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Laura und die Insel des Todes: Ein Venedig Krimi

Laura und die Insel des Todes: Ein Venedig Krimi

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Laura und die Insel des Todes: Ein Venedig Krimi

Länge:
299 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 7, 2021
ISBN:
9781393709435
Format:
Buch

Beschreibung

Laura und die Insel des Todes

Venedig-Psycho-Thriller mit Volpe

von Meinhard-Wilhelm Schulz

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 275 Taschenbuchseiten.

 

Ich bin Laura, promovierte Kunsthistorikerin, Ende dreißig, üppig, rothaarig und sommersprossig. Aus der Babyklappe geborgen, wuchs ich bei Adoptiveltern auf. Von einem Carlo geschwängert und später sitzen gelassen – betreute ich Jahre die Ausstellung des Malers Torsten: Liebe auf den ersten Blick!

Das Portrait seiner toten Mutter Tatjana hatte Ähnlichkeit mit mir. Ob er mich deshalb heiratete? Doch dann tauchte Carlo wieder auf!

Ich wurde wieder mit ihm intim, bevor ich zu meinem Gatten auf die Insel zog … dadurch, und weil Torsten Sklave eines finsteren Geheimnisses war, kam das Unglück über uns.

Als ich fliehen wollte, geriet ich unter Mordverdacht. Wusste ich als Schlafwandlerin nicht, was ich tat? Oder ging Tatjana als Gespenst um? Was war das Geheimnis der zweiten Insel? Als ich mich hinüber wagte, packte mich das blanke Grauen, doch jetzt kam Volpe … konnte ich noch Hoffnung schöpfen?

Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 7, 2021
ISBN:
9781393709435
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Laura und die Insel des Todes

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Laura und die Insel des Todes - Meinhard-Wilhelm Schulz

Publisher

Laura und die Insel des Todes

Venedig-Psycho-Thriller mit Volpe

von Meinhard-Wilhelm Schulz

Der Umfang dieses Buchs entspricht 275 Taschenbuchseiten.

Ich bin Laura, promovierte Kunsthistorikerin, Ende dreißig, üppig, rothaarig und sommersprossig. Aus der Babyklappe geborgen, wuchs ich bei Adoptiveltern auf. Von einem Carlo geschwängert und später sitzen gelassen – betreute ich Jahre die Ausstellung des Malers Torsten: Liebe auf den ersten Blick!

Das Portrait seiner toten Mutter Tatjana hatte Ähnlichkeit mit mir. Ob er mich deshalb heiratete? Doch dann tauchte Carlo wieder auf!

Ich wurde wieder mit ihm intim, bevor ich zu meinem Gatten auf die Insel zog ... dadurch, und weil Torsten Sklave eines finsteren Geheimnisses war, kam das Unglück über uns.

Als ich fliehen wollte, geriet ich unter Mordverdacht. Wusste ich als Schlafwandlerin nicht, was ich tat? Oder ging Tatjana als Gespenst um? Was war das Geheimnis der zweiten Insel? Als ich mich hinüber wagte, packte mich das blanke Grauen, doch jetzt kam Volpe ... konnte ich noch Hoffnung schöpfen?

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Nach Motiven von Steve Mayer,2021

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Haupt-Spielstätten:

Venedig in der Nähe des Bahnhofs

Die Insel im Nordteil der Lagune von Venedig

Das große Haus auf der Insel, ein alter Gutshof

Das ältere Haus auf der kleineren Nachbarinsel

Hauptpersonen des Dramas von 2016 – 2018

• Dr. med. Sergiu Petrescu, Redakteur des Buches

• Giuseppe Tartini „Volpe", sein Freund; Detektiv

• Ambrosio di Fusco: Tenente der Carabinieri

• Ich, Dr. Laura Giuliani (*15.1.1980): Kunsthistorikerin

• Federico (Fred; Freddy; *2014): mein Sohn

• Carlo d‘Angeli (*1979): mein erster Mann; sein Vater

• Dr. Lupo Palladio: mein Chef im Museo Correr

• Antonia Benedetti: meine wunderbare Freundin

• Bernardo Nero: angehender Theologe; mein Freund

• Marietta: ein kurzer Lichtblick in meinem Leben

• Dr. med. Angela Storti: meine Freundin und Gynäkologin

• Torsten Fronte (*2.1.1981): Maler; mein zweiter Mann

• Tatjana Fronte (1960 – 1989): seine Mutter

• Otto Fronte (1956 –2008): sein Vater; Landwirt; Lottomillionär

• Antonio Fronte (*1958): Ottos Bruder

• Ania Fronte (*1960): Antonios Frau

• Enzo Mulinare (*1975): Boots-Chauffeur; Verwalter

• Frida Mulinare (*1979): seine Frau

• Tommaso Paoli (Mitte 50): Haus und Stallmeister

• Elena Paoli (Anfang 50): seine Frau

• Sabina Paoli (*1985): ihre verschollene Tochter

• Carola Scolta (*1980): Köchin; Haushälterin

• Ottorino (Rino) Giovanni (*1987): Veterinär; mein Freund

• Annibale Giovanni: sein schon lange verwitweter Vater

• Marcantonio Torelli: Baumanager; Nachbar

• Tina Torelli: seine Frau

• Susanna Torelli: ihre mondäne Tochter

A. Vorwort des Herausgebers Dr. Sergiu Petrescu

Mein geliebtes Lesepublikum, ich betreibe eine Arztpraxis in Jesolo, dem berühmten Badeort. Er liegt auf der Landzunge, die den nördlichen Teil der Lagune von Venedig vor dem Fluten des Meeres abschirmt und ist (wie der Lido, seine Fortsetzung) nichts als eine lange Sanddüne. An ihrer Ostseite befindet sich der Strand, der am Südzipfel in der Punta Sabbioni sein Ende findet. Von dort aus kann man bequem mit dem Vaporetto nach Venedig hinüberschippern.

Kaum einer unserer Badegäste kommt jedoch auf die Idee, Jesolo und seine Nachbarorte zu verlassen, um die Kehrseite dieser Landzunge zu besuchen. Wer es dennoch tut, ist begeistert und wird das Erlebnis (am besten bei Sonnenaufgang) nie vergessen.

Am westlichen Ufer verbindet eine Asphaltpiste verstreut liegende Gehöfte der Bauern, die da die dicksten Pfirsiche und das fetteste Gemüse züchten, immer auf der Jagd nach den bunten Schnecken des Feuchtgebietes, die der Landmann als Leckerbissen ansieht. Gäbe es nicht die Mückenplage, hätten wir hier ein Paradies auf Erden.

Nun folgen wir der genannten Straße in südlicher Richtung. Zu unserer Linken erstreckt sich das Marschland, durchzogen von Gräben, in denen der grüne Frosch zuhause ist. Zu unserer Rechten fällt der Blick hinaus in die Lagune, flimmernd im Morgenlicht. Der Wasserstand ist zurückgegangen und hat Schlick freigelegt. Dort siehst Du Tausende von Krabben sich tummeln, in majestätischer Stille, während schmatzend die kleinen Wellen ans morastige Ufer schlagen.

Wenn Du die Blicke über der Lagune schweifen lässt, gewahrst du grüne Einsprengsel, Inseln, die teils bewohnt, teils unbewohnt sind. Eines dieser Eilande (ich nenne es Isola Verde – Grüne Insel) wird der Schauplatz des nun folgenden Dramas sein, in dem wir ein bezauberndes Mädchen kennen lernen.

Im November 2021 saßen Ambrosio und ich bei Volpe am Kamin, um uns vergangener Taten zu erinnern, als es gegen 18.00 Uhr läutete und Giovanni eine Frau zu uns hinein geleitete, die er leise lächelnd als Laura Giuliani vorstellte. Ihr Alter schätzte ich auf gut vierzig.

Mantel und Stiefel hat er ihr gnädig abgenommen. Jetzt weht das Biest barfuß auf mich, ja, ausgerechnet auf mich zu, dem Kopf in den Nacken geworfen, das rötliche Kraushaar, in das sich ein paar Silberfäden mischen, wahllos über dem Rücken ausgebreitet und auf Zehenspitzen tänzelnd.

Ich erhebe mich, sie zu begrüßen. Jetzt steht sie vor mir, die breiten Lippen spöttisch gekräuselt. Fünf Zentimeter trennen Brust von Brust. Sie atmet tief, was ihre Rundungen wallen lässt. Die Stirn weist feine Falten auf, die ich als Zeichen eines nicht immer leichten Lebens deute. Die schmale spitze lange Nase hat sie ein wenig Richtung Stirn empor gezogen, so dass sich links und rechts ihres Rückens drei scharfe Furchen bilden, um einige der dort wuchernden Sommersprossen zu teilen.

Warum habe ich das Verlangen, sie zu küssen? Sie klimpert mit den Wimpern über ihren eisgrauen Augen. Ich bin hingerissen. Sie schmunzelt, was meinem Gesicht einen Schuss Röte beschert. Ihre Lippen lassen meine Lippen beben. Sie lächelt mich an und zeigt eine Reihe makelloser Zähne. Laura ist gut 1,80 m hoch emporgeschossen, eher üppig als schlank und auch als verblühende Rose noch eine Schönheit. Das dekolletierte grüne Minikleid, in dem sie steckt, droht aus allen Nähten zu platzen. Dank Elastin zeigt es den Ansatz einer Taille und legt wohlgeformte Beine frei, die im oberen Bereich, wo Haut auf Haut reibt, Wellen und Dellen aufweisen. Schmuck trägt sie keinen. Nicht einmal die Nägel sind geschminkt.

Ich biete ihr Geleit. Leise lächelnd nimmt sie meinen Arm. Volpe hat ihr von mir erzählt, denn sie flötet, »Buona sera, Sergiu!«

Hastig bringe ich sie zur Sitzgelegenheit. Sie wirft Volpe so zweideutige Blicke zu, dass ich neidisch werde, und lässt sich rücklings in den Sessel fallen, so dass die Füße vorübergehend den höchste Punkt ihres Körpers bilden, was mir Einblicke gewährt, die mich erneut erröten lassen. Dann schlägt sie die langen Beine keck übereinander; das lässt ihr Kleid in ungeahnte Höhen klettern.

Giovanni serviert Glühwein auf Italienisch und dazu Häppchen. Nachdem wir den Mägen Genüge getan und zum vierten Male angestoßen haben, beginnt Laura mit dem Bericht über ihr Lebensdrama, den ich in die unten folgende Gestalt gegossen habe.

B. Lauras Bericht, redigiert von Dr. S. Petrescu

1. Teil: Erster Todesfall auf der Isola Verde (31. Juli 1989)

Aus roten Ziegelsteinen emporgetürmt, reckt sich das hundert Jahre alte Haus in den Himmel, zwei Stockwerke hoch und dreißig Meter breit, an jeder Ecke mit einem Erker bewehrt und drüber ein steiles Ziegeldach, das von Schornsteinen gekrönt ist. Die Sonne überflutet die Lagune mit ihrem im Wind wogenden Schilf. Wie ein flammender Rubin ruht das Gebäude im Grün des flachen Hügels.

Neben dem Bauwerk findet sich die Stallung der Rösser spanischer Rasse, die der Gutsbesitzer dort züchtet, obwohl er es seit dem Volltreffer im Lotto nicht mehr nötig hat. Es ist Eigentümer des Anwesens, ein rotgesichtiger Bullenbeißer von etwa 50 Jahren, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Seine Vorfahren sollen hierher geflüchtet sein, um sich zu verstecken, als man in der Serenissima nach seinem Urgroßvater fahndete, wegen Mordes an der treulosen Gattin.

Aus Sicht dieser Dickschädel sind Frauen dazu da, neue Landwirte zu erzeugen. Daher ist ein starkknochiges Weib gesucht, ein Arbeitstier. Schön sind nur Frauen, die arbeiten können. Das feine Leben der Venezianer dort drüben verachtet man. Und so kommt es, dass unser Bauer der zarten Donna, die er aus Venedig heimgeführt hat, untersagt, in seiner Anwesenheit die Violine zu streichen, obwohl sie es weit hätte bringen können. Auch, dass sie dem Malen verfallen ist, hasst er und hat dies zunächst auf den Dachboden, dann ins abseits gelegene kleinere Haus verbannt, ein dreihundert Jahre altes Gebäude, das früher die eigentliche Meierei war, inzwischen aber dem Verfall entgegengeht. Es liegt auf einer zweiten, kleineren Insel und ist zu Fuß über einen von Weiden gesäumten Damm zu erreichen.

Dort pflegte Tatjana ihre Ölgemälde auf Leinwand zu bannen, die aber vergebens darauf warteten, ausgestellt zu werden, denn Otto hielt nichts von Kunst. Dies zeigte er, indem er keines ihrer Bilder im Hause duldete. Für ihn zählten nur seine Rappen. Mit ihnen pflegte er erste Preise einzuheimsen und hatte seine Freude daran, dass die Frau sich wenigstens auf Pferde verstand.

Jetzt ist der 31. Juli des Jahres 1989 gekommen, und wir sehen unsere Prinzessin die Stufen der Freitreppe hinuntersteigen, eine sehr große schlanke Frau von dreißig Jahren in Stiefeln und Reithosen, den Oberkörper in eine grüne Bluse gezwängt, die obersten Knöpfe offen. Das Haar aus rotem Gold hat sie zum Knoten hochgebunden.

Ihr Gesicht ist von längs-ovaler Form und durch die Strahlen der Sonne getönt. Unsicher blicken uns mandelförmige eisgraue Augen an, ein paar Tränen im Winkel. Die Nase ist lang und spitz. Ein Dutzend Sommersprossen sind daneben getupft; darunter ein Mund mit sinnlichen Lippen und das sanft gerundete Kinn. Die linke Wange weist einen blauen Fleck auf. Ihre Arme sind unbedeckt. Die Hände stecken in ledernen Reithandschuhen von mattem Bordeaux. Hinter ihr her kommt ein achtjähriger Junge, auffällig durch seine Lockenpracht, und schreit der Mama Unverständliches hinterher. Ja, jetzt, wo wir die Szene aus der Nähe betrachten, können wir es vernehmen: Das Kind fleht sie an, es nicht zu verlassen und weint.

Nun betreten die beiden den Stall; erst sie, dann er. Sie zieht es zur Stute, die sie am liebsten mitgenommen hätte, übermorgen, wenn sie das Haus für immer verlassen würde, denn was soll man mit einem Pferd mitten in Venedig anfangen? Die Box misst 3 x 3 Meter und liegt am Ende der Stallgasse, wo ein großer steinerner Trog mit Wasser gefüllt ist. Darüber baumelt eine Glühbirne am Kabel und verströmt gelbliches Licht, das sich in den Spinnweben verliert.

Unsere Donna beugt sich über das Bassin und betrachtet ihr zitterndes Antlitz darin, ohne sich um den Jungen zu kümmern, diesen kleinen Satan mit dem geschwollenen Gesicht. Fuchtelt er nicht wie verrückt mit einem Stock in der Luft herum, als wolle er, ganz der Vater, die Mama verprügeln? Jetzt streift sie den linken Handschuh ab, um die Temperatur des Wassers zu prüfen und taucht die Hand hinein. Ah, wie wohltuend bei dieser Hitze!

Das Gesicht des Kleinen ist rot angelaufen. Er versetzt der Mama einen Stoß in den Rücken. Sie verliert das Gleichgewicht und stürzt, Gesicht voran, ins Becken. Im Fallen, so scheint es, reißt sie die Lampe mit sich ins Wasser. Während der Strom seine tödliche Wirkung entfaltet, schreit sie sich die Seele aus dem Leib, ins Kabel verkrallt, dann ist sie still und erschlafft im Wasser, in dem sie bäuchlings liegt, die Beine nach oben gestreckt. Die Krone hat sich aufgelöst. Das Haar breitet sich strahlenförmig um ihr Gesicht aus.

Der Junge schreit um Hilfe. Der vierschrötige Herr kommt gewankt. Er ist betrunken. Der Junge nennt ihn Vati und sagt, die Mutter sei am Unglück selber schuld. Dass er nachgeholfen hatte, verschweigt er. Seine Züge wirken bösartig und listig. Der Bauer tätigt den Notruf. Mit Getöse braust der Hubschrauber heran, aber jede Hilfe kommt zu spät. Die Leiche wird in die Pathologie der Universität Padua verbracht, denn der Oberstaatsanwalt hat eine Obduktion angeordnet.

Einige Tage später kommt er zum Ergebnis, dass hier ein Unfall vorliege. Die Leiche verscharrt der Witwer eigenhändig, ohne Zeugen, auf dem von Zypressen düster eingerahmten Familienfriedhof am Rande der Insel, wo bereits seine Vorfahren ruhen. Zur Beisetzung wurde kein Pastor hinzugezogen.

2. Teil: Zweiter Todesfall auf der Isola Verde (31. Juli 2008)

Zur Geisterstunde (am 31.7. auf den 1.8.2008) wird das Gutshaus von wildem Kreischen erfüllt. Es dringt aus dem Erdgeschoss hervor und scheint aus der Kehle einer Frau hervorzubrechen. Im Obergeschoss schläft der Gutsbesitzer noch, obwohl er beginnt, sich unruhig hin und her zu wälzen. Jetzt ist er wach und lauscht. Wer kann das sein? Da! Das Schreien hebt erneut an. Die wenigen Haare, die er noch hat, sprießen in die Höhe, denn es scheint die Stimme seiner verstorbenen Frau zu sein. Er wollte, das Gesinde wohnte hier im Hause statt im Nebengebäude. Schwankend und wankend steht er vor dem Bett und wittert ins Finstere. Der Alkoholspiegel ist hoch, denn seit Tatjana verunglückte, ist er dem Suff verfallen.

Jetzt tastet er nach dem Lichtschalter. Es klickt, aber nichts tut sich. Leise fluchend, weil keine Taschenlampe, kein Streichholz zur Hand ist, beschließt er, den Weg in den Keller zu ertasten und nach der Sicherung zu fühlen, und da! Wieder dieses Kreischen! Schon steigt der Fünfzigjährige die steile Stiege hinunter. In Gedanken ist er bei den Schnapsflaschen im Kühlschrank. Seine Kehle ist staubtrocken. Auch ohne Licht findet sich zurecht. Doch auf der zweiten oder dritten Stufe kommt er zu Fall und stürzt, den Kopf voran, in die Tiefe, um ganz unten aufzuschlagen. Aus dem Mund rinnt das Blut.

Im selben Augenblick erscheint eine Gestalt; ein Mann mit einer Taschenlampe. Nachdem er über die Leiche gestiegen ist, der er kurz ins Gesicht leuchtet, schreitet er die Treppe hinauf, bis er auf der drittobersten Stufe stehen bleibt. Vor ihm, auf beiden Seiten festgeknotet, ist in 30 cm über der zweitobersten Stufe ein Seil gespannt. Eine Weile betrachtet er diesen Stolperstrick, dann legt er die Taschenlampe zu Boden und knüpft die Knoten auf, um sich das Ding über die Schulter zu werfen und leise summend hinunterzusteigen.

Im aufflammenden Licht stapft er in den Korridor hinein, wo er das an der Wand angebrachte Telefon ansteuert. Nach einer halben Stunde legt ein Boot aus Venedig an der Insel an. Tenente Ambrosio di Fusco besichtigt den Ort des Schreckens. Dann kommt der Notarzt und kniet sich vor den Verunglückten, der aus weit aufgerissenen Augen zur Decke stiert. Er holt er ein Hämmerchen hervor und klopft ihm gegen die üblichen Stellen: keine Reaktion! Dann nimmt er seinen Kopf in die Hände. Er kugelt hin und her. Er bewegt ihn nach hinten. Ein knirschendes Geräusch ertönt. Vorsichtig bettet der Arzt den Kopf wieder auf die Dielen, schließt ihm die Augenlider, erhebt sich und sagt: »Genickbruch; nichts zu machen.«

Bald darauf wurde die Leiche freigegeben. Die Obduktion hatte ergeben, dass der Bauer betrunken gewesen war, als er die Treppe hinabstieg. Er wurde neben seiner Frau beerdigt. Sein Sohn war Erbe des Vermögens. Fortan galt er als reichster Junggeselle der Gegend und war, da hübsch und fesch, Schwarm aller Mädchen.

Doch statt sich dies zunutze zu machen, sagt man, verließ er für einige Jahre die Insel und betraute die Angestellten mit der Verwaltung, um sich als „Commediante" einer Wanderbühne anzuschließen, wo er das Handwerk von der Pike auf erlernte. In diesem Ensemble war er einer der Vielseitigsten und hätte es, wäre er bei der Sache geblieben, zur Meisterschaft bringen können. Doch zum Bedauern aller kehrte er der Schauspielerei den Rücken und widmete sich fortan dem Gutshof. Ans Heiraten dachte er nicht. Susanna Torelli, das hitzige Biest, mit der er eine andauernde Affäre hatte, war um die zehn Jahre älter als er.

3. Teil: Ein Venezianischer Tag im beginnenden Sommer 2016

Verzweiflung, Grauen, Scham sind in mir, wenn ich mich an die Zeit mit Torsten erinnere und daran denke, wie ich in den Schlund des Unglücks gerissen wurde, wo meine Seele zugrunde ging.

Dass ich mich noch einmal verlieben könnte, nach all dem, was mir mit Carlo d‘Angeli widerfahren war, hätte ich nicht für möglich gehalten, aber es brach mit Urgewalt über mich herein. Wenn mich nicht alles täuscht, erging es Torsten ähnlich, denn er schien verrückt nach mir zu sein, so verrückt, wie ich nach ihm war, ohne dass ich mich von Carlo lösen konnte, diesem Adonis, der es verstand, mich um den Finger zu wickeln. Gerade dadurch beschleunigte ich das Unglück.

Ich war Assistentin am „Museo Correr zu Venedig, lebte in einer Kommune und wurde „das rote Mädchen genannt, als ich Carlo zum Opfer fiel, indem er mich schwängerte und heiratete. Als Andenken überließ er mir nach der Scheidung Federico, mit dem ich den Bericht an einem glühend heißen Tag im Sommer 2016 beginnen möchte.

Ich hause in einer Zweizimmerwohnung in der Nähe des Bahnhofs von Venedig. Der Abend ist gekommen. Endlich habe ich den Quälgeist zu Bett gebracht und stehe vor dem Spiegel im Badezimmer. Im Ausweis steht, ich sei am 15. Januar 1980 zur Welt gekommen. Meine Mama legte mich an diesem Tag in die Babyklappe zu Padua. Daher weiß ich nicht, ob ich wirklich Laura heiße, denn so nannten mich die Adoptiveltern. Von klein auf plagt mich ein Alptraum:

Jemand packt mich und schleudert mich durch eine Luke. Während ich nach unten rausche, schlägt die Falltür zu, so dass mich nun eine Finsternis umhüllt, die vom Stöhnen des Todes erfüllt ist. Ich will schreien, kann aber nicht. Dann werde ich auf den Grund geschmettert und wache schweißgebadet auf. Die Kehle ist trocken. Ich fange an, mit Speichel zu gurgeln. Dann taumele ich unter die Dusche.

Ich hatte alte Adoptiveltern, zu alt, um Verständnis für mich aufzubringen. Sie starben nacheinander, als ich das Abitur hinter mir hatte, und hinterließen mir einen Berg Schulden. Ich musste sehen, wo ich blieb: 19 Jahre, keinen Cent in der Tasche und keinen Freund. Wer kann es mir da verdenken, dass ich mich einer Wohngemeinschaft anschloss, in der ich eines Tages an den ewigen Studenten d‘Angeli geriet, der das Zimmer neben mir belegte. Er war der erste, mit dem ich intim wurde. Ich war ein spätes Mädchen; er der Typ des eiligen Genießers. Seit er das erste Mal seine Hände über meinen Leib hatte gleiten lassen, war ich ihm verfallen.

Eine Tages schwängerte er mich, weil ich die Pille vergessen hatte. So kam es, dass ich Freddys Vater heiratete, dessen alleinerziehende Mutter ich bald wurde, denn ich habe mich zwei Jahre später von Carlo getrennt und die Scheidung eingereicht. Es ist mir nicht leicht gefallen. Bis heute träume ich von ihm. Musste ich nicht glücklich sein, dass er zu mir in die düstere Wohnung am Bahnhof zog? Auch nach der Trennung kam er in Abständen vorbei, angeblich, um nach Fred zu sehen, in Wirklichkeit, weil er mit mir schlafen wollte, um mir danach ein paar Euro aus der Tasche zu lupfen.

Ja, jetzt stehe ich vor dem Spiegel und beäuge mich; die roten Lippen spöttisch gekräuselt; die schmale spitze Nase ein wenig in Richtung Stirn emporgezogen, so dass sich links und rechts drei Falten bilden, um einige der darauf wuchernden Sommersprossen zu teilen, während mir das goldrote Haar auf die Schultern fällt. Ich bin zu groß für eine Frau und muss sehen, wie ich abnehme, denn das Kleid, in dem ich stecke, droht aus den Nähten zu platzen. Es ist der Stress, der die Fressgier in mir weckt, wenn ich sehen muss, wie ich mit Fred zur Tagesmutter hetze, um dann ins Museo Correr am Markusplatz zu eilen, wo ich unter der Fuchtel des Kunstprofessors Lupo Palladio meine Arbeit tue, und das im strengen Schneiderkostüm, das sich kaum noch zuknöpfen lässt. Es ist eben der Zwirn, den der Herr verlangt, weil er denkt, die Besucher könnten mit einer Frau Doktor im Minikleid nichts anfangen. Was wäre erst, wenn sie erführen, dass meine Dissertation über Tintoretto nur mit „befriedigend" beurteilt und von keinem Verlag gedruckt wurde?

Ich starre aus meinen eisgrauen Augen heraus auf das Spiegelbild und frage mich, ob es denn wahr sein kann, dass sich ausgerechnet der ein Jahr

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