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Reiterhof Dreililien 8 - Wenn der Sommer geht
Reiterhof Dreililien 8 - Wenn der Sommer geht
Reiterhof Dreililien 8 - Wenn der Sommer geht
eBook157 Seiten2 Stunden

Reiterhof Dreililien 8 - Wenn der Sommer geht

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Über dieses E-Book

Spannender achter Teil der Dreililien-Pferdebuchreihe!Seit ihrer Zeit in Österreich steht für Nell fest: Sie möchte Gärnterin werden! Doch wie soll sie das nur ihrem Vater klar machen? Der hat für seine Tochter nämlich ganz andere Pläne. Auch auf dem Reiterhof gibt es Streit. Reitlehrer Mikesch möchte drei alte Rennpferde auf dem Hof unterbringen – gegen den Willen von Gutsbesitzer Morberg. Gibt es einen Weg, wie Mikesch Herrn Morberg doch noch überzeugen kann?Mit dem Umzug aufs Land ändert sich Nells Leben komplett: Neue Umgebung, neue Freunde, neue Liebe. Auf dem Reiterhof Dreililien entdeckt der Teenager ihre Leidenschaft für Pferde und findet in Jörn, dem Sohn des Reiterhofbesitzers, ihre erste große Liebe. Im Laufe der zehn Bände, die sich über vier Jahre erstrecken, erlebt Nell so manche Abenteuer, Hindernisse und Turbulenzen auf Dreililien.
SpracheDeutsch
HerausgeberSAGA Egmont
Erscheinungsdatum12. Aug. 2019
ISBN9788726219654
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    Buchvorschau

    Reiterhof Dreililien 8 - Wenn der Sommer geht - Ursula Isbel

    www.egmont.com

    1

    Der erste Vogel sang, als ich erwachte. Die klaren, süßen Triller der Drossel fielen wie Tropfen in die Stille des Spätsommermorgens. Ich schlug die Augen auf und sah mich in meinem Zimmer um. Zweieinhalb Wochen war ich fort gewesen, hatte in Österreich in einer Gärtnerei gearbeitet. Es war schön, wieder zu Hause zu sein, in meinem eigenen Bett aufzuwachen, mit dem vertrauten Blick auf das Fenster zwischen schrägen Wänden und dem kühlen Duft der Rosen, die sich bis zum Dach hochrankten.

    Jemand hatte einen Strauß Wiesenblumen gepflückt und auf den Bambushocker neben mein Bett gestellt. Ich schlug die indianische Decke zurück und schwang die Beine über die Bettkante. Sogar die Flickenteppiche unter meinen Füßen fühlten sich vertraut an wie alte Freunde.

    Auf dem Schreibtisch stand ein Foto meiner Mutter in hellem Holzrahmen. Ich nahm es in beide Hände und dachte wieder einmal, wie ähnlich wir uns doch waren. Ich hatte ihr rotes, lockiges Haar geerbt, ihre braunen Augen, den herzförmigen Gesichtsschnitt und sogar die dunklen, geraden Brauen.

    „Du, ich glaube, ich werde Gärtnerin, sagte ich zu dem Bild. „Wie findest du das? Ich hab das Gefühl, daß es mir Spaß machen würde...

    Sie sah mich mit ihren sanften, ein wenig traurigen Augen an. „Ich vermisse dich noch immer, weißt du, sagte ich leise. „Manchmal. Aber sonst ist mein Leben schön. Es könnte gar nicht besser sein.

    Ich blies die dünne Staubschicht vom Glas und stellte das Foto auf seinen Platz zurück. Das Dachfenster stand weit offen; ich ging hin und lehnte mich hinaus. Noch stand der Mond hinter den Wäldern, doch über dem Gebirge färbte sich der Himmel schon rosig. Die Wiesen und Koppeln lagen im Morgendunst. Rehe grasten am Waldrand, und Dreililiens Ziegeldächer glänzten vom Tau.

    Ich schloß die Augen und atmete den Duft dieses Septembermorgens ein – eine unvergleichliche Mischung von Heu und Pferden, von Rosen, feuchtem Gras und Fichtenwald.

    Nach einer Weile zog ich meine Stallkleider an und steckte eine große Packung Kekse in die Brusttasche meiner Latzhose. Leise ging ich in die Küche hinunter, nahm mir einen Apfel und ein Butterbrot und verließ das Haus. Meine Gummistiefel standen wie immer auf dem Vorplatz. Ich schlüpfte hinein und ging den Kiesweg entlang zwischen den Haselnußsträuchern nach Dreililien.

    Die Drossel hatte aufgehört zu singen, doch jetzt waren andere Vögel aufgewacht. Wildtauben gurrten eindringlich in den Hecken, und aus Dreililiens Innenhof kamen Schwalben gesegelt, schossen zwitschernd durch den Torbogen aus und ein oder saßen dicht aneinandergedrängt auf dem Dachfirst wie Perlen an einer Schnur.

    Sonst war noch alles still, wie ausgestorben; so still, daß ich einen verrückten Augenblick lang das Gefühl hatte, ich wäre noch immer in Hobendoblers Gärtnerei und sei nur im Traum nach Hause zurückgekehrt.

    Doch nichts konnte wirklicher sein als der Stall. Ich öffnete die Tür, und alles war so, wie ich es kannte, wie es sein sollte – die großen, edlen Köpfe über den Boxwänden, die glänzenden Augen, die mir forschend entgegensahen, das Scharren und Stampfen und Schnauben, die Wärme der Tierleiber und der herbe Geruch von Pferdemist und Urin – und dann ein helles, geliebtes Gewieher über all den anderen Geräuschen...

    Lange stand ich in Hazels Box, die Arme um ihren Hals geschlungen, und flüsterte ihr allerhand dummes, zärtliches Zeug ins Ohr, wie sehr ich sie vermißt hätte, und daß sie meine Schönste wäre, meine Gute, das beste Pferd der Welt – bis es Joschi in der Nachbarbox zu bunt wurde. Plötzlich bekam ich von hinten einen derart kräftigen Puff zwischen die Schulterblätter, daß ich umgefallen wäre, wenn Hazel nicht so dicht neben mir gestanden hätte.

    Ich drehte mich zu Joschi um und mußte lachen, so komisch vorwurfsvoll war ihr Pferdegesicht; wie das einer alten Tante, der man zu spät zum Geburtstag gratuliert. Sie rümpfte die Nase und zog die Oberlippe hoch, daß man ihre riesigen gelblichen Zähne sah; eine Angewohnheit, die die meisten Ferienreiter anfangs ziemlich erschreckte, bis sie begriffen, daß es Joschis Art war, um Leckerbissen zu betteln.

    Als ich die Keksschachtel öffnete, streckte Joschi ihre Zunge heraus, so weit sie nur konnte. Die Oberlippe hatte sie noch immer hochgezogen und gekräuselt, und ich sagte ihr, daß sie höchst unvorteilhaft aussähe, was ihr jedoch offensichtlich egal war. Sie rückte immer näher und wäre am liebsten über die Zwischenwand geklettert, wenn sie gekonnt hätte. Von hinten bedrängte mich Hazel, so daß ich Platzangst bekam. Rasch gab ich ihr und Joschi je einen Keks und verzog mich schleunigst auf die Stallgasse.

    Dann verteilte ich weiter Kekse – an Katama und Marnie, Emily, Solveig, Vroni, Jule, Julka und all die anderen. Dabei mußte es sehr genau und gerecht zugehen, sonst hätte es Streit gegeben.

    In Rapunzels ehemaliger Box stand nun Polly, eine unserer Nachkömmlinge. Sie war zweieinhalb Jahre alt und durfte erst in einem halben Jahr zugeritten werden. Die Jährlinge waren den ganzen Sommer über draußen auf der Koppel; aber Jungpferde hatten wir nur wenige, weil Herr Moberg sie meist schon früh verkaufte – zu früh, wie wir fanden. Doch für uns war es eigentlich immer zu früh, wenn eines von den Pferden Dreililien verlassen mußte.

    Die ersten schwachen Sonnenstrahlen fielen durch die Stallfenster, als ich meine Begrüßungsrunde beendet hatte. Ich ging in die Sattelkammer, um Hazels Putzzeug zu holen. Mit Kardätsche, Bürste, Hufkratzer und Mähnenkamm bewaffnet, kehrte ich auf die Stallgasse zurück und entdeckte, daß die Stalltür offen war. Auf der Schwelle stand Mikesch im Sonnenlicht, unverschämt gut aussehend mit seinen gelockten schwarzen Haaren, den unglaublich blauen Augen, umrahmt von langen Wimpern, den schwarzen Brauen und der wohlgeformten Kinnpartie, die jetzt von Bartstoppeln geziert war. Wieder einmal verstand ich, weshalb so viele Reitschülerinnen sich auf Anhieb in ihn verliebten, und weshalb fast jede Frau im Umkreis von zwanzig Meilen eine Schwäche für Mikesch hatte. Und wer weiß, vielleicht hätte auch ich mich schon längst in ihn verliebt, wenn Jörn nicht gewesen wäre.

    „Ich hab mich schon gefragt, wer hier so früh herumgeistert, sagte er und nahm mich mitsamt dem Putzzeug in die Arme. „Hallo, Nell – gut, daß du wieder da bist. Ich hab dich vermißt!

    „Ich dich auch. Dich, die Pferde, euch alle... Es ist so schön, wieder zu Hause zu sein! Sag, läßt du dir einen Bart wachsen? Er nickte. „Ich hab das ständige Rasieren satt. Wie war’s in Österreich?

    „Nicht schlecht, sagte ich. „Wenn man mal von der Entfernung absieht.

    „Jörn meint, das Gärtnern hätte dir Spaß gemacht?" Er hielt mich ein Stück von sich ab und sah mir prüfend ins Gesicht.

    „Ja, das hat es wirklich. Vielleicht werd ich sogar mal Gärtnerin." Ich sagte es mit einem Lachen, weil ich selbst noch nicht genau wußte, ob es mir ernst damit war.

    „Gärtnerin? Das würde nicht schlecht zu dir passen", erwiderte Mikesch unerwartet.

    Eigentlich hatte ich immer gedacht, ich wäre jemand, zu dem überhaupt nichts paßt – jemand ohne besondere Interessen oder Fähigkeiten, sozusagen ein hoffnungsloser Durchschnittstyp. Jetzt entdeckte ich langsam, daß das offenbar doch nicht ganz stimmte.

    „Hast du die Windpocken gut überstanden?" fragte ich, und er lachte.

    „Erinnere mich bloß nicht daran! In meinem Alter noch Kinderkrankheiten zu kriegen, und ausgerechnet in den großen Ferien, wo’s hier rundgeht! Jetzt fehlt nur noch Ziegenpeter in meiner Sammlung. Tut mir echt leid, daß ihr meinetwegen um eure Toskana-Reise gekommen seid, du und Jörn."

    „Macht nichts, sagte ich. „Dafür hab ich Geld verdient und weiß vielleicht sogar, was ich später mal machen will. Den Urlaub können wir im Frühling nachholen.

    „Na, dann hab ich die Windpocken ja nicht ganz umsonst gehabt, sagte Mikesch. „Jetzt werde ich mal nach Jorinde sehen. Sie gefällt mir nicht recht.

    „Bekommt sie nicht in ein paar Wochen ihr Fohlen?"

    „Ja, in ungefähr achtzehn Tagen ist es soweit. Aber sie ist schon jetzt so verdammt unruhig, und das Fohlen bewegt sich zu wenig."

    Gemeinsam gingen wir zu Jorindes Box. „Hast du schon mit Dr. Hofbauer gesprochen?"

    „Er hat sie untersucht, konnte aber nichts feststellen. Seiner Meinung nach ist alles in Ordnung. Hoffen wir bloß, daß er recht hat."

    Ich neigte dazu, mehr auf Mikeschs Urteil zu vertrauen als auf das von Dr. Hofbauer. Dr. Hofbauer war ein guter Tierarzt; er kannte sich mit Pferden aus, ebenso wie mit Hühnern und Schweinen und Kühen. Mikesch dagegen war auf einem Gestüt geboren und mit Pferden aufgewachsen.

    Vorher, als ich von Box zu Box gegangen war, hatte ich nichts Ungewöhnliches an Jorinde bemerkt; abgesehen davon, daß ihr

    Bauch noch praller geworden war. Jorinde war eine unserer wertvollsten Stuten. Für den Reitunterricht wurde sie nicht eingesetzt; sie war Zuchtstute. Ihre Fohlen waren längst in alle Winde verstreut; einige hatten Preise auf Turnieren gewonnen. Sie war eine Araberstute, ein ausgesprochen edles, wenn auch schrecklich nervöses Pferd, das sich nur von Mikesch oder Matty striegeln ließ. Ich paßte immer auf, daß ich ihr nicht zu nahe kam, und hätte mich nie in ihre Box gewagt.

    „Aber sie hat doch schon früher Fohlen gehabt, sagte ich. „Und es ist immer gutgegangen.

    „Na ja, gut ist vielleicht übertrieben. Die letzten beiden Male ging’s ja ohne größere Probleme, aber Herr Moberg hat mir erzählt, daß sie vor ein paar Jahren eine Totgeburt hatte, und einmal lag das Fohlen verkehrt. Bei diesen hochgezüchteten Pferden kann man nie genau Vorhersagen, was passiert."

    Er öffnete eine der Boxtüren auf der linken Stallseite und ging hinein. Jorinde wich zurück. Das hatte sie bei Mikesch bis jetzt noch nie getan.

    „Hab keine Angst, mein Mädchen, murmelte er. „Es passiert ja nichts. Wie geht’s dir heute? Und über die Schulter sagte er: „Jedenfalls nehme ich stark an, daß es eine Frühgeburt wird." Das konnte bedeuten, daß wir das Fohlen nicht durchbrachten; und das wiederum bedeutete einen weiteren finanziellen Verlust für Dreililien, nachdem wir in diesem Jahr schon genug Schwierigkeiten gehabt hatten. Der Reaktorunfall in Tschernobyl hatte uns neben aller Angst und Unsicherheit auch zusätzliche Geldsorgen gebracht. Im Frühling hatten wir die Pferde wochenlang nicht auf die Weide bringen und das fette Maigras nicht verfüttern können. Wir hatten Trockenfutter kaufen und das Gras vernichten müssen; und in den Pfingstferien waren weniger Ferienreiter als sonst gekommen. Dann war die Stute Rapunzel gegen ein Auto gelaufen und gestorben. Ich seufzte.

    Mikesch strich Jorinde über die Flanken. Er sah mich an und sagte: „Der alte Moberg dreht durch, wenn’s mit dem Fohlen nicht klappt. Er hat eine Menge Deckgeld gezahlt. Aber warten wir erstmal bis zum nächsten Frühling, wenn die Stuten ihre Fohlen bekommen, die in diesem Mai erst kurze Zeit trächtig waren. Da wird das dicke Ende wohl erst noch auf uns zukommen."

    „Du meinst, die Fohlen könnten mißgebildet sein?" fragte ich erschrocken.

    „Radioaktivität kann das Zellwachstum bei Ungeborenen empfindlich stören, sagte Mikesch ruhig. „Sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Es hat keinen Sinn, vor solchen Dingen die Augen zu verschließen, Nell. Die Sache ist noch lange nicht ausgestandenim Gegenteil. Die Folgeschäden können in einem Jahr, vielleicht auch erst in zehn Jahren auftreten – und nicht nur bei unseren Pferden.

    Hazels Putzzeug fest an mich gedrückt, ging ich über die Stallgasse zurück. Ich

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