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Heirate nie auf Spiekeroog: Spiekeroog-Krimi
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eBook202 Seiten2 Stunden

Heirate nie auf Spiekeroog: Spiekeroog-Krimi

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Über dieses E-Book

Auf den Wellen vor Spiekeroog schwimmt ein Brautkleid. Dass die Braut verschwunden ist und einen verzweifelten Bräutigam zurücklässt, macht daraus noch keinen Fall für den Inselpolizisten Ahsen. Aber was hat die Frischvermählte bewogen, den Bund der Ehe schon wenige Stunden nach der Trauung wieder zu brechen? Kurios, doch keineswegs besorgniserregend findet es auch Kommissar Mütze, der wieder einmal seinen Urlaub auf der Insel verbringt. Karl-Dieter, sein Lebensgefährte, ist da ganz anderer Meinung. Und leider wird er Recht behalten …
SpracheDeutsch
HerausgeberProlibris Verlag
Erscheinungsdatum9. Apr. 2021
ISBN9783954752317
Heirate nie auf Spiekeroog: Spiekeroog-Krimi
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    Buchvorschau

    Heirate nie auf Spiekeroog - Johannes Wilkes

    Info

    Johannes Wilkes

    Heirate nie auf Spiekeroog

    Spiekeroog-Krimi

    Prolibris Verlag

    Alle Rechte vorbehalten,

    auch die des auszugsweisen Nachdrucks

    und der fotomechanischen Wiedergabe

    sowie der Einspeicherung und Verarbeitung

    in elektronischen Systemen.

    © Prolibris Verlag Rolf Wagner, Kassel, 2021

    Tel.: 0561/766 449 0, Fax: 0561/766 449 29

    Titelbild: © ReneAsmussen, Pexels

    Schriften: Linux Libertine

    E-Book: Prolibris Verlag

    ISBN E-Book: 978-3-95475-231-7

    Dieses Buch ist auch als Printausgabe im Buchhandel erhältlich.

    ISBN: 978-3-95475-221-8

    www.prolibris-verlag.de

    Handlung und Figuren dieses Romans entspringen der Fantasie des Autors. Eventuelle Übereinstimmungen mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Nicht erfunden sind bekannte Persönlichkeiten, Institutionen, Straßen und Schauplätze auf Spiekeroog.

    Der Autor

    Johannes Wilkes, in Dortmund geboren, als der Pott noch rauchte, entwickelte erste Mordfantasien beim Sezieren einer formalingetränkten Leiche während seines Medizinstudiums in München. Er ist Autor zahlreicher unblutiger Bücher und leidenschaftlicher Strandgänger auf Spiekeroog. Hier spielte sein erster Kriminalroman: »Der Tod der Meerjung frau«. Das erfolgreiche Ermittlerpärchen Karl-Dieter und Mütze geraten in dem vorliegenden Buch in ihren fünften Mordfall auf Spiekeroog.

    Samstag

    Erstes Kapitel

    Ein letztes Mal zu zweit! Mit stolzgeschwellter Brust stand Karl-Dieter auf dem Oberdeck, während die Spiekeroog II munter hinaus aufs offene Meer stampfte. Im Hafen von Neuharlingersiel hatte es einen frechen Regenguss gegeben, nun aber spiegelte sich in den Pfützen der Himmel bereits wieder im schönsten Nordseeblau, und in der Ferne, dicht unter dem Horizont, sah Karl-Dieter seine Lieblingsinsel heranschwimmen. Tief sog der werdende Vater die frische Salzluft ein. Das letzte Mal zu zweit!

    Aus dem Schiffsbauch kletterte Mütze ins Freie, in der einen Hand die obligatorische Bockwurst im dreieckigen Labbertoast, in der anderen sein Begrüßungsjever.

    »Auch einen Schluck, Knuffi?«

    »Mensch, Mütze …«

    »Ich weiß schon«, lachte Mütze und klopfte auf Karl-Dieters Bauch, »wir sind im dritten Monat, nicht wahr?«

    Karl-Dieter grinste etwas gezwungen. Sollte Mütze nur seine Witze machen. Auch wenn Klein-Lasse nicht in seinem Körper heranwuchs, so verhielt sich Karl-Dieter um kein Sandkörnchen weniger verantwortlich als jede Frau. Viel Lob hatte er dafür von den werdenden Müttern seines Schwangerschaftskurses bekommen, während die angehenden Väter wohl nur still über ihn lächelten. Sollten sie nur! Bei Verzicht auf Alkohol ging es ihm doch nicht allein um Ernährungshygiene, sondern vor allem um die innere Einstellung. Als Vater übernahm man künftig ganz andere Aufgaben, da hieß es, achtsam zu sein, vorbereitet. Das Wort achtsam durfte Karl-Dieter in Mützes Gegenwart allerdings nur in inneren Monologen verwenden, es gehörte zu den partnerschaftlichen Tabuwörtern, genau wie Corona, alkoholfreies Bier oder pH-neutrale Seife.

    Während Mütze, der knallharte Kommissar, einen tiefen Schluck aus der Pulle nahm und Spiekeroog ins Auge fasste, schickte Karl-Dieter seinen Blick zwischen Langeoog und Spiekeroog hindurch auf die offene See. In seinen Augen lagen etwas Träumerischeres und eine große Sehnsucht. Die Nordseewellen, kamen sie nicht über den Atlantik daher? Am anderen Ende des Atlantiks aber, in South Carolina, lag ein kleiner Strand, Myrthe Beach hieß er, und in Myrthe Beach lebte Maggie und trug ihr Kind in ihrem Leib. Und wenn alles gut lief, würden sie es in sechs Monaten schon in ihre Arme schließen können, ihren Lasse! Karl-Dieter lehnte sich über die Reling. Die Wellen, die auf ihn zuliefen, waren sie nicht schon stille Grüße aus der Zukunft?

    Zweites Kapitel

    Zu den Höhepunkten eines Spiekeroog-Urlaubs gehörte unbedingt eine Gruselwanderung mit der Literaturfreundin Katharina Jerke. Wenn die Sonne blutrot ins Meer tropfte und die Dunkelheit vom Festland herüberwaberte, wenn die Sterne angeknipst wurden, einer nach dem anderen, bis sich das unglaublichste Lichtermeer über die Insel ergoss, dann zog die belesene Inselspezialistin mit einer Gruppe Interessierter durch einsame Dünenwege, um von Dingen zu erzählen, die die Sphäre des Übersinnlichen streiften. Dann rieselte den Zuhörern ein kalter Schauer den Rücken hinunter, was mancher jedoch freudig begrüßte, hatte die hyperaktive Strandsonne doch das ein oder andere Bleichgesicht über Gebühr erhitzt, so auch an diesem Tag.

    Zu den Familien und Pärchen hatten sich drei Damen gesellt, die aufgrund ihres Alters etwas hinterherhinkten. Man hatte die versandeten Dünenwege hinter sich gelassen und schritt zum Weststrand hinab, wo die älteren Damen wieder Anschluss fanden. Begleitet vom silbernen Plätschern der Wellen begann Katharina Jerke vom Phänomen des Meeresleuchtens zu erzählen, jenem eigenartig grünlich schimmernden Licht, das in manch mondloser Nacht aus der Tiefe der See aufzusteigen schien. Doch die gespannte Aufmerksamkeit, mit der alles ihr zuhörte, wurde sofort wieder gestört. Wer tuschelte denn da so ungeniert? Ungehalten unterbrach die Literaturführerin ihren Vortrag und mit ihr drehte sich die ganze Gruppe zu den drei Alten um. Die jedoch deuteten mit ihren gichtgekrümmten Fingern auf eine Stelle nahe dem Wellensaum und wisperten: »Gehört das zur Führung mit dazu?«

    Die Augen weiteten sich und ein junges Mädchen stieß einen spitzen Schrei aus. Ein Geist! Ein Wassergeist mit ausgebreiteten Armen! Im hellen Kleid tanzte er auf den Wellen, ohne Kopf, Hände und Füße. Durch und durch Profi, reagierte die Gästeführerin geistesgegenwärtig, indem sie die Eltern bat, sich mit den Kindern doch bitte zu den nahen Strandkörben zu begeben, sie käme gleich hinterher. Dann trat sie näher ans Meer heran. Was sie da sah, ließ ihren Atem stocken: Dieses Gespenst war kein Gespenst!

    Drittes Kapitel

    Ahsen war im Dienst, natürlich, Ahsen war immer im Dienst. So war das eben, wenn man Polizist auf Spiekeroog war. Dienstzeiten waren ein Privileg der Festlandskollegen. Als Inselpolizist konnte man sich den Luxus eines Feierabends nicht leisten, wer sollte einen denn auch vertreten? »Allzeit bereit!«, war Ahsens Motto, und so war er auch jetzt, kaum gerufen, schnell wie ein Strandläufer zur Stelle, so schnell zumindest, wie es sein Dienstrad zuließ. Diskret und um die Nachtruhe der Touristen besorgt, hatte er darauf verzichtet, die am Lenker verschraubte Kombination aus Blaulicht und Martinshorn anzuwerfen, was aufgrund der übersichtlichen Verkehrslage auf Spiekeroog allerdings auch nicht wirklich notwendig gewesen wäre. Zudem hatte eine freche Möwe respektlos auf das Blaulicht geschissen, wodurch das schweifende Licht unschön ins Grünliche changiert hätte, was nicht jeder Inselgast mitkriegen musste. Sein Rad hatte er dort abgestellt, wo der Dünenweg endete, den Rest musste er zu Fuß gehen.

    »Kein Zweifel, ein Brautkleid«, stellte Ahsen fachmännisch fest, während er das von Katharina Jerke mithilfe eines walknochenähnlichem Holzstücks an Land gezogene Kleidungsstück musterte.

    Ahsen beugte sich nieder. Zwar hatte er selbst nie geheiratet, sich jedoch im Laufe seines nunmehr zwanzigjährigen Inselpolizistendaseins eine hübsche Allgemeinbildung angeeignet, die auch alle Formen der Eheschließung einschloss. Mit Brautkleidern jedenfalls kannte er sich aus, kaum ein Wochenende verging, an dem die Fähren nicht zwei, drei Bräute ausspucken würden. Zur Schließung des Ehebunds nach Spiekeroog zu schippern, war schwer in Mode gekommen, ein Phänomen, über dessen Grund sich die Insulaner stritten. Die Romantiker unter ihnen sagten, es liege daran, dass die Insel so idyllisch sei. Realisten mit Sinn für finanzielles Knausertum hingegen behaupteten, Spiekeroog sei als Ort für das Ja-Wort so beliebt, weil durch diese Wahl die Hochzeitsgesellschaft hübsch übersichtlich ausfalle. Zudem seien im Inseldorf aus Ruhegründen keine abendlichen Tanzveranstaltungen erlaubt, so dass die Nicht-Tänzer unter den Bräutigamen (eine nicht zu unterschätzende Spezies) gerne Spiekeroog favorisierten.

    Bräute gab es auf Spiekeroog also häufig, auf dem Wasser treibende Brautkleider allerdings nur selten. Genauer gesagt, Ahsen erinnerte sich an kein einziges, weshalb sich eine kleine Sorgenfalte auf seiner Stirn zu bilden begann, als er das Fundstück inspizierte. Was war hier zu tun? Was sollte er mit diesem speziellen Strandgut anstellen? Mussten weitere Ermittlungen folgen? Strenggenommen lag ja kein Delikt vor, wenn man von einer Umweltsünde absah. Das nächtliche Ins-Wasser-Werfen von Brautkleidern stellte an und für sich kein Vergehen oder gar Verbrechen dar, das Kleid könnte aber, das war nicht völlig abzustreiten, auf ein Verbrechen hindeuten. Langsam massierte sich der Inselpolizist die Schläfen, was ihm oft hilfreich war, um seine Gedankengänge zu beschleunigen.

    »Die Frage, die sich stellt«, sagte er in bedächtigem Ton und mehr zu sich als zu der Literaturführerin, »wenn das hier ein Brautkleid ist, wo ist dann die Braut?«

    Sonntag

    Viertes Kapitel

    Ahsen kam aus der Linde gelaufen und wollte sich gerade sein Dienstrad schnappen, das an dem geschwungenen Holzzaun lehnte, als ihm jemand fröhlich hinterherrief: »Moin, Herr Kollege!«

    Mütze amüsierte sich, wie Ahsen verwirrt seinen Kopf rotieren ließ, bis er ihn endlich entdeckte. Da ging ein Strahlen über das wettergegerbte Gesicht des Inselpolizisten.

    »Mensch, das gibt’s doch nicht! Moin, Mütze! – Und Karl-Dieter! Moin, die Herren!«

    Mütze hatte sich durchgesetzt. Während Karl-Dieter ein Fan von Ferienwohnungen war, weil er gerne den Kochlöffel schwang und Spaß daran hatte, sich häuslich einzurichten, liebte es Mütze, sich in der Linde verwöhnen zu lassen, dem altehrwürdigen Inselhotel. Der Morgen war freundlich, sie konnten im Freien frühstücken, und wo war es schöner als auf der Veranda unter dem ehrwürdigen Baummethusalem, der sich seit über 150 Jahren erfolgreich gegen die Stürme wehrte?

    »Schau, Ahsen«, rief Mütze und deutete mit verschmitztem Lächeln zu seinem Teller hinüber, »rate, was das ist!«

    Ahsen beugte sich vor und betrachte Mützes Frühstückskreation, wobei er seine Stirnfalte zu einem Fragezeichen verbog.

    »Das musst du doch kennen«, lachte Mütze, »das ist eure Insel, das ist Spiekeroog.«

    Tatsächlich! Mütze hatte die Insel am Büfett nachgebaut. Das Meer, das war der Heringssalat, eine langgezogene Welle am nördlichen Tellerrand. Dann schloss sich der Strand an, geformt aus einige Scheiben hellem Gouda, dann die Dünen, gepellte Eier, halbiert, mit der Spitze nach oben. Das Inseldorf hatte Mütze liebevoll aus Mettklecksen mit dazwischen gestreutem Schnittlauch nachgebaut, das Watt schließlich bildeten platte Lachsscheiben.

    »Na dann, wohl bekomm’s«, grinste Ahsen.

    »Magst du dich nicht zu uns setzen?«

    »Ne, ne«, sagte Ahsen und setzte eine wichtige Miene auf, »ich bin im Dienst!«

    Mit diesen Worten schwang er sich auf sein Fahrrad.

    »Was denn, was denn?«, rief ihm Mütze hinterher. »Hat wieder jemand einen Bollerwagen geklaut?«

    Fünftes Kapitel

    Moni, die muntere Kellnerin, aber wusste mehr.

    »Die Braut ist weg«, flüsterte sie leise, während sie das Rührei mit dem gebratenen Speck servierte.

    »Die Braut? Welche Braut?«

    Moni deutete unauffällig zu der Verandatür, aus der gerade ein beleibter Herr mit karierten Shorts und seltsam grünlichem Gesicht trat, um sich mit seinem riskant beladenen Teller zum Frühstück niederzulassen. »Das ist der Bräutigam, eben von Ahsen vernommen, unter vier Augen, hinten im Strandkorb, im Garten.«

    »Er sieht, wie soll ich sagen, er sieht nicht ganz gesund aus.«

    »Eine dumme Krankheit, seltene Sache.«

    »Und was ist das für eine Ratte, die er in seinem Körbchen trägt?«

    Moni musste lachen. »Das ist keine Ratte, das ist ein Chihuahua.«

    »Ein was?«

    »Ein Hündchen, Nosie, heißt der Kleine. Misst gerade mal zwanzig Zentimeter. Bei seiner Geburt soll er in einen Teelöffel gepasst haben, musste mit der Pipette großgezogen werden. Süß, nicht wahr?«

    Sechstes Kapitel

    »Da stimmt doch was nicht«, sagte Karl-Dieter, während die Freunde den Pfad entlangslurten, der sich durch die Dünen Richtung Badestrand schlängelte. Während Mütze Shorts zu seinen Badelatschen trug, hatte Karl-Dieter lange weiße Hosen angezogen, weil er fand, ein Mann jenseits der fünfzig sollte seine Beine nicht mehr öffentlich zeigen.

    »Was stimmt denn nicht, Knuffi?«

    »Welche Frau würde am schönsten Tag ihres Lebens türmen? Man hat ihr was angetan, sollst sehen!«

    »Ach, Knuffi! Die Wahrheit ist leider oft viel banaler als deine Bühnenbildnerfantasien. Denk an den Film Die Braut, die sichnicht traut. Manch Heiratskandidat bekommt im letzten Moment eben Muffensausen, nicht jeder fiebert dem Ende seiner Freiheit entgegen, auch wenn du dir das nicht vorstellen kannst.«

    Karl-Dieter verstand die Andeutung und schwieg. Dass Lasse-Baby unehelich zur Welt kommen würde, bereitete ihm in stillen Momenten manch leisen Kummer. Gerne zitierte Mütze, um ihn zu ärgern, Oscar Wilde: »Die Ehe ist eine gegenseitige Freiheitsberaubung in beiderseitigem Einvernehmen.« Konnte er Mütze, dem hartnäckigen Ehemuffel, deshalb aber ernsthaft böse sein? Nein! Selbst die schönste aller Hochzeitsfeiern, was war sie schließlich gegen den Gedanken, bald das eigene Baby im Arm wiegen zu dürfen? Außerdem, eine Heirat ließ sich jederzeit nachholen, vielleicht lag gerade

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