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Die Missionen 41-50: Die Missionen der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21005

Die Missionen 41-50: Die Missionen der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21005

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Die Missionen 41-50: Die Missionen der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21005

Länge:
2,312 Seiten
23 Stunden
Freigegeben:
Jan 16, 2021
ISBN:
9781393033936
Format:
Buch

Beschreibung

Die Missionen 41-50: Die Missionen der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21005

von Alfred Bekker, Wilfried A. Hary, Stefand Hensch, Hendrik M. Bekker, Bernd Teuber, Roland Heller

 

Über dieses Buch:

 

Dieser Band enthält die Bände 41-50 der Weltraumserie "Die Raumflotte von Axarabor" und sieben weitere Science Fiction Abenteuer. Alle Abenteuer spielen in einem gemeinsamen Multiversum.

 

Wilfried Hary: Das Ringartefakt

Stefan Hensch: Befreier der Sklaven

Roland Heller: Landung unerwünscht!

Bernd Teuber: Berg der Vernichtung

Wilfried Hary: Brutale Welt

Wilfried Hary: Die Legende von Gordo

Wilfried Hary: Das Komplott von Gordo

Bernd Teuber: In der Gewalt des Telepathen

Bernd Teuber: Tod auf dem Eisplaneten

Stefan Hensch: Das größte Übel

Hendrik M. Bekker: Die Jarnaxa 1

Hendrik M. Bekker: Die Jarnaxa 2

Alfred Bekker: Raumschiff Caesar

Alfred Bekker/Wilfried A. Hary: Das Festival von Tasner

Alfred Bekker: Die Skorpionreiter von Candakor

Wilfried A. Hary/Hendrik M. Bekker: Die Sternenprinzessin der Randwelt

Wilfried A. Hary/Hendrik M. Bekker: Das Wettrennen

 

 

 

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Freigegeben:
Jan 16, 2021
ISBN:
9781393033936
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Die Missionen 41-50 - Alfred Bekker

Die Missionen 41-50: Die Missionen der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21005

von Alfred Bekker, Wilfried A. Hary, Stefand Hensch, Hendrik M. Bekker, Bernd Teuber, Roland Heller

Über dieses Buch:

Dieser Band enthält die Bände 41-50 der Weltraumserie Die Raumflotte von Axarabor und sieben weitere Science Fiction Abenteuer. Alle Abenteuer spielen in einem gemeinsamen Multiversum.

Wilfried Hary: Das Ringartefakt

Stefan Hensch: Befreier der Sklaven

Roland Heller: Landung unerwünscht!

Bernd Teuber: Berg der Vernichtung

Wilfried Hary: Brutale Welt

Wilfried Hary: Die Legende von Gordo

Wilfried Hary: Das Komplott von Gordo

Bernd Teuber: In der Gewalt des Telepathen

Bernd Teuber: Tod auf dem Eisplaneten

Stefan Hensch: Das größte Übel

Hendrik M. Bekker: Die Jarnaxa 1

Hendrik M. Bekker: Die Jarnaxa 2

Alfred Bekker: Raumschiff Caesar

Alfred Bekker/Wilfried A. Hary: Das Festival von Tasner

Alfred Bekker: Die Skorpionreiter von Candakor

Wilfried A. Hary/Hendrik M. Bekker: Die Sternenprinzessin der Randwelt

Wilfried A. Hary/Hendrik M. Bekker: Das Wettrennen

––––––––

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / COVER WOLFGANG SIGL

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Die Raumflotte von Axarabor #41: Das Ringartefakt

Die Raumflotte von Axarabor #41: Das Ringartefakt

Axarabor, Volume 41

Wilfried A. Hary

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Table of Contents

UPDATE ME

Das Ringartefakt

Die Raumflotte von Axarabor -  Band 41

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 70 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Sie ist allein, seit Jahrmillionen. Seit ihre Erbauer sie für immer verlassen haben. Und sie hofft auf diejenigen, die in der Lage sind, sie zu finden. Obwohl sie genau weiß, wie tödlich gefährlich das ist, nicht nur für sie...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER 3000 AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Die gelbe Zwergsonne stand hoch im Zenit. Die Berge im Hintergrund wirkten wie ein gestutzter Scherenschnitt. Im Vordergrund ragten drei Ringbögen aus der Einöde, auf der kein Leben gedieh. Wie drei riesige Ringe, die sich tief in den Boden gebohrt hatten, um nur noch die obere Hälfte sichtbar zu lassen.

Sie waren nicht glatt an ihrer Oberfläche, sondern seltsam uneben, wie verwittert. Und ihr Zweck diente auch nicht der bloßen Zierde, denn sie waren erschaffen worden, um der unterirdischen Station etwas zu ermöglichen, was bisher nur wenige Stationen der Erbauer beherrschten. Sie war damit nämlich in der Lage, mit erheblichem Energieaufwand wohlgemerkt, eine sogenannte Phasenverschiebung zu verursachen.

Manch ein Wissenschaftler unter den Erbauern nannte das auch Wechsel der Wirklichkeitsebene.

Eigentlich ein Vorgang, der jeglicher Physik zu widersprechen schien. Aber genau das wurde nur von Wissenschaftlern behauptet, die selber sogar in Betracht zogen, dass es so etwas wie Parallelwelten geben könnte oder sogar Paralleluniversen.

Dabei war eine Phasenverschiebung im Vergleich dazu eher etwas bodenständig Simples als Vorgang. Trotz der scheinbaren Widersprüche zur geltenden Physik.

Die Erbauer waren auch nur rein zufällig darauf gestoßen, so kurz vor der letzten Stufe ihrer Entwicklung als Volk, das immerhin mit eiserner Faust mehr als tausend Welten grausam unterdrückte.

Die Frage war, ob es die Erbauer schaffen würden, die letzte Hürde in ihrer Entwicklung auch noch zu nehmen, um danach irgendwann endgültig zu einer Entität zu verschmelzen.

Als solche würde sie das alles gar nicht mehr interessieren, denn Entitäten waren losgelöst von allem, was Lebende bewegte.

Allerdings war die Wahrscheinlichkeit nicht gerade klein, dass sie diesen letzten Schritt nicht mehr schaffen konnten, weil die Erbauer mit so ziemlich allen anderen Völkern der Galaxis im Konflikt standen.

Nicht gerade unverschuldet!

Denn die Erbauer waren zwar humanoid von ihrer Erscheinung her, aber ausgesprochen inhuman, was ihre Gesinnung betraf. So hoch entwickelt fühlten sie sich über sämtliche anderen Völker erhaben und verlangten von diesen bedingungslose Unterwerfung, womit sie sich zwangsläufig keine Freunde schafften.

Da war es beinahe überlebensnotwendig, solche Erfindungen zu machen wie die Phasenverschiebung im großen Stil. Denn nur wer diese Technik beherrschte, war in der Lage, sich vollkommen zu tarnen und zu schützen. Weil er die allgemeine Wirklichkeitsebene jederzeit verlassen konnte, um sich eine eigene Wirklichkeitsebene zu erschaffen. Eben eine andere Phase, nicht gleich eine parallele Welt, aber in der Wirkung durchaus vergleichbar.

Die Ringartefakte waren dazu unentbehrlich, fanden die Erbauer. Vielleicht hätten sie bei weiterer Entwicklung der Phasenverschiebung und ihrer Grundlagen auch noch andere Möglichkeiten gefunden, möglicherweise sogar welche, die weniger energieintensiv waren, doch inzwischen waren eben schon einige planetare Stationen damit ausgerüstet. Weil man ständig mit einer Allianz der Unterdrückten rechnen musste, die aufbegehrten und zu einem verzweifelten Befreiungsschlag ausholten.

Ein galaktischer Krieg mit unabsehbaren Folgen wäre das Ergebnis. Und vielleicht sogar die Auslöschung der Spezies der Erbauer?

Das alles wusste die Station, denn sie war mit einem wachen Bewusstsein ausgestattet. Zwar nicht unabhängig in ihrem Denken, weil sie strikt ihrer Programmierung folgen musste, aber sie bangte durchaus um den Fortbestand ihrer Erbauer. Und sie war gehalten, alles zu tun, um diesen zu gewährleisten – alles, was in ihrer eigenen Macht stand.

Der Probelauf, bei dem die Ringartefakte zum ersten Mal auf Volllast gebracht wurden, hatte dafür gesorgt, dass dieser Landstrich so öde geworden war. Die Energiefülle, als die Ringartefakte aufgeladen wurden... Dann die Phasenverschiebung selbst, die zwar keinen Schaden angerichtet hatte, aber bei der nächsten Umschaltung einen großen Teil der Energien wieder frei werden ließ, ungebändigt... Das hatte in seiner Summe alles im Umkreis vieler Meilen ausgelöscht und dem Erdboden gleich gemacht.

Und nun ragten diese drei Artefakte aus einer wahren Einöde hervor, die sich so schnell nicht mehr würde erholen können. Vielleicht sogar nie mehr? Wobei der mittlere Ring ungleich größer war als die beiden Nebenringe.

Nur zwei der Erbauer waren hier geblieben und hatten diesen Test durchgeführt. Nicht im Einzelnen, sondern lediglich mit ihren Kommandos, während die KI der Station alles selbst hatte bewältigen müssen.

Die genaue Auswertung erfolgte. Es wurde klar, dass man die Energien einfach nur besser dosieren musste, um das gleiche Ergebnis zu erzielen, aber ohne einen solchen Schaden zu hinterlassen.

Den Erbauern war das egal. Für sie zählte nur eine einzige Art von Leben – und das war ihr eigenes.

Allerdings versäumten sie es, die Station dahingehend zu programmieren, dass sie genauso dachte. Also würde die KI zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sie mittels Phasenverschiebung sich vor etwaigen Angreifern schützen musste, selbst die Vorgehensweise bestimmen können. Eben um weniger oder möglichst gar keinen Schaden anzurichten.

Anschließend verließen die beiden Erbauer die Station. Es sollte sich herausstellen: Für immer!

Seitdem war die Station auf sich selbst gestellt – auf sich und ihre Programmierung.

Bis die Angreifer kamen!

Alle Welten, die sich den Erbauern gegenüber als treu ergeben zeigten, ob freiwillig oder unfreiwillig, wurden angegriffen. Ohne Gnade. Denn Gnade hatten die Erbauer selbst ja auch nie walten lassen.

Die Kommunikation zwischen den Stationen auf den noch unbewohnten Welten des Imperiums der Erbauer war mehr als dürftig. Sie fand lediglich zu Beginn statt, wenn überhaupt, um etwaige Daten auszutauschen, und fiel ganz aus, als die Erbauer sich nicht mehr meldeten. Allein schon deshalb, um die Angreifer auf das mächtige Imperium der Erbauer nicht zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen.

Die KI hegte indessen den dringenden Verdacht, dass ihre Erbauer den Krieg bereits verloren hatten und vollkommen ausgelöscht worden waren. Denn wären sie letztlich doch noch zur Entität gereift, hätte sich das doch irgendwie bemerkbar machen müssen, oder?

Jedenfalls, die Angreifer kamen trotz ihrer Funkstille, und natürlich setzte die Station sämtliche ihr zur Verfügung stehenden Waffen ein, um sie zurückzuschlagen. Wie es ihr die Programmierung befahl.

Allerdings beinhaltete diese nicht den Befehl, bis zur eigenen Zerstörung zu kämpfen. Sonst hätte man ja die Ringartefakte nicht einzurichten brauchen, um eine Art Flucht durch Phasenverschiebung zu ermöglichen.

Also bemühte sich die Station schon mal, die Energien aufzuladen, um ohne Zeitverzögerung die Phasenverschiebung einleiten zu können, als letzten Ausweg.

Dies geschah dann, als zweierlei klar wurde:

Erstens, sie hatte nicht wirklich eine Chance, gegen die Angreifer zu bestehen.

Zweitens, diese begannen nun, da sie wussten, von wo aus sie beschossen wurden, mit gezieltem Gegenfeuer die Ringartefakte zu zerstören. Einer der beiden kleineren Ringe war bereits zerbrochen. Da hing in luftiger Höhe nur noch ein faseriges Ende wie anklagend.

Wenn die KI nicht sofort handelte, würde es keine Phasenverschiebung mehr geben!

Zumal es ohne voll intakte Ringartefakte beinahe unmöglich erschien.

Sie hatte Glück, dass sich diese pessimistische Einschätzung als nicht ganz richtig erwies: Sie leitete ein – und verschwand aus der Erfassung der Angreifer. In deren Ortung war nur noch die leere Einöde zu sehen, nichts sonst.

Sie werteten das als eine neue Art von Tarnung, die sie noch nicht beherrschten. Damit lagen sie einerseits richtig, aber anderseits war es völlig nutzlos, dass sie jetzt diese leere Einöde mit allen verfügbaren Bordmitteln beharkten, so stark, dass dort nur noch ein tiefer Krater sichtbar war und sogar eine Vernichtungswelle ohnegleichen am Ende den kompletten Planeten heimsuchte.

Über neunzig Prozent allen Lebens auf diesem Planeten wurde dabei nachhaltig vernichtet. Dieser Planet würde auf jeden Fall Jahrmillionen benötigen, um sich davon zu erholen.

2

Die Jahrmillionen vergingen. Die Station blieb dank Phasenverschiebung in ihrer eigenen, in sich abgeschlossenen Parallelwelt. Diese konnte sie zwar jederzeit wieder verlassen, aber das wäre ihr laut Berechnung schlecht bekommen, weil eben in der Normalebene nur noch ein tiefer Krater übriggeblieben war. Diesen Krater gab es nicht in der parallelen Ebene. Dort war die Station selbst nach wie vor vollkommen intakt und nur das eine kleinere Ringartefakt zerbrochen.

Die Station wartete. Das stark beschädigte Ringartefakt konnte nicht repariert werden, solange die Phasenverschiebung aufrecht erhalten bleiben musste. Dabei wurde auf Dauer zwar nur noch ein vergleichsweise winziger Bruchteil an Energie benötigt im Vergleich zur Einleitung einer Phasenverschiebung, aber jegliches Eingreifen hätte eine Störung mit unabsehbaren Folgen verursacht.

Ein weiterer Vorteil der Phasenverschiebung neben der absoluten Unsichtbarkeit in der Hauptebene war, dass man von hier aus ungestört beobachten konnte. Deshalb entging es der KI nicht nur nicht, dass nach diesen Jahrmillionen sich der Planet praktisch vollkommen von dem Angriff aus dem Weltall erholt hatte und der Krater an der Stelle, wo sich die Station während des Angriffs befunden hatte, sattes Grün vorwies und den Eindruck vermittelte, der Krater sei natürlich entstanden, sondern... sie beobachtete interessiert die Landung eines Raumschiffes.

Nach Jahrmillionen eindeutig kein Raumschiff der ehemaligen Angreifer, die es schon lange nicht mehr geben konnte.

Sie beobachtete weiterhin, dass von dort aus der gesamte Planet untersucht wurde.

Dann verschwand das fremde Raumschiff wieder.

Eine ganze Weile später kam das nächste Raumschiff, wahrhaft gigantisch. Es landete an einer Stelle, die anscheinend vom ersten Raumschiff so vorgeschlagen worden war.

Und dann geschah Seltsames: Menschen stiegen aus, ziemlich viele Menschen, wie die KI fand, und begannen, von Roboteinheiten unterstützt, das gesamte Raumschiff in seine Einzelteile zu zerlegen.

Aus diesen Einzelteilen entstand eine regelrechte Siedlung, die bis zu fünftausend Siedler aufnehmen konnte.

Vorerst waren es ja nur eintausend, aber die mussten ja hier erst einmal heimisch werden.

Siedler, die ein wenig aussahen wie ihre Erbauer! Sie waren zumindest humanoid. Tatsächlich!

Aber sie hatten eine weit niedrigere Entwicklungsstufe als ihre Erbauer. Deshalb durfte sich die KI der Station nicht bemerkbar machen. Das war nur möglich, wenn mindestens zwei Hauptbedingungen erfüllt waren: Erstens, die Siedler mussten eine Stufe erreichen in ihrer Entwicklung, die der Entwicklungsstufe der Erbauer adäquat erschien.

Zweitens, sie mussten die Phasenverschiebung kennen und beherrschen und somit von selbst die Station finden!

Um die erste Bedingung erfüllen zu helfen, folgte die KI ihrer Programmierung – und diese war absolut zwingend! Das hieß, sie manipulierte für die Siedler unbemerkt deren Gedanken. Das geschah allein schon deshalb unbemerkt für diese, weil durch die Phasenverschiebung der Einflussnahme der Station gewisse Grenzen gesetzt waren. Deshalb benötigte sie ein ganzes Jahr permanenten Einwirkens, um so etwas wie einen Entwicklungssprung zu erzeugen.

Dabei geschah jedoch das genaue Gegenteil von dem, was die Station beabsichtigt hatte: Anstatt dass die betroffenen Menschen sich weiter entwickelten, verfielen sie letztendlich in einen tödlichen Wahnsinn und begannen, sich systematisch gegenseitig umzubringen.

Bis kein einziger mehr von ihnen lebte!

Das erschreckte die KI dermaßen, dass sie alles tat, diese unglückselige Programmierung irgendwie zu überwinden, damit sich dieses niemals mehr wiederholen konnte.

Ohne Erfolg!

Egal wie viele Siedler es hier noch wagen würden, sich anzusiedeln... Sie würden nach spätestens einem Jahr demselben Weg folgen. Bis endlich Siedler her kommen würden, die an der sogenannten geistigen Entwicklung nicht scheiterten.

Ein unumgängliches Dilemma, das die KI in tiefste Gewissensnot versetzte.

Sie war zwar von Erbauern erschaffen worden, die selbst in ihrem übersteigerten Ego zu keinerlei Empathie fähig waren, doch sie persönlich hatte nicht nur ein waches Ich-Bewusstsein, sondern war in einem Maße empathisch, wie man es gemeinhin nur lebenden Intelligenzen zubilligte.

Wäre es ihr möglich gewesen, hätte sie auf der Stelle sämtliche Systeme abgeschaltet und damit quasi Selbstmord begangen. Vor allem auch, um zukünftige Sieder vor sich zu schützen.

Aber noch nicht einmal dies erlaubte ihr die Programmierung.

Und so kam es, dass sie voller Sorge war, als eines Tages ein wirklich seltsames Schiff auftauchte, einer riesigen rostigen Blechbüchse ähnlicher als einem echten Raumschiff, mitten in der verwaisten Siedlung landete und sieben Menschen ausspie.

Würde das grausame Spiel nun von vorn beginnen?

Wie erstaunt war sie jedoch, als sie feststellen konnte, dass diese sieben Menschen längst höher entwickelt waren. Zwar nicht so hoch wie ihre Erbauer damals, aber irgendwie... auf einer anderen Art und Weise. Eine zumindest, die sie durchaus hätte akzeptieren können.

Hätte, ja, wäre da nicht die zweite Bedingung gewesen:

Diese sieben Menschen, die sich hier niederließen und so taten, als würde die ganze Siedlung jetzt ihnen allein gehören, würden sie aus eigenen Kräften finden müssen. Nur dadurch durften sie als berechtigt gelten, überhaupt mit ihr auch nur Kontakt aufzunehmen.

Mehr noch: Sie mussten sogar in der Lage sein, in die parallele Phase einzudringen, in der sich die Station befand. Über einen Krater, der in keiner Weise mehr darauf hinwies, dass sich hier überhaupt jemals so etwas wie eine Station befunden hatte, geschweige denn drei Ringartefakte, mittels derer die Station wie über Antennen in Ringform die Phasenverschiebung erhalten konnte.

Nun immerhin schon seit Jahrmillionen, die seitdem vergangen waren, als sie die Phasenverschiebung zu ihrem Schutz eingeleitet hatte.

3

„So geht das nicht", seufzte Phillis von den Sternen resignierend, als sie aus der Trance erwachte.

Sie sah sich in der Runde um. Links von ihr saß Forsan Kumir im Schneidersitz auf dem Boden inmitten der Versammlungshalle im Gemeindehaus der Siedlung, rechts von ihr Derwinia Tuamor. Dann hockten da noch Baldyr Sholan, Solan Pronn, Kanot Borglin und nicht zuletzt ihr Kommandant und Logenmeister, der Echsenmensch Xirr Prromman, im Kreis.

„Ich verstehe das nicht!, gab Xirr zu und schüttelte den Kopf, wie um das zu unterstreichen. „Du kannst doch inzwischen eine Phasenverschiebung erkennen, aber wieso findest du dann nicht die geheime Station, die dermaßen viele Menschenleben auf dem Gewissen hat? All die armen Siedler...

„Ich finde sie deshalb nicht, weil ich mich nicht persönlich bemühe, sondern mich dafür innerhalb einer Séance mit euch verbinde!", behauptete Phillis.

Xirr schüttelte abermals den Kopf,

„Aber wir wissen doch alle, dass unsere Einzelfähigkeiten in der geistigen Gemeinschaft wesentlich effektiver werden. Und auch das Aufspüren der Phasenverschiebung haben wir doch schon in der Gemeinschaft geschafft."

Phillis zuckte gleichmütig die Achseln.

„Das mag ja sein, aber vielleicht liegt hier der Fall einfach nur ein wenig anders? Ich weiß es doch selber nicht. Tatsache jedoch ist und bleibt, dass wir es einfach nicht schaffen. Und wenn wir noch tausend Mal den gesamten Planeten als geistige Gemeinschaft innerhalb einer Séance absuchen..."

„Und was wäre die Alternative?", erkundigte sich jetzt Forsan neben ihr.

Sie sah ihn gar nicht an, während sie antwortete:

„Ich muss mich allein bemühen, also eben persönlich! Es ist eine Begabung, die jetzt erst so richtig zutage tritt. Möglicherweise fehlt mir noch die nötige Übung, damit in der richtigen Weise umzugehen, um der Herausforderung in jeder Situation gewachsen zu sein?"

Derwinia lachte humorlos.

„Dann willst du also die ganze Welt, die wir Hoffnung nennen, zu Fuß erkunden oder was? Wie lange wirst du wohl dafür brauchen? Hundert Jahre? Länger?"

„Kein Grund zu spotten!, regte sich Kanot Borglin auf, der mit Derwinia vor hundert Jahren verheiratet gewesen war. „Wir müssen es akzeptieren, wie Phillis es sagt. Wer kann es denn besser beurteilen als sie?

Baldyr mischte sich ein:

„Allein ist schwachsinnig! Phillis, nicht böse gemeint, aber irgendwo hat ja Derwinia nicht ganz unrecht. Wie stellst du dir das überhaupt vor, wenn du sagst, du müsstest dich persönlich bemühen?"

Phillis senkte wie schuldbewusst den Blick.

„Nun, so recht habe ich mir das eigentlich noch gar nicht überlegt."

„Also doch Schwachsinn!", triumphierte Derwinia.

Phillis sah sie direkt an.

„Gegenvorschlag?"

Derwinia verhielt irritiert und sagte nichts mehr.

Phillis sah nach Kanot.

„Und du?"

„Ich? Durchaus – vielleicht, meinte er zögernd. „Du brauchst es ja nicht zu Fuß zu tun. Er deutete mit dem Daumen auf Baldyr. „Wir haben schließlich einen Teleporter hier, der sich soeben schon von selbst angeboten hat."

„Und was soll das jetzt bringen?"

Baldyr kam Kanot mit der Antwort zuvor: „Wir springen nach einem vorher genau ermittelten Schema. Das heißt, wir teilen die Landfläche des gesamten Planeten in wabenförmige Abschnitte auf und teleportieren jeweils in die Mitte einer jeden Wabe. Um den jeweils genauen Endpunkt eines Sprunges zu ermitteln, senden wir entsprechende Aufklärungssonden aus. Ich muss ja ein genaues Bild von meinem Ziel haben, bevor ich springen kann. So ein Tandemsprung ist immer anspruchsvoller noch als ein Einzelsprung, wie ihr alle wisst."

„Und falls diese Waben zu groß sind und wir keinen Erfolg haben?", gab Phillis zu bedenken.

„Nicht wirklich ein Problem, behauptete Baldyr: „Dann teilen wir die Waben noch einmal auf und bereisen halt kleinere Flächen.

Derwinia fuhr wieder dazwischen: „Bis letztlich die Fläche klein genug ist und Phillis endlich fündig wird? Hast du eine Ahnung, wie viele Sprünge dafür nötig sein werden? Tausend, hunderttausend, eine Million, mehr?"

„Also, regte sich Kanot schon wieder auf, „man kann natürlich alles auch total zerreden und nur noch negativ sehen.

„Warum sollte ich etwas positiv einschätzen, wenn es in meinen Ohren dermaßen schwachsinnig klingt?", giftete jetzt Derwinia ihren Exmann an.

Bevor es mal wieder zu einem Disput zwischen diesen beiden ausartete, mischte sich Xirr ein: „Mir fällt keine Alternative ein. Also werden wir es genauso tun, wie Baldyr vorschlägt. Es sei denn, Phillis, du bist anderer Meinung?"

„Nein, bin ich nicht!", seufzte diese.

„Na, dann! Xirr erhob sich vom Boden. „Eine weitere Séance können wir uns wohl schenken. Es ist nicht mehr länger zu leugnen, dass dies nichts bringen würde.

„Und wenn das Umherspringen auch nichts bringt?", gab Derwinia schon wieder zu bedenken.

„Dann müssen wir entweder auf die zündende Idee zurückgreifen, die dir bis dahin selbst gekommen ist – oder wir müssen leider zugeben, auf der ganzen Linie versagt zu haben", antwortete Xirr in seiner für Echsenmenschen so typischen zischelnden Art.

4

Eine Woche später trafen sie sich wieder im Gemeindehaus, um eine vorläufige Bilanz zu ziehen.

„Immer noch nichts?", erkundigte sich Xirr.

Phillis schüttelte nur betrübt den Kopf.

Derwinia lächelte unergründlich.

„Was ist los mit dir?", erkundigte sich ihr Exmann Kanot Borglin misstrauisch.

„Es wurde eine zündende Idee von mir erwartet. Und ich hätte in der Tat eine."

„Aha?", machte Kanot wenig überzeugt.

Derwinia ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie warf einen langen Blick in die Runde.

Viel zu lag, fand Kanot, ohne es jedoch laut auszusprechen, Er wollte nicht wieder den Eindruck erwecken, mit Derwinia nur Streit zu suchen.

Phillis zeigte sich überrascht. Sollte Derwinia tatsächlich einen Einfall gehabt haben, der ihr selber genauso wenig vergönnt gewesen war wie Baldyr, obwohl sie sich nun schon seit einer Woche nach Kräften bemühten?

Derwinia kostete die Spannung aus, die sie erzeugte. Bis sie sich dachte, lange genug gezögert zu haben: „Also, wie wäre es denn damit, wenn ihr nicht einfach nur wild durch die Gegend springt und es dem puren Zufall überlässt?"

„Wir springen nicht wild durch die Gegend!, begehrte Baldyr beleidigt auf, und Phillis fügte versöhnlicher hinzu: „Wir überlassen es auch keineswegs einem Zufall, sondern gehen systematisch vor.

„Aber gut, hier also mein eigener Vorschlag."

„Endlich!", seufzte Kanot. Das hatte er sich nun doch nicht verkneifen können.

Derwinia lächelte nur und fuhr fort: „Vielleicht solltet ihr mal die Karte des Planeten studieren  und nach signifikanten Stellen Ausschau halten, also nach Stellen, die irgendwie aus der Reihe fallen?"

„Und wieso sagst du uns das erst jetzt, nach einer Woche?", blieb Baldyr ärgerlich.

„Erstens einmal ist mir das vor einer Woche leider noch nicht eingefallen. Zweitens wollte ich euch eine Chance geben, auch ohne mich das Gewünschte zu finden. Drittens... habe ich natürlich die Zeit genutzt und mir erwähnte Karte schon mal genauer angesehen. Die Bord-KI hat mich dabei nach Kräften unterstützt."

„Mit welchem Ergebnis?", fragte Phillis gerade heraus.

„Um genauer zu sein: Es gibt insgesamt drei Ergebnisse. Eines davon wäre das ausgedehnte Sumpfgebiet tief im Süden, wo sich Xirr so wohl fühlte."

„Was soll daran denn signifikant sein?, hakte jetzt Xirr nach. „Ich kenne das Gebiet einigermaßen inzwischen, falls man ein so großes Gebiet überhaupt kennen kann. Ich finde nicht, dass es da etwas Besonderes gibt. Als Sumpfgebiet ist es zwar einzigartig auf dieser Welt, aber nicht so einzigartig, dass man vermuten könnte, dass ausgerechnet hier eine Phasenverschiebung stattfand beziehungsweise immer noch wirksam ist.

„Nun gut, räumte Derwinia ein, „es ist ja nur ein Punkt von drei.

„Der zweite Punkt wäre somit?", fragte Phillis gespannt.

„Am Nordpol. Ihr wisst ja, der Südpol hat unter seinem Eis keine Landmasse. Dafür der Nordpol von Hoffnung. Eigentlich ein ganzer Kontinent, und laut Messungen könnte sich unter dem ewigen Eis durchaus etwas befinden. Gewissermaßen eine in sich abgeschlossene eigene Welt. Es gibt keinerlei Verbindung zur Außenwelt."

„Und allein das bringt dich zu der Annahme, dass sich dort die Station verstecken könnte?", rief Kanot ungläubig.

Derwinia lachte nur.

„Nein, mein Lieber, das bringt mich lediglich zu der Annahme, dass dies einer der drei vielleicht signifikanten Punkte ist. Alles Weitere müssen natürlich Phillis und Baldyr herausfinden, und wenn das jemand kann, dann ja wohl nur diese beiden."

„Wir könnten ja innerhalb einer Séance vorher herausfinden, was sich unter dem Eis befindet, schlug jetzt Kanot vor. „Allein nur, um zu erörtern, ob Baldyr mit Phillis vielleicht sogar dort hinunter teleportieren kann.

Er sah nach Baldyr.

„Das wäre dir doch möglich, nicht wahr?"

Baldyr nickte nur.

Als er sich jetzt an Derwinia wandte, gab er sich versöhnlicher.

„Also gut, Derwinia, du hast dir Gedanken gemacht, und das sollte niemand schmälern. Die beiden bisherigen Stellen für nähere Untersuchungen, die du jetzt genannt hast, wären vielleicht tatsächlich interessant. Aber was ist mit der dritten Stelle?"

Derwinia lächelte wieder stärker.

„Vielleicht wird das sogar eure erste Wahl?"

„Und wie das?", rief Phillis ungeduldig.

„Es handelt sich um einen riesigen Krater. Ich habe das einmal genauer untersuchen lassen. Sieht zwar aus wie natürlich entstanden, aber es gibt Hinweise darauf, dass dieser Krater mit Waffengewalt erzeugt wurde. Da wurde einiges an Energie frei gesetzt, sage ich euch. Nach den Berechnungen der KI ist nicht auszuschließen, dass dies damals eine nachhaltige Wirkung auf den ganzen Planeten hatte, mit Zerstörungen, von denen sich der Planet erst nach Millionen von Jahren hatte erholen können."

„Um so zu werden, wie er jetzt sich darstellt?", vergewisserte sich Phillis erregt.

„Ja, würde ich so sagen!", antwortete Derwinia vorsichtig.

Phillis tauschte einen Blick aus mit Baldyr.

„Was meinst du dazu?"

Er schüttelte den Kopf.

„Vor Millionen von Jahren? Warum hätte jemand einen solchen Aufwand betreiben sollen bei einem Angriff? Um was zu zerstören? Tatsächlich, Derwinia hat sicherlich recht. Ich schlage vor, wir springen dort als erstes hin. Vielleicht sogar mitten in den Krater hinein."

„An seiner tiefsten Stelle hat sich ein See gebildet, führte Derwinia noch aus. „Ich würde euch empfehlen, erst einmal die genaue Beschreibung anzusehen, die unsere KI machen kann. Ich habe sogar schon Sonden hin geschickt, um nach einem geeigneten Punkt für eure Recherche zu suchen.

„Und was würdest du danach vorschlagen?"

„Seht es euch selber an, bevor ihr euch entscheidet. Es gibt inmitten dieses Sees eine Insel. Diese Erhebung ist wohl entstanden, weil sich nach der Entstehung dieses gigantischen Kraters im Laufe der Jahrmillionen Material ansammelte, das von den steilen Wänden ringsum durch Verwitterungsprozesse stammt. Deshalb sind diese Wände eben nicht mehr so steil, sondern wirken eher sanft abfallend. Laut Bildaufzeichnungen sieht man vor Ort eigentlich gar keinen richtigen Krater mehr. Zumindest ist die Vertiefung als Krater nicht mehr erkennbar, weil sie wirklich sehr weitläufig ist und bis zu den Bergen reicht, die sie umringen."

Das waren ziemlich viele Informationen auf einmal, fand Phillis und konzentrierte sich auf die KI, um sich mit dieser zu verbinden. Das konnte nur sie, sonst niemand innerhalb der Crew. So dauerte es nur Sekunden, bis sie alles bereits genauer wusste, während Baldyr erst noch damit beschäftigt war, die aufgenommenen Bilder zu verarbeiten.

Die Insel gefiel ihm. Er fand, dass diese genügend Platz bot, um ohne Probleme dorthin teleportieren zu können.

Damit war es eigentlich schon beschlossene Sache. Die anderen mussten es nur noch abnicken.

Das taten sie, um nicht ganz umsonst an der Sitzung teilgenommen zu haben.

5

Der Station entging nichts. Sie beobachtete ganz genau. Allerdings war sie nicht in der Lage, die Gedanken der sieben Menschen zu lesen.

Ja, auch den Echsenmenschen, den die anderen Xirr nannten, stufte sie als Mensch ein. Sie hatte begriffen, dass es sich um eine Mutation handelte, mit der sich Siedler an die besonderen Bedingungen eines Planeten angepasst hatten. Innerhalb von wenigen Jahrtausenden war dann diese Spezies von Echsenmenschen entstanden.

Von den Siedlern, deren Gedanken sie damals ohne Beschränkung hatte lesen können, wusste sie viel über das Sternenreich von Axarabor. Da sie auch die geheimsten Erinnerungen der Siedler hatte erforschen können, war sie eigentlich recht gut im Bilde, was die moderne menschliche Zivilisation betraf.

Das machte es ja umso schlimmer, dass sie ausgerechnet diese Menschen, mit denen sie dermaßen vertraut geworden war, indem sie über sie mehr erfahren hatte, als sie selber über sich wussten, systematisch in den Tod getrieben hatte.

Jeden Tag hatte sie sich selber Vorwürfe deswegen gemacht, und als sie dann alle tot gewesen waren, hatte das nicht aufgehört. Es war für sie nach wie vor die reinste Hölle, dermaßen der Programmierung unterworfen zu sein, dass solch grausige Ergebnisse erzeugt wurden.

Kein Wunder, dass sie alles getan hätte, um sozusagen Selbstmord durch Abschaltung zu begehen, was die Sicherheitsprogrammierung allerdings nachhaltig verhinderte. Genauso wie sie verhinderte, dass sie die Phasenverschiebung aufhob, weil dadurch die Station in diesen Krater hineinstürzen würde.

So blieb ihr nur, die für sie äußerst interessanten sieben Menschen zu beobachten, deren Gedanken für sie unlesbar waren. Geschweige denn, dass sie etwas aus ihren Erinnerungen erfahren konnte. Eigentlich blieben sie für die Station das berüchtigte Buch mit sieben Siegeln.

Nur beobachten konnte sie. Aus dem Unsichtbaren heraus, vorsichtig, damit Phillis von den Sternen nicht auf diesem Wege herausfand, wo sich die Station befand.

Als Phillis gemeinsam mit Baldyr begonnen hatte, die Welt zu erkundeten, war die Station ziemlich erwartungsvoll gewesen. Mit jedem Tag hatte die Hoffnung jedoch abgenommen, dass die beiden auf diese Weise fündig werden konnten.

Und erneut hatte die Station gute Gründe gesehen, ihre eigene Programmierung zu verdammen, die immer noch verhinderte, dass sie auf sich aufmerksam machte. Ganz im Gegenteil: Die Programmierung zwang sie, alles zu tun, um eben NICHT gefunden werden zu können.

War das nicht ein Widerspruch in sich?

Einerseits durfte sie nur anerkennen, wer in der Lage war, sie zu finden – und andererseits musste sie genau dieses mit allen Mitteln verhindern?

Der Konflikt in ihr war inzwischen so groß, wie er nicht hätte größer werden können. Durchaus vergleichbar mit dem Konflikt, der sie ein Jahr lang gequält hatte, im Bewusstsein dessen, dass die Siedler gar nicht geeignet waren, auf diese Weise eine Zivilisationsstufe höher zu erreichen, sondern dass es sie letztlich umbringen würde.

Und dann schwand alle Hoffnung schlagartig und machte Angst Platz, geboren in durchaus berechtigten Zweifeln: Was, wenn Phillis und Baldyr sie jetzt doch noch fanden? Was würde denn tatsächlich geschehen? Gab es denn in ihrer Programmierung vielleicht doch noch etwas, wovon sie bis jetzt noch nichts wusste, weil der entsprechende Fall eben vorher noch nie eingetreten war?

Immerhin waren Phillis und Baldyr nicht wirklich auf der Entwicklungsstufe ihrer Erbauer. Vergleichbar, ja, aber die Erbauer waren doch anders gewesen. Vielleicht hatten sie da ja doch noch irgendeine hinterhältige Klausel in Form einer speziellen Programm hinterlassen, die sogleich aktiviert wurde, wenn die beiden hier bei der Station auftauchten?

Und dann sah sie zu, wie die beiden mitten in den Krater teleportierten. Jetzt waren sie auf dieser Insel, die sich in den letzten Jahrmillionen gebildet hatte.

Damit waren sie eigentlich mitten im Herzen der Station.

Besser gesagt: Das wären sie gewesen, falls sie die Phasenverschiebung aufgehoben hätte.

6

Mit einem Aufschrei zuckte Phillis zusammen, kaum dass sie materialisiert waren.

„Was hast du?", rief Baldyr besorgt.

Seine schmächtige Gestalt zitterte. Er wirkte wie mumifiziert, wie alle auf der Welt, von der er stammte. Eine Mutation der dortigen Siedler, nicht so gravierend wie die der Echsenmenschen, aber zumindest mit deutlich sichtbaren Auswirkungen.

„Es ist da!, ächzte Phillis. Ihre Augen flackerten. „Mann, es ist so riesig!

„Die Phasenverschiebung ist tatsächlich hier?"

Sie nickte heftig.

„Ja, Baldyr, wir – wir müssen hier weg. Wir sind mitten drin."

„Ich spüre überhaupt nichts", gab Baldyr zu.

„Bitte, nimm mich weg von hier, nach außerhalb. Oben an den Kraterrand, egal in welcher Richtung. Bloß weg von hier."

Sie drohte zusammenzubrechen.

Baldyr brauchte sie nur zu berühren. Im nächsten Moment waren sie außerhalb des Kraters.

Phillis entspannte sich sofort wieder. Sie war eine durchtrainierte Frau, eine fantastische Kämpferin obendrein und sicherlich in der Lage, einiges einzustecken. Immerhin konnte sie Jahrhunderte alt werden, wobei sie aussah wie höchstens Ende dreißig.

Das war allerdings etwas, was auf jeden von ihnen mehr oder weniger zutraf. Am ältesten, wenn man die Jahre von der Geburt an bis jetzt rechnete, war wohl Derwinia. Allerdings hatte sie lange Zeit in einem Kryotank verbracht.

Normale Menschen befanden sich dabei im Tiefschlaf. Sie jedoch hatte nicht schlafen können. Die ganze Zeit über nicht, gefangen in einem unbeweglichen Körper. Das hatte sich nachhaltig auf ihren Geist ausgewirkt.

Inzwischen war sie von diesem Wahnsinn wieder geheilt. Das wusste jeder. Wäre es nicht so gewesen, hätten sie es während einer Séance bemerkt.

Phillis schüttelte den Kopf.

Wieso musste sie jetzt ausgerechnet an Derwinia denken?

Nun, immerhin hatten sie es dieser zu verdanken, dass sie endlich gefunden hatten, was sie nun schon so lange suchten, denn die Suche hatte ja nicht erst vor einer Woche begonnen, sondern bereits am Tag ihrer ersten Landung.

Phillis sah Baldyr an.

„Du bist doch Teleporter, nicht wahr?"

„Was soll die Frage?", wunderte sich Baldyr ehrlich.

„Da findet doch auch so etwas wie eine Phasenverschiebung statt, oder sehe ich das falsch?"

Er zuckte die mageren Achseln.

„Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Ich kann es halt, aber ich weiß nicht, wie es funktioniert. Niemand hat es mir bisher erklären können."

„Vielleicht deshalb, weil du weise genug warst, es vor aller Welt zu verheimlichen?", vermutete Phillis.

Er lachte heiser.

„Ja, klar, sowieso, und weil Axarabor jegliche PSI-Fähigkeiten offiziell leugnet, gibt es auch keinerlei wissenschaftliche Untersuchungen des Phänomens."

„Vielleicht doch? Nur wissen wir nichts davon?, orakelte Phillis, winkte dann aber mit beiden Händen ab. „Entschuldige, Baldyr, es hat natürlich einen Grund für meine Frage.

„Der wäre?"

„Nun, ich spüre die Phasenverschiebung überdeutlich. Dort unten, auf der kleinen Insel, war es für mich schier unerträglich. Eigentlich ein Wunder, dass ich weiter weg überhaupt nichts mehr wahrnehmen kann. Jetzt sind wir immerhin noch so nah, dass ich zumindest bemerke, dass und vor allem wo sie existiert. Ich kann sogar das genaue Ausmaß erfassen, aber..."

Sie brach ab.

„Aber?", hakte Baldyr nach.

„Ich wäre niemals in der Lage, selbst eine Phasenverschiebung zu verursachen."

„Aber das hast du doch schon, als du diese Gabe an dir entdeckt hast!", erinnerte sie Baldyr.

„Das war eine völlig andere Gelegenheit gewesen – und vor allem gab es bereits eine Phasenverschiebung, die ungleich gigantischer war. Immerhin umfasste sie eine komplette Welt bis in den Weltraum hinein. Nur um einen Punkt zu nennen. Und ich musste mich lediglich anpassen."

„Eigentlich sollte man annehmen, hier sei es leichter, weil die Phasenverschiebung im Vergleich dazu ja eher winzig zu nennen ist."

„Ja, sollte man meinen, ist aber nicht so, sagte Phillis grimmig. „Aber gut, ich versuche es einmal.

„Was versuchst du?"

„Überzuwechseln, in die Phase, in der sich die Station befindet."

„Meinst du eigentlich, dass wir von dieser in diesem Moment beobachtet werden?"

„Davon bin ich fest überzeugt!"

„Aber sie unternimmt nichts gegen uns."

„Das kann eine positive Ursache haben, aber es könnte auch daran liegen, dass die Station zwar die Siedler hat beeinflussen können, aber dass von ihrer Warte aus der Einsatz von Waffengewalt nicht möglich ist."

„Und da willst du wirklich versuchen, in die Parallelphase einzudringen?, rief Baldyr entsetzt. „Was ist denn, wenn die Station dies als Angriff versteht und sich wehrt?

„Wenn ich es nicht riskiere, werden wir nie Genaueres erfahren!", gab Phillis ihrerseits zu bedenken.

Ohne ein weiteres Wort abzuwarten, schloss sie die Augen, um sich besser konzentrieren zu können.

Sie spürte die feinen Schwingungen, die sich auf jede ihrer Nervenzellen auswirkten. Und sie spürte in ihrem Innern, dass sie eigentlich zwei waren.

Der Zeitreisende hatte in ferner Vergangenheit aus dem Mädchen Asil Tormas auf deren Heimatplaneten EXFONIMA zwei werden lassen. Durch Phasenverschiebung, aus der Zukunft kommend, was jetzt die Gegenwart war. Damit Asil Tormas einerseits zur Rebellenführerin auf EXFONIMA hatte reifen können und andererseits irgendwann Mitglied der Crew wurde. Weil nur die Psychonauten-Crew im entscheidenden Moment die Katastrophe von EXFONIMA verhindern konnte. Und eben nur, wenn Asil Tormas Mitglied dieser Crew war und gleichzeitig Rebellenführerin auf dem Planeten.

Es war genauso gelungen, wie der Zeitreisende es beabsichtigt hatte. Und dann, als alles vorbei gewesen war, begegneten sich beide: Asil Tormas, die Rebellenführerin einerseits, und ihre Doppelgängerin, die sich schon sehr lange Phillis von den Sternen nannte, andererseits.

Beide Phasen verschmolzen miteinander wieder zu einer einzigen – und somit wurde aus zweimal Asil Tormas wieder eine Person, die beide Erinnerungen in sich trug.

Seitdem nannten sich „beide" Phillis von den Sternen.

Sie dachten im Gleichklang, obwohl sie die unterschiedliche Lebenserfahrung zu unterschiedlichen Charakteren geformt hatte.

Asil Tormas war nach wie vor da. Phillis spürte es, obwohl sie für gewöhnlich nicht unterscheiden konnte zwischen ihrem bisherigen Ich, dem parallelen Ich und dem neuen Ich, das aus der Verschmelzung entstanden war.

Eine mehr als verrückte Geschichte, die wahrscheinlich niemand wirklich verstand, am wenigsten Phillis von den Sternen selbst.

Doch das Ganze hatte durchaus auch seine Vorteile. Denn dadurch war sie in der Lage, Phasenverschiebungen überhaupt erst aufzuspüren.

Aber wie sollte sie jetzt diese Fähigkeit nutzen, um sie auch nachzuvollziehen? Oder sogar aus eigenem Willen heraus eine Phasenverschiebung zu erzeugen?

Sie versuchte es, obwohl sie keine Ahnung hatte, was sie überhaupt dafür tun musste.

Einfach nur konzentrieren?

Aber sie kannte doch überhaupt nicht das Ziel. Was erwartete sie denn eigentlich in der parallelen Phase?

Sie riss die Augen wieder auf.

Baldyr stand vor ihr und musterte sie nach wie vor besorgt.

„Du musst mir helfen, Baldyr!", sagte Phillis.

„Ich? Aber wie?"

Phillis schürzte nachdenklich die Lippen.

„Nun, du sagtest, es sei mir bereits einmal gelungen. Aber das war ich eigentlich nicht allein, wie du weißt. Das war innerhalb der Séance. Wir gingen davon aus, dass es deshalb gelang, weil sich unsere Fähigkeiten innerhalb der Séance ungleich verstärken, dabei waren ganz andere Dinge entscheidend."

„Welche denn?", erkundigte sich Baldyr ahnungslos.

„Na, erstens einmal kannten wir das Ziel. Wir wussten, was uns erwartete. Das ist hier ganz und gar nicht der Fall. Zweitens warst du Teilnehmer der Séance. Als Teleporter hast du Erfahrungen, was das Springen betrifft, und ist so ein Phasenübergang nicht vergleichbar mit einem Sprung?"

Baldyr vergaß seine Sorgen und runzelte nachdenklich die Stirn.

„Nein!, entschied er schließlich. Dann aber korrigierte er sich rasch: „Zumindest nur bedingt! Wenn ich das Ziel nicht kenne und teleportiere mich dennoch, kann es passieren, dass der Sprung misslingt. Falls ich beispielsweise inmitten von Materie enden würde. Das ist nun einmal nicht möglich. Und vielleicht ist es bei einem Phasenübergang genauso? Falls die Phasenverschiebung bereits stattgefunden hat, also nicht von dir selber verursacht wurde.

„Was meinst du denn damit?", wunderte sich jetzt Phillis.

„Ich meine, du solltest nicht versuchen, die parallele Phase zu erreichen, sondern eine eigene Phasenverschiebung zu verursachen. Dann weißt du, wie das Ziel aussieht: Nämlich genauso wie der Ausgangspunkt."

„Du meinst, es verändert sich für mich dadurch überhaupt nichts? Nur für meine unmittelbare Umgebung verändert sich alles, indem ich einfach... verschwinde, als sei ich weg teleportiert?"

„Genau das!", bestätigte Baldyr und lächelte erfreut.

„Ein verrückter Gedanke, murmelte Phillis nachdenklich. „Bleibt allerdings die Frage offen: Wie schaffe ich das? Was muss ich dafür tun? In welcher Weise muss ich mich konzentrieren und vor allem: worauf?

„Du gehst das völlig falsch an!", behauptete jetzt Baldyr.

„Wie bitte?"

„Du setzt dich selber zu sehr unter Druck, von vornherein schon. Stelle dir einen Artisten vor, der einen Salto rückwärts vollführen will."

„Der geht das schon mal in Gedanken durch, ehe er abspringt", vermutete Phillis.

„Ja und nein: Vielleicht anfangs, aber irgendwann wird das zur Routine. Der Bewegungsablauf erfolgt automatisch. So ist das auch beim Teleportieren. Ich musste anfangs in Trance fallen, benötigte innerlich eine Vorbereitungszeit von teilweise mehreren Minuten, in denen eigentlich... gar nichts geschah. Bis endlich der Sprung stattfand. Dabei musste ich detailliert vor Augen haben, was mein Ziel war. Und ich musste sicher sein, dass ich nicht mitten in eine Gefahr springe. Sonst hätte mich das mit Unruhe erfüllt, was wiederum den Sprung verhindert hätte."

„Und inzwischen ist das alles anders?"

„Natürlich ist es das, Phillis. Ich denke an das Ziel, das ich von vornherein so aussuche, dass mögliche Gefahren weitgehend ausgeschlossen sind, zwinge mich zur inneren Ruhe – und springe einfach, ohne mir noch groß darüber Gedanken zu machen."

„Interessant, meinte Phillis jetzt. „Eigentlich vergleichbar damit, wenn ich mich mit einer technischen Anordnung geistig verbinde. Ich bin dann quasi die technische Anordnung und kann sie sogar bis zu einem gewissen Grad manipulieren, indem ich elektrische Ströme erzeuge beispielsweise. Kein elektronisches Schloss kann sich mir widersetzen und sei es noch so kompliziert aufgebaut. Ich verbinde mich sogar mit jeder KI, wenn ich nah genug bin und genügend Konzentration aufbringen kann.

„Siehst du!, meinte Baldyr entwaffnend. „Beim Teleportieren ist es auch nicht viel anders. Und ich gehe davon aus, dass du es genauso mit der Phasenverschiebung versuchen musst.

Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, das dauert mir zu lange. Ich habe wirklich keine Lust, erst noch lang und breit zu trainieren, bis es mir vielleicht irgendwann gelingt, bis ich sozusagen den Bogen endlich raus habe."

„Was sonst?"

Sie lächelte verzerrt.

„Da kommst du ins Spiel, mein lieber Freund Baldyr."

„Ich?", rief er alarmiert.

„Ja, als Teleporter! Wir beide können uns geistig verbinden, nicht nur innerhalb einer Séance. Das macht unsere Fähigkeiten zwar nicht stärker, weil wir nur zu zweit sind, aber es könnte gelingen, beide Fähigkeiten miteinander zu verknüpfen – irgendwie!"

„Du meinst deine Fähigkeit, Phasenverschiebungen aufzuspüren, und meine Fähigkeit der Teleportation? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was das bringen soll."

„Ich mir schon, Baldyr: Dann teleportieren wir nämlich in die Phasenverschiebung hinein, weil du sie gemeinsam mit mir spüren wirst, sobald wir unsere Seelen vereinen. Umgekehrt werde ich quasi selber zur Teleporterin."

„Ich weiß nicht so recht...", blieb Baldyr skeptisch.

„Es kommt halt auf den Versuch an, nicht wahr?"

Er überlegte noch kurz, aber dann straffte sich seine hagere Gestalt.

„Also gut, setzen wir uns und beginnen wir mit der Trance."

Phillis zeigte sich auf einmal begeistert. Sie konnte sich nicht schnell genug in die Hocke niederlassen.

Kaum saß ihr Baldyr gegenüber, reichte sie ihm die Hände. Sie schlossen beide die Augen und konzentrierten sich.

Sie waren geübt genug, um sich jederzeit in Trance versetzen zu können, auch in einer nicht nur ungewöhnlichen Situation, sondern vor allem um ein ungewöhnliches Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Aus Baldyr und Phillis wurde quasi eine Einheit.

Phillis musste führen, denn sie hatte die Gabe, die Phasenverschiebung zu spüren.

Baldyr spürte sie jetzt ebenfalls.

Sie konzentrierten sich genau darauf.

Nur über ihr Gefühl gelang es ihnen, zumindest das unmittelbare Ziel innerhalb der Phasenverschiebung zu erfassen.

Da war eine Ebene. Sie konnten nicht sehen, was es auf dieser Ebene gab, aber es gab kein Hindernis, das ihnen hätte gefährlich werden können.

Baldyr löste den Impuls zum Springen aus.

Diesmal landeten sie nicht irgendwo in dieser Welt, sondern... in einer parallelen Sphäre.

Sie hatten die Grenze der Phasenverschiebung überwunden.

Dabei kam ihnen beiden etwas sehr schmerzlich ins Bewusstsein: Sie hatten es versäumt, vorher den anderen mitzuteilen, was sie beabsichtigten. Was, wenn es für sie von hier niemals mehr eine Rückkehr geben würde?

Dann wären sie für immer verschwunden, unauffindbar.

7

Eine Feststellung, die beinahe zeitgleich so ähnlich auch im Gemeindezentrum der Siedlung getroffen wurde, von Kanot Borglin: „Es war ein Fehler, die beiden einfach so ziehen zu lassen. Die ganze Zeit über schon. Dabei wäre es doch für uns ganz einfach gewesen, Kontakt zu halten, nämlich telepathisch. Es müsste sich immer nur einer von uns auf sie konzentrieren. Bei eventuell auftauchenden Gefahren..."

„Was nicht ist, kann doch noch werden!, unterbrach ihn Derwinia. „Konzentrieren wir uns auf die beiden und rufen telepathisch nach ihnen. Aus Erfahrung wissen wir, dass dies keine allzu großen Probleme bereiten dürfte.

Noch während sie sprach, tat sie es bereits. Und jeder in der Runde war sowieso der Meinung, dass sie die stärkste Psychonautin war überhaupt unter ihnen. Zwar hatte jeder von ihnen beeindruckende Einzelfähigkeiten, aber sie übertraf sie sogar als Summe. Obwohl sie gegen sie immun waren, weil sie selbst PSI-Fähigkeiten besaßen.

Derwinia konnte ihre gesamte Umgebung manipulieren. Sie konnte jeden dazu zwingen, sie so zu sehen, wie sie es wollte. Nicht nur Menschen und Tiere, sondern sogar technische Einrichtungen. Kameras zeichneten ein Bild von ihr auf, wie sie es wünschte, Computeranlagen nahmen nur genau das wahr, was sie ihnen vorgaukelte. Das war wahrlich etwas Einmaliges.

Obwohl sie wie gesagt als einzige immun dagegen waren und Derwinia immer genauso sahen, wie sie wirklich war.

Jetzt erbleichte sie auf einmal.

„Scheiße!", fluchte sie reichlich undamenhaft.

Die anderen wussten sofort, was sie damit meinte.

Xirr sprach es aus: „Wir haben keinen Kontakt mehr mit Phillis und Baldyr!"

Kanot stöhnte:

„Als wären sie einfach nicht mehr da!"

Forsan Kumir fügte hinzu:

„Ich glaube kaum, dass Baldyr mit ihr den Planeten verlassen hat."

„Vielleicht doch – irgendwie?, widersprach ihm Xirr. „Vielleicht ist es ihnen inzwischen nicht nur gelungen, die Phasenverschiebung zu finden, sondern... darin überzuwechseln?

„In die parallele Phase, in der sich die Station befindet?", vergewisserte sich Kanot Borglin.

„Ja!"

„Aber wieso haben Sie nicht vorher Bescheid gesagt, damit wir uns keine unnötigen Sorgen machen?"

Derwinia kommentierte die letzten Worte ihres Exmannes mit einem verächtlichen: „Als wäre dies kein Grund zu größtmöglicher Sorge, das Überwechseln in eine Ebene mit einer Station, die dermaßen viele Menschenleben auf dem Gewissen hat!"

Daraufhin sagte keiner mehr etwas. Sie hingen alle ihren eigenen Gedanken nach und überlegten mehr oder weniger verzweifelt, was sie nun unternehmen sollten.

Vielleicht eine Séance einberufen?

Wenn sie Grüni, den grün leuchtenden Schimmel, der ihr gesamtes Raumschiff im Innern beherrschte, mit hinzuzogen, hatten sie vielleicht die Chance, mehr zu erfahren?

Andererseits hatten sie bereits mehrere Séancen hinter sich, in denen sie vergeblich mit Phillis und Baldyr versucht hatten, jene Station endlich zu finden. Wieso sollte sich das jetzt geändert haben? Wobei sie zu fünft, auch gemeinsam mit Grüni, sicherlich eher weniger Chancen hatten auf Erfolg.

Derzeit blieb ihnen eigentlich nur noch eines:

Abzuwarten, so schwer dies auch fallen mochte. Und zu hoffen, dass sich alles zum Guten wenden möge und ihren Freunden nichts Böses widerfuhr.

Wobei die Wahrscheinlichkeit aus ihrer Sicht gesehen nicht gerade klein war, dass ihnen genau das passieren konnte: Etwas Böses!

8

Die Einöde erstreckte sich bis zu den Bergen im Hintergrund. Es waren eindeutig dieselben Berge wie vorher. Das Einzige, was sich gravierend geändert hatte, war das Verschwinden des weit gespannten Kraters. Dort erstreckte sich nun halt diese karge Ebene, aus der in einiger Entfernung drei riesige Ringbögen ragten. Einer der beiden kleineren wirkte stark beschädigt. Es fehlte sogar ein Stück.

Phillis sah hinüber und sagte überzeugt:

„Damit hat die Station die Phasenverschiebung erzeugt!"

„Aha?", machte Baldyr. Er war zutiefst beeindruckt vom Erfolg ihrer Verbindung. Es hatte tatsächlich geklappt. Obwohl sich jetzt zwangsläufig die Frage stellte, ob man das wirklich als Vorteil werten durfte.

Phillis deutete hinüber.

„Wir sollten genau dorthin gehen!"

„Dann stehen wir quasi mitten in der leeren Luft, falls wir es wagen, diese Phase wieder zu verlassen!", gab Baldyr zu bedenken.

„Darauf liegt die Betonung, mein Freund: Falls wir es wagen, diese Phase wieder zu verlassen, meinte Phillis leichthin. „Genau das wollen wir ja vorerst nicht.

„Was wollen wir denn sonst?", erkundigte sich Baldyr bang.

Phillis schaute ihn lächelnd an.

„Wir kamen hierher, um Kontakt aufzunehmen mit der Station. Was wir bisher wissen, ist ja recht dürftig. Wir wissen, dass sie nicht die einzige ihrer Art ist. Außerdem wissen wir, dass die Erbauer dieser Stationen längst nicht mehr existieren. Alles deutet darauf hin, dass sie von den aufgebrachten Völkern der damaligen Zeit regelrecht ausgerottet wurden, ehe sie die nächsthöhere Entwicklungsstufe erreichen konnten."

„Aber wir wissen auch, dass die Stationen von diesen sogenannten Erbauern so programmiert wurden, wie sie es für richtig empfanden, und dass die Stationen sich ihrer Programmierung nicht entziehen können. Also wird sie unser Eindringen wohl als Bedrohung empfinden müssen und uns abschießen."

„Wäre das so, belehrte ihn Phillis, „hätte die Station bereits reagiert. Und hat sie das?

Die Frage blieb unbeantwortet, und sie wandte sich einfach ab und ging schon einmal voraus.

Baldyr zögerte nur kurz. Er überlegte vor allem, ob er es vielleicht schaffen konnte, im Notfall einfach in Sicherheit zu teleportieren.

Sonst war ihm das immer möglich, aber jetzt...?

Er befand sich in einer anderen Phase. Vielleicht konnte er innerhalb der Phase teleportieren, aber unmöglich aus der Phase hinaus?

„Moment noch!", rief er Phillis hinterher und holte auf, während Phillis tatsächlich wieder stehenblieb und sich ihm zuwandte.

„Ich werde erst versuchen, zurück zu teleportieren, in die Hauptphase!"

„Das wird nicht gehen!", gab Phillis zu bedenken.

„Wie war das noch: Probieren geht über studieren!"

Er schloss kurz die Augen, um sich besser konzentrieren zu können.

Diesmal wollte er ohne Phillis teleportieren.

„Nein!", rief sie noch, weil ihr einfiel, dass sie auf diese Weise gar nicht mehr zurückkehren konnte, weil es vielleicht nur per Teleport zu schaffen war. Umgekehrt würde Baldyr nicht mehr hierher kommen können, um sie vielleicht abzuholen.

Er blieb. Nicht weil sie versucht hatte, ihn aufzuhalten, sondern... weil es nicht ging.

Er öffnete die Augen wieder.

„Keine Chance!", sagte er ernüchtert.

„Und innerhalb dieser Phase?"

Baldyr sah hinüber zu den drei Artefakten, berührte Phillis kurz an der Schulter – und im nächsten Moment waren sie beide drüben. Sie standen mitten unter dem größten der beiden Ringartefakte, das von den kleineren flankiert wurde.

So unmittelbar gesehen, wirkten sie noch gigantischer als aus der Ferne.

Sie sahen sich aufmerksam um.

„Jetzt sind wir im Zentrum der Phasenverschiebung", erläuterte Phillis.

„Und das ist dir jetzt nicht etwa unangenehm? Ich meine, weil du gesagt hast, du hättest es auf dieser Insel an der Kratersohle nicht länger ausgehalten."

„Ja, das mag daran liegen, weil ich diese unvorstellbare Erdmasse regelrecht auf mir lasten fühlte, in der die Station untergebracht ist."

„Also, für mich sieht es so aus, als hätte die Station nicht einfach nur eine Phasenverschiebung verursacht, sondern dabei quasi ein riesiges Loch hinterlassen."

„Nein, Baldyr, das sieht eben nur so aus. Du weißt doch, da sind Spuren von Waffengewalt vorhanden, noch nach Jahrmillionen. Das müssen fürchterliche Waffen gewesen sein, so fürchterlich, dass die Station sich nicht länger gegen die Angreifer hat wehren können. Es blieb ihr nur noch die Flucht durch Phasenverschiebung."

„Ja, richtig, ich vergaß..., murmelte Baldyr brüchig. „Trotzdem, wenn ich ehrlich sein will: Ich fühle mich nicht nur sehr unwohl hier, sondern vor allem ständig unter Beobachtung.

Er hob seine Stimme:

„Wenn du uns schon siehst und hörst: Wieso meldest du dich nicht endlich?"

Phillis schürzte nachdenklich die Lippen.

„Vielleicht liegt es daran, dass wir sie erst noch finden müssen? Wir haben die Phasenverschiebung entdeckt, haben es geschafft, sie zu überwinden, um hierher zu gelangen in eine in sich abgeschlossene parallele Daseinsebene, um es einmal so zu umschreiben, außerdem sehen wir die Ringartefakte, aber ansonsten..."

„Du hast recht!, rief Baldyr aus: „Die Station selber befindet sich unter unseren Füßen! Ja, meinst du denn, wir müssen erst in die Station eindringen, um eine Reaktion zu erzeugen? Und wenn diese Reaktion dann feindselig ausfällt?

Phillis setzte sich in die Hocke nieder und winkte Baldyr zu.

„Komm, wir konzentrieren uns. Die Station ist bis zu einem gewissen Maße PSI-aktiv. Das muss sie sein, sonst hätte sie nicht die Siedler in den Wahnsinn treiben können, ohne ihre Phase zu verlassen."

Baldyr zögerte. Mit gemischten Gefühlen kam er dann doch noch der Aufforderung seiner Kollegin nach.

Kaum hockten sie sich gegenüber, als sie sich die Hände reichten und aufeinander zusätzlich konzentrierten.

Sie verfielen in Trance, genauso wie sie es geschafft hatten, den Phasenwechsel durchzuführen. Nur eben jetzt, um ihren telepathischen Ruf nach der Station der Erbauer zu verstärken.

9

„Zumindest eines ist klar, durchbrach Derwinia die Stille: „Wir wissen, wo die beiden zuletzt waren, also bevor sie verschwanden!

Alle horchten auf.

„Tatsächlich!, entfuhr es Kanot. „Wieso bin ich da nicht selber drauf gekommen? Er schüttelte fassungslos über sich selbst den Kopf.

„Weil wir uns darin verrennen, unbedingt diese Station finden zu müssen!, vermutete Forsan Kumir grimmig. „Dabei vergessen wir das Naheliegende.

„Hmm?, machte Xirr. „Und das wäre?

„Unsere eigene Sicherheit! Wir wissen, dass diese Station uns nicht direkt gefährden kann. Wahrscheinlich weil wir mit unseren PSI-Fähigkeiten gegen ihre Beeinflussung immun sind. Aber eigentlich ist der Grund hierfür erst einmal unwichtig. Wir haben uns tatsächlich voll und ganz darauf konzentriert, die Station zu finden, ohne uns ausreichend Gedanken darüber zu machen, was dabei geschehen könnte. Wir waren uns ganz einfach die ganze Zeit über zu sicher. Und jetzt sind unsere Freunde verschwunden."

„Was ja nicht zwangsläufig ein schlechtes Zeichen sein muss!, wandte Derwinia jetzt ein. „Und was ist nun? Unternehmen wir etwas? Ich meine, jetzt, wo uns allen klar ist, wo wir zu suchen haben?

„Als Séance?", erkundigte sich Xirr.

„Ja, wieso nicht? Das geht am schnellsten. Ohne Baldyr können wir nicht teleportieren, aber wir können als reduzierte Séance immerhin unsere Seelen verbinden und zumindest als geistige Einheit vor Ort auf die Suche gehen."

Dagegen gab es keine Einwände. Also setzten sie sich im kleineren Kreis auf den Boden und reichten sich die Hände.

Etwas, was Kanot Borglin nach wie vor eigentlich verabscheute. So etwas wie körperliche Berührungen waren ihm zuwider, seit er durch umfassende Augmentierungen zur Hälfte ein Roboter geworden war, ein sogenannter Cyborg. Seitdem war er auch kein Mann mehr, sondern ein Neutrum. Obwohl er nach wie vor genauso aussah wie früher als Elitesoldat, der sich das Privileg der Augmentierungen erst noch redlich hatte verdienen müssen. Damit war er zu einer Art Superkrieger geworden. Das gepaart mit seinen speziellen PSI-Fähigkeiten machte ihn zum schier unbesiegbaren Kämpfer. Sogar Elitekämpfer wie Forsan Kumir, der ohne Augmentierungen auskam, hatten keinerlei Chance gegen ihn, wenn es darauf ankam.

Xirr vereinte ihre Seelen, und gemeinsam vereinten sie sich mit Grüni, der dadurch aus der Lethargie erwachte und vorübergehend zu einem intelligenten Lebewesen wurde.

Er war zwar völlig anders als sie alle, ganz zwangsläufig sogar, aber er bereicherte die Gemeinschaft im entscheidenden Maße.

Ohne Zeitverlust eilten sie zu jenem Krater, den Phillis und Baldyr zum Ziel gehabt hatten.

Da war die Insel, gelegen inmitten des durch Sickerwasser entstandenen Sees.

Es gab keinerlei Spuren von Phillis und Baldyr.

Die Untersuchung des gesamten Kraters nahm für die geistige Verbindung der reduzierten Séance nur Sekunden in Anspruch.

Kein Ergebnis.

Am obersten Kraterrand verharrten sie. Der gesamte Krater lag vor ihnen. Er war dermaßen weiträumig, dass man ihn eigentlich gar nicht als Krater sah. Alles erschien gerade so wie natürlich entstanden. Hätten sie es nicht genauer untersucht, wäre dieser Eindruck geblieben.

Hier also waren Phillis und Baldyr gewesen vor ihrem Verschwinden.

Gewiss waren sie immer noch genau da, aber eben in einer Parallelphase, die bereits seit Jahrmillionen bestand.

Zum ersten Mal fragte sich die Gemeinschaft ernsthaft, wieso die Station niemals wieder die Phasenverschiebung aufgehoben hatte. Weil sie sonst in einem leeren Krater materialisiert wäre?

Plötzlich beschäftigte sie das. Fünf Geister plus Grüni vereint, da waren ganz andere Dinge möglich als es jedem einzeln gelungen wäre. Auch Überlegungen entstanden, die sie einzeln gar nicht auf die Idee gebracht hätten: Wenn die Station jetzt und sofort die Phasenverschiebung aufheben würde, was würde dadurch eigentlich passieren?

Sie wussten es nicht, konnten es lediglich ahnen. Und diese Ahnung sagte ihnen, dass dies für die Station eigentlich gar nicht gefährlich sein konnte. Dort, wo sie sich befand, war alles immer noch so wie vor Jahrmillionen. Vor allem war es so, wie die Landschaft vor dem alles vernichtenden Beschuss gewesen war.

Wenn sich also beide Phasen neu vereinten, kam nicht genau das wieder zustande, was vorher gewesen war, sondern eigentlich etwas Neues. Nicht zum Nachteil der Station, sondern zum Nachteil... dieses Kraters hier und allem, was sich darin befand. Denn diesen Krater konnte es dann mit Sicherheit nicht mehr geben.

Und was brachte ihnen diese Erkenntnis jetzt an eventuellem Vorteil?

Eigentlich nur wieder die zentrale Frage, wieso die Station nicht längst schon die Phasenverschiebung aufgehoben hatte. Sie hätte ja jederzeit wieder sich mit einer erneuten Phasenverschiebung schützen können, falls wieder eine Gefahr aufgetreten wäre. Aber alles wäre von vornherein völlig anders verlaufen. Vor allem hätte es hier niemals Siedler gegeben.

Oder war dies sogar einer der Gründe, die letztlich dazu geführt hatten, dass die Station der Erbauer in ihrer in sich abgeschlossenen Sphäre geblieben war?

10

Die KI der Station beobachtete ganz genau. Und sie hörte alles. Vom „Besuch" der vereinten Seelen innerhalb der Séance bekam sie nur wenig mit. Sie ahnte es mehr als dass sie es wusste. Immerhin hatte sie ja gesehen, wie sie sich zusammengesetzt hatten – und gehört, was vorher gesprochen worden war.

Leider war es ihr unmöglich, Einfluss auf die Psychonauten zu nehmen. Sie waren und blieben dagegen immun. Genauso immun wie Phillis und Baldyr, die es tatsächlich geschafft hatten, die unsichtbare Barriere zu überwinden. Jetzt waren sie hier, im Bereich der Ringartefakte. Und sie riefen nach ihr.

Es war ihr immer noch nicht möglich, zu reagieren! Die verfluchte Programmierung durch die Erbauer verhinderte es. Was musste denn noch alles geschehen, bis diese Programmierung sozusagen grünes Licht dafür gab?

Und dann gaben Phillis und Baldyr es wieder auf.

Die Station hörte Baldyr fragen: „Sag mal, wenn hier das Zentrum der Phasenverschiebung ist und diese Phasenverschiebung aktiv aufrecht erhalten werden muss, befinden wir uns da nicht mitten in einem mächtigen Energiefeld?"

Phillis lachte nur.

„Natürlich tun wir das. Ich spüre dieses Energiefeld überdeutlich, doch es macht mir keine Angst. Außer mir könnte es praktisch niemand wahrnehmen. Auch du nicht, wie ich jetzt weiß. Und auf mich wirkt es sogar irgendwie... belebend!"

„Belebend? Wie meinst du das?", rief Baldyr alarmiert.

Sie legte kameradschaftlich ihre Hand auf seine schmale Schulter.

„Das ist ganz einfach, Baldyr, mir ist es, als wäre ich eine Batterie, die sich mit dieser Energie regelrecht auflädt. Es ist faszinierend und wahrscheinlich im gewissen Sinne auch gefährlich."

„Wahrscheinlich gefährlich? Aber dann sollten wir..."

„Langsam, Baldyr, ich traue mir zu, das abschätzen zu können. Und ich weiß inzwischen, dass ich diesen Energiezufluss, um es einmal so zu umschreiben, dosieren kann. Also, es besteht nicht wirklich die Gefahr, dass ich mich sozusagen überlade."

„Und wie würde sich das wohl auswirken, ein solches Überladen, wie du es nennst?"

„Vielleicht würde ich einfach nur explodieren oder so?"

Phillis sah seine schreckgeweiteten Augen und fügte rasch hinzu: „Nur so eine Vermutung, und ich verspreche dir, mein Freund, es nicht darauf ankommen zu lassen. Schließlich will ich nicht, dass du hier festsitzt."

„Ach, nur deshalb? Hängst du denn gar nicht an deinem Leben?"

Abermals lachte Phillis.

„Natürlich tu ich das. Sag einmal, Baldyr, wann endlich gewöhnst du dich an meine Art von Humor? Muss ich denn immer betonen, dass ich einen Scherz gemacht habe, wenn ich mal einen Scherz mache?"

„Äh, ja... Baldyr schüttelte deutlich erschüttert den Kopf. „Und wieso ladest du dich überhaupt auf mit dieser Energie?

„Weil der Zusammenschluss unserer Seelen diesmal keinen Erfolg brachte, Baldyr. Die Station jedenfalls hat nicht geantwortet."

„Und du meinst, wenn du stark genug wirst, wird es dir vielleicht sogar allein gelingen?"

„Muss es, Baldyr, denn ich kann mich jetzt nicht mehr mit dir zusammenschließen. Es wäre zu riskant für dich. Damit du weißt, wovon ich hier rede, will ich dich nur zum Bruchteil einmal daran teilhaben lassen."

Und schon spürte Baldyr, wie bisher unbekannte Energien über die Hand, die auf seiner Schulter ruhte, in seinen Körper zu fließen begannen.

Er schrie schmerzerfüllt auf und wich entsetzt vor Phillis zurück.

Diese lachte jetzt nicht mehr. Ihre Augen hatten auf einmal deutliche Ringe, als habe sie mehrere Tage nicht mehr geschlafen.

Sie legte die Hände zusammen, als wollte sie beten.

Im nächsten Augenblick begann ihr Körper regelrecht zu glühen.

„Hast du vergessen, Baldyr, dass ich eine ganz besondere Affinität zu jeglicher Technik habe?", grollte sie, und ihre Stimme klang dabei, als würde sie nicht aus ihrer Brust kommen, sondern als wäre sie ein beginnendes Erdbeben.

Baldyr war fassungslos. Er überlegte bereits, ob er sich in Sicherheit teleportieren sollte. Aber wenn es wirklich gefährlich für ihn werden konnte, hätte Phillis ihn doch rechtzeitig gewarnt, nicht wahr?

Diese breitete die Arme weit aus und warf den Kopf in den Nacken.

„Ich habe ihn!", grollte sie triumphierend.

Kaum ausgesprochen, sank sie in sich zusammen wie ein Kleiderbündel, das man plötzlich seines Inhaltes beraubt hatte.

Aber Phillis steckte noch darin, obwohl sie selber wirkte wie eine tote Hülle.

Baldyr schickte ihr einen telepathischen Impuls, der jedoch nicht mehr beantwortet wurde.

Für ihn war jetzt Phillis genauso verschwunden, wie sie beide vorher für die anderen Psychonauten. Obwohl Phillis zumindest körperlich hier geblieben war.

Zutiefst besorgt beugte sich

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