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Palma Undercover - Liebe kann tödlich sein

Palma Undercover - Liebe kann tödlich sein

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Palma Undercover - Liebe kann tödlich sein

Länge:
253 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 7, 2021
ISBN:
9783748770633
Format:
Buch

Beschreibung

Die Welt der jungen Mutter Olivia steht plötzlich Kopf, als sie von dem brutalen Mord an ihrem Liebhaber erfährt.

Nachdem in dessen Wohnung eindeutige Beweise für seine illegalen Geschäfte sichergestellt werden, ermittelt man bei der Guardia Civil umgehend in sämtliche Richtungen.
Währenddessen wird der frisch nach Mallorca ausgewanderte Hauptkommissar Möller von seinem neuen Vorgesetzten mit einer Spezialaufgabe betraut. Die hat zwar nur bedingt mit seinem eigentlichen Beruf zu tun, bringt ihn aber dennoch schon bald an seine persönlichen Grenzen. Und ausgerechnet als Möllers spanische Kollegen glauben, der Lösung ihres Falls auf der Spur zu sein, wird Olivia auf einmal von ihrer dunklen Vergangenheit eingeholt …
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 7, 2021
ISBN:
9783748770633
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Palma Undercover - Liebe kann tödlich sein - Florian Reimold

München

Titelseite

Palma Undercover

Liebe kann tödlich sein

Florian Reimold

Alle Rechte vorbehalten

Diese Geschichte sowie die darin vorkommenden Figuren sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu real existierenden Persönlichkeiten sind rein zufällig. Sämtliche Äußerungen dienen lediglich der Unterhaltung und einer glaubhaften Darstellung des Geschehens. Ich verurteile jegliche Art von Extremismus, der Gewalt verherrlicht, dazu auffordert oder auch nur legitimiert.

Um was geht´s?

Die Welt der jungen Mutter Olivia steht plötzlich Kopf, als sie von dem brutalen Mord an ihrem Liebhaber erfährt. Nachdem in dessen Wohnung eindeutige Beweise für seine illegalen Geschäfte sichergestellt werden, ermittelt man bei der Guardia Civil umgehend in sämtliche Richtungen.

Währenddessen wird der frisch nach Mallorca ausgewanderte Hauptkommissar Möller von seinem neuen Vorgesetzten mit einer Spezialaufgabe betraut. Die hat zwar nur bedingt mit seinem eigentlichen Beruf zu tun, bringt ihn aber dennoch schon bald an seine persönlichen Grenzen. Und ausgerechnet als Möllers spanische Kollegen glauben, der Lösung ihres Falls auf der Spur zu sein, wird Olivia auf einmal von ihrer dunklen Vergangenheit eingeholt …

1

»Wenn du jetzt gehst, brauchst du nie wieder zurückkommen!« Kerzengerade und mit stocksaurer Miene saß Olivia in ihrem Bett. Obwohl sie innerlich glühte, hatte sie ihre nackten Kurven bis zum Hals in die Bettdecke gehüllt.

»Es dauert diesmal echt nicht lange, versprochen.« Ihr Freund Sancho stand bereits in Boxershorts vor ihr und war jetzt gerade dabei, sein Unterhemd anzuziehen. »Ich bin in spätestens einer Stunde wieder da.«

»In einer Stunde? Hast du jetzt komplett den Verstand verloren? Ich bleib doch heut keine Stunde mehr wach, um dir dann die Tür aufzumachen!«

»Dann eben nicht«, seufzte Sancho, während er in seine Jeans schlüpfte. »Wenn du jetzt schon schlafen willst, macht es sowieso keinen Unterschied, ob ich hierbleibe oder …«

»Wir hatten ausgemacht, dass du heut Nacht bei mir schläfst!«, keifte Olivia dazwischen. »Entweder du hältst dich ab sofort an unsere Vereinbarungen oder du kannst mir in Zukunft gestohlen bleiben!«

»Jetzt reg dich doch nicht so auf, Olivia.« Sancho setzte sich auf die Bettkante und griff vorsichtig nach ihrer Hand. »Du weißt doch ganz genau, dass meine besten Kunden erst abends …«

Olivia schlug seine Hand weg und rutschte dann schnell auf die andere Seite der Matratze. »Ist mir scheißegal! Geh ruhig zu deinen tollen Kunden – aber denk bloß nicht, ich würde dir danach nochmal die Haustür aufmachen!«

»Du kannst mir auch einfach den Schlüssel mitgeben, dann brauchst du mir nicht aufmachen«, versuchte es Sancho mit einem Kompromiss.

Allerdings stieß er damit nur auf weitere Gegenwehr: »Vergiss es! Ich geb dir doch nicht mein Hausschlüssel mit!«

»Dann eben nicht.« Sichtlich enttäuscht stand er auf und sammelte seine Socken ein, die vor ihm auf dem Fußboden lagen. »Wir sehen uns, wenn du dich wieder beruhigt hast.«

»Nein, ganz bestimmt nicht!« Olivia strafte ihren Freund mit einem weiteren vernichtenden Blick. »Ich mein´s todernst diesmal. Hau ruhig ab, aber dann will ich dich nie mehr wiedersehen!«

»Ja, ja. Schon klar.« Unter frustriertem Kopfschütteln verließ Sancho das Schlafzimmer. Immer das Gleiche mit dieser verrückten Braut. Warum verstand sie einfach nicht, dass sich sein Leben nicht allein in ihrer Wohnung abspielte? Um seine Geschäfte abzuwickeln, musste er nun mal hin und wieder bei Nacht raus auf die Straße. Die Konkurrenz schlief schließlich auch nicht und seine Kunden warteten ungern bis zum nächsten Morgen, wenn die Entzugserscheinungen einsetzten.

Sancho hatte seine Schuhe angezogen und bereits die Klinke der Wohnungstür in der Hand, als Olivia im Bademantel aus dem Schlafzimmer stürmte.

»Du spinnst wohl!«, meckerte sie mit hochaggressiver Stimme. »Ich hab dir nicht erlaubt, einfach abzuhauen!«

»Ist mir doch egal.« Sancho warf ihr nur einen verständnislosen Blick zu, bevor er sich wieder wegdrehte und die Tür öffnete. »Als ob ich deine Erlaubnis bräuchte, um …«

»Sancho, das ist kein Spaß mehr! Wenn du jetzt gehst, dann …«

»… brauch ich nie mehr wiederkommen. Ja, ich hab´s kapiert.«

Olivia folgte ihm auf den Hausflur und hielt ihn am Handgelenk fest. »Das kannst du nicht machen!«

»Und wie ich das kann! Glaubst du, ich lass mich von dir einsperren?« Er riss sich los und sorgte dann mit den nächsten deutlichen Worten für klare Verhältnisse: »Ich bin nicht dein Eigentum! Ich wohn nicht bei dir, ich bin nicht dein Ehemann und auch nicht der Vater von deinem Kind!«

»Das tut überhaupt nichts zur Sache! Wenn du mit mir zusammen sein willst, musst du auch gewisse Pflichten …«

»Wie kommst du darauf, dass ich noch länger mit dir …?« Die lauten, kläglichen Schreie eines Kleinkindes ließen Sancho vorerst verstummen. Dann zeigte er ins Wohnungsinnere – in Richtung Kinderzimmer. »Geh und kümmer dich um deine Tochter! Sie braucht dich mehr als ich.«

»Sag du mir nicht, was ich zu tun hab!« Anstatt nach ihrer Tochter zu sehen, blieb Olivia zunächst in der Wohnungstür stehen, um Sancho eine letzte Ansage zu machen: »Das war´s mit uns! So ´nen Herumtreiber wie dich brauch ich nicht! Und komm bloß nicht auf die Idee, irgendwann noch mal angekrochen zu kommen!«

»Keine Angst. Das mach ich bestimmt nicht.«

Die Schreie aus dem Kinderzimmer wurden unterdessen immer lauter und tönten inzwischen bis ins Treppenhaus. Olivia wusste, dass ihre Tochter nicht von allein zu weinen aufhören würde. Trotzdem galt ihre Aufmerksamkeit momentan noch Sancho, der ihr mit seiner unverhohlenen Gleichgültigkeit die Zornesröte ins Gesicht trieb.

»Wie kannst du es wagen?«, schrie sie ihn an. »Du kommst nur zu mir, um deinen Spaß zu haben! Und dann verpisst du dich wieder zu deinen dreckigen Junkie-Freunden! Das machst du fast immer so, du asoziales Stück Scheiße!«

Sancho antwortete nicht mehr darauf. Wozu auch? Es hätte ohnehin nur zur Folge, dass die Situation komplett eskalieren würde. Also schluckte er seine Widerworte herunter und nahm fluchtartig die Treppe nach unten.

»Du bist das größte Arschloch von ganz Mallorca!«, rief ihm Olivia noch hinterher. Doch damit weckte sie allenfalls ihre Nachbarn auf. Der Mann, den sie eigentlich ansprach, war bereits im Begriff, das Haus zu verlassen.

Sancho trat durch die Haustüre und ging raus auf die Straße. Die ›Carrer Sant Rafael‹ war weitaus besser beleuchtet als die düsteren, verwahrlosten Gassen in seiner Nachbarschaft. Obwohl der Distrikt Son Gotleu, den Sancho sein Zuhause nannte, nur eine imaginäre Grenzlinie entfernt lag, gab es einige Unterschiede zwischen den beiden Vierteln. So waren die Häuser in Son Gotleu höher, die Straßen schmutziger und die Menschen insgesamt ärmer als im benachbarten Son Canals.

Viele der alten Hochhäuser wurden schon seit Jahren nicht mehr vermietet, sondern von afrikanischen und südamerikanischen Einwanderern besetzt. Tagsüber spielten deren in Lumpen gekleidete Kinder draußen mit Müll und halbverwesten Tieren, während sich die Älteren ihre Zeit mit Glücksspiel, Drogen und Straßenkämpfen vertrieben.

Den heruntergekommenen Wohnblock, in dem sich Sancho vor knapp zwei Jahren eingenistet hatte, erreichte er von hier in weniger als fünf Minuten. Und auch der Rest seines Vorhabens sollte ihn nicht allzu viel Zeit kosten. Er würde nur kurz nach Hause gehen, ein paar Gramm Braunes abpacken und dann schleunigst an die wartende Kundschaft verteilen. Ein Vorgang, der eigentlich keine halbe Stunde dauerte.

Wie er so darüber nachdachte, begann er sich selbst dafür zu verfluchen, dass ihm das nicht früher klargewesen war. Hätte er Olivia gesagt, dass er so schnell wieder zurück sein würde, wäre die vielleicht nicht direkt aus der Haut gefahren.

Was soll´s, dachte er sich. Wenn sie ein paar Tage nichts von mir hört, wird sie sowieso wieder anrufen. Wäre nicht das erste Mal.

Sancho bog von der Straße in eine dunkle, schmale Gasse ab, um die jeder Ortsfremde – zumindest zu dieser Uhrzeit – einen großen Bogen gemacht hätte. Die beiden Hochhäuser, zwischen denen die Gasse hindurchführte, standen kurz vor dem Abriss und die Bewohner waren in den vergangenen Wochen von den dafür Verantwortlichen vertrieben worden. Dadurch drang nun auch kein Licht mehr aus den Fenstern, weshalb der Durchgang nur noch wie ein tiefes, schwarzes Loch wirkte.

Hier war es verhältnismäßig ruhig. Lediglich Hundegebell und eine in der Ferne aufheulende Polizeisirene störten die Stille. Nicht selten hallten in dieser Gegend auch menschliche Schreie – Jammerlaute von meist unergründlichem Ursprung – durch die stockfinstere Nacht.

Allmählich begann Sancho zu frieren. Anfang Februar fielen die Temperaturen selbst auf Mallorca bei Nacht immer noch auf unter zehn Grad und sein dünner Pullover bot ihm kaum Schutz dagegen.

Sancho befand sich etwa in der Mitte der Gasse, als er plötzlich Schritte hinter sich hörte. War ihm jemand gefolgt? Vorsorglich blieb er stehen und schaute sich um – aber er konnte niemanden erkennen. Also ging er weiter, immer geradeaus. Das Ende der Gasse und somit auch der Lichtkegel der ersten Straßenlaterne waren bereits in Sichtweite.

Doch schon nach ein paar Metern hörte er hinter seinem Rücken wieder Schritte auf dem Asphalt. Diesmal verdrängte er seinen ersten Impuls, sich umzudrehen und einen Blick zu riskieren. Es würde wahrscheinlich wieder nichts nützen. Sancho entschloss sich dazu, einfach weiterzulaufen. Nicht schneller als vorher, um keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – aber zügig genug, um möglichst bald auf die Straße zu kommen.

Die Schritte hinter ihm kamen näher. Sie wurden schneller und lauter. Da rannte jemand direkt auf ihn zu! Sancho wusste, was das zu bedeuten hatte. Adrenalin schoss durch seinen Kreislauf. Er hatte jetzt nur noch zwei Optionen: Flucht oder Kampf. Aber wie ein Feigling wegzurennen, kam für ihn nicht infrage.

Noch während Sancho sich umdrehte, holte er auch schon aus, um den Angreifer mit einem gezielten Faustschlag in seine Schranken zu weisen. Dabei wirbelte er um die eigene Achse, schaffte es aber nicht, die durch eine Sturmmaske vermummte Gestalt zu erwischen. Stattdessen klebte im nächsten Augenblick eine mächtige Pranke auf seinem Gesicht. Die sorgte dafür, dass er zum einen fast nichts mehr sehen konnte – und zum anderen, dass er nun kaum noch Luft bekam. Sancho versuchte zwar, sich zu befreien, aber die nun eintretende Atemnot schien dieses Unterfangen unmöglich zu machen.

Gleichzeitig spürte er jetzt einen brennenden Schmerz in der Magengegend, der sich mehrmals wiederholte. Aufgrund des Adrenalinrauschs gelang es ihm jedoch kaum, dessen Auslöser zu erfassen oder die Auswirkungen davon auch nur annähernd abzuschätzen. Erst als der Angreifer seine Hand von Sanchos Gesicht nahm, wurde ihm bewusst, was der gerade getan hatte.

Sancho taumelte nach hinten und hielt sich die Hände an den Bauch. Sein Blut lief in Strömen aus der Wunde und zwischen seinen Fingern hindurch, bevor es wie roter Regen auf den Asphalt tropfte.

In diesem Moment stach der Vermummte ein weiteres Mal zu. Die Klinge seines Butterflymessers durchdrang abermals Sanchos Pullover wie eine Scheibe Salami und bohrte sich dann bis zum Anschlag in seinen Brustkorb.

Vor seinem letzten Atemzug brachte Sancho – zusammen mit einem Schwall blutigem Speichel – nur noch ein gequältes »Warum?« über die Lippen. Ein paar lose Erinnerungsschnipsel aus seiner Vergangenheit rauschten durch sein Gedächtnis, dann wurde ihm schlagartig schwarz vor Augen.

2

»Das geht einfach nicht, Andreas. Ich kann dir kein psychologisches Gutachten mehr ausstellen. Nicht nachdem, was zwischen uns passiert ist.«

Hauptkommissar Andreas Möller zuckte ratlos mit den Schultern und bemühte sich dann, einen möglichst unschuldigen Gesichtsausdruck aufzulegen. »Du wirst das schon hinkriegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dadurch vergessen hast, wie du deinen Job machen musst.«

Doktor Birgit Schollmeier, die ihm an ihrem Schreibtisch gegenübersaß, reagierte auf dieses Ausweichmanöver zunächst, indem sie ihre Brille zurechtrückte und den Hauptkommissar mit strengem Blick musterte. Als Polizeipsychologin war sie beim BKA Wiesbaden seit ein paar Jahren für die Betreuung traumatisierter Einsatzkräfte zuständig. »Du weißt ganz genau, was ich damit meine. Tu jetzt bloß nicht so, als ob dir nicht klar wäre, dass unser berufliches Verhältnis aufgelöst werden muss, nachdem wir uns …« Birgit räusperte sich. Sie schien nach den richtigen Worten zu suchen, bevor sie abschließend hinzufügte: »… privat nähergekommen sind.«

»Doch, natürlich«, gab Möller kopfnickend zurück. »Das ist mir schon klar. Aber wir hatten doch schon genug Sitzungen, bevor wir im Bett gelandet sind. Das Einzige, was du noch tun musst, damit ich endlich wieder meiner Arbeit nachgehen kann, ist deine Unterschrift unter den Wisch zu setzen.«

»Meine Unterschrift unter den Wisch zu setzen«, wiederholte die Psychologin gedehnt. Dabei spielte sie leicht nervös mit einem Kugelschreiber zwischen ihren Fingern herum. »Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob die Verhaltenstherapie bei dir den gewünschten Erfolg erzielt hat.«

Diese Bemerkung sorgte augenblicklich dafür, dass sich die Lautstärke ihres Gesprächspartners drastisch erhöhte. »Ach, komm schon! Ich hab keinen Dachschaden bekommen, von der Geschichte in Palma letztes Jahr – zumindest nicht mehr als vorher! Und trotzdem hab ich dieses schwachsinnige Anti-Aggressions-Training mitgemacht … obwohl ich schon davor wusste, dass mich das sowieso nicht weiterbringt.«

»Siehst du, genau das ist dein Problem.« Birgits Miene verzog sich zu einer seltsamen Mischung aus Mitleid und Unverständnis. »Du bildest dir ein, dass so ein Vorfall keine Spuren bei dir hinterlässt. Deshalb lehnst du von vornherein jegliche Hilfe ab. Anstatt dich darauf einzulassen, machst du dich darüber lustig und ...«

»Moment mal«, unterbrach Möller augenscheinlich bestürzt. »Hab ich mich jemals über dich lustig gemacht?«

»Das nicht, nein … aber über meine Behandlungsmethoden. Und selbst, wenn deine Sprüche einfach nur witzig sein sollen, sind das dennoch Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung.«

»Einer Prosta-was?«, hakte der Hauptkommissar mit albernem Lachen nach. »Birgit, warum kommst du mir jetzt wieder mit sowas? Ich dachte, das Thema hätten wir lang genug durchgekaut, um es …«

»Ins Lächerliche ziehen«, kam es von der anderen Seite des Schreibtischs wie auswendig gelernt zurück. »Ein typischer Verdrängungsmechanismus, um sich nicht mit traumatischen Erfahrungen befassen zu müssen.«

»Was zur Hölle? Ich hab dir doch ausführlich erklärt, wie der Kerl vom Balkon gefallen ist! Kam ich dir dabei etwa so vor, als ob ich den Unfall verdrängen wollte?«

Birgit Schollmeier atmete deutlich hörbar aus. »Andreas, du hast einen Menschen getötet. Das ist nichts, was man mal schnell auf die leichte Schulter nimmt.«

»Hab ich das jemals behauptet? Außerdem war es ein Unfall. Du stellst mich schon wieder so hin, als ob ich mit Absicht jemanden kaltgemacht hätte.«

»Jemanden kaltgemacht.« Nun schüttelte sie beinahe fassungslos mit dem Kopf. »Wie du darüber redest … Glaubst du ernsthaft, ich könnte mit gutem Gewissen deine Einsatztauglichkeit bestätigen? Solange du dich so einer Wortwahl bedienst?«

»Dann gib mir die Bestätigung halt mit schlechtem Gewissen. Kommt doch eh aufs Gleiche raus.« Andreas Möllers Aufmerksamkeit fiel unweigerlich auf die großen Fenster zu seiner Linken. Draußen hatte es angefangen zu schneien. Nicht die schöne Art von Schnee, über die man sich unter Umständen sogar noch freuen konnte. Nur ekelhafter Schneeregen, der nichts brachte, außer spiegelglatten Straßen und eingeschränkter Sichtweite. »Ich hab dadurch jedenfalls nicht mehr Alpträume als vorher. Die Sache ist jetzt auch schon ´n halbes Jahr her. Und falls ich wirklich irgendwann ´ne Belastungsstörung entwickelt haben sollte, dann wohl eher wegen meiner Exfrau.«

Birgit schob einen Stapel Papier auf ihrem Schreibtisch zusammen und wechselte dann eilig das Thema. »Ich weiß doch ganz genau, um was es dir geht. Dir ist das Gutachten nur so wichtig, weil du zurück nach Mallorca willst.«

»Ja, natürlich. Daraus hab ich auch nie ein Geheimnis gemacht.«

»Ich versteh das nicht. Du hast hier doch alles, um glücklich zu sein: Deine Karriere, tolle Kollegen, sogar ein paar gute Freunde … deinen Sohn.«

»Nico wohnt mit seiner Mutter und ´nem verklemmten Möchtegern-Stiefvater auf dem Land. Schon vergessen? Und er würde sofort mit mir nach Mallorca ziehen, wenn …«

»Denkst du wirklich, dass das funktionieren würde?«

»Klar, warum nicht?«

Birgit schwieg für einen Moment. Sie schien, ihre auf der Zunge liegenden Einwände herunterzuschlucken und sagte dann schließlich in vorsichtigem Ton: »Mir wär es übrigens auch lieber, wenn du hierbleibst.«

»Dir?« Ein dicker Kloß breitete sich in Möllers Hals aus. Er hatte bisher nicht wahrhaben wollen, dass Birgit ihn aus persönlichem Interesse von seinen Auswanderungsplänen abzubringen versuchte. »Es tut mir leid, Biggi – aber das hat nix mit dir zu tun.«

»Ich weiß.« Die großen, dunkelgrünen Augen der Polizeipsychologin füllten sich langsam mit Tränen, während sie ihren Gegenüber mit wehleidigem Blick ansah. »Es wär auch zu schön gewesen, wenn du deinen Entschluss wegen mir geändert hättest.«

»Ich hab mich längst dazu entschieden, nach Palma zu gehen … schon lange, bevor wir beide …«

»Genau das hatte ich von Anfang an befürchtet. Ich hab nur gehofft, dass …« Schluchzend verschluckte sie den Rest ihres Satzes und griff hilfesuchend nach Möllers Hand.

»Du hast mir nie gesagt, dass dir das mit uns so viel bedeutet. Ich dachte, das war ´ne einmalige Sache.«

»Zweimalig«, verbesserte sie ihn und klammerte sich dabei gleich noch ein wenig stärker an seiner Hand fest. »Ich weiß, ich hätte gleich mit offenen Karten spielen sollen, aber …«

»Das hätte ich auch tun sollen. Es war allein meine Schuld, okay?«

»Nein. Nein, niemand ist schuld an irgendwas. Wir sind beide erwachsene Menschen. Es ist nur so, dass …«

Eingenommen von einem ausgesprochen unangenehmen Gefühl, hüllte sich Möller in erwartungsvolles Schweigen. Obwohl er sich spätestens an diesem Punkt

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