Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

GAARSON-GATE: Die 6. Kompilation: "Die Bände 51 bis 60 der Serie hier in einem Buch zusammengefasst!"
GAARSON-GATE: Die 6. Kompilation: "Die Bände 51 bis 60 der Serie hier in einem Buch zusammengefasst!"
GAARSON-GATE: Die 6. Kompilation: "Die Bände 51 bis 60 der Serie hier in einem Buch zusammengefasst!"
eBook658 Seiten8 Stunden

GAARSON-GATE: Die 6. Kompilation: "Die Bände 51 bis 60 der Serie hier in einem Buch zusammengefasst!"

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Die nächste Kompilation der Serie GAARSON-GATE, sowohl als Taschenbuch als auch im eBook-Format auf allen relevanten Plattformen:
 
GAARSON-GATE: Die 6. Kompilation
Wilfried A. Hary (Hrsg.):
"Die Bände 51 bis 60 der Serie hier in einem Buch zusammengefasst!"
 
Eine Kompilation ist die Zusammenfassung von mehreren veröffentlichten Werken in einem einzigen Buch. In dieser GAARSON-GATE-Kompilation handelt es sich um zehn Romane in einem Buch.
 
Hier die in dieser Kompilation enthaltenen originalen Romane mit Angabe der jeweiligen Autoren:
 
51 "Das kalte Tor" K. H. Reeg / Thomas Maul (10/04 GB)
52 "Keltokoi" K. H. Reeg / Thomas Maul (11/04 GB)
53 "Die Droge des Lebens" K. H. Reeg / Thomas Maul (12/04 GB)
54 "Götter aus Eis" K. H. Reeg / Thomas Maul (1/05 GB)
55 "Der lange Weg zur Erde" K. H. Reeg / Thomas Maul (2/05 GB)
56 "Der Sternenvogt" Wilfried Hary (3/05 GB)
57 "Assassinen" Dirk Taeger/ Wilfried Hary (4/05 GB)
58 "Flucht ins Weltall" Dirk Taeger/ Wilfried Hary (6/05 GB)
59 "Der schwarze Nebel" Dirk Taeger/ Wilfried Hary (8/05 GB)
60 "Grendel IV" Dirk Taeger/ Wilfried Hary (10/05 GB)
 
Klammerangaben: Ersterscheinung nach Monat und Jahr und Kürzel des jeweiligen Coverkünstlers des orignalen Einzelromans!
 
Immer Ihr Wilfried A. Hary (Hrsg.)
 
Gaarson-Gate - die große, in sich abgeschlossene Science-Fiction-Serie!
 
Diese alternative SF-Serie umfasst in der Heftversion insgesamt 77 Bände.
 
GAARSON-GATE ist die Schwesterserie von STAR GATE - das Original!
 
Verfolgen Sie die Abenteuer der Menschheit in über vierhundert Jahren. Erleben Sie die ferne Zukunft hautnah – und bangen Sie mit: Wird die Menschheit das größte Abenteuer ihrer Geschichte heil überstehen?
 
 
Sämtliche Rechte und uneingeschränktes Copyright weltweit: HARY-PRODUCTION
 
Copyright neu 2019 by HARY-PRODUCTION * Canadastraße 30 * D-66482 Zweibrücken * Telefon: 06332 48 11 50
 
Sämtliche Rechte vorbehalten!
Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung von HARY-PRODUCTION!
 
Logo: Gerhard Börnsen
Covergestaltung: Anistasius
Lektorat: David Geiger
 
SpracheDeutsch
HerausgeberBookRix
Erscheinungsdatum3. März 2021
ISBN9783748776437
GAARSON-GATE: Die 6. Kompilation: "Die Bände 51 bis 60 der Serie hier in einem Buch zusammengefasst!"
Vorschau lesen

Mehr von Wilfried A. Hary (Hrsg.) lesen

Ähnlich wie GAARSON-GATE

Verwandte Kategorien

Rezensionen für GAARSON-GATE

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    GAARSON-GATE - Wilfried A. Hary (Hrsg.)

    München

    GAARSON-GATE:

    Die 6. Kompilation

    GAARSON-GATE ist die Schwesterserie von STAR GATE – das Original!

    Die Bände 51 bis 60 der Serie hier in einem Buch zusammengefasst!"

    Eine Kompilation ist die Zusammenfassung von mehreren veröffentlichten Werken in einem einzigen Buch. In dieser GAARSON-GATE-Kompilation handelt es sich um zehn Romane in einem Buch.

    Hier die in dieser Kompilation enthaltenen originalen Romane mit Angabe der jeweiligen Autoren:

    51 »Das kalte Tor« K. H. Reeg / Thomas Maul (10/04 GB)

    52 »Keltokoi« K. H. Reeg / Thomas Maul (11/04 GB)

    53 »Die Droge des Lebens« K. H. Reeg / Thomas Maul (12/04 GB)

    54 »Götter aus Eis« K. H. Reeg / Thomas Maul (1/05 GB)

    55 »Der lange Weg zur Erde« K. H. Reeg / Thomas Maul (2/05 GB)

    56 »Der Sternenvogt« Wilfried Hary (3/05 GB)

    57 »Assassinen« Dirk Taeger/ Wilfried Hary (4/05 GB)

    58 »Flucht ins Weltall« Dirk Taeger/ Wilfried Hary (6/05 GB)

    59 »Der schwarze Nebel« Dirk Taeger/ Wilfried Hary (8/05 GB)

    60 »Grendel IV« Dirk Taeger/ Wilfried Hary (10/05 GB)

    Klammerangaben: Ersterscheinung nach Monat und Jahr und Kürzel des jeweiligen Coverkünstlers des orignalen Einzelromans!

    Immer Ihr Wilfried A. Hary (Hrsg.)

    Impressum:

    Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

    Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

    ISSN 1614-3299

    Diese Fassung:

    © 2019 by HARY-PRODUCTION

    Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

    Telefon: 06332-481150

    www.HaryPro.de

    eMail: wah@HaryPro.de

    Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

    Coverhintergrund: Anistasius

    Logo: Gerhard Börnsen

    GAARSON-GATE 051

    GAARSON-GATE ist die Schwesterserie von STAR GATE – das Original!

    Titel:

    Das kalte Tor

    von K. H. Reeg

    Co-Autor: Thomas Maul

    »Gemeine Diebe - und andere Verbündete«

    27. Oktober 2052 = Tipor Gaarson beschert der Menschheit den nach ihm benannten GAARSON-Effekt - als schier unerschöpfliche Energiequelle. Sie wird zum »Tor zu den Sternen«.

    13. Januar 2091 = In den Annalen der Menschheit vermerkt als der Todestag des Genies Tipor Gaarson. Aber was niemand auf der Erde bemerkt: Im gleichen Moment, als Tipor Gaarson stirbt, erscheinen in einer fernen Galaxis, auf den Ruinenwelten des untergegangenen sogenannten Prupper-Reiches verteilt, sämtliche 18 Milliarden Menschen, die auf der Erde leben. Sozusagen von einem Augenblick zum anderen. Aber es sind nicht die »Originale«, sondern exakte Klone. Ihre Nachfahren nennen die unvorstellbare Macht, die dies vollbrachte, ihren »Pruppergott«.

    Der Pruppergott ist in Wirklichkeit das ominöse »Konglomerat der Mächtigen« und verfolgt mit der Erschaffung des »NEUEN IMPERIUMS« aus Menschenklonen eine noch undurchsichtige Absicht. Dass es ausgerechnet Erd-Menschen klonte, liegt an einem speziellen Menschen, der im zwanzigsten Jahrhundert seine Aufmerksamkeit erregte. Er heißt Maximilian »Max« Junker - und dieser gelangt zufällig in eine seltsame und gefährliche Welt. Seine wichtigste Waffe heißt »Täuscher«. Sie sieht aus wie ein Wanderstab, doch sie hat gewissermaßen »magische Eigenschaften«.

    Angelangt in einer fremden Stadt...

    *

    Max fasste Täuscher fester und machte sich auf den Weg zum Markt. Noch einmal schaute er über die Schulter, doch Kamaro, der Händler, der ihn her gebracht hatte, war nicht mehr zu sehen. Seufzend drehte er den Kopf nach vorn und stieß im gleichen Moment mit einem mittelgroßen Mann in gebückter Haltung zusammen. Max setzte bereits zu einer Entschuldigung an, als er bemerkte, dass sich der Fremde überhaupt nicht bewegte.

    Vorsichtig tippte er die Gestalt an und spürte erschrocken die kalte Härte von Stein. Max betrachtete sich die Statue etwas genauer und musste erstaunt feststellen, dass die Figur eine fast lebendig wirkende Natürlichkeit ausstrahlte. Die Haare, die einzelnen Fasern der Kleidung und die Poren der Haut, alles bis ins Detail genau. Selbst die Farben waren bis auf einen kaum wahrnehmbaren Grünstich absolut naturgetreu. Max konnte nicht einmal die Spuren einer Lackierung entdecken. Hier musste ein begnadeter Künstler am Werk gewesen sein. Doch warum stand diese wunderbare Statue gerade hier in einem dunklen Straßenwinkel? Nun ja, es geht mich ja nichts an, was die hier unter dekorativ verstehen. Andere Länder anders Sitten, dachte Max leicht belustigt und setzte seinen Weg fort.

    Bald darauf nahm der Geräuschepegel zu und Max nahm jetzt immer stärker die Gerüche auf, die wohl jedem Markt eigen waren. Allerdings war er trotz »Andere-Länder-Andere-Sitten« leicht verwirrt, denn auf seinem bisher zurück gelegten Weg hatte er noch mehrere dieser seltsamen Statuen gesehen, die an den sonderbarsten Orten standen. Immer stellten sie Menschen in den verschiedensten Haltungen des alltäglichen Lebens dar. Max unterdrückte sein brennendes Verlangen, einen der Passanten diesbezüglich zu fragen. Vielleicht handelte es sich um religiöse Objekte und es war unhöflich oder gar verboten, darüber zu sprechen? Max schob diese Gedanken beiseite und wenige Schritte weiter nahm ihn der Markt von Lokisgjöld mit seiner hektisch, lebendigen Atmosphäre auf.

    Tausend fremde Gerüche nach exotischen Gewürzen und Parfüms, der aromatische Duft aus Garstuben und von Holzkohlegrills. Glitzernde Juwelen und gleißendes Gold. Darüber das allgegenwärtige Geschrei der Händler. Langsam schlenderte Max durch die Gassen zwischen den Buden und Ständen, fast betäubt durch dieses Gewirr von Farben und Gerüchen, dem Gewimmel von Menschen jeder Hautfarbe und Schattierung.

    Nach einiger Zeit fiel ihm ein kleines, etwas erhöhtes Podest auf, um den sich eine womöglich noch dichtere Menschenmenge drängte als an anderen Ständen.

    Neugierig ging Max näher, um zu sehen, was hier Besonderes verkauft wurde. Bei den anderen Schaulustigen angekommen, konnte er jetzt auch die Worte des Mannes verstehen, der in einer mit astrologischen Zeichen bestickten, wallenden schwarzen Robe steckte und hier seine Ware anpries.

    »Endlich ist es wieder da«, schrie er wild gestikulierend und mit rollenden Augen. »Das mystische Pulver, das unter schrecklichen Gefahren aus den vergessenen Nekropolen der tierköpfigen Menschen von Xu-Xuata geborgen wurde. Dort, wo die Tierlords immer noch als Totgänger über die Gräber wandeln und ihren Gott Sath-a-Sath verfluchen, der sie verraten hat an die ewigen Spieler. Die am Rande des Universums sitzen und die Zeit verspielen, mit Würfeln ohne Augen. Ja«, fuhr der Händler, nach einer kurzen Pause, um das Gesagte wirken zu lassen, fort, »es ist wieder da. Unter unsäglichen Gefahren gewonnen, um hier für einen Bruchteil seines Wertes verkauft zu werden. Kauft das magische Pulver und alle Probleme werden bald von euch gewichen sein. Und als Sonderangebot dieses wahre Wundermittel im Rohzustand.«

    Max dachte bei dieser überschäumenden Lobpreisung sofort an irgend ein Rauschgift. Nachdenklich betrachtete er sich die gut daumennagelgroßen, jadegrün schimmernden, dünnen Plättchen, die da auf dem Tisch lagen. Dem Gebrummel der Umstehenden nach zu urteilen, mussten diese Plättchen und auch das daneben liegende Pulver Unmengen wert sein. Irgendwie kam ihm das Aussehen und die Farbe bekannt vor. Max dachte angestrengt nach und dann hatte er es. Er kramte in seiner Tasche und spähte unauffällig hinein. Ja, das Stück, das ihm der Alte auf Dürrast gegeben hatte, bestand zweifelsohne aus dem selben Material. Nur, dass sein Stück bedeutend größer war. Es war bestimmt die zehn- bis zwanzigfache Menge der kompletten Auslage des Händlers. Seine Geldsorgen hatten sich mit einem Schlag in Luft aufgelöst. Er war reich, stinkreich. Max sah eine rosige Zukunft auf sich zu kommen. Doch seine Euphorie legte sich schnell, zuerst galt es, heraus zu finden, was das Pulver bewirkte und dann war es bestimmt nicht gut, gleich mit dem ganzen Stück anzukommen. Außerdem war es bestimmt von Vorteil, sich mit den örtlichen Gepflogenheiten bekannt zu machen, wie Steuern und so. Mit solchen Dingen war nicht zu spaßen, weder auf der guten alten Erde noch hier, da war er sich sicher. Er hatte keine Lust, durch Unwissenheit Schwierigkeiten mit dem hiesigen Fiskus zu bekommen und in einem kalten, nassen Kerker zu landen oder Schlimmeres. Wahrscheinlich Schlimmeres, angesichts der hier herrschenden, etwas rustikalen Lebensweise, überlegte er vorausschauend.

    Max seufzte entsagungsvoll, schloss seinen Beutel und beschloss, in dieser Angelegenheit, mit angemessener Vorsicht natürlich, Kamaro um Rat zufragen. Dieser schien zwar ein gewaltiges Schlitzohr zu sein, aber er war der Einzige, den er kannte. Zuversichtlich machte er sich auf den Weg und fragte sich nach dem geflügelten Gott durch.

    Auch hier, auf dem Marktplatz, sah er einige der seltsamen Statuen. Max war überwältigt von all den Dingen, die es hier zu sehen gab, dass er die rot gekleidete Gestalt, die ihm seit einiger Zeit folgte, nicht bemerkte. Ein kaum wahrnehmbarer Gewichtsverlust an seiner Seite und eine schnelle Bewegung im Augenwinkel rissen ihn aus den Gedanken. Das Fehlen der Tasche und eine davon huschende Gestalt. Das nahm Max mit einem Blick wahr. Ohne zu überlegen, setzte er zur Verfolgung an. Doch seine Aussichten schienen nicht die Besten zu sein. Der Dieb verfügte über erstaunliche Ortskenntnisse und war verdammt schnell.

    Das Schwert schlug Max beim raschen Laufen gegen die Beine und ließ ihn mehrmals stolpern. Fluchend bahnte er sich einen Weg durch die dichtstehenden Menschen, was ihn erheblich behinderte - dem Dieb schien das nichts auszumachen. Im Gegenteil, er schlängelte sich so geschickt durch die Menge, dass sein Vorsprung immer mehr wuchs. Max hatte ihn schon fast aus den Augen verloren, als er ihn in eine schmale Seitenstraße huschen sah. Er spornte noch einmal all seine Kräfte an und bog Sekunden später in die düstere Gasse ein.

    Zu beiden Seiten häuften sich große Stapel Unrat an den moderigen Häuserfassaden. Max sah sich kurz um und hastete weiter. Er war schon, während seine Hoffnung immer weiter schwand, ein ganzes Stück weit in die Gasse vorgedrungen, als er voraus die Geräusche einer Auseinandersetzung hörte. Durch seine bisherigen Erfahrungen vorsichtig geworden, nahm er Täuscher in die Linke und zog sein Schwert. Langsam schlich er näher. Die Geräusche waren weitgehend zum Erliegen gekommen, als er im Lichtkreis einer flackernden Lampe drei Gestalten in zerlumpten Kleidern sah, die sich an einem am Boden liegenden Bündel zu schaffen machten. Max erfaste sofort, dass dies der Dieb seiner Tasche sein musste. Ohne weiter nachzudenken, mit dem Vorteil der Überraschung, sprang er mit einem lauten Schrei vor. Die Gestalten erstarrten für einen kurzen Moment in ihren Bewegungen. Das genügte, Täuscher traf krachend in die Seite des ihm Nächsten und schleuderte ihn gegen die Hauswand. Das Schwert zeichnete einen blitzenden Bogen und zog einen heftig blutenden Schnitt über die Brust eines Anderen. Mit einem Aufschrei taumelte dieser zurück und ergriff die Flucht. Bevor Max sich dem Letzten zuwenden konnte, war dieser mit der Geschwindigkeit eines Wiesels im Dämmerlicht verschwunden. Auch der von Täuscher Getroffene schien sich irgendwie in Luft aufgelöst zu haben.

    Heftig atmend stützte sich Max auf Täuscher und bemerkte, dass er zu zittern begonnen hatte. Mühsam zwang er sich zur Ruhe und sah sich um. Niemand schien etwas von dem kurzen Kampf bemerkt zu haben. Wenn doch, so zogen es die Leute hier wohl vor, sich nicht in die Angelegenheiten Dritter einzumischen.

    Max ließ seinen Blick durch die stille Gasse gleiten und entdeckte fast sofort seine Tasche, die dicht neben dem rot gekleideten Dieb lag, der sich nun stöhnend zu bewegen begann. Schnell faste er seinen Packen, hing ihn sich um, steckte das Schwert weg und zog dafür seinen Dolch. Als der Rote sich aufrichten wollte, packte Max ihn am Kragen und drückte die Klinge an seine Kehle. Fast hätte er ihn los gelassen, als er erstaunt in das Gesicht eines etwa vierzehnjährigen Knaben sah.

    »Bitte, Gnade, Herr«, brachte der nach Luft Schnappende hervor. »Lasst einen kleinen Dieb am Leben, der seine Familie ernähren muss.«

    »Das sagen alle Diebe«, fuhr ihn Max, ihm ins Wort fallend, an. »Wenn du dir keine bessere Ausrede einfallen lässt, wüsste ich nicht, was mich daran hindern sollte, dir die Kehle durch zu schneiden, wie es deine Kollegen bereits vor hatten«, setzte er grimmig hinzu.

    »Kollegen? Aaspiraten waren das.« Trotz seiner misslichen Lage klang Verachtung in seiner Stimme mit.

    »So, so und was soll ich jetzt mit dir machen?«, fragte Max, dessen Zorn ziemlich verflogen war und jetzt einer seltsamen Hilflosigkeit Platz machte. Er konnte doch den Jungen nicht einfach töten. Polizei fiel ihm ein. Seine Überlegungen wurden von dem Dieb unterbrochen.

    »Herr, Ihr habt mir das Leben gerettet. Außerdem sehe ich, dass Ihr fremd hier seid. Wir Diebe sind nicht ohne Ehre. Ich könnte Euch von Wert sein und Euch helfen, Eure Geschäfte diskret und zur vollen Zufriedenheit abzuwickeln. Ich weiß, wem zu trauen ist und wem nicht.« Gespannt wartete er auf eine Antwort.

    Im gewissen Sinn hat er schon recht, ich bräuchte dringend jemanden, der sich nicht nur mit den hiesigen Bräuchen, sondern auch in der Stadt auskennt. Da wäre ein Straßenjunge wie dieser bestimmt nicht die schlechteste Wahl, aber soll ich wirklich einem Dieb trauen?, überlegte Max. Er sah sich den Jungen noch einmal an, dann ließ er ihn los.

    »So, jetzt sag mir zuerst einmal, wie du heißt, wer du bist und warum du meine Tasche haben wolltest?«

    Der Dieb hatte inzwischen seine Kleidung in Ordnung gebracht und Max gespannt zu gehört. »Also, ich heiße Brokk und gehöre zu der Gilde der Diebe, was Ihr an meiner Kleidung erkennen könnt«, antwortete er stolz, aber auch etwas erstaunt über Max' Unwissenheit. »Und was Euere Tasche betrifft«, er lächelte verschmitzt, »bei so einem großen Brocken Rohpulver kann kein Dieb widerstehen. Mich wundert es, dass Ihr überhaupt so weit gekommen seid, ohne dass Euch jemand den Hals durchgeschnitten hat.«

    Max konnte ihm nur recht geben. Sein unauffälliger Blick in die Tasche war anscheinend doch nicht so unauffällig gewesen. Er konnte den Gedanken nicht weiter führen, Brokk hatte sich plötzlich bei ihm untergehakt und begann auf ihn einzuplappern. Bevor er den Dieb über den Sinn seines Tuns fragen konnte, sah er zwei uniformierte Wachen, mit langen Spießen, durch die Gasse kommen. Sie warfen ihnen nur einen abschätzenden Blick zu und verschwanden in einer womöglich noch düstereren und engeren Seitenstraße.

    Brokk ließ ihn sofort wieder los und Max sah ihn fragend an.

    »Das waren die Wachen des Königs, Herr. Wenn sie Verdacht geschöpft hätten, dass ich Euch bestehlen wollte und Ihr mich dabei erwischt habt...« Er machte eine bezeichnende Geste.

    »Aber ich dachte, dass man euch an der Kleidung erkennen kann?«, überlegte Max laut, verwirrt über die sich seiner Meinung nach teilweise widersprechenden Aussagen Brokks.

    »Ja, das stimmt, wir werden geduldet, aber erwischen dürfen wir uns nicht lassen.« Er zuckte die Schultern und steigerte mit dieser Erklärung Max' Unverständnis der hier herrschenden Sitten noch um ein Beträchtliches. »Aber trotzdem sollten wir doch sehen, dass wir hier weg kommen, Herr. Vielleicht gibt es hier eine größere Bande der Aas-Piraten. In der Meute sind sie mutiger. Außerdem redet es sich in einer Taverne bei einem Becher Wein doch besser?« Brokk sah ihn fragend an.

    »Da hast du wohl recht«, stimmte Max zu. »Aber erstens, ich habe kein Geld und zweitens, nenn mich nicht immer Herr. Max, das reicht.«

    »Da mach dir mal keine Sorgen, Max«, lächelte der Dieb, der sofort einen vertrauteren Ton anschlug. »Ich stehe jetzt doppelt in deiner Schuld. Die Zeche zahle ich und wenn du willst, helfe ich dir auch, den Stein zu einem einigermaßen vernünftigen Preis zu verkaufen.«

    Max dankte ihm lachend und sie machten sich auf den Weg.

    Vielleicht ist es ein Zeichen der Vorsehung, dass ich den Dieb getroffen habe?, dachte Max als sie durch die dunklen Gassen schritten.

    Nach einem längeren Weg durch ein Gewirr von Gassen und fast unsichtbaren Durchgängen, in denen Max vollkommen die Orientierung verlor, standen sie endlich vor einem düster wirkenden Fachwerkhaus. »Zum blauen Giftzahn«, stand, nicht besonders vertrauenserweckend, in verfilzten Buchstaben aus Leuchtmoos über dem Eingang. Max, der das Schild beiläufig überflogen hatte, holte erschrocken Luft, als ihm plötzlich klar wurde, dass er soeben eine ihm völlig fremde Schrift gelesen hatte, als wäre es seine eigene.

    Hatte er das dem Skarabäus in seinem Schädel zu verdanken, der sich ansonsten schon eine ganze Weile nicht mehr gemeldet hatte? Aber er »beherrschte« ja auch problemlos jede Sprache, in der zu ihm gesprochen wurde - und der Skarabäus hatte ihm gleich zu Beginn eröffnet, ein automatischer Translator zu sein, unter anderem... Max hatte keine Lust, ihn danach zu fragen. Er war recht froh darüber, ansonsten zur Zeit vor ihm seine Ruhe zu haben.

    Brokk hatte den Blick zu dem Schild bemerkt und wohl gedacht, sein Luftholen gelte dem Namen der Taverne.

    »Keine Angst«, grinste er. »Das Essen ist hier hervorragend.«

    Als Brokk die Tür öffnete, schlugen ihnen Schwaden der verschiedensten Gerüche entgegen. Über eine kurze Treppe ging es in einen verräucherten Raum, der von einer gewaltigen Theke aus rotem Holz beherrscht wurde. Weiterhin waren über den erstaunlich großen Raum noch etwa drei Dutzend Tischgruppen verteilt. Obwohl es schon gegen Abend war, hielten sich nur drei weitere Gäste, die in ein leises Gespräch vertieft waren, in der Taverne auf.

    Bevor Max sich noch weiter umsehen konnte, wurde er von dem Dieb in eine dunkle Ecke gleich rechts neben der Tür gezogen. Aufatmend ließ er sich in einen Stuhl fallen. Erst jetzt bemerkte er, wie müde er die ganze Zeit schon war. Behaglich streckte er die Füße unter den Tisch.

    »Was willst du trinken, Max?«, fragte Brokk höflich.

    »Nun, so einen Blauen aus Klat-i-Bosk, wenn er nicht zu teuer ist«, schlug er leicht errötend vor.

    »Ha - mit Wein kennst du dich anscheinend aus«, stellte Brokk erheitert fest.

    Inzwischen war eine schwarzhaarige Schönheit an den Tisch getreten. »Na, Brokk, alter Gauner, hast wohl heute einen guten Fang gemacht, dass du um diese Zeit schon hier bist und auch noch in Ausgehuniform«, begrüßte sie den Dieb. Max schenkte sie ein strahlendes Lächeln, das ihn unruhig auf seinem Sitz hin und her rutschen ließ.

    »Ha - guter Fang, bin dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen«, prahlte er. »Doch jetzt bring uns einen Krug Blauen aus Bosk, wir haben Durst.«

    »Durst? Und wie sieht es mit dem Geld aus?«

    »Aber ich hab doch Kredit«, antwortete Brokk mit rechtschaffener Entrüstung in seiner Stimme und sah sie dabei unschuldig an.

    Achselzuckend wandte sie sich ab, um kurze Zeit später mit dem Gewünschten zurück zu kommen.

    Nachdem sie getrunken hatten, stellte Max einige Fragen über Lokisgjöld, die ihm schon die ganze Zeit im Kopf herum gespukt hatten. Die Antworten deckten sich weitgehend mit dem, was er schon von Kamaro erfahren hatte, ließen aber immer noch gewaltige Lücken in seinem Verständnis betreffs des hiesigen Alltags klaffen. Über größere Zusammenhänge, wie Dürrast und die Pyramiden, oder gar, wie sich sein weiterer Weg mit dem Ziel Erde gestalten sollte, hatte er nicht die geringste Ahnung.

    Im weiteren Gespräch kam Max auf das Pulver zu sprechen. Als er die Geschichte des Verkäufers erwähnte, begann Brokk, laut zu lachen.

    »Ach, Max, wie kann man nur so vertrauensselig sein. Akamach, das ist der Händler, erzählt jedes Mal eine andere Geschichte über die Gefahren bei der Beschaffung des Pulvers. Woher es wirklich kommt, das wissen nur sehr wenige Eingeweihte.«

    Max hatte da inzwischen seine eigene Vorstellung.

    »Und was die Wirkung des Pulvers ist«, fuhr Brokk fort, »also, du musst wirklich von weit her kommen. Hast du denn nicht die Statuen überall in der Stadt gesehen?«

    Max horchte auf und nickte zustimmend.

    »Diese Figuren sind die Opfer des Pulvers. Nehmen wir an, du kannst jemand nicht besonders leiden und hast das nötige Geld, dann kaufst du eine Brise Pulver und mischst es deinem Feind ins Essen oder Trinken. Je nach Menge, verwandelt sich das Opfer in einer Zeit, die zwischen einer und fünf Wochen liegt, in eine dieser hübschen Statuen. Das Besondere ist, dass es mit wenig schneller geht und es gibt kein Gegenmittel. Mit dem Brocken, den du bei dir hast, könnte man die ganze Stadt in Stein verwandeln.«

    Max stockte der Atem: Hier wurde in aller Öffentlichkeit ein Gift verkauft, das man für hinterlistige Morde verwendete. Er musste das Gehörte erst einmal verdauen, deshalb lenkte er das Gespräch rasch auf etwas Belangloseres. Jetzt brauchte er erst mal ein Schluck Wein, doch der Krug war leer. Max hob die Hand, um die Bedienung zu rufen, doch ohne, dass er es bemerkte hatte, war sie bereits hinter ihn getreten.

    »Was wünscht Ihr?«, fragte sie mit angenehmer, rauchiger Stimme.

    Max starrte sie fassungslos an, sie musste ungefähr die gleiche Größe haben wie er. Ihr fein geschnittenes Gesicht, mit den großen, dunklen Augen, wurde von schwarzen, mit rötlichen Strähnen durchsetztem Haar umrahmt.

    »Habt ihr noch nie eine Frau gesehen, weil ihr mich so anstarrt?«, fragte sie seltsam lächelnd.

    »Ich - äh...« Max begann zu stottern und wurde bis über beide Ohren rot.

    »Er kommt von weit her, dort sind die Frauen anders - jetzt bring noch einen Krug Wein«, kam ihm Brokk kichernd zur Hilfe.

    Sie sah Max noch einmal an und zwinkerte ihm zu, bevor sie in Richtung Theke verschwand. Er blickte ihr unbewusst hinterher. Brokks leises Lachen ließ ihn zusammen fahren und er spürte, wie ihm das Blut heiß in den Kopf stieg.

    »Also, Max, jetzt hab dich mal nicht so, Ipas - so heißt die Bedienung - ist zwar gut und eine hervorragende Informantin unserer Gilde, aber mehr auch nicht. Du brauchst sie nicht anzustarren wie die Königin von Ltilonarka. Es muss schon ein seltsames Land sein, aus dem du kommst«, fügte er hinzu.

    Max öffnete den Mund, um zu antworten, als ein markerschütterndes Trompeten ertönte. »Was ist das schon wieder?«, fragte er erschrocken.

    »Das ist das Zeichen für den Beginn der Dunkelheit«, antwortete Ipas, die inzwischen mit einem neuen Krug an den Tisch getreten war, an Brokks Stelle. »Jetzt werden überall die Tücher hoch gezogen, erst morgen in der Dämmerung wird die Stadt wieder bedeckt. Hier ist noch Wein, Fremder. Trinkt nicht zu viel, die Nacht kann noch lang werden«, riet sie ihm mit einem geheimnisvollen Lächeln. Sie war schon lange hinter der Theke verschwunden, als Max seinen Mund zu klappte.

    Brokk schüttelte nur in komischer Verzweiflung den Kopf und lenkte Max Gedanken wieder in praktischere Bahnen.

    »Wie sieht es eigentlich mit einem Nachtquartier aus?«, fragte Max nach einiger Zeit. »Kennst du jemanden, bei dem ich unterkommen kann und auch am nächsten Tag wieder aufwache?«

    »Also, wenn du noch nichts hast und so lange du den ganzen Brocken rumschleppst, schlage ich vor, du schläfst in unserer Gildehalle.«

    »In der Gildehalle der Diebe?« Max zog erstaunt die Stirn kraus.

    »Aber gewiss, wenn du irgendwo nicht bestohlen wirst, dann in unserer Halle. Wir bestehlen uns nicht untereinander«, fügte er hinzu.

    Max ließ sich nach einigem Hin und Her überzeugen. Anschließend unterhielten sie sich noch eine Zeit lang über die Zunft der Diebe und die Taverne begann, sich zu füllen. Später warf Brokk ein paar Münzen auf den Tisch und sie machten sich auf den Weg.

    Ipas beobachtete lächelnd, wie sie leicht angetrunken die Taverne verließen.

    Max konnte sich später nicht mehr erinnern, durch wie viele Gassen und Winkel ihn Brokk geführt hatte, bis sie das Gildehaus erreichten. Es war nicht der pompöse, farbengeschmückte Bau, mit dem Max gerechnet hatte. Sondern ein solides, großes Haus, dessen fachwerkener Oberstock auf einem aus Backsteinen gemauertem Erdgeschoss saß. Näheres konnte er in dem schlechten Licht nicht erkennen. Sein leichter Rausch war durch den längeren Marsch und die kühle Nachtluft, die jetzt ungehindert Zugang zu der Stadt hatte, fast verflogen.

    Nachdem sie das Erdgeschoss, oder besser gesagt den großen Saal der Diebe, betreten hatten, schaute Max sich erstaunt um. War er doch auf eine ähnliche Atmosphäre vorbereitet gewesen wie in der Taverne. Doch nichts von alledem. Keine betrunkenen Zecher, nur hier und da leises Lachen. Kein grölender Gesang, sondern Männer und Frauen, die sich, während sie aßen, im Gesprächston unterhielten.

    Brokk, dem Max' Erstaunen nicht entgangen war, zog ihn zu einem freien Tisch. »Das hättest du nicht erwartet, was?«

    Max schüttelte erstaunt und gleichzeitig verwirrt den Kopf.

    »Schau, Max, auch unsere Arbeit ist hart. Den ganzen Tag beobachten, sich anschleichen, zufassen, immer mit dem Risiko, erwischt zu werden. Das zehrt an den Nerven, daher ist das Haus unser ruhender Pol. Hier gibt es auch keinen Alkohol. Sämtliche Getränke und Speisen sind nach einem ausgeklügelten System zusammen gestellt, um uns ein Höchstmögliches an Leistungsfähigkeit zu bringen.« Brokk war sichtlich stolz auf sein Gilde.

    Max sah sich interessiert in der Halle um, die nach seiner Schätzung Platz für ungefähr fünfzig Personen hatte. Er stellte eine entsprechende Frage.

    »Oh, so ziemlich hundert«, antwortete Brokk. »Aber da wir in zwei Schichten arbeiten, sind meist nur etwa fünfzig hier. Genauso verhält es sich auch mit den Betten«, fügte Brokk erklärend hinzu.

    Ah, das Prinzip der warmen Koje, überlegte Max. »Und was hast du für mich als Schlafgelegenheit ausgesucht?«

    »Na, selbstverständlich mein Bett, du siehst verdammt müde aus. Ich schlafe am Kamin.«

    Max wollte dies nicht zulassen, aber nach wiederum einigem Hin und Her nahm er den Vorschlag an.

    Die Treppe in das obere Stockwerk mündete in einen langen Gang, der in regelmäßigen Abständen von Türen unterbrochen war. Vor einer Tür, auf der zwei Tiere abgebildet waren, wovon es sich bei einem zweifellos um einen Dachs handelte, blieben sie stehen.

    »Das ist mein Gildezeichen«, sagte Brokk stolz und zeigte auf den Dachs. »Die Flinkmaus daneben ist das Zeichen meines Mitbewohners.«

    »Dann bist du also Brokk, der Dachs?«, stellte Max lächelnd fest.

    »Ganz recht«, stimmte Brokk zu und stieß die Tür auf. »Das Bett wirst du allein finden, ich habe noch was zu erledigen.«

    Bevor Max antworten konnte, war Brokk über die Treppe verschwunden. Max trat in den kleinen Raum und schloss die Tür hinter sich. Zuerst fiel ihm ein großer Schrank auf, auf dem er trotz des spärlichen Lichtes die gleichen Zeichen wie auf der Tür entdeckte. Er wollte schon die Tür des Schrankes öffnen, um seinen Inhalt zu inspizieren, als es ihm gelang, seine Neugierde zu unterdrücken.

    Seufzend wandte er sich ab und überblickte den Rest des Raumes. Außer einem ordentlich gemachten Bett, gab es nur noch einen Stuhl und einen Tisch, auf dem eine große Schüssel mit einem Krug stand.

    Schweigend legte Max seine Habseligkeiten auf den Tisch und entkleidete sich. Als er in das Bett schlüpfte und gähnte, bemerkte er, dass es höchste Zeit für eine Mütze voll Schlaf war. Minuten später hörte man nur noch das leise Geräusch seines regelmäßigen Atems in der Kammer.

    *

    Er wusste nicht, wie lange er bereits geschlafen hatte, als ihn das Knarren der Tür weckte. Zuerst dachte er an Brokk, der vielleicht etwas vergessen hatte und jetzt kam, um es zu holen. Doch als er zur Tür sah, zeichnete sich im schwachen Licht, das vom Gang herein fiel, die Gestallt einer Frau ab.

    »Ipas?«, entfuhr es ihm.

    »Spar dir deinen Atem, Fremder, zum Reden ist später Zeit.« Mit diesen Worten war sie näher gekommen und hatte die Tür hinter sich geschlossen.

    In dem jetzt herrschenden Dunkel hörte er nur noch das Rascheln von Kleidern und spürte einen warmen Körper geschmeidig zu ihm ins Bett schlüpfte.

    *

    Ein lautes Klopfen an der Tür weckte ihn. Verwirrt setzte er sich auf - der Platz neben ihm war leer. »Also doch nur ein Traum«, brummelte er enttäuscht. Doch dann glaubte er noch einen schwachen Duft von Parfüm wahrzunehmen. Ein erneutes Pochen riss ihn aus den Gedanken. »Ja, bitte«, antwortete Max automatisch.

    Die Tür wurde geöffnet und Brokk trat mit einem fröhlichen Lächeln ein. »He, Max aufstehen, es ist längst Tag und wir haben noch viel zu tun.«

    »Was heißt hier Tag? Draußen ist es noch stockfinster«, knurrte dieser unwirsch zurück.

    »Max, komm jetzt raus, wir sind hier doch in Lokisgjöld, falls du das vergessen hast«, belehrte ihn Brokk spöttisch.

    Das machte ihn entgültig wach und er beeilte sich, in seine Kleider zu schlüpfen.

    Brokk war inzwischen zu dem Schrank getreten und hatte ihn geöffnet. Max, der geglaubt hatte, mit Reichtümern konfrontiert zu werden, musste feststellen, dass es sich um einen einfachen Kleiderschrank handelte. Zwischenzeitlich war er angekleidet und Brokk hielt zwei Handtücher in der Hand.

    »Komm, Max, bevor wir zum Frühstück gehen, nehmen wir noch ein Bad«, drängte der Dieb.

    Das Bad befand sich in einem Anbau des Hauses und war eher eine Sauna.

    »Arbeitest du heute nicht?«, fragte Max scherzhaft, während sie in den Dampfschwaden schwitzten.

    »Nein, ich muss mich doch um dich kümmern.«

    Max kam das alles etwas eigenartig vor. »Wie wäre es, Brokk, wenn du mir jetzt einmal etwas Genaueres über die Gilde erzählen würdest? Natürlich nur im Rahmen dessen, was zulässig ist.«

    »Ich hab schon bemerkt, dass du neugierig bist. Die Gilde ist weit verbreitet. In fast jeder Stadt gibt es eine Gildehalle, die in ständigem Kontakt zueinander stehen. Das Stehlen ist eigentlich nur ein Nebenerwerb, der uns Geld bringt und fit hält. Das Meiste, das wir so den langen Tag über - äh - einsammeln, fließt in die Zunftkasse. Wir brauchen nicht viel Geld, denn die Gilde versorgt uns mit allem Nötigen, wie Unterkunft, Nahrung und Kleidern. Unser eigentliches Geschäft ist Spionage. Es gibt andauernd Intrigen, Grenzkonflikte und so weiter. Im Großen und Ganzen geht es aber immer um Geld, viel Geld. Da wir einen guten Ruf in dieser Tätigkeit haben und unbestechlich sind, erhalten wir zu unserem festgesetzten Lohn noch einen Teil des Gewinns. Falls die Partei, die einen von uns gekauft hat, als Sieger hervor geht. Aber meist hat auch die andere Gruppe einen der Unseren angeheuert und wir bekommen unseren Teil so oder so. Oh, du brauchst nicht so die Stirn zu runzeln. Es erfolgt keine Absprache zwischen den Spionen - sie geben alle ihr Bestes. Auch kennen sie einander nicht und sollte es doch einmal passieren, dann hat einer von ihnen Pech. Natürlich versucht die Gilde in diesem Fall, den Mann frei zu kaufen, doch meist ist es schon zu spät. Auch die Kontrahenten wissen, dass unsere Leute auch für die Gegenseite arbeiten«, fügte Brokk erklärend hinzu.

    Max' Verwunderung und auch Achtung vor seinen Gastgebern stieg. Das war eine durchorganisierte Vereinigung nach Mafiaart.

    »Und wie ist das mit der roten Kleidung?«, hakte Max noch einmal nach.

    »Oh!«, lachte Brokk. »Das ist unsere offizielle Gildenkleidung.«

    »Hä?«, machte Max nicht besonders geistreich.

    »Na ja, unsere Freizeitkleidung. Wie die Schiffer ihre grünen Hosen und...«

    »Du meinst, du warst gar nicht im - im Dienst, als du mich bestehlen wolltest?«, unterbrach ihn Max fassungslos.

    »Natürlich nicht. Oder denkst du, ich arbeite in dieser roten Kleidung? Da könnte ich mir gleich ein Schild umhängen. Nein, nein, ich konnte nur diesem riesigen Stück Rohpulver nicht widerstehen, das du mir förmlich vor die Nase gehalten hast. Ähm - und wo wir schon dabei sind...«, Brokk suchte verlegen nach Worten. »Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du meinen kleinen Missgriff nicht unbedingt publik machen würdest.«

    »Wieso?«, fragte Max scheinheilig.

    »Wir sollen das nicht«, antwortete Brokk so leise, dass Max die Ohren spitzen musste. »Ich meine, in Gildekleidung zu stehlen, ist eigentlich verboten.«

    »So«, machte Max lang gezogen. »Aber wie schon ein altes Sprichwort sagt: Eine Hand wäscht die andere.«

    »Ja - genau«, stimmte Brokk aufatmend zu. »Ein tolles Sprichwort.«

    »Oh, ja.«

    »So, hoffentlich kannst du dir jetzt ein besseres Bild von unserer Gilde machen«, schloss der junge Mann, nachdem er einige Augenblicke gewartet hatte, ob Max noch etwas sagen wollte, ziemlich lau.

    »Sehr eindrucksvoll, damit hätte ich nicht gerechnet«, bekannte Max laut überlegend. »Da ist allerdings noch etwas - nichts mit der Gilde. Ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte schwören, dass ich heute Nacht Besuch hatte. Aber heute Morgen...«, er zuckte verlegen mit den Schultern, »...war niemand da.«

    »Dann war Ipas wohl doch erfolgreich«, frohlockte Brokk augenzwinkernd. »Weißt du, Max, Ipas ist hinter etwas her. Was genau, weiß ich nicht und wohl auch sonst keiner. Sie hält sich da ziemlich bedeckt«, erklärte er mit einer ungewissen Geste. »Tatsache ist aber«, fuhr er nach einem Moment fort, »dass sie jeden Fremden becirct, um etwas Bestimmtes in Erfahrung zu bringen. Hat sie dich nicht auch ausgequetscht?« Er starrte Max forschend an.

    »Ausgequetscht schon, aber nicht mit Worten.«

    Die Röte, die Brokk ins Gesicht schoss, stand ihm fabelhaft und war angesichts seines Berufes eigentlich nicht zu erwarten gewesen.

    »Max«, begann er zögernd, »so direkt...«

    »Ach, schon gut«, wehrte Max ab. »Lass uns lieber etwas essen gehen.«

    Das Essen übertraf seine Erwartungen. Vielleicht, weil er im Unterbewussten Diebe und Räuber mit Wasser und Brot assoziiert hatte. Und mit Wasser und Brot hatte das Mahl, das hier aufgefahren wurde, wirklich nichts zu tun. Allerlei verschiedene Käse- und Wurstsorten, Früchte in allem Farben des Regenbogens, diverse Fleischsorten und kleine Kuchen bedeckten den riesigen Tisch in der »Cafeteria der Diebe«, wie Max heimlich dachte.

    Sie ließen sich Zeit und genossen ihr Frühstück ausgiebig. Als sie fertig waren, gab Brokk zu verstehen, dass es für Max an der Zeit wäre, sich endlich um neue Kleidung zu kümmern. Alle Proteste wurden damit abgelehnt, dass seine jetzige Kleidung viel zu auffällig sei. Als er endlich nachgab, musste er zu seinem Erstaunen feststellen, dass es im Hause sogar eine eigene Schneiderei gab.

    Durch diese Vielzahl von Abteilungen und Räume, die es allem Anschein nach in diesem Haus gab, sichtlich verwirrt, fragte Max, auf dem Weg zur Schneiderei, wie groß dieses Gildehaus eigentlich sei.

    Brokk antwortete, dass es sich über einen ganzen Straßenzug erstreckte und alles enthielt, was die Gildenangehörigen zur unmittelbaren Versorgung benötigten. Angefangen bei der Schmiede, über die Wäscherei und Schneiderei, bis zur Schreiner- und Fälscherwerkstatt.

    Mittlerweile hatten sie die Räume der Schneiderei betreten und Max konnte nur wieder einmal den Kopf schütteln angesichts der Dimensionen, in denen hier gearbeitet wurde.

    »Na, Brokk, mein Junge, Besuch mitgebracht?« grüßte ein älterer Mann mit langem, weißen Bart, während er Max zu nickte.

    »Ja, Sigo, wir müssen ihn neu einkleiden. Hast du etwas Passendes hier?« fragte Brokk, mit einem verweisenden Wink in Max' Richtung, grinsend. »Nichts Rotes«, setzte er noch hinzu.

    Max sah leicht deprimiert von seinem lächelnden neuen Freund zu dem ihn kopfschüttelnd musternden Schneiderdieb, wie er ihn in Gedanken titulierte. Seine Kleidung schien wirklich nicht den in dieser Gegend gebräuchlichen Maßstäben gerecht zu werden. Leicht verärgert sah er sich um. Die Werkstatt unterschied sich nicht von den vielen kleinen Schneidereien, die er auf der Erde gesehen hatte. Sie bot Platz für etwa fünf bis sechs Arbeiter. Allerdings war es ihm schleierhaft, wie sie hier zügig arbeiten wollten, da alle Tische brechend voll mit Stoff- und Lederstücken lagen.

    Sigo hatte Max inzwischen eingehend gemustert und einige Kleidungsstücke zusammen gesucht. Ein paar Minuten später stand er vor einem Spiegel und begutachtete seine neue Ausstattung. Sie kam ihm zwar etwas fremdartig vor, doch die langen, hellbraunen Lederhosen passten ihm sehr gut und waren erstaunlich weich. Bei dem Hemd handelte es sich um ein naturweißes Leinengewebe, das zwar etwas kratzte, ihm aber, wie er sich etwas eitel überlegte, gut stand. Darüber trug er eine moosgrün gefärbte Lederweste mit diversen Taschen und Täschchen. Seine Schuhe hatte er behalten. Ja, im Großen und Ganzen sah er ganz passabel aus.

    In diesem Moment kamen die anderen Schneidergesellen. Jetzt war er doch gespannt, wie sie bei diesem Durcheinander und der trüben Beleuchtung einigermaßen effizient arbeiten wollten. Nun, vielleicht haben sie auch von diesen leuchtenden Steinen?, überlegte er. Doch dem war nicht so. Einer der Gesellen nahm ein ananasförmiges Gebilde, aus dem ein Stift ragte, in die Hand und gleich darauf ertönte ein leises Zischen. Dann machte er sich mit der anderen Hand an einem Gegenstand zu schaffen, der frappierend an einen Anzünder für Schweißbrenner erinnerte. Gleich darauf war der Raum in ein helles Licht getaucht, das der Ananas entsprang.

    »Was ist denn das für eine Lampe?«, fragte Max erstaunt und wandte sich Brokk zu.

    »Na ja, eigentlich ist es eine Nuss, die Frucht des Blaubaums. In ihrem Innern befindet sich eine erstaunliche Menge hochverdichtetes Gas. Behandelt man die Nuss auf eine bestimme Art, wird das Gas brennbar. Dann braucht man nur noch den Brenn- und Regelstift einzudrehen und man hat eine brauchbare Lichtquelle.«

    »Eine sehr interessante Lösung«, bestätigte Max, obwohl er sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, was ein Baum mit einer Gasflasche als Frucht wollte. »Doch warum nehmt ihr nicht diese leuchtenden Steine?«

    »Das wäre natürlich besser«, mischte Sigo sich ein. »Aber wir wissen nicht, wie sie hergestellt werden. Das ist ein Geheimnis der Magier. Wir halten uns lieber an Dinge, die wir verstehen und selbst herstellen können. Das hat außerdem den Vorteil, dass wir in kein Abhängigkeitsverhältnis zu den Magiern kommen«, fügte er noch hinzu.

    Eine sehr vernünftige Einstellung, musste Max sich eingestehen. Dann kam ihm ein Gedanke: »Meister Sigo, wie lange würdet Ihr brauchen, um einen Mantel zu fertigen?«

    »Nun, das kommt darauf an, wie Ihr ihn wollt«, antwortete der Schneiderdieb vorsichtig. »Aber bestimmt nicht länger als einen Tag.«

    »Gut, dann macht mir einen Mantel. Nicht länger als bis an meine Knien und außerdem, das ist wichtig, ich möchte keine einheitliche Farbe. Nehmt Euch braune, grüne, dunkelgelbe und schwarze Flicken und näht diese zu einem Mantel zusammen.«

    Bevor Sigo antworten konnte, fiel ihm Brokk ins Wort: »Da will der Fisch den Vogel fliegen lehren«, kicherte er spöttisch. »Du meinst einen Tarnmantel wie er draußen im Feld verwendet wird. Wir kennen das auch, aber du bist nicht gerade arm und es gibt da etwas Besseres: Einen Mimikrymantel!«, rief er fast triumphierend. »Der wird aus der Haut des Steinschlüpfers gefertigt - sehr selten.«

    »Aha?«, machte Max skeptisch.

    »Papperlapapp«, überging Brokk den Einwand und machte eine geringschätzige Geste mit der Hand, bevor er weiter sprach: »Also, aus der Haut des Steinschlüpfers wird dieser Mantel gemacht. Dieses Tier kann sich jeder Umgebung anpassen und die Haut verliert diese Fähigkeit auch nicht mit dem Tod des Steinschlüpfers. Für einen Durchschnittsmenschen natürlich unerschwinglich.« Er zuckte die Schultern. »Aber bei dir dürfte dies Ausgabe kaum ins Gewicht fallen.«

    Max war erstaunt, das erinnerte ihn an ein Chamäleon.

    »Könnt Ihr mir so einen beschaffen, Meister Sigo?«, wandte er sich fragend an den aufmerksam zuhörenden Mann.

    »Gewiss, bis heute Abend könnt ihr einen bekommen«, antwortete er zögernd und musterte Max mit neu erwachtem Interesse. »Er wird aber ziemlich teuer«, fügte er hinzu und ließ seinen Blick zwischen Max und Brokk hin und her wandern.

    »Gut, bis heute Abend dann«, bestätigte Max, ohne auf Sigos unausgesprochene Frage einzugehen.

    »So und was jetzt?«, fragte Brokk, als sie die Werkstatt verlassen hatten.

    »Als Erstes suchen wir uns ein stilles Plätzchen«, begann Max, »und dann werde ich dir eine seltsame Geschichte erzählen.«

    »Ah! Endlich, ich hab mich schon gefragt, wann du damit herausrücken willst.«

    Max seufzte und fragte sich, warum er ausgerechnet einem Dieb sein Vertrauen schenken wollte.

    »So«, schloss Max eine geraume Weile später. »Hast du eine Ahnung, wer mir da weiter helfen könnte?« Er hatte Brokk seine Geschichte ziemlich detailgetreu geschildert und der Dieb hatte stumm zugehört.

    Der junge Mann blieb eine lange Zeit still sitzen und Max begann bereits unruhig zu werden, als er langsam, nach Worten suchend, antwortete: »Ich hab ja mit einigem gerechnet, aber damit dann doch nicht.« Er schüttelte bedächtig den Kopf. Eine Geste, die so gar nicht zu seinem Alter passen wollte. »Es ist alles sehr seltsam«, redete er dann weiter. »Aber von der Pyramide hab ich auch schon gehört. Allerdings nur in Märchen«, fügte er hinzu, als er Max hoffnungsvollen Blick bemerkte. »Das Einzige, was mir jetzt einfällt und was ich für dich tun könnte, ist, dich zum Wegfinder zu führen. Er ist der Einzige, der dir vielleicht helfen könnte, aber ich habe wenig Hoffnung.« Er sah Max bedrückt an. »Der Wegfinder ist eine merkwürdige Gestalt, eine Art Mythos in Lokisgjöld und man sagt, er hätte schon seit vielen Jahren niemanden mehr empfangen.«

    In Max flackerte Hoffnung auf. »Wir gehen sofort hin«, beschloss er, bereit, nach jedem Strohhalm zu greifen, der sich ihm bot und schnappte sich seinen Stab.

    Brokk nickte resignierend und stand ebenfalls auf.

    *

    Brokk führte ihn in Richtung Zentrum und je näher sie ihm kamen, desto dichter standen die Zelte, Buden und Wagen der Händler.

    »Ist der Markt eigentlich nur zu einer bestimmten Zeit geöffnet, oder haben die Leute in Lokisgjöld soviel Geld?«, fragte Max verwundert, angesichts des unentwegten Geschreis und Gewühls, das um sie herum herrschte.

    »Oh, nein, die Einwohner haben auch nicht mehr als anderswo. Der Markt ist mehr für die Händler. Lokisgjöld ist der größte Warenumschlagsplatz im Westen Malokalaris und deshalb das ganze Jahr über geöffnet«, erklärte Brokk mit gewichtigem Gesichtsausdruck.

    »Malokalari! Heißt so das Land hier?«, fragte Max interessiert.

    »Du musst tatsächlich aus einer anderen Welt kommen«, meinte der Dieb kopfschüttelnd. »Malokalari heißt dieser Kontinent. Das bedeutet in einer alten Sprache 'Land des Astes'. Ebenso wie der Name des Planeten Vilodera in dieser Sprache Heimatboden bedeutet.«

    »Ah!«

    »Ja, ah!«, bestätigte Brokk grinsend.

    Der Lärm auf dem Marktplatz wurde immer lauter. »Frisch eingetroffen, Stahl aus Odomar«, schrie es neben ihnen, in einer Lautstärke, dass Max zusammenzuckte. »Odomar-Stahl, gehärtet in den glühenden Tiefen von Om. Schwerter, Spieße, Messer, alles aus Odomar...« Brokk zog ihn weiter. »Heilsteine aus Schar-i-Bock gegen eure schlimmsten Leiden, Giftspürer aus den Wolkenbergen, Liebeszauber, Kraftringe, ein todsicheres Mittel gegen den Tod.« Tausende Rufe erfüllten die Luft und Max Ohren, so dass er erstaunt stehen blieb. Doch Brokk drängte ihn ungeduldig weiter.

    Endlich ereichten sie den künstlichen Hügel, auf dem der Königspalast stand. An die Seitenmauer gelehnt, befand sich ein etwa fünfzehn Meter durchmessender Turm, dessen Tür ein landkartenähnliches Wappen verzierte. Falls die Mauern nicht all zu dick waren, dachte Max, musste es sich im Innern ganz gut leben lassen.

    »Das ist der Turm des Wegfinders«, sagte Brokk und wies mit einem bekümmerten Gesichtsausdruck auf das Bauwerk. »Aber ich glaube nicht, dass man uns einlässt.«

    »Das werden wir sehen«, sagte Max mit entschlossener Miene.

    Mit diesen Worten trat er an die Tür und pochte heftig Einlass fordernd dagegen.

    Sie warteten einige Minuten, aber an der Tür regte sich nichts.

    »Hab' ich gleich gesagt«, murmelte Brokk mit hängenden Schultern.

    »So schnell geben wir nicht auf«, knurrte Max verbissen und traktierte die Tür erneut mit seinen Knöcheln. Er hatte kaum seine Hand gesenkt, als sich ein kleines Türfenster in Kopfhöhe öffnete und das bleiche, eingefallene Gesicht eines grauhaarigen, alten Mannes sie blinzelnd an sah.

    »Bedauere, mein Herr, der Wegfinder ist heute nicht zu sprechen«, rasselte er mit einer Stimme herunter, die knarrte wie eine alte, rostige Türangel und bevor Max sich versah, hatte er das Fensterchen wieder zu geschlagen.

    Nun war Max ernsthaft verärgert und vergaß alle guten Vorsätze. Er zerrte sein Schwert aus der Scheide und hämmerte mit dem Knaufstein heftig gegen die Tür. Dieser Lärm musste auch den verschlafensten Menschen aus der Ruhe bringen. Und siehe da, wieder öffnete sich die Fensterklappe. Der Alte wollte zum Sprechen ansetzen, als Max ihn mit der Linken am Kragen packte.

    »So«, knirschte er und schüttelte den sich kraftlos wehrenden Mann durch. »Jetzt geht Ihr zu Eurem Herrn und sagt ihm, Maximilian Junker steht vor seiner Tür und begehrt Einlass. Und solltet Ihr nicht innerhalb kürzester Zeit mit einer positiven Antwort zurück sein, dann breche ich die Tür auf und der Abdruck meines Schwertknaufs wird Euere Stirn zieren.« Max schüttelte ärgerlich Brokks Hand ab, der nervös an seinem Ärmel zupfte und fuchtelte, um seine Worte zu unterstreichen, mit dem Schwertknauf vor dem Gesicht des entsetzten alten Mannes herum.

    Als die Augen des Greises auf den Stein am Knauf des Schwertes fielen, weiteten sie sich ungläubig. Max ließ ihn, durch dieses Starren leicht verwirrt, los.

    »Herr«, stammelte er, nach Luft schnappend. »Wenn Ihr mir gleich den Stein gezeigt hättet, dann...« Er zuckte verlegen mit den Schultern. »Ihr kommt von Dürrast?«

    Max nickte bestätigend und versuchte, durch sicheres Auftreten seine plötzliche Unsicherheit zu überspielen. Brokk stand mit offenem Mund neben ihm und von seinem sonst sehr lebhaften Wesen war nicht viel übrig geblieben.

    Knarrend öffnete sich die Tür und der Mann bat sie, sich tief verneigend, einzutreten.

    »Na, so was«, murmelte Max und machte keine Anstalten, sich von der Stelle zu rühren.

    »Hast du nicht gehört, was er gesagt hat?«, knurrte Brokk im Flüsterton und gab Max unauffällig einen Stoss mit dem Ellenbogen.

    »Gewiss, führt uns zu Eurem Herrn«, sagte Max zu dem Diener und riss sich zusammen.

    Der Mann verbeugte sich noch einmal und schritt, die beiden Männer zum Folgen auffordernd, durch die dicke Holztür.

    »Führt uns zu Euerem Anführer«, hörte Max den leise kichernden Brokk flüstern. Bevor er den Dieb mit einem verdrossenen Blick strafen konnte, durchschritten sie den Eingang und gelangten in eine kühle, nur vage erleuchtete Halle, die anscheinend den kompletten unteren Teil des Turmes einnahm.

    »Geduldet Euch einen Augenblick, ihr Herren«, sagte der Alte unvermittelt und verschwand im Halbdunkeln der Halle.

    »Verdammt«, entfuhr es Max laut und der vielfache Widerhall bestätigte ihnen die Größe und auch Leere dieses düsteren Raumes.

    »Max, siehst du was?«, flüsterte Brokk.

    »Was soll ich sehen? Hier ist nichts zu sehen und außerdem ist es so dunkel wie im - im...« Max brach ärgerlich ab.

    »Genau«, antwortete Brokk triumphierend. »Hier ist nichts, nicht einmal eine Treppe.« Er starrt Max herausfordernd an.

    Ein knarrendes Schleifen, das aus den Höhen des Raumes erklang, ersparte Max eine klägliche Antwort. Nach oben blickend, sahen sie zuerst nur einen dunklen Schacht, der sich mit Schwärze gegen die Düsterheit der Halle abhob. Doch dann, allmählich, schälten sich die viereckigen Konturen eines Aufzugskorbes aus der Dunkelheit. Als er am Boden an kam, tauchte der bleiche Diener wieder auf und komplimentierte sie in die Kabine. Ein kurzer Zug an einer feinen Schnur setzte die Gerätschaft wieder in knarrende Bewegung.

    Als sie nach kurzer Fahrt den nächsten Stock erreichten und durch eine weitere Holztür traten, mussten sie für einen Moment geblendet die Augen schließen. Strahlendes Sonnenlicht drang durch die hohen, geöffneten Fenster eines lichten Gemachs. Der Turm musste sich weit über die verhangene Stadt erheben. Max bemerkte erst jetzt, wie sehr er sich schon an das Halbdunkel der Straßen von Lokisgjöld gewöhnt hatte.

    »Willkommen, ihr edlen Herrn«, ertönte eine sonore Stimme aus dem Hintergrund des Raumes.

    Vorsichtig blickte Max sich in dem sonnendurchfluteten Gemach um. Dicke Teppiche bedeckten den Boden und ein kaffeeartiger Duft erfüllte die Luft. An den Wänden, sauber aufgereiht in Regalen, Bücher, Pergamentrollen, Karten und dazwischen, auf einem Haufen Kissen, inmitten von Akten, Skizzen und Tontafeln..., saß ER.

    Ein eisiger Schauer durchlief Max und auch Brokk wirkte etwas blass um die Nase, wie ein schneller Seitenblick zeigte. Der Mann hatte zwei Köpfe. Max kämpfte verzweifelt um seine Fassung und darum, sich sein Erschrecken nicht anmerken zu lassen.

    »Tretet näher, ihr braucht keine Angst zu haben. Ich weiß, dass mein Aussehen die meisten Leute in - äh - gelindes Erstaunen versetzt«, fügte er mit einem Hauch von Spott in der Stimme hinzu.

    Immer noch leicht verwirrt, traten sie näher. Als sie den Tisch erreichten, stand der Wegfinder auf, denn nur um ihn konnte es sich bei der außergewöhnlichen Gestalt handeln. Er war ein paar Zentimeter größer als Max und gertenschlank. Nur die Schultern waren erheblich breiter, was wahrscheinlich auf die zwei Köpfe zurück zu führen war, überlegte Max. Beide Gesichter waren scharf geschnitten und wiesen in ihrer Physiognomie keinen Unterschied auf. Doch während der eine Kopf pechschwarzes Haar trug, war das des anderen blütenweiß.

    »Willkommen in unserem Haus«, durchbrach der dunkle Kopf das peinlich werdende Schweigen. »Nehmt doch bitte Platz!«

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1