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Melody: Kurzgeschichten aus einer verborgenen Welt

Melody: Kurzgeschichten aus einer verborgenen Welt

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Melody: Kurzgeschichten aus einer verborgenen Welt

Länge:
99 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 7, 2021
ISBN:
9783752644241
Format:
Buch

Beschreibung

Wenn der Herbstnebel über die Wiesen und Felder kriecht und die Tage kürzer werden, dann verschwimmt die Grenze zur Welt der verborgenen Wesen. Sie rufen und locken uns hinüber - zu einer Begegnung mit den Schatten.

Eine dunkel-romantische Sammlung kleiner Lesehappen für Kaminabende.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 7, 2021
ISBN:
9783752644241
Format:
Buch

Über den Autor

Clea Palmer träumte sich schon im Teenageralter in fremde Welten. Geschichten erzählen ist ihre Leidenschaft, Wegweisen ihr Beruf. Vom Schreiben lässt sie sich gern und oft durch frische Luft und Vogelgezwitscher ablenken.


Buchvorschau

Melody - Clea Palmer

Melody

Titel

Once upon a time

Melody

Mondfinsternis

Klassentreffen

Dornenbraut

Seesüchtig

Hexenspiele

Fruchtmond

Somnambul

Impressum

Once upon a time

Es war einmal ein Name: „Melody".

Heimlich schlich er sich in einer Kunststunde in meinem Kopf, interessanterweise, als ich dabei war, aufgabengemäß ein Porträt zu zeichnen, das mir einen Tick zu verträumt geriet.

Nach der Schule schrieb ich dann auf mein übliches kariertes Papier eine Kurzgeschichte, in der eine Vampirin namens Melody ihr Unwesen trieb und einen namenlosen jungen Mann bezirzte. Nicht ganz so verträumt, wie es der Unterricht hätte vermuten lassen.

Danach verschwand sie allerdings in einem blauen Hefter und daraufhin in der Schublade. Melody wurde vergessen, der blaue Hefter zog mehrfach mit mir um, fand einen Platz im Regal. Und dann, eines Tages, kam meine Muse von einer längeren Vergnügungsreise zurück und knutschte mich in Grund und Boden.

Nicht immer waren und sind diese Musenküsse erfolgreich und zeigenswert.

Deshalb bietet dieses E-Book lediglich einen Querschnitt meiner Lieblingsgeschichten aus den vergangenen zehn Jahren.

Nicht gerade produktiv, wird sich der*die geneigte Leser*in denken.

Nun, da kommt mir das Medium E-Book doch gerade recht. Papier ist unbeweglich, digital hingegen evolutiv und sowas von unkompliziert.

Ich habe mir fest vorgenommen, dieses E-Book wachsen zu lassen. 

Also nichts wie los und lesen. 

Viel Spaß!

Melody

Seit drei Wochen sitze ich Tag für Tag nach der Schule auf der abgewetzten Bank im Park.

Der Wind, der über meinen Kopf tanzt, ist so warm wie das Lachen, an das ich denke.

Drüben, im Pavillon, sitzt, wie jeden Tag, ein alter Mann, an den ich mich nicht erinnern kann. Er füttert die Krähen und beobachtet mich aus den Augenwinkeln. Kurz bevor ich die Augen schließe, weil sich meine Gedanken anfühlen wie grelle Sonnenstrahlen, sehe ich, Tag für Tag, wie er den Kopf schüttelt.

Stundenlang sitze ich hier und denke an Melody.

Nur an sie.

Weil ich sie liebe.

Schon lange.

Noch immer.

Ich schließe die Augen, weil ich sie dann sehen kann, wie ich sie sehen möchte: Das Mädchen, mit dem ich vor Jahren noch im Wald gespielt habe. Das Mädchen, das lachen konnte, auch wenn es sich mit dem langen, dicken Zopf im Gestrüpp verfing. Noch heute höre ich dieses silbrige Lachen, das ihr Tränen in die Augen trieb, bis sie moosgrün schimmerten wie der alte Waldsee.

Ich sitze auf der Bank und hebe die Hand, weil ich ihr sonnenblondes Haar aus den Zweigen befreien will. Dann spüre ich einen feuchten Kuss auf der Nase. Ich erinnere mich an Melodys Blick, der mich intensiv durchfuhr und erschauern ließ.

„Ich liebe dich, aber nur bis zum Mond und nicht weiter …", höre ich sie sagen. Ich schmecke Preiselbeeren von ihren Lippen. Die Erinnerung an den einzigen Kuss hat einen bitteren Nachgeschmack, denn das Mädchen entgleitet mir, bevor Melodys Kichern verklingt und ich die Augen aufschlage.

Wie jeden Tag sehe ich dann, dass der Mann wieder den Kopf schüttelt.

Seine Krähen beschimpfen mich, sobald ich mich auf den Weg mache, wenn sich die Baumkronen im frühen Abendlicht rot färben.

Dann gehe ich zu Melody.

Jeden Tag.

Sie verändert sich, es geht ihr schlechter, und sie weiß, dass ich es sehe. Vergeblich wendet sie sich ab, wenn ich mich an ihr Bett setze und die Mitschriften auf ihren Nachtschrank lege.

Seit drei Wochen ist sie bereits krank.

Einfach so.

Es ist keine Erkältung, die sich drei Tage lang angekündigt hat.

Kein Knochenbruch.

Nichts Greifbares.

Nichts Erklärbares.

Etwas Namenloses fesselt sie ans Bett und lässt sie den Frühling versäumen. Hinter geschlossenen Fenstern, eingehüllt von dicken Vorhängen, in einem Zustand, der sie und ihr Umfeld zu Schatten werden lässt.

Stumm sitze ich auf ihrem Schreibtischstuhl, der viel zu klein für mich ist, und warte darauf, dass sie etwas sagt.

Während ich das betrachte, was ich von ihrem abgewandten Gesicht noch sehen kann, möchte ich immer wieder dem Drang nachgeben, ihre durchscheinende Haut zu berühren.

Sie würde es nicht zulassen, das weiß ich.

Sie würde nicht wollen, dass ich an ihr erfriere, denn sie wirkt gläsern wie das Mädchen im Märchen, das versehentlich Väterchen Frosts tödlichen Zauberstab berührte.

Jeden Tag starre ich auf die Stelle an ihrem Hals, wo die Schlagader pulsieren sollte, und warte. Ich warte darauf, dass sie mir endlich eine Antwort gibt, mir sagt, was mit ihr geschehen ist.

Und dass sie mir sagt, sie könne mich auch bis zur Sonne lieben. Endlich.

Aber ich starre und warte, bis meine Augen vom fahlen Licht in ihrem Zimmer brennen. Dann nehme ich ihr Aufgabenheft und weiß, dass es wie immer unbeschrieben ist. Ich möchte nicht mit den Schultern zucken und tue es doch, als ich es in meine Tasche schiebe. Das Geräusch ist so laut, dass meine Ohren schmerzen.

Ich rücke den Stuhl zurück an seinen Platz und gehe zur Tür.

Wie jeden Tag halte ich inne, denn ich spüre Melodys Blick auf meinem Rücken. Ich wünschte, er streichelte mich, doch er durchbohrt, schmerzt mich, sodass ich für einen Sekundenbruchteil atemlos bin. Sobald ich mich umgedreht habe, sind Melodys Augen zur Decke gerichtet, aber geschlossen, als schliefe sie.

Heute ist es anders.

Das schwache Licht ihrer Nachttischlampe macht ihre Haut wächsern, als sie mich mit trüben Augen ansieht.

Die Klarheit ihrer Stimme lässt mein Herz hüpfen.

„Wart auf mich heut Nacht!", gibt sie mir auf, und ihre Stimme wabert an meinem Ohr entlang, als stünde sie neben mir.

Noch nie habe ich den Duft ihrer Haut wahrgenommen. Heute weiß ich, dass sie wie die Blüten der Mandelbäumchen vor ihrem Elternhaus duftet.

Von ihrem Bett aus sieht sie mich an, und ich möchte nach ihrem Haar greifen, es aus ihrer Stirn streichen. Berühren möchte ich sie, mit meinen Lippen über ihren Mund streifen, wissen, ob sie noch immer nach Preiselbeeren schmeckt.

Wenigstens einmal.

Ich nicke stumm.

Melody öffnet die Lippen, doch sie lächelt nicht. Nur ihre Zähne blitzen kurz auf, als sie mich erneut auffordert, auf sie zu warten.

Plötzlich friere ich, weil ich ihr Lachen nicht erkenne.

Silbern wie eh und je, aber stechend wie eine scharfe Herbstbrise verfolgt es mich, als ich nach Hause renne, als müsse ich eine Medaille gewinnen.

***

Mein Bett ist feucht.

Und kalt.

Ich habe nicht aufgehört zu frieren, obwohl ich von der Sonne geträumt habe.

Von Wärme und Licht und von Melody.

Jede Nacht träume ich

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