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Privatdetektiv Joe Barry - Das Erbe des Teufels

Privatdetektiv Joe Barry - Das Erbe des Teufels

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Privatdetektiv Joe Barry - Das Erbe des Teufels

Länge:
260 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 6, 2018
ISBN:
9788711668696
Format:
Buch

Beschreibung

Ein merkwürdiges Ansinnen stellt der alte Gangsterboss Hymnie, der sich scheinbar in Texas zur Ruhe gesetzt hat: Er bittet Joe Barry, ihm einen Gegner vom Leibe zu halten, im Gegenzug würde er dafür von ihm ein Stück Land in Texas erben. Doch Joe lehnt ab, denn er weiß, dass die Sache einen Haken hat. Und wie faul die Sache wirklich ist, wird schnell deutlich, als Hymnies Chauffeur vor ihm steht, um ihm offenbar eine Mitteilung von ihm zu überbringen. Doch der Mann kommt nicht weit, bricht mitten im Satz zusammen. In seinem Rücken steckt ein Dolch ...Fritjof Guntram heißt mit vollem Namen Fritjof Guntram Haft und ist ein deutscher Rechtswissenschaftler und Autor. 1940 in Berlin geboren, wurde Fritjof Guntram Haft 1968 mit einer Arbeit über die kybernetischen Systeme im Recht an der Justus-Liebig-Universität Gießen promoviert. 1982 habilitierte er sich an der Juristischen Fakultät der LMU München. Von 1982 bis 2005 hatte er den Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsinformatik an der Eberhard Karls Universität Tübingen inne. Unter dem Autorennamen "Fritjof Guntram" hat Haft in den sechziger Jahren zahlreiche Kriminalromane veröffentlicht, die er vorwiegend während des Jurastudiums geschrieben hat. Als Fritjof Guntram Haft hat er auch zahlreiche rechtswissenschaftliche Werke verfasst.-
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 6, 2018
ISBN:
9788711668696
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Buch

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Privatdetektiv Joe Barry - Das Erbe des Teufels - Joe Barry

Hymnie!

Teil I

[1]

Die Gegend wirkte abgebrannt wie ein Barbesucher um fünf Uhr morgens. Ein lang hingestrecktes Tal, von flachen Hügelketten eingerahmt, baumlos und verdorrt. Lange Risse durchzogen den Boden, der so trocken war wie eine lateinische Grammatik und so unfruchtbar wie ein Salzsee. Darüber wölbte sich eine flimmernde Hitzeglocke, ein messingfarbener Himmel – der Himmel von Texas.

Joe stand neben seinem spinatgrünen Sportwagen und starrte mit zusammengekniffenen Augen in die Ferne. Vom Golf von Mexiko her wehte ein heißer Wind, der längst den letzten Tropfen Feuchtigkeit verloren hatte und so erfrischend wirkte wie die Abgase eines Hochofens. Ein Geier zog hoch oben seine Kreise.

Das also war Colonel Flints Lager. Wenn nicht gerade eine Boeing darüber hinwegdonnerte oder ein achtzylindriger Buick oder Cadillac über das weiße Zementband rauschte, das sich in einiger Entfernung dahinzog, hätte man sich wie in einer Wüste fühlen können. So einsam war es. Und so trostlos.

Der Name wies auf ein stolzes Ereignis in der amerikanischen Geschichte hin. Als im Jahre 1836 Austin den Aufstand gegen die Mexikaner entfesselte, jenen Aufstand, der den Amerikanern Texas brachte, war hier, an dieser Stelle, Colonel Flint mit einer Handvoll Getreuer den Heldentod gestorben. Nach langem Kampf gegen eine zwanzigfache Übermacht. Das konnte man in jedem amerikanischen Schulbuch nachlesen.

Die richtige Stätte für den Heldentod, dachte Joe. Er war seit zwei Tagen unterwegs, hatte die Strecke von New York her in Rekordzeit geschafft und überlegte jetzt, ob es sich gelohnt hatte.

Sein grauer Flanell war viel zu warm. Er hatte New York im März verlassen, bei Regen und Neigung zu Glatteis, und war hier in einen Ofen geraten.

Erst mal eine gute Chesterfield, dachte er und rieb ein Streichholz an. Die Flamme war in dem grellen Licht nicht zu sehen.

Dann fuhr er in seiner Betrachtung des Tales fort. Ein historischer Ort – gut! Ein trostloser Ort – auch gut! Aber warum war er überhaupt hierhergekommen?Ganz einfach. Seit achtundvierzig Stunden gehörte ihm dieses Tal. Fünftausend Acre wertloser Boden, nicht einmal als Weideland zu gebrauchen.

Trotzdem hatte er das Gefühl, daß er buchstäblich Gold unter den Füßen hatte. Die Quellen zum Reichtum stehen in Texas seit langem fest. Erst war die Baumwolle, dann kam die Rinderzucht, dann der Weizen und zum Schluß das Erdöl. Die Baumwolltexaner sahen auf die Rinderleute herab und diese wiederum auf die Ölparvenüs, aber allen gemeinsam war die Mitgliedschaft in einem Club. Mitglied konnte jeder werden, sofern er schwerer als zehn Millionen war. Joe fragte sich, ob er unversehens in den Club hineingeraten war.

Am Horizont, fast am Ende des Tales, ragte eine Eisenkonstruktion in den flirrenden Dunst. Ein Ölturm. Offenbar hatte man dort eine Probebohrung durchgeführt.

Unter deinen Füßen ist Öl, dachte Joe. Es mußte so sein. Er konnte sich keinen vernünftigen Grund ausdenken, warum dieses Stück Erde sonst irgendeinen Menschen interessieren konnte. Und doch war es so. Joe hatte eine Menge Ärger gehabt, seit ihm diese Scheibe aus einem vertrockneten Sandkuchen gehörte; für die kurze Zeit von achtundvierzig Stunden sogar unverhältnismäßig viel Ärger. Es gab eine Menge Leute, die ihm seinen frischgebackenen Besitz mißgönnten.

Er fand, daß die Reise sich gelohnt hatte. Der Ölturm am Horizont war wie eine freundliche Fata Morgana. Eine munter sprudelnde Ölquelle ist zweifellos besser, als täglich acht Stunden hart gearbeitet. Aber Joe wußte, daß jetzt der Ärger erst richtig losging.

Das Aufheulen eines Motors zerriß die Stille. Joe wandte sich um. Den staubigen Weg, den er gekommen war, hüpfte ein Jeep herauf, eingehüllt in eine Sandwolke. Die beiden Männer in dem Wagen machten einen rindfleischgenährten Eindruck. Große, sehnige Gestalten, breitrandige Stetsons, wie im Film die kernigen Texaner vorgestellt wurden.

Nur die Gesichter waren nicht freundlich. Sie erinnerten an einen Förster, der einen Wilddieb beim Schlingenlegen erwischt hat.

Die Männer stiegen aus dem Wagen und bauten sich vor Joe auf.

„Schau einer an! sagte der Größere. „Ein richtiger Yankee.

Der andere war direkter.

„Was willst du hier, zum Teufel?"

Joe grinste.

„Ich bin ein Naturfreund."

„Wir mögen hier keine Naturfreunde. Da drüben ist die Straße!"

Man war offenbar von Barrys Gegenwart nicht erbaut.

„Gentlemen, sagte Joe vorwurfsvoll und mit soviel New Yorker Akzent wie möglich, „man hat mir eine Menge von der texanischen Gastfreundschaft erzählt. Wie ich sehe, ist nicht viel dran.

„Vorsicht, Al, er verkohlt dich!" sagte der Kleinere.

Der mit Al Angesprochene blieb ungerührt.

„Zu deiner Information, Yankee: Das hier ist das Gelände der Blake Ranch. Sechzig Meilen im Umkreis gehört alles dazu. Das bedeutet, daß wir jeden rausschmeißen können, der unsnicht paßt. Und du paßt uns nicht!"

Joe grinste freundlich.

„Zu deiner Information, Cowboy: Das Tal hier gehört neuerdings mir. Und wenn hier vom Rausschmeißen die Rede ist, bin ich es, der das besorgt."

Die beiden sahen sich an.

„Dacht ich mir’s doch!" brummte der Kleine.

„Er ist es, bestätigte sein Kollege. „Trifft sich ausgezeichnet. Kein Mensch weit und breit. Zeigen wir ihm, was wir von ihm denken.

Sie dachten offenbar nichts Gutes von Joe. Ohne ein Wort der Erklärung gingen sie zum Angriff über.

Joe fing den Kleineren mit einem geraden Haken ab, über den er selbst staunte. Es war ein Sonntagstreffer, und er gab ihm die Möglichkeit, sich rasch um den Größeren zu kümmern.

Als der sah, was mit seinem Kollegen geschehen war, wurde er vorsichtiger. Er umtänzelte Joe und ging dann blitzschnell zum Angriff über. Seine Linke blieb unterwegs stecken, aber seine Rechte kam durch und verschaffte Joe momentan Atemnot.

Sofort revanchierte er sich mit einer trockenen Rechten, die auf der Nase des Cowboys landete. Die Nase begann stark zu bluten.

Der Cowboy war groß, hatte die Wucht eines Stieres und die Reichweite eines Gorillas. Aber seine Technik entsprach einem Flugzeug von 1914.

Joe ließ ihn herankommen, tauchte ab und rammte seine Faust von unten unter das Kirk-Douglas-Kinn. Den Rest besorgte er frontal. Zum Abschied hielt Joe noch eine kleine Rede.

„Ich prügle mich nicht gern, gestand er. „Aber wenn es seia muß, besorge ich es so gründlich, wie ich kann. Trotzdem hoffe ich, daß wir noch gute Freunde werden.

Dann kletterte er in seinen SL und fuhr im ersten Gang davon, eine Staubwolke hinter sich lassend.

Da sie darauf verzichteten, ihre Kanonen zu ziehen und hinter ihm herzuballern, schien seine Hoffnung einigermaßen berechtigt. Aber eine sichere Vorhersage wagte er nicht. Nicht in einem Land, in dem die Sonne täglich auf die Köpfe herunterknallte und die Vernunft herausbrannte.

Texas! Wenn man alle Neu-England-Staaten zusammennahm, Vermont und Maine, Massachusetts, New Hamshire, Connecticut, Rhode Island und dazu noch Illinois, Ohio, Pennsylvania, New Jersey und New York – wenn man das alles zusammennahm, hatte man die Größe von Texas.

Und er, Joe Barry, Privatdetektiv aus New York, mit dem Beinamen Privatdetektiv Joe Barry versehen, war jetzt Besitzer eines Stückes Texas, das genau fünftausend Acre groß war.

Nicht übermäßig viel. Aber auf fünftausend Acre konnte genug Öl aus dem Boden sprudeln um einen Mann reich zu machen.

War er scharf darauf? Genau besehen, war er es nicht. Er war hierhergekommen, um ein Verbrechen aufzuklären.

Vor zwei Wochen hatte alles begonnen.

[2]

Der Chauffeur in der mausgrauen Livree sah aus wie ein Orang-Utan, den der Wärter mit weißen Handschuhen versorgt hat. Er bemühte sich um einen anständigen Ton, was ihm sichtlieh schwerfiel.

„Der Chef will Sie sprechen, sagte er. „Jetzt gleich. Hol’s der Teufel! Er hat gesagt, schaff mir den Burschen her! Und da bin ich. Der Wagen steht unten.

Joe fixierte den Mann kühl.

„Wer hat dich geschickt?" fragte er.

„Hymnie, natürlich."

Joe hob die Schultern.

„Kenn ich nicht."

„Ist’s die Möglichkeit – er kennt Hymnie nicht! Der Chauffeur sprach zu einem unsichtbaren Publikum. „Gibťs so was auch?

„Das gibťs, bestätigte Joe nachdrücklich. „Du kannst also wieder abfahren und deinem Hymnie sagen, wenn er etwas von mir will, soll er persönlich kommen.

Die Kinnlade des Mannes klappte nach unten. Er sah aus, als könne er es nicht fassen. Dann machte er kehrt und zwängte seinen faßartigen Körper durch die Tür.

Joe Barry wandte sich wieder der Vorbereitung seines Frühstücks zu, wobei der Besucher ihn unterbrochen hatte. Es war ein frostiger Märztag. Über Long Island City stand eine kraftlose Sonne und bemühte sich erfolglos, die eisige Luft zu erwärmen. Die große Fensterscheibe war beschlagen.

Hymnie! Der Name hatte bei Joe eine Saite zum Klingen gebracht, die weiterschwang, während er Eier in die Pfanne schlug. Hymnie hatte früher mal was bedeutet, aber was? Es mußte vor seiner Zeit gewesen sein, damals, als er selbst noch mit den Boys der Nachbarschaft „Gangster und Cops" gespielt hatte.

Dann fiel Joe etwas ein. Er hatte in Ganders Kneipe in der 48. Straße von diesem Manne gehört. Dort saßen abends die pensionierten Kriminalbeamten und erzählten aus ihrer Zeit, als es noch die großen Schlachten gab, in Chikago und in New York. Damals herrschten die Verbrecherkönige, die inzwischen in die Geschichte eingegangen waren, und die Lebenserwartung eines Polizisten betrug fünfundzwanzig Jahre, nämlich gerade so lange, bis er seine Ausbildung hinter sich hatte und eingesetzt werden konnte.

So erzählten die alten Kriminalisten und wischten sich den Bierschaum aus dem Bart.

Und einen Namen erwähnten sie immer wieder: Hymnie!

Joe beendete sein Frühstück und trug das Geschirr in die kleine Küche. Dann ging er hinüber in sein spartanisch eingerichtetes Arbeitszimmer.

Das scharfe Schnarren des Summers nagelte ihn auf der Schwelle fest. Er machte die Tür auf. Der mausgraue Chauffeur fiel ihm fast entgegen.

„Mr. Hymnie A. Heywood, verkündete er im Tonfall eines Ansagers im Madison Square Garden, der Sonny Listen ankündigt, den Champion aller Klassen. „Persönlich, fügte er hinzu, was wiederum höchst überflüssig war.

Neugierig besah Joe sich den Besucher. Was er sah, sprach ihn nicht übermäßig an. Der Bursche schien hart, stur und gerissen. Manche Gangster werden im Alter fett und schwammig und sind dann nicht gefährlicher als eine Schreckscbußpistole. Hymnie gehörte offenbar nicht zu der Sorte. Obwohl er an die Sechzig sein mochte, wirkte er gefährlich wie eine Kobra.

Die beiden Männer starrten sich an. Joe tat das sehr eingehend. Er wollte genau wissen, wie ein Mann aussah, der in seinen sechzig Jahren noch nicht eine Stunde gearbeitet hatte, dabei, alles ohne Vorstrafe, reich geworden war wie Rockefeller.

Dann schraubte Hymnie ein Grinsen in sein lederartiges Gesicht.

„Hallo, Barry, sagte er, „ich mußte doch persönlich sehen, wie ein Mann aussieht, der sich weigert, einer meiner Anordnungen zu gehorchen.

Joe erwiderte das Grinsen nicht.

„Ist Ihre Neugier jetzt befriedigt?"

„Ja, und ich muß sagen, Sie gefallen mir."

Hymnie steuerte durch den Raum und ließ sieh in einen Sessel fallen.

„Ich brauche Sie, Barry", erklärte er schlicht.

Der Chauffeur wanderte inzwischen durch die Wohnung und sah sich die einzelnen Einrichtungsgegenstände an.

Joe blieb unbeeindruckt.

„Kommt drauf an", sagte er.

„Worauf? Auf den Preis? Kein Problem. Hymnie zahlt immer das Doppelte. Altes Geschäftsprinzip, verstehen Sie?"

„Das sagt noch nichts. Ich lasse mich nicht kaufen."

„Das sagte Grover Whalen auch, als er noch Polizeipräsident war. – Hören Sie zu, Barry, ich habe einen Auftrag für Sie. Es handelt sich um den gefährlichsten Job, der innerhalb der letzten fünf Jahre zu vergeben war. Yeah, und weil Sie einen so außergewöhnlich guten Ruf genießen, habe ich sofort an Sie gedacht."

„Außerordentlich schmeichelhaft, Mister."

„Entsprechend der Arbeit habe ich mir die Bezahlung gedacht. Ich glaube nicht, daß Sie normalerweise viel verdienen. Ihr normaler Tagessatz dürfte kaum über hundert liegen. Stimmťs?"

„Stimmt. Ein Hungerlohn …"

Hymnie ging nicht auf die Ironie ein. Seine Stimme blieb ungerührt. Sie klang wie durch Honig gefiltert.

„Von mir bekommen Sie mehr. Ich zahle täglich fünfhundert, alles im voraus. Was sagen Sie nun?"

„Endlich ein Weg, aus meinem bitteren Elend herauszukommen", spottete Joe.

Sein Besucher sah sich um.

„Sie wohnen nicht schlecht hier. Komisch, ich dachte immer, Bronx wäre ein Viertel für arme Leute. Hatte keine Ahnung mehr, wie es hier aussieht. Ist wohl auch zu lange her, daß ich mit ’nem abgegriffenen Nickel in der Tasche nach Chikago fuhr und dort anfing."

„Mister, unterbrach Joe ihn, „was für einen Job wollen Sie mir verkaufen?

„Gut, daß Sie mich daran erinnern, daß meine Zeit kostbar ist. Schon mal den Namen Bayard Swope gehört?"

Joe nickte.

„Ein Killer. Stimmťs?"

„Stimmt haargenau, Barry. Ein Mann mit ausdruckslosem Gesicht. Wissen Sie, was das bedeutet? In meiner Jugend hatte ich mal mit einem Mann zu tun, der hatte an der Börse spekuliert. Er gewann Millionen. Nach einem halben Jahr besaß er keinen roten Heller mehr. Wissen Sie, was er sagte? Die Leute mit den ausdruckslosen Gesichtern, die haben mich erledigt. Stille Wasser, unverbindlich, aber gefährlich. Gibt’s überall. Im Geschäftsleben und in der Unterwelt. Sie sollten sich vorsehen, wenn Sie mal mit so einem zusammenstoßen."

„Worauf läufťs hinaus?"

„Machen Sie diesen Bayard Swope fertig!"

Joe zog überrascht die Brauen in die Höhe.

„Meinen Sie das im Ernst?"

„Wieso? Hat es wie ein Witz geklungen?"

„Well, Mister Hymnie, in Ihrer Branche hat es schon oft Überraschungen gegeben. Aber daß ihr euch Privatdetektive engagiert, das dürfte neu sein."

Hymnie machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Alles, was ich gemacht habe, war neu. Später wurde es dann kopiert. Aber ich war immer der erste. Das ist das ganze Geheimnis des Erfolgs: Ideen haben und der erste sein."

„Klingt wie ein Ratschlag von Dale Carnegie."

„Wie steht’s also? fragte Hymnie ungeduldig. „Machen Sie mit?

Joe schüttelte den Kopf.

„Glaube ich nicht, Hymnie. Ich bin vielleicht nicht so ideenreich wie Sie, und ich habe auch nicht so viele Dollars auf der Bank. Aber dafür steht mir frei, nur die Jobs zu übernehmen, die mir passen. Und dieser Job paßt mir nicht."

„Warum? Angst?"

„Nein, das ist es nicht."

„Liegt es daran, daß ich Ihr Auftraggeber bin?"

Joe steckte sich eine Zigarette an.

„Teils, teils! Sie denken für meine Begriffe in falschen Kategorien, Hymnie. Sie bilden sich ein, man könne mich auf einen Mann ansetzen wie einen scharfen Hund. Sie vergessen dabei, daß ich nicht dazu da bin, Privatstreitigkeiten austragen zu helfen."

„Verstehe schon, schnappte Hymnie böse. „Sie wollen sich nicht in Gangsterfehden einmischen. So ist es doch? Sie können ruhig offen zu mir sprechen.

„Wenn Sie es schon so deutlich sagen, möchte ich Ihnen nicht widersprechen", sagte Privatdetektiv Joe Barry lächelnd.

„Ich will Ihnen was erzählen, Barry. Über das, was ich früher gemacht habe, ist längst Gras gewachsen. Das ist erledigt, vorbei. Vor zehn Jahren habe ich mich zur Ruhe gesetzt. Damals war ich beim FBI der meistgefragte Kunde. Die besten Bullen saßen ständig auf meiner Fährte. Aber sie haben es nicht mal geschafft, mir ein Ticket wegen falschen Parkens an die Windschutzscheibe zu kleben. Damals habe ich mir gesagt – Hymnie, jetzt ist Schluß! Und ich habe Schluß gemacht."

„Warum erzählen Sie mir das alles?"

„Weil ich Sie überreden will, gab Hymnie offenherzig zu „Sie werden noch für mich arbeiten, das garantiere ich Ihnen. Hymnie hat bisher alles geschafft, was er sich vornahm.

Er benutzte den Namen Hymnie wie ein Warenzeichen.

„Sie verschwenden Ihre Zeit, Chef, mischte sich der Chauffeur ein. „Der Bursche ist hartgekocht wie ein Brikett im Heizwerk.

„Halt den Schnabel, Dean!" sagte der Chef. Er wandte sich wieder Joe zu.

„Hören Sie zu, Barry, der Fall Hymnie ist ausgestanden. Kein Bulle kann mir je mehr an den Wagen fahren. Es gibt keine Beweise gegen mich."

„Warum bleiben Sie dann nicht bei Ihren Rosen?"

„Ich sagte doch schon, da gibt es einen Mann namens Bayard Swope. Ein Bursche, der auch für großzügige Buchhalter sein Konto überzogen hat. Ich will Ihnen ehrlich sagen, was mit ihm los ist. Er war früher mal mein Partner. Liegt schon zehn Jahre zurück. Ich konnte ihn nie recht ausstehen. Farbloser Bursche, glattes Gesicht, aber gefährlich. Sagte ich schon. Well, und mit dem Kerl habe ich mich gestritten."

„Dacht ich mir’s doch, sagte Joe. „Ich soll jetzt für Sie ins Feuer. Was denken Sie eigentlich von mir? Bilden Sie sich ein, ich würde als Killer für Sie arbeiten?

„Unfug, sagte Hymnie. „Die Grundsätze von Privatdetektiv Joe Barry kenne ich. Immer anständig, immer gesetzestreu. Daran will ich auch gar nicht rütteln. Weiß ich aus Erfahrung, es gibt nichts Stureres als Leute mit Grundsätzen. Nein, Sie sollen sich nur auf Swopes Fährte setzen. Dabei finden Sie sicher einige interessante Details heraus. Und damit gehen Sie zur Polizei, lassen ihn hochgehen. Daß ich es bin, der Sie bezahlt, können Sie meinetwegen vergessen. Geld stinkt nicht – stimmťs?

„Well, Hymnie, bevor ich Ihnen endgültig antworte, will ich den Grund wissen. Warum nehmen Sie sich diesen Swope nicht selber vor? Für einen Mann Ihrer Vergangenheit sollte das doch kein Problem sein."

„Kann ich Ihnen genau sagen! Der Gangster zog eine Ledertasche heraus und öffnete sie. Zum Vorschein kamen Zigarren, wahre Atlasraketen, mit dezenter Banderole: „Handrolled for Mr. Hymnie A. Heywood. Er biß die Spitze einer Zigarre ab und spuckte den Tabak auf den Boden.

Der Chauffeuer sprang herbel und gab ihm Feuer.

„Das ist so", sagte Hymnie und dampfte los. „Ich habe

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