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Die Ordre des Grafen von Guise

Die Ordre des Grafen von Guise

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Die Ordre des Grafen von Guise

Länge:
113 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
May 26, 2016
ISBN:
9788711469910
Format:
Buch

Beschreibung

Diese eindrucksvolle Geschichte lässt die Autorin in der Völkerschlacht von Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 spielen. Verzweifelt sucht Napoleon nach Verbündeten. Einer seiner Offiziere ist mit einem Brief unterwegs zu Napoleons Schwiegervater Franz I. von Österreich. Um sicherzugehen, möchte sich Napoleon aber auch an seinen alten Waffengefährten, den Marschall Bernadotte, wenden, der als schwedischer Kronprinz vor Leipzig liegt. Für diese gefährliche Aktion wählt der Kaiser den jungen Offizier Graf Guise aus. Es ist ein Ritt auf Leben und Tod. In der Dunkelheit verirrt sich der Graf. Als er ein Gutshaus erreicht, ist ihm nicht klar, ob sich in ihm Freund oder Feind verschanzt haben. Wie unsagbar groß ist aber seine Überraschung, als er dort anstelle von Soldaten die Gräfin Gabriele antrifft, die er einst in Paris kennengelernt hatte. Kaum dass sie sich ausgesprochen haben, erreichen feindliche Soldaten das Schloss. Jetzt geht es um alles.-
Herausgeber:
Freigegeben:
May 26, 2016
ISBN:
9788711469910
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Buch

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Die Ordre des Grafen von Guise.

Eine Erinnerung an die Tage von Leipzig.

I.

Der Himmel hatte sich schaudernd verhüllt, um die Greuel nicht mit anzusehen, unter welchen die Erde drunten erzitterte.

Ströme dampfenden Blutes schrieen zu ihm empor, brechende Augen flehten ihn an, Angstgeschrei und das Wimmern namenloser Qualen drangen zu ihm hinauf, und dazwischen gellten die Sturmglocken, dröhnten die Donner der Kanonen, knatterte, klirrte, rasselte und tobte es, wenn die Furie des Krieges stets neue Massen daherbrausen liess, die zuckenden Glieder der Verwundeten und Sterbenden, die getürmten Leichen in den schlammigen Boden zu stampfen.

Der Mann mit dem dreieckigen Hut auf dem Haupt, welcher mit untergeschlagenen Armen und finster dräuendem Blick neben Murat auf den Dämmen der alten Teiche bei Meusdorf auf und niederschritt, war es, welcher einst Rechenschaft über die vielen Tausende ablegen sollte, die seine Ruhmesgier, sein unersättliches Verlangen, seine wahnwitzige Selbstvergötterung, auf dem Schlachtfelde von Leipzig dahingeschlachtet.

Der Sturm heulte über die Ebene und zerrte den grauen Mantel des Imperators, gleichwie die Krone der zu hoch gewachsenen Pappel neben ihm, deren Zeit gekommen, da sie zurück in den Staub geschmettert werden sollte, aus welchem sie aufgewachsen.

Auch die Sonne, welche lange Zeit geduldig die Ungerechten bescheint, verhüllt endlich ihr Angesicht und überlässt es den vernichtenden Wettern, Rache zu üben und zu vergelten.

Der kleine, grosse Kaiser bleibt hochatmend stehen und hebt das Glas an die Augen, die Umgegend sorgsam zu durchspähen. Sein Antlitz zuckt unter der Aufregung, welche sich mehr und mehr des Mannes bemächtigt, welcher mit frivoler Hand ganz Europa die Gesetze geschrieben, und nun auf einsamer, sturmumtobter Höhe voll zitternder Erregung eines Federzuges harrt, durch welchen ein anderer, jüngst noch so spöttisch und übermütig Belächelter sein Schicksal bestimmen soll.

Murat neben ihm ist verstummt.

Er hat umsonst versucht, den grossen Feldherrn durch lebhafte Erzählungen von ungeheuren Verlusten, welche die Verbündeten erlitten, zu erheitern.

Napoleon glaubt es nicht mehr, sah er doch mit zusammengebissenen Zähnen, wie die Reiterei des Herzogs von Padua von Pfaffendorf her in wilder Flucht und grösster Unordnung teils nach Schönefeld, teils nach Leipzig zurückfloh. Husaren und Kosaken verfolgten sie — so war auch Eutritzsch in russischen Händen.

Und immer, immer noch keine Nachricht von seinem Schwiegervater. — Schwiegervater!

Lächerlich, dass ein Mann wie Napoleon sich plötzlich der verwandtschaftlichen Beziehungen mit Kaiser Franz so lebhaft entsann und sogar an dieselben appellierte. Er war ihm niemals ein besonders zärtlicher Schwiegersohn gewesen und hatte es selber mit ironischem Lächeln betont, dass Politik und Verwandtschaft durch eine himmelweite Kluft getrennt, ja dass erstere gleich einem Moloch sei, welcher selbst die eigenen Kinder als Opfer verschlingen würde.

Sollte Kaiser Franz von ihm gelernt und diese Ansicht gar zu seiner eigenen gemacht haben?

Nimmermehr! Der Übermut und die Verblendung eines Napoleon mussten erst den Beweis dafür in Händen halten, ehe sie solch Undenkbares glaubten.

General Merveldt musste schon längst bei Kaiser Franz angelangt — ja er musste eigentlich schon längst wieder mit der Antwort zu ihm zurückgekehrt sein. — Wo bleibt er?

Napoleon war ihm besonders freundlich begegnet, und ebenso, wie er sich ehemals mit dem österreichischen Unterhändler wegen des Waffenstillstandes von Leoben verständigt hatte, ebenso musste sich Kaiser Franz diesmal von ihm verständigen lassen, da Napoleon nun bei ihm um einen Waffenstillstand bat.

Sollten die Verbündeten in der That so klug sein, sich ihre schwer erkämpften Vorteile durch solch erheuchelte Friedensliebe nicht aus der Hand winden zu lassen? — Sie dachten vielleicht an Austerlitz und Tilsit. — Oder deuchten ihnen die Zusagen, welche er als Preis des Waffenstillstandes wegen Hannover, den Hansestädten und Polen gemacht, zu allgemein?

Immer grösser wird die Ungeduld und Aufregung des Imperators. Das Glas, welches er an die Augen hebt, erzittert. — Nichts, nichts Erfreuliches und Ersehntes spiegelt sich darin, nur die wüsten Feuerbrände der Dörfer, die entsetzliche grauenvolle Zerstörung ringsum. Er hat einen eigenhändigen Brief an den „lieben Schwiegerpapa" geschrieben, einen Brief, welchen Merveldt zu besorgen hatte, und welcher trotz aller verwandtschaftlichen Vertraulichkeit immerhin so vorsichtig und politisch abgefasst war, dass er vor sämtlichen Alliierten verlesen werden konnte.

War das wirksam genug? Der Kaiser Franz befand sich zur Zeit in Rötha, die anderen Fürsten in seiner nächsten Nähe — die Antwort musste bereits zurück sein, wenn Merveldt das gewünschte Resultat erzielt. — Aber es kam keine Antwort, weder durch den Österreicher noch — durch den Grafen Guise.

Warum blieb auch Graf Guise so unerklärlich lange aus?

Als Napoleon in der Nacht, da Merveldt mit seinem Brief davongesprengt war, allein und finster sinnend in seinem Zelte sass, welches bei der Ziegelscheune aufgeschlagen und von dem grossen Wachtfeuer beleuchtet ward, kam ihm jählings der Gedanke, ob dieser offizielle Brief wohl das rechte Mittel sei, auf den Sinn des Kaisers zu wirken?

Wer kannte dessen tiefinnerste Herzenswünsche besser wie Napoleon, und welche Hand war so mächtig wie die des kleinen Korsen, sie, wenn auch ungern — zu erfüllen? Den 4. Dezember von 1805 konnte Kaiser Franz nicht vergessen, er krankte an seinem verlorenen Einfluss auf Italien und Deutschland. — Er sollte ihn wieder gewinnen — wenn heute, in dieser Stunde der Vernichtung, eine Hand die andere wusch. Ein Waffenstillstand allein konnte Napoleon vor vollständiger Niederlage retten; setzte Kaiser Franz denselben in seinem eigenen Interesse durch, wollte er es ihm alsdann auch seinerseits grossmütig vergelten.

Sein kaltes, unbewegliches Bronzegesicht erglänzte zum erstenmal unter feucht perlendem Schweiss, den ihm die zitternde Angst um seine Existenz, um die Gloire der grossen Nation auspresste. Kurz entschlossen griff er zu Feder und Papier und schrieb bei dem Schein der Kerze, deren Flamme der Sturm jeden Augenblick zu löschen drohte, einen Brief an seinen Schwiegervater, welcher für ihn wohl die sauerste Arbeit der Leipziger Tage war.

Sekret — ganz sekret. Kein anderes Auge durfte diese Zeilen lesen, als wie nur der, an welchen sie gerichtet waren.

Als Napoleon geendet, sprang er jach empor und schritt unruhig in dem beschränkten Zeltraum auf und nieder.

Der Regen klatschte auf die triefende Leinwand, und das Feuer draussen zischte und qualmte im Verlöschen.

Kein Stern am Himmel! — Ist Napoleons Hand in dieser Stunde zu schwach gewesen, selber einen neuen Glücksstern über sich aufzurichten, droht ihn die Nacht zu verschlingen, welche alle Siegesfackeln vergangener Tage nicht wieder erhellen können?

Noch einmal wägt sein kühler Verstand alle Vorteile und Nachteile ab, welche dieser geheime Brief ihm bringen kann, und da die Vorteile grösser sind, wie sie es stets sein müssen, wenn ein Napoleon grossmütig sein will, rührt er kurz entschlossen die kleine silberne Klingel, welche auf dem Tisch neben dem Schreibzeug steht.

Sein persönlicher Adjutant steht vor ihm.

„Den Kapitän a cheval Graf Guise!" herrscht ihn der Korse an, ohne den finstern Blick zu heben, und wenige Augenblicke später verneigt sich der junge Reiteroffizier vor seinem Kaiser.

Napoleon bleibt vor ihm stehen, sein Adlerblick flammt sekundenlang wie in scharfer Prüfung zu dem blassen, geistvollen Gesicht des Kapitäns aus dem Reiterkorps von Sebastiani auf.

„Sie sind mir als besonders zuverlässig empfohlen, Graf, stösst er kurz yervor, „darum möchte ich Ihnen eine Mission anvertrauen, welche ebenso viel Bravour wie Verschwiegenheit und Aufopferung verlangt!

Das Antlitz des Genannten färbt sich in stolzer und dennoch bescheidener Freude rot.

„Sire, antwortet er stramm, „möge Gott mir helfen, dieses ehrende Vertrauen zu rechtfertigen!

Eine Minute tiefes Schweigen; die Blicke der beiden Männer senken sich tief in einander. Dann wendet sich Napoleon, schaut hinaus durch die Zeltthür, sich zu überzeugen, dass sie unbelauscht sind, und tritt dann dicht neben den jungen Offizier. Graf Guise muss sein Haupt herab neigen, um den Worten zu lauschen, welche der kleine Parvenu im Purpur ihm hastig, zischend beinahe, in das Ohr flüstert.

Die Zukunft Frankreichs, die Ehre der ganzen Nation in seiner Hand! — Wie ein Schwindel braust es durch das Haupt des jungen Kapitäns. Seine Brust hebt sich unter einem Atemzug unbeschreiblicher, beseligender Genugthuung.

„Ich schwöre Eurer Majestät, mir meines Auftrags in seiner ganzen, furchtbaren Bedeutung bewusst zu sein!" sagt er mit bebenden Lippen.

Der

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