungen Frau, die aber fröhlich nach vorn sah und so tat, als würde sie das nicht bemerken.

„Und was war deine Rolle bei dieser Begegnung?", erkundigte er sich schließlich.

„Meine Rolle? Oh, nichts weiter. Ich habe einem alten Bauernpaar geholfen, ihre Ochsen in Sicherheit zu bringen. Bei der schlechten Bezahlung von Prinz John weiß man ja nie, ob nicht seine Soldaten Lust auf frisches Ochsenfleisch verspürten."

Morgan knirschte mit den Zähnen. Es war nicht der erste Alleingang der jungen Frau, die er erst kürzlich vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen bewahrt hatte (vgl. Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter # Band 14: Piraten von Saint-Malo). Sie war zäh, flink mit der Klinge, ausdauernd beim Reiten – aber auch vollkommen undiszipliniert.

Allerdings hatte sie sich bei Sir Baldwin für diesen Streifzug abgemeldet. Aber eine Anweisung des Roten Jägers lautete, bei diesen Alleingängen jeden Kontakt mit den Soldaten zu vermeiden. So, wie er Meraud inzwischen einschätzte, hatte sie sich nicht daran gehalten. Aber es war zu spät, ihr jetzt dafür Vorhaltungen zu machen, und so zog er es vor, zu schweigen.

„Hauptmann Maddox hat die Burg mit seinen Männern verlassen", fuhr die junge Frau nach einer Weile fort.

„Habe ich verstanden", gab Morgan maulfaul zurück.

„Ich habe seine Gruppe eine Weile beobachtet. Wahrscheinlich sind sie auf dem Weg zu der jetzt verlassenen Dorfkirche von Vater Alun."

„Wie kommst du darauf?", erkundigte sich Morgan scharf. Nun war seine Aufmerksamkeit geweckt, denn der Mönch Alun wurde von Johanns Schergen ermordet. Morgan gelang es allerdings, ein besonderes Holzkreuz zu retten und zu verbergen (vgl. Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter # Band 8: Gottes Fluch über Cornwall).

„Nun, sie sind am alten Römerturm in die Straße zum Dorf abgebogen. Und ich habe mich natürlich gefragt, warum sie zu dieser Jahreszeit in das elende Nest reiten, wo doch nichts mehr zu holen ist!"

Ein rascher Blick zu Morgan, und mit zufriedenem Grinsen spornte Meraud ihr Pferd an, sodass es Kopf an Kopf mit Blane lief. Der Ritter war wieder in dumpfes Schweigen versunken und schien sich nur noch auf den Weg zu konzentrieren. Doch den Gefährten wurde es rasch klar, wohin er sein edles Tier lenkte. Am Römerturm angekommen zögerte er keinen Augenblick, sondern folgte sofort der kleinen Straße, die in eine Senke zum Dorf hinunter führte.

––––––––

3. Kapitel

Im gewaltigen Rittersaal der Burg Launceston saß Sir Struan of Rosenannon und fror erbärmlich. Der in der Mitte des Raumes beheizte Kamin verbreitete nur wenig Wärme, und obwohl er den Stuhl bis dicht an die wärmenden Flammen herangezogen hatte, erfasste ihn die Kälte auf seiner Rückseite. Drehte er sich aber mit dem Rücken zum Feuer, hatte er nach ganz kurzer Zeit denselben Effekt auf seiner anderen Seite.

Wütend schleuderte der Sheriff von Cornwall seinen leeren Weinbecher gegen die Wand und schickte einen gotteslästerlichen Fluch hinterher. Bei dem Geräusch sprangen die beiden großen Hunde auf, die eben noch friedlich schlummernd zu seinen Füßen gelegen hatten.

Der Sheriff rief nach seinem Mundschenk und verlangte nach mehr Wein.

„Aber wage es nicht, und bring mir noch einmal dieses saure Zeug wie beim letzten Mal! Ich will süßen, schweren Wein, und ich will viel davon, hörst du?"

Und als der Mann davoneilte, schrie er lauter:

„Und schaff mir die dralle Magd aus der Küche herbei, die letzte Woche bei mir lag! Vielleicht schafft sie es, mich zu wärmen!"

Der Mann eilte davon und kehrte gleich darauf mit einem großen Pokal zurück, den er mit demütiger Geste dem Sheriff überreichte. Sir Struan kostete davon und leckte sich die Lippen.

„Ja, das ist der richtige Wein! Und wo bleibt das Weib?"

Der Mundschenk, ein alter, vertrockneter Mann, der vermutlich in seinem Leben nur sauren Wein verkostet hatte, klappte förmlich zusammen.

„Ich bitte um Vergebung, Herr, aber die Magd ... die Magd ist unpässlich und bedauert, Eure Wünsche ..."

„Ach geht doch zum Teufel!", schrie Sir Struan wutentbrannt. Es war wie verhext seit der peinlichen Szene vor dem gesamten Hofstaat, den ihm die Magd Earidh geboten hatte, als sie behauptete, er hätte sie zum Akt gezwungen, obwohl sie die Lepra hatte und von Geschwüren am Unterleib geplagt wurde (vgl. Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter # Band 8: Gottes Fluch über Cornwall). Allein beim Gedanken an diese Szene schüttelte er sich und hieb schließlich wütend auf die Tischplatte. Wo war eigentlich dieser elende Abt Dhorie, der nicht nur sein Beichtvater, sondern auch der dieser jungen Magd gewesen war? Er konnte sich nicht entsinnen, ob er ihm die Rückkehr in sein Kloster erlaubt hatte. Jedenfalls befand er sich wohl nicht mehr in der Burg, denn Sir Struan hatte die Gelegenheit zur Beichte schon lange nicht mehr gesucht.

Abt Dhorie! Dieser alte Leisetreter hatte ihm da einen schönen Streich gespielt, als die Magd ... aber bei dem Gedanken an die Szene kochte ihm schon wieder das Blut. Er sprang auf und lief im Rittersaal auf und ab, überlegte, wie er die nächsten Stunden in der Kälte auf sinnvolle Weise zubringen sollte und wurde durch einen Diener gestört, der die Ankunft seiner Frau verkündete.

„Auch das noch!", rief er laut aus, als Lady Eurona den Saal betrat.

„Wie Ihr Euch doch unverhohlen über meine Ankunft freuen könnt!, sagte seine Frau hoheitsvoll zur Begrüßung, und ihre Stimme troff vor Hohn. „Ich bin erstaunt, Euch allein zu finden. Was ist mit den Mägden? Sind sie alle unpässlich oder schwanger? Oder alle von der Lepra geplagt? Wie auch immer, Sir Struan ... Sie schwieg unheilschwer und nahm auf seinem Stuhl vor dem Feuer Platz. „Ich denke mal, Ihr ahnt, weshalb ich noch zu dieser Stunde hier auftauche, auf dieser Burg, die ich hasse, seitdem ich sie das erste Mal gesehen habe."

„Keineswegs, meine Teure. Ich bin geradezu enthusiasmiert, Euch zu so später Stunde noch begrüßen zu dürfen. Stärkt Euch von meinem Wein, soll ich Euch etwas zu essen bringen lassen?"

Lady Eurona wies angewidert den angebotenen Pokal von sich, nachdem sie einen Blick auf den fettverschmierten Rand geworfen hatte. Stattdessen ging sie zu der Tafel hinüber, auf der die Reste einer umfangreichen Mahlzeit standen, nahm sich einen Hühnerschenkel und biss herzhaft hinein.

Währenddessen lief Sir Struan unruhig auf und ab, ohne auf seine Frau zu achten.

Lady Eurona war etwa einen Kopf größer als ihr Gemahl, besaß noch immer eine gute Figur und machte in ihrer eleganten Surcotte den Eindruck einer Dame von hohem Adel, die eben mit einem ihrer Lakaien sprach. Und langsam beschlich Sir Struan das unangenehme Gefühl, dass es sich auch so verhielt. Um dieses Gefühl zu verdrängen, gab er sich besonders mürrisch.

„Rede nicht um den heißen Brei, sondern berichte mir, weshalb ich dich um diese Zeit noch ertragen muss! Und dann geh zurück in deine Gemächer und verschone mich mit deinem Anblick! Wann reist du wieder ab?"

Die Antwort war ein helles Lachen seiner Ehefrau.

„So gefällst du mir, Struan. Endlich lässt du deine Maske fallen und zeigst dich als der französische Bastard, als der du auf die Welt gekommen bist."

Sir Struan erstarrte in seinem Lauf um den Tisch und wandte ihr sein schreckensbleiches Gesicht zu.

„Was hast du da gesagt?"

Lady Eurona hatte jetzt einen noch gut gefüllten Weinschlauch entdeckt, nahm einen Becher von der Tafel, wischte ihn mit einem Zipfel ihres Gewandes aus, schenkte sich in aller Ruhe von dem Wein ein und kehrte anschließend zu dem Stuhl vor dem Feuer zurück, ehe sie ihren Gemahl auch nur eines Blickes würdigte.

„Es wird dich nicht verwundern, dass ich Nachrichten aus Frankreich erhalten habe. Ich gestehe es gern, ein wenig spät, aber noch nicht zu spät. Alles wird jetzt neu geregelt und in einem Vertrag aufgesetzt, den ich dann nach Rom sende."

Sie sah ihn über den Rand des Bechers an, dann hob sie ihn leicht in seine Richtung und prostete ihm zu.

Endlich erwachte er aus seiner Erstarrung und eilte zu ihr hinüber.

„Was machst du? Was willst du nach Rom senden?"

„Die neuen Verträge. Von denen ich die ganze Zeit spreche. Dein altes Problem. Du hörst mir nicht zu. Du hast mir nie zugehört. Aber das wird sich jetzt ändern."

Mit einem boshaften Grinsen blieb Sir Struan vor seiner Frau stehen und sagte mit gefährlich leiser Stimme:

„Was wird sich jetzt ändern? Sprich mit mir, ehe ich mich vergesse!"

Die letzten Worte hatte er sehr laut herausgeschrien und griff gleichzeitig heftig in den Stoff ihres Gewandes. Aber gleich darauf zog er seine Hand mit einem Aufschrei zurück.

Lady Eurona stand mit blitzenden Augen vor ihm, den Dolch noch in der Hand.

„Nur zu, mein Lieber! Wenn ich mich erinnere, so hast du es ganz gern, wenn dich die Katze kratzt, bevor du sie bespringst?"

Sir Struan war kreidebleich geworden, hielt seine blutende Hand mit der anderen fest umschlossen und war für einen Moment vollkommen sprachlos. Dann aber riss er seinen Mund weit auf und schrie seine Frau an:

„Bist du vollkommen wahnsinnig geworden? Du greifst mich an, deinen Gemahl, den Sheriff von Cornwall, den mächtigsten Mann nach unserem König Johann?"

Lady Eurona nahm gelassen wieder Platz, trank einen Schluck von dem Wein und spielte mit dem nachlässig in der Rechten gehaltenen Dolch.

„Mach dich nicht lächerlich, Struan. Ein Wort von mir, und alles ist nur noch Vergangenheit. Der mächtigste Mann nach König Johann? Dass ich nicht lache! Ein Wort zu ihm, und er lässt dich fallen wie ein Stück glühende Kohle! Glaubst du nicht, dass er sich für dein Elternhaus in Frankreich interessieren würde, wenn ich ihm davon berichte? Nein, ich meine nicht das Castell Rosenannon, ich rede von dem Dorf der Hörigen, das man Saint-Domineuc nennt. Es hat übrigens eine sehr hübsche, uralte Steinkirche mit einem ganz freundlichen Geistlichen, der die Kirchenbücher mit den Taufeinträgen hütet. Muss ich dir noch mehr sagen, oder bist zu bereit, den neuen Vertrag zu unterschreiben?"

Mit einem Schritt war Sir Struan wieder vor seiner vollkommen gelassen wirkenden Frau, die jetzt allerdings den Dolch wieder fest mit der Hand umschlossen hatte.

„Bist du wahnsinnig geworden? Willst du uns alle ins Unglück stürzen? Halte gefälligst deinen Mund, hier haben die Wände Ohren!"

Erneut trank Lady Eurona von dem Wein und fixierte ihren Gemahl über den Becherrand bei jeder Bewegung.

„Die Dokumente liegen auf dem Tisch, an dem ich gerade gesessen habe. Du unterzeichnest, oder ich sende meinen Brief an den Papst ab, um ihn um die Annullierung unserer Ehe zu bitten!"

Sir Struan antwortete mit vor Wut überschnappender Stimme.

„Du bist vollkommen wahnsinnig geworden! Niemals unterschreibe ich irgendetwas, was du hast aufsetzen lassen! Du bist meine Frau, und wenn du aufsässig bist, lasse ich dich in den tiefsten Kerker dieser Burg werfen und dort verfaulen. Du kannst doch nicht so dumm sein, und mit solchen Forderungen zu mir zu kommen und mich zu bedrohen!"

„Und warum sollte ich das nicht? Ich befinde mich doch in guter Gesellschaft, mein Lieber. Ach, übrigens, der gute Abt Dhorie ist doch auch dein Beichtvater, nicht wahr? Er hat dich schon seit einiger Zeit in seinem Gottesdienst vermisst!"

Bevor Sir Struan auch darauf etwas erwidern konnte, trat der alte Abt hinter einem Vorhang vor und sagte mit salbungsvoller Stimme:

„Gelobt sei Jesus Christus!"

„In Ewigkeit, amen!", antwortete Sir Struan hastig und fühlte sein Herz bis zum Hals hinauf schlagen. Er musste wieder auf und ab laufen, denn er befürchtete, dass ihn im nächsten Augenblick der Schlag treffen konnte.

Dieses hinterhältige Weib hatte also seinen Beichtvater hier eingeschmuggelt. Aber noch war nicht aller Tage Abend, und so lange er hier die Befehlsgewalt ausübte, würde er das Vorhaben seiner Frau verhindern können.

„Ach, Sir Struan, es ist schön, wieder bei Euch zu sein. Wie ich gerade in der letzten Woche noch dem Heiligen Vater berichten konnte, seid Ihr trotz meiner Abwesenheit Euren Pflichten gegenüber der Heiligen Mutter Kirche nachgekommen und habt dafür gesorgt, dass ..."

„Was? Ihr habt mit dem Heiligen Vater gesprochen?"

„Das wisst Ihr nicht? Ich hatte einen wichtigen Auftrag und bin gerade erst heute aus Rom zurückgekehrt. Der Heilige Vater hat sich sehr über Eure Botschaft gefreut!"

Sir Struan brach förmlich zusammen und musste mit weichen Knien die Bank neben dem Kamin aufsuchen.

„Meine ... Botschaft ...", keuchte er kraftlos.

„Ja, Eure Bereitschaft, in Cornwall ein Hospital für die Leprakranken zu errichten. Der Heilige Vater hat mir aufgetragen, Euch ganz besonders dafür zu danken, und er ist sicher, dass im Falle Eurer Beichte ..."

„Genug!", schrie der Sheriff von Cornwall laut heraus, sprang plötzlich von der Bank, bemerkte, wie sich alles um ihn herum immer schneller drehte und krachte schließlich schwer auf den Boden des Rittersaales. Erschrocken sprangen die Hunde zur Seite und krochen winselnd unter den Tisch, als sie ihren Herrn so hilflos liegen sahen.

Lady Eurona ergriff eine Tischglocke und schüttelte sie heftig. Als die Diener eintraten, machte sie eine Handbewegung zu dem Ohnmächtigen.

„Sir Struan hat genug Wein genossen. Bringt ihn in sein Bett."

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4. Kapitel

Den gesamten Vormittag war Hauptmann Maddox die Fernstraßen auf und ab geritten und hatte dabei besonderes Augenmerk auf die kleinen Waldstücke der Nachbarschaft gelegt. Seine Männer hatten den Auftrag, auf Rauchsäulen zu achten, die von der Anwesenheit der Rebellen Kunde gaben. Doch die Mittagszeit war längst überschritten, ohne dass die Männer auch nur ein einziges Feuer ausgemacht hatten. Die schlechte Laune ihres Hauptmanns wurde dadurch nicht gebessert, aber der kalte Wind und die kaum wärmende Sonne trugen dazu bei, dass auch die Stimmung der Soldaten schlecht war.

Maddox vernahm wohl das lauter werdende Murren hinter sich, doch er reagierte nicht darauf. Aber er wusste auch, dass er den Bogen nicht überspannen durfte. Er war ohnehin der meist gehasste Anführer unter den Soldaten des Prinzen und konnte sich nur durch seine Brutalität durchsetzen. Das kleinste Vergehen wurde bei ihm hart gestraft, und wer zu seiner Gruppe befohlen wurde, wusste inzwischen, was ihn dort erwartete.

Vielerorts sprach man hinter vorgehaltener Hand davon, dass Maddox ein wahrer Tyrann sei, wie schon vor einigen Jahren sein Onkel, der ja den gleichen Namen trug, ob nun gegenüber seinen Untergebenen oder dem einfachen Volk.

Jetzt war der Hauptmann an der Wegkreuzung mit dem verfallenen Römerturm angelangt und bog ab in die Senke, in der es ein kleines Dorf gab. Dort würde er rasten und in einem der Häuser sich etwas zu Essen holen. Seine Männer fanden sicher auch etwas, diese Bauern versteckten ihre Vorräte doch immer an den gleichen Stellen.

Maddox hatte keine Augen für den schmalen Weg, der in einer leichten Kurve ein kleines Waldstück umging und dann in das Dorf führte, das wie ein kleines Nest zwischen den Hügeln in einer sanften Mulde lag. Hätte er etwas aufmerksamer den Weg verfolgt, wären ihm auch nicht die zahlreichen Hufabdrucke entgangen, die hier den weichen Untergrund ziemlich stark aufgewühlt hatten.

Allerdings zügelte er sein Pferd doch kurz am Dorfeingang, denn offenbar war in diesem Dorf kein Mensch mehr. Zwar stieg aus einem der größeren, dunklen Häuser eine kleine Rauchfahne in den noch immer grauen Himmel hinauf, aber weder auf der Dorfstraße noch auf den kleinen Höfen war ein Mensch zu sehen. Maddox zuckte die Schultern und trieb sein Pferd direkt auf das große Haus zu. Wer wusste denn, was dieses Bauernpack so trieb. Wahrscheinlich war es ihnen auch zu kalt geworden und sie saßen in ihren Stuben um den Tisch und ließen es sich gut gehen.

„Hier bleiben wir. Geht in die Häuser und lasst Euch auftischen, die Bauern sind dazu verpflichtet. Randolf, Owen, Kani, ihr kommt mit mir!"

Maddox steuerte direkt auf die Haustür zu, während die Soldaten abstiegen, die Pferde auf den Dorfplatz zwischen den Häusern trieben und sie dort sich selbst überließen. Hier gab es keine Gefahr für sie. Die Bauern würden schon kuschen, wenn sie einem Soldaten Prinz Johanns gegenüberstanden.

Mit dem Fuß stieß der Hauptmann die nur angelehnte Tür auf, die dadurch gegen den Türbalken schlug und dem nachfolgenden Randolf beinahe gegen den Kopf geschlagen wäre.

Das Feuer in der Herdstelle glimmte nur noch, aber darüber stand ein Kessel mit Porridge, und Maddox ging selbst zum Herd, stocherte mit einem Ast vom Brennholzstapel darin herum, blies die Glut an, legte Holz nach und setzte sich dann an den Tisch.

„Owen, schau doch mal in der Kammer, was der Bauer treibt. Und sag ihm, er solle seine Alte ruhig da lassen, wir würden uns nach dem Essen  um sie kümmern, damit ihr nicht kalt wird!" Mit ekelhaftem Gelächter setzten sich die anderen zu ihrem Hauptmann, während Owen in die Kammer schaute.

„Hier ist niemand, Hauptmann!", verkündete er und kam an den Tisch zurück.

„Rühr mal den Kessel um und wenn das Zeug warm genug ist, her damit! Mir knurrt der Magen!", antwortete Maddox.

Mit einem finsteren Blick zu seinem Hauptmann ging Owen zum Kessel, rührte lustlos mit einem Holzstück darin herum, schnupperte und steckte schließlich einen Finger hinein, um die Wärme zu prüfen. Anschließend nahm er ein Stück seines Waffenrockes und zog damit den Kessel vom Haken und beförderte ihn schwungvoll auf den Tisch.

Die Männer zogen wortlos ihre plumpen Holzlöffel aus dem Gürtel und begannen, direkt aus dem Kessel zu essen. Noch nicht lange nach Beginn ihrer Mahlzeit kam einer der anderen Soldaten herein, stand ein wenig verlegen in der offenen Tür, und als Maddox den kalten Luftzug verspürte, blickte er auf.

„Hauptmann – im ganzen Dorf ist kein einziger Mensch, es gibt keine Vorräte, und nirgends brennt ein Herdfeuer."

Maddox ließ sich nicht stören, sondern löffelte weiter von dem Porridge in sich hinein.

„Ich wollte deshalb fragen ..."

„Was?", knurrte Maddox, ohne auch nur zu dem Mann hinüber zu sehen.

„Können wir nicht hier ... es ist doch genug für alle ..."

Ein finsterer Blick zu dem Mann, dann ein zustimmendes Grunzen. Der Soldat machte ein Zeichen nach draußen, und gleich darauf kamen die Männer herein, scharten sich um den Tisch und warteten, bis ihr Hauptmann satt war, bevor sie sich ebenfalls über den Kessel hermachten.

Für die ganze Gruppe reichte es natürlich nicht aus, was die Bauernfamilie in ihrer überhasteten Flucht vor den Soldaten hier zurückgelassen hatte. Aber als ein Streit darüber aufflammte, brüllte Maddox seine Männer einmal an, und es war wieder Ruhe. Der Hauptmann öffnete die Tür zur Schlafkammer, warf einen kurzen Blick über die Schulter und sagte: „Weckt mich in einer halben Stunde, dann reiten wir weiter." Kurz darauf hatte er sich auf die Lagerstatt geworfen, ohne Rücksicht auf seine dreckigen Schuhe, und war sanft und selig eingeschlummert, als er sich auf die Seite gedreht hatte.

„Wer ist draußen bei den Pferden?", erkundigte sich nach einer geraumen Weile Randolf. Die Soldaten hatten es sich auf dem Fußboden in der Herdnähe bequem gemacht und dösten vor sich hin.

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