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Henker und Bluthunde: Wichita Western Sammelband 7 Romane

Henker und Bluthunde: Wichita Western Sammelband 7 Romane

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Henker und Bluthunde: Wichita Western Sammelband 7 Romane

Länge:
1.603 Seiten
17 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
4. Jan. 2021
ISBN:
9781393923268
Format:
Buch

Beschreibung

Henker und Bluthunde: Wichita Western Sammelband 7 Romane

von Pete Hackett, John F. Beck, Heinz Squarra, W.W.Shols, A.F.Morland

 

Über dieses Buch:

 

Dieses Buch enthält folgende Western:

 

Hyänen der Weide (Pete Hackett)

Wie ein Rudel Bluthunde (Pete Hackett)

Der Goldwater-Raub (Heinz Squarra)

Sie flohen vor dem Galgen (John F. Beck)

Der staubige Sattel (W.W.Shols)

Ich werde euer Henker sein (A.F.Morland)

Wo man dich begräbt (Steven W. Kohlhagen)

 

Tom Camon fällt gleich auf seiner ersten Frachtfahrt einem mörderischen Anschlag zum Opfer, dem er nur knapp entkommt. Doch das ist nur das kleinste Übel auf seinem langen Trail von Oklahoma nach Broken Bow, wo man sehnsüchtig auf seine Waren wartet. In Goldwater wird die Bank überfallen und über 16000 Dollar erbeutet, als er sich dort gerade auf der Durchreise befand. Kurz zuvor wird er im Saloon zusammengeschlagen und ins Jail gesteckt, weil er zu falschen Zeit am falschen Ort war.

Wer glaubt es könne nicht schlimmer kommen, der irrt. Denn es kommt noch viel schlimmer. Sein Leben wird bedroht, mehrere Anschläge auf ihn verübt, bis eines Nachts ein wahrer Krieg tobte und das Schicksal eine Entscheidung trifft ...

Herausgeber:
Freigegeben:
4. Jan. 2021
ISBN:
9781393923268
Format:
Buch

Über den Autor

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.


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Buchvorschau

Henker und Bluthunde - A. F. Morland

Henker und Bluthunde: Wichita Western Sammelband 7 Romane

von Pete Hackett, John F. Beck, Heinz Squarra, W.W.Shols, A.F.Morland

Über dieses Buch:

Dieses Buch enthält folgende Western:

Hyänen der Weide (Pete Hackett)

Wie ein Rudel Bluthunde (Pete Hackett)

Der Goldwater-Raub (Heinz Squarra)

Sie flohen vor dem Galgen (John F. Beck)

Der staubige Sattel (W.W.Shols)

Ich werde euer Henker sein (A.F.Morland)

Tom Camon fällt gleich auf seiner ersten Frachtfahrt einem mörderischen Anschlag zum Opfer, dem er nur knapp entkommt. Doch das ist nur das kleinste Übel auf seinem langen Trail von Oklahoma nach Broken Bow, wo man sehnsüchtig auf seine Waren wartet. In Goldwater wird die Bank überfallen und über 16000 Dollar erbeutet, als er sich dort gerade auf der Durchreise befand. Kurz zuvor wird er im Saloon zusammengeschlagen und ins Jail gesteckt, weil er zu falschen Zeit am falschen Ort war.

Wer glaubt es könne nicht schlimmer kommen, der irrt. Denn es kommt noch viel schlimmer. Sein Leben wird bedroht, mehrere Anschläge auf ihn verübt, bis eines Nachts ein wahrer Krieg tobte und das Schicksal eine Entscheidung trifft ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Auswahlband Arizona Western Trio September 2018: Drei Wildwest-Romane in einem Buch

Auswahlband Arizona Western Trio September 2018: Drei Wildwest-Romane in einem Buch

Pete Hackett and Heinz Squarra

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Table of Contents

UPDATE ME

Auswahlband  Arizona Western Trio September 2018: Drei Wildwest-Romane in einem Buch

Von Pete Hackett, Heinz Squarra

Dieses Buch enthält folgende Western:

––––––––

PETE HACKET: HYÄNEN der Weide

Pete Hackett: Wie ein Rudel Bluthunde

Heinz Squarra: Der Goldwater-Raub

––––––––

TOM CAMON FÄLLT GLEICH auf seiner ersten Frachtfahrt einem mörderischen Anschlag zum Opfer, dem er nur knapp entkommt. Doch das ist nur das kleinste Übel auf seinem langen Trail von Oklahoma nach Broken Bow, wo man sehnsüchtig auf seine Waren wartet. In Goldwater wird die Bank überfallen und über 16000 Dollar erbeutet, als er sich dort gerade auf der Durchreise befand. Kurz zuvor wird er im Saloon zusammengeschlagen und ins Jail gesteckt, weil er zu falschen Zeit am falschen Ort war.

Wer glaubt es könne nicht schlimmer kommen, der irrt. Denn es kommt noch viel schlimmer. Sein Leben wird bedroht, mehrere Anschläge auf ihn verübt, bis eines Nachts ein wahrer Krieg tobte und das Schicksal eine Entscheidung trifft ...

Hyänen der Weide

Western von Pete Hackett

Über den Autor

Unter dem Pseudonym Pete Hackett verbirgt sich der Schriftsteller Peter Haberl. Er schreibt Romane über die Pionierzeit des amerikanischen Westens, denen eine archaische Kraft innewohnt, wie sie sonst nur dem jungen G.F.Unger eigen war – eisenhart und bleihaltig. Seit langem ist es nicht mehr gelungen, diese Epoche in ihrer epischen Breite so mitreißend und authentisch darzustellen.

Mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren ist Pete Hackett (alias Peter Haberl) einer der erfolgreichsten lebenden Western-Autoren. Für den Bastei-Verlag schrieb er unter dem Pseudonym William Scott die Serie Texas-Marshal und zahlreiche andere Romane. Ex-Bastei-Cheflektor Peter Thannisch: Pete Hackett ist ein Phänomen, das ich gern mit dem jungen G.F. Unger vergleiche. Seine Western sind mannhaft und von edler Gesinnung.

Hackett ist auch Verfasser der neuen Serie Der Kopfgeldjäger. Sie erscheint exklusiv als E-book bei CassiopeiaPress.

––––––––

EIN CASSIOPEIAPRESS E-Book

© by Author  www.Haberl-Peter.de

© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

»Ausschwärmen!«, befahl Sheriff Walt Danner. Mit einem Ruck repetierte er seine Winchester. Aus schmalen Augen starrte er auf die kleine Ranch in der Senke.

Er wartete, bis die Männer des Aufgebots ihre Posten eingenommen hatten, dann klemmte er sich das Gewehr zwischen die Beine, legte die Hände trichterförmig an den Mund und schrie: »Ergib dich, Toby Logan! Deine Ranch ist umstellt. Du hast keine Chance, wenn du jetzt nicht herauskommst ...«

Seine Stimme verhallte.

Unten rührte sich nichts. Walt Danner fluchte. Dann setzte er noch einmal an: »Ich garantiere dir auch einen fairen Prozess, Toby. Mein Wort darauf.«

Er ließ die Hände sinken und umklammerte die Winchester.

»Verdammt!«, rief Hilfssheriff Dave Corbett. »Was halten wir uns mit Reden auf? Wir wissen, dass er Floyd Miller eine Kugel zwischen die Schulterblätter gejagt hat. Und das reicht aus, um Logan in die Hölle zu schicken. Stürmen wir einfach den Bau und räuchern den Schuft aus.«

In diesem Moment ertönte es zwischen den Ranchgebäuden: »Ihr Schurken wisst ganz genau, dass ich Miller nicht umgebracht habe. Also verschwindet und lasst mich in Ruhe! Und was dein Wort angeht, Danner, so pfeife ich darauf, denn du bist Steward Carters Marionette, und wer nach Carters Pfeife tanzt, dessen Wort ist nichts wert.«

»Mit mir sind ein Dutzend Männer aus Prescott hergekommen. Wenn du mir schon nicht traust, dann kannst du ihnen Vertrauen schenken.«

»Vertrauen ist gut, Vorsicht ist besser. Frag doch mal Carter oder seinen Schießhund Mortimer, wer Floyd Miller die Kugel aus dem Hinterhalt servierte, Danner. Carter schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Millers Small Ranch war schon seit langer Zeit – ebenso wie die Logan-Ranch – Carter ein Dorn im Auge, denn durch unsere Weiden war ihm der Zugang zum Creek versperrt. Also musste Carter mich und Miller auf die Seite räumen, um in den Besitz unserer Ranches zu kommen.«

»Du behauptest, dass Carter Floyd Miller ermorden ließ und den Verdacht auf dich lenkte?«

»Genau. Wenn das in dein Spatzenhirn hineingeht.«

Der Sheriff biss die Zähne zusammen. Sein Gesicht verzerrte sich zu einer gehässigen Grimasse. »Okay, Logan, du willst es nicht anders. Wir stürmen jetzt deine Ranch. Und rechne nicht damit, dass wir dich schonen.«

»Das wäre Carter auch gar nicht recht, Danner«, klang es sarkastisch zurück.

»Vorwärts, Leute!«, rief der Sheriff den Männern seines Aufgebots zu.

*

TOBY LOGAN HATTE SICH in der Küche des Ranchhauses verschanzt. Er blickte hangaufwärts, von wo die Stimme des Sheriffs gekommen war. Toby konnte gut die huschenden Schemen durch die Dunkelheit wahrnehmen. Unaufhaltsam kamen sie heran.

Toby war noch jung, fünfundzwanzig Jahre. Er hatte das Rudel über den Rand des Hügels kommen sehen und war zunächst der Meinung gewesen, dass es sich um Carters Revolvermannschaft handelte, die ihm bereits vor drei Wochen einen Besuch abgestattet und ihm nahe gelegt hatte, von dem Land zu verschwinden, auf das Carter scharf war wie der Teufel auf die arme Seele.

Vor drei Wochen konnten sie Toby überraschen.

An diesem Abend aber knallte er ihren Pferden einige Unzen Blei vor die Hufe und schrie, dass sie verschwinden sollten, weil er sonst auf ihre Köpfe zielen würde.

Da hatte Sheriff Walt Danner gerufen: »Wir haben Floyd Miller gefunden, Toby Logan. Er hat eine Kugel zwischen den Schulterblättern. Wir wissen, dass du ihn ermordet hast, denn du hattest Streit mit ihm wegen einiger Rinder, und du hast gedroht, ihm das Fell über die Ohren zu ziehen.«

Toby hatte einige Zeit benötigt, um das zu verarbeiten, dann hatte er geantwortet: »Das ist Irrsinn, Danner. Du kennst mich und musst wissen, dass ich wegen einiger streunender Rinder keinen Mann in den Rücken schieße. Suche den Mörder, wo du willst, aber nicht auf der Logan-Ranch.«

Jetzt saßen oben auf dem Hügel die Reiter ab. Er sah sie ihre Gewehre aus den Scabbards ziehen und geduckt nach den Seiten davonhuschen.

Und nun kamen sie ...

Die Angst stieg in Toby Logan hoch und drohte ihm die Kehle zuzuschnüren. Mit brennenden Augen starrte er in die Dunkelheit, versuchte sie mit seinen Blicken zu durchdringen.

Zäh verrannen die Sekunden, wurden zu Minuten.

Die Luft knisterte vor Spannung, als wäre sie mit Elektrizität aufgeladen. Die Anspannung brachte Toby Logans Nerven zum Vibrieren und bereitete ihm körperliches Unbehagen.

Er vernahm das Knirschen von Staub unter Stiefelsohlen und das leise Klingeln von Sporen!

Toby riss den Kolben der Winchester an die Schulter, jagte einen Schuss hinaus, repetierte, schoss erneut.

Die Angreifer erwiderten schlagartig das Feuer. Sie waren schon sehr nahe. Das verrieten die Mündungsblitze, die wie glühende Speere in die Finsternis stießen. Die Kugeln klatschten gegen die Hauswand, bohrten sich knirschend in Holz, jaulten als Querschläger davon. Krachen erfüllte die Nacht, die Detonationen verschmolzen ineinander und stießen auseinander wie ein höllischer Gesang.

Toby zog den Kopf zwischen die Schultern. Kalte Ruhe ergriff von ihm Besitz. Kugel um Kugel jagte er hinaus, jeweils in das Aufblitzen ihrer Schüsse hinein. Ein Mann schrie auf.

Unvermittelt brach das Schießen ab. Toby wischte sich mit dem Handrücken über die Augen.

Angestrengt lauschte er nach draußen. Unheimliche Stille lag über der Ranch. Hart umklammerten seine Hände Kolbenhals und Schaft der Winchester. Gepresst atmete er. Vom Hügelkamm drang das Wiehern eines Pferdes herunter.

Plötzlich wirbelte Toby herum. War da nicht draußen auf dem Flur ein Geräusch gewesen? Oder narrten ihn schon seine Sinne? Sein Herz hämmerte in wildem Rhythmus. Er schluckte unwillkürlich, hob das Gewehr und brachte es in Hüftanschlag.

Auf dem Flur aber blieb es still.

Dafür wurde im Hof wieder das Feuer eröffnet. Toby warf sich herum, nahm wieder seinen Platz neben dem hochgeschobenen Fenster ein. Projektile sirrten an ihm vorbei in den Raum, zersplitterten Möbel und Wände. Um Toby herum war nur noch ein höllisches Spektakel, das seine Trommelfelle regelrecht betäubte. Die Männer des Sheriffs hielten ihn mit ihren Schüssen in Deckung, und er konnte nicht wagen, auch nur seine Nasenspitze zu zeigen.

Pulverrauch wogte über den Ranchhof, gierig leckten die Mündungszungen aus den Läufen.

Und wieder brach das Schießen abrupt ab. Das Echo der Schüsse verhallte in der Ferne.

Da flog hinter Toby die Tür auf. Der Mann auf der Schwelle schoss in rasender Folge. Toby, der noch herumgewirbelt war, spürte die Einschläge in seinem Körper, ächzte und taumelte. Krampfhaft versuchte er, die Winchester abzudrücken. Aber aus seinem Körper floh bereits das Leben. Seine Waffe fiel zu Boden. Wie durch Nebel nahm Toby den großen Mann in der Tür wahr, dunkel und drohend. Und dann hauchte Toby sein Leben aus. Er sank zu Boden, streckte sich, seine Gestalt erschlaffte.

Sheriff Walt Danner senkte das Gewehr. Mitleidlos und ohne jede Regung starrte er auf die reglose Gestalt am Boden.

Steward Carter konnte zufrieden sein. Er hatte mit Toby Logan dem Rancher das letzte Hindernis aus dem Weg geräumt. Nun konnte Carter sich in den Besitz des gesamten Weidelandes im County bringen, und seine Herden hatten freien Zugang zum Fluss.

Walt Danner wandte sich um. Seine Arbeit war getan. Dabei konnte er nicht ahnen, wer in diesem tödlichen Spiel tatsächlich die Faden m der Hand hielt, wer auch jenen Faden hielt, der ihn, Danner, zur willenlosen Marionette machte.

*

DER MORD AN DEM SMALLRANCHER Floyd Miller war gesühnt. Beinahe ein Jahr war seit jenem grauen und verhängnisvollen Tag vergangen. Von Toby Logan sprach man schon lange nicht mehr. Die Logan-Ranch erwarb – ebenso wie die Miller-Ranch – Steward Carter. Niemand hatte sich bei der Versteigerung gefunden, der Carter überboten hätte, denn sie lebten alle im Schatten der Carter-Ranch. Prescott und das Umland waren abhängig von Carter und seiner großen Mannschaft.

Und so kassierte er sozusagen für ein Butterbrot die beiden Ranches samt den Wasserrechten an dem Creek, zu dem bis zu diesem Zeitpunkt seine Rinder keinen Zugang hatten.

Steward Carter war der Mächtige im County. Er beherrschte es, beherrschte Prescott, bestimmte das Leben in der Stadt und im Land. Und sein Revolvermann John Mortimer sorgte dafür, dass es an Carters Vormachtstellung nichts zu rütteln gab. Mortimers schnelle Hände und seine Skrupellosigkeit waren gefürchtet. Auf seine Art und Weise hielt er alle Widerstände von Carter fern, räumte Schwierigkeiten aus dem Weg.

Der Gunman hatte völlig freie Hand. Und das machte John Mortimer sicher.

*

DER EINSAME REITER blickte zum Himmel. Die Sonne stand im Zenit und mutete an wie eine glühende Scheibe aus Weißgold. Ihre Ränder waren im gleißenden Licht nicht zu erkennen.

Sosehr der Mann auch den Eindruck vermittelte, vor sich hinzudösen, das Gegenteil war der Fall. Alles in ihm war hellwach, auf blitzschnelle Reaktion eingestellt.

Er hatte gelernt, immer auf der Hut zu sein, überall Gefahren zu wittern, und das abzulegen gelang ihm selbst dort nicht, wo es überhaupt keine Gefahren für ihn geben konnte, wie hier, wo das Land auf viele hundert Yards zu überblicken war.

Das war Jack Logan.

Seinen kleinen Bruder Toby hatte vor einem Jahr das Aufgebot aus Prescott mit Sheriff Walt Danner an der Spitze getötet. Das aber konnte Jack Logan nicht einmal ahnen.

Hinter Jack lag eine raue und rauchige Zeit. Vor mehr als fünf Jahren hatte er die kleine Ranch bei Prescott verlassen. Das war, nachdem seine Mutter beerdigt worden war. Sein Vater war ein Jahr vor ihr gestorben. Jack hatte Toby allein auf der Ranch zurückgelassen und ihm sein Erbteil abgetreten. Denn Toby war der geborene Rancher, Jack hingegen fühlte sich nicht zum Viehzüchter berufen.

Er war als Marshal in den verschiedenen Städten und Ansiedlungen tätig, kehrte mit eisernem Besen, und wenn er eine Town zur Ruhe gebracht hatte, ritt er weiter.

Seine Unrast trieb ihn von Ort zu Ort, von einem Kampf in den anderen. Er sah Männer sterben, und manch einer starb durch seine Hand im Namen des Gesetzes.

Dann hatte er wieder einmal in einer Stadt die Ruhe hergestellt, wieder klebte Blut an seinen Händen. Und plötzlich war ihm dieses Leben über, in dem es nur blutigen Kampf gab. Er begann es zu verabscheuen, legte den Stern ab, sattelte seinen Rotfuchs und lenkte ihn nach Arizona, nach Hause. Mit jedem Schritt, den sein Pferd tat, freute er sich mehr auf das Wiedersehen mit Toby.

Sattelleder knarrte, die Gebisskette klirrte, dürres Gras raschelte unter den Pferdehufen, dumpf pochte der monotone Hufschlag. Und mit jedem Yard, den sie an Boden gewannen, näherten sie sich der kleinen Ranch bei Prescott.

Ein selten gekanntes Gefühl der Freude und frohen Erwartung war in Jack. Selbst ein hartgesottener Bursche wie er kannte solcherlei Empfindungen. Auch er hatte Gefühle in seiner Brust, doch blieben sie zumeist im Verborgenen.

*

DIE UNTERGEHENDE SONNE tauchte das Land in glutroten Schein und ließ alles bizarre Formen annehmen.

Gegen dieses unwirkliche Licht zeichneten sich klar die Konturen des Reiters ab, der sich im Schritt den Gebäuden der ehemaligen Logan-Ranch näherte.

Nat Flint sah den Mann zuerst. Flint saß in einem alten Korbsessel auf der Veranda. Seine Beine lagen auf dem rissigen Querbalken des Geländers. Jetzt nahm er sie herunter und setzte sich aufrecht.

»He, Wyatt«, sagte er mit heiserer Stimme zu Dodson, der zwei Schritte weiter auf dem Verandageländer saß, mit dem Rücken gegen einen Stützbalken des Vorbaudachs gelehnt, und rauchte.

Dodson sah zu Nat Flint hin, und der sagte: »Da kommt jemand auf die Ranch zu.« Sein ausgestreckter Arm wies in die Richtung, aus der der Reiter kam.

Wyatt Dodson blickte hinüber, sprang auf die Füße, beschattete seine Augen mit der linken Hand und erwiderte nach einer Weile: »Ja, Nat, der kommt hierher, kein Zweifel. Was der Hombre wohl will? Scheint ein Fremder zu sein. Oder hast du ihn schon mal in der Gegend gesehen?«

»Das kann ich auf diese Entfernung und bei diesen Lichtverhältnissen schlecht sagen«, antwortete Flint. »Lassen wir ihn herankommen, und dann werden wir ja feststellen, ob er auf dieser Weide etwas zu suchen hat. Wenn nicht ...«

Nat Flint unterbrach sich und schnippte mit den Fingern. Diese Geste war vielsagender als jedes Wort.

»Hol Rube raus! Der faule Knochen liegt schon wieder auf dem Sofa in der Küche und schläft.«

Wyatt Dodson wandte sich um und ging in das Haus. Gleich darauf ertönte aus dem Innern mürrisches Stimmengemurmel, und dann kam Rube Bascom auf die Veranda. Sein Blick war finster. Unter seinem Gewicht ächzten die Bohlen. Dodson folgte ihm. Der blassgesichtige Bursche grinste schief über Bascoms linke Schulter hinweg.

»Was ist los?«, fragte Bascom wütend. »Wegen eines einzelnen Typs holt ihr mich aus dem tiefsten Schlaf? Das kann doch nicht wahr sein.«

Nat Flint lächelte und winkte ab. »Du wirst noch mal deinen eigenen Tod verschlafen, Rube«, bemerkte er spöttisch. »Und dann musst du ewig leben.«

Inzwischen hatte sich der Reiter genähert. Die Männer auf der Veranda konnten Einzelheiten erkennen.

Der Mann, der auf die Ranch zuritt, war wie ein Cowboy gekleidet.

»Kennt ihr den?«, fragte Nat Flint.

»Nein, noch nie gesehen«, brummelte Dodson.

Und Bascom sagte: »Vielleicht sucht er einen Job.«

»Der sieht nicht aus wie einer, der sein Leben damit verbringt, hinter Kuhschwänzen herzureiten«, wandte Flint ein.

»Es muss ja auch nicht Sattelarbeit sein, die er sucht.« Bascom spuckte in hohem Bogen in den Hof.

Gespannt und misstrauisch starrten sie dem Reiter entgegen. Auf dem Ranchhof zügelte der Fremde sein Pferd, saß ab und ging auf das Haupthaus zu. Vor der Veranda blieb er stehen. Er musterte nacheinander die drei Männer auf der Veranda und verspürte dabei eine seltsame Beklemmung.

Diese Sorte gab es vor fünf Jahren nicht auf der Logan-Ranch.

Einige Sekunden des bleiernen Schweigens vergingen, dann sagte Nat Flint: »Okay, Mister, wir haben uns nun lange genug angestarrt, denke ich. Was wollen Sie, und wer sind Sie?«

»Mein Name ist Jack Logan.«

Die drei Burschen auf der Veranda horchten auf. »Sagtest du – Logan?«, stieß Wyatt Dodson hervor.

»Ja, Logan. Und ich war darauf eingestellt, hier meinen Bruder Toby vorzufinden. Als ich von hier fortging, gehörte ihm diese Ranch.«

Nat Flint und Wyatt Dodson wechselten einen schnellen Blick. Und wie auf ein geheimes Kommando legten sich ihre Hände auf die Kolben ihrer Revolver.

Flint wandte sich wieder dem Reiter zu. Gedehnt sagte er: »Du bist also Jack Logan, Mister. Und du suchst deinen Bruder Toby, wie?«

»So ist es, mein Freund«, erwiderte Jack sanft. »Ich bin Jack Logan und suche hier meinen Bruder Toby. Wie mir aber scheint, treffe ich ihn nicht an.«

Jack spürte ganz deutlich, dass hier nichts mehr stimmte. Die drei Burschen auf der Veranda erinnerten ihn an jene Kerle, mit denen er im Laufe seiner Zeit als Marshal immer wieder zusammengestoßen war. Ihre Galgenvogelgesichter waren typisch, auch die Art, wie sie die Hände auf den Knäufen liegen hatten. Nun ja, Jack kannte sich aus. Nahezu körperlich spürte er das Misstrauen und die Feindseligkeit, die ihm entgegenschlugen.

Jede Faser seines Körpers war zum Zerreißen gespannt. Sein Handballen berührte den Revolverkolben am rechten Oberschenkel.

»Well, wenn du Jack Logan bist«, ließ sich Nat Flint wieder vernehmen, »dann hast du hier nichts zu suchen. Diese Ranch gehört nämlich nicht mehr euch Logans, sondern Steward Carter. Deinen Bruder findest du auf dem Boothill, Logan, zumindest sein Grab oder was daran erinnert.«

Schlagartig ergriff eine bodenlose Leere von Jack Besitz, einen Moment drehte sich alles vor seinen Augen. Er hielt sekundenlang die Luft an, dann stieß er sie scharf durch den Mund aus.

Toby tot!

So hämmerte es hinter seiner Stirn. »Was war hier los?«, fragte er mit lauerndem Blick.

Die drei Burschen erkannten nicht die Gefahr, die unvermittelt von Logan ausging, nicht seine eiserne Entschlossenheit. Sie hielten sich selbst für ausgesprochen gefährlich, und außerdem waren sie dem anderen zahlenmäßig überlegen. Möglicherweise fehlte ihnen auch jenes letzte Quäntchen Menschenkenntnis, das ihnen gesagt hätte, dass Logan eine ganze Klasse besser war, als sie es jemals sein konnten.

»Siehst du die Einschüsse in der Wand hinter mir, Logan?«, fragte Nat Flint und deutete mit dem Daumen über die Schulter. »Da hat eine Posse aus Prescott dieses Nest gestürmt und deinen Bruder hochgenommen.« Flints aufgeworfene Lippen verzogen sich zu einem hämischen Grinsen und gaben einen Teil seines gelben Pferdegebisses frei. »Ja, ja, der Name Logan sorgte vor einem Jahr für Schlagzeilen«, fuhr er dann mit spotttriefender Stimme fort. »Aber dein Bruder hatte Glück, Logan. Denn wenn er nicht an ein paar schnellen Kugeln gestorben wäre, dann hätten sie ihn mit Sicherheit aufgehängt.«

»Weshalb?«, fragte Jack voller Grimm. Es wollte nicht in seinen Kopf. Toby tot – erschossen! Was hatte es mit den seltsamen Andeutungen des Burschen auf sich? Warum hätten sie Toby gehängt, wenn er nicht vorher an ihren Kugeln gestorben wäre? Was war der Grund? »Ich warte auf Antwort!«, stieß er scharf zwischen den Zähnen hervor.

»Er hat Floyd Miller getötet. Auf ganz besonders niederträchtige Weise hat er seinen Nachbarn umgebracht. Darum.«

Die Tonlage, in der Nat Flint gesprochen hatte, brachte Jacks Inneres zum Sieden. Er erkannte deutlich die wilde Freude, die der Kerl im Nachhinein verspürte.

Jack war nahe daran, seinen Colt aus dem Holster zu reißen und diesem pferdegesichtigen Burschen auf der Veranda mit heißem Blei zu antworten. Doch er zwang sich zur Ruhe. Beherrscht sagte er:

»Mein Bruder lebt also nicht mehr. Er soll einen Mann in den Rücken geschossen haben, eine Posse jagte und tötete ihn. Doch das gibt keinem das Recht, sich auf dieser Ranch einzunisten, auch einem Steward Carter nicht. Denn ich lebe noch. Und ich bin Tobys Bruder — und sein Erbe. Ihr hört schon richtig, Freunde. Sein Erbe! Auch hierfür bestehen Gesetze. Die Logan-Ranch gibt es also ab sofort wieder. Berichtet das Carter, wenn ihr bei ihm ankommt.«

»Was heißt das?«, fragte Flint mit schmalen Augen.

»Dass ihr jetzt euren Kram zusammenpackt und verschwindet. Ihr habt hier nichts verloren. Und richtet eurem sauberen Boss noch aus, dass – falls er Wert auf ein Gespräch mit mir legt – er mich in Prescott finden wird. Andernfalls werde ich ihn aufsuchen. Und an meinem Besuch wird er wenig Freude haben. Sagt ihm das.«

Die Gesichter der drei verzerrten sich, wurden zu Grimassen. Jack erkannte, dass sie sich nicht so ohne weiteres vertreiben lassen würden. Also musste er wieder zum Colt greifen. Hier, an dem Ort, wo er nach fünf langen Jahren Ruhe zu finden hoffte, wo er seine rauchige Vergangenheit abschütteln wollte. Bitter stieg es in ihm hoch. Aber nach außen hin zeigte er Gelassenheit.

»Er ist verrückt, Nat«, sagte Rube Bascom grollend. »Total verrückt. Vielleicht ist er sogar der Meinung, gegen eure Eisen etwas auszurichten. So etwas soll es geben. Schade, dass ich meinen Colt nicht umgeschnallt habe. Es wäre mir eine riesige Freude, ihm ...«

Er lachte hohl, sprach aber nicht aus, was er mit Logan anzustellen gedachte. Das heißt, er kam gar nicht mehr dazu, es auszusprechen, denn in sein schepperndes Lachen mischte sich das hämmernde Stakkato von Revolverschüssen.

Heißes Blei raste über den Ranchhof, Pulverrauch zerflatterte im Abendwind.

In dem Augenblick, als Rube Bascom zu lachen anfing, hatten Flint und Dodson zu den Waffen gegriffen.

Und dann war alles blitzschnell gegangen.

Und als das Echo der Schüsse noch über den Hügeln ringsum verrollte, lagen Wyatt Dodson und Nat Flint leblos auf der Veranda.

Jack hatte zweimal geschossen, und jede seiner Kugeln hatte einen Mann getötet.

Breitbeinig stand Jack im Hof, den Revolver hielt er auf Bascom gerichtet. Aus der Mündung kräuselte blaugrauer Rauch.

Rube Bascom starrte einen Moment auf die Waffe in Logans Faust, dann schweifte sein Blick zur Seite und saugte sich an den beiden Toten fest. Würgend schluckte der grobschlächtige Bursche.

Jack Logan sagte: »Well, Dicker, das war es wohl. Pack diese beiden Narren auf ihre Gäule und bringe sie Steward Carter! Bestelle ihm, was ich vorhin sagte. Und ich meine es ernst. Nun beweg dich, Mister!«

*

NACH EINER VIERTELSTUNDE ritt Bascom von der Ranch. Er führte die Pferde Flints und Dodsons mit sich. Über ihren Rücken lagen die beiden Toten. Bascom drehte sich nicht mehr um. Bald war er aus Jacks Blickfeld verschwunden.

Jack stand noch eine ganze Weile auf der Veranda. Gedankenverloren starrte er auf unbestimmten Punkt in der Ferne, als müsste er um einen Entschluss ringen.

Und immer wieder hämmerte es hinter seiner Stirn: Toby ist tot! Sie haben ihn gejagt wie einen Verbrecher und getötet. Niemals hat er Floyd Miller eine Kugel in den Rücken geschossen. Zu einem hinterhältigen Mord war Toby nicht fähig, dazu war er nicht der Mann.

Aber trotzdem ließen sie ihn für den Mord an Miller büßen. Und niemand war da, der ihm hatte helfen können.

Jacks Gesicht war ernst und verkniffen, in seinen Mundwinkeln zuckte es. Der Gedanke an seinen Bruder ließ ihn nicht los. Wenn Toby es nicht war, dann muss es ein anderer getan haben. Und dieser andere hat es verstanden, den Verdacht auf Toby zu lenken.

Wer?

Jack nickte. Yeah, dachte er, schon immer wollte dieser alte Schuft diese Ranch – und auch die Floyd Millers. Schon als Vater und Mutter noch lebten, setzte Carter ihnen zu und versuchte sie zum Kauf zu überreden. Denn mit dem Land der Logan- und der Miller-Ranch wollte er sein Imperium in diesem County ausbauen.

Er verspürte plötzlich einen schalen Geschmack auf der Zunge und spuckte aus. Dann strafften sich seine Schultern. Er gab sich einen Ruck und ging ins Haus. Wie gut er sich noch hier zurechtfand. Die erste Tür rechts führte in die Küche. Er stieß sie auf.

Als seine Mutter noch lebte, herrschten hier Ordnung und Sauberkeit. Die Tischplatte war stets gescheuert, die Herdplatte nie rostig. Um den Tisch herum standen vier solide Stühle.

Doch was er nun sah ...

Überall Staub und Schmutz. Der Tisch war verkrustet von den Essensresten des letzten Jahres. Auf dem Herd hatte sich eine dicke Schicht Rost angesetzt. Es gab nur noch drei brüchige Stühle. Der vierte Stuhl lag unbrauchbar in einer Ecke des Raumes. Das grüne Glas im Aufsatz des Küchenschranks war herausgeschlagen. Die Scherben lagen auf dem vor Schmutz und Unrat starrenden Boden.

Es sah aus, als wenn hier Schweine gehaust hätten.

Jack Logan fühlte sich mit einem Mal sehr einsam.

Er erhob sich und ging nach draußen. Der Rotfuchs stand noch immer dort, wo Jack ihn stehengelassen hatte, nachdem er abgesessen war. Das Tier schnaubte und blickte seinem Reiter entgegen. Jack strich ihm mit der flachen Hand über die Nüstern.

»So ist das, Alter«, murmelte er. »Dies hier soll unsere Heimat sein. Eine Heimat, die in Wirklichkeit keine mehr ist. Sicher habe ich mir alles viel zu schön vorgestellt, als dass es sich so erfüllen konnte. Aus unserer Ruhe wird nichts. Wir haben ein Erbe anzutreten, eine gefährliche Erbschaft, das Erbe Tobys. Es wird Kampf geben, doch soll es unser letzter sein, so oder so. Komm, mein Junge, ich will nur noch nach den Gräbern meiner Eltern sehen, dann reiten wir. Ich schätze, dass man mir in Prescott einige Fragen beantworten muss.«

*

ES WAR ZEHN UHR, ALS Jack in Prescott einritt. Durch eine enge, dunkle Gasse gelangte er auf die Main Street. Sie war ziemlich gut beleuchtet. An den Vorbaudächern hingen Lampen. Sie warfen ihren gelben Schein auf die breite, staubige Straße. Aus den Fenstern der Saloons, der Häuser und Hütten fiel das Licht in breiten Bahnen und vermischte sich mit dem der Karbid- und Kerosinlampen unter den Vorbaudächern.

Die Stadt lärmte, brodelte und summte. Gitarrenklänge waren zu hören. Männer hasteten über die Straße, ihre heiseren Stimmen erreichten Jacks Ohren. Frauen waren um diese Zeit nicht mehr draußen anzutreffen, höchstens solche vom horizontalen Gewerbe. Aber sie konnten in einer Town wie Prescott nur schwer Fuß fassen.

Dann erreichte Jack das Sheriff's Office. Vor dem Haltebalken glitt er aus dem Sattel, lose leinte er den Rotfuchs an, dann trat er auf den Bohlengehsteig. Dumpf hallten seine Schritte.

Aus den Fenstern zu beiden Seiten der Eingangstür fiel kein Licht. Die Tür war nicht verschlossen. Jack trat ein, tastete sich durch den dunklen Raum und stieß nach kurzer Zeit mit den Oberschenkeln gegen die Schreibtischplatte. Jack riss ein Streichholz an. Die kleine Flamme loderte auf, erhellte sekundenlang die nächste Umgebung. Jack sah die Lampe auf dem Schreibtisch. Er nahm den Glaszylinder ab, drehte den Docht ein wenig höher und hielt die Schwefelholzflamme dagegen. Als er brannte, stülpte er den Glaszylinder wieder darüber. Düsteres Licht leuchtete das Office notdürftig aus.

Jack blickte sich um. Es gab nichts, was seine Aufmerksamkeit erregt hätte. Es war ein Sheriff's Office wie tausend andere auch.

Er setzte sich hinter den Schreibtisch und legte die Füße auf die Tischplatte. Dann rollte er sich eine Zigarette und wartete.

Und wieder drangen quälende Fragen mit Macht auf ihn ein, füllten ihn aus und er spürte, dass seine Heimkehr unter einem ausgesprochen ungünstigen Stern zu stehen schien.

*

DUMPFER HUFSCHLAG IM Hof und raue Männerstimmen erregten die Aufmerksamkeit Steward Carters. Er stemmte sich aus dem wuchtigen Polsterstuhl hoch. Groß und schwer stapfte er zur Tür. Er verließ das Haus und trat auf die Veranda.

Einige Männer trugen Laternen, und so konnte der Rancher alles gut erkennen.

Unter seinen Stiefeln knirschte der Sand, als er in den Hof trat. Er blickte auf die beiden Pferde, auf die erschlafften Gestalten über ihren Rücken, und über seiner Nasenwurzel bildete sich eine steile Falte. Dann schaute er auf Rube Bascom und ihre Blicke kreuzten sich.

»Was war los?«, fragte der Rancher.

Rube befeuchtete mit der Zungenspitze die Lippen, dann antwortete er mit brüchiger Stimme: »Jack Logan ist heimgekehrt. Er ist zurückgekommen, um ...«

Bascom verstummte, als der die plötzliche Veränderung in Carters Gesicht wahrnahm. In dem Rancher hatte sich etwas versteift. Finster starrte er auf Bascom, so, als machte er ihn für Logans Rückkehr verantwortlich. »Was hat er vor?«, wollte Carter wissen.

»Er übernimmt wieder die Logan-Ranch, lässt er Ihnen ausrichten, Boss. Seine Kaltschnäuzigkeit passte Nat und Wyatt nicht, und sie griffen nach ihren Revolvern. Und dann ... So etwas habe ich noch nie erlebt. Wyatt und Nat hatten ihre Eisen schon halb aus den Futteralen, als Logan zog. Er schoss zweimal. Nat und Wyatt kamen nicht mal mehr zum Schuss. Er jagte jedem eine Kugel mitten ins Herz. Es – es grenzte an Zauberei, Boss, wahrhaftig an Zauberei.«

Steward Carters Mund verzog sich. »Und was sagte er sonst noch?«, fragte er lauernd.

»Er will die Ranch wieder übernehmen. Doch das sagte ich schon. Er will Sie sprechen, Boss. Sie würden ihn in Prescott treffen, wenn Sie Wert darauf legen. Andernfalls kommt er zu Ihnen.«

Steward Carter nickte.

Jack Logan ist zurückgekommen, dachte er, und will mir auf die Füße treten, weil er glaubt, dass ich ... Ach was, er hat zwei meiner besten Leute erschossen, und das nehme ich nicht hin.

Und laut sagte er: »Okay, Logan braucht sich nicht zu bemühen. Wir werden ...«

Er verstummte, als Hufschlag laut wurde und eine Reitersilhouette unter dem hohen Galgentor des Ranchhofes auftauchte. Im Schein der Laternen zügelte der Mann sein Pferd.

Sekundenlang blickte er auf die beiden Toten, dann verschränkte er seine Hände über dem Sattelknauf und hielt den Kopf ein wenig schief.

Im flackernden Licht wirkte dieser Mann gefährlich.

»Das sind doch Wyatt Dodson und Nat Flint«, stellte er mit unangenehm knarrender Stimme fest. »Hat man den beiden endlich ihr großes Mundwerk gestopft? Wer hat das getan?«

Aller Augen waren auf den Reiter gerichtet. Steward Carter antwortete mit gepresst klingender Stimme: »Das war Jack Logan. Er ist zurückgekehrt und hat mir den Krieg angesagt.«

»Ah, Toby Logans Bruder.« Der Reiter nickte. »Damit war irgendwann zu rechnen«, fuhr er dann fast gelassen fort. »Scheint ja ein mächtig harter Brocken zu sein, dieser Jack Logan. Aber er ist bestimmt nicht hart genug. Sie werden das doch nicht hinnehmen?« Er deutete auf die Toten.

»Mit Sicherheit nicht, Mortimer«, erwiderte Carter. »Das kann ich nicht schlucken. Logan hat mir den Krieg erklärt, also soll er ihn haben. Wir sind stärker als er. Und wir werden ihn hinwegfegen.«

John Mortimer straffte sich. Die Gefährlichkeit dieses Mannes war unverkennbar. Er war gekleidet wie ein Spieler: Schwarzer Anzug, weißes Rüschenhemd, dunkelrote Schnürsenkelkrawatte. Und er trug einen flachkronigen, breitrandigen Stetson. Die Hutschnur war aus getrockneter Schlangenhaut. Sie hob sich vom Schwarz des Hutes hell ab.

Wären nicht die beiden schweren Colts an seinen Oberschenkeln gewesen, so hätte Mortimer von der äußeren Erscheinung her kaum etwas von einem Stadtmenschen aus dem Osten unterschieden. Doch die beiden Sixshooter waren da, und Mortimer wusste höllisch schnell mit ihnen umzugehen.

»Well«, sagte er, »dann wird es also Kampf geben. Logan will es nicht anders. Er ist ein Narr.«

Er warf einen letzten Blick auf die Toten, dann ritt er ohne die Spur einer Gemütsregung an. Beim Pferdestall saß er ab und öffnete das Tor. Einer der Cowboys war ihm gefolgt. Mortimer reichte ihm die Zügel. »Versorge ihn gut«, sagte er und ging zurück in den Hof.

Niemand achtete auf die junge Frau, die im Schatten unter dem Vorbaudach gestanden und alles gehört hatte, was im Hof gesprochen worden war. Als der Name Jack Logan fiel, begann ihr Herz in wilder Erregung zu rasen, der Name klang in ihr nach.

»Jack«, murmelte sie, und dann noch einmal: »Jack.« Die Stimme ihres Vaters drang wie aus weiter Ferne an ihre Ohren, aber seine Worte erreichten nur ihr Unterbewusstsein.

»Legt die beiden in die Scheune!«, befahl Steward Carter. »Wir begraben sie morgen in aller Frühe. Danach werde ich mit Mortimer nach Prescott fahren. Du, Wolters«, so wandte er sich an seinen Vormann, »trägst während meiner Abwesenheit die Verantwortung hier. Klar?«

Wolters nickte. Der Rancher drehte sich um, wollte ins Haus gehen und nahm im selben Moment seine Tochter wahr. Er blieb stehen und fragte: »Was tust du hier, Barbara?« Seine Stimme klang gedämpft. Langsam ging er weiter, stieg die wenigen Treppen zur Veranda hinauf und verhielt erneut.

Barbara betrachtete ihn eine ganze Weile, dann antwortete sie: »Jack Logan ist zurückgekehrt, Dad, und er hat dir den Kampf angesagt. So ist es doch, nicht wahr?«

Carter nickte. »Ja, Barbara, so ist es. Er hat zwei meiner besten Männer erschossen. Das muss er büßen. Er will mir die Logan-Ranch wieder wegnehmen. Dabei habe ich den Besitz ordnungsgemäß erworben. Also werde ich auch darum kämpfen. Doch gehen wir ins Haus, Mädchen.« Er legte einen Arm um ihre Schultern. Mit sanftem Druck dirigierte er sie zur Haustür.

Barbara ging dem Rancher über alles. Für sie hatte er das hier aufgebaut. Sie war wie seine verstorbene Frau, die er über alle Maßen geliebt hatte. Indianer hatten sie umgebracht, als er auf der Weide gewesen war. Eine streunende Horde Mescaleros. Das war, kurz nachdem er zusammen mit dem alten Joshua Logan und Floyd Miller hier angekommen war und sie beschlossen hatten, zu bleiben und Ranches zu gründen.

Das war vor gut zwanzig Jahren gewesen.

Damals hatten sie alle ganz klein begonnen. Doch inzwischen war Steward Carter der mächtige Mann im County. Joshua Logan und Floyd Miller lebten nicht mehr.

Sie mussten damals gegen rotes und weißes Raubgesindel kämpfen und wussten nie, ob sie den nächsten Tag noch erlebten, aber sie behaupteten sich. Mit eiserner Hand säuberten sie das Land.

Eine der wenigen Erinnerungen Steward Carters an seine verstorbene Frau war Barbara. Eine lebendige Erinnerung, denn sie glich ihr sehr. Darum war dieser harte Mann auch wie umgewandelt, wenn Barbara in seine Nähe kam. Dann war ihm jedes Mal zumute, als hätte sich seine geliebte Frau bei ihm befunden.

Sie gingen ins Haus. In der Wohnstube empfing sie warmer Lichtschein. Auf dem schweren und kunstvoll geschnitzten Eichentisch lag eine angefangene Handarbeit Barbaras.

Sie setzten sich in die weichen Sessel. Aufmerksam betrachtete Barbara ihren Vater. Dessen hohe, von Wind und Sonne gegerbte Stirn war von unzähligen Furchen zerklüftet.

Diese Falten und Furchen waren ganz besonders deutlich, wenn Steward Carter irgendetwas nicht nach dem Sinn lief.

Und so sehr der Rancher sich auch Mühe gab, seine Miene so ausdruckslos wie möglich erscheinen zu lassen: Barbara kannte ihn viel zu gut, als dass sie ihm abgenommen hätte, dass ihn die Nachricht von Jack Logans Heimkehr nicht weiter berührte und ihm die bevorstehende Auseinandersetzung mit Jack egal war.

Er sagte: »Ich weiß, wie sehr du Jack Logan damals geliebt hast, Barbara. Und ich weiß auch, dass er dir gegenüber ebenfalls mehr empfand als nur Freundschaft. Doch dann ist er fortgeritten. Und er ließ fünf lange Jahre nichts von sich hören. Jetzt ist er zurückgekehrt und drauf und dran, mir vor die Füße zu springen. Er wird nicht begreifen, dass sein Bruder ein hinterhältiger Mörder war und er dafür zur Rechenschaft gezogen wurde.«

Während er sprach, hatte er Barbara nicht angeschaut. Er schluckte einmal, dann fuhr er fort: »Es war mir ganz recht so vor einem Jahr, wie sich die Dinge entwickelten. Wie dir bekannt ist, bin ich vor zwanzig Jahren mit dem alten Logan und Floyd Miller in dieses Land gekommen. Wir kämpften Rücken an Rücken und eroberten uns das Land. Doch ich wurde immer größer und größer, und die beiden anderen blieben hinter mir zurück. Es kam eines Tages zum Streit, und sie versperrten meinen Rindern den Weg zum Creek. Sie hatten die Wasserrechte schon Jahre zuvor erworben, und ich musste Brunnen graben lassen, damit meine Herden nicht verdursteten. Das Wasser aber, das die Brunnen lieferten, reichte nicht hinten und nicht vorne. Dann tötete Toby Logan Floyd Miller. Für mich eine Fügung des Schicksals, so makaber sich das auch anhören mag. Es ist jedenfalls so, denn ich konnte mit einem Schlag beide Ranches und zugleich die Wasserrechte an dem Fluss erwerben.«

Er sah Barbara an. Eine ganze Weile herrschte dumpfes Schweigen, dann sagte das hübsche Mädchen: »Sicher, Dad, du hast im guten Glauben gehandelt. Niemand rechnete damit, dass Jack Logan zurückkehren würde. Nie hat irgendjemand ein Lebenszeichen von ihm erhalten. Aber ich habe Jack nicht vergessen, die ganzen Jahre nicht. Es stimmt, ich liebte ihn. Doch ich war erst siebzehn, und er nahm es vielleicht gar nicht ernst. Er war ziemlich wild und wollte nichts anderes als fort von hier, hinaus in die Welt. Ja, Dad, ich konnte Jack all die langen Jahre nicht vergessen, und – ich habe ihn die ganze Zeit über geliebt. So ist das, Dad, und so wird es auch immer sein.«

Bedächtig nickte der Rancher. »Du bist wie deine Mutter, Barbara. Auch sie wäre für den Mann ihrer Liebe durch die Hölle gegangen. Doch du wirst dich entscheiden müssen. Jack will die Ranch seines Bruders zurück, ich aber habe sie mit allen Rechten ordnungsgemäß erworben und will sie behalten. Also musst du dich entscheiden, zwischen ihm und deinem Vater und dem, was ich für dich geschaffen habe. Es wird einen harten Kampf geben, denn ich werde Mortimer auf Logan loslassen, wenn er morgen nicht zur Vernunft zu bringen ist. Du ahnst sicher, was das bedeutet, Mädchen. Jack hat gegen Mortimer nicht die geringste Chance. Mortimer wird ihn töten. Ja, Barbara, du musst dich entscheiden. Und ich hoffe, die Entscheidung fällt dir nicht schwer.«

Barbara blickte den Mann an, der ihr Vater war. Sie fuhr sich mit der Hand über die Augen, so, als wollte sie mit dieser Geste einen bösen Traum verscheuchen. Leise sagte sie: »Dad, ich liebe Jack noch immer. Ich bin kein kleines dummes Mädchen mehr, wie ich es damals war. Ich bin in den fünf Jahren eine Frau geworden, ich fühle und empfinde wie eine Frau, und ich liebe Jack, wie eine Frau einen Mann nur lieben kann. Doch ich liebe auch dich, Dad.«

Steward Carter war wie versteinert. Und als Barbara merkte, dass er nicht bereit war, darauf etwas zu erwidern, sprach sie weiter: »Du verlangst von mir eine Entscheidung, Dad. Du solltest zuerst einmal in aller Ruhe mit Jack alles besprechen. Finde ihn ab, biete ihm einen guten Job, versuche den Kampf zu vermeiden. Und segne meine Liebe zu ihm. Jack ist mit Sicherheit nicht der Mann, der vernünftigen Argumenten nicht zugänglich wäre. Und wenn du ihm einen guten Preis für die Ranch bietest ...«

In Barbaras Augen begann es feucht zu schimmern.

»Du verlangst von mir, dass ich die Logan-Ranch zweimal erwerbe?«, fragte ihr Vater.

Da erhob Barbara sich schnell und lief aus dem Zimmer. Dumpf fiel die Tür hinter ihr ins Schloss.

Noch lange Zeit starrte Steward Carter auf die Tür. Hinter seiner Stirn wirbelten wenig erfreuliche Gedanken. Barbaras Reaktion war vollkommen unerwartet für ihn gekommen.

Die Gedanken des Ranchers wurden erst unterbrochen, als die Tür sich wieder öffnete und John Mortimer in die Stube kam.

Im Licht war deutlich zu erkennen, wie blass Mortimer war. Sein schwarzer Anzug betonte diese fahle Blässe nur noch. Seine Augen waren wasserhell und kalt wie die eines Fisches. Seine Hände waren feingliedrig und nervig. In der Linken hielt er ein Paar Handschuhe aus dünnem, geschmeidigem Leder,

Er war ein eiskalter Typ ohne Skrupel, dieser John Mortimer, brutal, unduldsam, kompromisslos und hart.

Er nahm Platz in dem Sessel, in dem vorher Barbara gesessen hatte. Weit streckte er die langen Beine von sich und sagte mit der für ihn typischen knarrenden Stimme: »Ich werde mir Jack Logan vor die Kanonen holen, Carter. Was dagegen?«

Mortimer hatte mit seinen Worten deutlich werden lassen, wie wenig ihm am Leben eines anderen lag. Zwingend fixierte er den Rancher, so als wusste er um die Unterhaltung zwischen diesem und Barbara und ahnte, dass in Carter die Gefühle einen heftigen Kampf ausfochten.

Aber Carter schüttelte den Kopf. »Das hat Zeit, Mortimer«, entgegnete er. »Zunächst will ich mit Logan sprechen. Und es wird dann auf seine Antwort ankommen. Entweder er nimmt mein Angebot an, oder ...«

Er sprach es nicht aus, aber sein Schweigen war vielsagender als alle Worte.

Mortimer grinste zynisch. »Mit Kerlen vom Schlage Logans verhandelt man nicht, Carter, höchstens auf der Basis heißen Bleis. Was für ein Angebot wollen Sie ihm denn unterbreiten?«, fragte er mit lauerndem Blick.

»Ich werde ihm eine Abfindung, über deren Höhe ich mir noch nicht im Klaren bin, vorschlagen. Ich verlange dafür von ihm eine Unterschrift unter einen Vertrag, wonach er mit Auszahlung der Abfindungssumme sämtliche Ansprüche auf die Logan-Ranch auf mich überträgt.«

»Geben Sie mir den Bruchteil von dem, was Sie Logan zu bieten gedenken, und ich lege Ihnen den Narren vor die Füße.« Das Grinsen um Mortimers Mund nahm hämische Züge an.

Carter betrachtete seine Fingernägel. Dann schüttelte er den Kopf. Barbaras Worte kamen ihm in den Sinn. Sie liebte Jack Logan. Doch darüber schwieg der Rancher sich aus.

»Nein, Mortimer, ich werde es auf die gütliche Art und Weise zu regeln versuchen. Wir beide werden uns morgen in die Stadt begeben. Und dort werde ich Logan treffen und mit ihm sprechen. Dann werden wir ja sehen.«

Mortimer erhob sich. Breitbeinig stand er da. Seine Mundwinkel zogen sich nach unten. »Wie Sie wollen. Carter. Doch vergessen Sie nicht, dass meine Art, die Sache aus der Welt zu schaffen, die einfachste wäre – und die billigste.« Er klatschte mit der flachen Hand gegen das Holster an seiner rechten Seite. »Daran sollten Sie denken – morgen. Gute Nacht.«

Er ging. Der Rancher war wieder allein und hing seinen bohrenden Gedanken nach.

Auf irgendeine Art war dieser Mortimer ihm unheimlich.

*

UNTER SHERIFF WALT Danners Schritten wallte der Staub der Main Street auf. Der Sternträger sah das Licht durch die Fenster seines Büros, dachte sich allerdings nichts dabei. Vermutlich befand sich sein Deputy Dave Corbett im Raum.

Doch als er eintrat, saß ein Fremder auf dem Stuhl. Danner blieb abrupt an der Tür stehen, seine Hand fiel auf den Revolverkolben, umklammerte ihn.

Walt Danner sah ein schmales Gesicht im Schatten der Hutkrempe, erkannte es jedoch nicht. Er stieß die Tür mit dem Absatz zu, nachdem er einen Schritt nach vorn gemacht hatte.

Die beiden Männer tasteten sich gegenseitig mit Blicken ab, dann stieß der Sheriff ungehalten hervor: »Was haben Sie hier zu suchen, Mister, und wer sind Sie?«

»Dich suche ich, Walt Danner«, antwortete Jack.

Der Sheriff stutzte, glaubte sich verhört zu haben.

Da stieß sich Jack mit dem Daumen ruckartig den Stetson aus der Stirn. Sein Gesicht lag nun voll im Lichtschein. Jähes Erkennen blitzte in den Augen Danners auf. Er trat unwillkürlich einen weiteren Schritt vor, nahm dabei jedoch die Rechte nicht vom Colt. Mit der Linken deutete er auf den Mann.

»Jack Logan!« Es hörte sich an wie ein erschreckter Aufschrei. Danners Augen wurden ganz eng. Und dann stieß er noch einmal hervor: »Jack Logan, gütiger Gott!«

»Ja, Danner, ich bin es.« Er nahm seine Füße vom Schreibtisch und setzte sich gerade. »Der verlorene Sohn hat auf die Heimatweide zurückgefunden, nach fünf langen Jahren. Aber meine Ankunft scheint unter einem sehr schlechten Stern zu stehen. Mir begegnete bisher nichts Erfreuliches hier. Wie mir scheint, hat man die Logans von der Liste gestrichen. Du wirst mir auf eine Menge Fragen antworten müssen, Walt.«

Der Sheriff schluckte mühsam. Er fühlte sich plötzlich um ein Jahr zurückversetzt, sah sich im Feuerschutz des Aufgebots in das Ranchhaus der Logans schleichen, die Tür aufreißen und ein halbes Dutzend Kugeln in den Körper Toby Logans hineinjagen.

In Danners Augen flackerte es. Nervös zog er die Unterlippe zwischen die Zähne und kaute auf ihr herum.

»Was willst du wissen, Logan?«, fragte er nach einer ganzen Zeit mit gepresst klingender Stimme. »Was sind es für Fragen, die du beantwortet haben willst? Sicherlich weißt du schon eine Menge von dem, was vorgefallen ist.«

»Eine Menge – nein. Ich weiß recht wenig, Danner. Es waren nur Bruchteile, die ich am späten Nachmittag auf meiner Ranch erfahren habe. Ein paar üble Burschen rieben mir voll wilder Freude ein paar Dinge unter die Nase, die mir nicht so recht in den Kopf wollen. Ich versuchte einiges klarzustellen, da griffen sie nach den Schießeisen. Jetzt schmoren sie in der Hölle, Walt.«

Die Schultern Danners sanken nach vorn, sein Arm, mit dem er noch immer auf Jack wies, senkte sich. Er machte einen weiteren Schritt auf Jack zu und stand dann unmittelbar vor dem Schreibtisch. »Du hast zwei Männer erschossen«, stammelte er verwirrt, »nur weil sie ...«

»Sie griffen nach ihren Kanonen. Und diese Sorte tut das nicht zum Spaß. Also wehrte ich mich. Nun, Walt, wie war das nun vor einem Jahr? Was hatte mein Bruder mit dem Mord an Floyd Miller zu tun? Und was machte ihn dieses Mordes verdächtig? Wer gab Carter das Recht, die Logan-Ranch zu erwerben? Hinterließ mein Bruder etwa Schulden, die Carter übernahm?«

»Das ist doch alles nicht mehr von Interesse, Jack«, versuchte Danner einzulenken. »Es kam nur ein Mann für den Mord an Miller in Frage: dein Bruder. Also ritten wir hinaus zur Ranch, und ich riet Toby, sich zu ergeben, damit in einer Gerichtsverhandlung seine Schuld oder Unschuld hätte bewiesen werden können. Aber Toby eröffnete auf uns das Feuer. Da waren wir uns sicher, dass er ...« Der Sheriff brach ab und zuckte mit den Schultern. »Du kannst es nicht mehr rückgängig machen, Jack. Deshalb solltest du wieder fortreiten und alles vergessen. Es wäre das Beste.«

Jack schüttelte den Kopf. »Dass man mich lieber am Nordpol sähe als hier, habe ich schon herausgefunden. Aber ich bleibe. Wieso kam nur Toby für den Mord an Miller in Frage?«

Walt Danner starrte ihn verbissen an. Seine Rechte umklammerte den Coltknauf derart, dass die Knöchel hell durch die Haut schimmerten.

»Warum antwortest du nicht?« Jacks Stimme klang hart und zwingend.

»Nun gut. Dein Bruder und Floyd Miller gerieten wegen einiger Rinder, die sich von der Logan-Weide auf die Miller-Weide verlaufen hatten, in Streit. Es waren Mavericks darunter, und Miller drückte ihnen einfach seinen Brand auf. In der folgenden Gerichtsverhandlung bekam dein Bruder recht. Er ritt auf Millers Weide und holte sein Vieh zurück. Die beiden Cowboys von Miller beobachteten ihn dabei. Dann ritten sie zur Ranch, um Miller zu berichten, dass Toby die Rinder abgetrieben habe. Da fanden sie Miller tot, in den Rücken geschossen. Natürlich fiel der Verdacht sofort auf Toby. Ich ritt mit einem Aufgebot hinaus zur Logan-Ranch, um ihn zu verhaften. Toby aber widersetzte sich und verwundete sogar einen Mann des Aufgebots. Den Rest kennst du, Jack.«

»Ist das alles?«

»Ja. Der Doc schnitt die Kugel aus Millers Körper. Es war von jenem Kaliber, wie es in den Colt deines Bruders passte.«

»Was für ein Kaliber?«

»Vierundvierzig.«

»Vierundvierzig also. Ich kann mir nicht vorstellen, dass vor einem Jahr Toby der einzige Mann in der Umgebung war, der einen Colt Kaliber 44 trug«, entgegnete Jack grimmig.

Walt Danner zuckte mit den Achseln. »Natürlich nicht«, räumte er ein. »Ich selber trage eine Waffe mit diesem Kaliber. Und nicht nur ich. Aber gegen deinen Bruder sprach alles. Nur er hatte Streit mit Miller, nur er hatte einen Grund ...«

»Nachdem er vor Gericht recht bekam, was? Mach dich nicht lächerlich, Walt. Kein Mann erschießt einen anderen, wenn er gegen ihn eine gerichtliche Verfügung in der Tasche hat. Und das mit dem Kaliber, das ist an den Haaren herbeigezogen. Wie ist das mit Carter? Er war schon seit langem scharf auf die Miller-Weide, wie auch auf die Weidegründe der Logans. Indem man den Mord an Miller meinem Bruder in die Schuhe schob und Toby dafür zur Rechenschaft zog, öffnete man seinem Drang Tür und Tor. Miller hatte keine Erben. Und bei Toby vergaß man sicher, einen solchen in seine höllischen Pläne einzubeziehen.«

In diesem Augenblick musste Jack an ein schwarzhaariges Mädchen denken. Siebzehn Jahre war es, als er fortritt, und schon verteufelt hübsch. Zweiundzwanzig war Barbara Carter inzwischen, eine Frau also. Ob sie noch so aussah wie vor fünf Jahren?

Jack verwarf diese Gedanken. Nun galt es, an Wichtigeres zu denken.

Jack sah den Sheriff an, und der fragte: »Was willst du damit zum Ausdruck bringen, Logan? Soll das heißen, dass du Steward Carter den Mord an Miller anhängen willst?« Keuchend atmete er aus. »Ich will dir etwas sagen, Logan: Dein Bruder war ein Mörder und büßte entsprechend. Rühre du jetzt nicht den alten Dreck auf, denn du kommst damit nicht durch und wirst auf Granit beißen. Carter hat beide Ranches ordnungsgemäß erworben. Und wenn du nach fünf Jahren hier auftauchst und irgendwelche Ansprüche anmeldest, dann fällst du auf die Nase. Ich empfehle es dir also noch einmal: Steig auf deinen Klepper und kehre diesem Land den Rücken!«

Jack erhob sich ruckartig. Langsam umrundete er den Schreibtisch. Einen halben Schritt vor Danner blieb er stehen. Sein Atem streifte das Gesicht des Sheriffs. »Ich bleibe. Und ich werde einiges herausfinden. Und es wird etlichen Leuten nicht in ihren Kram passen. Du hast mir übrigens noch nicht gesagt, ob mein Bruder Schulden hinterließ.«

Der Sheriff wich Jacks Blick aus. »Er hatte keine Schulden. Die Ranch warf so viel ab, dass er davon leben konnte.«

»So konnte die Ranch also nicht aufgrund irgendwelcher Schuldverschreibungen unter den Hammer kommen. Das heißt, sie ist noch im rechtmäßigen Besitz der Logans, des Erben Tobys, in meinem Besitz also. Wie viele Rinder gehörten zur Ranch, als mein Bruder starb?«

»Mit dem Erwerb der Ranch sind auch sie in Carters Besitz übergegangen. Es waren so um die achthundert, schätze ich.«

Jacks Brust hob sich unter einem tiefen Atemzug. »Okay«, sagte er grimmig. »Dann weiß ich ja jetzt Bescheid.« Er ging an Danner vorbei zum Ausgang.

Der Sheriff war wie erstarrt. Er lauschte nach draußen, vernahm zwei, drei dumpfe, hallende Tritte auf dem Gehsteig, dann pochenden Hufschlag, der sich langsam entfernte.

*

JACK LOGAN ÜBERNACHTETE im Hotel. Sein Pferd wusste er im Mietstall versorgt. Er frühstückte gut und ausgiebig und trank dazu heißen Kaffee, dann rauchte er. Er spürte die verstohlenen Blicke des Keepers. Auch ihn kannte er von früher. Doch Bat Connors schien sich seiner nicht mehr zu erinnern.

Jack Logan war sich darüber im Klaren, dass es den Bürgern nicht lange verborgen blieb, dass er zurückgekehrt war. Dafür würde schon Walt Danner sorgen. Es war Jack egal. Seine Ruhelosigkeit hatte ihn nach Hause getrieben, und er wollte bleiben. Hier war der Platz, an dem er Ruhe und Frieden finden wollte.

Er drückte den Zigarettenrest im Ascher aus, warf ein paar Münzen auf den Tisch, erhob sich und verließ den Saloon.

Als Jack den Mietstall betrat, schnaubte sein Rotfuchs freudig.

Das Tier war gut versorgt, und Jack schenkte dem Stallburschen einen Quarter Dollar.

Als er aus dem Stall kam, schloss Jack sekundenlang die Augen. Das Sonnenlicht blendete ihn. Da näherten sich ihm Schritte von rechts. Er achtete nicht weiter darauf, als aber auch links gleiche Geräusche laut wurden, war er mit einem Schlag hellwach. Unwillkürlich spannten sich seine Muskeln, seine Sinne stellten sich auf eine unmittelbare Gefahr ein. Er duckte sich, seine Rechte zuckte zum Coltkolben, mit zwei schnellen Blicken erfasste Jack die Situation.

Von der einen Seite kam Danner auf ihn zu, von der anderen der Deputy Dave Corbett. Beide hielten ihre Colts in den Händen. Der Ausdruck in ihren Gesichtern war feindselig. Jack nahm die Hand von der Waffe.

»Was wollt ihr?«, fragte er beherrscht.

»In meinem Büro warten zwei Gentleman auf dich, Jack«, erwiderte der Sternträger, und es klang ein wenig höhnisch. »Sie haben Anzeige gegen dich erstattet, wegen Landfriedensbruchs und Totschlags. Du hast auf dem Land des einen zwei seiner Reiter getötet.« Der hämische Ausdruck in Danners Zügen verschwand plötzlich, als er hervorstieß: »Du bist verhaftet, Logan. Die Anklage kennst du!«

Er hob den Colt an, als Jack instinktiv nach dem Eisen greifen wollte. »Nur weiter, Logan, zieh deine Kanone!«, stieß er hervor, ein böses, um nicht zu sagten tückisches Schillern in den Augen. »Damit würdest du es mir und den Gentlemen in meinem Office einfach machen.«

Jack drohte der heiße Zorn zu übermannen. Nur mit Mühe konnte er sich im Zaum halten.

»Steward Carter, der ungekrönte König im County, nicht wahr?«, knurrte er.

Der Sheriff grinste.

»So wird es wohl sein, Jack. Wer sonst sollte dich anzeigen? Es waren zwei Männer aus seiner Mannschaft, die du erschossen hast. Und es geschah auf seinem Land, wo du nichts zu suchen hattest. Es wird eine feine Anklage, schätze ich.«

»Nein, ein übles Spiel, Walt. Und es erinnert mich sehr an die Sache mit Toby. Ergeht es dir nicht ähnlich? Okay, ich komme mit euch, aber aus freien Stücken, denn ich habe ausgesprochenes Interesse an einem Gespräch mit Carter. Der alte Halunke soll ruhig wissen, woran er mit mir ist. Ihr könnt eure Knarren wegstecken, denn ich bin nicht euer Gefangener.«

»Das bestimmst nicht du, Logan«, mischte sich Dave Corbett ein. Aber Jack beachtete ihn überhaupt nicht. Mit einem Ruck setzte er sich in Bewegung. Danner und Corbett wechselten verdutzte Blicke. Der Sheriff zerquetschte einen Fluch zwischen den Zähnen, stieß seinen Colt ins Holster und folgte Jack. Auch der Deputy rammte seine Waffe ins Leder.

Carter hat sich also nicht gescheut zu kommen, dachte Jack, während er die breite Main Street überquerte. Und seinen ersten Trumpf hat der alte Fuchs auch schon ausgespielt, wenn auch einen schlechten. Landfriedensbruch und Totschlag! Das ist lachhaft. Aber warte nur, alter Gauner. Ganz so einfach werde ich es dir nicht machen.

Eine seltsame Unrast war plötzlich in Jack. Er konnte es kaum mehr erwarten, Carter gegenüberzustehen. Jack wollte ihm seine Forderungen und Anklagen ins Gesicht schleudern.

Der Gedanke daran trieb Jack vorwärts. Bald darauf stieß er die Tür zum Office auf und trat ein.

Am Schreibtisch saß Steward Carter. Hinter ihm, lässig an die Wand gelehnt, stand John Mortimer. Jack blieb breitbeinig stehen. Der Sheriff drängte sich an ihm vorbei und bezog an der Längswand des Büros Stellung.

Während der Großrancher Jack aufmerksam musterte, betrachtete Mortimer wie gelangweilt seine Fingernägel.

Drückendes Schweigen herrschte sekundenlang im Raum. Die Stille wurde unterbrochen, als Corbett hinzukam. Der Deputy blieb hinter Jack an der Tür stehen. Niemand achtete auf ihn.

Logan und Carter belauerten sich wie zwei hungrige Wölfe.

Das monotone Ticken der Wanduhr drang überlaut in die herrschende Stille hinein.

»Das also ist der großmäulige Mister, der die Logan-Ranch für sich beansprucht«, sagte Mortimer mit krächzender Stimme.

Jack strafte den Revolvermann mit Missachtung. Er hatte nur Augen für Steward Carter und stellte fest, dass der Rancher sich in den vergangenen Jahren kaum verändert hatte. Lediglich die Haare auf seinem mächtigen Schädel waren um einige Töne grauer geworden.

John Mortimer vollführte blitzschnell eine halbe Drehung und nahm Front zu Logan ein. Seine Hände schwebten wie Adlerkrallen über den abgegriffenen Coltgriffen. Sein Gesicht schien noch eine Nuance kalkiger als sonst zu sein. Sein Mund klaffte auf. »Mister!«, zischelte er aufgebracht, »ich sprach mit dir.«

Eine ungeduldige Handbewegung Carters ließ ihn unterbrechen. Der Rancher sagte: »Nun, Logan, ich weiß, was dich nach Hause getrieben hat. In der Zwischenzeit hast du ja erfahren, wie das mit Toby war. Und nun willst du sein Erbe antreten. Wie ernst es dir damit ist, hast du ja bereits unter Beweis gestellt.«

»Ja, Carter, höllisch ernst«, erklärte Jack hart. »Und Ihre Anklage wegen Totschlags und Landfriedensbruch wird mich nicht davon abhalten.«

Carter grinste, erwiderte aber zunächst nichts. Erst nach einer ganzen Weile sagte er: »Ich habe nach dem Tod deines Bruders die Logan-Ranch rechtmäßig erworben. Sie ist in meinen Besitz übergegangen, und ich habe sie zu einem Vorwerk meiner Ranch gemacht. Von dir wusste kein Mensch, wo du gerade warst, was du getrieben hast, ob du überhaupt noch lebtest. Du hast nie etwas von dir hören lassen.«

»Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass die Logan-Ranch mein Eigentum ist. Lassen Sie sich Ihr Geld zurückgeben, Carter. Wenden Sie sich an den Mann, dem Sie die Ranch bezahlt haben. Aber versuchen Sie nicht, mir meinen Besitz streitig zu machen.«

Carter stemmte sich aus dem Lehnstuhl hoch und stützte beide Arme auf den Schreibtisch. In seinen Augen loderte es verhalten, pfeifend atmete er aus. »Verdammt, Logan, du beißt um dich wie ein tollwütiger Hund. Ich bin hergekommen, um dir ein gutes Angebot zu unterbreiten. Ich biete dir zehntausend Dollar für die Ranch. Damit kannst du irgendwo ganz neu anfangen. Wir setzen einen Vertrag auf, wonach du mit Auszahlung der Abfindungssumme auf alle Besitzansprüche an der Logan-Ranch verzichtest. Das ist ein faires Angebot, Logan. Du solltest es dir gut überlegen.«

Erwartungsvoll musterte er Jack Logan.

Der aber schüttelte den Kopf. »Niemals, Carter«, entgegnete er gedehnt. »Ich werde die Logan-Ranch wieder mit allen eingetragenen Rechten übernehmen. Selbst hunderttausend Dollar könnten mich davon nicht abbringen. Ich brauche Ihr dreckiges Geld nicht. Außerdem geht es um mehr als nur um die Ranch. Ich warne Sie, Carter: Halten Sie ihre Leute zurück! Dann haben Sie in mir den friedlichsten Nachbarn. Lassen Sie sie jedoch von der Leine, dann werde ich mich wehren.«

Der Revolvermann lachte kehlig. »Ich sagte es Ihnen, Carter«, zischelte er. »Die einzige Sprache, die diese Sorte versteht, ist die der Colts. Überlassen Sie ihn mir. Es kostet mich nicht mehr als ein müdes Lächeln, mit einem einzigen Schuss alle Probleme, die sich durch ihn ergeben, aus der Welt zu schaffen.«

Da erst richtete Jack seinen Blick auf den blassgesichtigen Coltschwinger. »Sie sollten sich raushalten, Mister«, sagte er ruhig. »Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das irgendetwas angeht. Halten Sie also den Mund.«

Mortimer stieß seinen Kopf wie ein Geier vor. So mit ihm zu sprechen hatte noch selten jemand gewagt. Und wenn, dann lebte derjenige nicht mehr. Sein Mund klappte auf, in seinen Augen tanzten plötzlich kalte Lichter.

Doch Jack beachtete Mortimer nicht mehr. Er hatte seine Aufmerksamkeit wieder auf den Großrancher gerichtet und sagte: »Sie haben es gehört, Carter. Richten Sie sich danach. Ein zweites Mal werde ich Sie nicht warnen.«

Damit wollte er sich abwenden, doch da fiel ihm noch etwas ein.

»Dass ich es nicht vergesse. Mein Bruder hatte um die achthundert Rinder auf der Weide stehen. Natürlich beanspruche ich auch die. Im letzten Jahr werden wohl so an die fünfhundert Rinder dazugekommen sein. Mir gehören also dreizehnhundert Rinder, Carter. Sollten sich mehr auf der Logan-Weide befinden, so empfehle ich Ihnen, sie von Ihren Cowboys abtreiben zu lassen. Ich werde jedenfalls den Teil, der mir gehört, aussortieren.«

Damit wandte er sich ab und verließ das Office.

Das scheppernde Lachen Mortimers folgte ihm.

Jack Logan kannte Mortimers Sorte. Sie war eiskalt, skrupellos und unberechenbar.

Jack fiel auf, dass von Totschlag und Landfriedensbruch kein Wort mehr gesprochen worden war. Das war wohl nur ein billiger Vorwand gewesen, um ihn zu veranlassen, auf jeden Fall zu Carter ins Sheriff's Office zu kommen. Jack dachte nicht weiter darüber nach.

»Er ist stur wie ein Longhorn«, maulte Steward Carter. »Er ist ein verdammter Dickschädel. Zur Hölle mit ihm! Er hat die raue Tour gewählt. Also soll er es auch rau bekommen.«

»Ich kann ihm ja folgen und ihn zwingen, zum Colt zu greifen«, schlug Mortimer vor. Aber der Rancher winkte ab. Barbara liebte Jack Logan. Und das hielt ihn auf irgendeine Art zurück.

Aber auch in Mortimers Denken nahm Barbara einen der vordersten Plätze ein. Über sie konnte er an die Ranch herankommen. Und das war die Nummer eins in seinen Gedanken.

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Was die anderen über Henker und Bluthunde denken

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