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Marianne Pirker - Die Sängerin am Hofe Carl Eugens

Marianne Pirker - Die Sängerin am Hofe Carl Eugens

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Marianne Pirker - Die Sängerin am Hofe Carl Eugens

Länge:
93 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 16, 2017
ISBN:
9788711708576
Format:
Buch

Beschreibung

Marianne Pirker war zu ihrer Zeit eine bekannte Opernsängerin, die zu vielen adeligen Höfen gerufen wurde, um dort zu singen. Schließlich erhielt sie mit ihrem Mann eine Festanstellung am württembergischen Hof unter Carl Eugen. Dort verband sie eine gute Freundschaft mit Carl Eugens Ehefrau Friederike. Ihr Leben ändert sich jedoch schlagartig, als ihr vorgeworfen wird, der Herzogin von den außerehelichen Beziehungen ihres Mannes erzählt zu haben, und sie und ihr Ehemann inhaftiert werden. Lesen Sie mehr über ihr spannendes Leben in dieser Biographie.Utta Keppler (1905-2004) wurde als Tochter eines Pfarrers in Stuttgart geboren und wuchs dort auf. Sie besuchte die Stuttgarter Kunstakademie bis Sie die Meisterreife erreichte. 1929 heiratete sie und hat vier Söhne. Sie arbeitete frei bei Zeitungen und Zeitschriften und schrieb mehrere biographische Romane, meist über weibliche historische Persönlichkeiten, für welche sie ein intensives Quellenstudium betrieb.-
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 16, 2017
ISBN:
9788711708576
Format:
Buch

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Keppler

Marianne Pirker

Ludwigsburg – Rokoko – – – Im Boudoir sitzt Friederike Charlotte von Ansbach-Bayreuth, seit ein paar Jahren blutjunge „Herzogin von Württemberg, auf dem seidengepolsterten Schminkstühlchen vor dem Spiegel, einem riesigen, goldgerahmten blitzenden Widerspiel, in dem das ganze Kabinett eingefangen ist, soweit es der geschwungene Rahmen fassen kann: Die Bänke an den Raumseiten mit den geblümten Bezügen, die gerafften Vorhänge und Draperien, „unnötige Verhüllungen der Helligkeit, wie Carl Eugen sie nennt, obwohl er hier selten hereinkommt – aber vielleicht mag er auch dieses spielerische Zwielicht, die farbigen Schatten, die unverhofften Durchblicke.

Carl Eugen ist jung, mit sechzehn Jahren zum Herzog gekrönt, vom großen Onkel, dem preußischen Friedrich, regierungsfähig erklärt – freilich mit einem sehr ernsten und peniblen Brief auf seine Pflichten und Möglichkeiten hingewiesen, auf seine Verantwortung.

Und nicht zufällig hat Friedrich auch seine Ehe gestiftet, in der Hoffnung, die beiden jungen, wohlgewachsenen, hübschen Leute würden sich ineinander verlieben und danach zueinanderfinden – jedes in seinem Bereich.

Dem Fürsten gebühre die Überschau und Sicherheit des gerechten Abwägens, Verstand und die kühle Leidenschaft des teilnehmenden Abstands, wie er sie selber übe, der jungen Frau die Fähigkeit zur Einfühlung und die Freude an der Repräsentation und der eigenen Schönheit, die von ihr erwartet werden könne … mehr mag der Skeptiker kaum erhofft haben – danach freilich von Beiden die fügsame Rücksicht auf seine, Friedrichs, eigene weitgreifende europäische Politik.

Friederike sitzt also gespannt, mühsam geduldig, vor dem Glas …

Sie hat Spiegel gern, sinnt sich hinein, sieht sich in allerlei Gestalten darin, denn sie hat Phantasie: als Sylphe und Venus, als Apotheose königlicher Anmut –. Ein Erbteil ihrer sensiblen Mutter, diese Bilderlust, denn die Markgräfin Wilhelmine von Ansbach-Bayreuth hatte, wie ihr Bruder, der preußische König, sehr viel musische Anlagen, die sie freilich nur in schwachen Ansätzen entwickeln kann, neben einem derberen, banausischen Gemahl, dem sie – Schicksal der Fürstentöchter – ohne eigene Neigung angetraut worden ist … und den sie erst allmählich lieben gelernt hat. Friederike winkt.

„Mach er schon, Reich! Seine Durchlaucht lieben das Pünktliche! ruft sie mit ihrer etwas grellen, lauten Stimme, die immer noch ein wenig kindlich klingt. „Ich will des Abends um acht Uhr in der Opera sein! – Die Coiffure Malmaison, s’il vous plâit!

Es war eine Weile still, allzulang, schien es Friederike, sie schaute ärgerlich auf. „Also?"

Dann setzte sie ungeduldig hinzu: „Ist doch Mode geworden, seit wir das Jahr 1756 schreiben, ist ganz neu – das muß Er doch kennen?!"

Reich zögerte, hüstelte, kratzte an seinen Bürsten herum. Dann sagte er stockend: „Darf ich untertänigst darauf verweisen, Durchlaucht, daß die Coiffure Malmaison nicht mehr ganz als letzte Nouveauté gilt, seit … Madame …" Er schwieg erschrocken.

Die Herzogin drehte sich auf ihrem Stühlchen um: „Wer? Wer trägt sie bereits? Red’ Er!"

„Ach, Durchlaucht …, flüsterte der Friseur gequält, „es ist ja keine Person von Stande …

Friederike hob den Kopf. „Wenn es keine Person von Stande ist, braucht es mich doch nicht zu kümmern! Wer achtet schon auf sowas! Sie wird ohnehin nicht im Hoftheater erscheinen!"

Reich, des brünette Gesicht verstört ins Jabot gesenkt, hauchte, noch leiser als vorher: „Eben das, Durchlaucht, steht zu befürchten …"

Friederike fuhr zusammen. „Was? Wer? Sie stand halb auf, hielt den weißen Pudermantel fest und sah den Friseur durchdringend an. „Was! Er macht so ein unbehagliches Gesicht, Reich, daß ich befürchten muß … es könnte wieder … wie damals, man sagte mir … Sie fing plötzlich an zu weinen.

Reich hob den Spitzenumhang auf, der von ihren Schultern geglitten war. „Aber Durchlaucht! Seine Stimme zitterte, es klang fast flehend. „Aber Durchlaucht! Eine so schöne, junge, kluge, angebetete Fürstin! Und wenn Sie weinen, zerfließen die zartesten Töne von Rouge und Poudre de Paris … Jetzt klang es auch bei ihm weinerlich.

Friederike setzte sich steil auf. „Laß er nur!" sagte sie schroff. „Mach Er mir irgendeine modische Frisur, die Er für gut findet, etwas Kleidsames, aber nicht die Malmaison!"

„Wie Durchlaucht befehlen!" murmelte Reich devot und fing erleichtert an zu hantieren. Brennschere und Klammern klapperten, Nadeln fielen gelegentlich zu Boden, Friederike hielt den Kopf steif und zuckte nicht.

Reich montierte mit Bändern und Drähten ein hochgetürmtes Gebilde auf ihrem schmalen Kopf, drehte Löckchen und drechselte Fransen und steckte endlich, asymmetrisch verteilt, zwei rosa Blüten dazwischen.

Ein Samtschleifchen fand er graziös, einen dunklen Schönheitsfleck neben dem Kinn hielt er für angebracht, während die Herzogin noch immer starr dasaß, als wäre sie ein Grenadier in ihres königlichen Onkels Regimentern. Die großen Augen waren weit offen, der Mund krampfhaft gepreßt, und das blasse Gesicht hätte nicht elender und verzweifelter aussehen können, wenn sie – wie mancher Grenadier – Stockprügel erwartet hätte.

So saß sie eine Weile, mit steilem Nacken, den Reich nur hie und da mit sanftem ehrfürchtigem Druck nach seinen Ideen drehen mußte – bekümmert über das mißmutige, bedrückte Aussehen seiner Herrin.

Friederike ruckte plötzlich jäh mit dem Kopf. „Ist das meine Pirkerin?" Draußen klang eine zaghafte Koloratur, ein sanfter Sopran, wie eine Glocke, als gälte es ein Signal.

„Laß sie herein, Jeanne!" rief Friederike rasch und schlüpfte dem Friseur unter den Händen weg; aufstehend streckte sie die Hände aus, als eine füllige dunkelhaarige Dame unter der Tür erschien und gleich in einen rauschenden Hofknicks sank.

Marianne Pirker war eine europäische Berühmtheit, eine von London bis Paris begehrte Opernsängerin, eine reife, schöne Frau, die Sicherheit und Frohsinn ausstrahlte. Die junge Herzogin zog sie aus ihrer Verbeugung zu sich herauf, nahm ihr gerötetes Gesicht unterm Kinn in einen freundlichen Griff und sah ihr in die Augen.

„Pirkerin! Sie kommt zur rechten Stunde mit ihrem Gesang – ich bin gerade sehr betrübt …"

Inzwischen hatte ein Kammerdiener einen Stuhl herangeholt und verneigte sich diensteifrig. Die Sängerin, einem Wink der Herzogin folgend, setzte sich, die rauschenden Röcke ausgebreitet, verstummt, mit erwartungsvollem Lächeln. Dann fragte sie leise, was denn die Durchlaucht so trüb gestimmt habe?

Friederike von Württemberg seufzte und griff nach ihrem Umhang. „Reich, sind wir noch nicht fertig? Wie spät ist es denn?"

Reich hantierte mit dem Puderbeutel, legte vorsichtig den Spitzenumhang faltenlos um die Schultern der Dame und wischte mit der Hasenpfote die Puderreste von Armen und Ausschnitt.

„Sofort, Durchlaucht, bitte, sich zu überzeugen …"

Friederike stand auf, vorsichtig, um die kostbare Pyramide nicht zu erschüttern, die Reich da

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