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The Secret Footballer: Ein Premier-League-Profi packt aus

The Secret Footballer: Ein Premier-League-Profi packt aus

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The Secret Footballer: Ein Premier-League-Profi packt aus

Länge:
236 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Apr 1, 2013
ISBN:
9783730700228
Format:
Buch

Beschreibung

Unter dem Pseudonym "The Secret Footballer" berichtet der Autor seit anderthalb Jahren regelmäßig für den "Guardian" über sein Leben als Profi in der Premier League. Über seine Identität gibt es viele Spekulationen. Bekannt ist lediglich, dass er Engländer ist, verheiratet und bereits für mindestens zwei Vereine der Premier League gespielt hat.In seinem Buch wirft der "geheime Fußballer" einen schonungslosen Blick hinter die Kulissen der weltweit beliebtesten Fußballliga. Seine Anonymität erlaubt es ihm, ganz offen zu berichten: über Trainer, Mit- und Gegenspieler, aus dem Ruder laufende Weihnachtsfeiern, Spielerberater, Rassismus im Profifußball oder Versuchungen wie Alkohol und Frauen. Ebenso ehrlich erzählt er von seiner persönlichen Laufbahn, vom Druck des Profilebens und den Depressionen, mit denen er infolgedessen zu kämpfen hat.Ein Buch, das nicht nur für Fans der Premier League interessant ist, sondern für alle, die wissen wollen, wie das Leben eines Profifußballers wirklich aussieht.
Freigegeben:
Apr 1, 2013
ISBN:
9783730700228
Format:
Buch

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Buchvorschau

The Secret Footballer - Anonym

NAHT

Vorwort

ZUR DEUTSCHEN AUSGABE

Von Raphael Honigstein

2012 war ein sehr gutes Jahr für den englischen Fußball. Die Liga erlebte das spannendste Meisterschaftsfinale aller Zeiten mit einem Last-Minute-Triumph von Scheich-Klub Manchester City über die Lokalrivalen von Manchester United, zwei Wochen später gewann der FC Chelsea nach unglaublicher Dramatik die Champions League in München.

2012 war aber auch ein ganz schlechtes Jahr für den englischen Fußball. Das hatte wenig mit dem Viertelfinal-Aus der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gegen Italien – im Elfmeterschießen – zu tun; nichts anderes hatten die seit Jahrzehnten leidgeprüften Fans der „Three Lions" erwartet. Nein, der Lieblingssport der Briten geriet wegen ganz anderer Dinge in die Defensive, und zwar so stark wie nie zuvor seit dem Beginn des Premier-League-Booms Anfang der neunziger Jahre.

England-Kapitän John Terry musste sich vor einem Strafgericht und der Disziplinarkommission des englischen Verbands für die rassistische Beleidigung eines Gegenspielers (Anton Ferdinand, Queens Park Rangers) verantworten. Der Richter sprach ihn frei, die Football Association sperrte ihn für vier Spiele. Im Zuge der höchst unappetitlichen Affäre – Terry und Ferdinand beschimpften sich gegenseitig als „Fotzen" auf dem Rasen – bekam Ferdinand Morddrohungen. Schwarze Profis dachten über einen Rückzug aus der Spielergewerkschaft nach, Nationaltrainer Fabio Capello trat zurück, weil der Verband Terry gegen seinen Willen die Kapitänsbinde weggenommen hatte. Und wie schon beim Skandal um Liverpool-Stürmer Luis Suárez, der wegen der rassistischen Beleidigung von Manchester Uniteds Patrice Evra im Vorjahr für acht Partien gesperrt worden war, richtete sich die öffentliche Meinung nicht nach der Beweislage, sondern streng nach Vereinszugehörigkeit. Für Fans des FC Chelsea und des FC Liverpool waren Terry beziehungsweise Suárez Opfer von Verschwörungen.

Mit wie viel deprimierender, kindischer Humorlosigkeit und sogar Hass diese leidigen Stammesfehden auf der Insel geführt wurden, fiel erst richtig auf, als sich im Sommer das ganze Land an den Olympischen Spielen in der Hauptstadt berauschte. London 2012 produzierte unheimlich sympathische, bescheidene Helden wie Mo Farah (Gold über 5.000 und 10.000 Meter) und Jessica Ennis (Gold im Siebenkampf), und im Stadion in Stratford beklatschte das Publikum auch die ausländischen Athleten begeistert. Fußballverbandschef David Bernstein ahnte, wie unvorteilhaft die ungleich reicheren, unsympathischeren Kicker im Vergleich zu den Olympioniken dastanden, und veröffentlichte noch während der poppigen Abschlussfeier in Stratford eine Pressemitteilung. Der Fußball müsse sich vom olympischen Geist inspirieren lassen, forderte Bernstein: „Die Spieler müssen sich ein Beispiel an diesen Spielen nehmen, mit den Privilegien kommt auch die Verantwortung, sich vorbildlich zu verhalten."

Doch es nützte nichts. „Leere Sitze, Schmähgesänge und eine Rote Karte", rümpfte nach dem Saisonauftakt zwischen Man City und Chelsea (3:2) im August ausgerechnet die Sun die Nase, „der ekelhafte Fußball ist wieder da. Unser Nationalsport hat unser nationales Glücksgefühl schneller kaputt gemacht, als Usain Bolt Gold gewann."

Das Letzte, was das Land zu diesem Zeitpunkt brauchte, war: eine neue Fußballerbiografie. Das Genre leidet ja schon seit Jahren am fürchterlichen Missverhältnis zwischen Quantität und Qualität. Wayne Rooney hat mit 28 schon zwei Bücher veröffentlicht, drei weitere sollen noch folgen. Drei Viertel des Nationalkaders von Sven-Göran Eriksson hatten vor der Weltmeisterschaft 2006 Buchverträge unterzeichnet, die Verlage waren fest überzeugt, dass David Beckham und Co. mit dem Pokal im Gepäck aus Deutschland zurückkehren würden. In der Folge des mal wieder total verkorksten Turniers – Aus im Viertelfinale gegen Portugal, im Elfmeterschießen – kam dann ein halbes Dutzend Bücher auf den Markt, die niemand lesen wollte. Das Schlusslicht im Klassement der Ladenhüter gab das Œuvre von Ashley Cole (My defence), das mit seinem fast schon rührenden Realitätsverlust völlig neue Maßstäbe setzte. „Als ich hörte, dass mir Arsenal nur 55.000 Pfund in der Woche (für meinen neuen Vertrag) bot, hätte ich fast einen Unfall gebaut, schrieb der Linksverteidiger in der Schlüsselstelle, „ich war so außer mir, ich zitterte vor Wut. Von diesem bösen Car Crash haben sich Fußballerbücher in Großbritannien nie mehr richtig erholt.

Mit Sympathieträgern ist der Sport nicht übermäßig gesegnet. Selbst die intelligenteren – oder interessanteren – Typen schaffen es nur in Ausnahmefällen, packende Worte aufs Papier zu bringen. Daran ist zum einen das sehr scharfe britische Presserecht schuld: Die Angst vor kostspieligen Verleumdungsklagen lässt die Verlage die vermeintlich kontroversen Stellen im Zweifel lieber glattbügeln. Noch mehr aber bestimmt Selbstzensur das Schreiben. Fußball ist in England ein geschlossenes System: Wer erst mal als Spieler, Trainer oder TV-Experte drinnen ist, will es sich auf keinen Fall mit den Kollegen verscherzen.

Englische Fußballer haben gelernt, ihre wahren Gedanken hinter höflichen Floskeln und unsäglichen Plattitüden zu verstecken. Es wird viel geredet, aber nichts gesagt. Männer, die gegen diese Kabinen-Omertà verstoßen, goutiert der Sport nicht. Die wohltemperierte, handzahme Schwammigkeit, die aus ihren Worten spricht, vergrößert unweigerlich die Distanz zwischen Publikum und Star. Auch die Trainingsgelände der Premier-League-Klubs sind weiträumig abgeschirmt, der einstige Arbeitersport hat sich nicht nur finanziell, sondern auch emotional von seinen Wurzeln entfremdet.

Warum also sollte man sich im Vereinigten Königreich im Sommer 2012 für die Lebensgeschichte eines namenlosen, „geheimen Fußballers interessieren, wenn selbst die Bücher der prominentesten Koryphäen in den Regalen verstaubten? Die Antwort liegt im erfüllten Versprechen des englischen Untertitels „Lifting The Lid On The Beautiful Game: Der Secret Footballer (SF) macht den Deckel ganz weit auf – und lässt den Leser tief ins dunkle Innere des ach so „schönen Spiels" blicken.

Sein Verein, seine Mitspieler, sein Trainer und sein Berater würden nicht wollen, dass er dieses Buch schreibe, hat er in einem Interview erzählt. Die Maske des Pseudonyms schützt jedoch nicht nur vor negativen Reaktionen des Umfelds, wie es in der Fußballersprache heißt – sie schärft dem SF in erster Linie den Blick auf sich selbst. Der SF schreibt über seinen Kampf gegen Depressionen, seine Unsicherheit in der Kabine als Jugendlicher. Wie einsam man sich fühlt, wenn man seine besten, ältesten Freunde mit der Bestellung einer 2.000-Euro-Flasche Wein versehentlich vor den Kopf stößt. Über das Misstrauen, mit dem sich selbst Kumpels in der Kabine beäugen. Und darüber, was die Fußballer wirklich von ihren Fans halten (nicht sehr viel).

So brutal offen und gleichzeitig so reflektiert wurde über den Alltag eines Profifußballers auf der Insel seit Eamon Dunphys Only a Game?, einem fesselnd-verstörenden Buch über eine verregnete, deprimierende Saison (1973/74) beim Zweitligisten FC Millwall, nicht mehr geschrieben. Der Secret Footballer und seine Enthüllungen wurden zur Sensation. Was Sportbücher angeht, verkauften sich 2012 in Großbritannien nur die Biografien der Olympiahelden Jessica Ennis, Tom Daley und Bradley Wiggins besser. In den Pubs hatte man zeitweise das Gefühl, dass alle Konversationen nur noch um die Identität des SF kreisten. Noch immer vergleicht eine Armee von Hobbydetektiven mit Mitteln der Google-Rasterfahndung biografische Hinweise aus dem Buch mit den Lebensläufen von aktiven Spielern, auf der Internetseite www.whoisthesecretfootballer.co.uk stellen Enthusiasten YouTube-Clips zusammen, die mit Szenen aus dem Buch übereinstimmen könnten. Die Fangemeinde kommt dabei regelmäßig zu völlig neuen Ergebnissen, denn der SF hat absichtlich auch ein paar falsche Fährten gelegt.

Das Publikum kann sich für diesen Spaß bei einem Immobilienmakler bedanken. Leider weiß es nicht, bei welchem. In der Wochenendausgabe der britischen Financial Times berichtete von 2007 bis 2012 ein anonymer „Secret Agent" über die fremde, absurde Welt des globalen Jetsets und dessen Jagd auf Luxusobjekte in der britischen Hauptstadt. Der SF las regelmäßig die Artikel und hatte Ende 2010 die Idee, so etwas Ähnliches für den Fußball zu machen. Es gibt ja eindeutige Parallelen. Die Premier League wird ebenfalls von Multimillionären bevölkert, die die sofortige Erfüllung ihrer Wünsche erwarten. Und genau wie Immobilienmakler, die auf der Insel als eine der am wenigsten vertrauenswürdigen Berufsgruppen gelten – nur Politikern, Bankern und Journalisten glauben die Briten laut einer Umfrage des Daily Telegraph aus dem Jahr 2012 weniger –, stehen auch Profikicker im Verdacht, ihre Kunden beziehungsweise Fans öfters ein wenig für dumm verkaufen zu wollen. Die Wahrheit liegt nicht (nur) auf dem Platz.

Der SF kontaktierte den Guardian, im Januar 2011 wurde seine erste Kolumne veröffentlicht. Das Stück handelte vom schwierigen Umgang der Profis mit dem Nachrichtendienst Twitter. Es war interessant, die überwiegend positiven Reaktionen der Leser in den Online-Kommentaren zu verfolgen, denn der SF hatte die asymmetrische Kommunikation im Netz auf den Kopf gestellt: Hier war ausnahmsweise nicht der User anonym, sondern der Journalist. Kurioserweise nahmen die Leser ihm seine Erlebnisse gerade deswegen ab.

Die Kolumne wurde zum großen Erfolg, das Buch machte den SF zum kulturellen Phänomen. Auf seiner Internetseite www.the-secretfootballer.com schreiben mittlerweile auch geheime Experten, Journalisten, Spielerfrauen, Fans und Sportmediziner über das Spiel.

Vieles, was der SF und seine anonymen Mitstreiter über den englischen Fußball berichten, ist nicht sehr schmeichelhaft. Sie malen das Bild eines Sports, der im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs die Bodenhaftung mehr oder minder komplett verloren hat. Zugleich haben all die indiskreten, lustigen, beängstigenden Anekdoten, die der SF verrät, den Fußball und seine Protagonisten wieder viel näher an sein Publikum zurückgeführt. Der aufregende, vielschichtige Blick hinter die Kulissen erlaubt, was das Hochglanzprodukt Premier League normalerweise verhindert: die Anteilnahme mit den Aktiven. Der Secret Footballer und sein faszinierendes Buch sind – trotz des Zynismus und der Desillusionierung, die aus ihm sprechen, trotz der Sex-Skandale, Alkoholexzesse und obszön vielen Nullen auf dem Konto – vielleicht sogar das Beste, was dem englischen Fußball im Annus horribilis 2012 passieren konnte. Einen Europameisterschaftstriumph gegen die Deutschen (im Elfmeterschießen?) ausgenommen, versteht sich.

Raphael Honigstein, Jahrgang 1973, berichtet unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und den britischen Guardian über englischen und deutschen Fußball. Er ist der Autor von Harder, Better, Faster, Stronger: Die geheime Geschichte des englischen Fußballs (2006) und arbeitet als Bundesliga-Experte für den amerikanischen Sender ESPN.

Einleitung

Von Paul Johnson

DIESES Buch ist nicht als reißerischer Enthüllungsreport für sensationslüsterne Voyeure gedacht. Seitdem der Secret Footballer Anfang 2011 seine erste Kolumne für den Guardian verfasste, wurden zahllose Versuche unternommen, seine Identität zu enthüllen. Dazu unterwarfen eifrige Tüftler seine Texte und die darin genannten Namen, Orte, Spiele und Vereine einer geradezu forensischen Analyse. In Fanforen wird kontrovers und kenntnisreich diskutiert, es gibt sogar eine Website, die sich nur diesem Thema widmet: whoisthesecretfootballer.co.uk. Mehrere Dutzend Spieler sind bereits als Secret Footballer ausgemacht worden. Je nachdem, wer als Kandidat gehandelt wird, spielt er für Blackburn, Sunderland, Fulham, Bolton, Wolverhampton, Burnley, Newcastle, Leicester, Liverpool, West Ham, Everton, Spurs, Birmingham oder Celtic. Und noch ein paar andere.

Seinem Wikipedia-Eintrag zufolge ist er Engländer und hat für mindestens zwei Premier-League-Klubs gespielt. Die Debatten und das Rätselraten sind ebenso unterhaltsam wie nachvollziehbar – und vielleicht wird der Secret Footballer eines Tages seine wahre Identität preisgeben. Um aber weiterhin so detailreich über das Geschäft und die beteiligten Personen schreiben zu können, muss er einstweilen anonym bleiben. Seine ehemaligen Klubs wären über seine Offenherzigkeit alles andere als erfreut und würden ihm vermutlich Vertragsbruch vorwerfen. Auch sein Berater hätte wenig Verständnis, ganz zu schweigen von seinen früheren Trainern.

Der Secret Footballer erzählt, wie es ist, gegen Manchester United ein Tor zu schießen, oder auch, John Terry „mit Schmackes in die Waden zu treten. Er beschreibt sein Leben als Profi mit einem über 1,4 Millionen Pfund dotierten Vertrag (sowie einer monatlichen Hypothek von 19.000 Pfund) und den, wie er es ausdrückt, „ganz neuen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Er berichtet von gerissenen Betrügern, Geldumschlägen, den Deals, den komplizierten Prämien; von hinterhältigen und verständnisvollen Trainern; von guten und schlechten Teamkameraden; von den Medien, den Frauen und den Ausschweifungen; er lässt nichts aus, weder die unterhaltsamen Anekdoten noch die erschütternden.

Aber der Secret Footballer ist anders als die anderen, und das war schon früh in seinem Leben so. Er erzählt von der ärmlichen Wohnsiedlung, in der er aufgewachsen ist, und von den gebrauchten Turnschuhen, in denen er als Junge spielte. Er stammt aus bescheidenen, aber geborgenen Verhältnissen. Wir erfahren, dass sein Vater ihn ermunterte, Klassiker wie Shakespeare, Dickens und Joyce zu lesen. Zum Profifußball kam er nicht auf dem üblichen Weg, und er hatte mit dem Widerspruch zu kämpfen, als Fußballprofi einerseits seinen Traum leben zu dürfen, andererseits von der Realität des Geschäfts zermürbt zu werden. Das gleiche Spannungsfeld wird in seiner Entschlossenheit deutlich, seine Herkunft aus der Arbeiterklasse nicht zu verleugnen, während er eine Vorliebe für edle Weine und kostspielige Urlaube entwickelte. All dieser Druck machte ihn unsicher, verschlossen und unberechenbar, bis er ganze Tage nur damit verbrachte, nach dem Training zu Hause auf einem Stuhl zu sitzen. Wie er schließlich Hilfe suchte und fand, davon erzählt der Secret Footballer ohne Bedauern als einer unveränderlichen Realität seines Lebens.

Vor ein paar Jahren las er in der Financial Times die Kolumne eines Immobilienmaklers, der anonym von einer Welt berichtete, zu der normalerweise nur Eingeweihte Zugang haben und in der es viel komplexer, gefährlicher und heuchlerischer zuging, als die Öffentlichkeit es jemals für möglich gehalten hätte. Die Parallelen zum Fußball lagen auf der Hand. Fußball wird von Millionen Menschen verfolgt und in den Medien bis ins kleinste Detail durchleuchtet. Trainer und Spieler geben Interviews, Ex-Profis schreiben Kolumnen, und über alles Mögliche – von den Finanzen und der Taktik bis hin zum Privatleben der Spieler – wird berichtet und diskutiert. Aber was wissen wir wirklich über das Geschäft? Die Antwort des Secret Footballers lautet schlicht und einfach: nicht besonders viel.

Also kam ihm die Idee für eine regelmäßige Kolumne. Er wandte sich an uns, d. h. unseren Sportchef Ian Prior und mich, und wir waren der Meinung, die Sache hätte enormes Potenzial. Aber wir hatten auch Zweifel: Würde er wirklich aufrichtig schreiben? Was würde er verheimlichen? Konnte er überhaupt schreiben? Als der erste Text eintraf, waren sämtliche Zweifel weggefegt – und seitdem ist er immer besser geworden. Dieses Buch war seine Idee, und alles, was darin steht, sind seine eigenen Worte, seine eigenen Erfahrungen, seine eigenen Empfindungen und seine eigenen Gedanken. Er ist ein außergewöhnlicher Mann.

Paul Johnson ist stellvertretender Chefredakteur Guardian News & Media.

KAPITEL 1

Erste Schritte

ALS ich Profi wurde, habe ich mir geschworen, niemals wie die verbitterten alten Säcke zu enden, die mein neuer Klub so gerne zu verpflichten schien. Keiner von denen hielt es für nötig, mir ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Stattdessen ließen sie keine Gelegenheit aus, mir jedes kleine Missgeschick unter die Nase zu reiben. Ich hatte keine Ahnung, dass Profis um zehn Uhr morgens mit dem Training anfangen und mittags Feierabend machen. Also saß ich nach meiner ersten Einheit brav in der Kabine und wartete darauf, nach Hause geschickt zu werden. So etwas wie ein Handbuch für angehende Fußballprofis gibt es leider nicht. Man hat entweder ein Näschen dafür, wie der Hase läuft, oder eben nicht. Ich jedenfalls war so unbedarft wie meine Spielweise.

Ich kann von Glück sagen, dass mir eine klassische Ausbildung im Jugendbereich erspart geblieben ist. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen hatte ich schon immer ein Problem mit Autorität, vor allem dann, wenn sie nur dazu dient, der Autoritätsperson ein gesteigertes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Zum anderen bin ich eher das, was man gemeinhin als Straßenfußballer bezeichnet. Einen durch das System geformten Spieler erkennt man sofort, aber was die Leute wirklich sehen wollen, sind doch die Naturtalente, denen man nicht viel beibringen kann oder muss.

Lionel Messi und Wayne Rooney zum Beispiel brauchen keinen Trainer. Sie spielen so, wie sie schon als Zehnjährige auf der Straße gespielt haben. Natürlich müssen sie sich einer bestimmten Spielweise oder einem System unterordnen, aber im Großen und Ganzen spielen sie einfach drauflos. Ich bin weit davon entfernt, ein Messi oder Rooney zu sein, aber ich habe in meiner Karriere immer so gespielt, als hätte ich nichts zu verlieren. Für mich gab es nichts Schöneres, als gegen Spieler anzutreten, denen alles in die Wiege gelegt worden war, und mir hinterher die Flasche Schampus als „Man of the Match" abzuholen. Nicht weil ich so gerne Champagner trinke, sondern weil es sich jedes Mal wie ein kleiner Sieg für all diejenigen anfühlte, die es nicht so weit gebracht hatten wie ich.

Als Frischling verdrückte ich mich sofort in eine Ecke der Kabine, wo ich den Platzhirschen nicht in die Quere kam, vom Trainer aber noch gesehen werden konnte. Leider bekam ich es gleich am ersten Tag mit einem skandinavischen Spieler zu tun, der zu den verbitterten alten Säcken gehörte und um sein Revier fürchtete. Als ich beim Mittagessen war, verteilte er meine Klamotten in der Kabine, auf dem Flur und in der Dusche. Das war ein ziemlicher Schock für mich. Ich war davon ausgegangen, dass wir ein Team sind, eine Gruppe von Gleichgesinnten mit einem gemeinsamen Ziel, die sich gegenseitig helfen und unterstützen. So kann man sich täuschen. Wenn ich in meiner Karriere etwas gelernt habe, dann die bittere Lektion, dass jeder Spieler ausschließlich seine eigenen Interessen verfolgt. Egal ob Freund oder Feind, jeder ist sich selbst der Nächste. Dass manche meiner Kollegen nur wegen des Geldes spielten und das zum Teil auch noch ziemlich schlecht, hat mich damals wirklich erschüttert. Gleichzeitig bedeutete es einen enormen Schub für mein Selbstvertrauen.

Als ich klein war, kickte ich rund um die Uhr. Ich nahm sogar einen Ball mit ins Bett, um gleich nach dem Aufstehen Ballhochhalten üben zu können. Nach der Schule schaute ich mir jeden Tag das Video 101 Great Goals an (das mit Bobby Charlton auf dem Cover) und versuchte, sämtliche Tore nachzustellen. Entweder im Park, wo ein Schaukelgestell als Torgehäuse diente, oder direkt hinterm Haus, wo zwei perfekt proportionierte Kastanien standen und ich genug Platz für Distanzschüsse hatte, wie den Kracher von Emlyn Hughes für Liverpool (ich weiß nicht mehr, welchen Platz es belegte, aber das Tor habe ich besonders gemocht, weil man Hughes beim Jubeln wie einen Irren schreien hört).

Deswegen wollte ich Fußball spielen: Es versprach Ruhm und Glück und bot einen Ausweg aus dem Alltagstrott, den das Leben in einer Kleinstadt unweigerlich mit sich brachte. Mein Ziel war es, Weltmeister zu werden. Von meinem Vater hatte ich das Panini-Album zur WM ’86 geschenkt bekommen, und es gab für mich nichts Spannenderes, als darin

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