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Reiterhof Dreililien 3 - Der Frühling des Lebens
Reiterhof Dreililien 3 - Der Frühling des Lebens
Reiterhof Dreililien 3 - Der Frühling des Lebens
eBook158 Seiten2 Stunden

Reiterhof Dreililien 3 - Der Frühling des Lebens

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Über dieses E-Book

Neues Pferdeabenteuer von Nell und ihren Freunden vom Reiterhof Dreililien!Auf Nell und ihre Freunde wartet ein Winter voller Abenteuer: Zum ersten Mal nach langer Zeit wird auf Dreililien wieder ein Fohlen geboren. Matty verliebt sich in Maja, die auf Dreililien ihre Ferien verbringt. Nell plant zu ihrem 16. Geburtstag eine riesige Party, zu der natürlich auch ihr Freund Jörn eingeladen ist. Doch dann kommt es zum Streit zwischen den beiden und es herrscht Funkstille. Werden sich Jörn und Nell noch rechtzeitig zur Party wieder vertragen?Mit dem Umzug aufs Land ändert sich Nells Leben komplett: Neue Umgebung, neue Freunde, neue Liebe. Auf dem Reiterhof Dreililien entdeckt der Teenager ihre Leidenschaft für Pferde und findet in Jörn, dem Sohn des Reiterhofbesitzers, ihre erste große Liebe. Im Laufe der zehn Bände, die sich über vier Jahre erstrecken, erlebt Nell so manche Abenteuer, Hindernisse und Turbulenzen auf Dreililien.
SpracheDeutsch
HerausgeberSAGA Egmont
Erscheinungsdatum22. Juli 2019
ISBN9788726219609
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    Buchvorschau

    Reiterhof Dreililien 3 - Der Frühling des Lebens - Ursula Isbel

    Egmontwww.egmont.com

    1

    Es war Herbst ‒ der fünfzehnte meines Lebens, mein erster Herbst auf Dreililien, fern von der Großstadt. In unserem Tal zwischen den Wäldern verfärbten sich die Buchen, das Laub der Birken wurde gelb und trocken und raschelte im Wind. Noch war das Gras grün und saftig, und die Pferde weideten auf den Koppeln und genossen die milde Wärme der Oktobersonne.

    Ich saß auf dem Querbalken eines Koppelzaunes. Um mich her taumelten Blätter durch die Luft, sanken lautlos ins Gras. Eins blieb auf meinem Knie liegen, ein zweites auf meiner Schulter. Die Luft roch herb nach nassem, schon faulendem Laub, nach Moos und Baumschwämmen, vor allem aber nach Pferden. Und ich dachte flüchtig, wie gut diese Gerüche doch zusammenpaßten.

    Für mich war der Geruch nach Pferden auf alle Zeit untrennbar mit der Erinnerung an den vergangenen Frühling verbunden, an die Zeit, als ich zum erstenmal widerstrebend hierhergekommen war ‒ ein Großstadtmädchen, voller Vorurteile dem Landleben gegenüber. So viele Empfindungen barg dieser Geruch für mich, gute und schlimme. Auch die Erinnerung an das Gefühl von Haß und Verzweiflung, weil ich meinen Vater plötzlich nicht mehr für mich allein hatte. Im letzten Frühling hatte er, lange nach dem Tod meiner Mutter, wieder eine Frau gefunden, die er liebte. So vieles war damals geschehen. Und was mir am wichtigsten von allem erschien, war meine Begegnung mit Matty und Jörn Moberg von Dreililien gewesen.

    Das Gestüt Dreililien, dieses Tal mit seinen Koppeln und Wäldern, mein ganzes neues Leben auf dem Land ‒ dies alles würde für mich immer mit dem Geruch von Pferden verbunden sein.

    Ich schloß die Augen und dachte eine Weile an gar nichts. Seit ich hier lebte, hatte ich gelernt, jede freie Minute gründlich auszukosten und jede Gelegenheit zum Faulenzen zu genießen. Eigentlich gab es immer Arbeit im Stall und im Freien, und seit dem Ende des Sommers auch wieder in der Schule. Es kam selten genug vor, daß ich einmal untätig herumsaß.

    Fast wäre ich eingeschlafen, wenn mich nicht plötzlich jemand so in den Rücken gepufft hätte, daß ich um ein Haar vom Zaun gefallen wäre. Ich klammerte mich gerade noch rechtzeitig am Balken fest. Da tauchte dicht neben mir ein großer brauner Kopf auf, und eine feuchte Nase beschnupperte mein Gesicht.

    Es war Hazel, mein Pferd. Ich wandte mich um, schlang die Arme um ihren Hals und vergrub mein Gesicht in ihrer Mähne.

    Hazel war ein wichtiger Teil dieses neuen Lebens geworden. Manchmal kam es mir vor, als wäre die Freundschaft, die uns verband, von ganz besonderer Art, anders als die übliche Beziehung zwischen einem Reiter und einem Pferd. Denn Hazel war nicht mein Reitpferd, und ich war auch nie darauf versessen gewesen, ein eigenes Pferd zu haben. Ich hatte es Herrn Moberg abgekauft, dem Besitzer des Gestüts Dreililien, weil sie sonst zum Abdekker gebracht worden wäre ‒ das war die schlichte und nicht besonders romantische Wahrheit.

    Im Sommer hatte Hazel plötzlich Hufrehe bekommen, und es war wohl jedem außer mir sofort klargewesen, daß das ihr Todesurteil bedeutete; denn ein Pferd mit Hufrehe kann kein vollwertiges Reit- oder Zuchtpferd mehr werden. Als ich das endlich begriffen hatte, gab es für mich nichts mehr zu überlegen. Ich hatte Hazel um einen Spottpreis gekauft, und seitdem gehörte sie mir. Daß sie nur noch sehr vorsichtig geritten werden konnte, störte mich nicht weiter. Hauptsache, sie hatte es gut und konnte weiter auf Dreililien bleiben. Als Entgelt für ihren Stallplatz und das Futter half ich bei der Arbeit. Das war ein Abkommen zwischen mir und Herrn Moberg, das wir beide fair fanden.

    Hazel blies mir zärtlich ins Haar, wie sie es immer machte. Eine Weile schmusten wir so miteinander. Plötzlich aber zuckte sie zurück, wandte den Kopf und schnaubte. Als ich mich umsah, merkte ich, daß Jörn Moberg den Weg vom Dorf her geritten kam. Er nahm die Abkürzung über eine der Wiesen im Galopp, und sein halblanges Haar flatterte im Wind.

    „Sieht er nicht wie ein blonder Indianer aus, Hazel?" flüsterte ich.

    Mit gespitzten Ohren beobachtete die Stute Pferd und Reiter. Ich hob den Arm und winkte, aber Jörn sah mich nicht.

    Noch während ich ihm mit den Blicken folgte, wie er durch die Hofeinfahrt ritt, sah ich plötzlich, wie Emily, die Schimmelstute, leicht scheute. Jörn zügelte sie und sah sich um. Von der Wegkreuzung her näherte sich ein schwarzer Mercedes mit Pferdeanhänger.

    Der Wagen machte vor dem alten Torbogen des Dreililienhofes halt. Ein dicker Mann stieg schwerfällig aus. Da schwang sich Jörn vom Pferd, ging auf ihn zu und führte Emily am Zügel neben sich her.

    Die friedliche Stimmung war zerstört. Ich wandte mich ab und biß mir auf die Lippen. Der dicke Mann mit dem Mercedes war Friedrich Horkheimer. Ich hatte ihn schon ein paarmal von weitem gesehen. Er war Herrn Mobergs bester Kunde, ein Pferdehändler, der regelmäßig kam, um Pferde aus der Zucht von Dreililien zu kaufen.

    Wieder stieß Hazel ein Schnauben aus. Ich streichelte geitesabwesend ihren Hals. „Das Geschäft mit Pferden ist hart, Nell, hatten Jörn und sein Bruder Matty oft zu mir gesagt. „Für Gefühle ist da wenig Platz. Pferde haben ihren Marktwert, genau wie jede andere Ware; sie müssen Gewinn bringen und werden an den Meistbietenden verkauft. Nur wer Geld im Überfluß hat, kann aus Liebhaberei Pferde züchten und sie auch behalten ‒ und wer hat das schon?

    Ja, ich hatte inzwischen begriffen, daß auch Dreililien kein absolutes Paradies war, in dem man seine Tage unbeeinflußt von den harten Tatsachen des Lebens verbringen konnte. Ich hatte es begriffen, aber im tiefsten Herzen hatte ich es noch lange nicht eingesehen. Immer, wenn ein Pferd verkauft wurde, wenn seine Box im Stall plötzlich leer war, tat es mir weh; und ich wußte, daß es Matty und Jörn ebenso ging.

    Wenn er nur Nell nicht verkauft! dachte ich plötzlich. Sie ist doch noch so klein und hilflos ‒ ich möchte, daß sie hierbleiben kann, daß sie nicht in fremde Hände kommt . . .

    Während Hazel langsam wieder zu den anderen Stuten zurückkehrte, erinnerte ich mich an die Sommernacht, als Nell zur Welt gekommen war, Marnies Fohlen. Sie war das erste Fohlen, bei dem ich Geburtshilfe geleistet hatte. Zusammen mit Jörn hatte ich geholfen, Nell zur Welt zu bringen.

    Jörn hatte dem Fohlen meinen Namen gegeben; und es war seitdem kein Tag vergangen, an dem ich nicht zur Koppel gegangen wäre, um nach Nell zu sehen und zu bewundern, wie sie wuchs und stark wurde und lernte, sich gegen die anderen Fohlen zu behaupten.

    Jetzt mochte ich nicht länger auf dem Koppelzaun sitzen. Ich wußte, daß ich es nicht geschafft hätte, von weitem mitanzusehen, wie eines der Pferde in den Anhänger geführt wurde, wie Herr Horkheimer es in seinem dicken Mercedes für immer wegbrachte. Ich sprang ins Gras, zog meinen Pullover über den Kopf und ging zu Tante Karens Haus zurück.

    Jetzt war das kleine gelbe Haus mit dem tiefgezogenen Dach und dem Rosenspalier bereits vom Pfad aus zu sehen. Noch vor einer Woche war es hinter dem Laub der Eiche, die in unserem Garten wuchs, verborgen gewesen. Nur noch ein paar letzte Rosen blühten am Spalier, und im Vorgarten, den Kirsty so liebevoll pflegte, streckten die Dahlien ihre runden Köpfe der Sonne entgegen.

    Tante Karens Haus ‒ oder das Kavaliershäusl, wie Matty und Jörn es nannten ‒, gehörte Kirsty, Vaters Freundin. Sie hatte es von einer Tante geerbt; doch es war längere Zeit unbewohnt gewesen, bis Vater und Kirsty sich kennenlernten und beschlossen, hier zusammen zu leben. Das war im Spätfrühling dieses Jahres gewesen. Ich konnte mir kaum noch vorstellen, weshalb mir damals die Entscheidung so schwergefallen war, mit ihnen aufs Land zu ziehen.

    Nun war ich hier zu Hause. Ich öffnete die Gartenpforte. Herr Alois, Kirstys wuscheliger brauner Hund, kam mir entgegengelaufen, sprang an mir hoch und versuchte mich zu küssen. Aus der Werkstatt erklang das Geräusch der Töpferscheibe.

    Mit Herrn Alois ging ich ums Haus herum und durch den Obstgarten zur Tür des alten Schuppens, den mein Vater und Kirsty zur Töpferwerkstatt umgebaut hatten. Kirsty saß mit dem Rücken zur Tür, in ihrem tonbeschmierten Arbeitskittel, das goldbraune Haar unter einem Tuch verborgen. Sie hörte mich nicht kommen.

    Plötzlich fiel mir ein, daß ich sie lieber nicht stören wollte, während sie an der Töpferscheibe saß, denn diese Arbeit verlangte ihre volle Aufmerksamkeit. Also machte ich wieder kehrt und setzte mich auf die Bank unter der Eiche. Herr Alois ließ sich seufzend zu meinen Füßen im Gras nieder.

    Ich lehnte den Kopf gegen den rissigen Stamm und sah in das Gewirr der Zweige auf. Es war wie verhext ‒ sofort sah ich wieder den schwarzen Mercedes mit dem Pferdeanhänger und Horkheimers dicke Gestalt vor mir. Wie viele Pferde würde er kaufen? Vielleicht bloß eins ‒ wenn es nur nicht Nell war! Nein, Unsinn, Nell war noch zu jung. Was konnte der Pferdehändler schon mit einem Fohlen anfangen, das erst im Sommer geboren worden war?

    Ich versuchte mich damit zu trösten, daß Jörn, Matty und ich immerhin das Schlimmste verhindert hatten. Zu Beginn der großen Ferien hatte es ganz so ausgesehen, als müßten die meisten Pferde von Dreililien verkauft werden, weil das Gestüt nicht mehr genug Geld einbrachte. Herr Moberg selbst war durch einen schweren Verkehrsunfall gehbehindert und konnte nicht mehr mitarbeiten. So war die Pferdezucht im Laufe der Zeit zu einem Verlustgeschäft für ihn geworden.

    Um die Pferde zu retten, waren Jörn, Matty und ich auf die Idee gekommen, auf Dreililien eine Reitschule zu eröffnen und dort Reiterferien zu veranstalten. Herr Moberg hatte sich bereiterklärt, den Versuch zu wagen, doch nur unter der Bedingung, daß wir uns selbst um alles kümmerten.

    Inzwischen hatten wir dreizehn Reitschüler ‒ sechs Anfänger und sieben Fortgeschrittene. Doch ohne Mikesch hätten wir es wohl trotzdem nie geschafft. Mikesch... Den hatte uns der Himmel geschickt.

    Wir hatten Mikesch über eine Anzeige in einer alternativen Münchner Zeitung gefunden und schon beim ersten Kennenlernen festgestellt, daß er genau der war, den wir brauchten. Er kannte sich mit Pferden aus wie kaum ein anderer, war bereit, auf dem Land zu leben und für kaum mehr als ein Taschengeld zu arbeiten, konnte Reitunterricht erteilen und verstand es großartig, mit besorgten Müttern und verliebten Reitschülerinnen umzugehen.

    Mikesch war einfach „die Antwort auf unsere Gebete", wie Jörn einmal halb spöttisch, halb ernsthaft gesagt hatte. Darüber hinaus war er auch noch schön wie ein junger griechischer Gott.

    Ich mußte unwillkürlich kichern, als ich daran dachte, wie verdutzt Matty und ich bei Mikeschs erstem Besuch gewesen waren. Keiner von uns hatte erwartet, daß auf unsere bescheidene Anzeige hin ein etwa achtundzwanzigjähriger Mann mit schwarzen Locken und strahlend bläuen Augen auftauchen würde, der aussah wie ein Dressman oder ein Fotomodell für Zigarettenreklame.

    Seltsamerweise hatte uns sein gutes Aussehen anfangs durchaus nicht für ihn eingenommen, im Gegenteil. Als wir jedoch feststellten, daß Mikesch überhaupt nicht eingebildet und alles andere als ein Schönling war, hatten wir unsere Vorurteile schnell vergessen.

    Jetzt gehörte Mikesch mit dazu. Ohne ihn konnte ich mir Dreililien nicht mehr vorstellen; und wenn der

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