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American Hero

American Hero

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American Hero

Länge:
653 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 3, 2020
ISBN:
9783864897832
Format:
Buch

Beschreibung

Der internationale Bestseller liegt jetzt endlich zum ersten Mal mit einem weiteren Vorwort und allen Ergänzungen des Autors in deutscher Fassung vor.

Eine beinhart erzählte Realsatire aus der Küche des "großen Satans": Es ist die Zeit von George Buch senior, der um jeden Preis wiedergewählt werden will. Sein Berater Lee Atwater, exzellenter Stratege und Machtmensch, entwickelt noch auf dem Sterbebett einen Notfallplan, der die Wiederwahl garantieren soll: die Inszenierung eines Kriegs auf Hollywood-Niveau, ein Krieg als Medienereignis, ein Medienrauschen, das wie ein zäher Brei alle Wahrheiten erstickt. Der Thriller erschien 1993 in USA unter dem Titel American Hero und wurde ein internationaler Riesenerfolg. Unter dem Titel Wag the Dog, kongenial mit Dustin Hoffmann, Robert de Niro und Woody Harrelson verfilmt, kam eine stark veränderte Fassung 1997 ins Kino und wurde ebenfalls ein Welterfolg.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 3, 2020
ISBN:
9783864897832
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

American Hero - Larry Beinhart

American Hero

Larry Beinhart

Übersetzt von

Jürgen Bürger und Peter Torberg

Titel der amerikanischen Originalausgabe »American Hero«, 1993, bzw. »Wag The Dog«, 2003

Copyright © 1993, 1995, 2003, 2020 by Larry Beinhart

Copyright der deutschen Übersetzung © 1994, 2020 by Jürgen Bürger + Peter Torberg

Mehr über unsere Autoren und Bücher: www.westendverlag.de


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.


ISBN: 978-3-86489-783-2

© Westend Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2020

Redaktion: Doris Engelke

Umschlaggestaltung: Till Kaposty-Bliss + Westend Verlag GmbH

Satz: Westend Verlag GmbH

Für meine Kinder James Irving und Anna Genevieve Beinhart, die das Glück haben, wie ich in einem reichen, sicheren und bedeutenden Land geboren zu sein. Hoffen wir, dass es so bleibt. Und für Gillian Farrell, meine Frau und ihre Mutter – ein außergewöhnlicher Mensch.

Danksagung

Mein Dank gilt der Bücherei von Woodstock und deren Bibliothekaren – vor allem Judy Fischetti – die mir den größten Teil der Bücher, Filme und Videos besorgt haben, die bei der Arbeit an diesem Buch immens hilfreich waren.

Die meisten Informationen beziehen wir aus stereotypen, plakativen Zeitungsartikeln und Schlagzeilen. Wann immer wir etwas besser verstehen wollen oder müssen und ein wenig ernsthafter erfassen wollen, stellen unsere Bibliotheken die ergiebigste Quelle dar. Oft genug sind sie auch unsere einzige. Und für die Allgemeinheit die einzig erschwingliche. Sie verdienen unsere Unterstützung.

Mein Dank gilt ebenfalls Lieutenant Colonel Ky L. Thompson (United States Marine Corps i. R.). der so freundlich war, das Manuskript zu lesen und meine krassesten Fehler in Bezug auf die Marines zu korrigieren.

Inhalt

Einführung

Vorwort zur Neuausgabe 2020

Vorwort zur Ausgabe 2003

AMERICAN HERO

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Propaganda

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Verschwörung

Endnoten

Dies ist ein Roman. Viele Personen des öffentlichen Lebens tauchen im Text auf. Ihre Aussagen und Handlungen, so wie sie hier dargestellt werden, entspringen der Vorstellungskraft des Autors, mit Ausnahme jener Fälle, die sich durch allgemein zugängliche Unterlagen belegen lassen.

Manche Menschen finden, Dichtung und Wahrheit seien heute schwerer auseinanderzuhalten als früher. Sie könnten unterstreichen, was in der Einleitung zu »The Heroes of Desert Storm« der Fernsehgesellschaft ABC gesagt wurde: »Dieser Film basiert auf wahren Geschichten und verbindet Dokumentaraufnahmen mit Spielszenen, an denen Schauspieler und tatsächlich Beteiligte mitwirken. Um Realismus zu erzielen, wird zwischen beiden Elementen nicht unterschieden.«

Larry Beinhart

Der Leser wird vielleicht überrascht sein, dass der Roman Fußnoten enthält. Diese Fußnoten enthalten zusätzliche Erläuterungen, Hintergrundinformationen, Quellenangaben und Reflexionen und sind ein wesentlicher Bestandteil des Romans. Nicht zuletzt diese Anmerkungen zeigen, dass »American Hero« nicht nur ein spannender Thriller ist, sondern auch ein Buch über die Rolle der Medien in der Politik, über Hollywood und den Golfkrieg.

Vorwort zur Neuausgabe 2020

Die Wahrheit zu sagen ist harte Arbeit.

Und wird schlecht bezahlt.

Und oft will sie niemand wissen.


Sich Geschichten auszudenken macht großen Spaß, Geschichten zu erzählen, vergnügt die Wirklichkeit zu zerdeppern und aus den Scherben Geschichten zu basteln, die besser sind als die Wirklichkeit, auch.

Mit so was kann man Geld verdienen.

Nicht nur für sich. So was hilft auch, die Geschichten zu präsentieren und zu verkaufen.


Wag the Dog, ursprünglich American Hero, war eine erfundene Geschichte über die erfundene Geschichte, mit der der erste Golfkrieg präsentiert und verkauft wurde.

Rückblickend werden zwei Dinge immer deutlicher.

Einerseits wurde die Sache außergewöhnlich gut umgesetzt. Ein Land war überfallen und besetzt worden. Das war ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht, und so der Auslöser für einen legalen Krieg – vom Weltsicherheitsrat bestätigt –, um die Unverletzlichkeit nationaler Grenzen deutlich zu machen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten verjagten die irakischen Streitkräfte aus Kuwait. Bis zu diesem Punkt bewegte man sich im rechtlich abgesicherten Rahmen. Die Ordnung wurde wiederhergestellt. Die Kampfhandlungen ruhten.

Der Krieg wurde präsentiert (und darum geht es in diesem Buch) als Der Zweite Weltkrieg – Zwei – Die Miniserie. Mit Saddam Hussein als Hitler. Die Geschichte implizierte logischerweise, dass sie mit Saddams Tod enden sollte, sein Land war befreit und zu einer den Westen liebenden Demokratie geworden.

Allerdings war die einzige nennenswerte Kritik an dem Krieg die, dass er nicht genauso endete wie die Erzählung.

Der tatsächliche Erfolg des realen Krieges wurde nicht einfach nur vergessen; es war, als hätte es ihn nie gegeben.


Dann kam der Film Wag the Dog, an die Clinton-Ära entsprechend angepasst.

Bei allen Unterschieden zeigten beide, Buch wie Film, wie Wahrheit manipuliert wird. Besser machte das gar nichts.

Als dann der Zweite Golfkrieg kam, waren die Lügner noch dreister. Die Hüter der staatlichen Ordnung waren zu Dienstpersonal mutiert. Das Publikum war leichtgläubiger geworden.

Die Wirklichkeit schlug zurück. Die Vorstellungen davon, wie die Sache auszugehen hatte, führten zum Zusammenbruch und den Bürgerkriegen im Irak, dem Aufstieg des Islamischen Staats, den syrischen Bürgerkriegen und dem endlosen Krieg in Afghanistan.

Aus der Phantasie-Wirtschaft entstanden die Weltfinanzkrise von 2008 und die Große Rezession.

Wir – die wunderbare Öffentlichkeit – waren aufgewacht. Wir konnten mit Recht erwarten, dass dasselbe für die Hüter der staatlichen Ordnung gilt.


An dieser Stelle möchte ich eine Anekdote erzählen.

Vor etwa zehn Jahren war ich zu einem Dinner eingeladen. Dort geriet ich mit einem angenehmen Menschen, den ich kennenlernte, als wir beide in der Küche aushalfen, in eine recht heftige, aber freundliche, politische Diskussion. Später raunte mir jemand zu, dass er ein namhafter Richter an einem Bundesgericht sei. Er sagte: »Sie sind bestimmt einer von den Leuten, die meinen, John Yoo dürfe nicht an der Universität Berkeley lehren.«

Hier möchte ich Ihnen Das Urteil von Nürnberg (1961) ans Herz legen, einen bis heute großartigen Film über die Kriegsverbrecherprozesse. Er ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, weil die dort Angeklagten nicht zur obersten Führungsebene gehörten, keine Leute wie Adolf Eichmann und auch nicht an Massenhinrichtungen beteiligt. Es waren Richter. Hoch angesehene Menschen, die das geltende Recht ihres Landes anwendeten.

Yoo gehörte von 2001-2003 dem Justizministerium unter George W. Bush an. Während dieser Zeit verfasste er Memoranden, mit denen die Anwendung von Folter gerechtfertigt wurde. Folter ist ein Kriegsverbrechen. Er vertrat die Theorie, dass der Präsident in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der Streitkräfte über den Gesetzen, Verträgen, ja sogar über den ihm durch die Verfassung gesetzten Grenzen steht. Folglich stünde jeder, der seine Befehle ausführt, ebenfalls über dem Recht. Damit war »Ich habe nur Befehle ausgeführt« wieder als gültige Rechtfertigung installiert. Was gleichzeitig die Nürnberger Prinzipien zunichtemacht. Yoo plädierte dafür, den Grundsatz »Vor dem Gesetz sind alle gleich« durch ein dreistufiges System zu ersetzen: der Präsident und seine Apparatschiks an der Spitze; wir, die breite, ihnen unterworfene Masse und schließlich, ganz unten, diejenigen, die nach Guantanamo, Abu Ghraib und in verschiedene Black Sites geschickt werden.

Meine Antwort an meinen neuen Freund, den Richter, lautete: »Nein. Ich denke, dass Yoo lehren soll« – ich halte sehr viel von Redefreiheit – »aber ich denke ebenfalls, er sollte wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt werden.«

Was natürlich nie geschah.

Ende September 2018 las ich in der New York Times einen Gastkommentar: Hütet euch vor einem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Das könnte dem Amt des Präsidenten Schaden zufügen. Verfasser war John Yoo. Ausgewiesen wurde er als »Jura-Professor an der University of California, Berkeley, Gastdozent am American Enterprise Institute und Gaststipendiat an der Hoover Institution.« Dass er nach den Grundsätzen der Nürnberger Prozesse wegen Kriegsverbrechen hätte verurteilt werden müssen, blieb ebenso unerwähnt, wie dass er der Verfasser der Folter-Memos war.

Das meine ich, wenn ich vom Versagen der Hüter der staatlichen Ordnung spreche.


Es ist kein Geheimnis, dass diese Hüter uns im Stich gelassen haben. Dass die New York Times geholfen hat, uns den Zweiten Golfkrieg zu verkaufen. Dass keiner, der uns in Bushs Kriege gelockt beziehungsweise diese geführt hat, für ihre Fehler und das ungeheure Leid büßen musste, das sie verursacht haben. Dass buchstäblich niemand an der Wall Street für die Betrügereien und Verbrechen zur Verantwortung gezogen wurde, die uns die Katastrophe von 2008 beschert haben. Dass niemand belangt wird, wenn Wells Fargo tausendfach betrügt. Selbst wenn es immer wieder passiert. Dass die Wirtschaftswissenschaften versagt haben, und wir nun eine Austeritätspolitik in Großbritannien erleben, die Banken retten und auf die Menschen in Griechenland einen Scheiß geben; den Schwachsinn der Reaganomics-Trickle-down-Theorie verbunden mit dumpfbackigem Trump-Geheul, während die Ungleichheit in den USA immer größer wird.

Wir leben in einer Welt mit zu wenig Wahrheit und zu vieler institutionalisierter Lügen.

Das wiederum hat den Weg bereitet für Donald Trump, Boris Johnson, Viktor Orban und ihresgleichen. Wenn sie lügen, an wen wenden sich die Menschen, wenn sie Wahrheit wollen?

Der große Feind der Lügen ist die Wirklichkeit. Sie schlägt zu, sie beißt, sie bricht aus, sie vernichtet. Sie ist leider der schmerzhafteste Weg, zur Wahrheit vorzustoßen. Können wir Hüter finden, die uns zur Wahrheit führen, bevor es weh tut?

Bis dahin hat dieses Buch eine Menge Spaß zu bieten.

Vorwort zur Ausgabe 2003

Zehn Jahre später.

Bei Wag the Dog geht es um Realität als Fiktion.

Zuerst gab es einen Krieg.

Ich habe ihn im Fernsehen verfolgt. Ich sagte zu jemandem: »Das sieht ja aus wie ein Fernsehfilm.« Ich bekam nicht die Reaktion, die ich wollte, entweder ein prustendes Lachen oder ein plötzlicher Lichtblitz der Erkenntnis. Man dachte wohl, ich fände, der Film sähe aus wie eine Mini-Serie oder der Sender behandelte ihn, als wäre er einer.

Aber das meinte ich nicht. Ich meinte vielmehr, dass er für ein Publikum geschrieben und gespielt wurde, für uns, die Wähler in der vermeintlichen Demokratie von Amerika.

Um diesen Gedankengang zu erklären, habe ich dieses Buch geschrieben. Der ursprüngliche Titel lautete American Hero.

Darin wird ein Filmregisseur, einer wie Spielberg oder Lucas oder ein x-beliebiger anderer, engagiert, um den Krieg zu inszenieren, den wir als Operation Desert Storm erlebt haben. Ich behaupte nicht, dass meine Geschichte der Wahrheit entspricht. Es ist jedoch eine Fiktionalisierung der Wahrheit. Und obwohl es eine erstklassige Verschwörungsgeschichte ist – wenn man sich hinsetzt und sie vergleicht mit der Vortäuschung, die die Netzwerke als Realität präsentieren, wird man sich für diejenige entscheiden, die offiziell als Fiktion gilt.

Das ist meine Behauptung. Ich lade Sie ein, sich ein eigenes Urteil zu bilden, denn genau darum geht es bei der ganzen Geschichte.

Und dann gab es den Film.

Ich werde immer gefragt, ob mir als Autor des Romans der Film gefallen hat. Ich fand den Film super. Er ist hervorragend.

Als nächste Frage kommt dann, ob der Film das Buch wiedergibt. Die Antwort lautet, ja, der Film ist exakt wie das Buch, sie haben nur die Figuren und den Plot geändert.

Im Buch geht es um einen realen Präsidenten, George Bush, den Ersten, und einen realen Krieg, den ersten Golfkrieg, mit realen Bomben, viel Blut und toten Menschen.

Im Film geht es um einen frei erfundenen Präsidenten – von dem wir lediglich wissen, dass er eine Affäre mit einem jungen Mädchen hat, was genügt, damit jeder sofort an Bill Clinton denkt – und um einen frei erfundenen Krieg – keine Bomben, keine Kugeln, keine Leichen – nur Presseverlautbarungen und inszenierte Videoclips. Einschließlich Titelsong und Fanartikel.

Hätte der Film versucht, sich eng ans Buch zu halten, er wäre vermutlich gescheitert. Man hat filmische Entscheidungen getroffen. Eine meiner Lieblingsstellen ist die, wo Willie Nelson die Titelmusik für den Krieg komponiert; das ist eine perfekte Satire auf das damals allgegenwärtige Video zu We Are the World. Das war vollkommenes Kino, geht weit hinaus über die Möglichkeiten von Literatur.

Der Roman dagegen trifft Buch-Entscheidungen. Zum Beispiel die Fußnoten.

Zufällig liebe ich Fußnoten. In ihnen steht oft das Zeug, das nicht in ein Buch passt, der Autor aber so interessant fand, dass er es nicht einfach unter den Tisch fallen lassen wollte. Außerdem erfährt man durch sie, woher eine Information stammt. Was außerordentlich wichtig ist, um die Qualität einer Information zu beurteilen. In diesem speziellen Buch verdeutlichen die Fußnoten, wie die Erschaffung von Wirklichkeit bewerkstelligt wird, was im Grunde identisch ist mit dem Inhalt des Titelsongs von Willie Nelson.

Der Film hatte erheblich mehr Zuschauer als das Buch Leser. So ist das mit Filmen. Wag the Dog wurde international zum Inbegriff für gefakte Kriege, nur inszeniert, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Zweifellos hat er den Zynismus gesteigert und so ein höheres Bewusstsein dafür geschaffen, dass reale Ereignisse um ihrer politischen Wirkung willen erdacht und inszeniert werden.

Hat das unsere Medien wachgerüttelt und dafür gesorgt, dass ihre Fragen und Einschätzungen schärfer und pointierter werden? Hat es unsere Führer beschämt? Zögern sie jetzt, bevor sie erkennbar unwahre Behauptungen und durch nichts zu untermauernde Beschuldigungen aussprechen? Ist das Niveau unseres nationalen Diskurses gestiegen?

Die Antwort auf alle drei Fragen ist ein eindeutiges »Nein!«

In den zehn Jahren seit Erscheinen des Buchs und den sieben Jahren seit der Premiere des Films sind die Leicht- und die Gutgläubigkeit der Medien nur noch größer geworden. Der aktuelle Präsident George Bush der Jüngere bzw. der Kleinere nannte die 9/11-Terroristen »Feiglinge«. Bill Maher sagte in einer Sendung mit dem Titel Politically Incorrect: »Marschflugkörper aus 2.000 Meilen Entfernung abzuschießen ist feige. In dem Flugzeug zu bleiben, während man es in das Hochhaus krachen lässt – egal, wie man dazu steht, aber eines ist es ganz sicher nicht: Feige.« Maher wurde gefeuert, die Sendung abgesetzt. Zumindest ein Teil der Medien hätte sich empören müssen, nicht unbedingt, um Maher zu verteidigen und ihm seinen Job zurückzuholen, sondern in Verteidigung der Wahrheit, die ausgesprochen werden muss. Leider ist das nicht geschehen.

Dieses Schweigen hat allen Beteiligten ganz klar signalisiert, dass andere, viel gefährlichere Fiktionen nicht in Frage gestellt werden: »Sie hassen uns wegen unserer Freiheiten«, Saddam Hussein hatte Verbindungen zu den 9/11-Terroristen, er besaß Massenvernichtungswaffen und wenn wir abwarteten, könnte »ein Atompilz« der »finale Beweis« werden, um nur einige zu nennen. Und dass es nie und nimmer eine ernsthafte Diskussion darüber geben würde, wie ein Krieg gegen den Terror aussehen oder worin er bestehen sollte.

Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren habe ich das Buch wieder in die Hand genommen und gelesen, um dieses Vorwort zu schreiben. Einerseits freue ich mich, dass es immer noch aktuell ist. Andererseits war ich entsetzt und ertappte mich bei der Frage, ob jemand aus der Regierung Bush es wohl gelesen und als konkrete Handlungsanleitung benutzt hat.

Bei der Arbeit am Drehbuch für GK I überlegt der Regisseur im Roman:

… erklärt dem Terrorismus den Krieg. Nicht wie bei diesem Krieg-den-Drogen-Quatsch. Richtiger Krieg, wir marschieren ein und radieren ganze Städte aus. Die Taktik der verbrannten Erde. Wenn sie sich in Libyen verstecken wollen, marschieren wir in Libyen ein. Syrien. Wo immer sie versuchen, sich zu verstecken! …

Bush, wütend und trauernd, führt die Nation – die Nationen, Plural – des Westens in einen Heiligen Kreuzzug gegen den Terrorismus. …

Die Terroristen wären Moslems. Die reaktionären Kräfte des Aberglaubens und der Unterdrückung des Ostens gegen den rationalen, moralischen, nach vorn schauenden Westen. Das sprach den atavistischen Hass an. Christen gegen Moslems! Voilà – Titel des Projektes: Die Kreuzzüge.

Zuerst war das Buch.

Dann gab es einen Krieg.

Der Krieg gegen den Terror, den Sie heute im Fernsehen sehen, macht Fiktion zur Realität.

AMERICAN HERO

Kapitel 1

Er hielt sich für einen zweiten Machiavelli. Für einen politischen Theoretiker. Den Meisterintriganten. Für den cleversten und skrupellosesten Mann des Reiches.

Und um ein Reich handelte es sich zweifellos, in vielerlei Hinsicht um das größte Reich, das die Welt je gesehen hatte, auch wenn es sich in politischen Kreisen nicht gehörte, dies auszusprechen. Auf jeden Fall übertraf es kleinere Reiche wie das der Borgias oder den Einflussbereich der Medicis und aller dieser italienischen Stadtstaaten so sehr, als würde man einen Elefanten mit einer Ameise vergleichen wollen. Dieses Reich konnte – ganz gleich was die politisch korrekte Ausdrucksweise gerade war – tatsächlich nur mit Rom verglichen werden, als Rom der Inbegriff des Reiches war.

Und er war der Königsmacher. Der König trug vielleicht keine Krone, aber er war der Erste im Lande. Armeen unterstanden seinem Kommando, er konnte Milliarden ausgeben, und er besaß die Macht, Reichtümer zu schaffen und Leben zu zerstören. Der Träumer auf dem Bett war der Mann, der den König beriet. Was tatsächlich mehr war, als der Meister Niccolò Machiavelli ¹ je erreicht hatte.

Obwohl er delirierte – Folge der tödlichen Krankheit, der starken Medikamente, die ebenso wirkungsvoll wie einschläfernd waren, und der Angst, schließlich stand der Tod bevor, und der Träumer wusste das – enthielten seine Gedanken nichts Unwahres. Sie waren vielleicht ein wenig zu bunt, eine kostümierte Version der Wirklichkeit, aber sie waren dennoch fundiert, zutreffend, real. Er hätte dieselben Gedanken zu Hause haben können, gesund, bei einem uramerikanischen Nationalfeiertagsbarbecue – Hühnchen und Ribs und Wassermelone, Whiskey und gut gekühltem Bier, umgeben von seiner Familie, Freunden, Speichelleckern, Günstlingen, Lobbyisten, Intriganten, Gefolgsleuten, Nachahmern, Möchtegerns, den Milliardären und Händlern der Macht – und er hätte jedes Recht dazu gehabt.

»Er schläft«, sagte die Krankenschwester leise. Sie war nicht hübsch, aber sie war sehr sauber, und sie war weiß. »Vielleicht wacht er bald auf.«

Der Besucher sah sie fragend an.

»Sie können hier warten«, sagte die Krankenschwester und deutete auf einen Stuhl neben dem Bett. »Wenn Sie möchten«, fügte sie schüchtern hinzu. Man befand sich in keinem öffentlichen Krankenhaus mit all seinen Besuchszeiten und Regeln, wo die Ärzte und selbst die kleinen Krankenschwestern den Patienten, deren Familien, Freunden oder regelmäßigen Besuchern vorschrieben, was sie wann zu tun und zu lassen hatten, und erwarteten, dass man ihnen gehorchte.

»Hat er nach mir gefragt?«, wollte der Besucher wissen.

»Ja«, sagte sie. »Er sagte, es sei wichtig. Sehr wichtig. Aber«, fügte sie schnell hinzu, »mehr hat er nicht gesagt«, so als wollte sie dem Besucher versichern, dass sie nicht mehr wusste, als sie wissen sollte.

Der Besucher überlegte. Er war ein sehr, sehr beschäftigter Mann. Sehr beschäftigt. So ziemlich der Beschäftigteste im Imperium. Also. Der Mann, der hier im Sterben lag, war ein Freund gewesen. Ein Kollege. Teil des Gewinnerteams. Der Besucher beschloss, dass er wohl zehn Minuten erübrigen konnte. Wenn der Träumer aufwachte und redete, dann hatte die Mission ihr Ziel erreicht. Wenn nicht, dann hatte er seine Pflicht getan und konnte guten Gewissens gehen.

Der Patient hieß Lee Atwater. ² Ein Hirntumor würde sein Leben beenden.

Dies war eine so perfide Ironie des Lebens, dass selbst seine Feinde es geschmacklos fanden, darüber Witze zu reißen. ³ Und seine Feinde hassten ihn zutiefst. Er hatte auf brillante und vernichtende Weise mit Unterstellungen, Halbwahrheiten und politischen Verzerrungen gearbeitet, um aus den Widerwärtigkeiten der amerikanischen Gesellschaft Kapital zu schlagen, vor allen Dingen dem Rassismus. ⁴ Rassismus war immer wirkungsvoll, aber auch gefährlich und erforderte daher das Fingerspitzengefühl eines Fachmanns. Wenn der Sterbende meinte, er allein habe George Bush 1988 zum Präsidenten gemacht, so sprach das nicht für übermäßiges Geltungsbedürfnis. Bevor Atwater seine Kampagne startete, hatte Bush in den Umfragen achtzehn Punkte zurückgelegen. Bevor Atwater jenes Medienereignis inszeniert und den Fernsehjournalisten Dan Rather so zu einem Angriff auf den damaligen Vizepräsidenten verleitet hatte, dass Bush zurückschlagen konnte, hatte George als Schlappschwanz gegolten. Ein Mann, der keinen verständlichen Satz zustande bekam, wenn er ihn nicht irgendwo ablesen konnte, ein Mann, der mit der Iran-Contra-Affäre belastet war, und so weiter und so fort, jede Menge Probleme. Mit diesem verkrüppelten Pony, mit diesem lahmen – wenn auch reinrassigen – Gaul hatte Atwater das größte Rennen der Welt gewonnen.

Die Sekunden tickten vorüber. Graue Wolken hingen vorm Fenster. Beerdigungswetter. dachte der Besucher. Noch war keine Minute vergangen, und schon war er ungeduldig. Es war dumm von ihm gewesen, sein Funktelefon nicht mit ins Krankenzimmer zu nehmen. Verdammt, es war dumm von ihm gewesen, nicht sein Telefon, ein paar Berater und ein tragbares Faxgerät mitzubringen. Wenn irgendjemand verstanden hätte, wie kostbar Zeit für einen sehr, sehr beschäftigten Mann ist, dann Lee.

Atwater hing weiter seinen Gedanken nach, träumte weiter von dem Mann, den er zum König gemacht hatte und der nach seinem Tod allein zurechtkommen musste. Obwohl Bush Präsident war und Atwater nur Berater – und noch dazu dem Tode nahe – , obwohl Bush in die Geschichte eingehen würde, während Lee froh sein konnte, wenn er mehr als eine Fußnote wurde; und obwohl Bush die Macht in Händen hielt, während Atwater nur Vorschläge machen konnte, wie sie eingesetzt werden sollte, eine Stimme von vielen in einem kakophonen Chor, hegte Atwater George gegenüber immer noch recht gönnerhafte Gefühle. Das ist normal bei politischen Beratern. Nicht anders empfinden Anwälte gegenüber ihren Mandanten. Ärzte gegenüber Patienten, Agenten gegenüber Klienten. Sie halten den Klienten für ein Produkt, das nicht in der Lage ist, selber für sich zu sorgen; das dirigiert, instruiert, umsorgt und beschützt werden muss. Wenn der Klient tut, wie ihm geheißen, dann ist er erfolgreich, kommt voran, überlebt. Wenn nicht, dann bringt er alles durcheinander, schadet sich selbst, macht dem Betreuer mehr Arbeit, ganz gleich, welchen Titel der Betreuer trägt.

Hundert verschiedene Variationen dieser Story gingen Atwater durch den Kopf, ja zum Teil rasten sie. Ein ganzes Sammelsurium von Bildern. Er war Merlin, samt Zauberstab, Mut und Umhang, für den Präsidentschafts-Artus. Cus d’Amato für Mike Tyson. Brian Epstein für die Beatles. Olivia für den Kaiser Tiberius. Seine Mission war es, den König nicht nur auf den Thron gehoben zu haben, sondern ihn auch zu beschützen – ja. selbst aus dem Grab heraus noch. Wie ein Schutzengel. Ein überirdisches Wesen. Ein Geist, der auch aus dem Grab noch Einfluss nimmt. Eine Hand, die ein Flammenschwert hält, wie der Erzengel Gabriel, und vom Himmel herunterstößt … Darin lag eine gewisse Form von Unsterblichkeit. Wenn er das tun konnte, dann war er der Durchtriebenste von allen, raffinierter noch als der Tod.

Genug, dachte der Mann auf dem Stuhl am Fenster. Ich habe meine Pflicht getan. Knapp drei Minuten waren vergangen. Er stand auf und wollte gehen.

Atwater hatte sich weder bewegt noch gesprochen. Seine Botschaft war noch immer unter Müdigkeit und Morphin vergraben. Sein Besucher stand am Bett und betrachtete den verfallenen Körper und den verbundenen Kopf. Die Kreatur, die dort lag, war einst voller übersprudelnder Vitalität gewesen, clever, tyrannisch, mit scharfem Blick und noch schärferer Zunge. Jetzt war sie von Mattheit erfüllt, die Leere hatte eingesetzt. Atwaters Hand unter dem Laken schien geballt.

Der Besucher wusste nicht, was er sagen sollte. Zu diesem Etwas, das weder sprach noch etwas sah, fielen ihm keine Worte ein. Er war nicht der Typ, der zu Menschen im Koma spricht und dann in dieser fürs Fernsehen erfundenen Redeweise sagt: »Doch, doch, er (oder sie) kann mich hören. Ich weiß es.« Egal, wozu Lee ihn herbestellt haben mochte, es musste warten. Auf die Zweite Welt, auf Himmel oder Hölle oder Washington, D. C. im Sommer, wohin auch immer tote Politiker in diesem Jahrtausend kommen mochten. Er nickte und wandte sich zum Gehen.

In Atwater erwachte der Merlin. Wie durch Zauberei durchquerte er die betäubten und schlafenden Sinne – oder vielleicht öffnete er die Passage zwischen Gefühl und Verstand. Atwater begriff, dass sein Gast da war. »Jim«, flüsterte er. »Jim.«

Die Hand auf dem Türknauf, blieb James Baker, Außenminister, stehen. Er drehte sich um. Atwater hatte die Augen immer noch geschlossen, aber er atmete tiefer, und seine Hand schien sich zu bewegen.

»Lee?«

»Aah«, ein Stöhnen, ein Grunzen, eine Aufforderung. Baker trat wieder ans Bett. Atwater schlug plötzlich die Augen auf. Der alte Falke sah ihn an. Voller List und Selbstbewusstsein. »Hör zu«, sagte er. »George …«

»George was …«

Baker hatte das Gefühl, er könne Atwaters Gedanken sehen, die sich wie Uhrwerke hinter dessen Augen drehten und ineinandergriffen. und was er zu denken schien, war: Ich brauch kein Blatt vor den Mund nehmen. Baker kann es nicht im Büro gegen mich verwenden, weil ich tot sein werde, bevor er dazu kommt – ätsch! »George«, sagte Atwater über den Präsidenten, »ist ein Schlappschwanz. Ehrgeizig, intrigant, rachsüchtig, aber trotzdem … Und er wird es vermasseln, Jim. Wenn es dazu kommt …«

»Was meinst du mit vermasseln?«

»Ich meine die Umfragen«, sagte Atwater, als sei Bakers Frage überflüssig, als gäbe es nichts anderes. »Und wenn er nichts unternimmt, auch die Wiederwahl.« Schwer vorstellbar, dass man nach Reagan, noch mal Reagan und dann Bush/Quayle, die die Opposition zermalmt hatten, die Wiederwahl nicht gewinnen würde.

»Mach dir keine Sorgen«, wiegelte Jim ab. »Wir werden uns darum kümmern. Lee.«

»Das ist mein Job. Meine Mission.« Eine Hand griff nach Baker, packte seinen Ärmel und zog ihn näher. Atwaters Atem war schlecht. Faulig stinkend. Himmelherrgott, dachte Baker, warum putzen die ihm nicht die Zähne oder lassen ihn mit Mundwasser gurgeln oder so. »Ich habe einen Plan«, sagte Atwater. Die andere Hand, die nähere, schob sich unter der Decke hervor, wo sie erkennbar geballt gewesen war. Sie hielt einen zerknitterten Umschlag. »Wenn Georgie es versaut, dann machst du den auf. Das ist eine todsichere Sache, damit gewinnt ihr hundertprozentig die Wahlen.«

»Hey, danke«, meinte Baker diplomatisch. »Ich werd’s George sagen. Er wird gerührt sein. In deinem Zustand – und du denkst an ihn.«

»Scheiß drauf«, sagte Atwater. »Mir geht es um Sieg. Denk dran, Baker. Es gibt nur zwei Dinge – Siegen und Sterben.« Er kicherte. »Zeig’s ihm jetzt noch nicht. Schau es dir nicht an. Warte …«

»Worauf?«

»Bis du in Schwierigkeiten steckst und es brauchst.«

»Ist das eine Art Zaubermünze, wie in einem Märchen oder so?«, fragte Baker.

»So ähnlich«, sagte Atwater.

»Warum darf ich es mir jetzt nicht anschauen?«

»Weil du« – Atwater holte tief Luft – »es für verrückt halten wirst. Und es wird dich erschrecken. Gleichzeitig ist die Sache aber so vernünftig und logisch, dass du gar nicht widerstehen kannst und es viel zu früh ausprobieren wirst …«

»Und dann?«

»Dann funktioniert es vielleicht nicht mehr.«

»Wie bei der Gans, die goldene Eier legt, oder den drei Wünschen der guten Fee?«

»Genau so mächtig«, sagte Atwater, der nicht ganz bei Verstand schien. Er drückte Baker den Umschlag in die Hand. Baker hatte nicht die leiseste Ahnung, worum es sich handeln konnte. »Das ist wunderbar. Der Präsident wird begeistert sein. Wenn euch erst klargeworden ist, dass es nicht verrückt ist. Ganz im Gegenteil.«

Kapitel 2

Ich bin ein echter amerikanischer Held. Wirklich. Genau das bin ich.

Fangen wir mal damit an, dass ich im Grunde ein kleiner Mann bin. Das heißt nicht, dass es mir an körperlicher Größe fehlt oder ich irgendwie unzulänglich wäre. Ich bin so was wie ein ganz normaler Bursche. Da bin ich also, ein ganz normaler Bursche. Ich will die Welt nicht ändern. Will keine große Nummer sein. Ich hab keine hochgesteckten Ziele. Ich bin einfach ein Mann, der einen Job zu erledigen hat, und ich gebe mein Bestes. Und wenn man mal sieht, was das für ein Job ist, dann ändert das natürlich manches. Ich bin ein Dick. Ein Gumshoe. Ein P.I. ¹ Der Stoff, aus dem die Träume sind. In Büchern, im Fernsehen und im Kino.

Der Unterschied zwischen mir und denen, also den Typen, die Sie normalerweise in der Flimmerkiste sehen, besteht darin, dass ich weder ein mieser Einzelgänger bin, der aus einem schäbigen kleinen Büro über einer chemischen Reinigung operiert, noch ein Playboy mit einem Lamborghini, der nur des Nervenkitzels wegen Privatdetektiv spielt. Ich arbeite für eine große Firma. Sie gehört zwar nicht zu den Fortune 500, kommt aber ziemlich nahe ran. Unsere Zentrale befindet sich in Chicago. Wir haben Filialen in zweiundzwanzig Städten der USA und in vierzehn Ländern. Ein Unternehmen wie Wackenhut oder Pinkerton, verstehen Sie. Was auch immer ein Klient braucht, wenn es um seine Sicherheit geht – wir beschaffen es. Alarmanlagen, gepanzerte Fahrzeuge, bewaffneter Wachdienst rund um die Uhr, Objektschutz, bei uns bekommt er alles aus einer Hand. Wir haben auf allen Ebenen der Firma ein Prämiensystem. Wenn Sie zum Beispiel eine der vielen von uns angebotenen Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen, könnte ich mir eine Provision verdienen, indem ich sie Ihnen anbiete, auch wenn ich strenggenommen ein Ermittler bin.

Ich arbeite hier in Los Angeles. Manchmal in Hollywood. Manchmal im Valley. Sogar in East L.A. Allerdings nicht besonders oft. Wir folgen dem Geld. Also arbeiten wir meistens für Großunternehmen. Ich persönlich habe schon für die Bank of America, Gulf Oil, Toshiba, Matsushita, Hitachi, Boeing und K-mart gearbeitet, an allen möglichen Orten. Ob wir auch Scheidungen machen? Schäbige Schlüsselloch-Spannerei? Aber selbstverständlich. Aber wenn ich’s beziffern sollte, dann würde ich sagen, jemand, der zu uns kommt, wird als Minimum eine Scheidung im Wert von einer Million Dollar im Auge haben. Sehen Sie’s mal so. Angenommen, Sie möchten Ihren Gatten einfach beschatten lassen. Weil das Herumbumsen keinen Stundenplan kennt, sind wir normalerweise rund um die Uhr im Einsatz. Tatsächlich läuft so was oft genug außerhalb der normalen Arbeitszeiten. Einmal bin ich einem Typen gefolgt, von dem seine Frau glaubte, er würde in den frühen Morgenstunden immer joggen. In seinem Yves Saint Laurent-Kombi und den Asics Gel IIIern war er morgens um halb fünf unterwegs. Das ist so früh, man könnte glatt von einer Mondscheinnummer sprechen. Wie heißt noch gleich dieser blöde Spruch? »Morgenstund hat Schwanz im Mund.« Um sechs, halb sieben kommt er dann nach Hause, springt unter die Dusche und zischt ab zur Arbeit. Was glauben Sie, wie weit läuft der Mann? Er läuft ungefähr eine Viertelmeile. An der nächsten Ecke wartet seine Freundin. In einem kastanienbraunen Dodge Minivan, überhaupt nicht schick, aber sehr praktisch. Sie treiben’s im Van. Anschließend fährt sie vielleicht eine halbe Meile, damit er zurückjoggen kann. Damit er ein bisschen Schweiß über diesen anderen Schweiß legen kann. Sehr clever. Sie würden staunen, wie viele Scheidungen ihren Anfang nehmen mit dem Satz »Ich hab die Schlampe an ihm gerochen«.

Ich schweife ab. Allerdings finde ich, Sie sollten eine ungefähre Ahnung von meiner Arbeit und dem Laden bekommen, für den ich arbeite. Ich habe vorhin von Geld gesprochen. Angenommen, Sie wollen zum Beispiel in einem Scheidungsfall jemanden rund um die Uhr beschatten lassen. Den Anwälten berechnen wir 60 Dollar pro Stunde und Mann plus Spesen. Das ist das absolute Minimum – 2.880 Dollar den Tag, 20.160 Dollar die Woche und 86.400 Dollar für einen Dreißig-Tage-Monat. Das lässt sich problemlos verdoppeln. Bei einem einfachen WBW. WBW steht für Wer Bumst Wen. Jetzt verstehen Sie, dass man so viel Geld nicht für Ermittlungen in einer Scheidungssache ausgibt, bei der nur ein paar Hunderttausend an gemeinsamem Besitz zu verteilen sind. Es muss schon um richtig viel Geld gehen.

Was ich dabei verdiene? Ungefähr 22 Dollar die Stunde, dazu kommt dann noch Urlaub und Lohnfortzahlung bei Krankheit. Außerdem haben wir ein anständiges Paket an Sozialleistungen – Krankenversicherung und Rente. Ich habe mir sagen lassen, dass das die Firma noch mal ungefähr 33 Prozent zusätzlich kostet.

Das ist weniger, als echte Cops verdienen. Aber die Arbeitsbedingungen sind besser. Und die Kollegen ebenfalls.

Das Gebäude, in dem ich arbeite, ist ein typischer L.A. Büroturm. Eine gläserne Kiste mit getönten Fenstern, downtown. Nichts unterscheidet uns von irgendeiner anderen Firma. Wirklich nicht. Früher hatte ich eine mit Tee gefüllte Flasche Bourbon in meiner Schreibtischschublade. Kleiner Scherz, verstehen Sie? Um einen auf Fernseh-Detektiv zu machen. Selbst wenn wir keine regelmäßigen Urinuntersuchungen hätten, würde ich im Büro keinen Alkohol aufbewahren. Das ist übrigens eine weitere Dienstleistung, die wir anbieten. Komplette Überprüfung Ihres gesamten Personals oder eines Teils davon, egal, ob Blut- oder Urinuntersuchung. Wir testen auf Alkohol, Marihuana, alle Opiate, Barbiturate und Amphetamine. Das ganze Spektrum oder nur eine bestimmte Droge, Sie entscheiden.

Das Büro ist in Modulen konzipiert. Variable Raumteiler, keine gemauerten Wände. Wir haben standardisierte Schreibtische, Stühle und Telefone, Neonröhren. Nicht gerade umwerfend, aber auch nicht schäbig. Meiner Meinung nach ist das von Vorteil. Darin kann sich Otto Normalverbraucher wiederfinden. Gerade die totale Normalität des Büros ist etwas erfrischend Ungewohntes.

Was ich außerdem sofort anschneiden will, ist das Thema Glaubwürdigkeit. Weil dies nämlich eine unglaubliche Geschichte ist. Eine ungeheuerliche Geschichte. Ich mache den Job jetzt schon seit zehn, fünfzehn Jahren. Immer bei derselben Firma. Zweimal jährlich werde ich fotografiert. Die Firma garantiert für alles, was wir machen. Sie können sich die Liste unserer Klienten ansehen – hochkarätige Anwaltskanzleien, Unternehmen der Fortune 500, große Filmstudios und Plattenfirmen.

Ich hatte gerade für eine der großen Banken eine Ermittlung über Sicherheitsprobleme abgeschlossen. Ich war damit beschäftigt, Schreibkram aufzuarbeiten und meine handschriftlichen Notizen in die firmeneigene Datenbank einzugeben.

Da kommt Maggie Krebs herein. Maggie gehört zu den zehn schönsten Frauen der Welt. Das ist amtlich. Direkt aus dem People Magazine. Sie kennen sie als Magdalena Lazlo. Filmstar. Ich kenne sie als Maggie Krebs, geschieden. Ich habe ihr geholfen, diese Scheidung durchzuziehen und ihr Vermögen zu behalten.

Dass so viel Glamour in unsere tristen Büros kommt, ist an sich nichts Einmaliges, aber ungewöhnlich ist es schon. Viele Stars sind die Produkte ihrer Betreuer – der Maskenbildner und Hairstylisten, der Leute für die Garderobe und der Schönheitschirurgen. In gewisser Hinsicht Produkte unserer Phantasie. Aber Maggie hat’s, auch wenn sie nicht von der Leinwand herunterschaut und ganz normal gekleidet ist. Auf dem Weg zu meinem Büro schaut ihr jeder nach, Männer wie Frauen.

»Tag, Joe«, sagt sie. Sie sieht mir direkt in die Augen, schenkt mir dieses bestimmte Lächeln, und dann diese Stimme – zu dieser Stimme kann man alles ausdenken – genau so hat sie in Over the Line geredet – und paaaf! Sie könnten mich mit einem Zahnstocher antippen, und ich fiele vom Stuhl. Natürlich lasse ich mir nichts anmerken, aber sie weiß bestimmt genau, was dieses »Tag, Joe« anrichten kann. Wie auch nicht? Starke Männer schwach und schwache Männer stark zu machen, ist ihr Job.

»Tag, Maggie«, erwidere ich. Ich spreche leise, langsam und ruhig. Nicht, weil ich mich für John Wayne halte, aber ich will nicht piepsen wie ein Vierzehnjähriger.

Sie sieht sich um. Dann beugt sie sich vor. »Joe, können wir irgendwo in Ruhe reden?«

»Wir haben einen Konferenzraum«, sage ich, muss mich beim Sprechen nicht mehr so konzentrieren, Stimme und Atmung sind langsam wieder unter Kontrolle.

»Hey, Joe«, sagt sie. »Haben Sie 25 Cents übrig?«

»Ja.«

»Warum laden Sie mich dann nicht auf eine Tasse Kaffee ein?«

»Maggie, es gibt nur sehr wenig, was ich Ihnen abschlagen könnte.«

Ich muss Ihnen etwas über diesen kleinen Dialog erzählen. Zunächst mal hat er wortwörtlich so stattgefunden. Das ist eines meiner Talente, so was wie ein fotografisches Gedächtnis. Das gilt nicht für das gedruckte, sondern ausschließlich für das gesprochene Wort. Wenn ich Ihnen also im Verlauf dieser Geschichte erzähle, dass Soundso dieses und anschließend der andere jenes gesagt hat, dann ist das so, als hätte es unser Schreibservice vom Band abgetippt.

Zweitens ist unser Geplauder im wirklichen Leben nicht immer so flott.

Drittens gibt es in Los Angeles, und wahrscheinlich in ganz Amerika kein Lokal, in dem man eine Tasse Kaffee für fünfundzwanzig Cents bekommt. Leichter wäre es, die Fünf-Dollar-Tasse Kaffee zu finden. Maggie benimmt sich also ein bisschen merkwürdig. Tatsächlich erfahre ich später, dass ihre beiden Zeilen zu einer Filmrolle gehörten, an der sie gerade arbeitete. Es besitzt schon einen gewissen Reiz, wenn ein echter Filmstar seinen Text an einem ausprobiert, als wäre man ein echter Co-Star. Es ist eine Erinnerung, mit der eine Menge Typen ins Bett gehen könnten, selbst wenn sie sich zur letzten Ruhe niederlegten. Vielleicht wissen Sie, was ich meine.

Viertens und letztens ist da noch etwas, von dem ich nicht weiß, ob sie es weiß, obwohl sie es vielleicht vermutet: Alle unsere Besprechungsräume sind nämlich gründlicher verdrahtet als das Weiße Haus unter Nixon. Alles, was in einem Konferenzzimmer von Universal Security passiert, wird aufgezeichnet. Audioüberwachung ist Routine. Zeitraffer- und Echtzeit-Videoüberwachung stehen zur Verfügung. Stimmanalyse ebenfalls.

Unsere Büros und Telefone werden abgehört, allerdings werden die Gespräche nicht immer mitgeschnitten. Der Grundsatz lautet: »Wir machen bei uns das, wofür andere uns bezahlen müssen, damit wir es bei ihren Angestellten tun.« Wir sind ein leuchtendes Beispiel für ein Leben unter totaler Überwachung durch die Unternehmensleitung.

Wir nehmen Maggies Cadillac und lassen meine alte Karre stehen. Es überrascht Sie vielleicht, dass ein Star von ihrem Kaliber einen Caddy fährt, aber den hat General Motors ihr geschenkt. Irgendeine Werbegeschichte. Die glauben, dass der neue Seville mit Mercedes, BMW, Lexus und Infiniti konkurrieren kann. Ich finde ihn ziemlich nett. Es ist ein Cabrio. Maggie fährt. Das Verdeck ist offen.

Im Wagen spricht sie nicht viel. Lässt das Radio laufen. Country and Western. Extra für mich. Das zeigt Ihnen, welche Klasse – und welches Gedächtnis – die Lady hat. Einmal hat sie mich gefragt, welche Art Musik ich mag, damals, während ihrer Scheidung. Ich hab’s ihr gesagt. Hank Williams, Merle Haggard, Johnny Cash, Ernest Tubb und Patsy Cline haben mir durch den Krieg geholfen. Wirklich wahr. Alle Jungs in meinem Zug, die Rock ‘n’ Roll gehört haben, sind gestorben. Bis auf zwei. Mike Galina – er ist immer noch in einem Veteranenkrankenhaus – hat Augen und Beine verloren. Paul Frederic Might hat ebenfalls einiges gefehlt, als er zurückkam – von seinem Körper, seinem Verstand und seinem Herzen, er ist fünf Jahre später gestorben. Versehentliche Überdosis oder Selbstmord. Wer weiß das schon? Wen geht’s was an? Von den Schwarzen haben drei überlebt. Auch die haben keinen Rock ‘n’ Roll gehört. Zwei sind als Junkies zurückgekommen, und ich habe sie aus den Augen verloren. Aber Steve Weston ist clean und gesund zurückgekehrt. Von Zeit zu Zeit trinken wir zusammen ein Gläschen. Reden nicht viel. Trinken einfach. Wie ich hat er Country gehört, oder Soul, wie seine Leute. Seine Lieblingsmusik allerdings ist Gospel.

Maggie sieht mich an, lächelt und berührt meine Hand.

Einen Block vom Strand in Venice entfernt stellt sie den Wagen auf einem Parkplatz ab. Wir steigen aus. Sie hakt sich bei mir ein. Ich fühle mich wie einsdreiundachtzig und verflixt gutaussehend. An der Ecke gibt es einen schicken Espresso- und Cappucino-Laden, wo man seine Erfrischung al fresco genießen und die auf der Uferpromenade vorüberziehende menschliche Komödie beobachten kann. Man muss kein Angelino sein, um zu wissen, dass sich in Venice Beach die Menschheit von ihrer komischsten Seite zeigt. Wenn in einem Film typisches L.A. Flair gezeigt werden soll, wird genau hier gedreht: Rollschuh laufende Mädels in knappen Tangas, Muscle Beach und so weiter.

Doch wir überqueren die Uferpromenade und gehen hinunter zum Strand. Maggie bleibt kurz stehen und zieht die Schuhe aus. Machen Filme uns, oder machen wir die Filme? Was ich damit sagen will, diese Geste, wie sie sich auf meinen Arm stützt, die Schuhe abstreift, sie an den Riemchen trägt, das alles besitzt so viel Anmut und – ich weiß nicht, wie ich es sonst nennen soll – Weiblichkeit. Während ich sie dabei beobachte, sehe ich eine Filmszene vor mir. Sie wissen, was ich meine … Hat sie das aus den Filmen, die ich gesehen habe, oder handelt es sich hier vielmehr um eine jener durch und durch femininen Bewegungen, die Regisseure und Schauspielerinnen bewusst für die Leinwand kreieren?

Nahaufnahme ihrer Hand auf meiner Schulter, wie sie sich auf mich stützt.

Wir gehen Richtung Brandung. Maggie barfuß, ich in meinen Florsheimern. ² Natürlich trage ich Anzug und Krawatte, was der Kleiderordnung der Firma entspricht, wenn man nicht gerade an einem Auftrag arbeitet, der ausdrücklich etwas anderes verlangt. Verstehen Sie, es ist, als wären wir in meinem eigenen Film. Ich träume, dass daraus etwas Persönliches werden könnte. Aber der Profi in mir weiß genau, dass es nicht so kommen wird. Viele Klienten gehen mit einem an die merkwürdigsten und abgelegensten Orte, um über ihre Angelegenheiten zu sprechen. Aus verschiedenen Gründen. Verschwiegenheit, Verlegenheit, und manchmal ist es einfach, dass auch sie in ihrem eigenen Film spielen und auf geheimnisvolle Nacht-und-Nebel-Aktionen aus sind.

Draußen am Wasser, wo der Sand nass und fest ist. sagt sie: »Joe, ich brauche Hilfe.«

»Dafür sind wir schließlich da«, sage ich.

»Nicht wir. Nicht alle. Nur Sie«, sagt sie.

»Verraten Sie mir, wo das Problem liegt«, sage ich. Ich bin der Firma gegenüber loyal. Das ist schon eine ganze Weile so. Neben den jährlichen Gehaltserhöhungen gibt es bei uns Zulagen je nach Dauer der Firmenzugehörigkeit. Außerdem habe ich Anspruch auf eine ordentliche Rente und kann günstig Firmenaktien kaufen. Natürlich werde ich was ohne die Firma machen. Aber sicher doch.

»Sie müssen mir etwas versprechen«, sagt sie.

»Was?«

»Dass Sie sich anhören, was ich zu sagen habe. Falls Sie das nicht tun können, ohne die Firma zu informieren, werden Sie unsere Unterhaltung sofort vergessen. Sie werden ins Büro zurückgehen und denen erzählen, dass es der erste Jahrestag meiner Scheidung war und ich mich bei Ihnen bedanken wollte, dass wir einen Kaffee getrunken haben, weil ich gerade eine Entziehungskur mache. So was in der Art.«

Ich setze umständlich an, ihr das Versprechen zu geben. So macht man das, und dann erklärt man den Klienten, warum man die Firma trotzdem informieren muss. Es ist öde, aber wesentlich.

»Nein«, sagt sie. »Sehen Sie mir in die Augen und versprechen Sie es mir.«

Also sehe ich ihr in die Augen. Ich habe schon einer Menge Leuten in die Augen gesehen. Betrügern, Psychopathen, Spielern, Aufsichtsratsvorsitzenden, Anwälten. Jeder, der Ihnen erzählen will, die Augen seien die Fenster der Seele, hat einen Knall. Es gibt Ausnahmen. Wenn man zum Beispiel einem Jungen in die Augen sieht, der bald sterben wird und der es weiß. Man kann seine Seele buchstäblich wegfliegen sehen. Das kann man wirklich. Es stimmt. Und die Fenster schließen sich. Als hätte jemand die Hand ausgestreckt und zwei altmodische Fensterläden zugeschlagen. Was durchsichtig war. wird trüb. Ähnlich ist es, wenn man einer Frau in die Augen sieht, die man stärker begehrt, als gut für einen ist. Ich rede hier von mehr als sexuellem Verlangen. Ich rede von Gier, dummer Gier. Sie sieht einen an, und ihre Augen sagen: »Schau einfach hinein.« Selbst wenn sie Schauspielerin ist und dein Verstand dir sagt, dass man ihr pro Film, jüngsten Pressemeldungen zufolge, 1,3 Mio Dollar plus Prozente zahlt, um haargenau das für die Kamera zu machen, könnten sich dann deine eigenen Augen öffnen und zu Fenstern deiner Seele werden, sodass sie sieht, was man ist, und schon hat sie einen im Griff. Das ist ganz in Ordnung. Die Natur hat gewollt, dass wir manchmal so sind.

Ich sage also: »Wenn ich’s nicht tun kann, vergesse ich die Sache sofort.«

»Joe«, sagt sie.

»Erzählen Sie’s einfach, okay?«, erwidere ich ein wenig gereizt.

»Vor einem Jahr habe ich einen Vertrag unterschrieben. Für einen Film mit John Lincoln Beagle als Regisseur. Sie kennen seine Arbeiten?«

Ich nicke. Jeder kennt ihn. Auch wenn man nicht ins Kino geht. Er ist so eine Art Spielberg oder Lucas oder Lynch oder Stone.

»Wir arbeiten beide mit RepCo. ³ Das ist ihr Package. Regisseur. Star und Drehbuchautor. Ich habe das Drehbuch gelesen und war begeistert. Eine Story mit Tiefgang. Kein seichtes Zeug. Es ging nicht darum, meine Titten hüpfen zu lassen, mit dem Hintern zu wackeln und so zu tun, als würde ich das auch noch toll finden. Mit diesem Projekt könnte ich mich als ernsthafte Schauspielerin etablieren. Das ist der Film, den ich drehen sollte. Und zwar genau jetzt.

Dann ist das Projekt gecancelt worden.«

»So was kommt öfters vor«, sage ich.

»Ja, stimmt. Aber dieses Mal hätte es nicht passieren dürfen. Alles war geregelt. Das Package stand, das Studio war dabei, und einen Produzenten gab es auch schon. Das Geld war da. Urplötzlich wird alles abgesagt.

Offiziell heißt es, Beagle sei krank geworden. Das glaube ich nicht. Ich bin mir sogar sicher, dass ich ihn ein- oder zweimal in der Nähe seines Hauses im Napa Valley gesehen habe. Er besitzt dort ein Weingut. Ich übrigens auch. Außerdem gab es eine Zeit zwischen Vertragsabschluss und Annullierung, während der ich mitbekommen habe, wie er sich geistig von dem Projekt entfernt hat. Bei einem Treffen war er noch Feuer und Flamme. Er war besessen von diesem Film. Und er wollte mich unbedingt dabeihaben.«

»Wie sollte der Film heißen?«

»Pirandello

»Hm-hmh.«

»Sie wissen, wer das ist? Ein Dramatiker. Italiener. Aber es ist kein Film über ihn. Das war nur ein Arbeitstitel, noch nicht der endgültige. Beim nächsten

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