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Monster, Mythen, Märchenhelden: Eine Anthologie von BookRix-Autoren

Monster, Mythen, Märchenhelden: Eine Anthologie von BookRix-Autoren

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Monster, Mythen, Märchenhelden: Eine Anthologie von BookRix-Autoren

Länge:
257 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 6, 2017
ISBN:
9783743806184
Format:
Buch

Beschreibung

Monster, Mythen, Märchenhelden
Eine Anthologie von BookRix-Autoren - herausgegeben von Phil Humor.

In dieser Anthologie tummeln sich die Magie-Wesen. Zu ihrem Leidwesen behauptet die Ratio frecherweise, dass sie allesamt nur in der Fantasie existieren würden. Sie lässt ihnen immerhin das Refugium "Buch und eBook", wo sie sich von ihrer starken Seite zeigen können.

Kann man der Faszination des Lebens wirklich gerecht werden, wenn man eine ganze Ebene ausblendet: das Reich der Symbole - Archetypen, die man in Seelenlandschaften wie dem Märchen antrifft - Urkräfte, die in den Mythen zuhause sind?

Geweckt durch den Glauben an sie, herbeigerufen, beschworen, verwünscht, verteufelt - ein schwieriges Verhältnis zu dieser Anderswelt. Immerhin handelt es sich um so unterschiedliche Wesen wie Schutzengel, Vampire, Magier, Hexen, Drachen, Ungeheuer, Feen und anthropomorphisierte Tiere, die es mit ihrer Eloquenz locker mit einem Fernseh-Moderator aufnehmen können.

Sie alle zeigen sich nicht unbedingt von ihrer besten Seite, manche Unarten sind dabei, manche werden ausfällig, aber sie freuen sich jedes Mal, wenn die Show beginnt, und ein Leser das Bücher-Theater betritt. Sie spielen dann nur für ihn. Viel Vergnügen wünschen die Autoren und auch die Protagonisten lassen grüßen.

Die Autoren:

Phil Humor
bookrix.de/-philhumor

Angel of Love (Nova Cassini)
bookrix.de/-og5a82492f97955/

Stella Dixon
bookrix.de/-jf70b9576147b65/

Sunshine Girl
bookrix.de/-hk90d6763583e75/

Sundance TwoSpirits
bookrix.de/-vs9de251a8bae45/

Drea Steini
bookrix.de/-bu16a37d828d985/

Vivien Länquis
bookrix.de/-ocb861bcb731085/

Kim Eisenheide (Bente_K.)
bookrix.de/-hugluhuglu

Manuela Schauten
bookrix.de/-schnief

Tony
bookrix.de/-tollpatsch

Fíona Fhola
bookrix.de/-cf32a281cebcc45/

Ursula Strätling
bookrix.de/-ursula.s./

Runeas Remedius
bookrix.de/-uhdbee30b2b7275/

Juditha Lehmkuhl
bookrix.de/-sreeef2ca884465/

Bert Rieser
bookrix.de/-garlin

Deva Moon
bookrix.de/-mv506988db86f75/

Anne Koch
bookrix.de/-anneliesek

Traumwanderer
bookrix.de/-traumwanderer
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 6, 2017
ISBN:
9783743806184
Format:
Buch

Über den Autor


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Monster, Mythen, Märchenhelden - Phil Humor

München

Inhalt

Monster, Mythen, Märchenhelden

Eine Anthologie von BookRix-Autoren - herausgegeben von Phil Humor.

In dieser Anthologie tummeln sich die Magie-Wesen. Zu ihrem Leidwesen behauptet die Ratio frecherweise, dass sie allesamt nur in der Fantasie existieren würden. Sie lässt ihnen immerhin das Refugium Buch und eBook, wo sie sich von ihrer starken Seite zeigen können.

Kann man der Faszination des Lebens wirklich gerecht werden, wenn man eine ganze Ebene ausblendet: das Reich der Symbole - Archetypen, die man in Seelenlandschaften wie dem Märchen antrifft - Urkräfte, die in den Mythen zuhause sind?

Geweckt durch den Glauben an sie, herbeigerufen, beschworen, verwünscht, verteufelt - ein schwieriges Verhältnis zu dieser Anderswelt. Immerhin handelt es sich um so unterschiedliche Wesen wie Schutzengel, Vampire, Magier, Hexen, Drachen, Ungeheuer, Feen und anthropomorphisierte Tiere, die es mit ihrer Eloquenz locker mit einem Fernseh-Moderator aufnehmen können.

Sie alle zeigen sich nicht unbedingt von ihrer besten Seite, manche Unarten sind dabei, manche werden ausfällig, aber sie freuen sich jedes Mal, wenn die Show beginnt, und ein Leser das Bücher-Theater betritt. Sie spielen dann nur für ihn. Viel Vergnügen wünschen die Autoren und auch die Protagonisten lassen grüßen.

Die Autoren:

Phil Humor

https://www.bookrix.de/-philhumor

Angel of Love (Nova Cassini)

https://www.bookrix.de/-og5a82492f97955/

Stella Dixon

https://www.bookrix.de/-jf70b9576147b65/

Sunshine Girl

https://www.bookrix.de/-hk90d6763583e75/

Sundance TwoSpirits

https://www.bookrix.de/-vs9de251a8bae45/

Drea Steini

https://www.bookrix.de/-bu16a37d828d985/

Vivien Länquis

https://www.bookrix.de/-ocb861bcb731085/

Kim Eisenheide (Bente_K.)

https://www.bookrix.de/-hugluhuglu

Manuela Schauten

https://www.bookrix.de/-schnief

Tony

https://www.bookrix.de/-tollpatsch

Fíona Fhola

https://www.bookrix.de/-cf32a281cebcc45/

Ursula Strätling

https://www.bookrix.de/-ursula.s./

Runeas Remedius

https://www.bookrix.de/-uhdbee30b2b7275/

Juditha Lehmkuhl

https://www.bookrix.de/-sreeef2ca884465/

Bert Rieser

https://www.bookrix.de/-garlin

Deva Moon

https://www.bookrix.de/-mv506988db86f75/

Anne Koch

https://www.bookrix.de/-anneliesek

Traumwanderer

https://www.bookrix.de/-traumwanderer

Ghostwriter

Phil Humor

https://www.bookrix.de/-philhumor

Ich bin Ghostwriter, sitze in einem Ghost Train, unterwegs nach Ghost Town. Nicht freiwillig; man könnte sagen, von Erinnyen getrieben. Dabei ist es vor allem eine: Tisiphone - es ist ihr Job; den zu verfolgen, der schuldig ist. Ich habe die getötet, für die ich geschrieben habe, konnte es nicht ertragen, dass sie die Nutznießer sind, und mich haben sie abgespeist mit einigen Euro. Ja, ich würde es wieder tun, keine gute Voraussetzung, um Tisiphone milde zu stimmen. Jahrzehntelang Ghostwriter - habe ich mir damit nicht das Anrecht erworben, sie zu Geistern zu machen? Verquere Logik. Tisiphone verdanke ich diese Reise, sie sitzt mir gegenüber. Von ihr habe ich erfahren, dass es nicht nur ein Jenseits gibt. Es gibt da auch nette Orte, aber dafür müsste man schon ein Heiliger sein. Für jemanden wie mich kommt nur Ghost Town infrage. Ist es immer noch Morgen? Wir fahren seit Stunden, es scheint immer dieselbe Tageszeit, derselbe Tagesanbruch zu sein. Die Schlangen auf ihrem Haar schauen mich böse an. Seltsame Gestalten steigen aus und ein; was sind das für Stationen? Schon seltsam, auf welche Reise man sich begibt, wenn der Lokführer Wut heißt.

Jetzt wieder hat Tisiphone Fledermausschwingen, die tauchen plötzlich auf; sie ist eine Formwandlerin. Das würde mich für gewöhnlich bei Frauen begeistern, aber ich habe momentan eine Aversion gegen alles Geistige. Sie hocken mir zu dicht - beäugen, beschnüffeln mich; sind es Dämonen, Ensemble-Mitglieder eines Gruselkabinetts, Ghule ...? Ich kenne die Fachworte nicht, fahre in eine Welt, deren Vokabular mir unvertraut ist. Bald werde ich einer von ihnen sein - aufgesogen, erfasst vom Grauen. Hört dieses Morgengrauen gar nicht auf?! Ich trete zum Fenster. 'Nicht hinauslehnen während der Fahrt.' Ich habe mich doch schon viel zu weit aus dem Fenster gelehnt. Als Reiselektüre hat sie mir Grusel-Heftromane in die Hand gedrückt, so als Vorbereitung, Aufwärm-Training für das Grauen, in das wir gleiten. Der Zug fährt geräuschlos - jedenfalls sind es nicht die üblichen Geräusche, es ist ein Seufzen, ein Ächzen - nicht dieses fröhlich-optimistische 'Ich schaff das, ich schaff das', was sich bergauf quälende Loks als Mantra gewählt haben, um durchzuhalten. Für mich gibt es kein Durchhalten, keine Parolen - ich habe mir von meiner Wut das Heft aus der Hand nehmen lassen - der Fighter tritt jetzt gegen sich selbst an. Die Schlangen zischeln - und zur Abwechslung trägt Tisiphone jetzt einen Hundekopf. Na, wenn ich demnächst auch solche Tricks drauf habe. Aber wahrscheinlich ist es einfacher, Körperliches zu verändern als seinen Charakter.

Wie komme ich mit den Dämonen ins Gespräch? Sie schauen ganz verständig aus. Wie ist es hier, gilt Unhöflichkeit als verbindlich, sind Flüche die übliche Gesprächseinleitung? Ich brauche Insider-Tipps. Das hätte ich nicht denken sollen; einer der Ghule schüttet mir seine Eingeweide vor die Füße, als sei das die selbstverständlichste Sache der Welt. Will er mir eine Freude bereiten? So wie eine Katze ihrem Herrn stolz eine Maus zu Füßen legt? Als sei das das Startzeichen, nimmt der neben mir sitzende Hexenmeister seinen Kopf ab und hält ihn mir hin. Sehr flexibel, lobe ich ihn. Nachmachen werde ich das keinesfalls, auch wenn dies die allgemeine Erwartungshaltung im Abteil zu sein scheint. Aber ich will sie ja auch nicht enttäuschen, also lasse ich meine Finger knacken. Sie toppen mich, indem sie sich die Finger abreißen. Scheint eine ihre Lieblingstätigkeiten zu sein, sich gegenseitig Körperteile abzurupfen - so als würden Affen einander lästige Läuse entfernen. Das Körperliche verliert an Boden gegenüber dem Geistigen. Man schätzt es umso weniger, je näher wir den Jenseits-Welten kommen. Körper als Ballast ansehen - ungewohntes Konzept.

Tisiphone sieht sehr hübsch aus, wenn sie sich mal dazu entschließt, ihren Normal-Kopf zu verwenden. Aber sie flackert: Es ist, als wolle sie sich mir nicht im unverstellten Modus zeigen - sie geht die ganze Palette durch - selbst ein Elch-, Bison- und Löwinnen-Kopf sind dabei. Faszinierend. Könnte ihr stundenlang zuschauen - und das tue ich ja auch - also eigentlich recht unterhaltsam, wenn da nicht das Gefühl der Schuld wäre. Wie konnte ich mich dazu hinreißen lassen? Sollen sie doch meine Lorbeeren ernten; kommen zu ihren sonstigen Verdiensten noch die Meriten, die sie mir verdanken. Es ist zum Haare Ausraufen - ich tue es wirklich - hat was Befreiendes. Meine Sitznachbarn nicken verstehend. Man muss ja nicht so weit gehen wie van Gogh - oder doch? Sein Ohr leihen, die Ohren spitzen - hier könnte man Redensarten wörtlich nehmen. Käme auf einen Versuch an. Tisiphone hält mich davon ab.

Steiger Dich langsam in die Verzweiflung. Lass Dir Zeit. Ihr Sünder seid immer so voreilig, so hoppladihopp.

Hat sie das jetzt echt gesagt? Bemüht sie sich um Vertrauen aufbauendes Vokabular? Unüblich für eine Rachegöttin. Immerhin hat 'furios' zwei Bedeutungen; wer weiß schon, welcher Richtung sie sich mehr verbunden fühlt. Rasend, begeistert ... was wird meine Furie machen, wonach ist ihr, soll ich sie provozieren, alles rausholen, was drin ist? Es ist nicht Übermut, was mich auf diesen Gedanken bringt, es ist die Musik, die ich seit geraumer Zeit höre - furioso - Leidenschaft, verpackt in Noten; Klänge, die mich dem Körperlichen immer weiter entziehen, die mich daran gemahnen, dass ich vor allem Geist bin. Es scheint, der Zug selber produziert diese Musik, Begleiterscheinung seines sich Fortbewegens durch die Raumzeit, die er in Schwingungen versetzt.

Ein Teufelchen fragt mich, ob ich mich mit Lethe eindecken will, der wunderbare Vergessenheitstrank, der Neuanfang möglich macht, ein Ausradieren der Fehler - ohne Reue, Buße, Erkenntnis - Beglückung bis zum Abwinken; er preist das an, als handle es sich um Champagner. Ich müsste Tisiphone davon zu trinken geben, dann vergisst sie meine Sünden. Bei einem Zungenkuss wäre Gelegenheit, ihr Lethe zuzuspielen. Ich trinke ein bisschen, behalte es im Mund - und schalte dann meinen Casanova-Modus an. Leider hat sie schon wieder ihren Hundekopf auf - da, jetzt, der Elch - ich glaub, mich knutscht ein Elch, fantastisch - aber es ist schon ein bisschen störend, wenn der Partner den Kopf verliert und ihn durch ein anderes Modell ersetzt; ist ja keine Glühbirne, die man mal so auswechselt - oder vielleicht doch? Bin ich zu spießig, zu konservativ? Will ich mein Ich bewahren - und bin deshalb so unflexibel? Die Lethe scheint ihre Wirkung zu tun - Tisiphone hat einen glasigen Blick. Oder schauspielert sie? Aber selbst ihre Schlangen lassen die Köpfe hängen; hat sie sich den Look von Medusa, der Gorgone, geklaut? Hätte sie sich patentieren lassen sollen, aber bei Tisiphone wirkt es verspielter, als ob sie Cosplay betreibe. Ihr liegt das Verkleiden; flieht sie etwa vor sich selbst? Wer so vielen nachstellt, immer rachgierig - eine Rache einfordernd in Stellvertretung - sie selber ist ja gar nicht die Betroffene - entfremdet sie sich von sich selbst von Amts wegen?

Es ist, als hätte ich durch diesen Kuss Einblick in ihre Seele erlangt, eine Verbundenheit, die nur möglich ist durch körperlichen Kontakt. Na also, der Körper belangvoll wie eh und je.

Doch jetzt habe ich ebenfalls sich windende Schlangen auf dem Haar - oder soll ich sagen, statt des Haares? - scheine, mich angesteckt zu haben bei Tisiphone. Vielleicht sollte ich meditieren? Mit den Tieren? Blitze zucken, nehmen den Zug aufs Korn, er enteilt. Wolken-Dämonen springen wie Superhelden auf den Zug, surfen. Scheint ein Fun-Zug zu sein; mir auch neu, dass man einen Zug als Surfbrett verwenden kann - kann man alles, wenn man es ins Geistige verlagert, wenn der Geist die Macht hat. Ghost Town mit seinen Möglichkeiten erscheint mir von Minute zu Minute attraktiver.

Ein Zombie sagt, er habe noch nicht gefrühstückt, und mein Oberschenkel sehe lecker aus. Bedien Dich, bin ich geneigt, ihm zu antworten. Mein Vorbild sind die Wolken-Dämonen, sie besorgen sich die Materie, die sie benötigen, beharren nicht kleinlich auf Konstanz des Erlangten. Man grenzt sich ab mit seinem Körper gegen die übrige Welt ... Dämmert da bei mir Einsicht? Will ich soweit gehen und sagen, dass wir auf geistiger Ebene alle miteinander verbunden sind - Bestandteile einer Weltseele? Die Frage der Schuld, meines Frevels macht mich unruhig - dafür schläft die Furie. Aber ich verdiene ihren Zorn; soll ich sie wecken? Ich spiele Skat mit den Dämonen - dann Doppelkopf, wobei manche von ihnen das herrlich wortwörtlich nehmen und ihre Köpfe verdoppeln.

Es hätte ein triumphaler Einzug in Ghost Town werden können - wenn ich nicht vorher aufgewacht wäre. Einerseits Erleichterung, dass die Verbrechen bisher nur in meiner Fantasie stattgefunden haben, anderseits der Möglichkeit beraubt, Tisiphone näher kennenzulernen. Muss doch ein Grund haben, dass ich von ihr geträumt habe. Eine Zugfahrt, die nie stattgefunden hat - und die mich dennoch mehr verändert hat als Reales. Im Traum stecken Kraft, Erkenntnismöglichkeit und Warnung ... Vielleicht mal ein Buch im eigenen Namen veröffentlichen, der Ghostwriter könnte sich selbst finden beim Schreiben - ein schönes Ziel.

ENDE

Im Zauberwald

Angel of Love (Nova Cassini)

https://www.bookrix.de/-og5a82492f97955/

Tief im dunklen Zauberwald lebte die Hexe Aurelia. Niemand traute sich in die Nähe ihres Hexenhäuschens, denn es hieß, dass sie jeden, den sie erblickte, sofort verfluchte.

Als sich ein junges Mädchen beim Beerensammeln verlief, landete es vor dem Haus der Hexe. Aurelia bemerkte dieses sogleich und kam heraus.

Hallo, liebes Kind. Hast Du Dich verlaufen?

Sophie sah die alte Frau ganz erschrocken an und wusste erst mal nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte schon viele schlechte Geschichten über Aurelia gehört. Angeblich war sie das Böse in Person. Mit ihren jungen 16 Jahren hatte sie eigentlich noch nicht so viel Lebenserfahrung sammeln können, doch, als sie diese alte, scheinbar freundliche, Frau ansah, konnte sie nichts Böses in ihrem Gesicht erkennen. Eigentlich lächelte sie sogar recht liebevoll und fragte erneut:

Kann ich Dir helfen, mein Kind?

Ich… ich habe Beeren gesammelt und habe nicht auf den Weg geachtet. Nun ist es schon so spät und ich weiß nicht, wie ich nach Hause kommen soll.

Sorge Dich nicht, meine Kleine. Wenn Du möchtest, kannst Du hier die Nacht verbringen und morgen früh helfe ich Dir, den Weg nach Hause zu finden. Jetzt ist es leider schon zu spät. Die Nacht bricht bald herein und meine Augen sind lange nicht mehr so gut, wie sie früher einmal waren.

Sophie sah die Hexe verunsichert an. Was sollte sie tun? Alle hatten immer nur das Schlechteste von ihr erzählt. Aber sie fand die alte Frau eigentlich ganz freundlich und hilfsbereit.

Ich danke Euch, gute Frau. Doch bin ich mir nicht sicher, ob ich das tun sollte. Ich kenne Euch nicht und meine Eltern haben mir verboten, mit Fremden zu sprechen.

Das verstehe ich, Liebes. Leider kann ich aber nicht mehr tun, als es Dir anzubieten. Am Ende musst Du selbst entscheiden, was Du tun willst. Vielleicht möchtest Du aber, während Du überlegst, hineinkommen und mit mir zusammen ein Süppchen essen. Du hast doch sicher Hunger, oder?

Die Kleine nickte nur und sah sich noch einmal nach allen Seiten um, wobei sie feststellte, dass es immer dunkler wurde. Daraufhin entschied sie mit hinein zu gehen. Wenn Aurelia komisch wurde, konnte sie noch immer die Hütte verlassen.

Die Alte bot Sophie einen Platz am Tisch an und ging zur offenen Kochstelle. Über dem Feuer hing ein gusseiserner Topf, in dem es brodelte. Erstaunt stellte das Mädchen fest, dass es hier sehr gut duftete. Die alte Frau kam mit zwei gut gefüllten Holzschüsseln und zwei Holzlöffeln zurück an den Tisch, stellte diese darauf ab und setzte sich ebenfalls hin.

Schweigend aßen sie die köstliche Suppe. Sophie sah die Alte immer wieder kurz verstohlen an. Irgendwann traute sie sich die eine Frage, die ihr die ganze Zeit im Kopf herumschwirrte, zu stellen.

Sagt, seit Ihr wirklich eine Hexe?

Die Leute im Dorf nennen mich zumindest so. Meine Mutter hat mir alles über die Heilkräfte der Natur beigebracht. Natürlich beherrsche ich auch ein paar Zaubersprüche. Manches Mal kam auch so ein unglückliches junges Ding aus dem Dorf und bat mich, die ungewollte Leibesfrucht zu entfernen. Das habe ich nie gern getan, aber wenn ich ihnen nicht geholfen hätte, hätten sie es sicher selbst versucht und dabei den Tod gefunden. Das konnte ich nicht verantworten.

Und wie ist es mit Flüchen? Habt Ihr schon mal jemanden verflucht?

Oh, ja, das habe ich, aber immer nur dann, wenn man mir etwas Böses wollte. Die Menschen können mit meiner Andersartigkeit nicht umgehen. Ich bin gut genug ihnen zu helfen, wenn sie krank sind oder ihre ungewollten Kinder loswerden wollen, aber ansonsten wollen sie natürlich nichts von mir wissen. Um zu verschleiern, dass die ein oder andere den Weg zu mir gefunden hatte, erzählen sie dann lieber nur Abscheuliches über mich. Daran habe ich mich schon gewöhnt. Ich lebe sowieso viel lieber ganz allein hier im Wald und unterhalte mich mit meinen Freunden den Tieren. Außerdem kommen mich manchmal Elfen und meine lieben Waldgeister besuchen. Sie leisten mir dann beim Abendessen Gesellschaft.

Sophie schaute die Alte ganz ungläubig an. Hatte diese wirklich gerade gesagt, dass sie Besuch von Elfen und Waldgeistern bekam?

Ihr meint, es gibt tatsächlich Elfen und Waldgeister in diesem Wald?

Aber ja, natürlich gibt es Elfen und Waldgeister und nicht nur das. Mir ist hier auch schon ein Engel begegnet. Er ist so strahlend und so schön, dass einem die Tränen in die Augen kommen, wenn man ihn nur ansieht.

Das scheint ja ein wirklicher Zauberwald zu sein, wenn es hier Engel, Waldgeister und Elfen gab, dachte Sophie.

Die würde ich alle gerne mal sehen.

Das glaube ich Dir, liebes Kind. Doch sind sie sehr scheu und zeigen sich nicht jedem. Sie halten sich unsichtbar. Erst, wenn sie etwas Besonderes in einem erkennen, zeigen sie sich.

Das gab Sophie zu denken. Wenn diese alte Frau also das Vertrauen von so vielen Wesen besaß, dann konnte sie doch ganz sicher eine Nacht hier bleiben, oder?

Nachdem beide ihre Suppe ausgelöffelt hatten, fragte Aurelia erneut, ob sie bei ihr bleiben würde über Nacht. Sophie nickte und bedankte sich erneut für das Angebot.

Die alte Frau richtete der Kleinen ein Nachtlager ein und gab ihr ein langes Hemd zum Schlafen, welches Sophie dankend annahm. Beide legten sich hin und schliefen recht schnell ein.

***

Mitten in der Nacht wurden sie aus dem Schlaf gerissen. An der Tür klopfte es lautstark. Aurora stand auf und öffnete. Vor ihr stand eine Frau aus dem Dorf. Sie hielt ein Baby im Arm, welches offensichtlich fieberte.

„Bitte, ich flehe Euch an. Helft meinem Kind!", schluchzte sie.

Sofort nahm Aurelia der Mutter ihren Säugling ab, zog ihn aus und machte kalte Wadenwickel. Während diese einwirkten, ging sie zu ihren Kräutern, suchte einige heraus und gab sie in den Stößel. Schnell kochte sie etwas Wasser auf, während sie die heilsamen, getrockneten Pflanzen zerstieß.

Sie brühte einen Tee auf. Einen Teil goss sie in eine Tasse, in den Rest tauchte sie ein paar Baumwolltücher, mit denen sie den Körper des winzigen Knaben einrieb. Währenddessen flüsterte die Alte Zaubersprüche. Als der Tee ein wenig abgekühlt war, flößte sie ihm ein wenig davon ein. Nach einer Stunde schien es dem Kindelein ein wenig besser zu gehen. Erleichtert fing die Mutter an zu weinen.

Sophie nahm all ihren Mut zusammen und bat die Mutter, im Dorf zu erzählen, dass Aurelia ihrem Baby geholfen hatte. Ganz fest hatte sie sich selbst vorgenommen nur das Allerbeste von der Alten zu erzählen.

Als das Kleine wieder einigermaßen stabil war, wickelte die Mutter es ein, gab der Kräuterhexe einen Taler und bedankte sich für ihre Hilfe. Danach versicherte sie nur noch Gutes über diese zu erzählen. Die Alte lächelte milde, wusste sie doch, dass die junge Frau ihr Versprechen sicher nicht halten konnte.

Mutter und Kind verließen die Hütte und machten sich auf den Weg nach Hause. Sophie überlegte kurz, ob sie sich der Mutter anschließen sollte, doch sie war so erschöpft, dass sie doch lieber bei Aurelia blieb. Nach kürzester Zeit schliefen das Mädchen und die Hexe erneut ein.

***

Am nächsten Morgen wachten beide beim ersten Sonnenstrahl auf. Aurelia bereitete ein einfaches Frühstück zu, welches sie gemeinsam zu sich nahmen.

"Aurelia, darf ich Euch um etwas

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