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Stellaris Paket 8: Perry Rhodan Stellaris Geschichten 71-80

Stellaris Paket 8: Perry Rhodan Stellaris Geschichten 71-80

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Stellaris Paket 8: Perry Rhodan Stellaris Geschichten 71-80

Länge:
312 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Apr 1, 2021
ISBN:
9783845349299
Format:
Buch

Beschreibung

Das Raumschiff STELLARIS lädt ein zu einer besonderen Reise in das Perryversum

Die STELLARIS ist ein besonderes Raumschiff: Seit vielen Jahren reist sie durch das Universum der PERRY RHODAN-Serie, bemannt von einer wechselnden Besatzung, unter wechselnder Leitung und mit wechselnden Zielen. Die Abenteuer, die ihre Besatzung und Passagiere erleben, sind Thema zahlreicher Geschichten ...

Unterschiedliche Autoren verfassten die Kurzgeschichten rings um das Raumschiff STELLARIS. Sie werden seit Jahren regelmäßig im Mittelteil der PERRY RHODAN-Hefte veröffentlicht – hier präsentieren wir die Folgen 71 bis 80 in einer Sammlung.

Mit dabei sind Kurzgeschichten von Hermann Ritter, Michael G. Rosenberg, Ulf Fildebrandt, Dennis Mathiak, Michael Tinnefeld, Olaf Brill, Gerhard Huber, Dieter Bohn und Roman Schleifer,

Das STELLARIS-Paket 8 umfasst folgende Geschichten:

Folge 71: "Gefahrenzulage" von Hermann Ritter
Folge 72: "Ein Roboter namens Ferdinand" von Michael G. Rosenberg
Folge 73: "Die Runde machen" von Ulf Fildebrandt
Folge 74: "Die Sonne der STELLARIS" von Dennis Mathiak
Folge 75: "Linearraum-Rhapsodie" von Michael Tinnefeld
Folge 76: "Der Ara" von Olaf Brill
Folge 77: "Die Sehnsucht der Flechte" von Gerhard Huber
Folge 78: "Eingedost" von Dieter Bohn
Folge 79: "Das Erbstück" von Roman Schleifer
Folge 80: "Der Intelligenztest" von Ulf Fildebrandt
Freigegeben:
Apr 1, 2021
ISBN:
9783845349299
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Stellaris Paket 8

Buchvorschau

Stellaris Paket 8 - Hermann Ritter

cover.jpg

Cover

Vorwort

Stellaris 71

Vorwort

»Gefahrenzulage« von Hermann Ritter

Stellaris 72

Vorwort

»Ein Roboter namens Ferdinand« von Michael G. Rosenberg

Stellaris 73

Vorwort

»Die Runde machen« von Ulf Fildebrandt

Stellaris 74

Vorwort

»Die Sonne der STELLARIS« von Dennis Mathiak

Stellaris 75

Vorwort

»Linearraum-Rhapsodie« von Michael Tinnefeld

Stellaris 76

Vorwort

»Der Ara« von Olaf Brill

Stellaris 77

Vorwort

»Die Sehnsucht der Flechte« von Gerhard Huber

Stellaris 78

Vorwort

»Eingedost« von Dieter Bohn

Stellaris 79

Vorwort

»Das Erbstück« von Roman Schleifer

Stellaris 80

Vorwort

»Der Intelligenztest« von Ulf Fildebrandt

Impressum

Das Raumschiff STELLARIS lädt ein zu einer besonderen Reise in das Perryversum

Die STELLARIS ist ein besonderes Raumschiff: Seit vielen Jahren reist sie durch das Universum der PERRY RHODAN-Serie, bemannt von einer wechselnden Besatzung, unter wechselnder Leitung und mit wechselnden Zielen. Die Abenteuer, die ihre Besatzung und Passagiere erleben, sind Thema zahlreicher Geschichten ...

Unterschiedliche Autoren verfassten die Kurzgeschichten rings um das Raumschiff STELLARIS. Sie werden seit Jahren regelmäßig im Mittelteil der PERRY RHODAN-Hefte veröffentlicht – hier präsentieren wir die Folgen 71 bis 80 in einer Sammlung.

Mit dabei sind Kurzgeschichten von Hermann Ritter, Michael G. Rosenberg, Ulf Fildebrandt, Dennis Mathiak, Michael Tinnefeld, Olaf Brill, Gerhard Huber, Dieter Bohn und Roman Schleifer.

Das STELLARIS-Paket 8 umfasst folgende Geschichten:

Folge 71: »Gefahrenzulage« von Hermann Ritter

Folge 72: »Ein Roboter namens Ferdinand« von Michael G. Rosenberg

Folge 73: »Die Runde machen« von Ulf Fildebrandt

Folge 74: »Die Sonne der STELLARIS« von Dennis Mathiak

Folge 75: »Linearraum-Rhapsodie« von Michael Tinnefeld

Folge 76: »Der Ara« von Olaf Brill

Folge 77: »Die Sehnsucht der Flechte« von Gerhard Huber

Folge 78: »Eingedost« von Dieter Bohn

Folge 79: »Das Erbstück« von Roman Schleifer

Folge 80: »Der Intelligenztest« von Ulf Fildebrandt

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Folge 71: »Gefahrenzulage« von Hermann Ritter

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Titelillustration: Dietmar Krüger

Willkommen an Bord der

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Ahoi vom Raumschiff STELLARIS!

Die STELLARIS ist ein terranisches Fracht- und Passagierschiff, das vor etwa fünfhundert Jahren auf dem Planeten Myra abgestürzt ist, der hinter einer Hypersturmfront verborgen lag. Nachdem das Schiff wieder flottgemacht worden ist, als die Hypersturmaktivität nachgelassen hat, bricht die STELLARIS mit einer neuen Mannschaft in die Milchstraße auf, die sich radikal verändert hat.

Kapitänin ist die mit allen Wassern gewaschene Thassaia, die einzig zu einem Thema beharrlich schweigt, nämlich wie eigentlich ihr Vorname lautet. An ihrer Seite steht die junge Erste Offizierin Kaya Tikane, deren Vorfahren Priester des Báalol-Kultes waren. Unser Zeichner Dietmar Krüger zeigt uns in der Titelillustration dieser Story ein – wie ich finde – starkes Porträt der jungen Raumfahrerin.

Viele andere Crewmitglieder sorgen im Dreischichtbetrieb dafür, dass die STELLARIS, ihre Fracht und Passagiere sicher ans Ziel kommen. Diesmal blicken wir in den Arbeitsalltag des ploxandischen Frachtführers Obregon, der ebenfalls auf der genannten Illustration dargestellt ist. Eigentlich möchte er nur penibel seiner Arbeit nachgehen, auch wenn er gelegentlich von Größerem träumt. Doch manchmal läuft so ein Arbeitstag anders, als man es sich so denkt. Vor allem, wenn es plötzlich zum Job gehört, Gefangene zu betreuen ...

Der Autor der vorliegenden Geschichte ist für die PERRY RHODAN-Leser kein Unbekannter: Hermann Ritter ist ein Urgestein der deutschen Phantastik-Szene: langjähriger Mitherausgeber von »Magira«, dem umfangreichen »Jahrbuch für Fantasy«, mehrmaliger Vorsitzender der PERRY RHODAN-FanZentrale, und den meisten von euch sicher von den PERRY RHODAN-Clubnachrichten bekannt, die er bis Januar 2019 mehr als fünfzehn Jahre lang betreute.

Ritter hat mehrere Romane zu PERRY RHODAN-Action und PERRY RHODAN NEO beigesteuert. Auch in der aktuellen Miniserie um die Mission SOL ist er wieder dabei. Sein Roman »Das Orakel von Takess« ist im August erschienen.

Tatsächlich gehört Hermann Ritter sogar zu den Ur-Autoren der STELLARIS-Reihe: Die fünfte Episode stammt von ihm, sie ist sage und schreibe vor elfeinhalb Jahren erschienen. Zeit für einen weiteren Beitrag – hier ist er! Ich bin sicher, dass wir von Hermann Ritter in Zukunft weitere phantasievolle Geschichten lesen werden, ob sie auf dem Raumschiff STELLARIS spielen oder irgendwo anders im vielfältigen Universum von PERRY RHODAN.

Allzeit gute Fahrt zu den Sternen

Ad astra

Euer

Olaf Brill

Folge 71

Gefahrenzulage

von Hermann Ritter

Es half nichts – Obregon war wach. Er hatte versucht, sich mit schönen Bildern in den Schlaf zu wiegen. Doch das einzige Wort, das ihm immer wieder einfiel, wenn er fast eingeschlafen war, lautete Gefahrenzulage. Dies war der Begriff, mit dem die Kapitänin die neue Ladung beschrieben hatte.

Gefahrenzulage – das klang nach Abenteuern, wie sie Holo-Detektive im Trivid erlebten, nach großen Herausforderungen an die technischen Fähigkeiten der Mannschaft.

Obregon hatte sich vorgestellt, wie er unter den bewundernden Blicken der Kameraden riesige Fesselfeldgeneratoren im Laderaum installierte, um etwas zwischen einem der legendären Marschiere-Viels und einem Dolan festzusetzen. Selbstverständlich hätte er dafür die Maschinen bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit treiben müssen. Die Fesselfelder hätten unter dem Ansturm geklungen, als schlage jemand mit einem großen Hammer auf eine riesige Glocke ein. Aber unbeirrt von allen Störungen hätte er, Obregon, der Ploxander, die Ruhe bewahrt und mit einer geschickten Notfallschaltung die Situation unter Kontrolle gebracht.

Doch das war alles nur eine Phantasie.

Stattdessen bestand seine Ladung, ihre Ladung, aus Sträflingen. Gefangenen. Übeltätern einer fremden Welt, die nach Gesetzen verurteilt worden waren, die grausamer und archaischer waren als alles, das man je auf der STELLARIS für vorstellbar gehalten hatte.

Die Nacht war für ihn vorbei. Obregon richtete sich auf, blickte auf die an die Wand projizierte Zeitanzeige und beschloss, dass 4.27 Uhr schon fast 6.30 Uhr war. Damit hatte er sicherlich lange genug geschlafen, um nicht völlig zerschlagen und mit dem Gesichtsausdruck eines zerknautschten Matten-Willys seinen Dienst zu beginnen.

Er gähnte herzhaft und strich sich die Mundtentakel glatt. Gefahrenzulage. Verdammter Mist.

*

Es half wenig, dass die Kapitänin überall lachend herumerzählte, wie ungefährlich die beiden Gefangenen und wie rückständig die Prudencer waren. Obregon hatte trotzdem das Gefühl, dass ihn die Verantwortung erdrückte, die auf seinen Schultern lastete. Wenn nichts geschah, gab es die Gefahrenzulage. Wenn etwas geschah, gab es keine Gefahrenzulage – und er war schuld.

Also nahm er sich besser Zeit für eine erneute Kontrolle. Noch vor dem Frühstück!

Er aktivierte die Konsole und ließ sich die Bildüberwachung der beiden Kabinen vorführen. Seine Art, in die Frachträume hineinzublicken, war nicht jedermanns Sache. Ihm half es, sich in die Begebenheiten vor Ort einzufinden. Das war bei leblosen Dingen unproblematisch, aber bei den beiden Gefangenen war es vielleicht doch keine so gute Idee.

Denn so, als wären sie mit ihm in der Kabine, tauchten die beiden Figuren als perfekte Wiedergaben im Holobild vor ihm auf.

Der eine war ein hagerer, hochgewachsener Mann namens Kel Drummond, der für einen Menschen unverschämt gut aussah. Er lag in seiner Koje und schaffte es, selbst im Schlaf ein Lächeln auf sein Gesicht zu zaubern. Der zweite Gefangene, ein gewisser Veldekan, war wach und ging ruhelos in seiner Kabine auf und ab.

Obregon musste den Impuls unterdrücken, ihm auszuweichen, als Veldekan an ihm vorbei drei Schritte ging, dann wendete und wieder zurückkam. Aus dem Mundwinkel des Gefangenen floss ein Speichelfaden. Er hob die behaarte Hand und wischte den Faden fort. Dann strich er die Hand an seiner Kleidung ab, um ungerührt seine Wanderung weiterzuführen.

Obregon seufzte. Dieser Veldekan war alles andere als ein Sympathieträger. Das Gegenteil traf zu: So stellte er sich einen Verbrecher vor. Unsympathisch, unhygienisch und auf keinen Fall unschuldig.

Er seufzte erneut. Immerhin war er wach, also konnte er auch arbeiten. Obregon aß eine Kleinigkeit aus einer tönernen Schale, in der er für solche Gelegenheiten mit Schokolade ummantelte Nüsse sowie einige unter fremder Sonne mutierte Riesenrosinen aufbewahrte. Dazu trank er einen Becher einer dunklen, sehr süßen Limonade, und zum Nachtisch – »Wegen der Vitamine«, wie seine Mutter ihn immer ermahnt hatte – aß er einen Kleetash.

Gesättigt machte er in seinem Morgenprogramm weiter. Sorgsam zog er die Borduniform über, warf einen letzten Blick in den Holospiegel, um sein Aussehen zu kontrollieren und eventuelle Nussreste im Gebiss zu identifizieren, und begab sich direkt in sein Büro.

Es gab Crewmitglieder, die ihre Kabine nie verlassen mussten, weil ihre Arbeit von dort erledigt werden konnte. Manchmal gingen Wohnbereich und Arbeitsbereich auch fließend ineinander über.

Obregon konnte das nicht. Für ihn war es wichtig, dass es einen Übergang zwischen Arbeit und Freizeit gab. Selbst wenn er morgens ein paar Vorarbeiten in seiner Kabine erledigte – die tatsächliche Arbeit begann, wenn er sein Büro erreichte, und sie endete, wenn er es verließ. Zumindest in der Theorie ...

Sein Büro war überschaubar, die Einrichtung zweckmäßig, auf Funktionalität ausgerichtet. Als Frachtführer war er für einen der Lagerräume der STELLARIS verantwortlich. Diese Zuständigkeit war für ihn Grund genug, den Lagerraum engmaschig zu überwachen. Er wusste ganz genau, was in jedem Container lagerte: weiche Pelze oder rostige Maschinenteile, alte Folianten oder Datenbanken voll mit akonischem Erotik-Trivid.

Dazu kam, dass er seinen Lagerraum mit modernster Technik überwachte, damit die Waren optimal gelagert und transportiert wurden. Er war sogar so weit gegangen, einige Erweiterungen privat zu bezahlen. Auf der STELLARIS war Eigeninitiative gewünscht. Deshalb hatte es keine Probleme gegeben, als er die Grundeinstellungen anpasste.

Vor vielen Jahren hatte er mal eine Dokumentation über archaische Spiele gesehen. Da ging es um ein frühes, zweidimensionales Computerspiel, in dem unterschiedlich farbige und abwechslungsreich geformte Teile einen Schacht herunterfielen. Während des Fallens konnte man sie drehen, sodass sie sich passgenau auf die schon vorhandenen Gebilde legten. War eine Reihe vollständig, verschwand sie, und man hatte Platz für Nachschub. Das Ganze wurde immer schneller und immer komplizierter, je weiter man in dem Spiel vorankam.

Seine Arbeit erinnerte ihn oft an dieses Spiel. Die Symmetrie des Lagers, jene Aufgabe, möglichst viele unterschiedlich zu behandelnde Waren in ein System zu bringen, das garantierte, dass sie alle unbeschädigt ankamen – das war seine Welt! Eine schöne Welt, eine ordentliche Welt, die mit leblosen Dingen gefüllt war.

Als er Frachtführer geworden war, hatte er es sich nie träumen lassen, dass er irgendwann dafür zuständig sein würde, Gefangene zu transportieren. Für ihn war eine solche Arbeit abschreckender als der Gedanke, für einen Hangar voll Okrills verantwortlich zu sein – Hege und Pflege der Tiere eingeschlossen.

Einige Minuten vertrieb er sich damit, an der Konsole den Zustand der Fracht zu überprüfen. Bei Obst war es wichtig, dass Temperatur und Luftdruck stimmten; andere Waren mussten immer wieder daraufhin überprüft werden, dass sie ordentlich befestigt waren. Auf der STELLARIS hatte es gelegentlich Schwierigkeiten mit der Energieversorgung gegeben, weshalb er dazu übergegangen war, einen Teil der Fracht zusätzlich mit Gurten oder sogar Keilen zu fixieren.

Gegen einen Ausfall der Schwerkraft waren die meisten Dinge damit nicht geschützt. Obregon hoffte dennoch, dass seine Vorkehrungen die Auswirkungen überraschend auftretender Schwierigkeiten zumindest minimieren würden.

Er hatte alles getan, was er im Büro erledigen konnte. Damit gingen ihm die Ausreden aus: Er musste nach den beiden Gefangenen sehen, auch wenn ihm ein unangenehmer Prughgeruch in die Nase stieg. Er erwischte sich dabei, wie er darüber nachdachte, erneut die Container XII und CII zu überprüfen. Das hatte er zwar an diesem Morgen schon getan, aber man wusste ja nie ...

»Obregon?« Vor ihm baute sich das Gesicht eines dunkelhaarigen Terraners auf.

Selbstverständlich erkannte er ihn sofort – wie jeder an Bord. Prep Ykraus, der Sicherheitschef ... immer zur Stelle, wenn man ihn überhaupt nicht gebrauchen konnte.

»Ja?«

»Muss ich dich daran erinnern, dass die Gefangenen eine menschenwürdige Behandlung verdient haben, so wie es die Vereinbarungen mit den Prudencern vorsehen?«

Dieser Tag schien genauso mies weiterzugehen, wie er begonnen hatte. »Frühstück ist unterwegs. Nahrhaft, wohlschmeckend, liebevoll angerichtet und von mir persönlich überbracht. Gleich.«

»Gleich klingt gut. Shanee hat mich heute erneut ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Gefangenen ...«

Die alte Leier.

»Ich weiß nicht, warum sie glaubt, ich würde Gefangene im Frachtraum foltern. Und ich weiß nicht, welchen Narren sie an den Gefangenen gefressen hat.«

Ohne dass er es vermeiden konnte, bildete sich das Gesicht von Kel Drummond vor seinem inneren Auge. Der Gefangene, dem die Frauen vertrauen.

Der Sicherheitschef war am einfachsten dadurch abzulenken, dass man ihn nach Dingen fragte, die direkt in seinen Verantwortungsbereich gehörten.

»Hast du inzwischen die Datei von Prudence geknackt, damit wir etwas mehr über die beiden erfahren?«, fragte Obregon.

Immerhin war allgemein an Bord bekannt, dass Prep gerne über alles informiert war, was an Bord geschah. Über alles. So hatte Prep schon mehrmals versucht, die Datensätze zu dechiffrieren, die man ihnen für den Gefangenenplaneten übergeben hatte.

Sein Gegenüber reagierte nicht begeistert. »Fragmente, Bruchstücke, mehr nicht. Aber ich weiß nicht, ob du das wissen willst ...«

»Ich könnte mich erkenntlich zeigen!«

Preps Augenlid zuckte. Einen Moment rang er mit sich. »Es gibt da ein paar Dinge in Container IV, die ich gerne selbst noch einmal inspizieren würde.«

Törtchen. Genau das war der Inhalt von Container IV: trockene, spröde, brüchige, nach Obregons Geschmack schlecht schmeckende Törtchen. »Einverstanden.«

»Aber sag es keinem weiter ...« Dieses lemurische Sprichwort war immer noch nicht aus der Mode. Obwohl es eigentlich nur ein Platzhalter war – Geheimnisse waren an Bord von Raumschiffen die gängige Währung, wenn man Gefallen oder Neuigkeiten eintauschen wollte.

»Veldekan heißt eigentlich Veldekan Temerint Kardogal da Cansagar. Er ist ein Arkonidenabkömmling, hat adlige Vorfahren. Aber das passt kaum zu dem, was ich aus der Datei herausgelesen habe. Veldekan ist ein mehrfacher Mörder, der seine Opfer auf bestialische Weise zu Tode gebracht hat.« Er machte eine kurze Kunstpause, damit Obregon die Informationen verdauen konnte. »Kel Drummond hingegen ist ein ...« Prep musste ein Lachen unterdrücken. »... Heiratsschwindler!«

»Was ist das denn?«

»Jemand, der Wesen zu einer vermeintlichen Liebesbeziehung verführt, eine Verbindung mit ihnen eingeht, die ihm ihr gesamtes Vermögen sichert, und sich dann damit auf und davon macht! Angeblich stammt diese Tradition von dem mythischen Planeten Erde.«

Obregon gluckste. »Und darauf steht auf Prudence die Todesstrafe?«

»Natürlich«, entgegnete der Sicherheitschef ernsthaft. »Genauso wie auf Mundraub, Niesen im Gottesdienst, das Tragen von karierten Oberhemden bei Vollmond, Kindesentführung und Organhandel. Na gut, das mit dem Niesen habe ich erfunden, aber der Rest passt zu den Prudencern. Ich komme dann nachher wegen des Containers vorbei ... vergiss unsere Abmachung nicht!« Er beendete die Verbindung.

Also muss ich wieder ein paar Törtchen als verdorben ausbuchen. Das mindert meine Erfolgsbilanz.

Während Obregon sich daranmachte, das Frühstück für die beiden Gefangenen zusammenzustellen, dachte er über die grausame Kultur der Prudencer nach. Dort regulierten Tabus und Verbote das gesamte Leben. Egal, was du falsch machen konntest – es war ein Verbrechen und wurde mit dem Tode bestraft. Eine einfache Logik, die wenig Spielraum für Auslegungen ließ.

Als die planetare Zivilisation einen ersten Kontakt zu den Zivilisationen in der galaktischen Nachbarschaft erhielt, wollten die Prudencer ihren Weg nicht aufgeben. Aber die Nachbarn handelten nur unter der Bedingung mit ihnen, dass sie keine Gefangenen mehr bestialisch hinrichteten.

Also einigte man sich darauf, dass jene, die zum Tode verurteilt worden waren, von Prudence deportiert wurden. Sie wurden von Schiffen wie der STELLARIS auf verschiedene streng bewachte Zielplaneten gebracht und erhielten dort die Chance, sich zu resozialisieren. Die Betreiber der Transportschiffe wurden dafür fürstlich belohnt – mit Gefahrenzulage!

Obregon platzierte die Nahrungsmittel jeweils auf einem kleinen Tablett. Es war schwierig, beide zu balancieren, ohne dämlich auszusehen, wenn er damit durch den Frachtraum ging. Deswegen bediente er zuerst Veldekan. Dass es sich bei diesem Abscheu erregenden Ungetüm um einen Mörder handelte, machte dessen Aussehen nicht erträglicher.

Niemand mochte Mörder. Daher wäre man auf Prudence nur zu gerne bereit gewesen, Veldekan für seine Untaten zwischen vier Holzpflöcken mit nassen Lederbändern an den Handgelenken auf dem Boden festzumachen, danach mit Honig einzuschmieren und darauf zu warten, dass die Falo-Spinnen ihn bei lebendigem Leib auffraßen.

Hingegen war man auf der STELLARIS ein wenig freundlicher eingestellt. Sogar gegenüber einem Mörder. Es gab für jeden Gefangenen eine eigene Nasszelle, in der er allein und garantiert unbeobachtet war, dazu eine Kabine in einem speziell umgebauten Container. Man hatte als Gefangener sogar Zugang zum Datenspeicher – keine Kommunikation nach außerhalb, das verstand sich von selbst, aber man konnte sich bei der Unterhaltung und der allgemeinen Information bedienen. Der Container war nicht geräumig, aber angenehm klimatisiert, und er enthielt alles, was ein Mensch zum Überleben brauchte.

Als sich Obregon dem ersten der beiden Container näherte, blieb er kurz stehen. Dann rümpfte er die Nase. Da war er wieder – dieser Geruch nach zu altem Prugh. Er hatte das schon ein paar Mal überprüft – im Lagerraum gab es nichts, was riechen konnte. Eher war wahrscheinlich, dass er sich einen Infekt eingefangen hatte. Oder vielleicht wurde sein Geruchssinn einfach wahnsinnig.

Er riss sich zusammen. Als er um die Ecke des Containers bog, geriet er in das Blickfeld des angenehm ausgestatteten Wohnteils des ersten Gefängnisses.

»Guten Morgen!«, begrüßte er den Gefangenen.

Die Erwiderung war nicht freundlich. Veldekan spuckte nur einen Speichelklumpen in die Ecke des Containers. Dann begann er sich mit seiner rechten Hand zwischen den Beinen zu kratzen, während seine Linke den Mund abwischte.

Obregon wurde fast schlecht. Er stellte das Frühstück auf die eine Seite der Klappe, die sich in Bauchhöhe zwischen ihm und Veldekan befand. Eine einfache Schleuse ohne energetischen Blödsinn, die es erlaubte, kleinere Dinge von außen nach innen und ebenso auch von innen nach außen zu transportieren. Keine Gefahr für das Schiff.

Was wollte man auch hier hinein- oder hinausschmuggeln? Bad und Toilette hatten eine eigene Versorgung, die Atemluft im Raum wurde aufwendig erneuert, und alle anderen Dinge waren entweder positronisch verpackt, oder sie mussten durch diese Klappe.

Natürlich hätte man an Bord der STELLARIS dafür sorgen können, dass der Container völlig autark blieb. Aber da aus den Unterlagen nicht eindeutig hervorging, welche Nahrung die Prudencer bevorzugten, hatte man sich zu diesem kostengünstigen Kompromiss entschlossen.

Es war einfacher, mit den großen Nahrungserzeugern der STELLARIS außerhalb der Container alle Varianten vorzuhalten, als in jedem Container ein autarkes System einzubauen. Das würde sicher daran scheitern, dass frischer Yemyem mit Gnurkeln, einer Prise Zimt und einem erfrischenden Glas vincranische Feuerminze mit einem Hauch Limette gerade nicht lieferbar waren. Obregon hätte es nicht ertragen, wenn zu den normalen Kommentaren über die Behandlung seiner Gefangenen noch Hinweise darauf eingegangen wären, dass er sie verhungern ließ.

Obregon schnüffelte erneut. Für einen kurzen Moment war

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